Napoleon Imperator

Anmerkungen zur napoleonischen (Selbst-)Ikonografie im Spiegel der Antike

Eberhard Birk

 

„In Cäsar kehrte Alexander wieder und alle beide in Napoleon“ 1)

„Am Anfang war Napoleon.“ 2)

„Man hat das Auftreten Napoleons kaum je ohne einen Seitenblick auf Cäsar und Alexander behandelt.“ 3)

 

Bedeutende Persönlichkeiten in der Geschichte, insbesondere jene, die von der Mit- und Nachwelt mit dem Attribut der ‚historischen Größe’ versehen wurden,4) lassen sich, wenn überhaupt, in komparatistischer Perspektive nur mit jenen vergleichen, die entweder in revolutionären Umbrüchen oder in wichtigen stil- respektive traditionsbildenden Phasen „geschichtsmächtig“ wurden. Ihre „Geschichtsmächtigkeit“ kann - Position und Leistung vorausgesetzt - durch verschiedene Formen der Rezeption genauso (de-)konstruiert werden, wie ihre ursprüngliche Zielsetzung geradezu „generalstabsmäßig“ generiert wurde.

 

Prolegomena

Die Geschichtswissenschaft bereitete den „historischen Individuen“ bis weit in das 20. Jahrhundert hinein in Legionen von Biografien - meist versehen mit dem Zusatz „und seine Zeit“ - einen, später durch eine Erweiterung der historischen Fragestellung und der Hinwendung zur Struktur-, Sozial- und Kulturgeschichte systemimmanent logisch bestrittenen, hagiografische Züge tragenden Nimbus der Apotheose.

Einen prominenten Platz in dem individuellen Bestreben sich als einzigartige Persönlichkeiten von historischem Rang verstehender Akteure bei der gewünschten „richtigen“ Einordnung ihrer Lebens- und Leistungsbilanz im zeitgenössischen politischen Diskurs und „den Geschichtsbüchern“ durch die Nachwelt nimmt dabei als zunächst einseitig initiierter und gelenkter kommunikativer Prozess die mediale Positionierung ein. Reale und mentale „Bilder“5) von Ereignissen und Prozessen, Herrschern und Feldherren, Gelehrten und Künstlern, Wirtschafts- und Finanzmagnaten waren seit jeher als atmosphärisch verdichtete Visualisierung der (Selbst-)Darstellung - auch in Form von Skulpturen und Münzen,6) Park- und Schlossanlagen7) - künstlerische Artefakte von großem (kunst-)historiografischen, kultur- und sozialwissenschaftlichen Quellen- und daher Aussagewert, die darüber hinaus aber auch zeitgenössisches rückwärts- und zukunftsgerichtetes programmatisches Politik- und Geschichtsbewusstsein dokumentieren und szenisch choreografieren.

 

Dabei bilden die realhistorischen Ereignisse im Vergleich mit den durch Selbstzeugnisse und Fremdzuschreibungen intendierten und (re-)konstruierten Bildern oft nur die Negativfolie, die ein vielfältiges Sinnstiftungsangebot bereithält, das über eine multidimensional interpretierbare Komposition für den öffentlichen Raum ein historisch-politisches Deutungsmuster anbietet.8) Hierbei stellen individuelle Legitimationsbedürfnisse und deren erhoffte zielgerichtete Auswirkung auf die Herstellung und Stabilisierung politischer Herrschaft einen unauflöslichen Begründungs- und Wirkungszusammenhang dar.9) Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn individueller Aufstieg aus dem Nichts und politischer Systembruch zusammenfallen. Die bewusste Herstellung von Legitimität durch die Konstruktion von Kontinuität in Form tiefreichender Wurzeln, d.h. neu geschaffener „Tradition“, wird dann zum politischen Desiderat. Um die angestrebte, indes empirisch nicht (mehr) ermittelbare Wirkung beim Adressatenkreis zu erreichen, ist es notwendig, historische (Vor-)Bildung, zeitgenössische politische und militärische Ereignisse sowie Zukunftserwartungen, die aus einer verklärten Vergangenheitsinterpretation entwickelt wurden, zur Deckung zu bringen. Erst dann können propagandistische Darstellungen der Kunst ihre durch „Bilder“ auch Mythen produzierende Kraft zur Entfaltung bringen.

Dabei spielte in der europäischen Geschichte die Bezugnahme auf das Römische Reich oft eine entscheidende Rolle. Entweder diente dieses in Form des negativ aufgeladenen Dekadenz-Topos als abzulehnende Negativfolie, oder - und dies war stets „geschichtsmächtiger“ - als zum Vorbild stilisierter Referenz-Topos für die Erneuerung des römischen (Welt-)Reichsgedankens, wenn es ideengeschichtlich um einen Werte- und Tugendenkatalog, politisch um Staats- und Regierungsformen, militärisch um das Wehrwesen mit den „das Weltreich“ erobernden Legionen oder individuell um die legitime „Nachfolge“ Cäsars respektive Augustus’ ging. Bei kaum einer historischen Persönlichkeit lässt sich dieses Bestreben und Ineinanderfallen sämtlicher Faktoren besser dokumentieren als bei Napoleon Bonaparte, dem „Weltgeist zu Pferde“.10)

Als historische Quellen sollen die im Folgenden zu analysierenden Darstellungen Napoleons und seines militärischen, politischen und Recht setzenden „Genius“ als multidimensionale Ikone(n) weniger auf ihre kunsthistorische Bedeutung als vielmehr auf ihren Wert als Werkzeug einer historisch-politischen aufgeladenen Propaganda, die nebenbei auch der napoleonischen Selbstinterpretation entsprach, gedeutet werden. Dieses Unternehmen war so nachhaltig, dass das Bild, das sich die Nachwelt von Napoleon machte, in weiten Teilen darauf basierte.11) Hierbei ist im Rahmen der verschiedene Facetten und Spektren umfassenden „Historischen Bildwissenschaften“ grundsätzlich zu beachten, dass insbesondere durch die Komposition von Bildern die Möglichkeit besteht, einzelne ikonografische Motive aus verschiedenen Kunstepochen beliebig zusammenzufügen.12) Das Aufbrechen eines verbindlichen klassischen Typenkanons machte sie als eine ideale Plattform für eine subtile vielfältige und facettenreiche visuelle Kommunikation nutzbar, d.h., jeder konnte und musste das sehen, was er sehen wollte respektive sehen sollte. Die Komposition des künstlerischen Werkes unterliegt dabei genauso den zeitkontextualen Rahmenbedingungen wie die soziale Codierung des Beobachters. Erstrebte und erzielte Wirkung benötigen für ihre „Auflösung“ daher auch einen „kulturellen Hintergrund“.13) Ihre Aussagekraft als symbolisch verdichteter „Zeit-Spiegel“ ist neben vielfältigen Begrenzungen auch vom „Blickwinkel“ abhängig: „Urheberschaft und Absicht, Auftraggeber und Entstehungskontext“ 14) müssen immer mitbedacht werden, wenn es gilt, die herausragende Rolle der Bedeutung der Bilder der französischen Revolutionszeit zu erkennen.15)

Die in fachwissenschaftlich-interdisziplinären Forschungsdesigns stets angemahnte Notwendigkeit einer diskursiven historisch-kritischen „Dekonstruktion der Bilder“ scheint heute, vor dem Hintergrund einer trotz boomendem Geschichtsjournalismus schleichenden Geschichtsvergessenheit, der Notwendigkeit gewichen zu sein, zunächst die Zielsetzung ihrer Konstruktion erneut in Erinnerung zu rufen. Selbstverständlich bedurfte auch ein Napoleon bei seinem autoritären Herrschaftsstil und charismatischen Selbstverständnis im Negativen - im Inneren war er Diktator, nach „außen ist Napoleon Terrorist aus der Schule von 1793/94“ 16) - wie im Positiven den von seiner Propaganda aufgespannten Schirm der Camouflage und Glorifizierung. Deren grundsätzliche Zielsetzung erkannte sein Zeitgenosse Gerhard von Scharnhorst: „Der Geschichtsschreiber kann sich die Augenblicke wählen, in welchen er seinen Helden erscheinen lassen will; wir sehen ihn daher nur immer im Paradekleid, und da, wo er gesehen sein will“, er trägt „sein Gemälde mit starken Farben auf, sodass es unmöglich wird, die wahren Umstände, Ursachen und Folgen zu entdecken.“ 17)

Es ist unabdingbar, vor dem Hintergrund der internationalen machtpolitischen Rahmenbedingungen - aufgrund der Komplexität von Ursachen, Verlauf und Folgen hier nur idealtypisch auf die verfolgte thematische Zielstellung verkürzt - die politischen und gesellschaftlichen Errungenschaften der Französischen Revolution und deren Auswirkungen auf das Militärwesen der Zeit genauso zu skizzieren wie die Rezeption der römischen Geschichte im Verlauf der republikanischen und imperial-napoleonischen Phase französischer und europäischer Geschichte,18) bevor der „ins Bild“ gesetzte Aufstieg Napoleons19) und seine nach steter propagandistischer Visualisierung verlangende charismatische Herrschaft im Fokus steht. Diese gilt es für drei zentrale Terrains der Bedeutung Napoleons als Militär, Politiker und Rechtsetzer aufzuzeigen - mit ihrem historischen Hintergrund als „Zeichenvorrat“ sowie ihrer instrumentellen Zielsetzung. Seine verfolgte Bild-Programmatik lässt sich dabei als sein individuelles Pendant respektive einen personenzentrierten Gegenentwurf zu der zum Kollektivsymbol geronnenen „Erstürmung“ der Bastille am 14. Juli 1789 begreifen, die als „ein Musterbeispiel für die Selbstmystifizierung der Französischen Revolution“ 20) interpretierbar ist.

 

I. Politische, gesellschaftliche und militärische Neuerungen im Zuge der Revolution

Die Französische Revolution leitete am Ende des 18. Jahrhunderts für das „lange“ 19. Jahrhundert bis zur Ur- respektive Kulminationskatastrophe des Ersten Weltkrieges vielfältige Umwälzungen von bis dahin ungeahnten Dimensionen ein. Ihre politischen und gesellschaftlichen Postulate - „liberté, égalité und fraternité“ (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) als dominantes Leitmotiv, Menschen- und Bürgerrechte, Volkssouveränität und Verfassungsdenken sowie, als Kontrapunkt zur Ständepyramide des Ancien Régime, die fortschrittliche „linke“ Idee einer durch die Geburt gleicher, vom Untertanen zum Bürger transformierten Angehörigen einer zur Nation geschaffenen Gemeinschaft - haben bis heute kaum etwas von ihrer Gültigkeit verloren.21) In ihrem Schlepptau befanden sich jedoch auch die von den zeitgenössischen konservativen Kritikern be- und gefürchteten historischen Katalysatoren Demagogie und Terrorherrschaft. Seit der Französischen Revolution bewegten sich Legitimationsmuster und Ausübung politischer Herrschafts- und Regierungsformen in einem mit Derivaten versehenen Spektrum zwischen (un-)beschränkter Monarchie, linkem und rechtem Totalitarismus sowie direkter und repräsentativer Demokratie.22)

Bereits vor Napoleon I., dem General, Bändiger und selbst ernannten „Vollstrecker der Revolution“ - 1804 krönte er sich zum Kaiser der Franzosen -, wurden im Zuge der kriegerischen Expansion die Ideale der Revolution wie auch deren Machtanspruch auf den europäischen Kontinent ausgedehnt. Die politische Landkarte Europas sah nach den vielen militärischen Erfolgen der französischen Revolutionsarmeen durch die Etablierung von französischen Satellitenstaaten viele territorial-politische Flurveränderungen, von denen der Untergang des - im politischen und militärstrategischen Kern (mit Ausnahme Österreichs und Preußens) durch den unter französischem Protektorat stehenden Rheinbund ersetzten - Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation am 6. August 1806 den offensichtlichen Systembruch mit „Alteuropa“ darstellte. Österreich und Russland - insbesondere in der „Drei-Kaiser-Schlacht“ bei Austerlitz im Dezember 180523) - sowie Preußen in der so genannten Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 180624) erfuhren schmerzhaft die Überlegenheit des französischen Schlachtenkaisers.

Der Sieg bei Austerlitz machte Napoleon - zusammen mit seinem für ihn zunächst unerwarteten Triumph im folgenden Jahr über die Generale der preußischen Armee, die beim von ihm verehrten Friedrich dem Großen ihr Waffenhandwerk erlernten - zum politischen Hegemon und Besatzer West- und Zentraleuropas. Nur Großbritannien mit seiner für die anti-napoleonische Allianz unverzichtbaren Finanz- und Seemacht sowie das zaristische Russland entzogen sich dem französischen Diktat. Seinen politischen und militärischen Triumphen stellte er mit seinem Code civil ein bleibendes zivilisatorisches Werk der Jurisdiktion zur Seite, von dem er selbst sagte, es sei bedeutender und bleibender als seine nach Dutzenden zählenden siegreichen Schlachten.

