Angriff an Jom Kippur

Israels nationales Trauma

 

Marcel Serr

 

Die ägyptisch-syrische Offensive am 6. Oktober 1973 traf Israel vollkommen überraschend und brachte die israelischen Streitkräfte (Israel Defense Forces, IDF) für einen kurzen Moment erstmals in der Geschichte des modernen Israel an den Rand einer Niederlage. Zwar gelang es den IDF letztlich, militärisch erfolgreich aus dem Konflikt hervorzugehen, doch versetzte der Überraschungsangriff Israel einen psychischen Schlag, dessen Nachwirkungen bis zum heutigen Tag spürbar sind. Zumal zum Zeitpunkt des Angriffes der höchste jüdische Feiertag - der Tag der Versöhnung (hebr. Jom Kippur) - begangen wurde, der einzige Tag, an dem das öffentliche Leben in Israel gänzlich stillsteht. So wird der Jom-Kippur-Krieg bis heute als traumatischstes Ereignis der Geschichte des modernen Staates Israel empfunden.

Im Oktober 2013 jährt sich der Krieg zum 40. Mal. Grund genug, den vierten israelisch-arabischen Waffengang noch einmal aus drei Blickrichtungen Revue passieren zu lassen:
1. Aus der militärischen Perspektive werden das Kräftegleichgewicht, die Waffensysteme, Taktiken und Strategien der Kontrahenten betrachtet sowie der Verlauf der Kampfhandlungen dargestellt.
2. Bei der inner-israelischen Perspektive steht die Frage im Zentrum, wie Israel derart von dem arabischen Angriff überrascht werden konnte.
3. Aus der sicherheitspolitischen Perspektive wird schließlich der Problematik der nuklearen Abschreckung Israels nachgegangen.

Der historische Kontext

Im Sechstagekrieg 1967 war den israelischen Streitkräften ein atemberaubender Erfolg über die drei Nachbarstaaten Ägypten, Syrien und Jordanien gelungen. Die IDF benötigten nur sechs Tage, um die gegnerischen Streitkräfte beinahe vollständig aufzureiben und ein Territorium zu erobern, das dreieinhalbmal größer als das bisherige Staatsgebiet war (die Golanhöhen, Westjordanien und die Sinaihalbinsel). Israel gewann dadurch erstmals an strategischer Tiefe, wodurch sich die sicherheitspolitische Situation des jüdischen Staates immens verbesserte (siehe Abbildung 1).
Die gedemütigten Araber konnten eine solche Schmach nicht auf sich sitzen lassen; ein Friedensschluss war unvorstellbar. Gleichzeitig sah Jerusalem aus einer Position der Stärke keine Veranlassung zu Konzessionen. Ein erneuter Waffengang war damit unausweichlich.
Im Oktober 1972 beorderte Ägyptens Präsident Anwar el-Sadat den Obersten Rat der Streitkräfte zu sich. Er offenbarte den überraschten Generälen, dass er gedenke, Israel anzugreifen, und befahl die Ausarbeitung entsprechender Pläne. Aber alleine war Ägypten den israelischen Streitkräften nicht gewachsen. Daher holte Sadat Syrien mit ins Boot: Im April 1973 schmiedete er mit Syriens Präsident Hafiz al-Assad eine Kriegsallianz. Ende September/Anfang Oktober 1973 begannen die Verbündeten unter dem Deckmantel eines Manövers, ihre Truppen entlang des Suezkanals und auf den Golanhöhen zu konzentrieren.1)
In Jerusalem löste dies ein gewisses Unbehagen aus. Dennoch war Israels Geheimdienst noch einen Tag vor dem Angriff fest davon überzeugt, dass Ägypten und Syrien lediglich bluffen würden. Erst zehn Stunden vor Beginn der ägyptisch-syrischen Offensive kam Israels Führung in den frühen Morgenstunden des 6. Oktober schließlich zu der Erkenntnis, dass Kairo und Damaskus noch am selben Tag zum Krieg schreiten würden. Gegen 9 Uhr wurde die Mobilmachung angeordnet - viel zu spät, um noch rechtzeitig die Frontlinien zu verstärken, denn um 14 Uhr begannen die ägyptischen und syrischen Streitkräfte mit ihrem Angriff auf Israel.2)

Die militärische Perspektive: Kräftegleichgewicht, Strategien, Taktiken und Kriegsverlauf

Wurde im Sechstagekrieg noch hauptsächlich veraltetes Militärgerät verwendet, so hatten sich die militärischen Fähigkeiten der levantinischen Staaten bis 1973 erheblich verbessert. Was die Bewaffnung der Kontrahenten anbelangt, so standen sich im Nahen Osten Anfang der 1970er-Jahre die Waffensysteme der Supermächte USA (als Waffenlieferant für Israel) und Sowjetunion (als Ausstatter der arabischen Staaten) direkt gegenüber. Insgesamt waren die Kriegsparteien nun mit dem Modernsten ausgestattet, was die Waffenarsenale Washingtons und Moskaus zu bieten hatten.3)
Außerdem beeinflussten die Supermächte auch während der Kampfhandlungen die Fähigkeiten der beteiligten Akteure durch umfangreiche Waffenlieferungen an die jeweiligen Klientelstaaten: Die Sowjetunion etablierte am 10. Oktober eine Luftbrücke und lieferte rund 15.000 Tonnen militärisches Gerät nach Damaskus und Kairo.4) Die USA flogen ab dem 14. Oktober insgesamt 22.300 Tonnen Kriegsmaterial im Wert von insgesamt 10 Mrd. USD nach Israel. Neben Kampfjets und Panzern waren in erster Linie Störmittel (beispielsweise Düppel) gegen die ägyptischen und syrischen Flugabwehrwaffen sowie smart bombs (z.B. die elektro-optisch gelenkte Maverick-Rakete) von entscheidender Bedeutung. Hinzu kamen Kampfflugzeuge, die direkt nach Israel geflogen wurden, und Material, das Israel auf dem Seeweg erreichte.5)

Die israelischen Streitkräfte

Unter Berücksichtigung der prekären Sicherheitslage und des limitierten Bevölkerungs- und Wirtschaftspotenzials Israels war den Gründungsvätern der IDF klar, dass das Land zwar eine starke Armee benötigen würde, aber ein stehendes Heer nicht dauerhaft unterhalten könne. Die Lösung war ein aus drei Ebenen bestehendes Milizsystem:6)
1. Ein zahlenmäßig kleiner Kern von Berufssoldaten (1973: 25.000) - hauptsächlich Offiziere und Unteroffiziere, die die Leitung, Planung, Organisation und Ausbildung der Streitkräfte übernehmen sowie die Mehrheit in den technisch anspruchsvolleren Waffengattungen Luftwaffe und Marine stellen.
2. Die Wehrpflichtigen (1973: 50.000) - sowohl Männer als auch Frauen waren und sind zu einem mehrjährigen Wehrdienst verpflichtet.
3. Die Reservisten - nach Abschluss des Wehrdienstes bleibt jeder Mann bis zum 49. und jede Frau bis zum 34. Lebensjahr Teil der Reserve, in deren Rahmen die Reservisten an mindestens einem Monat im Jahr Militärdienst und Übungen leisten.7)
Da die Reserve den Großteil der IDF und den Kern der Kampftruppen bildet, ist die Schnelligkeit der Mobilmachung von entscheidender Bedeutung. Dank intensiver Vorbereitung waren die IDF 1973 in der Lage, innerhalb von 72 Stunden eine volle Mobilmachung zu vollziehen.8) Am Vorabend des Jom-Kippur-Krieges verfügte Israel damit bei voller Mobilmachung über 310.000 Männer und Frauen in Uniform (siehe Abbildung 2).
Wissend um die numerische Unterlegenheit, die Israels Sicherheitslage als „Insel in einem Meer arabischer Staaten“ stets charakterisieren wird, legten die IDF von Beginn an hohen Wert darauf, Quantität durch Qualität auszugleichen. Daher achtete die Militärführung penibel auf eine in allen Belangen hervorragende Ausbildung. Ein besonders hervorzuhebendes Charakteristikum ist hierbei die dezidierte Förderung und Einforderung von persönlicher Hingabe, Eigeninitiative und Kreativität bei der Ausbildung der Soldaten und die Ablehnung strikter Hierarchien. Darauf aufbauend etablierten die IDF eine relativ flexible Operationsweise: So wurde von der IDF-Führung ein allgemeines Ziel vorgegeben, jedoch für dessen Erreichung relativ freie Hand gelassen. Dabei wurde jeder Soldat aufgefordert, selbst die Initiative zu ergreifen. Dies sollte die Flexibilität auf dem Schlachtfeld optimieren und zeitraubende Befehls- und Kommandowege ersparen, was in erheblichem Ausmaß zu Israels einzigartigen Fähigkeiten in der mobilen Kriegführung beitragen sollte. So vermochten es die IDF, in der Offensive ständig in Bewegung zu bleiben und damit dem Feind keine Reaktionszeit zu lassen.9) Die Ablehnung stupider Militärriten, blinden Gehorsams und sturer Disziplin sowie die Verinnerlichung von Eigeninitiative und Offensivdrang praktisch jedes Soldaten machten die IDF in der mobilen Kriegführung zur schlagkräftigsten Armee im gesamten Nahen Osten.
Die israelische Luftwaffe (Israeli Air Force, IAF) galt als das Maß der Dinge in der Region. Die IAF verfügte über amerikanische A-4 Skyhawk-Jagdbomber und F-4 Phantom. Dabei galten Letztere als die effektivsten Kampfflugzeuge ihrer Zeit. Insgesamt besaß die IAF schnellere und robustere Kampfflugzeuge als die arabischen Nachbarstaaten. Zur technischen Überlegenheit der israelischen Kampfjets kamen die hohen Qualitätsstandards der israelischen Bodencrews, die dazu beitrugen, dass die Zahl der de facto einsatzbereiten Kampfflugzeuge der IAF deutlich höher war als bei den arabischen Luftstreitkräften. Daher gelang es der israelischen Luftwaffe, trotz weniger Flugzeuge mehr Einsätze zu fliegen als die arabischen Kontrahenten. Auch die israelische Pilotenausbildung war maßstabsetzend: Die Kampfpiloten absolvierten doppelt so viele Flugstunden wie arabische Piloten.10) Mit Blick auf die quantitative Ausstattung standen der IAF 476 Flugzeuge und Helikopter zur Verfügung, davon 352 Jagdflugzeuge und acht Bomber (siehe Abbildung 3).
Neben der Luftwaffe kam dem Panzer-Korps innerhalb der IDF ein besonders hohes Prestige zu. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen des Sechstagekrieges kennzeichnete die IDF ein beinahe mystischer Glaube an die Schlagkraft des Panzers - er avancierte zum unangefochtenen „König des Schlachtfeldes“. Insgesamt standen den IDF 2.000 Panzer und 4.000 gepanzerte Fahrzeuge zur Verfügung (siehe Abbildung 2), darunter seit Anfang der 1970er-Jahre auch der M-60-Kampfpanzer aus den USA. Die israelischen Panzerbesatzungen erfuhren ebenfalls eine ausgezeichnete Ausbildung und erzielten daher eine deutlich höhere Schuss- und Trefferrate als die arabischen Kontrahenten, was es ihnen selbst bei quantitativer Unterlegenheit gestattete, einer Überzahl arabischer Panzer ohne Weiteres die Stirn zu bieten. Hinsichtlich Schnelligkeit und Präzision waren die israelischen Panzerbesatzungen vermutlich weltweit führend. Hinzu kommt, dass Ägypten und Syrien nur über wenige moderne T-62 verfügten. Ihr Hauptkontingent stellten T-54/T-55 sowie der antiquierte T-34 (siehe Abbildung 2).11)
Nach den Eroberungen des Sechstagekrieges hatte sich die geographische Verteidigungslage Israels erheblich verändert (siehe Abbildung 1). Die arabischen Armeen waren nun schlichtweg weiter vom israelischen Staatsgebiet entfernt, das nun zu großen Teilen nicht mehr in der Reichweite feindlicher Artillerie lag. Luftangriffe durch Ägypten auf das israelische Staatsgebiet waren aufgrund fehlender Langstreckenkampfflugzeuge der ägyptischen Luftwaffe gar obsolet geworden. Zudem hatte sich die Länge der Grenzen für Israel erheblich reduziert (von 985 Kilometern vor 1967 auf 650 Kilometer). Andererseits hatte die territoriale Expansion Israels Kommunikationslinien erheblich verlängert. Truppenverlagerungen von einer Front zur nächsten wurden dadurch erheblich erschwert. Ferner mussten israelische Truppen am 240 Kilometer entfernten Suezkanal versorgt werden.12)
Die Verteidigungsstrategie wurde der veränderten territorialen Situation angepasst: Entlang des Suezkanals errichteten die IDF ein System von 31 Verteidigungsposten - die so genannte Bar-Lev-Linie. An der syrisch-israelischen Front wurden befestigte Stellungen sowie Panzergräben und Minenfelder errichtet. Gestützt wurde das Verteidigungssystem durch mobile Panzereinheiten.13) Im Falle eines Überraschungsangriffes sollten die Fronttruppen in den befestigten Stellungen gemeinsam mit der IAF (als „fliegende Artillerie“) eine Invasion aufhalten, bis die israelischen Reserven mobilisiert und an der Front eintreffen würden. Eine schlagkräftige Phalanx aus Panzern sollte die gegnerischen Linien dann in einem Frontalangriff durchbrechen, um im Rücken des Gegners maximalen Schaden anzurichten und damit einen weiteren Blitzsieg (wie im Sechstagekrieg) zu erzwingen.14)
Das statische Verteidigungssystem der Bar-Lev-Linie folgte in erster Linie politischen Erwägungen. IDF-Stabschef David Elazar verstand die Verteidigungs­linie als wichtiges politisches Statement: „Even if I thought that the strongholds were worthless from the military point of view, I would be in a quandary over whether to abandon them from the political standpoint.“ 15) Auch Israels politische Führung war zu diesem Zeitpunkt unter keinen Umständen gewillt, territoriale Zugeständnisse zu machen. Wie Golda Meir in einer Rede deutlich machte, werde „[n]either war nor the threat of war“ Israel zur Aufgabe von Gebieten bewegen.16) Mit einer solchen unflexiblen Verteidigungsstrategie gab Israel jedoch den wichtigsten strategischen Gewinn des Sechstagekrieges auf - die strategische Tiefe. Denn gerade der Sinai hätte sich dazu angeboten, die ägyptischen Truppen in die Wüste vorrücken zu lassen und dann die überlegene mobile Kriegführung der IDF auszuspielen.17)
Letztlich lässt sich die Bar-Lev-Linie auch nicht mit Verteidigungsbollwerken wie der Maginot-Linie oder dem Westwall vergleichen. Sie war eher eine Aneinanderreihung von befestigten Wachposten. Überdies waren Anfang 1972 unter dem Kommando von Ariel Sharon mehr als die Hälfte der Posten aufgegeben worden. Im Oktober 1973 waren nur 500 Reservisten an der 160 Kilometer langen Bar-Lev-Linie stationiert. Ferner verfügten die regulären IDF-Verbände im Sinai über zwölf Artillerie-Batterien, 290 Panzer, zwei Flaraketenstellungen und sechs Flugabwehrbatterien. Die gesamte Verteidigungsstreitkraft der IDF im Sinai betrug insgesamt rund 18.000 Mann. Die Nordfront im Golan verlief auf einer Länge von 65 Kilometer. Bei Kriegsausbruch wurde der Golan von 2.500 Mann, 178 Panzern und elf Artilleriebatterien gehalten.18)

