Die Schlacht bei Marathon vor 2.500 Jahren

Eberhard Birk

 

„... ein Ereignis von nicht großer militärischer Dimension, aber voll von Zukunft, gleichsam ein ernstes Wort des Schicksals“ [1])

 

Jubiläen waren, sind und bleiben neben individuellen Neigungen ein starkes Movens historischen Forschens, Denkens und Lernens - umso mehr, wenn den dahinterliegenden Ereignissen und Prozessen eine starke, individuelle und kollektive, regionale oder nationale sowie kulturelle und geschichtsphilosophische Identität(en) stiftende Kraft zugeschrieben wurde oder wird. Verbinden sich dabei „runde“ historische Daten mit aktuellen Prozessen wie zum Beispiel 1789 (Französische Revolution) und 1989 (Mauerfall und Ende des Kalten Krieges), so mochte mancher das „Ende der Geschichte“[2]) in Form ideologischer Auseinandersetzungen oder eine Bestätigung geschichtsphilosophischer Teleologien im Sinne Hegels erkennen, der hinter den Ereignissen und Gestalten das Prinzip der „Freiheit“ vermutete, das seit der Antike in wechselnden Phasen, mit Brüchen und Grenzen die europäische Geschichte beschleunigte.[3])

Vor dem Hintergrund der Perserkriege um 500 v. Chr. nahmen für Hegel „die Griechen“ als Verteidiger des Prinzips der Freiheit vieler gegen das „persische Prinzip“ der Freiheit des Einen - jener des Großkönigs - eine prominente Rolle ein. Dass dabei gerade die Polis Athen durch die siegreichen Schlachten von Marathon (490 v. Chr.) und Salamis (480 v. Chr.) gestärkt aus dieser Auseinandersetzung hervorging und in der Folgezeit bis zum Peloponnesischen Krieg (431-404 v. Chr.), einem Dreißigjährigen Krieg der Antike, in der Lage war, das 5. vorchristliche Jahrhundert zu einem der athenischen Suprematie in Politik, Militär und v.a. Kultur zu gestalten, lag jedoch zu Beginn des Ringens in weiter Ferne.

 

Gleichwohl soll es im Folgenden nicht um eine Wiederholung der „Entstehung des Politischen bei den Griechen“[4]) und noch weniger um eine „Kulturgeschichte Griechenlands“[5]) gehen. Im Zentrum der Untersuchung sollen allein mögliche „strategische“ historisch-politische und militärische Ableitungen stehen - orientiert an Marathon.

Selbst wenn der Begriff der Strategie im griechischen Altertum durch seine Fokussierung auf die militärische Führungsfähigkeit des Feldherrn (des strategós) vor und im Gefecht auf taktischer Ebene angesiedelt war und sich erst in der Moderne dem Bedeutungsinhalt der gegenwärtigen Terminologie angenähert hat,[6]) so waren - abseits ihrer Kodifizierung - die verschiedenen Facetten respektive Komponenten von strategische Handlungsoptionen begünstigenden oder limitierenden Faktoren einer höheren Gesamtführung bekannt: Politik und Diplomatie, wirtschaftliche Ressourcen und Finanzen sowie Geographie und sozio-kulturelle Faktoren, aber auch Bewaffnung, Stärke und Einsatzwert der Truppen. Daraus lassen sich in Form eines induktiven Ansatzes respektive interpretativen Annäherungsprozesses plausible, indes nicht immer belegbare strategische Horizonte der Akteure rekonstruieren.[7])

Hierfür ist es notwendig, über eine Analyse der Gesamtheit der politischen Rahmenbedingungen die Zielsetzungen der Kontrahenten ebenso zu erörtern wie den Ablauf der militärischen Operationen vor dem Verlauf der Schlacht bei Marathon, da erst dadurch Ableitungen in ihren politischen, militärischen und traditionsstiftenden Dimensionen ermöglicht werden.

Strategische Rahmenbedingungen

Seit dem Ende des 6. vorchristlichen Jahrhunderts hatte sich das Persische Reich insbesondere unter seinen achaimenidischen Großkönigen Kyros (559-530 v. Chr.), Kambyses (530-522 v. Chr.) und Dareios I. (522-486 v. Chr.) zum geopolitischen Gravitationszentrum entwickelt, dessen Grenzen nach der militärischen Niederwerfung der medischen, babylonischen, lydischen und ägyptischen Königreiche ein gigantisches Landimperium zwischen den Außenbastionen Schwarzes und Kaspisches Meer, Hindukusch, Indus und Indik umfassten - es war bereits Herodots Antrieb, dessen Entstehung und Entwicklung zu ergründen.[8]) Die Landbrücke nach Ägypten wurde durch die syrische Küste gebildet. Und obwohl es eine Arabia genannte Satrapie (IV) gab, war die gesamte arabische Halbinsel außerhalb persischer Einflussnahme. Gleiches galt auch für die nördlichen Steppen hinter dem Kaukasus und dem Schwarzen Meer, wo das Reitervolk der Skythen keine strategische, das Perserreich existenziell bedrohende Gefahr bildete.

Gänzlich anders war hingegen die strategische Herausforderung an der westlichen Flanke - der Nahtgrenze zwischen persischer Landmacht und der ägäischen Inselwelt. Das Ausgreifen der griechischen Poleis im mediterranen Raum, von Sokrates - nach Platon (Phaidon, 109b2-3) - drastisch mit den um einen Sumpf sitzenden Ameisen und Fröschen verglichen, traf auf das Selbstverständnis des persischen Weltreiches mit seinen unter Dareios eingerichteten 20 Satrapien (Hdt. III, 89). Das sich aus der Dynamik jahrzehntelanger Landnahme sukzessive entwickelnde - Großmächten oft inhärenten - Arrondierungsbestreben ließ einen prinzipiell universalistischen Herrschaftsanspruch persischer Großkönige entstehen, die sich in traditioneller Weiterführung altorientalischer Topoi sämtlich als „König des Alls, König der vier Weltgegenden“[9]) verstanden.

Nachdem unter Dareios im Jahre 512 v. Chr. der Versuch fehlgeschlagen war, aus dem Schwarzen Meer ein persisch kontrolliertes Binnenmeer zu machen, war zumindest ein „europäischer“ Brückenkopf im nordöstlichen griechischen Raum geschaffen worden, der die „Hellenen“ mit der persischen Landmacht in ihrem Norden konfrontierte. Dieser Brückenkopf eröffnete den Persern eine (in-)direkte politische Einflussnahme auf die Politik Thrakiens und Makedoniens. Zusammen mit dem zuvor unter Kambyses eroberten Ägypten und der Kontrolle der griechischen Poleis an der kleinasiatischen Küste war es Persien durch die Kontrolle der wichtigen Wirtschafts- und Handelsströme - insbesondere auch der Meerenge zwischen Ägäis und Schwarzem Meer - durch Spielen auf Zeit möglich, die griechischen Poleis in eine strategische Zange zu nehmen.

 

In diese angespannte Situation fiel, nachdem eine Niederlage Dareios’ gegen die Skythen für die kleinasiatischen Griechen ein „window of opportunity“ geöffnet hatte, der Startschuss zu den Perserkriegen,[10]) die im Ionischen Aufstand (500-494 v. Chr.) ihr Präludium fanden und die persische Herrschaft über die kleinasiatischen griechischen Poleis gefährdeten. Aristagoras von Milet, der zunächst die Perser zu einem Vorstoß in die Ägäis ermunterte, dann aber die Seiten wechselte, konnte hierfür jedoch - Sparta wies eine Aufforderung zur Hilfeleistung brüsk zurück - lediglich die „strategische“ Unterstützung von Eretria und Athen erreichen, deren 25 Schiffe (Hdt. V, 99) als maritime Kontingente für eine entscheidende Auswirkung in dieser Auseinandersetzung viel zu schwach ausfielen. Gleichwohl wurde damit Athen, das gerade nach mehrmaligen Anläufen - selbst unter Hilfeleistung der Spartaner, die sich ein machtpolitisch geschwächtes Athen erhofften - die Tyrannis der Peisistratiden beendet hatte, aus persischer Sicht zu einem latenten bzw. potenziellen Störfaktor, der aus innenpolitischen und ideellen Gründen - auch als klassische außenpolitische Ablenkung bei innenpolitischen Problemen interpretierbar - geneigt war, dem imperialen Ordnungsanspruch des Persischen Reiches entgegenzutreten.