Seinen überwältigenden Erfolg verdankte Napoleon der tiefgehenden Umwälzung des Kriegswesens,25) das mit der Revolution zwangsläufig einherging: Aufstellung von Massenheeren, patriotisches und missionarisches Sendungsbewusstsein seiner Truppen, Neuorganisation der Führungsebenen, Korps- und Divisionssystem, Einführung der stoßkräftigen Kolonnentaktik und flexiblen Tirailleur-Gefechtsführung, Aufwertung der Artillerie und, bedingt durch die Vielzahl neuer Dienstposten und hoher Kriegsverluste bei seinen Offizieren, die Perspektive zum individuellen, Standesschranken übergreifenden Aufstieg - seit der Revolution hatte jeder „den Marschallstab im Tornister“. Die Möglichkeit der Gefechtsführung mit verbundenen Waffen und mit selbstständigen Großverbänden sowie der Menge der durch Wehrpflicht bzw. erzwungenen Bündniskonstellationen zur Verfügung stehenden Soldaten schuf ein im absolutistischen Kriegswesen nicht denkbares Bestreben, durch deren beinahe beliebige Verfügbarkeit und die nationale Aufladung der Kriegführung den Schritt zur Entscheidungs- respektive Vernichtungsschlacht zu wagen bzw. durchzuführen.26)

Erst sein Russlandfeldzug von 1812, mit dem er der nach der verlorenen Seeschlacht bei Trafalgar 1805 für ihn unerreichbaren Seemacht der britischen Inselmonarchie den so genannten „Festlanddegen“ Russland entwinden wollte, brachte die mehr erhoffte als erwartbare Wende, die über die Zwischenstation „Völkerschlacht bei Leipzig“ Mitte Oktober 1813 und Waterloo am 18. Juni 1815 zur Niederringung des napoleonischen Suprematieanspruchs führte.27) Dennoch: Der französische Kaiser und Feldherr war für mehr als ein Jahrzehnt - als machtpolitisches, kontinentales Gravitationszentrum - trotz beginnender und wahrnehmbarer Agonie seit 1808 bis zu seinem gescheiterten Feldzug nach Moskau 1812 second to none in Europa, bevor Russland zusammen mit dem Habsburgerreich neben dem unverzichtbaren Großbritannien als seine Überwinder bis zur europäischen Erhebungszeit von 1848/49 als Schiedsrichter Europas fungierten.28)

 

II. Französische Geschichte als neue römische Geschichte

Wenngleich Revolutionen durch ihre eruptive Dynamik den Weg in eine neue Zukunft verheißen und ebnen, so suchen sie meist gleichzeitig durch vielfältige und auch eklektizistische Aneignungen aus dem „Steinbruch“ der Vergangenheit respektive Analogiebildungen und Wiederaufnahme vermeintlich unterbrochener Kontinuitätslinien Legitimität aus alten Wurzeln zu ziehen. Dies galt für mittelalterliche Rechtsvorstellungen,29) die Reformation Luthers - er wollte eine renovatio der alten Kirche - sowie die geistige Grundhaltung der Frühen Neuzeit generell.30) Zwar gab es bereits seit dem Humanismus der Renaissance wiederkehrende Rezeptionsphasen des griechisch-römischen Altertums, und auch die Gelehrten des 18. Jahrhunderts verwiesen auf den Vorbildcharakter antiker politischer Errungenschaften und Einrichtungen sowie nachzueifernder Helden aus der alten Geschichte; eine auch militärische (römische) Antikenrezeption von Justus Lipsius ermöglichte um 1600 erst die oranische Heeresreform, die sich als Transmissionsriemen für das moderne frühneuzeitliche Kriegswesen erwies.31)

Aber erst mit der Französischen Revolution und ihrem Demokratiepotenzial ergab sich auch die Möglichkeit - nach der Beseitigung des Ancien Régime -, es den bewunderten Alten auf einer sehr viel breiteren Massenbasis nachzutun. Die französische Geschichte nach 1789 wurde, komprimiert auf etwas mehr zwei Jahrzehnte, zur Neuauflage der römischen Geschichte: Abschaffung der Monarchie, Ausrufung der Republik, Bürgerkriegsszenarien, expansive Machtpolitik, Diktatur, konsularische Alleinherrschaft, Heereskaisertum und Implosion des Empire.32)

Der legendenumrankte Eintritt der späteren Tibermetropole Rom in die Weltgeschichte begann mit der Vertreibung des letzten etruskischen Stadtkönigs; das revolutionäre Frankreich zog mit der durch den am 21. September 1792 zusammengetretenen Nationalkonvent - es war seine erste Maßnahme - legalisierten Abschaffung der Monarchie nach. So wie die Revolution mit ihren neuen politischen und gesellschaftlichen Postulaten für Frankreich - versehen mit den Begrifflichkeiten der römischen Republik33) - ein neues politisches System und eine gänzlich neue res publica schuf, so wollte der Nationalkonvent diese neuen Freiheiten auch den anderen Völkern zum Vorbild anbieten. So defensiv, wenngleich pathetisch-martialisch, der von Claude Joseph Rouget de Lisle im April 1792 verfasste Text der „Marseillaise“ verkündete, man zöge in die Schlacht, um sich „cette horde d’esclaves, de traîtres, de rois conjurés“ (der Horde von Sklaven, von Verrätern, von verschwörerischen Königen) zu erwehren, so offensiv-agitativ proklamierte der Konvent im Dezember 1792 „im Namen der französischen Nation, dass er allen Völkern, die ihre Freiheit wiedererlangen wollen, Brüderlichkeit und Hilfe gewähren wird“.34)

Die scheinbar altruistische Zielsetzung konnte sich indes nicht ihrer realpolitisch-katalysatorisch wirkenden inneren Logik und Dynamik erwehren. Denn der damit verbundene missionarische Grundgedanke überschritt schnell - nicht zuletzt durch die Verkündung der zur erhöhten Mobilisierung sämtlich verfügbarer Potenziale erforderlichen levée en masse Ende August 1793, die innerhalb kurzer zeitlicher Frist Frankreich ein von jungen Generalen geführtes Heer brachte, das mit fast einer Million Soldaten mehr als alle anderen Armeen Europas zusammen umfasste - die Grenze vom Befreiungsmotiv zur Eroberung der vom Nationalkonvent axiomatisch festgelegten „natürlichen Grenzen“ einer dynamisch aufsteigenden jungen nationalen Macht, die sie an den Pyrenäen, den Alpen und am Rhein zu gewinnen erhoffte. Auch Rom eroberte sich sukzessive die italische Halbinsel,35) schuf sich seine zunächst natürliche Grenze an den Alpen und durch direkte und indirekte Einflusssphären sein Imperium jenseits dieser Grenze an Rhein, Donau und Euphrat sowie um das zum mare nostrum erklärten Mittelmeer herum.

Die kurze Phase der Republik mündete nach inneren Unruhen in der Revolutionsdiktatur 1793/94, in der Maximilien de Robespierre in der Verkleidung seines „Wohlfahrtsausschusses“ durch - den Massenmorden legitimierende Proskriptionslisten Sullas gleichende - Revolutionstribunale seine politischen Widersacher liquidieren ließ. Bereits vor seiner „Machtübernahme“ erkannte er geradezu visionär für die folgende französische Geschichte den Zusammenhang zwischen inneren Unruhen, außen- und militärpolitischen Ambitionen sowie einem Wechsel des politischen Systems, wie ihn Rom, wenngleich in längeren Zeitabschnitten, wie aus dem Lehrbuch als unvergängliches politisches Grundmotiv exemplarisch aufzeigte: „In Zeiten der Unruhen und des Parteienhaders werden die Heerführer zu Richtern über das Schicksal ihres Landes und lassen die Waage zugunsten derer sich neigen, deren Partei sie ergriffen haben. Wenn es Cäsaren oder Cromwells sind, bemächtigen sie sich selbst der Herrschaft.“36) Deshalb ließ er auch im Dezember 1793 als Vorsitzender seines Wohlfahrtausschusses, den er selbst als den neuen Senat sah, den kommandierenden Generalen der Revolutionsarmeen eine in römisches Dekor gekleidete unmissverständliche Warnung zukommen: „Denken Sie daran, dass die Helden der antiken Republiken, die Scipionen, Paulus Aemilius und andere ihre Befehle vom Senat empfingen und dass Rom die seiner Kinder zum Tode verurteilte, die - auch wenn sie siegreich waren - nicht Roms Befehle abgewartet hatten, um über seine Feinde zu triumphieren.“ 37)

Nach der Hinrichtung Robespierres erfolgte im August 1795 die bereits dritte Verfassung in Form der Direktorialverfassung. Ihre beiden Legislativ-Kammern - Rat der Fünfhundert und Rat der Alten - standen in der Tradition der römischen Volksversammlung und des Senates, wobei letzterer wie der römische Senat durch sein Recht der Zurückweisung beschlossener Gesetze die tatsächlich machtausübende Instanz darstellte und darüber hinaus auch die fünfköpfige Exekutive des Direktoriums ernannte.

Die Erfolge des Militärs im Ersten Koalitionskrieg (1793-1797) überstrahlten für einige Zeit die wirtschaftliche Not der Bevölkerung: Die Rheingrenze wurde erreicht, Tochterrepubliken in Italien entstanden, nicht zuletzt durch die Erfolge Napoleons. Die Gefahr eines Staatstreiches einerseits, die im Mai 1796 durch die frühsozialistische Untergrundorganisation der „Gleichen“ unter der Führung Babeufs - geradezu in der römischen Tradition stehend, gab er sich 1793 den Revolutionsnamen Gracchus und seiner Zeitung den Namen „Tribun du Peuple“ (Volkstribun)38) - entstand und durch das Militär vereitelt wurde, und der befürchtete Einflussverlust des Direktoriums im Rat der Fünfhundert im Sommer 1799 andererseits bereiteten die Bühne für Napoleon. Er hatte sich bereits im September 1793 während der Belagerung von Toulon ausgezeichnet, was ihm die Beförderung zum Brigadegeneral durch Robespierre einbrachte, und durch die rücksichtslose Niederschlagung des royalistischen Aufstandes am 5. Oktober 1795 sowie seinen Erfolg als Oberkommandierender in Italien 1796/97 zu einer wesentlichen Stütze des Direktoriums entwickelt. Sein Staatsstreich des 18. Brumaire (9./10. November 1799) ließ das Diktum Robespierres wahr werden. Die Analogie zu Cäsars Marsch über „den Rubikon“ war evident, wenngleich Napoleon seine Herrschaft zunächst in ein den römischen Triumviraten nachgebildetes Kollegium von drei Konsuln fasste. Hier musste Napoleon dem republikanischen Zeitgeist entgegenkommen, weshalb er eine konsularisch verkleidete Ästhetisierung seiner Herrschaft dem oligarchischen Charakter der Triumvirate vorzog. Tatsächlich machte er durch seine Ernennung zum Ersten Konsul seine dominante Machtposition eindeutig - der Weg zum Cäsar und Augustus war beschritten.

 

Dem Verlangen der Bevölkerung nach Ruhe und Ordnung nach den langen Jahren der Revolutionswirren kam Napoleon in seinem Sinne entgegen. Am 15. Dezember 1799 erklärten die drei Konsuln: „Franzosen, es wird euch eine neue Verfassung vorgelegt. Sie setzt den Ungewissheiten, die die Provisorische Regierung in den auswärtigen Beziehungen, in der inneren und in der militärischen Lage der Republik aufkommen ließ, ein Ende (...) Die Gewalten, die sie einsetzt, werden stark und dauerhaft sein, wie sie es sein müssen, wenn sie die Rechte der Bürger und die Interessen des Staates schützen sollen. Bürger, die Revolution ist den Grundsätzen, von denen sie ihren Ausgang nahm, fest verbunden; sie ist beendet.“ 39) Mit dieser zeitlosen Proklamation zur Beendigung der Revolution wurde Napoleon, der sich 1802, plebiszitär abgestützt und in cäsarischer Tradition, zum (Ersten) Konsul auf Lebenszeit ernennen sowie, ebenfalls durch Plebiszit, zur Umwandlung des Konsulats zum (augusteischen) Kaiserreich 1804 ermächtigen ließ, zum Totengräber respektive Bändiger derselben.

Wenngleich Napoleon wie Cäsar40 und Augustus41 auf militärische Meriten verweisen konnte, so sah er doch auch die Notwendigkeit, seinen Aufstieg in höchste Kreise zu „adeln“. Deren natürliches aristokratisches Auftreten wollte er sich von ihnen „leihen“. Dynastische Legitimität und einen standesgerechten männlichen Erben erhoffte er sich von der Vermählung mit der 18-jährigen Erzherzogin Marie Louise von Österreich; die innenpolitische Legitimität erlangte er durch ein Zustimmungsplebiszit zur Kaiserkrönung, die, in Anwesenheit des Papstes Pius VII. - als Bischof von Rom stand er in der Tradition des altrömischen Pontifex Maximus, ein Amt, das auch von Cäsar bekleidet wurde -, auch eine internationale Rangerhöhung bedeutete. Gleichzeitig symbolisierte sie auch den unumkehrbaren Abschluss der nur noch formal republikanischen Staatsform und die cäsarisch-augusteische Hinwendung zu einer angestrebten Erbmonarchie.

