Die Fragmentierung des Iraks und ihre sicherheitspolitischen Auswirkungen

Stephan Maninger


„I’ll see you guys in New York.“
Der spätere „Kalif“ Abu Bakr al-Baghdadi zum Wachpersonal bei seiner Freilassung 2009

 

Die Entstehung des so genannten „Kalifatstaates“ 2014 - als Ergebnis des 2003 begonnen Irakkonfliktes - hat nicht nur Staatsgrenzen im Nahen Osten aufgehoben, sondern auch Auswirkungen auf Europas sicherheitspolitische Lage. Die Befreiung und Demokratisierung des Irak als Modell für den gesamten Nahen Osten erwies sich als undurchführbar, und darüber hinaus scheint es, als hätte dieser Teil des US-strategischen Kerns sogar zu einer Destabilisierung der Region beigetragen. Der globale Rückzug der USA, eingeleitet durch eine versöhnlich gemeinte Rede des US-Präsidenten Barack Obama an der Kairoer Universität 2009, hat ein weltweites Sicherheitsvakuum entstehen lassen. Dies hat es den dschihadistischen Kräften ermöglicht, sich nicht nur von den schweren Rückschlägen des vorherigen Jahrzehnts zu erholen, sondern 2014 auch eine geographische Basis zu erlangen, die als „Kalifat“ bezeichnet wird und aus den sunnitischen Teilen Iraks und Syriens besteht.
Entstehungsgeschichte, Folgen und Handlungsoptionen sind Gegenstände der folgenden Betrachtung.

Die strukturelle Instabilität des Irak

Beobachter mögen sich streiten, ob die Ursachen für die Fragmentierung, in deren Verlauf die östlichen Teile Syriens und die westlichen Teile des Irak Mitte 2014 zum Kernland eines ausgerufenen Kalifats wurden, im Abzug der amerikanischen Streitkräfte aus dem Irak 2011 liegen oder aber der Grundstein dafür schon durch den Irakkrieg selbst 2003 gelegt wurde. Andere mögen die nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches 1916 künstlich gezogenen Kolonialgrenzen bzw. den Kolonialismus als Ganzes anführen, um Erklärungen für die heutige Lage zu finden. Alle diese Faktoren spielen eine Rolle, wenngleich folgende entscheidender sind, dafür aber seltener Erwähnung finden: die Bevölkerungskonstellation und die strategischen Ziele der Intervenierenden.

Die Bevölkerungskonstellation

Der Irak ist - wie auch Syrien - ein Vielvölkerstaat, und als solcher handelt es sich nicht nur um ein künstliches Kolonialkonstrukt, sondern auch um eine wichtige Bruchlinie zwischen dem schiitischen und dem sunnitischen Islam. Das Spannungsverhältnis zwischen den zahlenmäßig wichtigsten Akteuren Schiiten, Sunniten und Kurden beruht neben den religiösen auch auf soziologischen Gegebenheiten. Dazu zählen enge substaatliche Identifikationsradien, bei denen oft Stammes- bzw. Clanloyalitäten ausschlaggebend sind und die jedem Versuch eines „Nation building“ entgegenwirken. Ein Gesellschaftsvertrag im westlichen Sinne, geschweige denn eine belastbare irakische Nationalidentität, hat sich somit kaum in ausreichendem Maß entwickelt, da die ethnokulturelle Vielfalt des „Staatsvolks“ jeder nachhaltigen Identifikation mit dem zentralen Nationalstaat im Wege steht. Schon Saddam Hussein schlug Aufstände von Schiiten oder Kurden nieder, die weniger gegen seine politische Ideologie gerichtet waren als gegen die Herrschaft seiner Sunniten. Westliche Kommentatoren bevorzugen es hingegen häufig, möglicherweise aufgrund einer vom Zeitgeist bestimmten Abneigung gegenüber ethnonationalistischen oder gar stammesarchaischen Bewegungen oder Moitvationsmustern, solche Aufstände als Indiz für Demokratiebestrebungen zu verklären.
Diese Sicht verdeckt häufig die Tatsache, dass die gesamte Region sich durch ihre fremdbestimmten Kolonialgrenzen in einem konfliktfördernden Zustand benachbarter „Völkergefängnisse“ befindet, die die internationale Gemeinschaft erhalten möchte, indem sie Abspaltungstendenzen grundsätzlich ablehnt und so genannte „Power sharing“-Modelle propagiert. Die dauerhafte Überwindung ethnoreligiöser Loyalitäten zugunsten einer tragfähigen westlichen Demokratie blieb bisher aus, weil das Wahlverhalten im Irak sich entlang ethnischen Loyalitäten orientiert und dadurch die zahlenmäßig überlegene schiitische Bevölkerung über eine strukturelle Mehrheit verfügt. Dies führte v.a. nach dem Abzug der USA zur endgültigen Marginalisierung der Sunniten und der ohnehin separatistischen Kurden. Beide Gruppen mussten erkennen, dass Demokratie als Regierungsform der Wahrung ihrer Partikularinteressen nicht zuträglich ist. Der Erhalt des Irak als Einheitsstaat ist unter diesen Voraussetzungen illusorisch oder wäre nur durch eine dauerhafte Präsenz externer Akteure zu erzwingen.

Die strategischen Ziele der Intervenierenden

Zwei intervenierende Kräfte spielten im Irak ab 2003 eine maßgebliche Rolle, nämlich die westliche Koalition und der Iran. Beide führten bzw. führen im Irak Stellvertreterkriege, während sie dennoch seit Ende 2014 gezwungenermaßen, wenn auch nur taktisch, gegen die Kräfte des „Islamischen Staates“ kooperieren.