Anfängliche militärische Erfolge der ionischen Poleis, wie die Einnahme von Sardeis, wurden durch massive Vorstöße gegen Zypern, den Hellespont und Milet beantwortet, an deren Ende nach der für die Perser siegreichen Seeschlacht bei Lade 494 v. Chr. die komplette Niederschlagung des Aufstandes stand. Das Schicksal Milets stand als Menetekel auch für spätere Zeiten Pate: Zerstörung, Versklavung und Zwangsumsiedelung der Aufständischen durch den Bezwinger gehörten zum „antiken Standard“ (Hdt. VI, 18-20). Der kurze Traum der Selbstbehauptung führte trotz Aufrechterhaltung wirtschaftlichen Wohlstandes und kultureller Blüte zu der Erkenntnis, dass Dareios, seinem Selbstverständnis geschuldet, politische Autonomiebestrebungen an der Peripherie seines Reiches nicht hinzunehmen bereit war - mochten derartige Unbotmäßigkeiten auch mehr als 2.000 Kilometer von seiner Hauptstadt Susa entfernt stattfinden. Im Gegenteil: Die Niederschlagung wurde darüber hinaus verbunden mit dem machtpolitischen Willen zur Ausmerzung des vermuteten „Treibsatzes“ hinter dem ionischen Aufstand.

 

Strategische Reformen und Strategenamt

Das gesamte politische Potenzial Athens wird in der Revolutionierung des politischen Systems durch den Alkmaioniden Kleisthenes gegen Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. fassbar. Mit der Einteilung der Bürgerschaft der drei Bereiche Küste, Binnenland und Stadt in zehn Phylen, 30 Trittyen mit je drei bis vier Demen (unter Kleisthenes insgesamt 139) zielte er darauf, die sozialgeographische Dreiteilung der Polis zu durchbrechen. Dadurch hoffte er, seinen politischen Führungsanspruch gegenüber seinen adeligen Konkurrenten durchsetzen zu können, deren Klientelherrschaft er damit unterminieren wollte. Trotz aller Neuerungen des Kleisthenes blieben jedoch traditionelle Einrichtungen wie der Areopag, das Archontat mit seinen neun Archonten aus der höchsten Gesellschaftsschicht sowie die generelle Führungsrolle des Adels aufgrund seiner wirtschaftlichen Überlegenheit, seinem sozialen Prestige sowie seiner politischen Erfahrung und Fähigkeit, jederzeit politische und militärische Spitzenämter ausfüllen zu können, nahezu unangetastet.

Doch so sehr Kleisthenes eigene politische Zielsetzungen verfolgte, so gelang ihm perspektivisch mit seiner Phylenreform dennoch unbestritten ein Meilenstein politischen Denkens und Handelns.[11]) Die von Kleisthenes ermöglichte Isonomia, deren Kern - das „gleichverteilte“ individuelle bürgerliche politische Partizipationsrecht - sich zur Demokratie als Selbstrepräsentation des Volkes weiterentwickelte, fand ihre militärische Abbildung in den als Phalangiten respektive Hopliten die Hauptlast des Gefechtes gegen auswärtige Feinde tragenden schwerbewaffneten Vollbürgern.

 

Aus den zehn Phylen, die je eine Hoplitenabteilung (Taxis) als Regimentsäquivalent bildeten,[12]) wurde ein Stratege als militärischer Führer der Abteilung in das zehn Strategen und einen Archon polemarchos umfassende Kollegium abgeordnet. Gegenüber dem Zufall des Loses für politische Ämter war die Wahl der Strategen ein Zugeständnis an die notwendige Fachexpertise. Dass deren Kommando im Krieg täglich wechseln sollte, war ideell dem neuen „demokratischen“ politischen System geschuldet; es war jedoch gleichzeitig vor dem Hintergrund theoretisch täglich neuer Entschlüsse und wechselnder Operationsplanungen für eine nachhaltige und im Kern unteilbare militärische Führungsverantwortung dysfunktional - wie es in der Schilderung Herodots vom vermeintlichen Führungsdisput im Vorfeld der Schlacht bei Marathon, wenn auch als literarische Fiktion (Hdt. VI, 109), exemplarisch deutlich wird.

Miltiades, der schließlich in der Schilderung Herodots als energischer Feldherr die mit Truppen aus Athen und Plataiai gebildete Hoplitenphalanx bei Marathon zum Sieg führte, schien für das Strategenamt genügend politische Erfahrung mitzubringen: Als Schwiegersohn eines thrakischen Fürsten konnte er auf ein Informations- und Beziehungsgeflecht zurückgreifen; Führungsverantwortung hatte er als Nachfolger seines Onkels, dessen Tyrannis auf der thrakischen Chersones (heute: Gallipoli) er in persischem Einflussbereich fortführte, wodurch er auch Einblicke in das persische Militärwesen erhielt. Obgleich er vielen Athenern nach seiner (erzwungenen) Rückkehr in die Polis als Ex-Tyrann kaum als vorbehaltloser Protagonist der der Isonomia verpflichteten neuen politischen Kultur erscheinen konnte - seine innenpolitischen Kontrahenten wollten ihn von der Volksversammlung, indes ergebnislos, verurteilen lassen -, erwies er sich in Athen als kompromissloser Verfechter eines Krieges gegen die Perser.

 

Strategische Zielsetzung und operativer Verlauf

Aus persischer Perspektive schien gerade die von Kleisthenes durch seine Phylenreform geschaffene innenpolitische Ordnung der Isonomia als ideelles Movens hinter dem ionischen Aufstand zu stehen - ein Beleg dafür, wie eine Veränderung in der innenpolitischen Organisation Auswirkungen auf die außenpolitische Perzeption hat. Auf der attischen Gegenküste, die auch für Persien den Freiheitswillen und politischen Selbstgestaltungswillen verkörperte, sollte durch die (Re-)Installation einer Tyrannis[13]) des von den Athenern 510 v. Chr. vertriebenen Hippias eine potenzielle neue Empörung, diesmal indes präventiv und dauerhaft, ausgeschaltet werden. Auch wenn der nunmehr greise Ex-Tyrann für die persische Perspektive nur eine Zwischenlösung war, konnte der „Großkönig“ für seine Politik durchaus auf Zuspruch auf der attischen Halbinsel hoffen. Die jahrzehntelange Gewöhnung an die Tyrannis der Peisistratiden und das spartanische Doppelkönigtum ließen dieses Unterfangen in Reichweite kommen. Auch durfte er im Rahmen seiner Beurteilung der strategischen Lage in Rechnung stellen, dass es auf dem griechischen Festland viele perserfreundliche, oligarchische Kreise gab, die sich nicht für die „demokratische“ Selbstverwirklichung der Athener in vorderster Front opfern wollten - zudem gab es Hellenen, die sich vom persischen König eine (militärische) Kampagne, einen „war to end all wars“ zwischen den griechischen Poleis geradezu erhofften. Hinzu kam die schier gigantische Größe des Persischen Reiches im Vergleich zu den kleinen Poleis.

Spätestens nach dem Scheitern der ersten, unter der Führung von Dareios’ Schwiegersohn Mardonios mit Land- und Seestreitkräften vorgetragenen Strafexpedition - die persischen Flottenkontingente wurden 492 v. Chr. während eines Unwetters am Berg Athos zerstört -,[14]) die als einzigen Erfolg die Bestätigung der Nordflanke durch ein erfolgreiches Vorstoßen und Festsetzen in Thrakien und Makedonien, die möglicherweise als Grundstein einer 21. Satrapie vorgesehen waren, brachte, wussten Athen und Sparta, dass es um alles ging - die Aufrechterhaltung ihrer politischen Souveränität für die Zukunft. Sparta würde die Hegemonie über den Peloponnes verlieren, Athen hatte mit einer exemplarischen Abstrafung zu rechnen.