Trotz aller Legitimitätsbemühungen blieb die Aufrechterhaltung der politischen und militärischen Dynamik die Grundlage seines weiteren Handelns. Sein machtpolitisches Ausgreifen in den Westen (Spanien) und Osten (Österreich, Preußen, Russland) glich - alles stets indirekt gegen das seit Trafalgar 1805 unerreichbare Großbritannien gerichtet - einem Ressourcen verschlingenden Marathon, in dem Napoleon das kurzfristige machtpolitisch begründete Prestige mit dem dauerhaften Verlust der inneren Freiheit Frankreichs erkaufte - ganz so wie die ungeheure Ausdehnung des Römischen Reiches den Boden für den Übergang von der Republik zum kaiserlichen Imperium bereitete. Seine dynamische Unrast und Ungeduld, in einem Leben alles zu erreichen, wofür Rom Jahrhunderte benötigte, führte schließlich in einen nicht zu gewinnenden Konflikt mit „der ganzen Welt“, an dessen Ende der individuelle Untergang stehen musste.

Sein Krieg gegen seinen großen Dauer-Widersacher Großbritannien glich einem neuen „Punischen Krieg“, den Frankreich - wie einst Rom -, nachdem es Herr über die umliegenden kontinentalen Gemeinwesen geworden war, nun in einer letzten großen Auseinandersetzung um die Suprematie gegen eine „Händlernation“ - bereits (d)er Konvent sprach von Karthago, wenn er England meinte, und die Jakobiner nannten sich Römer“ 42) - jenseits des Meeres zu führen hatte, obwohl Napoleon hierin mehr einem Hannibal als einem Scipio Africanus vergleichbar war.43) Aus britischer Sicht hatte sich der Krieg „von einem Kampf gegen die Weltrevolution in einen Kampf gegen einen Welt-Cäsarismus gewandelt“.44)

Darüber hinaus erinnern die von Napoleon erzwungenen Bündniskonstellationen - insbesondere der 1806 geschaffene Rheinbund als militärstrategisches Glacis und Soldatenreservoir - genauso an das Gefolgschaft einfordernde, indes stabilere römische Bundesgenossensystem45) wie der Zug nach Moskau im Jahre 1812 dem römischen Vordringen in den Osten unter Trajan im Jahre 117 vergleichbar ist, das dem Römischen Reich mit dem Erreichen von Basra am Persischen Golf seine größte territoriale Ausweitung brachte - wenn auch, wie bei Napoleon, nur für kurze Zeit als temporäre Außenbastion eines imperial overstretch.46) Als Kaiser eines überforderten „römischen“ Frankreich führte er sein Empire innerhalb eines Jahrzehnts in den Untergang.

 

III. Napoleon als Ikone

Napoleon war „nach innen Sauveur der neuen französischen Gesellschaft und Welteroberer nach außen“ sowie gleichzeitig als charismatischer Herrscher „der lehrreichste Typus des Cäsarismus“.47) Darüber hinaus gilt er auch in der Regel als der personifizierte Katalysator der Moderne.48) Das Diktum von Thomas Nipperdey für die deutsche Geschichte - „Am Anfang war Napoleon“ - gilt auch für die Propaganda, die seit Napoleon in qualitativer und quantitativer Hinsicht ihren neuzeitlichen Siegeslauf begann, indem sie seine militärischen, politischen und Recht setzenden Erfolge geradezu ikonografisch überhöhte. Ihm ging es vor dem Hintergrund einer polischen und militärischen Revolution in einer Epoche fundamentaler Umbruchsszenarien darum, in seiner Person neue gesellschaftliche Prinzipien in Verbindung mit der Konstruktion traditionaler Herrschaftsstrukturen ideologisch zu begründen.49) Dabei kam es ihm zugute, dass er „einen sechsten Sinn für alle Kriegssachen und einen siebenten für alles, was der Machtbereitung diente“,50) hatte. Die bereits seit 1791 latent den politischen Diskurs im revolutionären Frankreich prägende Forderung nach einer Überführung der politischen Zustände in eine Phase neuer Stabilität - verstärkt nach der Diktatur des Wohlfahrtsausschusses - führte nach der Delegitimierung der monarchischen Souveränität zu dem Dilemma, wie sich die neue, durch die Revolution erreichte Souveränität des Kollektivsubjekts „Nation“ - die „volonté général“ im Sinne von Rousseau51) - in einer Person symbolisch verdichten ließ. Ein abgewandeltes Muster des römischen Cäsarentums bot sich für Napoleon als jugendlichen Helden, genialisch-erfolgreichen Militär und politischen Führer geradezu an, konnte er doch auch vor dem Hintergrund der Rom-Affinität der Intellektuellen einerseits und einer nach Jahrhunderten zählenden fürstlich-absolutistischen Tradition andererseits trotz der immanenten Gefahr der Beseitigung verfassungsrechtlicher Errungenschaften der Revolution in Form einer autoritären Alleinherrschaft auf den Zuspruch der Bevölkerung hoffen.52)

Für alle legitimatorischen Aspekte - und zum Teil noch, seiner individuellen Selbstinterpretation und -stilisierung wegen, darüber hinaus - benötigte Napoleon neben Ideen, Zielen und Handlungen auch ein entsprechendes, seine usurpierte Herrschaft unterstützendes, gezielt die öffentliche Meinung und politische Kultur beeinflussendes propagandistisch-politisches Bildprogramm. Je mehr die realen „Bilder“ von der Bevölkerung akzeptierte mentale „Bilder“ erzeugten, die zudem Napoleons Selbstwahrnehmung spiegelten, desto wünschenswerter waren sie als Projektionsflächen. Napoleon war hierbei als Akteur Getriebener und Gestalter zugleich. Einerseits musste er als charismatischer Herrscher in einem dynamischen Umfeld und vor dem Hintergrund eines drohenden potenziellen Verlusts seiner Ausstrahlung und seines Mythos als Retter und Garant der politischen Stabilität stets neue Erfolge vorweisen, und er wollte bei seinem ständigen Bemühen um Selbstdarstellung und Präsentation seiner Erfolge und Leistungen andererseits, dass sie das zeigen, was er zeigen wollte, und damit nichts dem Zufall überlassen - daher auch die Vorgaben für die Inhalte der Bilder und die Gängeleien respektive die Überwachung des künstlerischen Schaffens durch staatliche und militärische Würdenträger sowie die Bereitschaft, für einzelne Werke, aber auch für Massenproduktionen große Summen zu investieren.53)

Überzeugt vom Propagandawert der Kunst ließ Napoleon seine Taten und seine Herrschaft als Feldherr, Konsul und Kaiser in einem an die überzeitlich-klassische römische Antike angelehnten Stil in Monumenten und Bildern verherrlichen. Nur eine „große Lösung“ schien den Ausweg aus seinem komplexen Dilemma-Konflikt respektive Spannungsverhältnis von Dynamik contra Statik der Legitimität zu weisen: „Was lag näher, als die usurpierte Macht des neuen Cäsar und das von ihm erschaffene Grand Empire mit römischen Vorzeichen zu versehen und beiden damit eine Legitimität von großartiger historischer Dimension zu verleihen?“ 54) Hierbei arbeitete Napoleon auch selbst bereits seit Beginn seines ersten Italien-Feldzuges von 1796/97 an einem an antiken Vorbildern orientierten römischen Feldherren- und Imperatorenmythos mit.55)

 

Für seine Konstruktion des jugendlichen vorwärts stürmenden Helden nutzte Napoleon sämtliche verfügbaren Medien. Er gab zwei eigene Militärzeitschriften heraus - zur Motivation seiner Truppen und zur Beeinflussung der „öffentlichen Meinung“ -, ließ sich auf Medaillen als Friedensstifter feiern, raubte Kunstwerke und schickte sie nach Paris, womit er sich, verstärkt durch die Teilnahme von Wissenschaftlern und Schriftstellern in der Manier Alexanders des Großen56) in die Lage versetzte, nicht nur den individuellen und machtpolitischen Zweck des Feldzuges neu zu interpretieren, sondern auch seine Metamorphose vom „homme de guerre“ zum „homme de culture“ öffentlichkeitswirksam zu inszenieren. Die Maler, die die bleibende Wirkung erzielten, waren Jacques-Louis David, einer der Begründer der an römischen Vorbildern orientierten klassizistischen Malerei, und sein Schüler Francois-Simon-Pascal Gérard. Insbesondere beim Revolutionsmaler David (1748-1825), der bereits in seiner Revolutionsikone „Der Tod des Marat“ (1793) den ermordeten Jean-Paul Marat zum politischen Märtyrer stilisierte, ist festzustellen, dass er von seinem „Schwur der Horatier“, in dem er wenige Jahre vor der Revolution das Hohelied auf das patriotische Märtyrertum dreier Brüder für ein unter dem Gesetz der Republik als revolutionären Topos vorwegnahm, der dann im idealisiert republikanisch aufgeladenen berühmten Gemälde zum Ballhausschwur vom 20. Juni 1789 seine französische Einlösung erfuhr,57) den militärischen und politischen Weg Napoleons vom Oberkommandierenden der Italienarmee über das Konsulat zur Monarchie als dessen Hofmaler ikonografisch mitzeichnete.58) Ausgehend von den folgenden einzelnen Bildern lässt sich im Rahmen von Rückblenden und Ausblicken idealtypisch das Selbst- und Herrschafts- wie auch Politik-, Religions- und Geschichtsverständnis Napoleons charakterisieren.

 

IV. Napoleon als militärische Ikone: Erbe von Alexander, Hannibal und Cäsar

Die Französische Revolution veränderte mit den ihr folgenden Kriegen die bellizistische Disposition des absolutistischen Kriegswesens und schuf eine neuartige Dimension des Krieges, der die Trennung  von Außen- und Innenpolitik aufhob. Die bis dahin unbekannte Vernetzung von außenpolitischer Zielsetzung, militärischer Aktion und der Sphäre der Innenpolitik wurde - vor dem Hintergrund der durch die Revolution entstehenden politischen, gesellschaftlichen und sozialen Spannungen - bereits von Brissot in einer Rede vor der gesetzgebenden Nationalversammlung59) pointiert auf den Punkt gebracht: „Im jetzigen Zeitpunkt ist der Krieg eine nationale Wohltat, und das einzige Unglück, das wir zu fürchten haben, ist, dass es keinen Krieg geben wird (...) Das ausschließliche Interesse der Nation rät zum Krieg.“ 60) Diese wechselseitige Verflechtung war die zeithistorische Grundlage für den Aufstieg junger Offiziere der Revolutionsarmee, die zum Teil einen Kult- respektive Idol-Status erlangten - mit Napoleon als ihrem prominentesten Vertreter an der Spitze, der um die politische und massenpsychologische Bedeutung erzeugter „Bilder“ wusste. Dabei steht vollkommen außer Frage, dass Napoleon als Meister der militärischen Landkriegführung ein Souverän der europäischen „Kriegskunst“ war, dem auch in der militärhistorischen Forschung eine „angeborene Feldherrngenialität“61) attestiert wurde. Sogar für den in dieser Hinsicht vollkommen „unverdächtigen“ Schweizer Kulturhistoriker Jacob Burckhardt war Napoleon „vielleicht der erste Feldherr aller Zeiten“.62)

Selbst strategische Fehl- respektive Rückschläge wie sein ägyptisches Abenteuer im Jahre 1798 wurden durch publizistische Erfolge in Glanztaten umgedeutet. So wurde - wenn auch tatsächlich mehrere Kilometer entfernt - „unter den Augen“ der nach der mutmaßlichen Diktion Napoleons vierzig Jahrhunderte alten Pyramiden von Gizeh, den Ikonen der ägyptischen vor-antiken Zivilisation, mit der „Schlacht bei den Pyramiden“ der arabisch-islamische Kulturraum für die Moderne geöffnet63) - so wie Alexander dem orientalischen Raum den „Hellenismus“ brachte. Die perspektivische Analogie zu Alexander, der in Ägypten respektive der Oase Siwah den Ort seiner (göttlichen) Selbstbestätigung suchte,64) blieb im Grundsatz mehr als Option - beide suchten in Indien die Grenze ihrer (Welt-)Herrschaft zu erreichen. Es bleibt natürlich eine Mutmaßung, ob Napoleon tatsächlich, wie er auf St. Helena in der Verbannung sinnierte, die mehr die Nachwelt als seine Soldaten beeindruckende Möglichkeit erwog, mitsamt seinem Heer zum Islam überzutreten; er hätte dann „als neuer Alexander ein Weltreich im Osten begründen können.“65)