Die Ziele der USA und des Westens

Die internationale Kontroverse um den Besitz von Massenvernichtungswaffen und eine unterstellte Zusammenarbeit mit Al Qaida führte 2003 zum Einmarsch der USA und ihrer Verbündeten in den Irak. Der Angriff beruhte auf einer Mischung aus unzutreffenden Annahmen über die Bedrohung, die von einem durch Saddam Hussein regierten Irak ausging, und dem Ziel, durch dessen Sturz („regime change“) und eine darauf folgende Demokratisierung des Irak eine positive Kettenreaktion für den gesamten Nahen Osten auszulösen. Durch den damit errungenen Erfolg des westlichen politischen und wirtschaftlichen Modells sollte regionalen islamistischen Tendenzen nachhaltig entgegengewirkt werden.
Die strategische Logik der USA wurde maßgeblich durch die schleichende Verschlechterung der regionalen Lage bestimmt. Islamisten gewannen nicht nur immer mehr an Einfluss, sondern nutzten die vermeintlichen humanitären Folgen der internationalen Sanktionen gegen den Irak als Propagandamittel. Gleichzeitig war es Saddam gelungen, die Wirkung der Sanktionen abzufedern, in Teilen zu unterlaufen und sich so zunehmend aus der Isolation zu winden.1) Dies war eine Entwicklung, die die Bush-Regierung nicht länger dulden und auch gleichzeitig nutzen wollte. Denn es bot sich die Gelegenheit, die strategische Initiative zu ergreifen und den Islamismus in der Herkunftsregion zu bekämpfen, indem das westliche Erfolgsmodell „Demokratie und Marktwirtschaft“ zum Einsatz käme. Al Qaida würde ihre Ressourcen verstärkt im Kampf um den Irak investieren und dadurch ihre Operationen im Westen herunterfahren müssen.2) Außerdem wäre der Iran im Erfolgsfalle wieder mit einem amerikanischen Verbündeten an seiner Westgrenze konfrontiert, dessen Ziel die Aufgabe des iranischen Nuklearwaffenprogramms wäre und von dessen Territorium möglicherweise ein Sturz des Mullah-Regimes ausgehen könnte.
Eine weit verbreitete geopolitische Erklärung des Irakkrieges, der medial oft zitierte „Krieg um Öl“, hat sich inzwischen als unzutreffend erwiesen, da mehr als die Hälfte der Ölproduktion 2013 durch chinesische Firmen kontrolliert wurde.3) Wobei ein Krieg um Öl, eine strategische Ressource, möglicherweise realistischer gewesen wäre als ein Krieg zur Errichtung eines westlichen Brückenkopfes im islamischen Kulturkreis. Eine „Zwangsdemokratisierung“ in einer Region, die jeglicher demokratischer Tradition entbehrt, riskiert fast immer, dass sie als „Fremdprodukt“ wahrgenommen wird.
Die Faktenlage nach dem Sieg über Saddam Hussein widerlegte allerdings die Behauptung, dass der Irak weiterhin im Besitz seiner zuvor gegen Schiiten und Kurden zum Einsatz gebrachten Massenvernichtungswaffen sei. Für die USA bedeutete dies einen schwerwiegenden Glaubwürdigkeitsverlust und außen- wie innenpolitischen Schaden.
Die Ziele der USA änderten sich unter der Bush-Regierung nur insofern, als die ursprüngliche Annahme, Demokratie und Marktwirtschaft seien mehr oder weniger Selbstläufer, als fehlerhaft erkannt wurde. Den USA als „Schmelztiegel“ fehlte jegliches Verständnis für Ethnopolitik und somit auch für den Erfolg der ethnisch basierten Parteien an den Wahlurnen.4) Es wurde zunächst weder ein Aufstandsszenario erwartet noch ein „Nation building“-Programm vorgesehen, sondern lediglich die Übergabe an eine gewählte Regierung. Die Ereignisse zeigten, dass hier erhebliche Strategiekorrekturen erforderlich waren. Doch eine grundsätzliche Verschiebung zu einer Territoriallösung fand nicht statt, selbst dann nicht, als die Lage 2013/14 einer De-facto-Aufhebung der Staatsgrenzen gleichkam.
Nach dem Antritt der Obama-Regierung 2009 kam es lediglich zur politischen Entscheidung eines Truppenabzugs um jeden Preis. Zu diesem Zeitpunkt erlaubte die relative Stabilität des Landes dem US-Präsidenten den Spielraum, sein Wahlversprechen, nämlich die Beendigung des Irakkrieges, umzusetzen. Warnungen seiner Sicherheitsberater und des Verteidigungsministers Leon Panetta, dass eine Sicherheits- bzw. Unterstützungstruppe von mindestens 5.000 Mann erforderlich sei, um die erzielten Erfolge auf dem Schlachtfeld nicht zu gefährden, fanden wenig Gehör.5) Als sich die Verhandlungen mit der irakischen Regierung um den rechtlichen Status einer solchen Truppe als schwierig erwiesen, ordnete Obama den Rückzug an und verabschiedete sich so endgültig von den strategischen Zielen seines Vorgängers.

Die Ziele des Iran

Der Iran gilt als inoffizieller Interventionsakteur, dessen Unterstützung maßgeblich zu den Aufständen der irakischen Schiiten nach 2003 beitrug. Die erfolgreiche Invasion des Irak stellte eine klare Bedrohung für den Iran als schiitische Theokratie dar.6) US-amerikanische Truppen bzw. Stützpunkte würden nicht nur eine militärische Bedrohung bedeuten, sondern sich auch innenpolitisch auswirken und Oppositionsgruppen erstarken lassen. Im Verlauf des Kriegsgeschehens nutzte der Iran jede Gelegenheit, teilweise durch logistische und finanzielle Hilfe an schiitische Milizen, teilweise durch eingeschleuste Spezialkräfte, die US-Truppen zu bekämpfen und somit seinen Einfluss in den schiitischen Gebieten auszubauen. Es bestand ein strategisches Interesse sowohl an der territorialen Ausweitung in die schiitischen Teile des Landes hinein als auch an der Ausschaltung jener exil-iranischen Volksmudschaheddin (PMOI), die von irakischem Gebiet aus operierten.7)
Der Iran hatte bis 2011 folgende strategische Ziele erreicht:
- Die demokratisch legitimierte Regierung in Bagdad war aufgrund der strukturellen Schiitenmehrheit grundsätzlich iranfreundlich.
- Die Sunniten waren geschwächt, da sie nicht nur durch die Invasion der USA ihre Macht verloren hatten, sondern durch die Maliki-Regierung nach dem Abzug der USA noch mehr marginalisiert wurden.
- Irans eigene Widerstandsbewegung verlor ihren geographischen Rückzugsraum und wurde neutralisiert.
- US-Truppen standen nicht mehr an der irakisch-iranischen Grenze.
Der Iran war somit, bis zur Entstehung des IS, der Sieger dieses Konfliktes.

Der Kriegsverlauf

Die konventionelle Phase des Krieges vom 19. März bis zum 9. April 2003 war begrenzt auf einen schnellen und vergleichsweise verlustarmen Feldzug, bei dem die irakische Armee schnell geschlagen wurde. Am 1. Mai erklärte US-Präsident Bush offiziell den erfolgreichen Abschluss des Kampfauftrags.

Der Aufstand

Bei Interventionen in multiethnischen Staaten ist in der postkonventionellen Phase der Militäroperationen grundsätzlich mit multiplen Aufstandsszenarien zu rechnen, da die jeweiligen ethnonationalistischen Akteure sich neu positionieren. Der Wechsel vom Restwiderstand eines geschlagenen Regimes in die Aufstandsszenarien eines fragmentierenden Staates, mit mehreren eigenständigen Akteuren, war kein Ereignis, sondern ein Prozess. Der überwältigende Sieg auf dem konventionellen Schlachtfeld stand im krassen Gegensatz zu der Ratlosigkeit, mit der die westlichen Verbündeten auf die veränderte Lage der „Phase IV“ reagierten - jener turbulenten Phase unmittelbar nach der Niederlage eines Regimes und vor dem Aufbau einer neuen Ordnung. Die Interventionskoalition sah zu diesem Zeitpunkt noch kein „Nation building“-Programm vor, weil fälschlicherweise von der Existenz einer selbstbestimmenden irakischen Nation und einem funktionalen Staatsapparat ausgegangen wurde.8) Die Entstehung eines Machtvakuums war dabei nicht vorgesehen. Der daraus resultierende Bürgerkrieg vollzog sich in zwei Stadien: der chaotischen Phase, die fast mit der Niederlage der Koalition endete, und der Aufstandsbekämpfungs- bzw. Terrorismusbekämpfungsphase.