Aus strategischer Perspektive war es für die persische Strafexpedition unter dem Kommando des medischen Feldherrn Datis und des persischen Prinzen Artaphernes, eines Neffen Dareios’, nicht notwendig, über den zeitintensiven Landweg auf das griechische Festland vorzustoßen, da dieses noch persischer Einflussnahme unterlag, wodurch seine Nordflanke hinreichend geschützt war.[15]) Datis entschied sich daher zu einem Vorstoß über die Zentralägäis, wo zunächst die Insel Naxos, die aufgrund ihrer Zentralposition in den Kykladen die persischen Seeverbindungen bedrohen konnte, auszuschalten war. Im Anschluss daran war der Weg nach Euböa frei. Die Inbesitznahme dieser Insel - als persische Gegenküste vor dem griechischen Festland - markiert den Schlussstein der Herstellung einer stabilen ägäischen Seeposition für das Persische Reich. Von dieser Basis aus konnten die Dispositionen für das Übersetzen auf das gegenüberliegende Festland getroffen werden.

Die Wahl der Ebene von Marathon für dieses Unternehmen hatte symbolische, politische und militärische Gründe: Sie war der „symbolische Ort“, von dem aus Peisistratos - der Vater des Hippias - seinen „Marsch auf Athen“ zur Etablierung seiner Tyrannis wählte; sie war der „politische Ort“, der die größtmögliche und notwendige adelig-konservative Unterstützung aus dem Hinterland versprach, und sie war der „militärische Ort“, an dem - anders als etwa direkt vor Athen - ein ungestörtes Anlanden größerer Kontingente möglich war.

 

Strategisches Zögern

So zielgerichtet Datis seine Truppen direkt auf die attische Halbinsel führte und die athenischen Truppen, zu denen auch ein ca. 1.000 Mann starkes Hilfskontingent aus Plataiai gehörte, einen Platz unweit Marathon als Versammlungsort respektive Verfügungsraum einnahmen, so sehr erstaunt auch in der Retrospektive das „strategische Zögern“ vor den Kampfhandlungen. Dies lässt sich allerdings mit den dahinterliegenden politischen, militärstrategischen und operativ-taktischen Zielen der Kontrahenten erklären.

Zunächst zur Beurteilung der Lage aus persischer Perspektive: Die Perser benötigten keinen schnellen militärischen Erfolg. Die Zeit konnte, insbesondere nach den vorangegangenen Erfolgen des „island hopping“, für sie spielen, wenn es gelang, durch die schiere Präsenz die auf die innenpolitische Psyche zielende Anspannung bei den bedrohten Poleis aufrechtzuerhalten. Das übergeordnete politische Ziel bestand darin, durch diese Drohkulisse eine „freiwillige“ Unterwerfung und „Bitte“ um Aufnahme in ein Schutzverhältnis zu erwirken. Das militärische Ziel war die Bindung des athenischen Heeres außerhalb der Stadtmauern, d.h. die Ermöglichung des Umsturzes in der Stadt ohne Schlacht - Ausweis einer überlegenen politischen indirekten Strategie der Ablenkung.[16]) So wenig sie gelang - die persischen Parteigänger überschritten nicht die Grenzlinie zwischen politischer Unterstützung und Verrat -, so klug war sie in ihrem Ansatz.

 

Die Methode des Herauslockens der athenischen Hopliten, um wehrfähige Männer vom Ziel des Umsturzes in Athen fernzuhalten, korrespondierte mit der Überlegung des Miltiades, seine Truppen aus eventuell aufflammenden bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Athen herauszuhalten. Das Dislozieren der Kräfte am Strand vor Marathon wurde zur alle verbindende und in die Pflicht nehmende Verteidigung der Heimat, der sich kein Hoplit verwehren durfte. Zudem hatte Miltiades ein aktuelles Negativbeispiel vor Augen: Die Perser hatten Eretria auf Euböa, nicht zuletzt aufgrund des Verrats durch angesehene Bürger, siegreich belagert und zerstört (Hdt. VI, 101) - ein „Schicksal“, das er für Athen, unabhängig von der (ungewissen) Qualität seiner Befestigungsanlagen, verhindern wollte. Dies war mit ausschlaggebend für seinen Entschluss, eine Schlacht weit vor den Toren Athens zu wagen. Hierfür wollte Miltiades zunächst auf die Spartaner warten, sah aber auch die Gefahr, dass ein untätiges Heer Dutzende Kilometer von der Stadt entfernt gebunden war.

Seine militärischen Chancen gegen das Expeditionsheer des Datis wurden jedoch dadurch gesteigert, dass die persischen Streitkräfte aus einem die Möglichkeiten nicht ausschöpfenden relativ kleinen Kontingent bestanden. Realistische Schätzungen gehen von 15.-20.000 persischen Truppen aus. Dabei ist anzunehmen, dass die Zahl von Beginn des Kriegszuges über die zu sichernden Seepositionen in der Ägäis bis zum Anlanden in der Bucht von Marathon abnahm. Die relativ geringe Zahl an Truppen war Ausfluss der Beurteilung der politischen Lage sowie der verfolgten übergeordneten Zielsetzung. Sie hatte im Kern drei Gründe: Erstens war das Unternehmen als quasi-polizeiliche Bestrafungsaktion geplant, ein Schießen mit „Kanonen auf Spatzen“ schien nicht vonnöten. Zweitens wurden Athen keine überragenden militärischen Fähigkeiten zugetraut - und ob die Militärmaschinerie Spartas nach der Brüskierung aufgrund des gescheiterten Eingreifens in den athenischen Bürgerkrieg auf Seiten des Isagoras, der die Isonomia des Kleisthenes beseitigen wollte, um ein von Sparta abhängiges „Ancien Régime“ zu etablieren, ausgerechnet zur Verteidigung dieser Isonomia gegen das Persische Reich an die Seite Athens treten würde, schien zumindest fraglich. Drittens bot das zerklüftete Terrain der südlichen Balkanhalbinsel kaum geeignetes Gelände zur Entfaltung größerer Truppenmassierungen. Im Übrigen war mit Hippias ein politischer Berater mit landeskundlichen Kenntnissen im Gefolge. Dies führte auf der persischen Seite zu der Hoffnung auf ein Überlaufen alter Gefolgsleute bereits bei der Landung. Dies konnte als Fanal - insbesondere die persisch-monarchische Perspektive ließ sich von systemimmanenten Verlockungen täuschen - Kampfhandlungen überflüssig erscheinen lassen.

Aber auch Sparta schien auf Zeit zu spielen. Die Spartaner wollten die Gefahr einer verheerenden Niederlage des Feldheeres minimieren. Diese hätte möglicherweise einen Helotenaufstand heraufbeschworen und damit nicht nur die spartanische Hegemonie auf dem Peloponnes, sondern auch das gesamte politische System gefährdet. Andererseits - dies als Argument zur Entlastung - kam es bei den bisherigen Kriegen Spartas niemals darauf an, unter Zeitdruck zur Schlacht aufzumarschieren. Eine Schlacht zur Disziplinierung von in der Handhabung der Waffen ungeübten Aufständischen war jedoch von geringerer Qualität im Vergleich mit der potenziell existenziellen strategischen Herausforderung durch Persien. Die später durch die athenische Überlieferung „geschichtsmächtig“ gewordenen kultischen Verpflichtungen aufgrund des Karneia-Festes erschienen daher bereits den Zeitgenossen als vorgeschobenes Argument der Spartaner.[17])

Die Episode von den 2.000 Spartanern, die nach Herodot im Anschluss an die Feierlichkeiten bis zum Schlachtfeld von Marathon marschierten und die Tat der Athener rühmten (Hdt. VI, 120), könnte daher eher - sofern sie einen, durch die Forschung allerdings bestrittenen, historischen Kern besitzt - als diplomatisches Nachgeplänkel verstanden werden. Vielmehr konnte aus der Sicht Spartas eine Nichtteilnahme an einer Schlacht nach einer athenischen Niederlage als Argument für einen „Ausgleich“ mit Dareios dienen. Der „Verrat“ an der gemeinsamen griechischen Abwehrfront wäre dann zu einem nützlichen Argument für die Akzeptanz eines weiterbestehenden Sparta als regionaler Ordnungsmacht auf dem Peloponnes geworden - als persischer Juniorpartner im strategischen Rücken der griechischen Poleis zur Verhinderung erneuter „demokratischer Selbstverwirklichung“ Athens.

