Betrachtungen zur Operationsgeschichte einer Schlacht


Thorsten Loch/Lars Zacharias

 

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Geschichte des Militärs und des Krieges verzeichnet in den zurückliegenden anderthalb Jahrzehnten im deutschsprachigen Raum ein beachtliches Maß an Aufmerksamkeit und Interessenzugewinn.[1]) Die Militärgeschichtsschreibung trat aus der ihr zugewiesenen Existenz am Rande der historischen Forschung heraus.[2]) Von mittlerweile zentralem wissenschaftlichen Interesse an dieser begrüßenswerten Renaissance[3]) ist die Frage nach den methodischen Instrumentarien. Sönke Neitzel stellte fest, dass die Militärgeschichtsschreibung - wie andere Felder auch - seit den 1990er-Jahren auf einer Welle der Kulturgeschichtsschreibung geschwommen und maßgeblich durch notwendige Forschungen zum Holocaust getragen worden sei.[4]) Aufgrund dieser für ihn sehr wohl wichtigen, aber zugleich eingeengten Sichtweise auf Militär, Krieg und Gewalt fragte er, ob v.a. in der bundesdeutschen Militärgeschichtsforschung nicht all zu oft eine „Militärgeschichte ohne Krieg“[5]) geschrieben würde. An diese Frage knüpft der Diskurs um die Standortbestimmung und den methodischen Reifeprozess dieser historischen Subdisziplin an. Durchlief die Militärgeschichtsschreibung seit den 1990er-Jahren eine fruchtbringende Methodendiskussion oder zog sie sich allzu voreilig auf einen zwar notwendig multiperspektivischen Ansatz zurück, der im Kern aber doch nichts anderes als eine konzertierte Ablehnung älterer Formen der Wehr- oder Kriegsgeschichtsschreibung war, und vergaß dabei eine eigene Charakteristik, ein eigenes Profil zu entwickeln? Fand letzten Endes gar keine methodische Standortbestimmung statt, sondern nur eine Ausdehnung bereits existierender Fragestellungen auf ein neues und unverbrauchtes Themengebiet: das Militär in Frieden und Krieg? Verfolgt die Militärgeschichtsschreibung in ihrer Breite also nicht vielmehr kultur-, politik- und diplomatiegeschichtliche Ansätze, die ebenso in anderen Subdisziplinen Anwendung finden?

 

Operationsgeschichte: Nur eine historische Subdisziplin?

Die (scheinbar) nahe liegende Antwort, eine wie auch immer geartete Operationsgeschichte könne der Militärgeschichte zu mehr Konturen verhelfen, wäre zu einfach und griffe sicherlich auch zu kurz.[6]) Andererseits wäre das Ausblenden der Geschichte der militärischen Operationen, mit Bernd Wegner gesprochen, tatsächlich eine gefährliche Verkürzung der historischen Analyse von Kriegen und insofern ein schwerwiegendes Defizit.[7]) Die Forderung nach einer „neuen“ Operationsgeschichte - in Abgrenzung zu einer „aus militärischen Erwägungen geborenen und nach militärischen Grundsätzen praktizierten ‚Kriegsgeschichte’“ - bedarf einer „methodischen und methodologischen Neuorientierung“.[8]) Das Kernproblem scheint Wegner darin zu liegen, dass eine Konzentration der Analyse auf eine „reine“ Operationsgeschichte tendenziell unhistorisch und per se apologetisch sei. Hieraus erwächst die Forderung, sich nicht zu isolieren, sondern integraler Bestandteil einer übergeordneten, multiperspektivischen und integralen Militärgeschichtsschreibung zu sein.

Der Spannungsbogen verläuft also zwischen einer Militärgeschichte ohne das integrale Ereignis Schlacht einerseits und einer übertriebenen und zu einseitigen Fokussierung auf die Schlacht als „Höhepunkt“ und damit eine Nähe zu apologetischen Fragestellungen andererseits. Hier verweben sich methodische und methodologische Aspekte. Auf keinen Fall darf die Beschäftigung mit Operationsgeschichte dazu führen, dass die methodischen Grundsätze und Anforderungen der Geschichtswissenschaft verloren gehen. Für Wegner hat die Operationsgeschichte nur als integraler Bestandteil einer Gesamtgeschichte des Krieges eine Daseinsberechtigung.[9]) Auch Stig Förster fordert, dass sich Militärgeschichte in den großen Bereich einer Gesamtgeschichte, einer Gesellschaftsgeschichte im weitesten Sinne einordnen müsse.[10]) Gleichwohl räumt er aber ein, dass für die Erkenntnis der historischen Realität des Krieges detaillierte Kenntnisse auch über die Ereignisse auf dem Schlachtfeld - und damit der Operationsgeschichte - notwendig seien.[11]) Die Beschäftigung mit dem Krieg als unterschwelligem Fixpunkt, als Gelenk zwischen den Feldern von „Armee, Staat und Gesellschaft“ sowie der „Operationsgeschichte“ mit all ihren methodischen Facetten bietet in den Augen Försters den Ansatzpunkt für eine „genuine Militärgeschichte im modernen Sinne.“[12]) Letztlich kommt es also darauf an, sich dem Phänomen des Krieges unter den Vorzeichen einer Gesamt- oder auch Gesellschaftsgeschichte zu nähern. Eine „moderne“ Operationsgeschichte wird dann einen Platz in ihr finden, wenn sie als Subdisziplin der Militärgeschichte Erkenntnisse zu übergeordneten Fragestellungen zu liefern imstande ist.

Im vorliegenden Aufsatz nähern wir uns weiter dem deutsch-deutschen Krieg und loten Möglichkeiten des operationsgeschichtlichen Mikrokosmos der Schlacht von Königgrätz aus. Nachdem wir den militärischen Verlauf der Schlacht bereits darstellen konnten[13]) und durch operationsgeschichtliche Fragestellungen die gängigen Narrative des erfolgreichen preußischen Militärs einerseits und des Versagens des Feldzeugmeisters Ludwig von Benedek andererseits in Frage stellten, betrachten wir in diesem abschließenden Teil die personellen Entscheidungen Bendeks, die er im Vorfeld der Schlacht traf. Die in diesem Aufsatz vorgestellte biografische Facette der Operationsgeschichtsschreibung lässt ebenfalls die oftmals kritisierten Entscheidungen des Feldzeugmeisters in einem anderen Licht erscheinen. Es zeigt sich, dass die von Benedek getroffene Auswahl im direkten Zusammenhang mit seiner Idee des Gefechtes und der Dislozierung der Korps auf dem Gefechtsfeld stand. Zusammen mit den aus dem Schlachtverlauf gewonnen Erkenntnissen erhellen diese biographisch-personellen Versatzstücke das Verständnis für Benedeks Handeln. Die operationsgeschichtlichen Betrachtungen nähren den Zweifel am zeitgenössischen und später unkritisch reflektierten Urteil über Benedek. In der Rezeptionsgeschichte zu 1866 und v.a. zur Person Benedeks lassen sich die notwendigen Anknüpfungspunkte für übergeordnete Fragestellungen finden.

 

Zum Verhältnis von historischer „Realität“ und Geschichtsschreibung

Die historische Bedeutung eines Ereignisses wie der Schlacht von Königgrätz lässt sich schon allein an der großen Zahl der Publikationen ablesen, die bereits kurz nach 1866 erschienen; sie lässt sich aber auch daran ablesen, dass „1866“ nach wie vor in vielen „deutschen Geschichten“ seinen Platz findet. In diesen Tagen manifestierte sich nicht zuletzt die Teilung als auch die Grundlegung der deutschen Nation einerseits[14]) und mit ihr die Krise des deutschen Liberalismus[15]) und legte andererseits den Grundstein der internationalen Beziehungen der folgenden Jahrzehnte.[16]) Aber genau diese Wirkmächtigkeit forderte geradezu vielfältige Interpretationen und Instrumentalisierungen heraus. Die zweifellos interessengestützte zeitgenössische Berichterstattung wurde von der folgenden Geschichtsschreibung, zumeist ohne Beachtung oder in Unkenntnis der operationsgeschichtlichen Realität, unkritisch übernommen.