 

Das Gemälde „Napoleon Bonaparte überschreitet den Großen St. Bernhard“ ist ein atmosphärisch verdichtender Rückblick auf seinen ersten großen militärischen Erfolg im Ersten Italienkrieg, seinen Alpenübergang von Mitte Mai 1800 und den Schlachtenerfolg von Marengo am 14. Juni 1800.66) Gleichzeitig ist das Werk aber auch durch seine aktionsgeprägte Dynamik ein über den (Zwischen-)Friedensschluss von Campo Formio 1797 hinausweisendes propagandistisches Postulat für die kommende Entwicklung. Der Dichter Stendhal, der unter seinem bürgerlichen Namen Henri Beyle an zahlreichen Kriegszügen teilnahm, schrieb später in seiner „Kartause von Parma“: „Die Welt sollte erfahren, dass nach so vielen Jahrhunderten Cäsar und Alexander einen Nachfolger hatten.“ 67) Militärischer Erfolg, enorme Popularität und politischer Ehrgeiz verdichten sich in dieser Darstellung für Napoleon in einem uralten militärischen Topos von grenzenlosem Ruhm und Ehre, was er auch auf seine Soldaten projizierte, über die er am 1. Juli 1797 dem französischen Gesandten in der Toskana sagte: „Was sie brauchen, ist Ruhm, die Befriedigung ihrer Eitelkeit.“ 68)

Napoleon, bereits hier mit fast purpurrotem Umhang, zeigt, den Beobachter fixierend, auf einem auf der Hinterhand aufsteigenden Pferd sitzend, souverän den einzuschlagenden Weg mit der rechten Hand nach oben gerichtet, über die Alpen zur italischen Halbinsel, durch die drohenden Unbilden der „Wetterfront“ hindurch. Die Kokarde an der Kopfbedeckung, der rote Umhang über der blauen Uniform, um die eine weiße Schärpe gebunden ist - zusammen gesehen ergeben sie die Farben der Trikolore -, weisen ihn als einen selbstsicheren und elanvollen jungen Helden und der revolutionären Republik verbundenen Heerführer aus, der mit leichtem Schenkeldruck und ohne sich trotz der schwierigen Situation am Zaumzeug festzuhalten - der „Hauch der Geschichte“ umweht ihn und sein Pferd -, der vom dynamischen, die französische Nation symbolisierenden Pferd aus bereits im Begriff ist, die vom Nationalkonvent angestrebte „natürliche“ Alpengrenze zu überschreiten. Die glorreiche Bezwingung der Natur sollte jene seiner Feinde symbolisch vorwegnehmen.

Unter seinem Pferd ist die Basis seines Erfolges erkennbar: eine jede Schwierigkeit überwindende Kolonne, durch die Farbgebung ausgewiesene republikanische Soldaten, mit einem Artilleriegeschütz - seine ursprüngliche Truppengattung - und einem seine Richtungsangabe mit dem Säbel aufnehmenden Offizier, der seine nur an Gewehrläufen und Bajonetten erkennbaren Soldaten, hinter denen eine Trikolore weht, anführt.

Die propagandistische Aufladung der Szene verdeutlichen zudem die eingemeißelten Schriftzüge auf den fast denkmalsartigen Steinen am unteren linken Bildrand. Bereits hier steht sein Name als Synthese über jenen Hannibals und Karls des Großen. Auch wenn die Lokalisierung von Hannibals Übergang über die Alpen schwierig bleibt69) - Napoleon war tatsächlich mit einem Maulesel unterwegs -, und seine Überquerung nicht die einzige und schon gar nicht die bedeutendste alpine Operation des Zeitalters war,70) so ist die Traditionsbildungsabsicht doch evident. Dass große Feldherren sich nur an großen Feldherren der Vergangenheit messen - d.h., ihr Bestreben, sich ihnen als mindestens gleichwertig oder gar überlegen einzustufen - und messen lassen wollen, scheint ein Naturgesetz ihrer Selbstreflexion respektive -wahrnehmung zu sein und im übersteigerten Selbstwertgefühl oder dem tatsächlichen Leistungsvermögen begründet zu sein. Der neben Alexander dem Großen trotz seines strategischen Scheiterns71) größte Feldherr des Altertums und der fränkische Kaiser als Vater Europas bilden seither in der napoleonischen Selbsteinschätzung die einzig akzeptierten historischen Vergleichshorizonte außerhalb der römischen Vorbilder. Ein Prinz Eugen, der 1701 im Rahmen der Eröffnung des Spanischen Erbfolgekrieges als erster Feldherr nach Hannibal mit einem Heer die Alpen überquerte,72) schien bereits zu unbedeutend. So wie Alexander alleine mythische Vorbilder aus der von ihm als ein „Lehrbuch der Kriegskunst“73) wahrgenommenen Ilias akzeptierte, so verschlang und kommentierte Napoleon „seinen“ Cäsar als einen der Zeit enthobenen Vater der Kriegskunst.74) Für den Ersten Konsul ist die Wegmarke „Carolus Magnus“ - als mittelalterlicher Erneuerer der römisch-cäsarischen Idee - Verpflichtung zur späteren systemimmanent logischen Einlösung.

Schritt für Schritt setzte er das um, was ihm bereits nach seinem Sieg über die Österreicher an der Brücke über die Adda bei Lodi am 10. Mai 1796 im Kopf umherspukte, nämlich die Überzeugung, „dass ich ein den anderen Menschen überlegenes Wesen wäre. Ich fasste den ehrgeizigen Plan, große Dinge zu verrichten, die bis dahin meine Gedanken höchstens als phantastische Wachträume ausgefüllt hatten.“ 75) Sein individuelles missionarisches Selbstbewusstsein, das an das pothós-Motiv Alexanders des Großen76) erinnert, trieb ihn immer weiter: „Ich fühle mich zu einem Ziel getrieben, das ich selbst nicht kenne. Sobald ich es erreicht habe, sobald ich nicht mehr gebraucht werde, genügt ein Nichts, um mich zu zerschmettern. Bis dahin aber kann keine Macht der Welt etwas gegen mich ausrichten.“ 77) Damit verkörperte er jene geschichtsphilosophische Idee, die Hegel als die „List der Geschichte“ bezeichnete,78) die sich zur Erreichung ihres Zieles „Freiheit“ der Individuen bemächtigt - in diesem Fall des „Weltgeistes“ in Reiterstiefeln, dessen Methode in der „Verbindung einer unerhörten magischen Willenskraft mit einer riesigen, allbeweglichen Intelligenz, beides gerichtet auf Machtbereitung und beständigen Kampf, zuletzt gegen die ganze Welt“,79) bestand.

Napoleons ununterbrochenes Überschreiten von nicht akzeptierten Grenzen wurde ihm später nach dem Scheitern seiner gegen Großbritannien gerichteten, geradezu an Alexander den Großen angelehnten russischen Kampagne zum Verhängnis. Aus einer nahezu unangefochtenen kontinental-strategischen Machtposition heraus - ein „Arrangement“ mit dem „dem Zauber Napoleons“80) verfallenen russischen Zaren Alexander I. sollte Europa nach Tilsit 1807 in zwei Macht- respektive Einflusssphären teilen - suchte er, auch als psychotische Züge tragende Ersatzanstrengung für die mit Trafalgar 1805 verlorenen maritimen Fähigkeiten, zur militärischen Sicherstellung der von ihm verhängten „Kontinentalsperre“ bis ins Herz Russlands zu marschieren.81) Seine historische Phantasie verlor den Zusammenhang mit der Realität: „Schließlich ist dieser Weg der lange Weg nach Indien (...) Denken Sie sich Moskau erstürmt, Russland geschlagen, den Zaren ausgesöhnt oder einer Palastverschwörung zum Opfer gefallen und sagen Sie mir, ob eine Armee von Franzosen dann nicht bis zum Ganges vordringen könnte, der nur mit einem französischen Schwert in Berührung zu kommen braucht, damit in Indien das ganze Gerüst merkantiler Größe einstürze?“ Bereits 1811 sagte er, seiner Logik folgend, dem bayrischen General Fürst Wrede: „Noch drei Jahre und ich bin Herr des Universums.“ 82) Bekanntlich saß er indes drei Jahre später auf Elba; gegen das russische Zarenreich hatte er 1812 mit seiner Grande Armée so grandios verloren, wie er noch am 2. Dezember 1805 bei Austerlitz seinen glänzendsten militärischen Erfolg errungen hatte - in der „Drei-Kaiser-Schlacht“ am ersten Jahrestag seiner Kaiserkrönung.

 

V. Napoleon als politische Ikone: Erbe von Augustus und Karl dem Großen

Die Diskrepanz zwischen einer das monarchische Prinzip sprengenden Revolution und der scheinbar deren Errungenschaften verratenden Ausrufung eines „Kaisers der Franzosen“ lediglich 15 Jahre danach ist nur bei oberflächlicher Betrachtung evident. Politische Macht fordert Visualisierung, nach Möglichkeit Ästhetisierung und in erster Linie Personalisierung - in Republiken und Demokratien wie in Diktaturen und Monarchien. Die „Virtuosen der Macht“83) spielen daher stets auch auf der zur Verfügung gestellten medialen Klaviatur. Je größer ihr individuelles Potenzial und je breiter ihr Horizont auf unterschiedlichen Handlungsterrains ist, desto ausufernder wird ihr Bestreben, sich - vor dem Hintergrund ihrer (vermeintlichen) Einzigartigkeit, d.h. (heils-)geschichtlichen Notwendigkeit - apologetische Züge tragende Verehrung einzufordern und bei der Konstruktion omnipotenter medialer (Dauer-)Präsenz nur selbst auferlegte Grenzen zu akzeptieren.

Aus der Retrospektive seines südatlantischen Exils auf St. Helena sah Napoleon seinen individuellen „Kairos“ in der Erstürmung der Adda-Brücke bei Lodi, hier sei ihm bewusst geworden, „dass ich wohl auf der politischen Bühne eine ausschlaggebende Rolle spielen könnte“.84) Tatsächlich war sein erster Italienfeldzug ein entscheidender Katalysator: „Durch diese Siege überflügelte er alle Rivalen auf militärischem Gebiet und wurde zum Schwert der Revolution, die für seine Zwecke zu benutzen und zu vernichten er entschlossen war.“ 85) Sehr früh begriff er sich nicht nur als militärischen, sondern auch als politischen Akteur: „Nicht weil ich ein General bin, regiere ich Frankreich, sondern weil die Nation glaubt, dass ich die zivilen Fähigkeiten eines Herrschers besitze.“ 86) Daher legte er auch großen Wert auf die Transformation seines „Bildes“ vom „homme militaire“ zum „homo politicus“. Auch hier folgte sein Ansinnen römischem Muster - vom Konsul zum Kaiser.

 

In der am 2. Dezember 1804 in der Kathedrale Notre Dame mit pompöser Inszenierung erfolgten Selbstkrönung - es war die erste „seit Friedrich II. am Sonntag Okuli 1229 in der Grabeskirche zu Jerusalem“ 87) - erreichte Napoleons Herrschaft ihren „protokollarischen“ Höhepunkt. In einer lange geplanten, tatsächlich im Vorfeld und am Krönungstag nicht frei von Skurrilität und Komik ablaufenden Inszenierung88) wurde dabei ein Spagat zwischen republikanischer Verpflichtung, mittelalterlichem und barockem Gepränge sowie einem neuen römisch-französischen Kaisertum gefunden, das dezidiert jedwede mögliche Erinnerung an die Bourbonen, Valois und Kapetinger als Repräsentanten des Ancien Régime unterbinden wollte, obgleich die Lilien auf den das Edle symbolisierenden indigo-blauen Gewändern und Baldachinen deutlich erkennbar sind. Der inhaltlich-thematische Spannungsbogen zwischen Republik - in der Tradition des Bildes vom Ballhausschwur lässt David das Licht von links oben in das Geschehen fluten - und Monarchie - dargestellt durch Gold und Purpur - kommt in der hell hervorgehobenen Person Napoleons zur Auflösung.

Das Bild zeigt den bereits (selbst) gekrönten Kaiser Napoleon, wie er seiner Ehefrau Joséphine, deren Schleppe von seinen Schwestern „gehalten“ und nicht „getragen“ wurde, die Krone aufsetzt. Hinter ihm sitzt Papst Pius VII., für den die gesamte Zeremonie einer macht- und religionspolitischen Demütigung gleichkam. Da er nicht dem Eid Napoleons auf die Religionsfreiheit vorsehende Verfassung als Zeuge beiwohnen wollte, verließ er kurz darauf den Altarraum. In der Mitte auf einer Empore sitzt die bei den Feierlichkeiten indes nicht anwesende - katholische - Mutter Napoleons, die die Zeremonie missbilligte. So sehr sich der mit dem Sieges-Lorbeer gekränzte Napoleon durch die gesamte Inszenierung um eine religiöse Weihe der vom Senat im Mai angetragenen und durch Plebiszit „demokratisch“ legitimierten Etablierung eines napoleonischen Erbkaisertums89) bemühte, so sehr ist durch die Marschälle und Generale auf dem Bildnis auch die im Vorfeld der Krönung von Napoleon angedachte Ausrufung zum Kaiser durch die Armee90) zum Ausdruck gebracht. Zur Staffage dienten die militärischen Würdenträger Napoleons als „Prätorianer“ und seine Schwestern als „Vestalinnen“, womit eine römische Inszenierung angedeutet wurde.

