Carsten Müller/André Röhl

 

Die globalen sicherheitspolitischen Entwicklungen der letzten zwei Jahrzehnte sind in einem hohen Maß von Unsicherheiten geprägt. Dies betrifft insbesondere den Umgang mit bestehenden oder aufflammenden gewaltsamen Konflikten.

Im Folgenden soll Terrorismus als Gewaltinstrument in das Verständnis von nationalen und internationalen Konflikten eingeordnet und gleichzeitig eine Möglichkeit dargestellt werden, die Entwicklung von Konfliktpotenzialen und Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheitslage in einem Nationalstaat zu bewerten.

Terrorismus wird im Allgemeinen als unvorhersehbares Risiko betrachtet. Die Angriffe werden als Gewaltkommunikation wahrgenommen, um mittelbar über die Wirkung innerhalb einer Bevölkerung oder unmittelbar durch die Wirkung auf relevante Entscheidungsträger einer Gesellschaft eine Reaktion zu erzwingen.

Terrorismus ist durch vier sich bedingende und verstärkende Merkmale gekennzeichnet:

1. spezifische Art und Weise der Gewaltanwendung,

2. geringe Anzahl und spezifischer Organisationsgrad der Akteure,

3. destruktiver Ansatz der Machtausübung,

4. eine durch Fanatismus geprägte Überzeugung und die Bereitschaft zu vermeintlich abnormen Handlungen und/oder Einstellungen.

Die vorgestellte Methode der idealtypisch-vergleichenden Länderanalyse zur Bewertung des Gewaltpotenzials in Nationalstaaten ist nicht mehr und nicht weniger als die an einem modellhaften Verständnis von Terrorismus als mainstreamoppositioneller Gewalt orientierte systematische Auswertung vorliegender kulturhistorischer und sozio-ökonomischer Daten. Über die empirisch begründete Priorisierung von Begründungszusammenhängen werden Konfliktfelder ermittelt, die in Vergleiche zwischen Staaten oder zwischen verschiedenen Zeitpunkten eingehen. Aus der Abweichung werden Schlussfolgerungen gezogen, wobei Rückschlüsse auf konkrete Konfliktfelder in einer Gesellschaft möglich sind. Damit dient diese Methode nicht der konkreten Vorhersage von Gewaltereignissen. Es ist jedoch möglich, auch ohne das offene Vorliegen von oppositionellen Organisationsstrukturen etwa bei paramilitärischen Verbänden oder einer maßgeblichen Einflussnahme eines Nationalstaates im Nachhinein Entwicklungen zu erklären und aktuelle Tendenzen und ihre Ursachen zu erkennen.

Durch eine derartige systematisierte und über einen längeren Zeitraum und mehrere Staaten standardisierte Erhebung und Auswertung relevanter Indikatoren böte sich die Möglichkeit, in einem komplexer werdenden sicherheitspolitischen Umfeld die Ressourcen zielgerichtet zur Verhinderung von Konflikten einzusetzen und sich nicht von vermeintlich plötzlich auftretenden Ereignissen überraschen zu lassen oder durch monokausal begründete Handlungsmuster den Erfolg eigenen Handelns frühzeitig in Frage zu stellen.