Daher dient aus unserer Sicht die Betrachtung der militärischen Operationen als Instrument zur Überprüfung gängiger Narrative. Im Fokus stehen dabei die Kämpfe bei Königgrätz,[17]) die gerne als Entscheidungsschlacht charakterisiert werden.[18]) Es zeichnet den Reiz des doppelten Charakters dieses Waffengangs aus, den Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland sowohl militärisch als auch politisch beendet zu haben.[19]) Die nationalen wie europäischen Konsequenzen, über die der Ausgang der Schlacht entschied, sind unstrittig und lassen ebenso wie die Darstellungen der militärischen Ereignisse im Juli 1866 schließen, dass alles zu 1866 und Königgrätz gesagt sei. Neben diesen Gesamtdarstellungen und weiteren Einzelschriften, die der Erinnerungsliteratur[20]) im weitesten Sinne zuzurechnen sind, kristallisieren sich in der Flut der Monographien drei größere Erzählstränge heraus.

Der erste Erzählstrang umfasst die Schilderung der Schlachtenereignisse. Die vielleicht bis heute differenzierteste und zugleich zutreffendste Schilderung auf Grundlage der preußischen und österreichischen Generalstabswerke bleibt das Werk Heinrich Friedjungs.[21]) Den vielleicht überzeugendsten Ansatz nach den zeitgenössischen Autoren bieten Wolfgang von Groote und Heinz Helmert.[22]) Schon Gordon Craigs Darstellung fällt aufgrund von Ungenauigkeiten ab, ebenso wie die gute, aber doch apologetische Züge aufweisende Studie Eberhard Kaulbachs.[23]) Der überwiegenden Zahl der Darstellungen mangelt es an der Fähigkeit, sich von der reinen Schlachtenschilderung zu lösen und weiterreichende Erkenntnisse zu schöpfen.[24]) Nur wenige Arbeiten überhaupt sind in der Lage, die reine Operationsgeschichte in einen übergeordneten Kontext zu stellen.[25])

Der zweite Erzählstrang wird getragen von biographischen Werken. Die beiden Protagonisten der Schlacht - Moltke und Benedek - waren schon zeitgenössisch von besonderem politischen wie öffentlichen Interesse. Während Moltke als Sieger von Königgrätz und Sedan (1870) eine ungleiche Erhöhung erfuhr,[26]) hatte Benedek die Konsequenzen als Verlierer zu tragen und teilweise wohl auch zu ertragen.[27]) Um von den folgenden innenpolitischen Turbulenzen im Vielvölkerreich abzulenken, konzentrierte sich die Diskussion auf die Person und das Verhalten Benedeks. Das in der zeitgenössischen staatspolitischen Geschichtsschreibung geschaffene Bild des „schuldigen“ Feldherrn wirkt bis heute nach.[28]) Während Moltke glänzend da stand und seinem Handeln oft eine „mathematische Genauigkeit“ zugeschrieben wurde, fiel das Urteil über die Leistung und Person Benedeks als „naiv“ und „arm“ aus.[29]) Er habe weder für den nördlichen Kriegsschauplatz Böhmen - als Feldzeugmeister des Südens - noch für die Führung einer ganzen Armee - als bisheriger Korpsgeneral - über ausreichende Erfahrung verfügt.[30]) Da Benedek selbst keine Memoiren hinterließ,[31]) die Quellen bieten könnten, fehlt ein notwendiger Kontrast, den aber ein operationsgeschichtlicher Ansatz bieten kann.

Der dritte Erzählstrang konzentriert sich auf die Frage nach dem „Warum“ des preußischen Sieges. Zum einen berührt er die Frage nach dem offenkundigen Grund des preußischen Erfolgs und kulminiert oftmals recht oberflächlich in den Antworten „Eisenbahn“, „Telegraphie“ und im viel gerühmten „Zündnadelgewehr“. Während die Argumente Nutzung der „Eisenbahn“ und „Telegraphie“ operative und strategische Ebenen berühren, werden sie oftmals angeführt, um die Erklärung für den Sieg auf einem Gefechtsfeld herbeizureden, auf dem weder eine Eisenbahn fuhr, noch das Versenden von Telegrammnachrichten wesentlichen Einfluss auf den Ausgang der Schlacht hatte. Dem gegenüber entfaltete das Zündnadelgewehr, so die übergroße Meinung der Autoren, eine „geradezu schlachtentscheidende Wirkung“.[32]) Dass diese gesteigerte Feuerkraft aber eine „abstoßende“ war, also den Verteidiger begünstigte, wird dabei allzu oft verkannt.[33]) Diese Tatsache war übrigens sowohl Moltke als auch Benedek bewusst.[34]) Das oft gezeichnete Bild der Überlegenheit des „neu eingeführten“[35]) preußischen Zündnadelgewehrs entstand zeitgenössisch und präsentierte früh einen technischen „Sündenbock“ und half dabei die komplexen Gründe für den Sieg der Preußen auf eine einfache Formel zu reduzieren und letztlich auch zu mythologisieren.[36]) Zum anderen verlässt dieser Argumentationsstrang die taktisch-operative Ebene der Darstellung und bemüht sich, die Gründe für den preußischen Sieg im strategischen Vorgehen zu suchen und politische Rückschlüsse und Schlussfolgerungen zu ziehen. Doch fallen auch hier die Antworten oft ähnlich eindimensional aus. Das Moltke zugeschriebene Bonmot vom „getrennten Marschieren und vereinten Schlagen“, das eher auf Scharnhorsts Studien zurückzuführen sein dürfte, steht hierfür stellvertretend.[37]) Das getrennte Marschieren und vereinte Schlagen birgt für Hans-Ulrich Wehler den Beweis der Wiedergeburt eines Cannae-Gedanken in sich, der synonym für den militärischen Vernichtungsgedanken stehe und hier seinen Ausgangspunkt nehme.[38])

Oftmals, und hier berühren sich die einzelnen Erzählstränge, spiegelt sich die Vorstellung eines perfekt organisierten und planenden preußisch-deutschen Generalstabs wider, dessen feste Absicht gewesen sei, in drei Kolonnen zu marschieren und den Gegner bei Königgrätz vernichtend zu schlagen. Das Bild der preußischen Kriegsmaschinerie, jüngst in den Heeresreformen überholt, frisch geölt und vorzüglich gesteuert, war gezeichnet.[39]) Ein Bild, das sich ausgezeichnet in die militärische Seite der Sonderwegsthese einfügte. Von Seiten der k.k.-Monarchie erfuhr diese vereinfachende und verallgemeinernde These keinen Widerspruch, steuerte sie doch ganz im Sinne des Erhalts der eigenen Herrschaft die öffentliche Aufmerksamkeit und lenkte damit den öffentlichen Diskurs weg aus dem politischen Raum auf den eigenen Feldherrn.