 

Taktische Dispositionen für die Schlacht

Die in vielen Darstellungen Miltiades zugeschriebene Initiative zur Eröffnung der Schlacht ist mehr als fraglich. Selbst wenn ihn Herodot, geprägt von seiner zeitgenössischen athenischen Informationslage, in fiktiver Rede als zur Tat drängenden Feldherrn charakterisiert (Hdt. VI, 109), so gilt es auch zu beachten, dass Miltiades als einer von zehn Strategen ein bürgerliches Milizheer, wie es die athenische Hoplitenphalanx in ihrem Kern war, kaum auf eigene Verantwortung in eine potenziell desaströse Kampfsituation schicken konnte - zumal jeder Stratege der Volksversammlung Rechenschaft, und dies mit gegebenenfalls tödlichem Ausgang, schuldig war.[18])

 

Ein Warten auf die Spartaner konnte seine Siegeschancen erhöhen, jene der Perser vermindern. Sehr viel eher ist daher zu vermuten, dass die persische Seite die Initiative ergriff. Der Entschluss zum persischen Vorrücken wurde nicht zuletzt aus Enttäuschung über eine ausbleibende politische Unterwerfung ausgelöst. Auch war ein mögliches Hinzutreten der kampferprobten spartanischen Krieger ins Kalkül zu ziehen: Zwei zeitlich und räumlich aufeinander folgende Schlachten - zunächst gegen Athen und dann gegen Sparta - waren leichter zu gewinnen als ein Gefecht gegen Athen und Sparta gleichzeitig. Vielleicht konnte eine Niederlage Athens dazu führen, dass sich Sparta der Aussichtslosigkeit weiteren militärischen Widerstandes bewusst werden würde.

Hier ist zunächst, in Form einiger Überlegungen, die taktische Ausgangssituation zu skizzieren. Die von den athenischen Streitkräften bezogene Stellung am Ausgang des Vrana-Tales am südwestlichen Rand der Ebene von Marathon war, neben der Kontrolle des Zugangs in Richtung Athen zwischen den Ausläufern des Agriliki und eines sich bis zur See erstreckenden sumpfigen Geländes,[19]) in mehrerlei Hinsicht militärisch zweckmäßig:

1. Die Stellung nahe dem Heiligtum des Herakles sicherte durch den mythologischen Bezug die „Unterstützung“ des Heros in der Schlacht - ein Ausweis kluger Menschenführung im Sinne einer religiös-kulturellen „Kompetenz“ zur Steigerung des motivationalen Einsatzwertes.

2. Die Enge des Tales ermöglichte eine stabile dichte und wuchtige Aufstellung der Hoplitenphalanx mit geschützten Flügeln und reduzierte die Gefährdung der Flanken und des Rückens durch eine drohende Entwicklung der persischen Reiterei gegen Null. Daher war vermutlich von Datis die Reiterei, über deren Existenz, Anzahl und militärisch-taktische Funktion in der Forschung nach wie vor Uneinigkeit besteht,[20]) nicht für die Schlacht vorgesehen.

3. Sollte die persische Kavallerie tatsächlich in nennenswerter Weise vorhanden gewesen sein, so wäre ihr Einsatz allein bei der Eröffnung der Schlacht sinnvoll gewesen. Denn sobald die Infanteriekräfte aufeinandertreffen und im Nahkampf ineinander verwoben sind, ist der taktische Einsatzwert der Reiterei aufgrund der Unübersichtlichkeit der Gefechtssituation äußerst begrenzt. Eine Niederlage der attisch-platäischen Phalanx machte einen persischen Kavallerieeinsatz genauso überflüssig wie deren Sieg. Die militärische Führung der Perser konnte kaum von dem sie überraschenden Antritt zum Angriff der Hoplitenphalanx aus der gesicherten Defensivstellung heraus ausgehen. Es ist daher zu vermuten, dass die geringen Bestände an persischer Reiterei von Datis sehr viel eher zur Aufklärung in Richtung Athen angesetzt wurden - nur auf diesem Wege war ein Anmarsch spartanischer Truppen militärisch sinnvoll.

4. Ein möglicher Ab- bzw. Vorbeimarsch der persischen Infanterie entlang des Meeres in Richtung Athen musste mit einer Bedrohung des eigenen rechten Flügels rechnen. Jeder athenische Stratege hätte dann seine Hopliten zum Angriff führen müssen. Zudem musste, da in einem Worst-Case-Szenario mit einem Anmarsch spartanischer Kräfte zu rechnen war, eine derartige Option dazu führen, dass die persischen Kräfte zwischen den sie verfolgenden athenischen und dem ihnen entgegenmarschierenden spartanischen Kontingent eingeschlossen sein konnten. Die militärische Führungsfähigkeit einer hierfür notwendigen kombinierten Land-See-Operation zwischen zwei feindlichen Kontingenten war kaum gegeben.

5. Die Anzahl der persischen Truppen kann kaum mehr als doppelt so groß wie jene der athenischen Gegenseite gewesen sein - ansonsten hätte Datis, unter Führung des ortskundigen Hippias, wohl die Gelegenheit ergriffen, durch eine Umgehung mit einem Detachement die athenischen Truppen im Rücken zu bedrohen. Hierfür war zunächst genügend Zeit vorhanden. Dass diese Option nicht in Erwägung gezogen wurde, ist ein Indiz für eine relativ geringe Anzahl persischer Truppen. Im Umkehrschluss bedeutet dies nämlich, dass ein Teilen der geringen Kräfte ein Vorrücken der athenischen Hoplitenphalanx zur Schlacht zur Folge gehabt hätte. Deren wahrscheinlicher Erfolg hätte das Scheitern der persischen Strafexpedition bedeutet.

6. Aufgrund der Tatsache, dass die athenischen Kräfte nicht geneigt waren, ihre defensivstarke Stellung ohne Not preiszugeben - sie hätte damit der persischen Seite mit ihrer (zahlreichen) leichten Infanterie die Option zur Überflügelung geboten - sah Datis keine andere Möglichkeit zur Aufrechterhaltung des „Gesetzes des Handelns“, als die Schlacht, selbst bei ungünstiger Lage, zu wagen. Mit der Stellungswahl für die athenische Hoplitenphalanx wurde Datis daher von Miltiades zum Ergreifen der Initiative gezwungen. Nur ein militärischer Sieg der Perser konnte ihnen den ungefährdeten Weg aus der marathonischen Ebene durch den südlichen „Flaschenhals“ ebnen. Daher mussten sie die Schlacht wagen: „Die Perser packten den Stier bei den Hörnern, weil ihnen nichts anderes übrig blieb.“ [21])

Die Schlacht bei Marathon

Der tatsächliche Verlauf der Schlacht - bereits die überlieferten Quellen enthalten widersprüchliche Aussagen - ist nach wie vor umstritten,[22]) zumal zur Zeit der Erstellung der Historien ca. 65 Jahre nach der Schlacht Herodot kaum mehr Marathon-Veteranen befragen konnte. Folgt man Herodot (Hdt. VI, 109ff.), so besprachen die athenischen Strategen einen Plan für den Einsatz (109), stellten ihr Milizheer für das Gefecht in traditioneller Hoplitenphalanx auf (111) und ergriffen die Initiative „im Laufschritt“ (112) - ein offensichtliches Plausibilitätsdefizit bei Herodot, dessen geschilderter „Waffenlauf“ über ca. 1,5 Kilometer auf unrealistischen Annahmen basiert.[23]) Da ein Ausweichen der Hopliten vor dem persischen Pfeilbeschuss zu den Flanken in Richtung Anhöhen aufgrund der Gefahr der Auflösung der taktischen Formation nicht möglich war, blieb nur die „Flucht nach vorne“. Diese hatte einen doppelten Zweck: Erstens galt es, die Dynamik des Angriffs „moralisch und physisch zu verstärken“[24]) und zweitens die Wirkung der persischen Bogenschützen in den eigenen Reihen durch das Unterlaufen des Pfeilhagels zu minimieren.