M-60 Kampfpanzer

 

Die ägyptischen und syrischen Streitkräfte

Die Streitkräfte von Ägypten, Syrien und Jordanien waren im Sechstagekrieg erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden. Mehr als 80% ihres militärischen Geräts waren entweder zerstört oder von den Israelis erobert worden. Die Performance des ägyptischen und syrischen Militärs hatte 1967 erheblich zu wünschen übrig gelassen. Unmittelbar nach Ende des Sechstagekrieges begannen die ägyptischen und syrischen Streitkräfte mit ihrer Wiederaufrüstung. Unverzichtbarer Partner war hierbei der Kreml, der nicht nur neue Waffensysteme, sondern auch Tausende Militärberater nach Kairo und Damaskus sandte, die die Streitkräfte neu organisierten und die Ausbildung übernahmen. Ihr Einsatz bewirkte eine spürbare qualitative Verbesserung der arabischen Streitkräfte. Obgleich nach wie vor eine erhebliche qualitative Lücke zwischen den arabischen Streitkräften und den IDF bestand, hatten sich Erstere seit dem Sechstagekrieg damit deutlich weiter entwickelt. Erstmals wurden nun Manöver eingeübt, alltäglicher Drill hielt Einzug in die Kasernen, und man begann, den Gegner systematisch zu studieren.19) Die ägyptischen Soldaten erhielten ein intensives Training zur Überquerung des Suezkanals. Denn die Überwindung des Kanals war eine große Herausforderung: Der Kanal war 190-240 Meter breit und 20-25 Meter tief. Zudem hatten die Israelis direkt am Ostufer bis zu 20 Meter hohe und 10 Meter dicke Sanddünen aufgeschüttet, die in einem 45 Grad-Winkel von der Wasserlinie aufstiegen, sodass es amphibischen Landungsfahrzeugen unmöglich war, diese zu erklimmen.20)
Zahlenmäßig verfügten die arabischen Allianz-Streitkräfte am Vorabend des Jom-Kippur-Krieges über 315.000 ägyptische und 140.000 syrische Soldaten. Durch Truppenentsendungen verschiedener arabischer Staaten während des Krieges belief sich die Gesamtzahl verfügbarer arabischer Soldaten auf 505.000 Mann. Ferner verfügte die arabische Allianz über rund 4.800 Panzer und 4.300 gepanzerte Fahrzeuge sowie über insgesamt 1.254 Militärflugzeuge, davon 990 Jagdflugzeuge und 48 leichte Bomber (siehe Abbildungen 2 und 3).
Ägyptens Angriffsstrategie hatte sich im Vorfeld des Jom-Kippur-Krieges fundamental verändert. Der Plan einer großangelegten Offensive zur Rückeroberung des Sinai wurde aufgrund mangelnder militärischer Fähigkeiten fallengelassen. Ägyptens Führung war klar, dass eine derartige Offensive nur erfolgversprechend wäre, wenn Israels Luftüberlegenheit gebrochen werden könnte. Gleichzeitig war man sich in Kairo der Tatsache bewusst, dass die ägyptische Luftwaffe der IAF im Luftkampf nicht gewachsen war. Die einzige realistische Erfolgschance bestand daher in der Ausschaltung der israelischen Luftwaffe am Boden durch die Bombardierung der Luftwaffenstützpunkte. Dazu waren jedoch Langstreckenkampfflugzeuge vonnöten, die militärische Ziele in Israel erreichen konnten. Deren Besitz war die Conditio sine qua non für einen umfassenden ägyptischen Angriff. Da Moskau sich allerdings beharrlich weigerte, die dazu notwendigen Flugzeuge zu liefern, entschied sich Ägyptens Führung für eine den verfügbaren Mitteln angepasste Strategie der begrenzten Kriegführung.21) Zusammengefasst lautete Ägyptens Plan nun: Eroberung eines kleinen Gebietes östlich des Suezkanals, Halten dieses Gebietes, schnelle Ausrufung eines Sieges und Abschluss eines Waffenstillstandes. Ägyptens Präsident Sadat hoffte, dass dies einen politischen Prozess anstoßen würde, der in Israels Rückzug vom Sinai münden würde.22)
Zur Umsetzung dieses Plans baute Ägypten seine Militärstrategie auf zwei neuen Waffensystemen aus der Sowjetunion auf: Zum einen wurde die Infanterie mit mehreren tausend tragbaren Panzerabwehrwaffen (RPG-7) und manuell steuerbaren Panzerabwehrraketen (AT-3 „Sagger“) ausgestattet, um die Überlegenheit der IDF-Panzerverbände in der mobilen Kriegführung zu neutralisieren. Zum anderen erhielt Ägypten sowjetische Flugabwehrsysteme. Durch den konzentrierten Einsatz von rund 140 SAM-2 und SAM-3 sowie ca. 30 SAM-6 Boden-Luft-Raketen-Stellungen und Flugabwehrkanonen konnte ein Abwehrschirm gegen feindliche Luftangriffe errichtet werden. Die SAM-Stellungen sollten einen Schutzschild für die eigenen Bodentruppen bilden, um sie gegen Angriffe der IAF abzuschirmen. Damit war jedoch eine geographische Beschränkung hinsichtlich der Tiefe der Offensive verbunden: Die Bodentruppen würden nicht weiter als 10-15 Kilometer östlich des Kanals vorstoßen können, sofern sie den Raketenschirm nicht verlassen wollten.23)
Auch die syrische Armee war mit Flug- und Panzerabwehrwaffen ausgestattet worden und setzte beide Waffensysteme in großem Umfang ein: Mit 400 Flak und mehr als 100 SAM-2, SAM-3 und SAM-6 Boden-Luft-Raketen-Batterien deckte der syrische Flugabwehrschirm den gesamten östlichen Golan ab.24)
Zusammenfassend lässt sich mit Blick auf das militärische Kräfteverhältnis am Vorabend des Jom-Kippur-Krieges Folgendes festhalten: Die arabischen Streitkräfte waren den IDF quantitativ überlegen (siehe Abbildungen 2 und 3). Zudem hatte insbesondere Ägypten in Hinblick auf die Qualität der Streitkräfte Fortschritte erzielt. Kairo verfügte ferner erstmals über eine den eigenen Mitteln angepasste Offensivstrategie, auf die die ägyptischen Streitkräfte intensiv vorbereitet wurden. Nach wie vor waren die Soldaten Israels jedoch besser ausgebildet und verwendeten gegenüber den arabischen Streitkräften überlegene Waffensysteme, was die numerische Überlegenheit der Gegner neutralisierte. Allenfalls die Verteidigungsstrategie Israels weist einige Defizite auf: Das starre Verteidigungskonzept am Suezkanal lief nicht nur der traditionellen Stärke der IDF im Bewegungskrieg entgegen, sondern machte auch die durch die Eroberung des Sinai gewonnene strategische Tiefe zunichte.

