"Blue Helmet Forum" an der Landesverteidigungsakademie: "Protection of Cultural Heritage in Peace Operations"

Wien, 27. September 2019  - Am 26. und 27. September stand die Landesverteidigungsakademie ganz im Zeichen des Schutzes von kulturellem Erbe in militärischen Friedenseinsätzen. 40 Vortragende und Teilnehmer aus Amerika, Dänemark, dem Libanon, Italien, Kroatien, der Slowakei und Österreich hatten beim "Blue Helmet Forum 2019" Gelegenheit, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Eröffnet wurde die Veranstaltung durch den Präsidenten der Vereinigung der Österreichischen Peacekeeper, General in Ruhe Günther Höfler, und deren Ehrenpräsident, General in Ruhe Günther Greindl.

Schutz von bedrohten Kulturgütern

In bewaffneten Konflikten ist der Schutz von Kulturgut eine völkerrechtliche Verpflichtung. Die Zerstörung von kulturellem Erbe führt zu Entwurzelung, Menschen verlieren ihre Perspektiven und so auch ihre Identität. In der Post-Konflikt-Phase ist es aber genau dieses Erbe, dass für einen Wiederaufbau und die Stiftung einer gemeinsame kulturellen Identität Grundlage ist. Verschiedenste Organisationen und Einrichtungen wie auch "Blue Shield" haben es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, die Bedeutung des Kulturgüterschutzes weltweit zu thematisieren.

Internationale Bewusstseinsbildung

Karl Habsburg-Lothringen, Präsident von "Blue Shield International", sprach über die Notwendigkeit, den Kulturgüterschutz nicht nur während und nach Konflikten zum Thema zu machen, sondern den Vorgaben der Haager Konvention von 1954 und den Zusatzprotokollen auch außerhalb bewaffneter Konflikte nachzukommen. Weitere Kulturgüterschutzexperten wie Frederic Rosen vom "Nordic Center for Cultural Heritage and Armed Conflict" oder Joseph Kreidi von der UNESCO in Beirut untermauerten diese Aufforderung.

Schulungen für Soldaten

Die renommierte US-amerikanische Anthropologin und Archäologin Laurie Rush gilt als Spezialistin auf dem Gebiet des Kulturgüterschutzes in Krisengebieten. Rush arbeitet hierbei für die US-Army und beschäftigt sich dabei speziell mit dem Umgang mit kulturellem Erbe in allen Phasen von bewaffneten Konflikten. Dabei kann sie auf Einsatzerfahrung im Irak und in Afghanistan zurückgreifen. Diese wertvollen Erkenntnisse lässt sie in ihrem Wirkungsfeld bei der spezifischen Einsatzvorbereitung von amerikanische Soldaten einfließen. 

Weitreichender Kulturgüterschutz

Italien ging bereits vor 50 Jahren den Schritt und gründete eine eigene Einheit, die sich mit dem Schutz von kulturellem Erbe im Inland und im Ausland befasst. Hauptmann Tiziano Coiro von der Carabinieri-Dienststelle zum Schutz des Kulturerbes präsentierte dabei den Aufbau, die Aufgaben und die Erfolge dieses Kommandos.

Auch ein EU-Projekt, das sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf kulturelles Erbe beschäftigt, wurde in diesem Rahmen präsentiert. Anna Kaiser von der Donau-Universität Krems ging dabei auf die Aufstellung und die Fähigkeiten von "Cultural Heritage Rescue Teams" und deren möglichen Rolle bei der Zusammenarbeit mit dem Militär ein. In diesem Bereich bereits durchgeführte Übungen zeigen klar den Mehrwert solcher Elemente auf.

Generalleutnant in Ruhe Günter Höfler eröffnet das Forum.

Expertenrunde zum Kulturgüterschutz.

Karl Habsburg und Laurie Rush im Gespräch.

Hauptmann Tiziano Coiro präsentiert die Carabinieri TPC.

Anna Kaiser über "Cultural Heritage Rescue Teams".