 

Aufgrund der stärkeren Flügel - rechts die Athener unter Kallimachos, links die Truppen von Plataiai -, die bei einem Vorwärtsbewegen in Richtung Schlachtfeld für den eigenen Flügelschutz notwendig waren und was im Umkehrschluss ein schwächeres Zentrum bedingte, brach das athenische Zentrum. Parallel dazu schwenkten jedoch die beiden Flügel zur Mitte hin, und die Hopliten zerrieben im Nahkampf die leichte persische Infanterie. Im Anschluss daran verfolgten sie den geschlagenen Feind bis zu dessen am Strand befindlichen Schiffen (113). Mit der persischen Flucht endete die Schlacht, in der viele „angesehene Bürger von Athen“ (114), nicht zuletzt Kallimachos, ein weiterer Stratege und ein Bruder von Aischylos ihr Leben ließen: „Militärischer Sieger war der attische Hoplit, die feste Ordnung der Phalanx. Diese disziplinierte Form des Kampfes war den Persern noch unbekannt.“ [25]) Die von Herodot überlieferte Zahlenangabe von 6.400 toten Persern (117) ist eindeutig zu hoch. Selbst wenn sie wohl ein Mehrfaches der 192 gefallenen athenischen Hopliten (117) betrug, ist sie, als das 33 1/3-fache der athenischen Verluste, eher als symbolisch-fiktiv zu bewerten. Ihre Höhe ist nur dadurch zu erklären, dass die Kommandanten der persischen Landungsboote zu früh vom Festland absetzten, sodass die fliehenden persischen Truppen ohne taktische Führung von den den Sieg ausnutzenden Hopliten niedergemacht wurden.

 

Epilog

Der persische Flottenvorstoß nach der Schlacht bei Marathon um das Kap Sunion herum in Richtung Athen (115) wurde in der Regel als Indiz dafür gewertet, dass die persischen Befehlshaber die verlorene Schlacht nicht als Ausweis einer gescheiterten Kampagne betrachteten.[26]) Dies erscheint jedoch fraglich: Die gesamte Planung und Anlage der persischen Kampagne ist - verstärkt durch den erfolgreichen Vorstoß über die Zentralägäis bis zur Ebene von Marathon - darauf angelegt, dort den (militärischen) Erfolg zu erzielen. Ansonsten wäre eine auf zwei Orte - Marathon und Athen - fokussierte Truppenkonzentration zur Diversion der athenischen Truppen erfolgversprechender gewesen. Dass nach einem Verlust Tausender Soldaten ein Plan B in Form einer auf Dauer angelegten Belagerung mit geringerer Truppenstärke das Ziel Datis’ nach der Schlacht gewesen sein könnte, ist zweifelhaft. Das im Anschluss an die Schlacht bei Marathon folgende „showing of flag“ der Reste der persischen Invasionstruppen vor Athen war vielmehr schon der präventiven „Aufarbeitung“ geschuldet: „The motive of Datis and Artaphernes is transparent enough: they had to report defeat to the Great King, and it would go better for them if they left nothing untried in their effort to carry out their mission.“ [27])

Das erneute Scheitern einer „Strafexpedition“ führte auf der persischen Seite zu der Überzeugung, durch eine Bündelung der Ressourcen an der Ägäisfront eine politisch-strategische Tabula rasa durchzuführen.

 

Nach dem Widerhall der Jahre der Aufrüstung, Dareios’ Tod und des Niederschlagens regionaler Aufstände nach dem Bekanntwerden der Niederlage bei Marathon war es der neue „Großkönig“ Xerxes, der selbst zum „Finale“ 480 v. Chr. mit gigantischem Aufwand nach Hellas zog (Hdt. VII, 1-8). Dieser Heerzug ist sicherlich als vollkommen unangemessen zu werten, wäre er in seiner Beurteilung der Lage davon überzeugt gewesen, dass es bei Marathon lediglich ein für seinen Machtanspruch unbedeutendes Geplänkel gegeben hätte. Entscheidend war hier nicht die relativ geringe Größe der militärischen Auseinandersetzung, sondern die strategische Qualität ihres ideellen „Sprengsatzes“.

 

Strategische Ableitungen

Militärpolitische Ableitungen

Mit der siegreichen Gestaltung der Schlacht bei Marathon war der Beweis erbracht worden, dass ein erfolgreiches militärisches Bestehen gegen die Perser möglich war. Hierfür waren nicht die Unbilden des Wetters - wie zwei Jahre zuvor am Berg Athos - notwendig; auch die traditionelle Furcht vor dem Anblick der „medischen Tracht“ (Hdt. VI, 112) war unbegründet. Eine „klassisch“ militärhistorische Würdigung der militärischen Dispositionen Miltiades’ vor und in der Schlacht greift indes viel zu kurz. Denn die geschickte Wahl eines für die eigenen militärischen Planungen günstigen Geländes, das Beachten eigener starker Flügel und sicherer Flanken, die persönliche Führung durch einen klugen, umsichtigen und engagierten kommandierenden Feldherrn, das überraschende Ergreifen der (taktischen) Initiative (in der Defensive) sowie eine souveräne „Menschenführung“ - hier die Integration religiöser respektive weltanschaulicher Überzeugungen durch das Beziehen des Lagers am Heiligtum des Herakles, um auf seine „Unterstützung“ in der Schlacht zu vertrauen - gehörten in allen Epochen neben der Fortune im „Fog of War“ zum notwendigen und erwünschten Repertoire militärischer Führungskunst mit taktisch geschulten und gut ausgebildeten Truppen.

Vielmehr gilt es den Blick erneut auf eine banale Einsicht zu lenken: Vor dem Hintergrund einer existenziellen Herausforderung steigen die Erfolgschancen, wenn den im Felde stehenden Soldaten ein zu bewahrendes und verteidigenswertes politisches Gemeinwesen mit einem größtmöglichen bürgerlichen Freiheitsraum angeboten wird. Dies war den „Siegern von Marathon“ durch die politischen Reformen des Kleisthenes gegeben. Für sie ging es, geradezu intrinsisch motiviert, in der Ebene von Marathon um die Bewahrung und Verteidigung ihrer proto-demokratischen Freiheiten. Ihre Hoplitenphalanx war die logische Wehrform der besitzenden bürgerlichen Schichten, die hier auch noch für kurze Zeit ihren innenpolitischen Führungsanspruch gegenüber den „besitzlosen“ Theten behaupteten.

Die Weiterentwicklung des „Streitkräftesystems“ durch die Einbeziehung der Theten, die als unterste Zensusklasse das Reservoir der Ruderer im Flottenprogramm des Themistokles stellten, der später als Vater des Sieges in der Seeschlacht bei Salamis 480 v. Chr. in die Geschichte einging,[28]) löste eine doppelte Herausforderung.