Die Kampfhandlungen

Die ägyptisch-syrische Offensive begann am 6. Oktober 1973 um 14:05 Uhr mit massivem Artilleriefeuer. Dank des Überraschungseffekts gelang es den ägyptischen Truppen, an der Suezfront relativ unbeschadet Brückenköpfe zu errichten und sich am Ostufer des Kanals festzusetzen (siehe Abbildung 4). Bereits 18 Stunden nach Kriegsbeginn standen 90.000 Mann, 850 Panzer und 11.000 Fahrzeuge auf dem östlichen Ufer des Suezkanals. Sie rückten nicht tiefer als 15 Kilometer in den Sinai vor und blieben somit unter dem Flugabwehrschirm der SAM- und Flakstellungen. Dadurch konnte die IAF erfolgreich am Eingreifen ins Kampfgeschehen gehindert werden. Auch einen unkoordinierten Gegenangriff der im Sinai stationierten IDF-Panzerbrigaden konnten die Ägypter zurückschlagen: Die israelischen Streitkräfte verloren in den ersten 18 Stunden rund ein Drittel ihrer im Sinai stationierten Panzer. Am Abend des 7. Oktober war die Bar-Lev-Linie für Israel komplett verloren. Am Morgen des 8. Oktober erreichten die Reservekräfte die Front und stießen auf massiven ägyptischen Widerstand. Ausgestattet mit tragbaren Panzerabwehrwaffen setzten die ägyptischen Infanteristen den israelischen Panzerverbänden schwer zu und fügten den IDF hohe Verluste zu. Israels militärische und politische Führung war schockiert.25)
Währenddessen rückten die Syrer an der Nordfront in den Golanhöhen frontal gegen die israelischen Verteidigungsstellungen vor und stießen auf hartnäckigen Widerstand (siehe Abbildung 4). Allein aufgrund ihrer schieren Masse gelang den syrischen Streitkräften unter hohen Verlusten der Durchbruch. Zu diesem Zeitpunkt war die IAF die einzig effektive Verteidigung im Golan. Am 8. Oktober erreichten die israelischen Reservekräfte den Ort des Geschehens.26) Nun schlug das Gefecht in eine gigantische Materialschlacht um. Dabei hatten die IDF aufgrund ihrer ausgezeichneten Panzerbesatzungen die besseren Karten. Bis Ende der ersten Kriegswoche verloren die Syrer ca. 1.000 Panzer und wurden zurückgeworfen - die IDF waren auf dem Weg nach Damaskus.27)
Währenddessen entstand an der Suezfront eine Pattsituation. Die Ägypter schienen mit den erzielten Geländegewinnen zufrieden und konsolidierten ihre Stellungen. Vermutlich fühlte sich Sadat aber den syrischen Bündnispartnern verpflichtet, die eindringlich eine Entlas­tungsoffensive einforderten. Wahrscheinlich rückten die Ägypter deshalb am 14. Oktober weiter vor und verließen den Schutz der eigenen Luftabwehr. Dies sollte sich als verhängnisvoller Fehler erweisen: Die IAF nutzte ihre Chance und griff äußerst effektvoll ins Geschehen ein. Die IDF fügten den Ägyptern eine eindrucksvolle Niederlage zu. Bereits nach wenigen Stunden hatten die ägyptischen Streitkräfte über 260 Panzer, 200 Schützenpanzer und 1.000 Soldaten verloren, womit die Offensivkraft Kairos gebrochen war.28)
Nun gingen die IDF in die Offensive: Am 16. Oktober stießen israelische Truppen unter dem Kommando von Ariel Sharon zum Suezkanal vor, setzten über und etablierten einen Brückenkopf (siehe Abbildung 4). Sie begannen umgehend mit der Zerstörung der Luftabwehrstellungen, womit sich ein Fenster für die IAF öffnete, die nunmehr zunehmend aktiver in das Geschehen an der Suezfront eingriff. Sharon gelang es schließlich, einen Teil der ägyptischen Armee komplett einzukesseln.29) Nur ein Waffenstillstandsabkommen (am 24. Oktober), initiiert von den USA und der Sowjetunion, bewahrte die ägyptischen Streitkräfte vor der sicheren Vernichtung.