 

Ein kleiner operativer Diskurs

Der preußische Feldzugsplan von 1866 sah bekanntlich den konzentrischen Angriff mit drei getrennten Heeresteilen nach Böhmen hinein vor, um die dort vermuteten Österreicher in einer entscheidenden Schlacht zu schlagen. Diese Idee - die zeitgenössisch im „Mythos“ des getrennten Marschierens und vereinten Schlagens kulminierte - war jedoch nicht neu. Das Operieren in getrennten Heeresteilen hatte sich bereits im 18. Jahrhundert zur anerkannten Methode der Kriegskunst entwickelt, man ist sogar etwas despektierlich versucht, von einem preußischen „Standardprozedere“ im Dauerkonflikt mit Österreich zu sprechen. So griff beispielsweise Friedrich II. 1744 mit drei und 1757 mit vier Armeen nach Böhmen hinein an, um nach getrenntem Vormarsch die Österreicher vor Prag vereint zu schlagen.[40]) Auch im Bayerischen Erbfolgekrieg von 1778, dem so genannten „Kartoffelkrieg“, stieß er mit mehreren getrennten Heeresteilen nach Böhmen vor. Das Ziel dieser Operationsmethode bestand dabei im gegenseitigen Sekundieren der konzentrisch anrückenden Heeressäulen, um durch weiträumig angesetzte Flankenbewegungen den Gegner unter fortwährenden Schlägen immer weiter zurückzumanövrieren und ihn schließlich unter Zusammenführung aller verfügbaren Kräfte zur Entscheidungsschlacht zu stellen.[41]) Friedrich ging sogar noch weiter: Bei Torgau griff er am 3. November 1760 die Österreicher mit zwei getrennt operierenden Heeresteilen in Front und Rücken an.[42]) Doch nicht nur Friedrich, sondern auch seine Gegner bedienten sich dieser Taktik. So versuchte der österreichische Feldmarschall Leopold Christoph von Daun bei Liegnitz am 15. August 1760 ein ähnliches - allerdings misslungenes - Umfassungsmanöver.[43])

Auch die Kriegskunst der napoleonischen Epoche kannte das getrennte Marschieren und vereinte Schlagen. Als Beispiel seien hier die Operationen Napoleons gegen die preußisch-russischen Truppen in Ostpreußen 1806/07 oder gegen Erzherzog Karl von Österreich in Bayern 1809 angeführt.[44]) Jedoch wäre es irrig zu glauben, dass die alternative Methode des Operierens auf der „Inneren Linie“ damit überholt gewesen sei. Napoleon selbst griff auf diese Alternative mit einigem Erfolg im Frühjahr 1813 zurück, während die Alliierten im Herbst 1813 mit Erfolg konzentrisch gegen Napoleons Hauptmacht in Leipzig vorgingen. Dennoch zeigte das Jahr 1813, dass eine aktive, entschlossene und v.a. höchst beweglich geführte Verteidigung auf der „Inneren Linie“ mit direkten Offensivstößen ein wirkungsvolles Konzept gegen konzentrisch auseinandergezogene Angriffsgruppierungen war.[45])

Letztendlich stand am Ende aller operativen Überlegungen die entscheidende Schlacht als Kulminationspunkt des Waffenganges, so auch 1866 bei Königgrätz. Beide operativen Konzepte waren also den Militärs der Zeit wohl bekannt, auch wenn die Idee des konzentrischen Operierens mit getrennten Heeresteilen durch die lange Zeit preußisch geprägte und glorifizierende deutsche Geschichtsschreibung gern Moltke zugeschrieben wird. Während dieser also auf die konzentrische Operation setzte, versuchte Benedek bekanntlich eine Operation auf der „Inneren Linie“.[46]) Aber auch wenn sein Operationsentwurf letztlich scheiterte, das entscheidende Moment blieb die Schlacht am 3. Juli 1866. Doch hier verkehrten sich die Vorzeichen plötzlich. Während Moltkes Armeen operativ konzentrisch, aber für den Feldherrn ohne taktische Einflussmöglichkeit auf das Gefechtsfeld zustrebten, befand sich sein Kontrahent Benedek in der taktisch komfortableren Position: Er wählte das Gefechtsfeld, er kämpfte aus vorbereiteten Stellungen und er hatte die taktische Initiative dank einer verfügbaren Reserve, insbesondere da ein großer Teil der preußischen Kräfte (die 2. Armee) das Schlachtfeld gar nicht rechtzeitig erreichen würde. In Kenntnis dessen beabsichtigte Benedek, die zunächst zahlenmäßig unterlegen angreifenden Preußen frontal zu binden, sie nachhaltig abzunutzen und dann durch einen massiven Gegenangriff zu zerschlagen, bevor die Armee des preußischen Kronprinzen eintraf.[47]) Dazu hatte er in seinem Operationsplan vier verschiedene Aufgaben mit unterschiedlichem Anforderungsprofil zu lösen. Die Prioritäten, die er diesen zumaß, spiegeln sich im Einsatzwert der dafür vorgesehenen Verbände in enger Verbindung mit der Qualität und dem Vertrauen in die Fähigkeiten derjenigen Kommandeure wider, in deren Hände er sie legte - im Faktor Mensch eben.

 

Taktik im Gefecht - Der Faktor Mensch

Zunächst der Auftrag des Zentrums: Halten gegen die preußische 1. Armee. Hier setzt Benedek das III. Korps auf den Höhen von Lipa und Chlum sowie im Schwerpunkt bei Streselitz und Langenhof das X. Korps ein. Das III. Korps unter Erzherzog Ernst[48]) hatte bislang noch nicht im Gefecht gestanden, hatte also einen hohen Einsatzwert. Zudem hatte der Erzherzog das Kommando bereits seit 1859 inne, sodass hier festgefügte und unerschütterte Strukturen bestanden. Weiterhin hielt sich Benedek während der Schlacht zumeist im Bereich des III. Korps auf, sodass er unmittelbare Eingreifmöglichkeiten hatte. Inwieweit dabei das bereits erwähnte Beispiel Erzherzog Leopolds eine Rolle gespielt haben mag, kann jedoch nur Vermutung bleiben. Südlich der Straße Sadowa-Königgrätz setzte Benedek das X. Korps unter Ludwig von Gablenz ein. Gablenz war nicht nur ein erfahrener General und der einzige, der im bisherigen Verlauf des Feldzuges einen Sieg erfochten hatte, sondern auch ein enger Freund und Vertrauter Benedeks.[49]) Der als Sohn eines sächsischen Generalleutnants an der Dresdner Ritterakademie militärisch ausgebildete Truppenführer hatte nicht nur lange Zeit unter Benedek in Italien gedient, sondern war auch kommandierender General der k.k.-Truppen im Feldzug von 1864 gegen Dänemark gewesen und kannte die preußische Armee sehr genau.[50]) Benedek vertraute daher Gablenz vollauf und betraute ihn mit der zentralen Schlüsselposition.

Der linke Flügel war für das Gelingen des Operationsplanes ebenfalls von entscheidender Wichtigkeit. Würde es hier zu einem Erfolg der angreifenden Preußen kommen, so war ein Gegenangriff im Zentrum durch die sich dann ergebende Flankenbedrohung nicht mehr möglich. Da Benedeks Aufmerksamkeit im Schwerpunkt gebunden war, musste der hier verantwortliche Kommandeur selbstständig eine taktische Aufgabe im Rahmen des Gesamtgefechtes lösen. Dieser stand unter dem Befehl des sächsischen Kronprinzen Albert. Dazu wurde ihm zusätzlich zum bewährten sächsischen Korps das VIII. Korps unterstellt,[51]) das nach der Niederlage von Skalitz und der Ablösung Leopolds kaum mehr zu selbstständigen Operationen fähig war.[52]) Albert von Sachsen hatte bereits bei Gitschin bewiesen, dass er als Truppenführer zu selbstständigem und taktisch erfolgreichem Handeln im Sinne der übergeordneten Führung in der Lage und das sächsische Korps 1866 ein schlagkräftiger Verband war.[53]) Das - übrigens nicht unbegründete - Vertrauen in die Fähigkeiten Alberts zeigt nicht zuletzt Benedeks positive Reaktion auf dessen vom Armeebefehl abweichende Stellungswahl.[54]) Albert führte denn auch den ganzen Tag das Gefecht gegen die preußische Elbarmee selbstständig und konnte so den Ausweichweg der österreichischen Hauptkräfte am Nachmittag im entscheidenden Moment offen halten.[55])