Vor dem Hintergrund einer rationalen Beurteilung der politischen Lage gab es für Napoleon keine personale und örtliche Alternative zu einer (Selbst-)Krönung zum Kaiser in Notre Dame: Das französische Episkopat war nach der Revolution verbeamtet worden. Ein Souverän wie Napoleon konnte sich, seinem Selbstverständnis folgend, nicht von einem Untertanen krönen lassen. Die Kathedrale von Reims hatte als Ort und religiöses Symbol des alten dynastischen französischen Königtums dem politischen Zentrum Paris zu weichen, wo mit Notre Dame ein „Tempel der Vernunft“ zur Verfügung stand, der sich als ideale politische und weltanschauliche Örtlichkeit erwies.

Die Hinzuziehung des Papstes zur Kaiserkrönung war nicht unkritisch. Einerseits entschied sich das republikanische Frankreich am Tag nach der „Kanonade von Valmy“ am 20. September 1792 mit der Einführung des Revolutionskalenders und der Zehntageswoche sowie der proklamierten Glaubensfreiheit und der laizistischen Trennung von Staat und Kirche sowie der am 21. Januar 1793 erfolgten Hinrichtung des gesalbten und gekrönten katholischen Königs Ludwig XVI. zu einer bewussten Abgrenzung zur kirchlichen Tradition. Andererseits war die Idee des Kaisertums - spätestens seit Karl dem Großen ist sie mit der Idee des weltlichen Beschützers der per se übernationalen Christenheit verknüpft - trotz Reformation und Aufklärung eine prestigeträchtige internationale Aufwertung. Napoleon war als nationaler Kaiser auf gleicher formal-protokollarischer Höhe wie die beiden anderen Kaiser römischen Charakters, d.h. der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und der Zar, der weltliche Beschützer der orthodoxen Christenheit, eines „dritten Rom“, nachdem an die Stelle des „zweiten Rom“ - Konstantinopel war Byzanz und jenes Istanbul gewichen - das Sultanat des Osmanischen Reiches getreten war. Ein nationales Kaisertum begann mit dem Segen der römischen Kurie seinen Siegeslauf, der über jenes katholisch-übernationale Österreich zum doppelt paradoxen des preußisch-deutschen und protestantisch-unierten des Deutschen Kaiserreiches von 1871 führte. Eine Krönung Napoleons zum König war indes aufgrund der Revolution und der dominanten Position Frankreichs im internationalen System wegen undenkbar. Vielleicht übersprang Napoleon auch eine denkbare Krönung zum König aufgrund der Tatsache, dass dieses Cäsar nachgesagte Unterfangen mit ein Grund für seine Ermordung an den Iden des März 44 v. Chr. war - derartige Analogiebildungen galt es natürlich aus Sicht Napoleons zu unterbinden, nachdem er am 24. Dezember 1800 nur knapp selbst einem Attentat entkam und im März 1804 ein Mordkomplott aufgedeckt wurde,91) was seine diesbezügliche Phobie in psychologischer Hinsicht erklären könnte.

Vielleicht aber, und dies als Anmerkung aus der der christlich-abendländischen Geschichtsphilosophie verbundenen Reflexionsperspektive, kannte Napoleon als Korse - Korsika gehörte bis 1768, ein Jahr vor seiner Geburt, zur Republik Genua - auch seinen Dante, der in seinem Werk „De monarchia“ ausführte: „Es ist offenkundig, dass der Kaiser, als Kaiser, die Jurisdiktion des Reiches nicht ändern kann, da sie die Quelle von dem ist, was er ist.“ 92) Bereits im Jahr vor seiner Krönung zum ‚Kaiser der Franzosen’ hatte er, nachdem er bereits kurz nach dem 18. Brumaire von Sieyès die „Verfassung des Jahres VIII“, sein neues Staatsgrundgesetz, hatte erarbeiten lassen, mit dem Code Napoleon als der Kodifikation des Zivilrechts eben jene Rechtsquelle(n) geschaffen, die es nun - als in der Tradition eines mittelalterlichen Kaiseramtes stehend - zu beschirmen und beschützen galt. Die sakrale Inszenierung seines Kaisertums sollte jedoch nicht nur antike, mittelalterliche und nationalfranzösische Assoziationen erlauben, sie stand auch in der Tradition der Religionspolitik des aufgeklärten Absolutismus: „Indem ich mich als Katholik gezeigt habe, habe ich den Aufstand in der Vendée beendet. Indem ich mich als Muselmane gezeigt habe, habe ich unsere Herrschaft in Ägypten aufgerichtet. Indem ich den Ultramontanen gespielt habe, habe ich die Herzen der Italiener gewonnen. Wenn ich ein Volk von Juden regierte, würde ich den Tempel Salomons wieder aufbauen.“ 93)

 

VI. Napoleon als Rechtssetzer zwischen Religion und Aufklärung: Erbe von Moses

Mit dem 1804 erlassenen Code Civil, an dem bereits seit 1790 durch die revolutionären Regierungen gearbeitet wurde, wurden die bis zum Ende des Ancien Régime in über 400 Gebieten gültigen und praktizierten unterschiedlichen Rechtstraditionen - zum Teil jahrhundertealtes altfränkisches Gewohnheitsrecht in den nördlichen Gebieten und Römisches Recht im Süden - zusammengeführt. Damit wurde, den Interessen des Besitzbürgertums und den moralischen Vorstellungen Napoleons folgend - nach seiner Überzeugung hat die Revolution die alten Grundlagen der traditionell auf Familien basierenden französischen Gesellschaft durch die sprunghaft angestiegenen Scheidungen die öffentliche Moral fast vernichtet -, ein mit Stärken und Schwächen behafteter Kompromiss zwischen den bürgerlichen Freiheitsrechten, moderner Besitzstandswahrung und alt-römischem Tugendideal mit ihrer patria potestas formuliert, der über das nachrevolutionäre Frankreich in Raum und Zeit hinaus weiterwirkte.94) Der napoleonische Code Civil sollte, wie er bei der Vorlage des ersten Entwurfes dieses Werkes seinen Bürgern kundtat, nicht nur das nationale Recht harmonisieren, sondern er war gleichzeitig auch ein Angebot an die „grande famille européenne“, „deren Bestimmung es ist, das Schicksal der Welt zu bestimmen, durch feste und dauerhafte Bande“.95)

Die neue Qualität dieser Rechtskodifikation galt es auch propagandistisch überhöht darzustellen. Hier verschmolzen Akte der Zivilrechtskodifikation wie des Code Civil mit seiner grundsätzlichen Religionspolitik, die nach seiner Auffassung der staatlichen Politik nachgeordnet war, sowie der napoleonischen „Judenpolitik“ zur Ikone „Napoleon als Heilsbringer“, die Rückschlüsse auf sein (a)historisch-politisches Weltbild und seine individuell eklektizistische Betrachtung der Welt- und Religionsgeschichte zulässt - und auf seine Wahrnehmung der den napoleonischen staatlich-politischen Nützlichkeitserwägungen dienenden Funktion der Religionen.

 

Mit der Französischen Revolution wurden die Staatsbürgerrechte unabhängig vom christlichen Bekenntnis. Nach der napoleonischen Wiederentdeckung der Religion als soziales Bindemittel und dem Konkordat mit dem Heiligen Stuhl im Jahre 1801, das den Katholizismus nicht mehr zur Staatsreligion, sondern fast laizistisch-demokratisch zu jener der „großen Mehrheit der französischen Bürger“ machte, wurden im Anschluss daran Regelungen für das Verhältnis von Empire und Protestantismus gefunden. Lediglich der jüdische Kultus blieb zunächst aus staatlicher Perspektive ungeregelt.96) Auch hierfür sah Napoleon eine „große Lösung“ vor, die inhaltliche, strukturelle und ästhetische Dimensionen haben sollte97) und sich stark an antike Muster anlehnte. Im August 1806 befahl er die Wiedereinberufung des höchsten Gerichtshofes der antiken Juden, des Großen Sanhedrin, bei dessen Zusammentreten im Februar 1807 die „Vertreter einer verachteten Religion glaubten, in eine zur Zukunft verklärte Vergangenheit zu schreiten“; darüber hinaus wurde durch seine Ergebnisse aber auch „dem modernen europäischen Judentum eine Tradition erfunden“.98) Dieser Prozess einer von Napoleon so verstandenen régénération des Judentums wurde durch entsprechende publizistische Unterstützung propagiert.

Im Zentrum der von Francois-Louis Couché (1782-1849) erstellten verklärenden Allegorie des Dekrets zur Einberufung der Notabelnversammlung steht Napoleon im Kaiserornat, als neuer Moses, wie die von ihm in seiner rechten Hand getragene Tafel offenbart: „Loix données à Moise“. Die ikonografischen Symbole des alten Bundes sind im Berg Sinai im Hintergrund und in der Menora, dem siebenarmigen Kerzenleuchter als Symbol des Judentums, sowie in der dahinter dargestellten Bundeslade angedeutet. Die Schriftgelehrten, zum Teil kniend und sich umarmend - die aufgerollte kleine Thora liegt unbeachtet neben ihnen auf dem Boden -, symbolisieren die sehnsüchtige Erwartungshaltung gegenüber Napoleon und bringen damit ihre grundsätzliche Akzeptanz des „neuen Bundes“ zum Ausdruck. Als Gegenleistung respektive Ersatz für ihre vorherige gesellschaftliche und extra-konstitutionelle Randposition erhielten sie die erhoffte Integration in die neue Gesellschaft als Staatsbürger mit israelitischem Bekenntnis.99)

Gleichzeitig ist dieses „Bild“ auch als konfessions-unabhängige Chiffre zu betrachten, die vor dem Hintergrund eines breiteren Horizontes eine umfassendere Interpretation zulässt. Für Napoleon war der Sanhedrin eine Teillösung seines Religions-Paketes, das wiederum einen innenpolitischen Kitt schaffen sollte. Bereits im Jahre 1793 wurde durch Beschluss des Nationalkonvents festgelegt, dass die bisherigen katholischen Kirchen zu „Tempeln der Vernunft“ umzubenennen waren, in denen der „Kult des höchsten Wesens“ praktiziert werden sollte. Die aufgeklärte rationalisierte Vernunft als Ort der weltlichen Gesetzgebung symbolisiert der hinter einem Öl- respektive Olivenbaum als Symbol des levantinischen Ursprungs des italienischen Katholizismus hervorstehende tempelartige Vorsprung des Gebäudearrangements, vor dem Napoleon im Krönungsornat als Verkünder des religiösen als staatliches Gesetz mit dem Thron im Rücken quasi ex cathedra fungiert. Die junge Dame zu seinen Füßen ist eine allegorische Darstellung der (katholischen) Kirche. Die beiden Gesetzestafeln, die neben ihr auf dem Boden liegen, sollen die Zehn Gebote des alten Bundes darstellen, die nun durch das neue Gesetz, überreicht durch Napoleon an die Menschheit in Form des Code Civil, den neuen Bund für die Menschheit darstellen.

Parallel zu diesem interpretatorischen Ansatz ist darüber hinaus auch eine römische Deutung möglich: Napoleon lässt sich nämlich mit diesem Stiftungsakt auch als ein „neuer Justinian“ interpretieren, der im 6. Jahrhundert als oströmischer Kaiser Justinian I. („der Große“) mit seinem Codex Justinianus ein Sammelwerk des römischen Rechts seit Kaiser Hadrian kompilieren ließ - weniger als Schöpfer und mehr als Bewahrer -, um eine große Tradition nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

 

VII. Napoleon als historische Ikone: Second to none

Zusammenfassend kommt man zu dem Urteil, dass Napoleon sämtlichen militärischen, politischen und religiösen Herausforderungen eine „klassische“ zeitlose und ewige Lösung in einer antiken Zeichen- und Formensprache geben wollte. Geradezu folgerichtig verlangt dieses Bestreben eine Synthese, die in einem Bild das Selbst- und Herrschaftsverständnis Napoleons zusammenfasste.