Die inner-israelische Perspektive: ein Geheimdienst-Debakel

Die Geschichte des Jom-Kippur-Krieges ist aus israelischer Sicht in erster Linie die Geschichte eines kolossalen Versagens der Geheimdienste. In der langen Geschichte von geheimdienstlichen Fehleinschätzungen gibt es kaum ein anderes Beispiel, in dem ein Geheimdienst so viel über den Gegner, seine Fähigkeiten, Taktiken und Strategien wusste und dennoch die Intentionen des Gegners vollkommen falsch einschätzte.
Dabei kommt dem Geheimdienst gerade in Israels Verteidigungsstrategie die alles entscheidende Rolle zu. Denn im Ernstfall musste die Reserve schnellstmöglich mobilisiert und an die jeweiligen Fronten gebracht werden. Nur bei einer ausreichenden Vorwarnzeit, die genügend Zeit zur Mobilmachung ließ, konnten die IDF daher mit ihrer vollen Stärke eingesetzt werden. Dem israelischen Geheimdienst kam die Aufgabe zu, eine solche Vorwarnzeit zu gewährleisten. Entscheidend war hierbei Israels Militärgeheimdienst AMAN (hebr. Akronym für Abteilung für militärische Aufklärung), der auf der Grundlage von Erkenntnissen des Auslandsgeheimdienstes Mossad die nationalen Geheimdiensteinschätzungen erarbeitete.30) Die IDF und die politische Führung hatten blindes Vertrauen in die Fähigkeiten der Aufklärung: „most senior officers in the IDF regarded as much as a week’s notice of an impending attack to be a ‚reasonable’ expectation, and five to six days a ‚realistic’ prospect […].“ 31)
Doch im Oktober 1973 betrug die Vorwarnzeit des israelischen Geheimdienstes nicht einige Tage, sondern weniger als zehn Stunden, was ernsthafte Konsequenzen nach sich zog. Am 6. Oktober um 4:30 Uhr erfuhr Israels Geheimdienst, dass Ägypten und Syrien noch am selben Tag angreifen würden. Bis die Regierung um ca. 9:30 Uhr die Reserve mobilisierte, verging nochmals wertvolle Zeit. Zu diesem Zeitpunkt sollten es nur noch fünf Stunden bis zum Angriff sein. Darüber hinaus verfügten die IDF bei Kriegsausbruch weder über die notwendigen Luft-Boden-Raketen und EloKa-Ausrüstung zur Ausschaltung der ägyptischen und syrischen SAM-Stellungen, noch waren die Panzertruppen darauf vorbereitet, dass die gegnerische Infanterie, die nunmehr mit Panzerabwehrwaffen ausgestattet war, eine Gefahr darstellen würde. Vielen Panzerbesatzungen war die Existenz dieser Waffen schlichtweg unbekannt. Daher passten die IDF weder das eigene Waffenarsenal noch die eigene Militärdoktrin den veränderten gegnerischen Fähigkeiten an: ein Versäumnis, das sich in den ersten Kriegstagen in hohen Verlusten bitter rächen sollte.32)
Dabei handelte es sich keinesfalls um einen Mangel an Informationen seitens des israelischen Geheimdienstes. Mitte April 1972 kam AMAN in den Besitz des ägyptischen Angriffsplans (einschließlich der Ziele, Landungszonen und Positionen der Brücken). Sechs Monate vor dem Krieg verfügte AMAN auch über den syrischen Angriffsplan. Die umfassende Ausrüstung der ägyptischen Streitkräfte mit sowjetischen Panzer- und Flugabwehrwaffensystemen war in Israel ebenfalls bekannt. Doch dem Geheimdienst und der IDF misslang es, die geheimdienstlichen Befunde adäquat zu interpretieren.33)
Jerusalem unterschätzte die Tragweite und Konsequenzen der neuen Waffensysteme für die militärische Operationsweise und Militärstrategie der arabischen Staaten. Denn man war stets davon ausgegangen, dass die arabischen Staaten das Ziel verfolgten, Israel zu vernichten. Aufgrund geheimdienstlicher Informationen wusste Israels Führung, dass Ägypten einen solchen Versuch nur dann als erfolgversprechend einstufte, wenn es die Luftüberlegenheit der IAF brechen könnte. Solange dies nicht der Fall war, würde Ägypten nicht angreifen, so die israelische Logik. Wenn jedoch Ägypten zum Krieg nicht bereit war, dann würde auch Syrien keinen Angriff wagen. Denn Syrien, so die Überzeugung Israels, war zu schwach, um ohne Ägypten einen Krieg gegen Israel zu führen.34) Diese Überzeugung sollte als das „Konzept“ in die Geschichte des israelischen Geheimdienstes eingehen. Die israelische Führung war dermaßen auf dieses Konzept fixiert, dass die Möglichkeit eines ägyptischen Angriffs mit begrenzten Zielen schlichtweg nicht in Erwägung gezogen wurde.
Der Fokus Israels richtete sich entsprechend auf Ägyptens Erwerb von Langstreckenbombern, die in der Lage wären, die IAF-Basen in Israel zu erreichen und die israelische Luftwaffe am Boden zu zerstören. Israels Geheimdienst wusste sowohl um das Bemühen Kairos nach derartigen Flugzeugen in Moskau als auch um die ablehnende Haltung des Kremls diesbezüglich. Solange also Ägypten über keine derartigen Kampfflugzeuge verfügte, rechnete man in Jerusalem nicht mit einem Krieg.35) Dies war jedoch eine fatale Fehleinschätzung, denn Ägypten hatte seine Strategie fundamental verändert: Es setzte die SAM-Stellungen als Raketenschutzschild gegen die IAF ein und schirmte damit die eigenen Bodentruppen vor israelischen Luftangriffen ab. Dabei wurde in Kauf genommen, dass nur eine territorial begrenzte Offensive (innerhalb der Reichweite des Raketenschirms) möglich war. Aufgrund des dogmatischen Festhaltens an dem Konzept misslang es Israel, die Rolle der SAM-Stellungen als Schutzschild für eine begrenzte Offensive der Bodentruppen und daraus erwachsende Angriffsmöglichkeiten zu antizipieren.36)
Was war die Ursache dieser Fehleinschätzung? Einiges scheint darauf hinzudeuten, dass der grandiose Sieg im Sechstagekrieg Jerusalem zu selbstsicher werden ließ. Israels Führung ging davon aus, dass es die arabischen Staaten in naher Zukunft nicht wagen würden, einen Angriff auf Israel zu riskieren. Am 10. August 1973 sagte Verteidigungsminister Moshe Dayan in einer Rede vor der Generalstabsakademie: „the balance of forces is so much in our favor that it neutralizes the Arab considerations and motives for the immediate renewal of hostilities.“ 37) Ariel Sharon brachte das israelische Selbstverständnis eindrucksvoll auf den Punkt: „We have one of the strong­est armies in the world! Today, I do not believe there is a military or civilian target […] between Baghdad and Khartoum […] which the IDF is incapable of conquering […].“ 38)