Die Reserve, deren Hauptauftrag das Zerschlagen der durch das III. und X. Korps abgenutzten preußischen 1. Armee sein sollte, bildeten das I. und das VI. Korps. Dabei war der Einsatzwert beider Korps maximal als mittel anzusehen. Beim I. Korps hatte es einen Wechsel im Kommando gegeben: Eduard Graf Clam-Gallas wurde nach dem katastrophalen Rückzug in der Folge des Gefechtes bei Gitschin, der fast zur Auflösung des I. Korps führte, am 1. Juli abberufen, jedoch Benedeks Vorschlag zur Nachfolge, der ebenfalls abberufene Generalstabschef Baron Alfred von Henikstein, nicht genehmigt.[56]) So folgte der bisherige Stellvertreter, Graf Leopold Gondrecourt, im Kommando nach. Als Absolvent der französischen Militärakademie St. Cyr hatte er als Brigadekommandeur 1864 unter Gablenz am Dänemarkfeldzug teilgenommen und war dabei für die Erstürmung des Königsberges bei Oberselk mit dem Maria-Theresien-Orden ausgezeichnet worden.[57]) Dass Gondrecourt überzeugter Anhänger der Stoßtaktik war, hatte er bereits durch einen von ihm angeordneten, taktisch vollkommen nutzlosen und verlustreichen Angriff bei Hühnerwasser am 26. Juni bewiesen.[58]) Kommandeur des VI. Korps war hingegen Baron Wilhelm Ramming von Riedkirchen, wahrscheinlich einer der besten operativen Köpfe Österreichs[59]) und auch in den Augen Benedeks ein begabter Generalstabsoffizier,[60]) dem jedoch nach seinem Urteil das gewisse Händchen in der Führung unterstellten Personals abging.[61]) Auch Ramming war ein Anhänger der Stoßtaktik, wie er bereits am 27. Juni auf den Höhen von Nachod gezeigt hatte.[62]) Und auch das VI. Korps war nach den Verlusten von Nachod zunächst nicht mehr kampffähig.[63]) Die diesen beiden angeschlagenen Korps zugedachte Aufgabe sollte nun das Zerschlagen der preußischen 1. Armee sein. Benedek zog hier zwei Faktoren ins Kalkül: Erstens würde höchstwahrscheinlich er selbst als bei den einfachen Soldaten fast mystifizierter Siegertyp den Angriff führen,[64]) und zweitens sollte dieser gegen einen nach seinem Plan massiv zermürbten und ausgebluteten Gegner den beiden angeschlagenen Korps den nötigen Sieg verschaffen. Damit waren der Einfluss und die Fähigkeiten der Kommandierenden Generale nebensächlich.

Der rechte Flügel schließlich sollte vor einem Eingreifen der preußischen 2. Armee sichern. Diese Aufgabe fiel dem IV. und dem II. Korps und damit den beiden wahrscheinlich intaktesten Verbänden der Nordarmee zu. Deren Befehlshaber, namentlich beim IV. Korps Tassilo Graf Festetics de Tolna sowie beim II. Korps Karl Graf zu Thun-Hohenstein, verdankten ihre Position mehr ihrer Herkunft aus dem ungarischen und reichsdeutschen Hochadel als ihren militärischen Fähigkeiten.[65]) Ursprünglich Kavallerist, hatte Festetics seinen Dienst bereits 1846 als Major quittiert und war erst im Zuge der revolutionären Umwälzungen 1848/49 in den aktiven Dienst zurückgekehrt. Bei Solferino als Brigadekommandeur erfolgreich,[66]) führte er 1866 sein Korps am 29. Juni bei Schweinschädel entgegen dem ausdrücklichen Befehl Benedeks ins Gefecht und unterlag, verlor aber „nur“ 1.500 Mann.[67]) Das II. Korps hingegen war neben dem III. das einzige der Nordarmee, das noch nicht im Gefecht gestanden hatte und voll einsatzbereit war. Es stand unter dem Kommando von Karl Graf zu Thun-Hohenstein, einem General, der zwar nominell seit 46 Jahren Soldat war, aber seit seinem letzten Gefecht als Brigadekommandeur 1849 nur „Schreibtischposten“ bekleidet hatte[68]) und sich am Ende seiner Laufbahn militärisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit befand. Indem er diesen beiden Kommandeuren mit ihren weitestgehend intakten Korps die zunächst „leichteste“ Aufgabe, nämlich die Verteidigung gegen einen frühestens nach dem Mittag eintreffenden Feind in einem verteidigungsgünstigen und befestigten Geländeabschnitt zuwies, tat er alles in seinen Augen Machbare, ihren Einfluss auf den Ausgang der Schlacht zu minimieren und seine Flanke zu sichern. Was aber, wenn die Armee des Kronprinzen von Preußen doch frühzeitig erschien? Einerseits war Benedek auf der Höhe von Chlum nur wenige Minuten entfernt, andererseits hatte er noch seine Reserven. Vielleicht setzte er seine Hoffnungen auch in die beiden Stellvertreter, Anton von Mollinary[69]) hinter Festetics und Josef von Philippovic[70]) hinter Thun-Hohenstein. Beide waren junge, hochintelligente und ehrgeizige Generale bürgerlicher Herkunft. Beide entstammten Soldatenfamilien der Militärgrenze und hatten den Sprung aus dem Pionierkorps in höchste Führungspositionen geschafft. Mit 46 bzw. 47 Jahren im Range eines Generalmajors Ausnahmeerscheinungen im k.k.-Militär,[71]) waren sie wie Benedek als bürgerliche Leistungsträger der Antitypus zu ihren hochadeligen Vorgesetzten.

Die Person Anton von Mollinarys ist übrigens in der Diskussion des Schlachtgeschehens kaum beachtet, obwohl sein Handeln maßgeblich zur Niederlage Österreichs führte, und das in einer Weise, die auch Benedek wohl nicht vorhersehen konnte. Nach der Verwundung Festetics’[72]) fiel Mollinary das Kommando über das IV. Korps zu. Er setzte nun nicht nur den von Festetics geplanten Angriff in den westlich gelegenen Swiepwald fort, sondern bat zusätzlich den Befehlshaber des II. Korps, Thun-Hohenstein, um Unterstützung, obwohl er damit - anscheinend bewusst - gegen die Absicht Benedeks handelte.[73]) Was trieb ihn dazu? War es taktisches Unvermögen? Mollinary war hochintelligent und hatte sich mit Strategie und Taktik seiner Zeit auch schriftlich auseinandergesetzt. Aus dem Feldzug von 1859, in dem er als Brigadekommandeur gedient hatte, zog er die Lehre, dass der geschlossene Stoß geschlossener Bataillonskolonnen, auf möglichst einen Punkt konzentriert die Entscheidung bringe und dass in der Defensive die eigene Stellung durch häufige Offensivstöße behauptet werden müsse.[74]) Genau das setzte er beim Angriff auf den Swiepwald um und erkannte nicht, dass diese taktischen Grundsätze durch die Realität des Feldzuges obsolet geworden waren. War es verletzter Stolz? Benedek hatte Mollinary in seiner Dienstbeschreibung (Beurteilung) erst am 16. Januar 1866 bescheinigt, es fehle ihm an Bestimmtheit im Wollen und Entschiedenheit im Befehlen, er leide an Selbstüberschätzung und gewinne das Vertrauen der Truppe nicht, und daher seine Versetzung zu einem anderen Korps empfohlen.[75]) War es persönlicher Ehrgeiz und unbedingter Geltungsdrang im Wissen seiner niederen bürgerlichen Herkunft? Seine rasche und beispiellose Karriere schien nach dem vernichtenden Urteil Benedeks beendet. Nur durch eine beispiellose Heldentat, die die Verleihung des Maria-Theresien-Ordens mit sich brachte, würde auch in Zukunft kein Weg an ihm vorbeiführen. Diese Tat musste aber den Statuten des Ordens zufolge aus eigenem Antrieb erfolgen, also ohne Wissen und Zustimmung Benedeks.[76]) In seiner - allerdings in anderem Zusammenhang - vielbeachteten Autobiographie schweigt Mollinary zu seinen Beweggründen, ja er gibt sogar vor, vom Anmarsch der preußischen 2. Armee nichts gewusst zu haben.[77]) Ganz im Sinne der „offiziellen Geschichtsschreibung“ stützt er das Bild Benedeks als hilflosen Beobachters großer Ereignisse.[78])

 

Biografik als Teil moderner Operationsgeschichte?