Die Chaosphase

Durch die Auflösung der staatstragenden Baath-Partei Saddam Husseins und des irakischen Militärs wie auch durch die Entlassung der überwiegend sunnitischen Offiziere war die Ordnung in vielen irakischen Städten zusammengebrochen. Die Koalitionskräfte sahen sich mit der Aufgabe konfrontiert, als Außenseiter die inneren Sicherheits- und Regierungsaufgaben zu übernehmen, ohne allerdings die Konflikthistorie oder -kultur des Landes zu kennen. Das Aufgabenspektrum erweiterte sich auf Polizei- bzw. Ordnungsaufgaben wie auch auf die Instandhaltung von Infrastrukturen und Diensten. Das „Entbaathisierungsprogramm“ verhinderte dabei den Einsatz von erfahrenen Staatsdienern, und es entstand eine Regierbarkeitslücke, die durch US-Beamte und Militärs unter der Leitung von Paul Bremer als „Coalition Provisional Authority“ provisorisch gefüllt werden sollte.
Neben einer Zunahme von Kriminalität bildeten sich sunnitische und schiitische Extremistengruppen. Auf der Seite der Sunniten bildeten sich zwei Bewegungen, eine säkulare und eine religiöse, die sich zuvor in den Norden und Westen der Hauptstadtregion, das „Sunni-Dreieck“ zwischen Bagdad, Ramadi und Tikrit, zurückgezogen und neu gruppiert hatten.9) Beide verfolgten die Ziele, die Besatzung durch die westliche Koalition zu beenden und gleichzeitig den sunnitischen Machtverlust zu verhindern.
Die religiöse Bewegung, an oberster Stelle „Al Qaida im Irak“ (AQI) unter der Führung des Jordaniers Abu Musab Al-Zarkawi, verfolgte ein zusätzliches Ziel: die Gründung eines Gottesstaates als militärischer Stützpunkt für Al Qaida.10) AQI bediente sich zur Finanzierung ihrer Aktivitäten von Anfang an der Kriminalität, darunter Entführungen, Raub, Erpressung und Diebstahl. Al-Zarkawi konnte auf seine eigene kriminelle Vergangenheit zurückgreifen, hatte Verbindungen in die grenzübergreifende organisierte Kriminalität und nutzte diese zur Sicherung seiner Logistik.
Die Baathisten praktizierten den Einsatz von improvisierten Sprengsätzen und Heckenschützen, überwiegend gegen die Besatzungstruppen und Kollaborateure. AQI spezialisierte sich hingegen auf Zivilziele und spektakuläre Hinrichtungen von Geiseln unter Einsatz moderner Medien. Bevorzugtes und wirksamstes Mittel waren dabei die Autobomben der Selbstmordattentäter. Während zu den beliebten Erklärungen eines Selbstmordanschlags der Glaube gehört, dass es sich um eine Verzweiflungsreaktion auf die fremde Besatzung handle,11) waren viele Selbstmordattentäter keine Einheimischen und die meisten Opfer keine Fremden. Ihre bevorzugten Ziele waren Heiligtümer und Menschenansammlungen der schiitischen Mehrheit. Über den Zeitraum 2003 bis Anfang 2008 kam es im Irak zur größten Anzahl von Selbstmordanschlägen in der bisherigen Geschichte der Menschheit, mit über 10.000 Toten.12)
Auf Seiten der Schiiten galt 2003 noch als das Jahr der Befreiung oder zumindest der Entmachtung der sunnitischen Minderheit. Der Einfluss des heimgekehrten Exilirakers Ayatollah Ali al-Sistani schien von der Euphorie des Wandels getragen. Er empfahl Bremer die schnelle Umsetzung der Demokratisierungsabsichten. Bremer gehörte jener Denkschule an, die davon überzeugt ist, dass Demokratie eine Art natürliches „Gegengift“ gegen Extremismus darstellt.13) Auf schiitischer Seite, als Mehrheitsbevölkerung, wurde daher ein Machttransfer abgewartet, der durch demokratische Mittel vollzogen werden konnte. Die schiitischen Milizen der „Mahdi-Armee“ um Al-Sadr bildeten sich erst durch den Verlust des Sunni-Dreiecks und aufgrund der zahlreichen anti-schiitischen Anschläge.
Eine weitere Eskalation der Lage deutete sich durch verstärkte Angriffe gegen Koalitionstruppen ab Mitte 2003 an. Dabei zeigte sich, dass die verfügbaren Truppen, v.a. die des US-Heeres, für die Aufstandsbekämpfung ungeeignet ausgebildet, ausgestattet und aufgestellt waren. Überwiegend mechanisiert und ausgebildet, gegen konventionelle Gegner zu kämpfen, fehlten die erforderlichen Fähigkeiten für infanterieintensive, urbane und kulturell komplexe Operationen. In Aufstandsbekämpfungslagen verschieben sich die Maßstäbe, und Soldaten sind im Einsatz mit folgenden Aspekten konfrontiert, die sich durch die „Politisierung“ ihres Handelns von konventionellen Lagen unterscheiden und durch moderne Informationstechnologie noch verstärkt werden:
- Die Verschiebung der Führungsebenen, wobei Echtzeitübertragungen die operativen und strategischen Ebenen zu taktischem Mikromanagement verleiten. Gleichzeitig ist die Entscheidung eines taktischen Kommandeurs oder gar einzelner Soldaten möglicherweise von strategischer Auswirkung auf den weiteren Verlauf des Konfliktes, weil die nahezu zeitgleiche mediale Verbreitung ein taktisches Ereignis auf die strategische bzw. politische Ebene hebt, wie beispielsweise der Abu Ghraib-Vorfall zeigt.14)
- Gefechtsrichtlinien, die - häufig aufgrund der hier erwähnten Verschiebung - politischer Natur sind und taktische Hürden darstellen oder gar Einsatzkräfte gefährden.
- Die Verschiebung des Fokus, weg von der Zerstörung des Gegners, hin zum bevölkerungszentrierten Ansatz. Das bedeutet: die Sicherheit der Zivilbevölkerung und der Staatsfunktion gewährleisten.
Dabei konnten sich Lagen von irregulären zu quasikonventionellen Szenarien entwickeln, an deren jeweilige Erfordernisse sich Soldaten anpassen mussten. Im März 2004 kam es beispielsweise zu einer Eskalation der Lage um Falludscha, bei der die Stadt von circa 2.000 Aufständischen übernommen und befestigt wurde. US-Interventionskräfte wurden angewiesen, die schon laufende Gegenoperation zu unterbrechen, weil sunnitische Politiker damit drohten, die Zusammenarbeit mit Bremers Übergangsrat zu beenden und dieser dadurch den Demokratisierungsprozess bedroht sah. Somit wurde eine Lage von der operativen auf die strategische und politische Ebene gehievt. Das bewirkte politisch ein Ergebnis, zu dessen Erzielung die aufständischen Sunniten militärisch nicht in der Lage gewesen wären. Dieser Schritt wirkte sich nämlich nicht nur mobilisierend unter den Sunniten aus, die darin Schwäche erkannten, sondern ermunterte einen weiteren Aufstand, diesmal im schiitischen Süden. Hier hatte ein schiitischer Geistlicher, Muktada al-Sadr, im April seine eigene Miliz im Raum Nadschaf zum Einsatz gebracht. Der Aufstand weitete sich schnell auf Bagdad, Kirkuk, Kerbala, Basra und zahlreiche andere Orte aus. Die Schiiten waren zwar de facto an der Macht, doch auch sie lehnten die Anwesenheit fremder Soldaten im Irak ab. Umfragen ergaben, dass zu diesem Zeitpunkt mittlerweile 89% aller Iraker die Koalitionstruppen als „Besatzer“ betrachteten. Insgesamt stieg die Anzahl der Anschläge von 200 wöchentlich auf 500. Sie breiteten sich auf Ramadi und Samarra aus, während Falludscha und Umgebung zu einer operativen Al Qaida-Basis ausgebaut wurde.15) Zwei Aufstände drohten das Land zu spalten. Die Koalitionskräfte, in erster Linie Briten und Amerikaner, befanden sich unvorbereitet in einem asymmetrischen Aufstandsszenario, in dem das Moraldilemma moderner Kriege zum Tragen kommt und das Medienzeitalter zudem die klassischen Regeln des Krieges verändert. Die auf dem Grundsatz der Gegenseitigkeit beruhenden Kriegsregeln (Kriegsrecht) zwischen Nationen gelten darin nicht.16) Die Kriegführung des nichtstaatlichen Akteurs, des asymmetrisch vorgehenden Gegners, ist häufig eine Aneinanderreihung von Gräueltaten und spiegelt eher die Regellosigkeit vorstaatlicher Epochen.
Am 28. Juni 2004 wurde das Land unter einer Übergangsregierung, die durch Premierminister Ayad Allawi geführt wurde, in die Unabhängigkeit entlassen. Durch die schiitisch dominierte Regierung und den durch US-Streitkräfte erfolgten Neuaufbau eines 300.000 Mann starken Sicherheitsapparates gelang es immerhin, die Mahdi-Milizen zur Selbstauflösung zu bewegen. Ausschlaggebend mag dabei gewesen sein, dass sich die Schiiten ohnehin mittels der Wahlurne die politische Macht sichern würden, während die bisherigen Angriffe gegen die Alliierten mit hohen Verlusten einhergegangen waren und al-Sadr am 24. Juni zur Einstellung der Kampfhandlungen aufrief und die Miliz nur noch sporadisch in Erscheinung trat. Falludscha hatte sich hingegen zu einer Festung entwickelt, verstärkt durch Tausende zusätzliche Aufständische. Es erforderte einen sechswöchigen Angriff im November und Dezember des gleichen Jahres, um die Stadt den Aufständischen zu entreißen. Das US-Militär ging mit konventionellen Kräften vor und eroberte im zähen Häuserkampf die Stadt.17) Dabei kam ihnen zugute, dass sie über die erforderlichen Kräfte und Mittel verfügten, darunter schweres Gerät. Panzer und gepanzerte Mannschaftstransportwagen erwiesen sich als alternative „Artillerieplattformen“, die den Vormarsch der Infanterie ermöglichten. Ungefähr 2.000 der circa 6.000 Aufständischen starben in den Trümmern.
Jetzt zeigte sich, dass die Auflösung der irakischen Armee 2003 ein schwerer Fehler gewesen war, denn die Leistungen der eilig aufgestellten Bataillone der „Nationalgarde“ erwiesen sich als sehr unterschiedlich. Während die kurdischen „Peschmerga“ und auch einige schiitische Einheiten gute Kampfleistungen erbrachten, verweigerten sich die sunnitischen Truppen fast gänzlich. Diese betrachteten die Regierung in Bagdad als eine iranisch gesteuerte Schiitendominanz, während sie gleichzeitig in den Aufständischen ihre Stammesbrüder und Verwandten sahen. Von insgesamt sieben sunnitischen Bataillonen in der Anbar-Provinz waren bis Ende Oktober 2004 lediglich zwei Kompanien noch nicht desertiert.18) Ethnoreligiöse Loyalitäten hatten gesiegt, der Irak war zu diesem Zeitpunkt schon de facto in seine jeweiligen ethnoreligiösen Bestandteile fragmentiert.
Die Wahlergebnisse des Jahres 2005 hatten die schiitische Macht weiter zementiert, und die Mehrheit der Sunniten lehnte daher auch die neue Regierung ab.19) Ab 2006 verschlechterte sich die Lage dermaßen, dass eine Niederlage der Koalitionstruppen zu befürchten war. „Al Qaida im Irak“ (AQI) verübte am 22. Februar einen Anschlag auf die „goldene Moschee“ in Samarra, was zu einer Welle der „ethnischen Säuberung“ in Bagdad führte, bei der Schiiten circa 30.000 Sunniten aus den gemischten Wohngegenden der Stadt vertrieben. Schiiten bildeten Todesschwadronen, um Sunniten zu töten. Sie beschworen wieder die schiitische Tradition des „Mahdi“ und führten gleichzeitig einen messianischen Aufstand gegen die Koalitionstruppen in den schiitischen Gebieten. Unterstützt wurden sie dabei durch den Iran. Im Vergleich zum Vorjahr verfünffachte sich die Anzahl der Zivilopfer auf über 25.000. Die Durchschnittszahl der Anschläge erhöhte sich von 70 im Januar auf 180 im Oktober.20)
Der amerikanische Präsident George W. Bush tauschte angesichts der Lage sein Sicherheitsteam aus, einschließlich des Verteidigungsministers Donald Rumsfeld, und folgte dem Vorschlag, ein Aufstandsbekämpfungsprogramm zu starten, dessen Grundlage eine massive Truppenverstärkung von 30.000 Mann beinhaltete, bekannt als „The Surge“.