 

Das Gemälde „Kaiser Napoleon I. im Krönungsornat“ von Francois-Simon-Pascal Gérard (1770-1837), dem Schüler Davids, lehnt sich formal und ikonografisch an die Tradition absolutistischer Herrscherporträts - insbesondere am bekannten Bild des Malers Hyacinthe Rigaud vom „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. - an. Es entstand kurz nach der Krönung Napoleons und inszeniert diesen als „Fülle der Zeit“; es gilt als „das Bild“ seines Selbstverständnisses. Der ideelle und machtpolitische Anspruch, den dieses komponierte Bild zum Ausdruck bringt, erschließt sich dem Betrachter in mehreren Stufen: Im Zentrum, der Mittelachse, steht vor dem Hintergrund eines goldgelben Vorhanges auf einem blauen Teppich Napoleon, mit Schrittstellung nach links und den Betrachter fixierend, rechts neben ihm auf blauem Kissen die Kroninsignien, zur Linken dahinter der leere Thron im Empirestil. Unter dem mit Hermelin gefütterten goldbestickten roten Samtmantel schaut ein Schwert hervor. In der rechten Hand, versehen mit einem Ring als persönlichem Ehrenzeichen über einem weißen Handschuh, hält er das Zepter mit dem Adler, auf dem Kopf trägt er einen goldenen Lorbeerkranz.

Mit der Stufengestaltung des Bodens wird Napoleon bereits auf eine höhere Stufe gestellt. Die sprichwörtliche Basis seiner monarchischen Herrschaft, die historische Grundlage, ist hierbei das fränkische (Stammes-)Königtum der Merowinger, deren zugeschriebenes Symbol - die Biene - sowohl auf dem Teppichboden als auch auf dem Krönungsornat als Ersatz für die bourbonisch-dynastischen Lilien des alten Königtums zu sehen ist. Die damit konstruierte historische „konservativ-nationale“ Tiefendimension seines Kaisertums findet ihr Pendant in der „links-nationalen“ Komposition der revolutionären Trikolore, deren Farben rot-weiß-blau im Querverlauf des Bildes - blauer Samtbezug des Kissens, roter Mantel, weißer Hermelin - das Frankreich der historischen Größe mit jenem der national-revolutionären Größe in der Person Napoleons vermählt.

Die nächste Stufe bildet der Schemel mit den Krönungsinsignien - der den Machtanspruch in alle vier Himmelsrichtungen verkörpernde Reichsapfel und die nun den Code Civil symbolisierende Hand der Gerechtigkeit, die auf Napoleon als Erben Karls des Großen verweisen. Dieser galt im damaligen national-französischen Geschichtsverständnis als französischer Herrscher und, nach seiner Erneuerung des weströmischen Reiches nach seiner Krönung am Weihnachtstage 800 in Rom, als Pater Europae - Vater Europas -, der, wie Napoleon, über eine dominante Machtposition in West- und Zentraleuropa verfügte. So wie die Kaiserkrönung 800 das Motiv „translatio imperii“ vom 476 untergegangenen weströmischen Reich auf das fränkische Königtum übertragen hatte, so verstand sich Napoleon - nachdem das Heilige Römische Reich Deutscher Nation von der Dynamik der neuen Zeit überrollt war - in der legitimen Nachfolge. Und hatte nicht gerade Napoleon mit seiner Machtpolitik zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und der Etablierung einer neuen europäischen Ordnung beigetragen? Napoleon sah sich nicht nur als Vater Europas, sondern auch als Herr Europas, dem er seinen Stempel aufdrücken wollte: „Wir brauchen ein europäisches Gesetz, eine einheitliche Münze, die gleichen Gewichte und Maße, dieselben Gesetze.“

Als Herren Europas und des Mittelmeerraums sahen sich auch die Römer. Der von ihm in seiner rechten Hand gehaltene Adler symbolisiert die Legionsadler der römischen Streitkräfte und verweist auf Napoleon als Erben Cäsars, dessen Machtbasis ebenfalls eine militärische war. Der von Napoleon getragene goldene Lorbeerkranz zeigt ihn als neuen Augustus, den ersten Kaiser des römischen Reiches, der „Frieden über den Erdkreis“ brachte. Als deren letztlicher Erbe ließ Napoleon daher seinen 1811 „im Purpur“ geborenen Sohn folgerichtig zum König von Rom erheben.

Die mit barockem Gepränge vergleichbare Hintergrundgestaltung, d.h. der strahlenartige Faltenwurf des goldgelben Vorhanges, verweist auf den Sonnenkönig Ludwig XIV., den idealtypischen, einem historischen Zeitabschnitt den Namen gebenden absoluten Herrscher, dessen Ausdehnungspolitik Napoleon zur Zeit der Entstehung des Gemäldes schon längst in den Schatten gestellt hatte. Für diese Eroberungspolitik griff Napoleon in der Regel auf das Schwert zurück, das er zur Linken trägt. Dieses stellt Napoleon - zusammen mit der Ordenskette der 1802 gestifteten Ehrenlegion mit ihren aneinandergereihten Adlern - als einen im Kern auch stets kampfbereiten, dynamischen und ungeduldigen Heereskaiser dar. Der mehrfach These und Anti-These folgende kompositorische Aufbau des Gemäldes - Absolutismus contra Republik, fränkisches Stammeskönigtum contra europäische Schirmherrschaft, cäsarische Militärdiktatur gegenüber Erbe der Revolution - öffnet den Weg zur hegelschen Geschichtsphilosophie, in der Napoleon als Synthese zum welthistorischen Nadelöhr wird, durch das das Prinzip Freiheit zu gehen hat, womit der Kreis zum „Weltgeist zu Pferde“ wieder geschlossen wird.

Dazu wurde er ausschließlich über sein individuelles mérite personnel. Er war nicht auf dem Thron geboren, daher stand dieser auch als bedeutungslose Requisite hinter ihm - lediglich das goldene „N“ verweist auf den einzig möglichen Platzinhaber. Er sah sich nicht wie der von ihm bespöttelte Kaiser Franz II. als „Skelett, das nur ein Verdienst der Vorfahren auf den Thron gebracht hat.“ 100) Sein Thron war der Pferderücken und die Armee - noch seine letzten Worte auf St. Helena brachten dies auf den Punkt: „A la tête de l’Armée.“ Der persönliche (Schlachten-)Erfolg allein ist es, auf den er sich verlassen musste, wie er Metternich am 26. Juni 1813 anvertraute: „Ihre auf dem Thron geborenen Souveräne können sich zwanzigmal schlagen lassen und immer wieder in ihre Hauptstadt zurückkehren; aber ich kann das nicht, weil ich ein militärischer Emporkömmling bin. Meine Herrschaft wird den Tag nicht überleben, an dem ich nicht mehr stark und daher nicht mehr gefürchtet sein werde.“ 101)

Doch so sehr er den letzten Habsburger auf dem Thron des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation auch verachtete, so sehr war ihm die dynastische Geschichte der Habsburger auch Vorbild. Nicht nur, dass er durch seine Vermählung mit Erzherzogin Marie-Louise, der Tochter von nun Kaiser Franz I. von Österreich, am 1. April 1810 in die „älteste“ Herrscherfamilie Europas - aus Gründen der neuen Staatsraison verstieß er die von ihm geliebte Kaiserin Joséphine - einheiratete, um beim europäischen Hochadel auf Akzeptanz für die von ihm angestrebte Gründung einer mit dynastischer Legitimität versehenen Erbmonarchie zu stoßen; er verstand sich als neuer „Rudolf von Habsburg für meine Familie“ 102) - ohne auch nur im Entferntesten an eine diesem folgende, mehr als ein halbes Jahrtausend umfassenden Familiengeschichte heranzureichen.

 

VIII. Summe

Montesquieu beschrieb in seinen „Considérations sur les causes de la grandeur des Romains et de leur décadence“ im Jahre 1734 rückblickend: „Die Geschichte der Römer war, in einem Satz gesagt, diese: Durch ihre Maximen überwanden sie alle Völker, aber als sie das Ziel erreicht hatten, konnte ihre Republik nicht weiterbestehen; es musste eine Änderung in der Regierungsform eintreten, und die Maximen, die in der neuen Regierungsform verfolgt wurden und den früheren völlig entgegengesetzt waren, brachten Roms Größe zum Fall.“ 103)

Die Analogie zum Aufstieg des zunächst revolutionär-republikanischen und dann napoleonisch-imperialen Frankreich sowie zu seinem Niedergang ist evident. Die Verkündung der Menschen- und Bürgerrechte, deren Anklang im übrigen Europa, die Unterwerfung der Nachbarn, ihre Einbindung in ein umfassendes, von Paris aus kontrolliertes Allianz- respektive Bündnissystem, aber auch blutige Auseinandersetzungen im Inneren, die Diktatur Robespierres, das Konsulat Napoleons, seiner Kaiserkrönung, die vielfältigen Widerstand schaffende Besatzungs- und Unterdrückungspolitik sowie die Phänomenologie des napoleonischen Heereskaisertums bis zum letztlichen Niedergang bei Waterloo machen deutlich, wie sehr Frankreich Aufstieg sowie „History of the Decline and Fall of the Roman Empire“ - so der Titel der legendären Studie von Edward Gibbon - zeitversetzt durchexerzierte.

Napoleon verkörperte einerseits durch seinen Aufstieg noch das republikanische Erbe der Revolution und wurde andererseits zum Cäsar, Augustus und Heereskaiser in einer Person. Der verordnete und angediente Götzendienst um die römischen Heerführer und Herrscher fand ein Pendant in der Stilisierung Napoleons als multidimensionale Ikone: „Alle diese dem imperialen Rom entlehnten Metaphern sollten die Vorstellungskraft der Völker beeindrucken, ihre Phantasie in eine bestimmte Richtung lenken und Assoziationen an das Reich wecken, das nach Plinius einst für Jahrhunderte die Welt unter die ‚unermessliche Majestät des römischen Friedens’ gebeugt hatte. Und sie sollten den Glauben an einen Kaiser stärken, der wie Augustus seine Herrschaft der Armee verdankte und wie dieser seinem Reich Gerechtigkeit, Ordnung und Dauer geben sollte.“ 104) Frankreich, Paris und Napoleon standen im Banne Roms: „Der Staat des Kaisers stellte sich gleich mehrfach als römischer vor: so die Verwaltung der Präfekten, so der Senat, der den Kaiser beriet, so das Recht, das der ‚neue Justinian’ im Code Civil von 1804 schuf. Die imperiale Herrschaft spiegelte sich in römischen Bildern: Prachtstraßen und Foren, Thermen und Tempel, Säulen und Triumphbögen erschienen als der adäquate Ausdruck der Macht des Empire und seines Schöpfers. Ihr huldigte auch die Säule der Großen Armee auf dem Vendôme-Platz. Sie schrieb wie die des Trajan in Rom Geschichte auf ihre Schraubenwindungen, und während das Vorbild Siege über Germanen und Daker rühmte, feierte die Kopie den Erfolg der Armee, die ihre Legionsadler weit nach Osten getragen hatte. Gekrönt wurde sie von der Statue des Kaisers, dessen Haupt mit dem Lorbeer des Sieges geschmückt war und dessen Hand den Globus mit der Victoria trug. So war er erhoben über die Sterblichen und heischte Verehrung wie die nach ihrem Tod in den Götterhimmel aufgestiegenen römischen Cäsaren.“ 105) Dem großen Vorbild Roms folgte Napoleon stellvertretend für Frankreich im Aufstieg wie im Niedergang - als einziger französischer Heereskaiser, wofür Rom dutzende benötigte.

Doch gerade darin, dass Napoleon - seiner Einzigartigkeit durchaus (zu) bewusst - sich entschied, seine monarchisch-diktatorische Stellung und die Akzeptanz der Errungenschaften der Revolution in seiner Person überhöhen zu lassen, zeigte er, dass er, hierbei mehr Augustus als Cäsar, in der Lage war, für seine Zielsetzung, sich als über den Parteien stehend und Frankreich symbolisierend, aus der zurückliegenden (Zeit-)Geschichte die richtigen Lehren zu ziehen. Die antikisierende Ästhetik des Klassizismus - strenger und weniger prachtvoll als barocke Gemälde - war die dem napoleonischen Empire gemäße programmatische Bildsprache im kommunikativen Prozess zwischen dem Kaiser, seinen neuen Untertanen, den europäischen Mächten und der Nachwelt.