Dieser biographisch ausgerichtete Exkurs verweist auf den Faktor Mensch, der - überspitzt formuliert - in seinem Drang nach Auszeichnung und Prestige offenbarer schwerer wog als der Faktor Technik, ohne gleich einer Geschichte der „großen Männer“ das Wort reden zu wollen. Anhand dieser nur kurzen biografischen Charakteristik zeigte sich, dass die Dislokation der Verbände sowie die Personalauswahl auf dem Gefechtsfeld nicht zufällig erfolgten, sondern in auffallender Weise mit der im ersten Aufsatz rekonstruierten Absicht Benedeks korrespondierten. Die Person Ludwig von Benedeks erscheint in diesem Licht konturen- und facettenreich und wohlüberlegt handelnd. Aus der in beiden Aufsätzen eingenommenen Perspektive, die biographische und operationsgeschichtliche Erkenntnisse eng miteinander verwob, wirkt die Zwangsläufigkeit des Sieges der preußischen Waffen bei Weitem nicht mehr so monolithisch und unumstößlich wie überwiegend angenommen. Die gängigen Narrative - hier der „Trottel“ Benedek, dort der erfolgreiche Moltke und sein überlegenes preußisches Heer - sind zu hinterfragen. Dies zeigt schon das Beispiel Alberts von Sachsen: 1866 noch im Lager der preußischen Gegner und einer der wichtigsten Kommandeure Benedeks, erhielt er und nicht Prinz Friedrich Karl von Preußen 1870 vor Metz von Moltke das Kommando über die neu gebildete Maasarmee, die den französischen Kaiser Napoleon III. bei Sedan zur entscheidenden Schlacht stellte, während Friedrich Karl weiter Metz belagern durfte.

Wenn aber die vorgenommene operationsgeschichtliche Betrachtung der Schlacht von Königgrätz ein ausgewogenes Benedekbild vermittelt, bleibt die Frage, weshalb und auf welche Weise das überlieferte Geschichtsbild konstruiert wurde? Weiterführende Studien zu übergeordneten Aspekten werden zeigen, inwiefern sich in der Rezeption der Schlacht verschiedene Phasen einer mediengestützten Interessenpolitik überlagern, die uns ein Bild vom Ausgang des Krieges zeigen, das bewusst in die Irre führt. An Komplexität gewann diese rezeptionsgeschichtliche Gemengelage vermutlich dadurch, dass das bereits zeitgenössisch von beiden Seiten verzerrt dargestellte Bild späterhin politisch wie auch ideologisch instrumentalisiert wurde. Dieses Bild führte direkt zu den beiden Polen, die entweder die preußischen Taten glorifizierten und verharmlosten oder aber in ihnen den Ausgangspunkt einer furchteinflößenden und perfekt funktionierenden feudalisierten preußisch-deutschen Streitmacht erkannten, deren Führer sich von nun an bis ins 20. Jahrhundert vom Vernichtungsgedanken Cannaes leiten ließen.

Weitere Überlegungen ergeben sich v.a. in Hinblick auf die Frage nach der Geburtsstunde des „Cannae“-Gedankens und damit in letzter Konsequenz des „Vernichtungskrieges“. Eine der operationsgeschichtlichen Thesen, die sich aus der Beschäftigung mit der Schlacht von Königgrätz ergeben, lautet, dass 1866 nicht die Geburtstunde des Umfassungsgedankens gewesen ist. Wie so häufig in der Militärgeschichte bilden die Schlachtfelder das Experimentierfeld. Erst die zeitgenössische Auseinandersetzung und Reflektion mit den Ereignissen von 1866 und letztlich auch 1870/71 führten dazu, dass das ältere Prinzip des frontalen Bindens und flankierenden Angreifens als Elemente des beweglich geführten Kampfes unter dem Eindruck des gesteigerten Abwehrfeuers der neuen Handfeuerwaffen wieder entdeckt und weiter entwickelt wurde und letztlich 1914 im Schlieffenplan erneute Anwendung fand. Paradoxerweise bot genau diese Art des Angriffs (Binden und Flankieren) im Vergleich zur einzigen weiteren Möglichkeit, dem frontalen Angriff, die Chance, die eigenen Verluste gering zu halten und damit die Soldaten im Kampf weitestgehend zu schonen. Geriet aber eine Schlacht ins Stocken, konnte also nicht mehr operiert werden, fiel auch die Möglichkeit der Umfassung weg. Es folgte der fatale frontale Angriff, der ungeheure Verluste zur Folge haben musste. Es wäre zu untersuchen, inwiefern andere Armeen aus den Operationen der so genannten Reichseinigungskriege ebenfalls Lehren zogen und dem Prinzip des schonenden „Binden und Flankierens“, also der Umfassung und des stets pejorativ verstandenen Vernichtens, folgten oder weiterhin dem verlustreichen spätabsolutistischen frontalen Angriff der Linien vertrauten. Militärhistorisch betrachtet war das zweite Drittel des 19. Jahrhunderts eine Sattelzeit, in der sich einerseits technische wie auch gesamtgesellschaftliche soziale Wandlungsprozesse im Kriegswesen spiegelten. Es ist zu fragen, ob gerade in diesem Anpassungsprozess auf den Schlachtfeldern nicht vielmehr Konstanten wie Raum und Zeit und genuin militärische Fragestellungen, wie ein Feind unwirksam zu machen und eigene Kräfte nachhaltig zu schonen seien, wirkten. Vieles von dem, was wir in diesen Kriegen wahrnehmen, war eine Reaktion auf die sich wandelnde Gesellschaft im Sinne einer politisch partizipierenden Bürgernation und auf die sich rapide verändernde Technik, die das Schlachtfeld nun beherrschte.

Sicher, aber ohne den Blick, wie dieses operativ und auch taktisch in den Gefechten umgesetzt wurde, bleibt unser Wissen über die tieferen Zusammenhänge von Gewalt und Krieg oberflächlich. Die Operationsgeschichte diente in beiden Beiträgen als Instrument, um das gängige Meinungsbild der Zwangsläufigkeit der Ereignisse kritisch zu hinterfragen, indem die Operationen ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückten. Wenn wir es uns als Historiker erlauben, diese Mikroebene, die die Beschäftigung mit Operationsgeschichte bietet, zu vernachlässigen, vergeben wir eine reale Chance, gegebenenfalls das Große im Kleinen zu finden. Zumindest nach ihm dort suchen, das sollten wir.