 

Mit der Integration der Theten in das militärische System wuchs erstens die militärische Verteidigungskapazität - eine Transformation des wehrpolitischen Systems der Polis Athen durch die Verlagerung des Schwerpunktes von einem land- zu einem seezentrierten Ansatz, der in der folgenden Entwicklung zum strategischen Rückgrat bei der Durchführung offensiver machtpolitischer Ambitionen umfunktioniert wurde. Zweitens hatten adelige persische Interessenvertreter keine reale Chance mehr auf einen Umsturz, nachdem die Mehrheit der Polisbewohner, nun als Souverän, politische Partizipationsrechte besaß - die innen- und außenpolitisch instrumentalisierbare „fünfte Kolonne“ war auf Dauer, zumindest theoretisch, ausgeschaltet. Daher erwies sich die Weiterentwicklung des „Streitkräftesystems“ - als Katalysator für einen fortschreitenden Demokratisierungsprozess - auch als Stabilisator des politischen Systems in Form einer höheren Identifikation, was sich bei Salamis als richtig herausstellte: Geschlossene innere Fronten erlauben eine geschlossene äußere Front. Entscheidend hierfür war der Wille zur politischen Selbstbehauptung.

 

Historisch-politische Identitätskonstruktionen

Politische Gemeinwesen benötigen für eine erfolgreiche Selbstbehauptung nicht nur ein „Außen“ zur Abgrenzung, sondern auch eine tief reichende Identitätswurzel nach „Innen“. Daher ist für die Aufrechterhaltung des Selbstbehauptungswillens eine auch für die und in der jeweiligen Gegenwart begründbare fortlaufende positive Weiter- und „Meistererzählung“ eigener Leistungen in der Vergangenheit wichtig. Sie dient der Selbstvergewisserung durch gezielte Traditionsbildung. Diese bezieht sich entweder auf die Geschichte der eigenen sozialen Großgruppe oder - abstrahiert - auf einen außerhalb stehenden kanonisierten historischen Ereignishorizont wie zum Beispiel die griechische respektive römische Antike. Während der Topos Rom für die Effizienz imperialer Herrschaft, politischer Stabilität und militärischer Organisation steht, fiel der Polis Athen des 5. vorchristlichen Jahrhunderts stets eine prominente Rolle in politiktheoretischer und -praktischer sowie kultureller, aber auch militärhistorischer Hinsicht zu.

Der historiographische Siegeslauf der „Sieger von Marathon“ hatte seinen ersten Schwerpunkt in der nach Selbstbestätigung und -legitimation suchenden attischen Polis, einen zweiten im neuzeitlichen Europa des 19. Jahrhunderts[29]) sowie einen etwas modifizierten dritten im Kalten Krieg des 20. Jahrhunderts. Er spiegelt damit auch die mögliche Instrumentalisierung des Topos Marathon auf kommunal-regionaler, nationaler und übernational-globaler Ebene wider.

Zunächst zum antiken „Siegeslauf“: Das eigene ideelle staatspolitische Selbstverständnis als erfolgreiche „wehrhafte Demokratie“ - noch dazu gegen die „Weltmacht“ Persien - sowie zur Legitimation eigener hegemonialer Absichten der folgenden Jahrzehnte (Attisch-delischer Seebund) führte zu einer legendenreichen Ausschmückung der Schlacht. Athen siegte bei Marathon in seinem konstruierten Selbstverständnis in der Zeit existenzieller Herausforderung stellvertretend für die „Hellenen“ gegen das 46 Völkerschaften umfassende persische Aufgebot (Hdt. IX, 27). Was als Erzählung begann, wurde über den gesellschaftlich akzeptierten Transmissionsriemen „Meistererzählung“ aus individuellen (jeder Marathon-Krieger), familiären (Miltiades’ Sohn Kimon forcierte die Bedeutung seines Vaters und der Schlacht bei Marathon) und staatspolitischen Erwägungen (Legitimation der Führungsrolle Athens) zur „gesicherten“ historischen Wahrheit. Weshalb sollte Athen auch darauf verzichten, Marathon als Erinnerungsort - „Gibt uns nicht schon diese eine Tat allein ein Anrecht auf diesen Platz?“ (Hdt. IX, 27) - für die Legitimation seiner Politik im 5. Jahrhundert zu benutzen?[30])

So reizvoll es auch ist und bleibt, die verschiedenen Motivationslagen bei der Selbstmystifizierung der Athener im Sinne der von Historikern stets geforderten Dekonstruktion nachzuzeichnen und darauf zu verweisen, die Athener hätten Marathon nach Salamis und der Bedeutung der spartanischen Führungsrolle im Kampf gegen Xerxes überzeichnet und die gewaltige Dimension und Bedeutung um zehn Jahre zurückprojiziert, ist doch auch darauf hinzuweisen, dass eben dies, aus athenischem Selbstverständnis heraus, ein noch heute nachvollziehbarer Topos war.

Die zweite bedeutsame Phase der Marathon-Rezeption begann im 19. Jahrhundert und verknüpfte Marathon vor dem Hintergrund des Zeitalters der (beginnenden) Nationalstaaten mit einer europäisch-aufgeklärten Identitätskonstruktion. Im Zuge des griechischen Befreiungskrieges zur Abschüttelung der osmanischen Herrschaft 1821-1829, der insbesondere auch unter humanistisch gebildeten Zentraleuropäern sofort zur Assoziation des ionischen Aufstandes gegen das persische Reich führte, erfuhr auch die Schlacht bei Marathon eine neue publizistische sowie historiographische und literarische Renaissance.[31]) Kurze Zeit später wurde sie durch die Aufnahme als erste Schlacht der „Fifteen Decisive Battles of the World: from Marathon to Waterloo“ in dem Werk des britischen Historikers Edward Shepherd Creasy (1851) vor dem Hintergrund des Viktorianischen Zeitalters kanonisiert. Dadurch wurde sie zum archimedischen Punkt einer Kausalkette, die von der athenischen Demokratie und griechischen Klassik sowie der Vermittlerfunktion Roms als Träger des „griechischen Erbes“ über Renaissance und Humanismus zu Aufklärung und europäischer Moderne zielte - gewissermaßen als reziproke teleologische Retroprojektion. Eine zusätzliche, ebenso ahistorische, Übersteigerung der Bedeutung der Schlacht bei Marathon erwuchs aus dem 1846 verfassten Diktum John Stuart Mills, wonach die Schlacht bei Marathon für die englische Geschichte eine größere Bedeutung habe als jene bei Hastings im Jahre 1066.[32])

Diese euro- und anglozentrischen Extrema fanden ihr Pendant in kontrafaktischen Versuchen, der Schlacht bei Marathon ihren Nimbus zu bestreiten - aber: Was hätte die Welt gewonnen, wäre Athen bei Marathon besiegt worden? Dabei wurde Marathon einerseits - literarisch - zu einem unbedeutenden Gefecht am Ägäisstrand: „Truthloving Persians do not dwell upon/the trivial skirmish fought near Marathon.“ [33]) Andererseits wurde, historisch nicht unbegründet, Sparta nach einer Niederlage Athens bei Marathon die Rolle einer den persischen Suprematieanspruch auf dem griechischen Festland infolge einer machtpolitischen Überdehnung herausfordernden Ordnungsmacht zugeschrieben - indes ohne Auswirkung auf den Aufstieg Roms oder Europas in der Neuzeit.[34])

Neben der Landschlacht bei Marathon 490 v. Chr. wurde auch die Seeschlacht bei Salamis 480 v. Chr. als „Nadelöhr, durch das die Geschichte hindurch musste“,[35]) hervorgehoben. Die beiden militärischen Abwehrerfolge der griechischen Poleis gegen den Machtanspruch des Perserreiches brachten die folgenden Generationen bis in die Gegenwart zu einem begeisternden Betrachten der Bedingungen des Möglichen, wollte man nicht wie Hegel das historisch Notwendige konstatieren: „Das Interesse des Weltgeistes hat hier auf der Waagschale gelegen.“ [36]) Dies gipfelte letztlich in dem berühmten Diktum Fullers: „Marathon was the birth cry of Europe.“ [37])