Schließlich spielte Hybris auf Seiten des israelischen Geheimdienstes eine wesentliche Rolle. Dieser garantierte (!) den politischen Entscheidungsträgern, eine rechtzeitige Warnung geben zu können, die eine geordnete Mobilmachung gewährleisten würde. Noch im April 1973 sicherte Eli Zeira (Direktor des Militärgeheimdienstes AMAN) Golda Meir zu: „I am sure [that if Egypt would launch a massive crossing of the Suez Canal] we will know about it ahead, and we will be able to give a warning, not only a tactical one but also an operational one, that is, a number of days in advance.“ 39) Von einer solchen Vorwarnzeit konnte am 6. Oktober 1973 keine Rede sein. Dabei hätten die Hinweise auf einen bevorstehenden Angriff nicht eindeutiger sein können:
- Am 23. September 1973 flog König Hussein von Jordanien heimlich in die Mossad-Zentrale und unterrichtete Premierministerin Meir, dass Ägypten und Syrien einen Angriff auf Israel planten - eine bemerkenswerte Warnung zwei Wochen vor Kriegsausbruch.
- Ende September stellte AMAN fest, dass die ägyptische Luftwaffe, Infanterie und Luftabwehr in Kampfbereitschaft versetzt wurden.
- Anfang Oktober mehrten sich die Berichte, dass die Ägypter militärisches Gerät zur Überquerung des Suezkanals an der Front konzentrierten.
- Aber spätestens als Israels Geheimdienst am
4. Oktober bemerkte, dass die Familien der sowjetischen Militärberater aus Ägypten und Syrien evakuiert wurden, hätten die Absichten der Gegner klar werden müssen. Denn die Evakuierung konnte nur einen Schluss zulassen: Die Sowjetunion war darüber unterrichtet worden, dass ein Krieg unmittelbar bevorstand.40)
Ausschlaggebend für den Sinneswandel in Israel war letztlich ein Spion des Mossad in Ägypten. In einem Treffen mit Mossad-Direktor Zvi Zamir in London in der Nacht auf den 6. Oktober erklärte der Spion: „I’ve come to tell you […] that he [Sadat] intends to go to war tomorrow.“ 41) Zamir übermittelte die Nachricht gegen 4:30 Uhr - rund zehn Stunden vor dem Angriff - nach Israel.
Bei der Quelle handelte es sich um Ashraf Marwan - kein Geringerer als der Schwiegersohn des 1970 verstorbenen ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser und Chef des Präsidentenbüros von Anwar el-Sadat. Drei Jahre zuvor hatte sich der Ehemann von Nassers Tochter Mona in der israelischen Botschaft in London auf eigene Initiative als Informant angeboten. Der Mossad war erst misstrauisch - doch die Informationen, die Marwan übergab, waren von unvorstellbarem Wert: der ägyptische Angriffsplan, Dokumente, aus denen hervorging, dass die Sowjets der ägyptischen Bitte nach Langstreckenbombern nicht nachkommen werden - all diese Kenntnisse beruhten auf Marwan, Israels „Mann in Kairo“.42)
Es bleibt die entscheidende Frage: Wie konnte Israels Geheimdienst derartig versagen? Hierbei sind drei Faktoren von Bedeutung:
1. Ägypten und Syrien verschleierten ihr wahres Vorhaben durch eine Desinformations- und Täuschungskampagne: Die Ägypter führten 1972/73 insgesamt 22 Teilmobilmachungen und militärische Übungen am Suezkanal durch, was dazu beitrug, dass Israel die Truppenkonzentration der ägyptischen Streitkräfte im Vorfeld des Jom-Kippur-Krieges als nicht sonderlich gefährlich einstufte. Auch die Truppenkonzentration im Oktober 1973 fand unter dem Deckmantel des jährlichen Tahrir-41-Manövers zur Rückeroberung des Sinai statt. Ferner streuten Kairo und Damaskus Berichte in der arabischen Presse, wonach die eigenen Streitkräfte noch nicht für einen Angriff bereit wären.43)
2. Die Agranat-Kommission, die im November 1973 eingesetzt wurde, um das Geheimdienstversagen aufzuklären, sah die Hauptursache des Versagens im dogmatischen Festhalten an dem Konzept - dies habe die Urteilsfähigkeit der militärischen Aufklärung massiv beeinträchtigt, sodass eingehende Frühwarnindikatoren entweder abgetan oder ignoriert wurden.44) Die Wirkmächtigkeit des Konzepts ging v.a. auf die Arbeitsmethode von AMAN zurück: Die Geheimdiensteinschätzungen für die politische und militärische Führung waren stets in Form eines kohärenten Reports formuliert. Abweichende Meinungen und Diskussionen innerhalb des Dienstes wurden nicht aufgenommen. Dies evozierte den Eindruck, dass die Berichte auf Konsens beruhten. Außerdem hatte AMAN das unangefochtene Monopol in der Interpretation von geheimdienstlichen Informationen und in der Verfassung der Geheimdiensteinschätzungen. Weder Mossad noch das Außenministerium verfügten über unabhängige Analyseressourcen.45)
3. Schließlich wurde von AMAN-Direktor Eli Zeira und dem Historiker Ahron Bregman der Verdacht geäußert, dass es sich bei Israels „Super-Spion“ um einen Doppelagenten gehandelt habe, der den israelischen Geheimdienst bewusst in die Irre geführt habe. Vertreter dieser Theorie verweisen darauf, dass Marwan bereits im Januar und Mai 1973 vor einem unmittelbar bevorstehenden Angriff gewarnt hatte. Diese Fehlalarme sollten Israel zu kostspieligen Mobilmachungen veranlassen und gegenüber weiteren Warnungen unachtsam machen. Tatsächlich kostete Israel die Mobilmachung im Mai 45 Mio. USD und hatte ernsthafte Konsequenzen: Sie sorgte dafür, dass Stabschef Elazar im Oktober des Jahres sehr zurückhaltend mit einer Mobilmachung war und einen erneuten Fehlalarm unter allen Umständen vermeiden wollte. Außerdem habe der sonst so gut unterrichtete Informant die Angriffszeit auf 18 Uhr veranschlagt - vier Stunden nach dem tatsächlichen Angriff.46) Dagegen sind Mossad-Direktor Zvi Zamir, A. Shalev (1973 Leiter der AMAN-Aufklärungsabteilung) und der Historiker Uri Bar-Joseph der Überzeugung, dass Marwan Israel stets nach bestem Wissen mit Informationen versorgt hatte. So hatte Sadat den Zeitpunkt des Angriffes streng geheim gehalten - selbst die Divisions-Kommandanten erfuhren erst drei Tage im Voraus vom Beginn der Offensive. Die genaue Uhrzeit des Angriffs hätte sich ferner erst wenige Tage zuvor auf Drängen der Syrer geändert, die während ihres Angriffs die Sonne im Rücken haben wollten. Ob Marwan nun ein Doppelagent war oder nicht, wird sich vermutlich erst endgültig aufklären, wenn sich Ägyptens Archive öffnen. Marwan selbst wird das Rätsel nicht mehr lüften können - er stürzte unter bislang ungeklärten Umständen 2007 vom Balkon eines Londoner Hotelzimmers. Er arbeitete zu dieser Zeit an seinen Memoiren - das Manuskript ist seither nicht mehr auffindbar.47)