 

ANMERKUNGEN:



[1]) Rolf-Dieter Müller: Militärgeschichte, Köln, Weimar, Wien 2009, Jutta Nowosadtko: Krieg, Gewalt und Ordnung. Einführung in die Militärgeschichte, Tübingen 2002 (=Historische Einführungen, Bd. 6), Was ist Militärgeschichte? Hrsg. von Thomas Kühne und Benjamin Ziemann, Paderborn u.a. 2000 (=Krieg in der Geschichte, Bd. 6).

[2]) Ralf Pröve: Vom Schmuddelkind zur anerkannten Subdisziplin? Die „neue Militärgeschichte“ der Frühen Neuzeit - Perspektiven, Entwicklungen, Probleme. In: GWU. 51 (2000,1), S.597-612. Einen konzisen Überblick bietet Jörg Echternkamp, Wandel durch Annäherung oder: Wird die Militärgeschichte ein Opfer ihres Erfolges? Zur wissenschaftlichen Anschlussfähigkeit der deutschen Militärgeschichte seit 1945. In: Perspektiven der Militärgeschichte. Raum, Gewalt und Repräsentation in historischer Forschung und Bildung, im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes hrsg. von Jörg Echternkamp, Wolfgang Schmidt und Thomas Vogel, München 2010 (=Beiträge zur Militärgeschichte, Bd. 67), S.1-38.

[3]) Stig Förster: „Vom Kriege“. Überlegungen zu einer modernen Militärgeschichte. In: Was ist Militärgeschichte? (wie Anm. 1), S.265.

[4]) Sönke Neitzel: Militärgeschichte ohne Krieg? Eine Standortbestimmung der deutschen Militärgeschichtsschreibung über das Zeitalter der Weltkriege. In: Geschichte der Politik. Alte und Neue Wege, hrsg. von Hans-Christof Kraus und Thomas Nicklas, München 2007 (=Historische Zeitschrift. Beihefte NF. Bd. 44), S.290f.

[5]) Neitzel: Militärgeschichte (wie Anm. 4), ihm pflichtet Müller: Militärgeschichte (wie Anm. 1), S.20-22 bei, dazu auch Echternkamp: Wandel durch Annäherung (wie Anm. 2), S.21-29.

[6]) Methodische Hinweise zur Operationsgeschichte bei Nowosadtko: Krieg, Gewalt, Ordnung (wie Anm. 1), S.138-150, Müller: Militärgeschichte (wie Anm. 1), S.9-24, Stig Förster: Operationsgeschichte heute. Eine Einführung. In: MGZ. 61 (2002,2), S.309-313, Bernd Wegner: Wozu Operationsgeschichte? In: Was ist Militärgeschichte? (wie Anm. 1), S.105-113, Dennis E. Showalter: Militärgeschichte als Operationsgeschichte: Deutsche und amerikanische Paradigmen. In: Was ist Militärgeschichte? (wie Anm. 1), S.115-126, Neitzel, Militärgeschichte (wie Anm. 4).

[7]) Wegner: Wozu Operationsgeschichte? (wie Anm. 6), S.113.

[8]) Ebenda, S.112.

[9]) Ebenda, S.113.

[10]) Förster: Vom Kriege (wie Anm. 3), S.280.

[11]) Ebenda, S.280f.

[12]) Ebenda, S.266.

[13]) Thorsten Loch und Lars Zacharias: Königgrätz 1866. Die Operationen zwischen dem 22. Juni und 3. Juli 1866. In: ÖMZ. 48 (2010,6), S.707-715.

[14]) Als Überblick siehe: Europa und der Norddeutsche Bund, hrsg. von Richard Dietrich, Berlin 1968, Probleme der Reichsgründungszeit 1848-1879, hrsg. von Helmut Böhme, Köln, Berlin 1968 (=Neue Wissenschaftliche Bibliothek, 26), Europa vor dem Krieg von 1870. Mächtekonstellationen - Konfliktfelder - Kriegsausbruch, hrsg. von Eberhard Kolb, München 1987 (=Schriften des Historischen Kollegs, 10), Reichsgründung 1870/71. Tatsachen, Kontroversen, Interpretationen, hrsg. von Theodor Schieder und Ernst Deuerlein, Stuttgart 1970, älter aber immer noch treffend Klein-Wuttig, Anneliese, Politik und Kriegführung in den deutschen Einigungskriegen 1864, 1866 und 1870/71, Berlin 1934 (=Abhandlungen zur Mittleren und Neueren Geschichte, Heft 75).

[15]) Heinrich August Winkler, 1866 und 1878: Der Liberalismus in der Krise. In: Wendepunkte deutscher Geschichte 1848-1990, hrsg. von Carola Stern und Heinrich August Winkler, 3. Auflage, Frankfurt/Main 2005, S.43-70.

[16]) Winfried Baumgart: Europäisches Konzert und nationale Bewegung. Internationale Beziehungen 1830-1878, Paderborn u.a. 1999 (=Handbuch der Geschichte der Internationalen Beziehungen, Bd. 6), S.387.

[17]) V.a. in Österreich und Frankreich firmiert diese Schlacht unter der Bezeichnung „Sadowa“. Bei Sadowa handelt es sich um eine kleine Ortschaft, die in der Sicherungslinie der verteidigenden Österreicher nach Nordwest ausgerichtet lag. Gerd Fesser: 1866. Königgrätz-Sadowa. Bismarcks Sieg über Österreich, Berlin 1994 (=Das Tagebuch Europas).

[18]) Entscheidung 1866. Der Krieg zwischen Österreich und Preußen, hrsg. vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt durch Wolfgang von Groote und Ursula von Gersdorff, Stuttgart 1966, Gordon A. Craig: Königgrätz, München 1987, Dennis E. Showalter: The Wars of German Unification, London 2004, Heinz Helmert, Hansjürgen Usczeck: Preußischdeutsche Kriege von 1864 bis 1871. Militärischer Verlauf, 6., überarbeitete Auflage, Berlin (Ost) 1988 (=Kleine Militärgeschichte, Kriege), Geoffrey Wawro: The Austro-Prussian War. Austria’s war with Prussia and Italy in 1866, Cambridge 1997.

[19]) Als Beispiel zeitgenössischer Wahrnehmung und teilweiser Stilisierung siehe Heinrich Friedjung: Der Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland. 1859 bis 1866. Zwei Bände, 2. Auflage, Stuttgart 1898.

[20]) Hierzu zählt sicherlich auch Theodor Fontane: Der deutsche Krieg von 1866, 2 Halbbände, Berlin 1870.

[21]) Friedjung: Vorherrschaft (wie Anm. 19).

[22]) Wolfgang von Groote: Königgrätz im Blick der Militärgeschichte. In: Europa und der Norddeutsche Bund (wie Anm. 14), S.109-133; Helmert, Usczeck: Preußischdeutsche Kriege (wie Anm. 18).

[23]) Craig: Königgrätz (wie Anm. 18), Eberhard Kaulbach: Königgrätz nach hundert Jahren. Zur militärischen Führung aus heutiger Sicht. In: Entscheidung 1866 (wie Anm. 18), S.142-195.

[24]) Hierzu zählen Werke wie Klaus Müller: 1866. Bismarcks deutscher Bruderkrieg. Königgrätz und die Schlachten auf deutschem Boden, Graz 2007, als zeitgenössische Betrachtungen im Lichte des US-Bürgerkriegs siehe Arthur L. Wagner: The Campaign of Königgrätz. A Study of the Austro-Prussian Conflict in the Light oft he American Civil War, Fort Leavenworth 1889 [First Greenwood Reprinting 1972], als Beispiel populärwissenschaftlicher Schlachtenbände siehe Arndt Preil: Österreichs Schlachtfelder. Band 4. Trautenau 1866 Nachod 1866 Skalitz 1866 Königgrätz 1866, Graz 1993; der Versuch, eine „moderne“ Operationsgeschichte zu schreiben, leider jedoch nicht frei von inhaltlichen Fehlern, vgl. Frank Becker: „Getrennt marschieren, vereint schlagen“. Königgrätz, 3. Juli 1866. In: Schlachten der Weltgeschichte. Von Salamis bis Sinai, hrsg. von Stig Förster, Markus Pöhlmann und Dierk Walter, 3. Auflage, München 2005.