Vor dem Hintergrund dieses geschichtsphilosophischen Konstrukts wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges - die dritte Rezeptionsphase - Marathon als ein Zentralereignis der Perserkriege in Form einer macht-, strategie- und sicherheitspolitischen Chiffre zum Angelpunkt historisch-politischer Selbst- und Fremdzuschreibungen. Dabei wurden die NATO und der Warschauer Pakt in Form einer vergleichenden Analogie in kontinuitätsstiftender Perspektive betrachtet: Der attische Seebund im Westen, eine maritime Allianz mit ausgeprägten Wirtschaftsinteressen, und seinen Auxiliartruppen einerseits, das halbkontinentale, bodenschwere Perserreich im Osten mit seinen Satrapien als westliches Sicherheitsglacis andererseits machten einen Vergleich geradezu zwingend.[38])

Die Ambivalenz historisch-politischer Identitätskonstruktionen wächst indes mit dem zeitlichen Abstand: So sehr die USA es lieben, sich selbst im kapitalistisch-kulturellen und demokratischen Glanze Athens zu spiegeln, so sehr erinnern sie eben auch in ihrem machtpolitisch-globalen Auftreten an Rom und Persien. Letztlich wird auch in diesen (geschichts-)philosophischen, literarischen und kontrafaktischen (Über-)Interpretationen genauso wie in der wissenschaftlichen Akribie verpflichteten rezeptionsgeschichtlichen Studien deutlich, dass das Nachleben von „großen“ politischen und militärischen Ereignissen mehr von jeweils gegenwartsbezogenen - individuellen und kollektiven - Intentionen abhängig war (und ist) als vom exakten Wissen um die tatsächlichen historischen Begebenheiten. Daher gilt: „Marathon was one birth cry of Europe“ - aber einer, in den viel hineininterpretiert werden kann.

 

Strategisches Fazit

Um 500 v. Chr. hatte sich im östlichen Mittelmeerraum eine politisch-strategische Situation herausentwickelt, die Groß-, Mittel- und Kleinmächte (Persien, Sparta, Athen) in miteinander vernetzte außen- und innenpolitische Konfliktszenarien führte, die in ihrem Kern zeitlose, d.h. „klassische“, Lehren bereithalten, deren Aktualität auch nach 2.500 Jahren gegeben ist. „Strategische“ Ableitungen aus (militär-) historischen Einzelereignissen im Sinne eines modifizierten „Lessons learned“-Ansatzes bedürfen der interpretativen Abstraktion.

Bei dem Versuch eines strategischen Fazits ist zunächst festzuhalten, dass sich sämtliche Akteure (Persien, Athen, Sparta) innerhalb ihrer weltanschaulich-ideellen „Systeme“ sowie ihrer veranschlagten politischen und militärischen (Nicht-) Vorgehensweisen zweckrational verhielten. Es wurde aber auch deutlich, dass selbst klug gewählte politische und militärstrategische Zielsetzungen sowie operative Maßnahmen - wie jene Spartas und insbesondere Persiens - in der Konfrontation mit anders als „geplant“ handelnden Akteuren nicht zwangsläufig zum Erfolg führen müssen. Die Verknüpfung von Innen-, Militär- und Außen- respektive Sicherheitspolitik führt darüber hinaus zu einer grundsätzlichen strategischen Ableitung in Form einer axiomatischen Überlegung: Es gehört ganz wesentlich zum strategischen Lernen dazu, am eigenen (Miss-)Erfolg, dem (gescheiterten) Kulminationspunkt der Zielverwirklichung respektive Selbstbehauptung, nicht mit den eigenen Anstrengungen aufzuhören. Neue Herausforderungen bedürfen neben ihrem Erkennen neuer Antworten. Bereits die nächste strategische Konstellation kann ganz andere Ursachen haben und Erscheinungsformen annehmen. Ergo: Das Antizipieren von Zukunft erfordert rechtzeitiges, gelegentlich auch radikales Erneuern der - ideellen und professionellen - Instrumente zur Begegnung.

Dies zeigt auch die strategische Neuausrichtung Athens nach dem Erfolg bei Marathon unter Themistokles. Dieser sah wohl bereits nach der Niederschlagung des ionischen Aufstandes die Notwendigkeit, den maritimen Fähigkeiten Persiens im östlichen Mittelmeerraum mit dem Aufbau einer starken Flottenkomponente entgegenzutreten, die auch als Aufbau einer Drohkulisse gegen den in unmittelbarer Sichtweite liegenden Rivalen Aigina von Nutzen war - sein strategischer Weitblick konnte sich indes zunächst vor dem Hintergrund der innenpolitischen Lage der attischen Polis nicht durchsetzen, macht aber das enorme strategische Potenzial dieser Polis deutlich.

Zu einer strategischen Ableitung gehört jedoch auch eine objektive Betrachtung beider Seiten. Sie offenbart eine gewisse Janusköpfigkeit, wenn man sie auf die Moderne, und hier insbesondere auf die Gegenwart, anwendet: Persien war - eine Analogie zu Rom oder den USA zwingt sich geradezu auf - zum damaligen Zeitpunkt die antike „leading nation“. Über direkte (Eroberung) und indirekte Einflussnahme entstand ein gigantisches Imperium, das nach seinem Selbstverständnis Herausforderer oder Insurgenten abzustrafen hatte. Der ionische Aufstand war im Kern eine Bestreitung des universalen Herrschaftsanspruches. Eine militärische Intervention zur Stabilisierung des ägäischen Raumes sollte begleitet werden durch einen Regimewechsel (Re-Installation von Tyrannis respektive Monarchie oder Oligarchie). Als dies 490 v. Chr. bei Marathon keinen Erfolg zeitigte, wurden 480 v. Chr. mehr Truppen entsandt - am Ende stand die große Niederlage. Persiens strategische Politik liest sich - Paradoxie oder List der Geschichte? - wie jene der Gegenwart, in der die USA, stellvertretend für einen „westlichen“ Politikansatz, in und mit ihrem nach wie vor imperialen Selbstverständnis als „indispensable nation“ (unverzichtbare Nation) - so der ehemalige US-amerikanische Präsident Clinton - den gleichen strukturellen Herausforderungen ausgesetzt sind wie jedes Imperium zuvor.[39])

Betrachtet man die Geschichte in ihrer Gesamtheit, so lautet ihr fundamentales Lernangebot - hier in den Worten des ehemaligen bundesdeutschen Präsidenten Richard von Weizsäcker: „Die geistige Auseinandersetzung mit der Geschichte bietet dem Menschen nicht Ausbildung, sondern Bildung, nicht Handlungsanweisung, sondern Horizonte. Man lernt aus der Geschichte nicht, was man tun soll: Aber man kann aus ihr lernen, was man bedenken muß.“ Dies gilt auch für ihre Subdisziplin Militärgeschichte: „Military history should be studied in width, depth, and context.“ [40]) Nur so können sie valides Orientierungswissen für politische und militärische Transformationsprozesse für die jeweiligen Gegenwarten bereitstellen.

 


ANMERKUNGEN:

[1]) Leopold von Ranke: Weltgeschichte Band 1: Die älteste historische Völkergruppe und die Griechen, Hamburg 1935, S.159.

[2]) Francis Fukuyama: Das Ende der Geschichte: Wo stehen wir?, München 1992.

[3]) G.W.F. Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte (=Werke 12), 2. Aufl. Frankfurt/M. 1989, S.76f.

[4]) Christian Meier: Die Entstehung des Politischen bei den Griechen, 2. Aufl. Frankfurt/M. 1989.

[5]) Egon Friedell: Kulturgeschichte Griechenlands, München 1981.

[6]) Vgl. zuletzt Beatrice Heuser: Den Krieg denken. Die Entwicklung der Strategie seit der Antike, Paderborn 2010.

[7]) Vgl. hierzu auch die Beiträge des Autors in der ÖMZ zu strategischen Ansätzen von Alexander (5/2005, S.647-654), Hannibal (6/2006, S.675-684) und Arminius (6/2009, S.694-706).