Bei allen Bemühungen, vermeintlich fehlende Legitimität durch Heirat und (römische) Traditionskonstruktionen ‚nachzureichen’, ist doch in Form einer Gegenrechnung darauf hinzuweisen, dass seine Machtstellung und sein Kaisertum - trotz römischen und karolingischen Dekors - nicht der Tradition verhaftet war, sondern vor dem Hintergrund der durch die Revolution geschaffenen Rahmenbedingungen in seiner Person und Leistung begründet lag. Es war im Kern eben auch „trotz aller theatralischen Erinnerungen an Karl den Großen modern, revolutionär, traditionslos. Es lebte nicht von religiös oder historisch begründeten Gnaden, sondern aus sich selbst (...) Mit imperatorischer Geste sollte die Revolution zur Form gezwungen werden, der Imperator in seiner Person war die Garantie der neuen Gesellschaft“.106)

So stand er auch dafür an einer Epochenschwelle respektive Sattelzeit107) wie die Französische Revolution insgesamt. Einerseits verlangte die Konvention die Rückbindung des Herrschaftshandelns an eine historisch-traditionelle Manier, andererseits war gerade mit der Französischen Revolution klar geworden, dass die Legitimation politischen Handelns sich nicht mehr ausschließlich auf die Dignität der Geschichte berufen konnte, sondern eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem Vokabular der Aufklärung - Natur und Vernunft, Volkssouveränität und Öffentlichkeit - notwendig machte. Dieses Spannungsverhältnis zwischen altem Legitimationsbedürfnis und der dynamischen Modernität führte zu einer artifiziellen ikonografischen Visualisierung. Am Ende bleibt indes auch für eine napoleonische (Re-)Inszenierung eines an antike Formen angelehnten Kaisertums festzuhalten: „Allen Kaisertümern nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches ist etwas eigentümlich Theatralisches, Gekünsteltes eigen. Sie sind im eigentlichen Sinn Demonstrationen, Propaganda-Aktionen.“ 108)

Die historische Ironie liegt darin, dass Napoleon mit seiner Neuschöpfung selbst zum Vorbild jener machtversessenen Egomanen wie Lenin, Stalin oder Hitler wurde: „Man sagt nicht zuviel mit der Feststellung, dass der vorhergehende Napoleon-Kult vielfach den Diktatorenkult des 20. Jahrhunderts legitimiert hat.“ 109) Diese unterzogen sich jedoch erst gar nicht der Mühe, in der Requisiten- und Asservatenkammer der (antiken) Geschichte (fast) richtige oder (grundsätzlich) falsche Analogieoptionen zu suchen. An antike Formate oder Napoleon selbst reichten sie nicht heran. Um ihren Willen Europa aufzuoktroyieren, genügte ihnen eine Äußerung Napoleons Metternich gegenüber: „Ein Mann wie ich schert sich wenig um das Leben einer Million Menschen.“ 110)

Das Selbstverständnis politisch Handelnder nach dem Zweiten Weltkrieg suchte sich wieder Anknüpfungspunkte in der Antike wie in der Person Napoleons. Als Wiederauflage des napoleonischen Rheinbundes von 1806 sah die sowjetische Propaganda ja bekanntlich, und damit einer systemimmanenten Logik der Wahrnehmungsmuster des ideologisch aufgeladenen Ost-West-Konfliktes folgend, auch die NATO - nur dass diesmal der Hegemon USA hieß und nicht mehr Frankreich bzw. Napoleon. Auch kann man die NATO und den Warschauer Pakt in Form einer vergleichenden Analogie mit Ausschnitten der Alten und Neueren Geschichte in kontinuitätsstiftender Perspektive betrachten: Der attische Seebund im Westen, eine maritime Allianz mit ausgeprägten Wirtschaftsinteressen, und seinen Auxiliartruppen einerseits, das halbkontinentale, bodenschwere Perserreich im Osten mit seinen Satrapien als westliches Sicherheitsglacis andererseits machten einen Vergleich geradezu zwingend - alleine die fast zweieinhalb Jahrtausende lagen dazwischen. Das manichäische Weltbild jedoch war das gleiche - im 20. Jahrhundert, seit dem Epochenjahr 1917, gruppiert um die antagonistischen Friedensmodelle von Liberalismus (US-Präsident Wilson) und Sozialismus (Lenin) sowie deren Derivate.

Die imperiale und unverzichtbare Großmacht USA liebt(e) es, ihren Urgrund im Geiste Athens und der Macht Roms gespiegelt zu sehen. Dem US-amerikanischen Volkstribun und Sprössling einer alten Patrizierfamilie Roosevelt glich der attische Perikles, noch mehr für den Protagonisten des New Deal gar die römischen Gracchen, der evangelische Dorfschullehrer Truman hatte seinen Cincinnatus als Figur auf dem Schreibtisch - die protestantische Erwerbsethik. Der katholische, lebensfrohe Kennedy war wie alle Westler auch in Berlin ein stolzer römischer Bürger und auf dem Kapitolshügel in Washington saßen die Senatoren und der Zensor McCarthy. Die Westeuropäer unterzeichneten ihre EWG und EURATOM gründenden Römischen Verträge 1957 auf der symbolisch wichtigsten Erhebung der Tibermetropole. Der Fingerzeig Marc Aurels im langen Schatten des Vatikans auf dem Kapitolshügel komplettierte die drei identitätsstiftenden Hügel Europas: Akropolis (Demokratie), Golgatha (Christentum) um eben die das Römisches Recht setzende Anhöhe im Zentrum Roms. Diesmal indes geht es um „Einigkeit und Recht und Freiheit“ auf demokratischer Grundlage.111)

 


ANMERKUNGEN:

1) Friedrich Hebbel, zit. nach Prinz Hubertus zu Löwenstein, Deutsche Geschichte, München, Berlin 1978, S. 312. Der Beitrag ist meinem Sohn Nils gewidmet, der mich bei der gemeinsamen Durchsicht des Bandes von Eckart Kleßmann/Karl-Heinz Jürgens (Hg.), Napoleon. Lebensbilder, Gütersloh o.J. immer wieder fragte, was denn die Einzelheiten in den Bildern bedeuten würden.

2) Thomas Nipperdey, Deutsche Geschichte 1800-1866. Bürgerwelt und starker Staat, München 1994, S.11.

3) Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes. Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte (ungekürzte Lizenzausgabe 1923 des Deutschen Bücherbundes in einem Band), München o.J., S.4.

4) Vgl. hierzu die ‚klassische’ Studie von Jacob Burckhardt, Das Individuum und das Allgemeine (Die historische Größe) in seinen „Weltgeschichtlichen Betrachtungen“ sowie Veit Rosenberger, Wer machte aus Alexander „den Großen“? in: Historia, Bd. 47, 1998, S.485-489.

5) Vgl. etwa W.J.T. Mitchell, Iconology. Image, Text, Ideology, Chicago 1986. Für einen konzisen Überblick über den Forschungsstand zum Thema „Historische Bildkunde“ mit ihren unterschiedlichen Facetten aus militärgeschichtlicher Perspektive vgl. Thorsten Loch, Das Gesicht der Bundeswehr. Kommunikationsstrategien in der Freiwilligenwerbung der Bundeswehr 1956-1989, München 2008 (=Sicherheitspolitik und Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland, Band 8), S.38-47.

6) Vgl. Lisa Zeitz/Joachim Zeitz (Hg.), Napoleons Medaillen, Petersberg 2003 mit dem Untertitel: „Die einzigen Zeugnisse des Ruhms, die alle Jahrhunderte überdauern“.

7) Vgl. hierzu Marcus Junkelmann, Theatrum belli. Die Schlacht von Höchstädt 1704 und die Schlösser von Schleißheim und Blenheim, Herzberg 2000 (=Arte & marte, Band 1) mit den Kapiteln „Une mémoire en bâtiment“, S. 6-140 und „The greatest war memorial ever built“, S.370-419.

8) Vgl. Bernd Roeck, Das historische Auge. Kunstwerke als Zeugen ihrer Zeit, Göttingen 2004.

9) Dies gilt in erster Linie für die geschichts- und politikwissenschaftlichen Interpretationsansätze; für die kulturwissenschaftliche Bildwissenschaft vgl. statt vieler Klaus Sachs-Hombach (Hg.), Bildwissenschaft. Disziplinen, Themen, Methoden, Frankfurt/M. 2005.

10) So G.W.F. Hegel in einem Brief an F.I. Niethammer unmittelbar vor Vollendung seiner „Phänomenologie des Geistes“ (Werke 3) am Vorabend der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt, zit. nach Johannes Hoffmeister (Hg.): Briefe von und an Hegel; Band 1, Hamburg 1952, S.120.

11) Vgl. zu Napoleon die Biografie von Jacques Presser, Napoleon. Das Leben und die Legende, Zürich 1990 (=Manesse Bibliothek der Weltgeschichte), insbesondere das Kapitel: Die Propaganda der Diktatur, S. 308-421; aus kunsthistorischer Perspektive vgl. Werner Telesko, Napoleon Bonaparte: der „moderne Held“ und die bildende Kunst, 1799-1815, hg. von der Österreichischen Galerie Belvedere, Wien, Köln, Weimar 1998 sowie Claudia Hattendorff, Napoleon I. und die Bilder, oder: Wie funktioniert politische Kommunikation im Bereich des Visuellen?, in: Veit Veltzke (Hg.), Napoleon. Trikolore und Kaiseradler über Rhein und Weser, Köln, Weimar, Wien 2007, S.395-409.

12) Vgl. die Rezension des Werkes von Telesko von Alexandra Bettag, in: Francia 29/2 (2002), S.307-309.

13) Vgl. Ernst H. Gombrich, Die Krise der Kulturgeschichte. Gedanken zum Wertproblem in den Geisteswissenschaften, Stuttgart 1991, S. 78.

14) Thomas Hertfelder, Die Macht der Bilder. Historische Bildforschung, in: Andreas Wirsching (Hg.), Neueste Zeit (=Oldenbourg Lehrbuch Geschichte, Band 4), München 2006, S.281-292, hier S.290.

15) Vgl. L. Hunt, Politics, Culture and Class in the French Revolution, Berkeley 1984 und M. Vovelle, Les images de la Revolution Francaise, Paris 1988.

16) Jacob Burckhardt, Historische Fragmente. Aus dem Nachlaß gesammelt von Emil Dürr: Mit Noten von Michael Bischoff (=Die Andere Bibliothek; herausgegeben von Hans Magnus Enzensberger), Nördlingen 1988, S.293.

17) Zit. nach Hans Pfeiffer, Scharnhorst, Berlin 1988, Vorwort; diesen Hinweis verdanke ich Frau Major der Reserve Jana Beijer. Natürlich verstand Scharnhorst hier unter den „Geschichtsschreibern“ die Propagandisten und nicht die der wissenschaftlich-kritischen Methode verpflichteten Historiker.

18) Die Darstellung folgt hierbei für die Grundlinie und einzelne Stationen der französischen Geschichte des Revolutionszeitalters der kompakten Studie von Eberhard Weis, Der Durchbruch des Bürgertums 1776-1847, Berlin 1992 (=Propyläen Geschichte Europas, Band 4) sowie Elisabeth Fehrenbach, Vom Ancien Régime zum Wiener Kongress, 4. überarbeitete Auflage München 2001 (=Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Band 12).

19) Zur Biografie Napoleons vgl. zudem Jean Tulard, Napoleon oder der Mythos des Retters. Eine Biographie, Tübingen 1978, Volker Ullrich, Napoleon. Eine Biographie, Reinbek bei Hamburg 2004 und Johannes Willms, Napoleon. Eine Biographie, München 2005.

20) H.-J. Lüsebrink/R. Reichardt, Die „Bastille“. Zur Symbolgeschichte von Herrschaft und Freiheit, Frankfurt/M. 1990, S.93.

21) Vgl. Eberhard Birk, Die Konvention von Tauroggen am 30. Dezember 1812, in: Militärgeschichte. Zeitschrift für historische Bildung 3/2003, S.14-17, hier S.14.

22) Vgl. statt vieler Hans Fenske, Politisches Denken von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart, in: Hans Fenske/Dieter Mertens/Wolfgang Reinhard/Klaus Rosen, Geschichte der politischen Ideen. Von Homer bis zur Gegenwart, Frankfurt/M. 1992, S. 379-567.

23) Vgl. Christopher Duffy, Austerlitz 1805, London 1977 und Robert Goetz, 1805: Austerlitz, Napoleon and the Destruction of the Third Coalition, London 2005.

24) Vgl. Stuart McCarthy, Capitalising on Military Revolution: Lessons from the Grande Armée’s Victory at Jena-Auerstedt, in: Australian defence force journal (2003), 158, S. 37-52.

25) Vgl. Siegfried Fiedler, Kriegswesen und Kriegführung im Zeitalter der Revolutionskriege, Koblenz 1988.

26) Vgl. Eberhard Birk, Napoleon und Gneisenau. Anmerkungen zu ihrer Aktualität vor dem Hintergrund des Irakkonfliktes, in: ÖMZ 1/2006, S.58-61, hier S.59f.

27) Vgl. Eberhard Birk, „In deinem Lager ist Österreich. Wir anderen sind einzelne Trümmer.“ Militärhistorische Anmerkungen zu Radetzky (Teil 1), in: ÖMZ 6/2008, S.691-700, hier S.693-695.

28) Vgl. Dieter Langewiesche, Europa zwischen Restauration und Revolution 1815-1849, München 2004  (=Oldenbourg Grundriss der Geschichte Band 13).

29) Vgl. Fritz Kern, Recht und Verfassung im Mittelalter, unveränd. reprograph. Nachdr. der Ausg. Tübingen 1952, Darmstadt 1992 (=Bibliothek klassischer Texte).