[25]) Hierzu muss sicherlich Showalter: The Wars of German Unification (wie Anm. 18) gerechnet werden.

[26]) Vgl. bspw. Wolf Hanke: Moltke. Hommage an einen großen Preußen, Hamburg u.a. 2000, siehe künftig die Biographie von Arden Bucholz: Helmuth von Moltke. A modern Biography sowie immer noch Rudolf Stadelmann: Moltke und der Staat, Krefeld 1950, eine kritische und wertvolle Auswahl in Moltke. Vom Kabinettskrieg zum Volkskrieg. Eine Werksauswahl, hrsg. von Stig Förster, Bonn u.a. 1992.

[27]) Oskar Regele: Feldzeugmeister Benedek. Der Weg nach Königgrätz, Wien, München 1960, Wilhelm Alter: Feldzeugmeister Benedek und der Feldzug der k.k. Nordarmee 1866. Mit einer Biographie des Feldzeugmeisters, Berlin 1912.

[28]) Oskar Regele: Staatspolitische Geschichtsschreibung - erläutert an Königgrätz 1866. In: MÖStA. 3 (1950), S.283-305, Harald Schuschitz: Von Königgrätz bis zum Deutsch-Französischen Krieg im Spiegel der militärischen Presse Österreichs, Dissertation Wien, 1937.

[29]) Fedor A. Rotstein: Aus der Geschichte des Preußisch-Deutschen Reiches. Zwei preußische Kriege, Berlin (Ost) 1952, S.85. Dies geschieht hier nicht zuletzt deswegen, um die Stellung Moltkes zu erhöhen und eine Drohkulisse einer kriegstreibenden preußischen Armee als Ausgangspunkt von Erstem und Zweitem Weltkrieg zu errichten und somit die Tragweite und auch Schuld des preußisch-deutschen „Militarismus“ historisch zu begründen.

[30]) Hubertus Prinz zu Löwenstein: Deutsche Geschichte. Der Weg des Reiches in zwei Jahrtausenden, Frankfurt/Main 1950, S.358, auch Hellmuth Rössler: Deutsche Geschichte. Schicksale des Volkes in Europas Mitte, Gütersloh 1961, S.518 findet, Benedek habe es an Format als Feldherr gemangelt.

[31]) Benedeks nachgelassene Papiere, hrsg. und zu einer Biographie verarbeitet von Heinrich Friedjung, 3., durch einen zweiten Anhang vermehrte Auflage, Dresden 1904. Andere Personen aus dem zeitgenössischen Umfeld hinterließen durchaus ihre Erinnerungen aus der Zeit der „Reichseinigung“. Siehe bspw. Fred Graf Frankenberg. Kriegstagebücher von 1866 und 1870/71, hrsg. von Heinrich von Poschinger, Stuttgart u.a. 1896, Ernst von Bergmann. Mit Bergmanns Kriegsbriefen von 1866, 1870/71 und 1877, hrsg. von Arend Buchholtz, 3., unveränderte Auflage, Leipzig 1913.

[32]) Becker: Getrennt marschieren (wie Anm. 24), S.218.

[33]) Weswegen die Ansichten bei Becker: Getrennt marschieren (wie Anm. 24), S.224 in Hinblick auf die Unterlegenheit des Zündnadelgewehrs im Dickicht des Swiepwaldes unzutreffend ist.

[34]) Helmuth von Moltke: Bemerkungen über den Einfluß der verbesserten Feuerwaffen auf die Taktik. In: Moltke. Vom Kabinettskrieg zum Volkskrieg (wie Anm. 26), S.147-164.

[35]) So urteilt Eberhard Orthbandt: Deutsche Geschichte. Lebenslauf des deutschen Volkes - Werdegang des Deutschen Reiches, Baden-Baden 1955, S.695. Siehe auch: Das Zündnadelgewehr - Eine militärtechnische Revolution im 19. Jahrhundert, hrsg. von Rolf Wirtgen, Herford 1991.

[36]) Löwenstein: Deutsche Geschichte (wie Anm. 30), S.358, Thomas Nipperdey, Deutsche Geschichte 1800-1866. Bürgerwelt und starker Staat, broschierte Sonderausgabe, München 1998, S.785f, Patrick Verley: Die politischen Verhältnisse: Vom Liberalismus zum Imperialismus. In: Das Bürgerliche Zeitalter, hrsg. von Guy Palmade, Augsburg 2000 (=Weltgeschichte, Bd. 27), S.283, Rotstein: Geschichte (wie Anm. 29), S.85f, Rössler: Deutsche Geschichte (wie Anm. 30), S.518.

[37]) So bei Rössler: Deutsche Geschichte (wie Anm. 30), S.518, siehe auch den programmatischen Titel bei Becker: Getrennt marschieren (wie Anm. 24).

[38]) Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 3, 1., durchgesehene Auflage der broschierten Studienausgabe, München 2008, S.294.

[39]) Diese Attribute bei Golo Mann, Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Frankfurt/Main 1992, S.354f.

[40]) Olaf Groehler: Die Kriege Friedrichs II., 5. Auflage, Berlin (Ost) 1989, S.41ff, 83ff.

[41]) Ernst Heinrich Schmidt: Zur Genesis des konzentrischen Operierens mit getrennten Heeresteilen im Zeitalter des ausgehenden Ancien Régime, der Französischen Revolution und Napoleons, S.59. In: Ausgewählte Operationen und ihre militärischen Grundlagen, i.A. des MGFA hrsg. von Hans-Martin Ottmer und Heiger Ostertag, Herford, Bonn 1993, S.51-105.

[42]) Groehler: Friedrich II, (wie Anm. 40), S.142.

[43]) Ebenda, S.140.

[44]) Schmidt: Genesis des konzentrischen Operierens, (wie Anm. 41), S.70ff.

[45]) Ebenda, S.84ff.

[46]) Loch, Zacharias: Königgrätz 1866, (wie Anm. 13), S.711.

[47]) Ebenda, S.711-713.

[48]) Artikel „Ernst (General)“ siehe Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 48 (1904), S.402f.

[49]) Dies geht aus dem Briefwechsel zwischen beiden hervor. Benedek und Gablenz duzten sich nicht nur, sondern pflegten regelmäßigen privaten Kontakt, vgl. dazu als Beispiel zwei Briefe vom Februar 1866, Friedjung: Benedeks nachgelassene Papiere (wie Anm. 31), S.333f.

[50]) Zu Gablenz siehe Carl Junck: Aus dem Leben des k.k. Generals der Cavallerie Ludwig Freiherrn von Gablenz, Wien 1874; vgl. auch Artikel „Gablenz“ in: ADB, Bd. 8 (1878), S.288ff.

[51]) Armeebefehl vom 2. Juli 23.00 Uhr. In: Österreichs Kämpfe im Jahre 1866. Nach Feldacten bearbeitet durch das k.k. Generalstabs-Bureau für Kriegsgeschichte, Bd. 3.2, Wien 1868, S.244ff.

[52]) Österreichs Kämpfe (wie Anm. 51), Bd. 3.1, S.228.