[8]) Zur Bedeutung von Herodots Historien für die Geschichtsschreibung vgl. Meier, Entstehung, S.360-434.

[9]) Zit. nach Werner Dahlheim: Die Antike. Griechenland und Rom von den Anfängen bis zur Expansion des Islam, 4., erw. u. überarb. Aufl. Paderborn u.a. 1995, S.177.

[10]) Vgl. für den allgemeinen Hintergrund und Verlauf Peter Green: The Greco-Persian Wars, Berkeley 1996 sowie Bruno Bleckmann (Hrsg.): Herodot und die Epoche der Perserkriege: Realität und Fiktionen, Köln u.a. 2007.

[11]) Die hier benutzten politischen Begriffe bildeten sich zwar erst im Laufe des 5. vorchristlichen Jahrhunderts in ihrem heutigen Bedeutungsinhalt heraus (vgl. Meier: Entstehung des Politischen, S.275-325), sie dienen gleichwohl zur besseren Veranschaulichung der Grundpositionen. Zur weiteren Entwicklung vgl. Kurt Raaflaub: Kleisthenes, Ephialtes und die Begründung der Demokratie. In: Konrad H. Kinzl (Hrsg.): Demokratia, Darmstadt 1995, S.1-54 und Jochen Martin: Von Kleisthenes zu Ephialtes. Zur Entstehung der athenischen Demokratie. In: Chiron 4 (1974), S.5-42 sowie Jochen Bleicken: Die athenische Demokratie, 4. Aufl. Paderborn u.a. 1995; vgl. zur Gesamteinordnung auch Meier: Entstehung des Politischen, S.51-143.

[12]) Vgl. Peter Siewert: Die Trittyen Attikas und die Heeresreform des Kleisthenes, München 1982.

[13]) Vgl. Loretana de Libero: Die archaische Tyrannis, Stuttgart 1996.

[14]) Vgl. Michael Zahrnt: Der Mardonioszug des Jahres 492 v. Chr. und seine historische Einordnung. In: Chiron 22 (1992), S.237-317.

[15]) Hdt. VI, 95 verweist auf die evtl. noch vorhandene Furcht vor einer Wiederholung des Unglücks von 492 v. Chr.

[16]) Vgl. B.H. Liddell Hart: Strategie, Wiesbaden 1954, S.26f.

[17]) Vgl. dazu zudem Karl-Wilhelm Welwei: Sparta. Aufstieg und Niedergang einer antiken Großmacht, Stuttgart 2004, S.122.

[18]) Vgl. Bleicken: Athenische Demokratie, S.145.

[19]) Zur Topographie des Schlachtfeldes vgl. William Kendrick Pritchett: Studies in Ancient Greek Topography. Teil II (Battlefields), Berkeley/Los Angeles 1969 sowie Norman A. Doenges: The Campaign and Battle of Marathon. In: Historia 47 (1998), S.1-17.

[20]) Vgl. die Diskussion und Abwägung bei James A.S. Evans: Herodotus and the Battle of Marathon. In: Historia 42 (1993), S.279-307, hier S.293-299.

[21]) Hans Delbrück: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte (Band 1: Altertum), photomechanischer Nachdruck der dritten Auflage Berlin 1964, S.61.

[22]) So wurde von Johan Henrik Schreiner: Two Battles and Two Bills: Marathon and the Athenian Fleet, Athen - Oslo 2004 (=Monographs from the Norwegian Institute at Athens 3) sogar vorgeschlagen, dass es zwei aufeinander folgende Schlachten gab - eine erste mit einem Erfolg des Kallimachos und eine zweite, von Miltiades gewonnene.

[23]) So bereits Delbrück: Geschichte der Kriegskunst, S.54.

[24]) Ebenda, S.61.

[25]) Alfred Heuß: Hellas. In: Golo Mann/Alfred Heuß (Hrsg.): Propyläen Weltgeschichte. Eine Universalgeschichte Band 3, S.69-400, hier S.222.

[26]) Vgl. etwa Hölkeskamp: Marathon, S.332.

[27]) Evans: Herodotus and the Battle of Marathon, S.303.

[28]) Vgl. Albrecht Behmel: Themistokles. Sieger von Salamis und Herr von Magnesia, 2. Aufl. Stuttgart 2002.

[29]) Vgl. Michael Zahrnt: Marathon - das Schlachtfeld als „Erinnerung“, einst und jetzt. In: Elke Stein-Hölkeskamp/Karl-Joachim Hölkeskamp (Hrsg.): Die griechische Welt. Erinnerungsorte der Antike, München 2010, S.114-127; Hans-Joachim Gehrke: Marathon (490 v. Chr.) als Mythos: Von Helden und Barbaren. In: Gerd Krumeich/Susanne Brandt (Hrsg.): Schlachtenmythen. Ereignis - Erzählung - Erinnerung, Köln u.a. 2003, S.19-32; Martin Flashar: Die Sieger von Marathon - Zwischen Mythisierung und Vorbildlichkeit. In: Ders./Hans-Joachim Gehrke/Ernst Heinrich (Hrsg.), Retrospektive. Konzepte von Vergangenheit in der griechisch-römischen Antike, München 1996, S.63-85 sowie Karl-Joachim Hölkeskamp: Marathon - vom Monument zum Mythos. In: Dietrich Papenfuss/Volker Michael Strocka (Hrsg.): Gab es das griechische Wunder? Griechenland zwischen dem Ende des 6. und der Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr., Mainz 2001, S.329-353 und Thomas A. Schmitz: Marathon - ein antiker Mythos. In: Peter Tepe (Hrsg.): Politische Mythen (=Mythos No. 2), Würzburg 2006, S.82-103.

[30]) Vgl. zum Gesamtkomplex Michael Jung: Marathon und Plataiai. Zwei Perserschlachten als „lieux de mémoire“ im antiken Griechenland, Göttingen 2006 (Hypomnemata, Band 164).

[31]) Vgl. hierzu die Beiträge der Sektion 4 („Nationhood and Identity“) in: Bridges, Emma/Edith Hall/P.J. Rhodes (Hrsg.): Cultural Responses to the Persian Wars. Antiquity to the Third Millenium, Oxford 2007.

[32]) J.M. Robson (Ed.): Collected Works of John Stuart Mill, Vol. XI - Essays on Philosophy and the Classics, London 1978, S.273.

[33]) So der Dichter Robert Graves: Collected Poems (1914-1947), London etc. 1948, S.210.

[34]) Vgl. etwa Josef Wiesenhöfer: „Griechenland wäre unter persische Herrschaft geraten ...“ Die Perserkriege als Zeitenwende? In: H. Brinkhaus/S. Sellmer (Hrsg.), Zeitenwenden (=Asien und Afrika, 4), Hamburg 2002, S.209-232.

[35]) Christian Meier: Athen. Ein Neubeginn der Weltgeschichte, München 1993, S.33.

[36]) Hegel: Philosophie der Geschichte, S.315.

[37]) J.F.C. Fuller: A Military History of the Western World, new ed. New York 1988, S.25.

[38]) Vgl. Eberhard Birk: Die Paulskirche(n) und die NATO. Der Deutschen Ambivalenzen im Spiegel der (un)geschützten Freiheiten. In: E. Birk (Hrsg.), Streitkräfte und Erziehung, Fürstenfeldbruck 2007 (=Gneisenau Blätter 5), S.68-75 sowie ders., Napoleon Imperator. In: ÖMZ 2/2010, S.168-185, hier S.183.

[39]) Zum Selbstverständnis und Handeln von Imperien vgl. Herfried Münkler: Imperien. Die Logik der Weltherrschaft - vom Alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten, Berlin 2005. Es ist evident, dass der Begriff der Nation für die Antike keine Relevanz hat.

[40]) Milan Vego: Military History and the Study of Operational Art. In: Joint Forces Quarterly 57 (2nd quarter 2010), S.124-129, hier S.127.