30) Vgl. Johannes Burkhardt, Frühe Neuzeit, in: Richard van Dülmen (Hg.), Fischer Lexikon Geschichte, Frankfurt/M. 1994, S.364-385, hier S.365 sowie in der aktualisierten Neuauflage von 2003, S.438-465.

31) Vgl. Eberhard Birk, Die oranische Heeresreform als archimedischer Punkt für die neuzeitliche Kriegskunst, in: ÖMZ 4/2009, S.437-448 sowie Werner Hahlweg, Die Heeresreform der Oranier und die Antike, Berlin 1941, Gerhard Oestreich, Der römische Stoizismus und die oranische Heeresreform, in: Historische Zeitschrift 176 (1953), S.17-43 und Wolfgang Reinhard, Humanismus und Militarismus, in: F.J. Worstbrock (Hg.), Krieg und Frieden im Horizont des Renaissancehumanismus, Weinheim 1986, S.185-204.

32) Vgl. hierzu den intellektuell anregenden Abriss bei Werner Dahlheim, Die Antike. Griechenland und Rom von den Anfängen bis zur Expansion des Islam, 4., erweiterte und überarbeitete Auflage Paderborn et al 1995, S.699-727 sowie C. Mossé, L’Antiquité dans la Révolution francaise, Paris 1989 und H.T. Parker, The Cult of Antiquity and the French Revolutionaries, Chicago 1937.

33) Vgl. dazu Jochen Bleicken, Die Verfassung der Römischen Republik, 7., völlig überarb. und erw. Aufl. Paderborn 1995.

34) Zit. nach Weis, Durchbruch, S.137.

35) Zum Begriff vgl. Loretana de Libero, Italia, in: Klio 76, 1994, S.303-325.

36) Zit. nach Dahlheim, Antike, S.725.

37) Zit. nach Dahlheim, Antike, S.725.

38) Vgl. Ralf Bambach, Gracchus Babeuf (1760-1797), in: Walter Euchner (Hg.), Klassiker des Sozialismus I, München 1991, S.37- 49, hier S.37f.; zunächst erschien sie unter dem Namen „Journal de la Liberté de la Presse“ sowie Jochen Bleicken, Das römische Volkstribunat. Versuch einer Analyse seiner politischen Funktionen in republikanischer Zeit, in: Chiron Band 11 (1981), S.87-108.

39) Zit. nach Walter Markow, Revolution im Zeugenstand. Frankreich 1789-1799, Band 2, 2. Aufl. Leipzig 1986, S.698f.

40) Zu Cäsar vgl. Ernst Baltrusch (Hg.), Cäsar, Darmstadt 2007 (=Neue Wege der Forschung), Werner Dalheim, Julius Cäsar. Die Ehre des Kriegers und die Not des Staates, Paderborn u.a. 2005 und S. Elbern, Cäsar. Staatsmann, Feldherr, Schriftsteller, Mainz 2008.

41) Zu Augustus vgl. Jochen Bleicken, Augustus. Eine Biographie, Reinbek 1998.

42) Spengler, Der Untergang des Abendlandes, S. 4.

43) Vgl. B.H. Liddell Hart, A greater than Napoleon: Scipio Africanus, Edinburgh u.a 1926; dt.: Der Feldherr. Die Taten des P. Cornelius Scipio Africanus, München 1938.

44) Winston S. Churchill, Geschichte der englischsprachigen Länder, Augsburg 1990 (=Band III: Das Zeitalter der Revolutionen), S.293.

45) Vgl. Bleicken, Verfassung der römischen Republik, S.228-243.

46) Zum Problem des neuzeitlichen imperial overstretch vgl. Paul Kennedy, Aufstieg und Fall der großen Mächte. Ökonomischer Wandel und militärischer Konflikt von 1500 bis 2000, Frankfurt/M. 1989.

47) Burkhardt, a.a.O., S.429.

48) Vgl. Alfred Weber, Kulturgeschichte als Kultursoziologie, München 1950, S. 410.

49) Vgl. Hans-Ulrich Thamer, Buonaparte - Bonaparte - Napoleon. Vom Parteigänger der Revolution zum Kaiser, in: Veltke (Hg.), Napoleon, S.1-16.

50) Burckhardt, a.a.O., S.344.

51) Vgl. Hans Maier, Rousseau (1712-1778), in: Hans Maier/Heinz Rausch/Horst Denzer (Hg.), Klassiker des Politischen Denkens (Band 2), 5., völlig überarbeitete und um einen Beitrag erweiterte Auflage München 1987, S.80-100.

52) Vgl. Thamer, Buonaparte, S.3.

53) Vgl. Presser, Napoleon, S.405-421.

54) Dahlheim, Antike, S.726.

55) Eine besondere propagandistische Wirkungsmächtigkeit ging hierfür von dem Gemälde „Napoleon Bonaparte auf der Brücke von Arcole“ (1796) von Antoine-Jean Gros aus; vgl. Thamer, Buonaparte, S.6.

56) Bereits Alexander der Große verlieh seiner Eroberung des Perserreiches durch die Mitnahme von Kartografen, Historikern, Künstlern und Publizisten einen wissenschaftlichen Charakter und Legitimation stiftenden „PR-Effekt“; vgl. zu seinem Feldzug: Eberhard Birk, Alexander der Große und seine Grand Strategy, in: ÖMZ 5/2006, S.647-654, hier S.650.

57) Vgl. Hertfelder, Macht der Bilder, S. 282-284.

58) Zu David vgl. Elmar Stolpe, Klassizismus und Krieg. Über den Historienmaler Louis David, Frankfurt/M. 1985 und Marion Diez (Hrsg.), Jacques-Louis David 1748-1825, Paris 2005 sowie Warren E. Roberts, Jacques-Louis David, Revolutionary artist. Art, politics and French revolution, Chapel Hill u.a. 1989.

59) Vgl. Markus J. Prutsch, Das Werk der Constituante und die „Revolutionierung“ des französischen Militärwesens 1789 bis 1791, in: ÖMZ 6/2006, S.709-718.

60) Zit. nach Fehrenbach, Vom Ancien Régime, S.42.

61) Eberhard Kessel, Die Wandlung der Kriegskunst im Zeitalter der Französischen Revolution, in: Johannes Kunisch (Hg.), Eberhard Kessel. Militärgeschichte und Kriegstheorie in neuerer Zeit, Berlin 1987 (=Historische Forschungen Band 33), S.19-45, hier S.25.

62) Jacob Burckhardt, a.a.O., S. 293.

63) Vgl. Reinhard Schulze, Napoleons Schlacht bei den Pyramiden am 21. Juli 1798: Der Mythos von der Brücke zum Jetzt, in: Gerd Krumeich/Susanne Brandt (Hg.), Schlachtenmythen. Ereignis - Erzählungen - Erinnerung, Köln, Weimar, Wien 2003, S.91-114.

64) Vgl. Siegfried Lauffer, Alexander der Große, 3. Aufl. München 1993, S.88f.

65) Friedrich Heer, Das heilige Römische Reich. Von Otto dem Großen bis zur Habsburgischen Monarchie, München 1977, S.360.

66) Es muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass der propagandistisch überhöhte Erfolg bei Marengo nicht über den entscheidenden Stellenwert verfügte wie jene, den Krieg entscheidende und den Friedensschluss von Lunéville am 9. Februar 1801 erst ermöglichende Schlacht bei Hohenlinden unweit München am 3. Dezember 1800, bei der jedoch Napoleon nicht das Kommando hatte.

67) Zit. nach Weis, Durchbruch, S.162.

68) Zit. nach Manfred Görtemaker, Deutschland im 19. Jahrhundert, 3. überarbeitet Auflage Bonn 1989, S.49.

69) Vgl. Jakob Seibert, Forschungen zu Hannibal, Darmstadt 1993, S.195-200, der die unterschiedlichen Lokalisierungen mit mehreren Marschsäulen begründet.

70) Vgl. Presser, Napoleon, S.570.

71) Vgl. Eberhard Birk, Hannibal und sein strategisches Scheitern, in: ÖMZ 6/2006, S.675-684.

72) Vgl. Walter Hummelberger, Kriegswirtschaft und Versorgungswesen von Wallenstein bis Prinz Eugen, in: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hg.), Die Bedeutung der Logistik für die militärische Führung von der Antike bis in die neueste Zeit, Herford 1986 (=Vorträge zur Militärgeschichte Band 7), S.61-85, hier S.75.

73) Plut., Alexander, 8.

74) Vgl. Dalheim, Julius Cäsar, S.261.

75) Zit. nach Weis, Durchbruch, S. 224.

76) Vgl. Wolfgang Will, Alexander der Große (=Geschichte Makedoniens Bd. 2), Stuttgart 1986, S.47.

77) Zit. nach J.F.C. Fuller, Die entartete Kunst Krieg zu führen 1789-1961, Köln 1964, S.45.

78) Zu seiner Geschichtsphilosophie vgl. G.W.F. Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte (Werke 12), 2. Aufl. Frankfurt/M. 1989.

79) Burckhardt, a.a.O., S.343f.

80) Churchill, Geschichte, S.308.

81) Vgl. Birk, Napoleon und Gneisenau, S.60.

82) Beide Zitate nach Egon Friedell, Kulturgeschichte der Neuzeit, München 1996, S.925.

83) Vgl. Wilfried Nippel (Hg.), Virtuosen der Macht. Herrschaft und Charisma von Perikles bis Mao, München 2000.

84) Zit. nach Thamer, Buonaparte, S.7.

85) Churchill, Geschichte, S.287.

86) Zit. nach Weis, Durchbruch, S.226.

87) Prinz Löwenstein, Deutsche Geschichte, S.311.

88) Vgl. hierzu Presser, Napoleon, S.344-352.

89) Vgl. Presser, Napoleon, S.342f. mit dem manipulierten Zustandekommen des Wahlergebnisses.

90) Vgl. Presser, Napoleon, S.341.

91) Vgl. Thamer, Buonaparte, S.11.

92) Dante, De monarchia III, x 10.

93) Zit. nach Michael Burleigh, Irdische Mächte, Göttliches Heil. Die Geschichte des Kampfes zwischen Politik und Religion von der Französischen Revolution bis in die Gegenwart, München 2008, S.147.

94) Vgl. für einen Überblick Weis, Durchbruch, S.232f.

95) Zit. nach Dalheim, Antike, S.726.

96) Vgl. zu dem Gesamtkomplex nun Pierre Birnbaum, L’Aigle et la Synagogue. Napoléon, les Juifs et l’Etat, Paris 2007.

97) Zu den drei Aspekten vgl. Carsten L. Wilke, Die Einbürgerung der jüdischen Religion in Europa, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 50/2007 (=Beilage zur Wochenzeitschrift ‚Das Parlament’), S.3-10, hier S.6-8.

98) Für beide Zitate Wilke, Einbürgerung, S.6.

99) Vgl. ebenda, S.4-8.

100) Zit. nach Hagen Schulze, Kleine Deutsche Geschichte, München 1996, S.85.

101) Zit. nach Presser, Napoleon, S.313.

102) Zit. nach Wolfgang Häusler, Das österreichische Kaisertum von 1804 und seine Bedeutung für das Staats- und Reichsproblem der Habsburgermonarchie, in: Michael Salewski, Heiner Timmermann (Hg.), 1804-2010. Zwischen Kaiserkrönung und Reformvertrag, Münster u.a. 2008 (=Politik und Moderne Geschichte Bd. 2), S.40-74, hier S.41.

103) Kapitel XVIII, zit. nach Dalheim, Antike, S.715f.

104) Ebenda, S.726f.

105) Dalheim, Julius Cäsar, S.261 mit der angesprochenen Abbildung auf S.260.

106) Richard Nürnberger, Das Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleons, in: Das neunzehnte Jahrhundert, Berlin 1986 (=Propyläen Weltgeschichte. Eine Universalgeschichte, Band 8; herausgegeben von Golo Mann), S.59-191, hier S.119f.

107) Vgl. Reinhart Kosselleck, Kritik und Krise. Eine Studie zur Pathogenese der bürgerlichen Welt, 7. Aufl. Frankfurt/M. 1992.

108) Heer, Das heilige Römische Reich, S.361.

109) Hans-Peter Schwarz, Das Gesicht des Jahrhunderts. Monster, Retter und Mediokritäten, Berlin 1998, S.54.

110) Napoleon in einer Unterredung mit Metternich am 26. Juni 1813, zit. nach R. Metternich-Winneburg (Hg.), Aus Metternichs nachgelassenen Papieren, Band 1, Wien 1880, S.152.

111) Vgl. dazu Eberhard Birk, Die Paulskirche(n) und die NATO. Der Deutschen Ambivalenzen im Spiegel der (un)geschützten Freiheit, in: Eberhard Birk (Hg.) Erziehung und Streitkräfte, Fürstenfeldbruck 2007 (=Gneisenau Blätter 5), S.68-75.