Die sicherheitspolitische Perspektive: über die Wirkung nuklearer Abschreckung

Abschließend soll der Frage nachgegangen werden, ob und gegebenenfalls inwiefern Israels nukleare Abschreckung im Falle des Jom-Kippur-Krieges gescheitert ist. Denn der Angriff auf eine Atommacht durch zwei nur konventionell bewaffnete Staaten stellt einen bemerkenswerten Sachverhalt dar.
Israel verfügte wahrscheinlich seit Ende der 1960er-Jahre über Nuklearwaffen. Jerusalem empfand die nukleare Option als ultimative Abschreckung im Falle einer drohenden Vernichtung. Um als wirksames und glaubwürdiges Abschreckungsinstrument zu fungieren, muss der Adressat der Abschreckung aber von den nuklearen Fähigkeiten des Abschreckenden überzeugt sein. Doch Israels Nukleararsenal umgab (und umgibt) ein Schleier der Geheimhaltung. So wurde der Besitz von Nuklearwaffen niemals offiziell bestätigt; Israel verfolgt eine Politik der bewussten Unklarheit und überlässt seinen Gegnern nur Spekulationen. Indirekt ließen israelische Offizielle jedoch durchblicken, dass man über Nuklearwaffen und eine Reihe verschiedener Beförderungssysteme verfügt. Shimon Peres prägte 1963 die Losung, dass Israel nicht der erste Staat sein werde, der Atomwaffen in der Region einführe („introduce“). Hintergrund der israelischen Zweideutigkeit ist das Kalkül, dass die arabischen Staaten so keine Großmachtunterstützung beim etwaigen Aufbau eigener Atomprogramme bekommen würden.48)
Über wie viele Sprengköpfe und/oder Bomben Israel am Vorabend des Jom-Kippur-Krieges verfügte, ist nicht bekannt. Es ist von ca. 24 bis 36 Bomben und etwa zwölf Nuklearsprengköpfen auszugehen. Zudem besaß Israel sehr wahrscheinlich bereits eine Trägerrakete für Nuklearsprengköpfe mit einer Reichweite von 500 Kilometern - die Jericho I.49)
Die entscheidende Frage ist: Hatten die nuklearen Fähigkeiten Israels einen Einfluss auf die Entscheidungsfindung in Kairo und Damaskus? Einerseits kann argumentiert werden, dass die israelischen Nuklearwaffen einen vernichtenden Angriff der arabischen Staaten auf Israel abschreckt haben. Als Beleg hierfür wird angeführt, dass Ägypten und Syrien eben nicht die Vernichtung Israels im Sinn hatten, sondern eingeschränkte territoriale und politische Ziele verfolgten. Außerdem unterließen beide Staaten Angriffe auf israelische Bevölkerungszentren. Ausschlaggebend hierfür sei das Abschreckungspotenzial der israelischen Nuklearwaffen gewesen.50) Diese These ist allerdings schwer zu verifizieren, da ein Ausbleiben eines vernichtenden Angriffs auch auf andere Faktoren zurückzuführen sein könnte.
Andererseits spricht die Tatsache, dass es, seit Israel über Nuklearwaffen verfügte, zu zwei größeren kriegerischen Auseinandersetzungen (1969/7051) und 1973) kam, dafür, dass Israels Atomwaffen keine allzu abschreckende Wirkung haben. Außerdem gilt zu berücksichtigen, dass Israels Kontrahenten ausschließlich über konventionelle Streitkräfte verfügten und zu keinem Zeitpunkt eine existenzielle Gefahr für Israels Sicherheit darstellten. Die militärischen Auseinandersetzungen 1969/70 und 1973 waren in ihrer Natur begrenzt und fanden auf Territorien statt, die außerhalb des israelischen Kerngebietes lagen. Daher war Israels staatliche Existenz nicht gefährdet. Geht man davon aus, dass Nuklearwaffen nur dann eingesetzt werden, wenn eine existenzielle Bedrohung vorliegt, dann war ein Einsatz der Nuklearwaffen in diesen Konflikten ohnehin unwahrscheinlich.52) Entsprechend gering war Israels nukleares Abschreckungspotenzial. Dies zeigt auch ein Blick in die Entscheidungsfindung von Sadat und Assad 1973, die Israels nuklearen Fähigkeiten keine größere Rolle beizumessen schienen. Daher lässt sich mit einiger Gewissheit sagen: Ägypten und Syrien führten im Jom-Kippur-Krieg nicht deshalb einen begrenzten Angriff durch, weil sie durch Israels Nuklearwaffen von einem großangelegten Angriff abgeschreckt wurden, sondern weil sie nicht über die notwendigen militärischen Fähigkeiten für einen umfassenden Angriff verfügten. Abschreckend wirkten vielmehr Israels konventionelle militärische Fähigkeiten. Letztlich gaben sie den Ausschlag für die begrenzten Ziele Ägyptens und Syriens.53)
Schlussbetrachtungen
Trotz der äußerst ungünstigen Ausgangslage endete der Krieg am 24. Oktober mit einem militärischen Sieg für Israel. An der Nordfront erlangten die IDF wieder die komplette Kontrolle über die Golanhöhen und waren auf syrisches Gebiet vorgedrungen; die Außengebiete von Damaskus befanden sich nunmehr in Reichweite israelischer Artillerie. An der Suezfront hatten die IDF die ägyptischen Truppen eingekreist, und das Luftverteidigungssystem stand kurz vor dem Zusammenbruch. Gleichwohl war es Ägypten gelungen, zwei schmale Gebietsstreifen im Sinai zu behaupten.54)
In den ersten Tagen des Krieges waren die IDF in ernste Bedrängnis geraten. Daher bekam der Nimbus der Unbesiegbarkeit, der die israelischen Streitkräfte bis dahin umgeben hatte, einige Schrammen. Dennoch bewiesen die IDF eine außergewöhnliche Moral - die Schnelligkeit, mit der die israelischen Streitkräfte den Schockzustand des Überraschungsangriffs überwanden und schließlich die Initiative ergriffen, ist bemerkenswert. Militärisch errangen die IDF letztlich einen großen Sieg, bei dem Israel keine zivilen Opfer zu beklagen hatte. Doch es war kein schneller, eleganter Triumph wie im Sechstagekrieg, sondern ein blutiger und unvollkommener Erfolg.55) So war der Jom-Kippur-Krieg nicht nur eine Materialschlacht gigantischen Ausmaßes - in dem 17-tägigen Krieg wurden insgesamt rund 3.400 Panzer (davon 75% arabische Verluste) und 556 Kampfflugzeuge (davon 80% arabische Verluste) zerstört -, sondern es handelt sich mit knapp 3.000 Gefallenen um den verlustreichsten Krieg für Israel nach dem Unabhängigkeitskrieg 1948/49 (siehe Abbildung 5).
Trotz des militärischen Sieges Israels war es Sadat, der den Waffengang politisch gewann. Sein Kalkül, aufgrund dessen er in den Krieg gezogen war, ging letztlich auf: Die militärischen Anfangserfolge des Überraschungsangriffs stellten den arabischen Stolz wieder her und stießen tatsächlich einen politischen Prozess an, der im Truppenentflechtungsabkommen (1974) zunächst zum Abzug der IDF vom Suezkanal führte und letztlich in einem ägyptisch-israelischen Friedensabkommen (1979) gipfeln sollte. Ein Ergebnis, das schließlich auch für Israel ungemein gewinnbringend war - die Isolation des jüdischen Staates im Nahen Osten war damit beendet. 


ANMERKUNGEN:

1) Vgl. Uri Bar-Joseph: Israel’s 1973 Intelligence Failure. In: P. R. Kumaraswamy (Hrsg.): Revisiting the Yom Kippur War. London/Portland 2000, S.12. Abraham Rabinovich: The Yom Kippur War. The Epic Encounter that Transformed the Middle East. New York/Toronto 2004, S.25. Anwar el-Sadat: Unterwegs zur Gerechtigkeit. Die Geschichte meines Lebens. Wien u. a. 1979, S.284.
2) Vgl. Avi Shlaim: Failures in National Intelligence Estimates: The Case of the Yom Kippur War. In: World Politics 3/1976, S.352. The Agranat Commission: Israel: What went wrong on October 6? The Partial Report of the Israeli Commission of Inquiry into the October War. In: Journal of Palestine Studies 4/1974, S.195.
3) Zum Teil wurden Waffensysteme zum ersten Mal im Gefecht eingesetzt (bspw. die SAM-6 oder der sowjetische T-62). Vgl. Martin van Creveld: Military Lessons of the Yom Kippur War: Historical Perspectives. In: The Washington Papers 24/1975, S.viii. Elizabeth Monroe/A. H. Farrar-Hockley: The Arab-Israel War, October 1973, Background and Events, Adelphi Papers Nr. 111. London 1975, S.33.
4) Vgl. Edgar O’Ballance: No Victor, No Vanquished: The Yom Kippur War. San Rafael/London 1978, S.178, 275.
5) Vgl. Walter J. Boyne: The Two O’Clock War. The 1973 Yom Kippur Conflict and the Airlift That Saved Israel. New York 2002, S.278. Edmund Ghareeb: The US Arms Supply to Israel during the War. In: Journal of Palestine Studies 2/1974, S.117-120. Simcha Dinitz: The Yom Kippur War: Diplomacy of War and Peace. In: Israel Affairs 1/1999), S.117. O’Ballance, a.a.O., S.281, 293.
6) Vgl. Seligmann, Rafael: Israels Sicherheitspolitik. Zwischen Selbstbehauptung und Präventivschlag - Eine Fallstudie über Grundlagen und Motive. München 1982, S.24f.
7) Vgl. O’Ballance, a.a.O., S.53.
8) Vgl. Ebenda, S.53. Stuart Cohen: Operational Limitations of Reserve Forces: The Lessons of the 1973 War. In: P.R. Kumaraswamy (Hrsg.): Revisiting the Yom Kippur War. London/Portland 2000, S.73.
9) Vgl. Michael Oren: Six Days of War. June 1967 and the Making of the Modern Middle East. New York/Toronto 2003, S.17. Edward Luttwak/Dan Horowitz: The Israeli Army. London 1975, S.173f.
10) Vgl. Trevor N Dupuy: Elusive Victory. The Arab-Israeli Wars, 1947-1974. New York 1978, S.548-550. O’Ballance, a.a.O., S.287.
11) Vgl. Van Creveld, a.a.O., S.2, 53 (Fn. 26), 55 (Fn. 61). Luttwak/Horowitz, a.a.O., S.331. O’Ballance, a.a.O., S.55. Rabinovich, a.a.O., S.35.
12) Vgl. Cohen, a.a.O., S.75. Simon Dunstan: Israeli Fortifications of the October War 1973. Oxford/New York 2008, S.12, 15. Chaim Herzog: Entscheidung in der Wüste. Die Lehren des Jom Kippur-Krieges. Frankfurt a. M. u. a. 1975, S.8f.
13) Vgl. Herzog, a.a.O., S.75. Dunstan, a.a.O., S.17, 28.
14) Vgl. Riad Ashkar: The Syrian and Egyptian Campaign. In: Journal of Palestine Studies 2/1974, S.19f. Cohen, a.a.O., S.86. Rabinovich, a.a.O., S.18f. Van Creveld, a.a.O., S.2f.,10.
15) Zit. n. Rabinovich, a.a.O., S.18.
16) Zit n. Ebenda, S.42.
17) Vgl. Ebenda, S.18f.
18) Vgl. Dupuy, a.a.O., S.394-400, 407. Ahron Bregman: Israel’s Wars. A History since 1947. London/New York 2010, S.126f. O’Ballance, a.a.O., S.122f.
19) Vgl. Ashkar, a.a.O., S.15f., 18. O’Ballance, a.a.O., S.23, 36. Herzog, a.a.O., S.28. Rabinovich, a.a.O., S.14.
20) Vgl. Herzog, a.a.O., S.50. Dupuy, a.a.O., S.394, 396. O’Ballance, a.a.O., S.29-31.
21) Vgl. El-Sadat, a.a.O., S.260f. Der einzige sowjetische Jagdbomber, der Ägyptens Anforderungen gerecht geworden wäre, war die MiG-23. Sie wurde erst 1970 in den regulären Betrieb aufgenommen. Vermutlich besaß die Sowjetunion 1973 lediglich 200 dieser Flugzeuge. Vgl. Aryeh Shalev: Israel’s Intelligence Assessment before the Yom Kippur War, Disentangling Deception and Distraction. Brighton u.a. 2010, S.37-39.
22) Vgl. Zeev Maoz: Defending the Holy Land. A Critical Analysis of Israel’s Security and Foreign Policy. Ann Arbor 2009, S.152. Bregman, a.a.O., S.108-111, 124f.
23) Vgl. Maoz, a.a.O., S.146f. Michael I. Handel: The Yom Kippur War and the Inevitability of Surprise, in: International Studies Quarterly 3/1977, S.489f. O’Ballance, a.a.O., S.36, 74, 280f. Rabinovich, a.a.O., S.29.
24) Vgl. Bregman, a.a.O., S.127f. Dupuy, a.a.O., S.441.
25) Vgl. Bar-Joseph, a.a.O., S.31. Van Creveld, a.a.O., S.12-14.
26) Vgl. Van Creveld, a.a.O., S.15.
27) Vgl. Ebenda, S.15.
28) Vgl. Ebenda, S.16f. Ashkar, a.a.O., S.26f.
29) Vgl. Van Creveld, a.a.O., S.18-20. Maoz, a.a.O., S.149, 153f. 158f. Ashkar, a.a.O., S.27f.
30) Vgl. Shlaim, a.a.O., S.349, 352. Rabinovich, a.a.O., S.22. Boyne, a.a.O., S.9f. Herzog, a.a.O., S.230.
31) Cohen, a.a.O., S.76.
32) Vgl. Handel, a.a.O., S.487. Rabinovich, a.a.O., S.35. Maoz, a.a.O., S.147. Shlaim, a.a.O., S.348.
33) Vgl. Shalev, a.a.O., S.48f. Bar-Joseph, a.a.O., S.13. Maoz, a.a.O., S.146f. Shlaim, a.a.O., S.349.
34) Vgl. Boyne, a.a.O., S.11.
35) Vgl. Shalev, a.a.O., S.34. The Agranat Commission, a.a.O., S.193. Herzog, a.a.O., S.227.
36) Vgl. Maoz, a.a.O., S.146f. Van Creveld, a.a.O., S.13f.
37) Zit. n. Shlaim, a.a.O., S.362.
38) Zit. n. Shalev, a.a.O., S.31.
39) Zit. n. Bar-Joseph, a.a.O., S.11.
40) Vgl. Bar-Joseph, a.a.O., S.12-19. The Agranat Commission, a.a.O., S.193f. Shalev, a.a.O., S.78-88.
41) Vgl. Abraham Rabinovich (b): Our Mysterious Man on the Nile. The Jerusalem Post Online. Internet-Dokument: http://www.jpost.com/Magazine/Features/Our-mysterious-man-on-the-Nile, abgerufen am 10.7.2013.
42) Ebenda.
43) Vgl. Bar-Joseph, a.a.O., S.24f.
44) Vgl. Ebenda, S.25f.
45) Vgl. Ebenda, S.27.
46) Vgl. Bregman, a.a.O., S.113-117. Ahron Bregman: A History of Israel. New York 2003, S.142-145. Ian Black /Benny Morris: Israel’s Secret Wars. A History of Israel’s Intelligence Services. New York 1991, S.285-288.
47) Vgl. Rabinovich (b), a.a.O. Shalev, a.a.O., S.102. Elhanan Miller: I should never have exposed Egypt’s 1973 war super spy. The Times of Israel Online. Internet-Dokument: http://www.timesofisrael.com/i-should-never-have-exposed-egypts-1973-war-super-spy-says-israeli-academic/, abgerufen am 15.7.2013. Andrew Hosken: Billionaire „spy“ death remains a mystery. BBC News Online. Internet-Dokument: http://news.bbc.co.uk/today/hi/today/newsid_8825000/8825986.stm, abgerufen am 17.7.2013.
48) Vgl. Shimon Peres: Shalom. Erinnerungen. Stuttgart 1995, S.322. Alan Dowty: Nuclear Proliferation. The Israeli Case. In: International Studies Quarterly 1/1978, S.81, 83. Maoz, a.a.O., S.303-305, 313.
49) Vgl. Maoz, a.a.O., S.164. MissileThreat.com: Jericho 1. Internet-Dokument: http://www.missilethreat.com/missilesoftheworld/id.56/missile_detail.asp, abgerufen am 16.7.2013.
50) Vgl. Maoz, a.a.O., S.307, 321.
51) Zwischen März 1969 und August 1970 kam es zum so genannten Abnutzungskrieg zwischen Ägypten und Israel: eine sich über 18 Monate erstreckende Abfolge von Gefechten, Kommando-Operationen und Luftkämpfen entlang des Suezkanals. Vgl. Luttwak/Horowitz, a.a.O., S.314-327.
52) Vgl. Barry M. Blechman/Douglas M. Hart: The Political Utility of Nuclear Weapons. The 1973 Middle East Crisis. In: International Security 1/1982, S.132. Dowty, a.a.O., S.88f.
53) Vgl. P. R. Kumaraswamy: Revisiting the Yom Kippur War: Introduction. In: Israel Affairs 1/1999, S.9. Maoz, a.a.O., S.321f.
54) Vgl. Maoz, a.a.O., S.151. Kumaraswamy, a.a.O., S.1. Rabinovich, a.a.O., S.477.
55) Vgl. Kumaraswamy, a.a.O., S.2. Van Creveld, a.a.O., S.21.