Die Aufstands- und Terrorismusbekämpfungsphase

Die Strategie des so genannten „bevölkerungszentrischen Ansatzes“ beinhaltete das Zusammenwirken von Militär, Polizei und zivilen Organisationen („comprehensive approach“) als integralem Bestandteil einer neuen Aufstandsbekämpfungsstrategie unter der Leitung von General David Petraeus. Vorgesehen war dabei u.a., dass sunnitische Stammesstrukturen zum Kampf gegen Al Qaida eingesetzt werden. Dies gelang zum Teil durch finanzielle und politische Anreize, aber auch durch das Verhalten der Al Qaida-Kämpfer selbst, deren Brutalität und Schikane, darunter Verdrängung der Stammesgesetze durch die Einführung der Scharia, aber auch Vergewaltigungen und Entführungen, bei der Zivilbevölkerung auf zunehmenden Widerstand stießen. Sie respektierten weder die Gepflogenheiten der einheimischen Bevölkerung noch die Herrschaftsstrukturen der sunnitischen Stämme. Letztgenannte reagierten auf den drohenden Verlust ihrer wirtschaftlichen und politischen Macht an AQI, indem sie die (sunnitische) Lokalpolizei mit Informationen zu deren Bewegungen unterstützten und sich verstärkt selbst am Kampf beteiligten.21) Eine bis zu 100.000 Mann zählende Stammesmiliz, die „Söhne des Irak“, bildete sich auf diese Weise unter der Leitung der US-Streitkräfte und zerstörte die Al Qaida-Strukturen in den sunnitischen Gebieten des Landes.
Die verbesserten Beziehungen zur Lokalbevölkerung und der daraus resultierende Gewinn an nachrichtendienstlich verwertbaren Informationen wurden durch die Revolution im Bereich technischer Aufklärungsmittel, wie etwa Drohnen und Überwachungssoftware, massiv ergänzt. Dazu zählte die digitale bzw. biometrische Erfassung der männlichen Bevölkerung, wodurch dem irregulären Kämpfer ein großer Teil seiner Anonymität und Bewegungsfreiheit genommen werden konnte. Viele Kämpfer wurden aufgrund dieser Fähigkeiten verhaftet oder ausgeschaltet. Es gelang der Einbruch in den Kommunikationszyklus des Gegners, wodurch die US-Kräfte auch taktisch über Echtzeitaufklärung verfügten, mit der eine klare Informationshoheit errungen werden konnte. Der Gegner büßte jegliche operative Entfaltungsmöglichkeit ein und räumte geschlagen das Feld. Die Verluste der Amerikaner sanken von knapp 100 Gefallenen im Juni 2007 auf 25 im Dezember des gleichen Jahres und 16 im Dezember 2008. Von den 4.484 gefallenen US-Soldaten fielen nur 577 nach 2007. Die Anzahl der Ziviltoten sank im gleichen Zeitraum von 23.333 auf 1.600.22) Insgesamt sank die Anzahl der Vorfälle von 1.500 im Juni 2007 auf 200 im August 2008. Al Qaida verlor mindestens 700 ihrer ausländischen Kämpfer, war aus dem Irak vertrieben worden, und ihre Führung gab den Kampf verloren.
Erfolge in der Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den US-Sicherheitskräften und den Sunniten bei der Bekämpfung von AQI dienten jedoch nicht der Überwindung der ethnoreligiösen Bruchlinien des Landes. Viele Sunniten sahen in der Regierung lediglich einen Ableger des Iran, und unter ihnen befürworteten 34% die Fortsetzung von Anschlägen gegen diese.23)
Gleichzeitig hatten die Briten im schiitischen Süden des Landes ihren eigenen Aufstand zu bekämpfen, bei dem sich die Milizen der Mahdi-Armee in Basra, der zweitgrößten Stadt des Landes, etablierten und sich dadurch auch gegen die „Kollaboration“ der Regierung mit den Alliierten in Aufstand befanden. Im Gegensatz zu den USA schienen die Briten weder in der Lage noch willens zu sein, die Anzahl ihrer 13.000 Truppen zu erhöhen. 2007 lag ihnen mehr an einem Abzug, der nicht wie eine Niederlage aussah, als an einem Sieg. Sie arrangierten sich mit den „Mahdis“ in zweierlei Hinsicht: Erstens nahmen sie Gespräche mit hochrangigen Gefangenen auf, in denen sie ihr gemeinsames Ziel, das eines britischen Abzugs, hervorhoben. Zweitens erklärten sie Anschläge durch Mahdi-Milizen zur „Kriminalität“, wodurch die Zuständigkeit an die lokalen Polizeistrukturen überging und man somit eigene Kampfeinsätze vermeiden konnte. Als z.B. im Dezember 2007 40 Frauen vergewaltigt und ermordet wurden, wurde dies als Zunahme sexueller Kriminalität kategorisiert und nicht als Methode der Mahdi-Miliz, die Scharia zu etablieren.24)
Die Briten zogen ab, die Milizen übernahmen Basra. Erst im April und Mai 2008 gelang es den irakischen Streitkräften mit Hilfe der USA, den Kampf um Basra zugunsten der Maliki-Regierung zu entscheiden.

Der Abzug

Der Abzug der Koalitionskräfte im Dezember 2011 verlief anders, als durch die militärischen Planer vorgesehen. Wie oben erwähnt, kam es zum Abzug ohne den Verbleib einer Nachhut, die bei den neu gebildeten irakischen Sicherheitskräften eine Korsettstangenfunktion hätte verrichten sollen. Analysen zur Sicherheitslage hatten nicht nur ergeben, dass AQI sich 2009 im benachbarten Syrien etabliert hatte und eine Bedrohung für eine schwächelnde irakische Regierung darstellen könnte, sondern auch, dass die zunehmende Macht der iranisch unterstützten Schiitenmilizen das Ausmaß einer „Schattenregierung“ annahm. Die Vierteljahresberichte des US-Militärs an den US-Kongress zwischen 2005 und 2011 benannten die Mängel des irakischen Militärs folgendermaßen:25)
- unzureichende nachrichtendienstliche Fähigkeiten, einschließlich mangelhafter Rekrutierung, Führung und Auswertung nachrichtendienstlicher Quellen;
- unfähig, Kampfoperationen durchzuführen bzw. durchzuhalten;
- schlechte Instandhaltung von Waffen und Gerät;
- keine Aus- und Fortbildungskultur;
- schwache Befehlsstrukturen;
- kaum Kenntnisse bezüglich des Einsatzes von Überwachungs- und Aufklärungstechnik;
- kaum vorhandene Terrorismusbekämpfungsfähigkeiten ohne Unterstützung der US-Spezialkräfte.
- Die Luftwaffe ist zu keinen Kampfunterstützungsmissionen fähig, sondern kann lediglich Transportflüge gewährleisten und Truppen verlegen.
Die Gespräche über den Verbleib von circa 5.000 US-Soldaten, um diese Mängel zu kompensieren und gleichzeitig durch Aus- und Fortbildung zu beheben, scheiterten an den Vorstellungen der Iraker einerseits wie auch am mangelnden politischen Willen der Obama-Regierung andererseits. Damit scheiterte auch das „Zwei-Säulen-Konzept“ der USA, demzufolge die Demokratisierung des Landes und die stabilisierende Kraft einer multiethnischen Armee zu einem stabilen Irak führen sollten, an der Wirklichkeit ethnischer Konfliktmuster. Das Land war zwar noch relativ stabil, doch seine Zukunft hing wiederum an der politischen Tragfähigkeit seines multiethnischen Regierungsmodells. Und dies erwies sich, wie alle solche Modelle, anfällig für die Fortsetzung der Rangordnungs- und Ressourcenkonflikte zwischen den jeweiligen ethnischen Bevölkerungsgruppen.
Mit dem Abzug der US-Kräfte begann eine ethnische Säuberung der Sicherheitsbehörden, indem die verbliebenen Sunniten weitestgehend aus den staatlichen Strukturen verdrängt oder zumindest stark marginalisiert wurden. Am Tag nach dem Abzugszeremoniell ließ Premierminister Nuri Al-Maliki einen Haftbefehl gegen seinen sunnitischen Vizepräsidenten Tarek Al Hashimi ausstellen. In der gleichen Woche starben 65 Menschen bei einer Anschlagsserie in Bagdad, für die AQI die Verantwortung übernahm. Eine Welle von Verhaftungen folgte gegen namhafte Sunniten, während Schlüsselpositionen im Sicherheitsapparat aus den Händen von Sunniten und Kurden genommen und an Schiiten vergeben wurden, die zu Al-Malikis Vertrauten zählten. Übergriffe und Repressalien gegen Sunniten führten zu einer weiteren Abwanderungswelle aus Bagdad in die Provinz Anbar, die an Syrien grenzt, die dadurch wieder zum Al Qaida-Gebiet wurde.26)
Die Auswirkungen auf die Streitkräfte zeigten sich durch zunehmendes Misstrauen, Zerfall von Disziplin und in der Rückkehr uferloser Korruption. Ab 2013 kam es wieder zu verstärkten Aktivitäten sunnitischer Gruppierungen, darunter eine Erneuerung der islamistischen Bemühungen um die Kontrolle des Landes.
Bis zu seinem Abzug hatte das US-Militär den Irak, wie auch schon Vietnam, zweimal militärisch erobert und zweimal politisch verloren. Während man in Vietnam den Nationalismus unterbewertet hatte, hatte man ihn im Irak überbewertet und nicht erkannt, dass eine Aufteilung des Landes, die „gütliche Trennung“, ein realistischeres strategisches Ziel dargestellt hätte als alle Bemühungen zur Erhaltung einer künstlichen nationalen Einheit.