[53]) Zur Reputation Alberts und der Sächsischen Armee vgl. Jan Hoffmann: Die sächsische Armee im Deutschen Reich 1871 bis 1918, unveröffentlichte Diss, Dresden 2007, S.20f. In der älteren Literatur Oscar von Lettow-Vorbeck: Geschichte des Kriegs von 1866, 3 Bde, Berlin 1910, Bd. 2, S.380. Zu den Kämpfen 1866 vgl. Oscar Schuster, F.A. Francke: Geschichte der Sächsischen Armee von deren Errichtung bis auf die neueste Zeit, 3. Tl, Leipzig 1885, S.102-115 oder Paul Hassel: Aus dem Leben des Königs Albert von Sachsen, Berlin 1900, Bd. 2, S.292ff.

[54]) Österreichs Kämpfe (wie Anm. 51), Bd. 3.2, S.264.

[55]) Eine Simplifizierung wie bei Rössler: Deutsche Geschichte (wie Anm. 30), S.518: „…diese [die Österreicher] wurden am 3. Juli bei Königgrätz eingekreist und durch das überlegene Feuer des preußischen Zündnadelgewehrs so furchtbar dezimiert, daß sie sich unter Deckung der Sachsen zurückziehen mußten, bis kurz vor Wien“ geht dennoch bei allem Stolz auf die sächsischen Waffentaten zu weit und zeugt von mangelnder Sachkenntnis.

[56]) Der Telegrammwechsel zwischen Wien und dem Armeeoberkommando siehe Österreichs Kämpfe (wie Anm. 51), Bd. 3.1, S.229ff.

[57]) Artikel „Gondrecourt“ siehe Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950 (ÖBL), hrsg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Bd. 2 (1959), S.32.

[58]) Alter: Feldzeugmeister Benedek (wie Anm. 27), S.264f. Auch Friedjung: Vorherrschaft (wie Anm. 19), Bd. 2, S.28ff.

[59]) Artikel „Ramming“ siehe ADB, Bd. 27 (1888), S.215ff; siehe auch die biographische Abhandlung Wilhelm von Ramming: Der Feldzug in Ungarn und Siebenbürgen im Sommer des Jahre 1849, Pest 1850.

[60]) Benedek und Ramming hatten ein gespanntes Verhältnis, was nach Friedjung in der völlig gegensätzlichen Natur beider begründet lag: Benedek als der „geborene“ Truppenführer, Ramming als der „intellektuelle“ Generalstabsoffizier. Vgl. Friedjung: Benedeks nachgelassene Papiere (wie Anm. 31), S.299ff. Dennoch bescheinigt Benedek Ramming „alle intellektuellen Eigenschaften zu jedweder Dienstesverwendung“, ebenda, S.300.

[61]) Ebenda, S.300.

[62]) Alter: Feldzeugmeister Benedek (wie Anm. 27), S.283ff, siehe auch Friedjung: Vorherrschaft (wie Anm. 19), Bd. 2, S.52ff.

[63]) Ramming verlor fast 5.700 Mann, mithin 25 Prozent seines Personalbestandes, siehe Alter: Feldzeugmeister Benedek (wie Anm. 27), S.287.

[64]) Benedek war bei allen seinen Siegen als tapferer „Führer von vorn“ stets dort zu finden. Auch am 3. Juli 1866 führte er den ersten Gegenstoß auf Chlum persönlich, vgl. Österreichs Kämpfe (wie Anm. 51), Bd. 3.2, S.346, auch Alter: Feldzeugmeister Benedek (wie Anm. 27), S.429f.

[65]) Craig: Königgrätz (wie Anm. 18), S.159f.

[66]) Artikel „Festetics“ siehe ADB, Bd. 48 (1904), S.523f.

[67]) Alter: Feldzeugmeister Benedek (wie Anm. 27), S.333ff.

[68]) Artikel „Thun, Karl (55)“ siehe Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich, hrsg. mit Unterstützung durch die kaiserliche Akademie der Wissenschaften von Constantin von Wurzbach, Bd. 45 (1882), S.30f.

[69]) Artikel „Mollinary“ siehe Neue Deutsche Biographie, hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Bd. 18 (1996), S.3f.

[70]) Artikel „Philippovic“ siehe ADB, Bd. 53 (1907), S.54f.

[71]) Beide erreichten den Rang eines Feldzeugmeisters und höchste Positionen im k.k. Militär: Mollinary als kommandierender General in verschiedenen Militärbezirken, desgleichen Philippovic, der zudem noch die Okkupationstruppen in Bosnien-Herzegowina 1878 befehligte. Philippovics Bruder Franz brachte es ebenfalls zum Feldzeugmeister, vgl. Artikel „Philippovich von Phillipsberg, Franz Frh.“ In: ÖBL, Bd. 8 (1983), S.44.

[72]) Er verlor den linken Fuß und wurde vom Schlachtfeld getragen. Vgl. Österreichs Kämpfe (wie Anm. 51), Bd. 3.2, S.294.

[73]) Benedek gibt gegen 10 Uhr dem IV. Korps (Mollinary) den Befehl, den Angriff abzubrechen, der jedoch nicht befolgt wird. Gegen 11.30 Uhr wird der Befehl wiederholt, aber immer noch nicht ausgeführt. Mollinary versucht persönlich, Benedek umzustimmen. Erst der erneute Befehl Benedeks von Angesicht zu Angesicht bewirkt, dass Mollinary, wenn auch nur halbherzig, den Rückzug einleitet. Vgl. Österreichs Kämpfe (wie Anm. 43), Bd. 3.2, S.310ff.

[74]) Vgl. Anton Mollinary de Monte Pastello: Studien über die Operationen und Tactique der Franzosen im Feldzuge 1859 in Italien, Wien 1864, S.129f.

[75]) Vgl. Richard Apfelauer: Feldzeugmeister Anton Freiherr Mollinary von Monte Pastello und seine „Sechsundvierzig Jahre im österreichisch-ungarischen Heere 1833-1879“. Eine Studie zur Beurteilung militärischer Autobiographien, Staatsprüfungsarbeit Institut für österreichische Geschichtsforschung, Wien 1980, S.109.

[76]) Vgl. Kurt Peball: 1866 - Der Krieg und seine historische Symptomatik. In: Militärgeschichte, Militärwissenschaft und Konfliktforschung. Eine Festschrift für Werner Hahlweg, Professor für Militärgeschichte und Wehrwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster zur Vollendung seines 65. Lebensjahres am 29. April 1977, hrsg. von Detlef Bradley und Uve Marvedel Osnabrück 1977 (=Studien zur Militärgeschichte, Militärwissenschaft und Konfliktforschung, 15), S.346. Noch deutlicher Apfelauer: Feldzeugmeister Anton Freiherr Mollinary (wie Anm. 75), S.199.

[77]) Vgl. Anton Mollinary von Monte Pastello: Sechsundvierzig Jahre im österreichisch-ungarischen Heere 1833-1879, 2 Bde, Zürich 1905, Bd. 2, S.163 erstmals, auch S 171f.

[78]) „Erst meinte ich, meinen Sinnen nicht trauen zu sollen; dann aber überkam mich große Niedergeschlagenheit über die Rat- und Hilflosigkeit, in welcher ich in einem so ernsten und folgenschweren Momente den Mann sehen musste, der die Geschicke Österreichs in seiner Hand hielt.“ Vgl. Mollinary: Sechsundvierzig Jahre (wie Anm. 77), Bd. 2, S.166. Mollinary macht Benedek allein dafür verantwortlich, indem er ihm unterstellt, die einfachen Soldaten der Generalität vorgezogen zu haben, S.173f. Mollinary wirft also Benedek indirekt genau das vor, was dieser ihm in seiner Beurteilung vom 16. Januar 1866 vorhielt, vgl. die Beurteilung Mollinarys durch Benedek nach Apfelauer: Feldzeugmeister Anton Freiherr Mollinary (wie Anm. 67), S.109.