"Ist der Terror unter uns?" - Gastvortrag von Terrorismusforscher Peter Neumann an der Landesverteidigungsakademie


Wien, 12. Juni 2019 
- Der weltweit renommierte Terrorismusforscher Peter Neumann vom "King's College" in London folgte einer Einladung an die Landesverteidigungsakademie. Der Kommandant der Akademie, Generalleutnant Erich Csitkovits, konnte zahlreiche interessierte Gäste in der "Sala Terrena" begrüßen.

In seinem Vortrag benannte Neumann mit Blick auf die Entwicklung des Jihadismus, im Anschluss an die militärische Niederlage der Terrormiliz des IS, jeweils drei positive bzw. negative Entwicklungen, die einen Trend hinsichtlich des islamistischen Terrorismus markieren könnten.

Positive Entwicklungen

Mit der Zerstörung des Kalifats sei auch die Utopie eines ideologischen Projekts zumindest mittelfristig zerstört worden. Ebenso sei es nicht zur Entstehung eines virtuellen Kalifats gekommen und die hierfür erforderliche Propagandaproduktion sei insgesamt nachweislich stark rückläufig. Die Zahl der islamistisch motivierten Terroranschläge in Europa sei zuletzt drastisch abgeflaut. Einschränkend müsse man aber erwähnen, dass die Taktfrequenz dennoch deutlich höher als 2011/2102 und auch die Anzahl der versuchten Anschläge in Betracht zu ziehen sei.  

Negative Trends

Als gravierendes Sicherheitsproblem erkennt Terrorismusforscher Neumann die Kriegsheimkehrerproblematik. Der Rückfluss an Jihadisten bereite europaweit Sorge gleichermaßen, wie mit Frauen und Kindern umzugehen sei, die aus dem Kampfgebiet in Syrien und dem Irak in ihre angestammte europäische Heimat zurückkehren (möchten). Der IS rufe nach wie vor und mit Erosion des Kalifats verstärkt zu Anschlägen in Europa auf. Der ideologische Nährboden für den Jihadismus sei fruchtbar und ebenso seien die erforderlichen Strukturen zur Durchführung intakt.

Europa sei mit neuen Profilen jihadistischer Attentäter und Attentäterinnen konfrontiert. Neu sei in diesem Kontext vor allem der steigende Grad der Involvierung von weiblichen Unterstützerinnen und terroristischen Erfüllungsgehilfinnen. Zudem sei der kausale Nexus zwischen Kriminalität und Terrorismus weiterhin ein großes Thema.

Fazit

Neumanns Fazit ist ernüchternd aber nicht pessimistisch. Die Proponenten des islamistischen Terrorismus befänden sich in einer Re-Orientierungsphase. Man müsse, so Neumann, nun genau beobachten wie es mit dem IS insgesamt weitergehe. Inzwischen fülle die Terrororganisation mehr und mehr das Vakuum fragiler Staatlichkeit und fehlender Ordnung im MENA-Raum auf. Europe bleibe im Fokus jihadistischer Gewalt und die Spirale des Terrors werde sich weiterdrehen. Aber mit Fokus auf den transnationalen Terrorismus werden in Hinkunft Netzwerke wichtiger als Organisationen.

Die Veranstaltung war eine Kooperation der Landesverteidigungsakademie, der Forschungsgruppe für Polemologie und Rechtsethik der Universität Wien und dem Verein der Freunde der Landesverteidigungsakademie.

Terrorismusforscher Peter Neumann bei seinen Ausführungen.

Am Podium: Peter Neumann und Nicolas Stockhammer von der Forschungsgruppe Polemologie und Rechtsethik.