Der Zusammenbruch

Geographisch hat die Ausbreitung von islamistischen Bewegungen während der Amtszeit Barack Obamas massiv zugenommen. In Libyen, traditionell eines der wichtigsten Rekrutierungsländer von Al Qaida-Kämpfern, kostete dies im September 2011 den amerikanischen Botschafter Stevens das Leben, als das US-Konsulat in Bengasi von Islamisten in einem koordinierten Angriff überrannt wurde. Tunesien und Ägypten verspürten eine Entlastung ihrer jeweiligen innenpolitischen Lage, weil die Eskalation des Bürgerkrieges in Syrien zu einer Abwanderung der dschihadistischen Gruppierungen führte. Dies dürfte jedoch zeitlich begrenzt sein.27) Denn auch ISIS hatte seinen Ursprung in der 2007 aus dem Irak vertriebenen AQI.
Wie bei allen islamistischen Aktivitäten sind die Akteure alles andere als monolithisch. So waren zum Höhepunkt des Irakkonfliktes 2006 insgesamt 56 Widerstandsorganisationen aktiv. Aus den späteren Kämpfen in Syrien haben sich ISI und Al-Nusra-Front als die zwei herausragenden Akteure hervorgetan, beide mit salafistisch-dschihadistischen Programmen und aus AQI entsprungen. Die Al-Nusra-Front besteht zum größten Teil aus Syrern, deren Ziele sich vorerst auf den Sieg über Assad konzentrieren. Gleichzeitig trug sie mit der weitaus internationaler ausgerichteten ISI-Truppe zeitweise einen offenen Konkurrenzkampf um die Führung im Dschihad aus. Letztgenannte zeigte sich dabei als brutaler und kompromissloser.28)
Im Kampf gegen die syrische Regierung gestärkt, gelang es ISI ab März 2013, sich in der syrischen Provinzhauptstadt Rakka festzusetzen und dies als geographischen Ausgangspunkt zu nutzen. Im April folgte die Umbenennung in „ISIS“, um auch Syrien als Bestandteil des zukünftigen Kalifats zu würdigen. Im Januar 2014 erfolgte die Einnahme von Falludscha und damit der Vormarsch im Irak. Im darauffolgenden Monat kam es zum Bruch mit Al Qaida, weil strategische und methodische Differenzen nicht mehr überwunden werden konnten. ISIS bestand auf der Ausrufung des Kalifats und der Bekämpfung des „nahen Feindes“, jener regionalen Akteure bzw. Regime, die als unislamisch betrachtet werden, während Al Qaida ihren Schwerpunkt bei der Bekämpfung des „fernen Feindes“, der USA und Europas, sieht.
Der Kampf gegen Assad diente als Sog für radikale Sunniten, nicht nur aus diesen Ländern, sondern aus vielen Teilen der Welt, einschließlich Europas, Nordamerikas, Asiens und Australiens. Bis September 2014 stammten circa 4.000 ISIS-Kämpfer in der umkämpften Region aus westlichen Ländern, wodurch auch diese Herkunftsländer durch Konflikttransfer bedroht sind und ISIS dorthin ausstrahlen wird. Geschätzt wird, dass bis Dezember 2014 die Anzahl dieser „Kriegstouristen“ mit circa 1.000 pro Monat zunahm.
Mit Beginn der ISIS-Operationen gegen die irakischen Sicherheitskräfte lösten sich Letztgenannte mehr oder weniger kampflos auf und bestätigten dadurch die oben aufgelisteten Befürchtungen zu deren Einsatzfähigkeit. Die vorangegangene „Säuberung“ sunnitischer Offiziere seitens der al-Maliki-Regierung erleichterte deren Abwerbung durch ISIS, während sunnitische Soldaten insgesamt entweder nach Hause gingen oder samt Ausrüstung zu den „Gotteskriegern“ überliefen. Da die ISIS-Führung zahlreiche ehemalige irakische Offiziere beinhaltet, darunter geschätzte 1.000 mittlere und höhere Führungskräfte, war der kommunikative Zugang leicht.29) Außerdem besteht ein weiterer Teil der Führung, darunter der Kalif al-Baghdadi, aus erfahrenen Terroristen, die während der Aufstandsphase in Gefangenschaft geraten waren und dann, ironischerweise im Rahmen des Aufstandsbekämpfungskonzepts, wieder freigelassen wurden.
Selbst kampfwillige Einheiten schmolzen dahin, weil ISIS gezielt per SMS Soldaten anschrieb und ihnen die Ermordung ihrer Familien androhte. Moderne, insbesondere soziale Medien ermöglichten ISIS durch den Zugang zu persönlichen Daten der Soldaten die Demoralisierung der irakischen Truppen. Und an der Umsetzung ihrer Drohungen ließ ISIS auch keinen Zweifel, indem sie die psychologische Wirkung ihrer medial transportierten Gräueltaten nutzte, um Widerstand zu brechen. ISIS hatte dadurch die Gelegenheit, die sunnitischen Gebiete und die gesamten Bestände des dort stationierten irakischen Militärs zu erobern, ohne sich dabei militärisch beweisen zu müssen, weil sich ihnen kaum jemand in den Weg stellte. Medien unterstellten ISIS zu Unrecht eine Kampfkraft, die lediglich aus der Fähigkeit, im Konvoi zu fahren und Massenmord zu begehen, abgeleitet wurde. Die Berichterstattung stellte somit für ISIS einen wertvollen Machtverstärker dar, während die postheroischen Regierungen des Westens untätig blieben, und dies, obwohl minimale Kräfte schon ausgereicht hätten, um den Vormarsch dieses irregulären Akteurs sehr schnell zu stoppen.
Wie so häufig dienten Luftangriffe als bevorzugtes militärisches Mittel zur Abwehr einer humanitären Katastrophe in den Kurdengebieten des Irak und Syriens. Während diese ausreichten, ab September den weiteren Vormarsch weitestgehend zu verhindern, waren die circa 1.000 Einsätze, die bis Anfang Dezember geflogen wurden, nur ein Bruchteil dessen, was erforderlich gewesen wäre, um die Mobilität von ISIS ernsthaft einzuschränken. Für ISIS endete 2014 mit einem
8 Millionen Einwohner umfassenden Kalifat, einer soliden Kriegskasse, die auf circa 2 Mrd. EUR geschätzt wird und durch ein tägliches Einkommen von ca. zwei Mio. EUR durch Ölpiraterie bzw. -schmuggel wächst. Darüber hinaus trugen die Lösegeldzahlungen europäischer Regierungen mindestens 125 Mio. USD zur Kriegskasse bei. ISIS wurde somit die wohlhabendste Terroristenorganisation der Welt und mutierte von einem nichtstaatlichen Hybridakteur, der organisierte Kriminalität und Terrorismus zu kombinieren verstand, zu einem quasistaatlichen Akteur, dessen Fähigkeiten weit über seine neuen geographischen Grenzen hinausreichen.
ISIS hatte durch seine schnellen Gebietsgewinne seine finanzielle und logistische Grundlage ausbauen können, während der Irak de facto aufhörte zu bestehen bzw. auf seine schiitischen Teile reduziert wurde. Diese Realität bewegte den ehemaligen CIA-Chef Hayden dazu, die Unumkehrbarkeit des irakischen Staatszerfalls hervorzuheben.30) Doch Skeptiker weisen auf die Gefahren einer solchen Lösung hin, bei der sich durch die Entstehung eines Schiitenstaates unter der Kontrolle des Iran dessen direkter Einfluss bis an die Grenzen von Saudi-Arabien und Kuwait erweitern würde. Dadurch entstünde die Gefahr einer regionalen Eskalation. Gleichzeitig bezweifelt der ehemalige stellvertretende irakische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Feisal Istrabadi, dass eine Territoriallösung zu einer „sauberen Aufteilung“ führen würde, und befürchtet die Entstehung eines „Somalias“.31)
Die Rückkehr von US-Kräften in der Form von Luftschlägen und 1.500 Soldaten erwies sich als halbherzig und zögerlich. Kalifatskräfte hatten sich inzwischen in der Bevölkerung verteilt und boten damit weniger Ziele als zur Zeit ihres Vormarschs. Lediglich ein Viertel der geflogenen Kampfeinsätze resultierte im Wirkmitteleinsatz.32)

Auswirkungen

Die Auswirkungen dieser Entwicklung zeigen sich auf der taktischen, operativen und strategischen Ebene.

Taktische Ebene

- Bei allen Hinweisen auf „comprehensive approach“ zeigt der Irakeinsatz, dass infanterieintensive Häuserkämpfe und irreguläre Gegner noch immer klassische militärische Fertigkeiten wie Ausdauer, Disziplin und Kampfgeist erfordern. Die Tastatur ersetzt nicht Kampfkraft, sie ergänzt und potenziert sie. Westliche Armeen müssen sich darauf einstellen.
- Die klassische Nachrichtengewinnung hat sich dramatisch verändert. Terroristen nutzen die Betonung der Rechtsstaatlichkeit im Aufstandsbekämpfungskonzept zu ihrem Vorteil. Dies führt dazu, dass Aufständische bzw. Terroristen freigelassen werden, um wieder auf dem Schlachtfeld zu erscheinen oder aber medienwirksam ihre Ankläger bzw. Vernehmungsoffiziere zu verklagen. Die britische Regierung hat nicht nur Hunderte Mio. Pfund in solchen Fällen gezahlt, sondern sogar das „Anschreien“ von Verdächtigen untersagt. Die verbliebenen Vernehmungsregeln sind aus Sicht der Experten unwirksam, und die Gewinnung von taktischen Informationen ist unmöglich.33)
- Der Stellenwert von Aufklärungstechnologie steigt weiterhin exponentiell. Technologie war der entscheidende Faktor bei der physischen Aufspürung und Bekämpfung von Gegnern und deren Wirkmitteln.

Operative Ebene

- Die erfolgreiche Aufstandsbekämpfung in der zweiten Hälfte des Irakkonfliktes zeigt, dass sich gut umgesetzte Aufstandsbekämpfung ohne tragfähige politische Zielsetzung und definierten Endzustand als nutzlos erweisen kann. Eine Methode kann niemals die Zentrifugalkräfte eines multiethnischen Staates neutralisieren oder eine Nation „bauen“, wenn sich die jeweiligen ethnokulturellen Eigenschaften der Bevölkerungsbausteine stärker voneinander unterscheiden als ergänzen. Demokratisch legitimiertes „Nation building“ ist immer ein Prozess, der auf kultureller Kompatibilität beruhend von „unten“ nach „oben“ stattfindet und nicht durch kosmopolitische Eliten, geschweige denn durch externe Akteure, erzwungen werden kann.
- Stammesmilizen haben sich als wichtige Akteure erwiesen. Die Kooperation zwischen regulären und irregulären Kräften muss geübt sein, um erfolgreich gegen Aufständische operieren zu können.
- Interkulturelle Kompetenz und ein Verständnis für die Kommunikationswege und Machtgeflechte in einer multiethnischen bzw. tribalen, strukturschwachen Umgebung sind folglich wichtige Wissensbausteine für Interventionskräfte, die dadurch ein Gespür für die Vorgehensweise entwickeln können.
- Mikromanagement und wirkungslose Gefechtsrichtlinien sind zu vermeiden, indem die drei vorausgehenden Punkte in Ausbildung und Einsatz verinnerlicht werden.

Strategische Ebene

- Der „Islamische Staat“ zielt mittel- bis langfristig auf die gewaltsame Errichtung eines Kalifats weit über die Grenzen des jetzigen Einflussgebietes hinaus. Nicht nur aufgrund seiner Nähe zum NATO-Partner Türkei stellt er dadurch eine Gefahr für westliche Länder dar, sondern auch aufgrund seiner vielen internationalen Kämpfer mit Staatsbürgerschaft in den zukünftigen Zielländern seiner Operationen. Rückkehrer und durch das Kalifat inspirierte Individuen drohen ein dauerhaftes und stetig zunehmendes Sicherheitsproblem für westliche Länder zu werden. Der Unterschied zwischen Einsatz- und Heimatland wird dadurch weiterhin verblassen und schwerwiegende Änderungen im Sicherheitsverständnis erfordern. Nicht nur haben IS-Anhänger schon Aufklärung gegen US-Spezialkräfte in den USA betrieben, vielmehr wird auch der Wettbewerb um die Vorherrschaft im islamistischen Terrorismus dazu führen, dass Al Qaida verstärkt mit internationalen Anschlägen punkten möchte, z.B. Anschläge in Brüssel und Paris 2014/15. Durch die Etablierung des Kalifats wurde aus einer lokalen Aufstandslage eine Bedrohung von globaler Reichweite.
- Es besteht ein strategisches Interesse des Westens, den Kalifatstaat nachhaltig zu zerstören und durch eine Ordnung zu ersetzen, die dem Selbstbestimmungsrecht der Sunniten in deren Gebieten gerecht wird. Dabei ist es zunächst zweitrangig, ob eine solche Ordnung demokratisch ist.
- Die amerikanischen Verbündeten in der Region haben ihr Vertrauen in die Handlungsbereitschaft der USA verloren und werden andere Wege finden, um ihre Interessen zu wahren. Regionale Rivalen, darunter Staaten wie Saudi-Arabien, Ägypten, der Iran und die Türkei, werden sich in diesem Sinne positionieren und die Auflösung der irakischen Grenzen zum Anlass nehmen, ihren Einfluss zu verstärken. Der Erwerb von Massenvernichtungstechnologien, zum Schutz vor einem verstärkten iranischen Einfluss, wird dadurch für Akteure wie Saudi-Arabien wahrscheinlicher.
- Die westliche Intervention im Irak wird sich verstärkt mit einer Territoriallösung auseinandersetzen müssen, da weder die USA und deren Verbündete noch die internationale Gemeinschaft über die Kraft und Ressourcen verfügen, um einen fragmentierten Irak wieder zusammenzufügen. Die Ziehung natürlicher Grenzen scheint vielversprechender als ein weiterer „Nation building“-Versuch, nach einer dritten Intervention der USA.

Fazit

Der Krieg im Irak hat sich zu einer Quelle der regionalen und globalen Instabilität entwickelt und eine Neuordnung der Grenzen und der Machtverhältnisse im Nahen Osten eingeleitet. Die dort gemachten Erfahrungen zeigen erneut die Schwächen westlicher Konfliktlösungsansätze auf und erfordern ein Umdenken in den Interventionsstrategien, weg von den Vorstellungen eines Staatserhalts, hin zur Territoriallösung. Gleichzeitig führt die Reisefreiheit vieler „Rückkehrer“ und Flüchtlingsströme zu einem Konflikttransfer in westliche Länder, die ernsthafte und dauerhafte sicherheitspolitische Veränderungen erzeugen. Das Ergebnis ist dabei angesichts eines zurückweichenden, vergreisenden und moralisch erschöpften Westens ungewiss.


ANMERKUNGEN:

1) Gideon Rose: How Wars End: Why we Always Fight the Last Battle, Simon & Schuster, New York, 2010, S.242.
2) David Kilcullen: Counterinsurgency, Oxford University Press, Oxford, 2010, S.189.
3) „Griff nach den Ölreserven: Chinesen zapfen Amerikanern das Irak-Öl ab“, Focus. 3.6.2013, http://www.focus.de/finanzen/news/griff-nach-den-oelreserven-chinesen-zapfen-amerikanern-das-irak-oel-ab_aid_1004255.html.
4) Amy Chua und Jed Rubenfeld: „Ethnic Divisions in Iraq: A Commentary by Profs Amy Chua and Jed Rubenfeld“, 5 January 2004, http://www.law.yale.edu/news/2478.htm.
5) Rebecca Kaplan: „Panetta Criticizes Obama for Iraq Withdrawal“, CBS News, 2 October 2014, http://www.cbsnews.com/news/leon-panetta-criticizes-obama-for-iraq-withdrawal/.
6) Martin van Creveld: „Is Iran really a Threat to the United States and Israel?“ , Interview in Executive Intelligence Review, Vol. 33, Nr. 13, 31 March 2006, http://www.larouchepub.com/eiw/public/2006/2006_10-19/2006_10-19/2006-13/pdf/49-53_613_intcreveld.pdf.
7) „Zahlreiche Tote bei Angriff auf iranische Opposition“, Der Standard, 8.4.2011, http://derstandard.at/1301874235728/Zahlreiche-Tote-bei-Angriff-auf-iranische-Opposition.
8) Max Boot: „More Small Wars“, Foreign Affairs Vol. 93 No. 6, November/December 2014, S.6,8.
9) Stefan Aust und Cordt Schnibben: Irak - Geschichte eines modernen Krieges, Deutsche Verlags Anstalt, München 2003, S.519.
10) Carter Malkasian: „Counterinsurgency in Iraq May 2003 - January 2010“. In Daniel Marston and Carter Malkasian (eds.): Counterinsurgency in Modern Warfare, Osprey Publishing, Oxford 2010, S.288.
11) Robert Pape: Dying to Win: The Strategic Logic of Suicide Terrorism, Random House, New York, 2006, S.26.
12) Max Boot: Invisible Armies: An Epic History of Guerillla Warfare from Ancient Times to the Present, Norton & Company, New York, 2013, S.530-531.
13) Malkasian, S.288.
14) Emile Simpson: War from the Ground up, Twenty-First-Century Combat as Politics, S.93.
15) Malkasian, S.292-293.
16) Vg. Michael Gross: Moral Dilemmas of Modern War: Torture, Assassination, and Blackmail in an Age of Asymmetric Conflict, Cambridge Press, Cambridge, 2009, S.74.
17) Vgl. David Bellavia: House to House: The Most Terrifying Battle of the Iraq War Through the Eyes of the Man Who Fought It, Simon & Schuster, New York 2007.
18) Malkasian, S.294.
19) Ebd., S.301
20) Ebd., S.303.
21) Vgl. Norman Cigar: „Tribal Militias: An Effective Tool to Counter Al-Qaida and its Affiliates?“, Security Studies Institute, US-Army War College, November 2014, S.8-10.
22) Max Boot: Invisible Armies: An Epic History of Guerillla Warfare from Ancient Times to the Present, Norton & Company, New York, 2013, S.543.
23) Malkaisan, S.303.
24) Malkaisan, S.305.
25) Rick Brennan: „Withdrawal Symptoms: The Bungling of the Iraq Exit“, Foreign Affairs, Vol. 93, No. 6, November/December 2014, S.25.
26) Yazeem Ibrahim: „The Resurgence of Al Qaida in Syria and Iraq“, Strategic Studies Institute, US-Army College Press, May 2014, S.19.
27) Die Rückkehr von kampferprobten Dschihadisten wird auch in diesen Ländern als zukünftige Destabilisierungsgefahr gesehen.
28) Steinberg, Guido, „Eine tschetschenische Al Qaida?“, SWP-Aktuell, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Juni 2014, S.4.
29) Ruth Sherlock: „Inside the leadership of Islamic State: how the new caliphate is run“, The Telegraph, 9 July 2014, http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/middleeast/iraq/10956280/Inside-the-leadership-of-Islamic-State-how-the-new-caliphate-is-run.html.
30) Melissa Clyne and Bill Hoffmann: „Gen. Hayden: The state of Iraq is gone.“, 18 June 2014, http://www.newsmax.com/Newsmax-Tv/Michael-Hayden-Benghazi-Abu-Khatallah/2014/06/18/id/577786/.
31) Faisal Al Yafai: „Opinion: New Iraqi borders would be drawn across bodies, not sand.“, CNN, 1 July 2014, http://edition.cnn.com/2014/07/01/opinion/iraq-borders-sykes-picot/.
32) Eric Schmitt: „Obstacles Limit Targets and Pace of Strikes on ISIS“, The New York Times, 9 November 2014, http://www.nytimes.com/2014/11/10/world/middleeast/trouble-pinning-down-isis-targets-impedes-airstrikes.html?_r=0.
33) Robert Mendick and Tim Ross: „Don’t Yell at Terrorist Suspects, Soldiers Told“, The telegraph, 13 December 2014, http://www.telegraph.co.uk/news/uknews/defence/11292578/Dont-yell-at-terrorist-suspects-soldiers-told.html.