Giftanschlag - Der Fall Skripal - Special

 

Eine Rekonstruktion der vorläufigen Ereignisse:

 

  • 4. März 2018: Sergei Skripal und seine Tochter Julia werden bewusstlos auf einer Parkbank in Salisbury/Großbritannien gefunden. Drei Tage später bestätigt die Polizei, dass sie einem Nervengift ausgesetzt waren.

 

  • 12. März 2018: Die britische Premierministerin Theresa May identifiziert das Nervengift als Nowitschok und beschuldigt Russland, hinter dem Anschlag zu stehen.

 

  • 14. März 2018: Die britische Regierung weist 23 von 58 russischen Diplomaten aus. Der Kreml reagiert mit symmetrischen Gegenmaßnahmen.

 

  • 26. März 2018: Die USA und 17 EU-Staaten weisen zusammen mit befreundeten Staaten in einer koordinierten Aktion über 100 weitere russische Diplomaten aus.

 

  • 12. April 2018: Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen kommt in ihrer Untersuchung zum Schluss, dass der eingesetzte Kampfstoff Nowitschok war.

 

  • 3. Mai 2018: Der tschechische Präsident Milos Zeman bestätigt erstmals offiziell, dass Nowitschok auch außerhalb Russlands hergestellt wurde.

 

  • 7. Mai 2018: In der Giftaffäre um den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal bestreitet die tschechische Regierung schließlich die Produktion von Nervengift der Nowitschok-Gruppe. Dieses sei „in Tschechien weder produziert noch entwickelt noch gelagert“ worden, sagt Ministerpräsident Andrej Babis. Anderslautende Aussagen von Präsident Milos Zeman beruhen auf einem „Missverständnis“.
    Demnach habe ein tschechisches Militärinstitut eine „mikroskopische Menge“ der Substanz für Testzwecke verwendet. Es habe sich aber nicht um jene Unterform des Nervengifts gehandelt, das Anfang April gegen Skripal eingesetzt worden war, heißt es.

 

  • 24. Mai 2018: Julia Skripal äußert sich erstmals nach dem Gift-Anschlag auf sie und ihren Vater. Erstmals spricht die Tochter des ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal über die verheerenden körperlichen und emotionalen Veränderungen, die sie durch den Anschlag erlitten hat. An einem geheimen Ort wurde über Polizeikontakte ein Treffen zwischen Skripal und der Nachrichtenagentur Reuters organisiert. In der Videonachricht beschreibt sie den Heilungsprozess als „extrem schmerzhaft“. Die Tatsache, dass für den Anschlag das Nervengift Nowitschok verwendet worden war, bezeichnet sie als schockierend. Nun wolle sie sich um ihren Vater Sergej kümmern. „Längerfristig hoffe ich, in mein Land zurückzukehren“, ergänzt sie.
    Der russische Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow hat angesichts der Videobotschaft Skripals den Verdacht geäußert, diese könnte unter Zwang entstanden sein. „Wir haben von ihr nichts gesehen oder gehört“, sagte er. Die russische Botschaft habe Skripal mehrmals Unterstützung angeboten. Hilfsangebote der russischen Botschaft lehnt Skripal in der Videonachricht dankend ab. Sie bekräftigt, dass sie und ihr Vater für sich selbst sprechen.

 

  • 5. Juli 2018: Nach zwei weiteren Nowitschok-Vergiftungsfällen in England flammt der Streit zwischen Großbritannien und Russland wieder auf. Die britische Regierung fordert die Regierung in Moskau auf, Details über den Einsatz des Nervengifts gegen den früheren Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter im März zu übermitteln. Russland hingegen betont abermals, dass es sich dabei um grundlose Anschuldigungen handle, und nennt die Ereignisse eine politische Intrige der Briten.

 

  • 6. Juli 2018: Im Fall des mit Nowitschok vergifteten britischen Paares geht die Polizei davon aus, dass die beiden einen Behälter mit dem Nervengift berührt haben müssen. Die Dosis des Kampfstoffes sei sehr hoch gewesen, teilt Scotland Yard. Die 44-jährige Frau stirbt im Krankenhaus; ihr Partner schwebt weiter in Lebensgefahr. 

 

  • 13. Juli 2018: Die britische Polizei findet den Behälter, durch den die zwei Briten mit dem Nervengift Nowitschok in Kontakt gekommen sind. Die kleine Flasche wird im Haus des Paares gefunden. Der Mann ist wieder bei Bewusstsein.

 

  • 6. September 2018: Die britische Regierung stellt Haftbefehle gegen zwei russische Geheimdienstmitarbeiter aus. Beiden werden versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und der Besitz von chemischen Waffen vorgeworfen. Großbritannien beantragt einen Europäischen Haftbefehl. Man werde Russland nicht um die Auslieferung der beiden Männer ersuchen, da die russische Verfassung die Auslieferung eigener Staatsbürger verbiete, heißt es. Moskau hält dagegen fest, dass man die beiden Männer gar nicht kenne.

 

  • 28. September 2018: Der vergiftete Ex-Doppelagent Sergej Skripal soll bis 2017 für vier NATO-Geheimdienste gearbeitet haben. Dabei solle er auch aktive Spione des russischen Militärgeheimdienstes GRU verraten haben, berichtet die Presse unter Berufung auf einen ranghohen Mitarbeiter der NATO-Spionageabwehr Allied Command Counterintelligence (ACCI) in Brüssel.

 

  • 3. Oktober 2018: Der russische Präsident Wladimir Putin bezeichnet den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal als „Vaterlandsverräter“ und „Dreckskerl“. Putin äußerte sich bei einem Energieforum in Moskau und erklärte, Skripal sei nach einer fünfjährigen Haftstrafe freigelassen worden und dann nach Großbritannien gegangen, wo er mit westlichen Geheimdiensten kooperiert habe.
    Putin weist einmal mehr jede Verantwortung für den Giftanschlag auf Skripal zurück.

 

  • 10. Oktober 2018: Wie nun bekannt wird, hatten die mutmaßlichen Skripal-Attentäter (offensichtlich zwei Mitarbeiter des GRU) den russischen Ex-Doppelagenten schon länger im Visier gehabt. „Es sieht danach aus, dass die Russen ein Kommando aufgestellt und Skripal bereits lange vor dem Mordversuch beschattet haben“, sagt eine namentlich nicht genannte Geheimdienstquelle dem tschechischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk.