Konzept und methodische Aspekte der Formulierung und Umsetzung der staatlichen Strategie


Mitar Kovač/Jan Marček

 

Diese Arbeit stellt den Versuch dar, das Konzept der staatlichen Strategie auf Basis einer vergleichenden Analyse aktuellen Wissens zu definieren sowie Inhalt und Ausmaß dieses Konzeptes und seine Bedeutung für Überleben und Entwicklung eines Staates im gegenwärtigen strategischen Kontext zu definieren. Darüber hinaus soll auch die Beziehung des Konzeptes zu anderen, damit in engem und intensivem Zusammenhang stehenden Konzepten eingehend beleuchtet und Einblick in die wichtigsten methodischen Dimensionen bei Erstellung und Umsetzung der staatlichen Strategie als programmatisches Dokument gewährt werden. Das Konzept der staatlichen Strategie ist relativ neu und bezieht sich nicht nur auf Sicherheit und Verteidigung, sondern auch auf andere Aufgaben des Staates. Um die Eindeutigkeit des Konzepts zu gewährleisten, sollen die laufenden Änderungen von Inhalt und Umfang gemäß gegensätzlicher Auffassungen verschiedener Autoren und Nationen, wo das Konzept auf unterschiedlichen Begriffen wie etwa nationale Strategie, totale Strategie, soziale Entwicklungsstrategie, Groß-, Allgemein- oder Gesamtstrategie basiert, aufgezeigt werden.

 

Einleitung

Bei den Sozial- und Geisteswissenschaften sowie den Studien aus den Bereichen Sicherheit und Verteidigung finden sich verschiedene Ansätze zur Definition kategorischer Begriffe in Bezug auf staatliche Sicherheit und Verteidigung, zur Identifikation der Faktoren, Zielsetzungen und Produktionsabläufe und zur Umsetzung grundlegender strategischer und doktrinärer Dokumente. Die Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeit weltweit nehmen bereits Einfluss auf Inhalt, Formulierung und Umsetzung staatlicher Strategie. Im 21. Jahrhundert sind Entwicklung, Zielerreichung, Erhaltung, Schutz und Verteidigung sowie nationale und staatliche Werte mehr und mehr von Wissen abhängig. Um dieses Wissen für die Gesamtentwicklung der Gesellschaft nutzbar zu machen, bedarf es eines Dokuments auf höchster Ebene, das die nationalen Interessen sowie die allgemeine strategische Orientierung eines Staates hinsichtlich seiner gesellschaftlichen Entwicklung darlegt. Im Sinne einer neuen Herangehensweise müssen zunächst einige grundlegende theoretische, größtenteils methodische Probleme gelöst und manche Fragen beantwortet werden, wie etwa: „Was ist staatliche Strategie?“, „Wozu dient sie?“, „Wie kommt sie zustande?“ und „Wie wird sie umgesetzt?“ Das Erforschen der grundlegenden Faktoren für und Herausforderungen bei der Erstellung einer Theorie der staatlichen Strategie ermöglichen die Definition wissenschaftstheoretischer Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung. Vergleichende Analysen hinsichtlich Ausmaß, Inhalt und Aufbau der Konzepte staatlicher Strategie, nationaler Sicherheitsstrategie und anderer Einzelstrategien waren erforderlich angesichts ihrer gegenseitigen Abhängigkeit sowohl während des Entstehungsprozesses als auch bei ihrer Umsetzung. Mittels Harmonisierung und Verflechtung der in den staatlichen Dokumenten angeführten Strukturen und Elemente werden Individuen und Institutionen der Staaten auf vernünftige Weise eingebunden und angeleitet, die in der Verfassung definierten Funktionen wahrzunehmen und die ihnen zugewiesenen, aus nationalen Interessen und Zielen ableitbaren Aufgaben zu erfüllen. Jede strategische Realität ist zugleich Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Die aktuelle strategische Position eines staatlichen Gebildes und seiner Institutionen definiert sich durch seine vergangenen strategischen Handlungen in Theorie und Praxis sowie durch seine Entscheidungen hinsichtlich der Zukunft, die zur Gegenwart werden.1) Ohne die Möglichkeit der Vorhersage der Entwicklung einer Gesellschaft ist es beinahe unmöglich, den Staat, das nationale Sicherheitssystem, die Außenpolitik und Wirtschaft, die Verteidigung und andere staatliche Funktionen in strategischen Dokumenten zu positionieren, da diese Dokumente den Fokus von und die Kriterien für diverse gesellschaftliche Aktivitäten definieren und somit einen wichtigen Einfluss auf die Zukunft und die Fähigkeiten staatlicher Institutionen ausüben. Diese Phase strategischen Planens auf staatlicher Ebene erhält oft den Namen „strategische Richtlinien.“ Diese Bezeichnung ist gleichzeitig real und symbolisch, da jedes System, und so auch der Staat, vornehmlich durch die Definition seiner Interessen, Ziele, Aufträge, Aufgaben und anderer Parameter in Form strategischer Verpflichtungen geleitet wird. Die Beziehungen zwischen Völkern und Staaten wie auch historische Gegensätze können immer dann zu heterogenen und andauernden sozialen Konflikten unterschiedlicher Intensität führen, wenn diese nicht mittels eines befriedigenden Kompromisses gelöst werden. Große, rasche und elementare Veränderungen im strategischen Umfeld und Wertesysteme in internationalen Beziehungen verringern die Verlässlichkeit der Definition staatlicher Strategie beträchtlich, insbesondere dort, wo nationale Interessen, Ziele und wirksame Strategien zu deren Umsetzung auf dem Spiel stehen. Das Konzept der staatlichen Strategie ist relativ neu und bezieht sich nicht nur auf Sicherheit und Verteidigung, sondern auch aufandere Aufgaben des Staates in Zeiten des Friedens und des Krieges. Zur Erlangung eines eindeutigen Verständnisses des Konzepts ist es erforderlich, auf die ständigen Variationen in dessen Inhalt und Umfang hinzuweisen, die in den unterschiedlichen Meinungen einiger Autoren und in der Verwendung unterschiedlicher Termini durch verschiedene Nationen („national“, „total“, „grand“, „general“ und „overall strategy“) zum Ausdruck kommt. Diese Variationen können großteils als Ergebnis dessen beurteilt werden, wie sich das Verständnis des Konzeptes im Osten und im Westen nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte. Jedoch muss man sie auch aus der Perspektive jüngster Erkenntnisse im Bereich Strategie in kleineren und Entwicklungsländern betrachten, unter der Bedachtnahme, dass diese Strategien durch zahlreiche interne und externe Faktoren bestimmt werden, die wiederum ihre Definition beeinflussen. Im Rahmen der staatlichen Strategie als einem wichtigen Ausgangspunkt für Programme zur Entwicklung der Gesellschaft und ihres Überlebens müssen das höchste Gut, die Werte, Interessen und Ziele geschaffen werden, und zwar in Hinsicht auf mögliche realistische inner- und zwischenstaatliche Beziehungen und Konflikte sowie auf Modelle für den Aufbau von politischer, wirtschaftlicher und militärischer Macht und ihrer Entwicklung unter den gegebenen Rahmenbedingungen. Nach dem Ende des Kalten Krieges, nach dem Entstehen der Unipolarität in den internationalen Beziehungen und später, nach dem Sich-Abzeichnen der wichtigsten Umrisse der jetzigen, multipolaren Welt, in der sich Staaten innerhalb eines immer komplexer und unsicherer werdenden Umfelds entwickeln, ist nun die „Identifikation nationaler Interessen und Ziele sowie die Entwicklung von Strategien zur Erreichung dieser Ziele noch weniger zuverlässig als in der Vergangenheit.“ 2) Um zu einer möglichst verlässlichen Definition von nationalen Interessen und Zielen zu gelangen, ist es u.a. erforderlich, die Interessen von Akteuren weltweit, insbesondere jener in der Region, zu beurteilen, um dadurch günstige und annehmbare strategische Beziehungen zu politischen und wirtschaftlichen Machtzentren zu erzielen und so eine uneingeschränkte Entwicklung des Staates in Bereichen wie Biologie, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Sicherheit, Kultur etc. zu ermöglichen.

 

Das Konzept der staatlichen Strategie

Es gibt keine allgemeingültige Definition des Begriffs „staatliche Strategie“ im Sinne eines programmatischen und praktischen Handlungsfeldes, der den Ablauf konkreter, auf damit verbundenem Wissen basierender Handlungen regeln würde. Hinsichtlich Theorie und Praxis bedient sich die staatliche Strategie des Wissens der Militärstrategie, der Verteidigungsstrategie und der nationalen Sicherheitsstrategie. Was die Abläufe des Regierungsprozesses bzw. die verschiedenen Funktionen und Handlungen eines Staates anbelangt, stützt sie sich auf die Verallgemeinerung von Erfahrungen und die Geschichte. Die zunehmende Unsicherheit bzw. ein Mangel an Orientierung in der gegenwärtigen Welt führen zur Notwendigkeit eines „umfassenden Dokuments“, das in einem sehr allgemeinen Sinne als Richtlinie für Staat und Nation dient und seinerseits auf grundlegenden Ausrichtungen betreffend Werte und Ziele basiert. Aus diesen und anderen Gründen ist es erforderlich, das Konzept der staatlichen Strategie zu definieren, sodass auf dessen Grundlagen reelle Aktivitäten gesetzt und gute Resultate erzielt werden können. Es gibt kaum eine menschliche Aktivität in der modernen Welt, bei der der Begriff Strategie keine Verwendung findet. Immer wenn eine wichtige Angelegenheit in Form eines Zieles, eines gewünschten Ergebnisses oder als Weg zur Erreichung bestimmter Interessen ausgedrückt werden soll, wird das Wort Strategie verwendet, wenngleich seine ursprüngliche und grundlegende Bedeutung unbekannt bleibt. Praxis und Erfahrung haben die Entwicklung des Strategiekonzeptes wesentlich beeinflusst. Menschliche Erfahrung kommt durch Wahrnehmung, Emotion und Willen zustande. Jeder Gedanke, der den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt, muss die anderen beiden Elemente ausklammern und die Wahrnehmung durch den Prozess der Recherche ersetzen. Aus den während eines wissenschaftlichen Vorgangs identifizierten Elementen müssen jene mit der größten praktischen und theoretischen Bedeutung ausgewählt werden. Durch deren Verschmelzung und Auflösung entstehen neue, abstrakte, jedoch bewusst geschaffene Begriffe von Inhalten, die nicht auf direktem Weg erfahren werden können. Strategie ist eine neue, in der vorhersehbaren Zukunft (wahrscheinlich) nicht anerkannte Art der praktischen Philosophie, obgleich sie mit jener strategischen Praxis einer staatlich organisierten Nation zu tun hat, die wir als Geschichtsauslegungspraxis bezeichnen. Strategie kann nicht durch die rein professionelle (doktrinäre, spartenbezogene) Erfassung von Fakten und Gesetzmäßigkeiten definiert werden, die sich auf die Phänomene strategischer Realität beziehen. Sie stellt umfassendes theoretisches Wissen dar, das seinen Ausdruck in Denkkonzepten findet und das sich, aufgrund seines systematischen Charakters, wesentlich von der empirischen Abstraktion von Einsichten unterscheidet.3) In seinem Werk „Introduction to Strategy“ argumentiert Andre Beaufre, dass „Strategie keine umfassende (Lehr-)Doktrin darstellen muss, sondern nur eine Art (Methode) des Denkens, die eine Klassifizierung und Verteilung von Ereignissen hinsichtlich ihrer Bedeutung oder ‚Hierarchie’ und somit die Auswahl der effizientesten Vorgangsweise ermöglicht.“ 4) Seiner Ansicht nach ist „Strategie die Kunst der Dialektik der Willen, die sich der Macht zur Lösung ihres Konfliktes bedient.“ 5) Ein wichtiger Beitrag zur theoretischen Verallgemeinerung und Definition des Strategiekonzeptes stammt von Sir Basil Henry Liddell Hart in seinem gefeierten Werk „The Strategy of Indirect Approach“. In seiner Kritik der Clausewitz’schen Ansichten von Strategie, dem Erreichen strategischer Ziele und militärischer Strategie, räumte Liddell Hart die Möglichkeit der Erreichung strategischer Ziele auch durch andere Mittel ein. Die Ablehnung des Einsatzes von Gewalt sollte nicht immer als Schwäche, sondern als Tugend und Weisheit interpretiert werden, für den Fall, dass eine Annahme der Herausforderung nur Schaden bewirken würde. Mit einem so allgemeinen Zugang zum Strategiebegriff prägte Hart den Begriff „grand strategy“, deren Grundsätze die Bemühungen und Ressourcen einer Nation in ihrer Gesamtheit zu Zeiten des Friedens und des Krieges regeln. Letztere hat im Grunde mit staatlicher Strategie zu tun, im Zuge derer Bemühungen zum Zwecke der strategischen Zielerreichung zusammengeführt werden.6) Raymond Aron war der Auffassung, dass die gesamte Entwicklung von Strategie einhergehe mit der Entwicklung ihrer Bedeutung als reine Gewaltanwendung im engeren Sinne hin zur Definition als Machtausübung zwecks des Erreichens politischer Ziele im weiteren Sinne.7) Strategie befasst sich nicht mit menschlichen Beziehungen oder, aus soziologischer Sicht, mit sozialen Prozessen, sondern mit den grundlegenden Beziehungen maßgeblicher Gruppen strategischer Akteure untereinander, die anhand miteinander verflochtener interner und externer Prozesse deutlich werden. Keine andere Sozialwissenschaft befasst sich mit aus diesem Blickwinkel betrachteten menschlichen Beziehungen. Vor beinahe vier Jahrzehnten wurden Soziologen der Wichtigkeit strategischen Denkens gewahr, versäumten es jedoch, die Weiterentwicklung dieser Fertigkeit ernsthaft voranzutreiben.8) Strategie ist die geplante, zielgerichtete Bereitschaft und der koordinierte Einsatz der gesamten politischen, wirtschaftlichen, technologischen sowie wissenschaftlichen und intellektuellen (geistigen) Macht eines Staates wie auch seiner militärischen Kräfte in Zeiten des Friedens und des Krieges.9) Gemäß der „New Larousse Encyclopaedia“ ist Strategie „a system of scientific knowledge and the highest level skills regarding a specific social activity: the sphere of politics, war waging and armed struggle, economic policy, diplomacy and international relations, etc.(ein System bestehend aus wissenschaftlichen Kenntnissen und Fertigkeiten auf hoher Ebene auf dem Gebiet der Politik, der Kriegführung, des bewaffneten Konfliktes, der Wirtschaftspolitik, der Diplomatie, der internationalen Beziehungen etc.). Aus militärischer Sicht ist Strategie „a science studying main patterns of armed struggle and war. It occupies the leading position in the system of military sciences as it guides and coordinates other scientific discipline, especially tactics and conduct of operation“ (eine Wissenschaft der wichtigsten Formen des bewaffneten Kampfes und des Krieges, die im System der Militärwissenschaften eine führende Rolle spielt, da sie andere wissenschaftliche Disziplinen, insbesondere Taktik und Einsatzführung, lenkt und koordiniert).10) Die „Kleine Enzyklopädie“ von „Prosveta“ definiert Strategie als „Element der Kriegskunst, das sich mit Theorie und Praxis, mit der Vorbereitung und der Führung von Kriegen sowie dem Einsatz von Streitkräften zum Zweck der Erreichung bestimmter militärischer, politischer und wirtschaftlicher Ziele befasst.“ Gemäß dieser Quelle sind „Formen des bewaffneten Kampfes und alle anderen Arten militärischer Machtdemonstration“ Gegenstand strategischer Studien.11) Die „Militärische Enzyklopädie“ definiert Strategie als „ein System wissenschaftlichen Wissens und Fertigkeiten in Theorie und Praxis, bezogen auf die Vorbereitung und Führung von Kriegen sowie den Einsatz von Gewalt zur Erreichung bestimmter militärischer, politischer und wirtschaftlicher Ziele.“ 12) In ähnlicher Weise stellt die „Politische Enzyklopädie“ fest: „Strategie befasst sich mit der Vorbereitung und der Führung von Kriegen im Allgemeinen, mit einzelnen Kriegsphasen und mit der Koordination strategischer Handlungen.“ 13) In ihrem Artikel „The skill of strategy creating and force planning“ betonen Henry et al., dass Strategie eine Fertigkeit, jedoch keine Wissenschaft sei. Sie bedeutet das Lösen von Problemen - die Erstellung eines „Spielplans“ zwecks Erreichung der geplanten Ziele - unter Einsatz beschränkter Ressourcen. Laut den Autoren stellt das zweite Schlüsselkonzept, die Streitkräfteplanung, ebenfalls eine Fertigkeit dar. Der Prozess definiert sich durch „assessment of nations’ security needs by formulating military demands arising from them and by selection of military forces within resource limitation for fulfilment of those demands“ (die Bewertung der nationalen Sicherheitsanforderungen durch das Formulieren daraus erwachsender militärischer Erfordernisse und durch die Auswahl militärischer Kräfte innerhalb beschränkter Ressourcen zur Erfüllung dieser Erfordernisse).14) John Collins meint, „national (grand) strategy connects all factors of national power in peacetime and wartime, in order to ensure achievement of national interests and goals“ (die Nationale [Große] Strategie verbindet alle Faktoren nationaler Macht in Zeiten des Friedens und des Krieges, um die Erreichung nationaler Interessen und Ziele zu gewährleisten). Letztere sei „a skill and science as to how to use sources of national power to reach the desired levels and types of control in relation to danger emerging through threat or use of force, indirect pressures, diplomacy, sabotage and other possible means, thus meeting national interests and goals of USA“ (eine Fertigkeit sowie eine Wissenschaft der Nutzung nationaler Macht zur Erreichung der gewünschten Arten und des erforderlichen Ausmaßes von Kontrolle bei Gefahren, durch Androhung oder Anwendung von Gewalt, durch indirekte Druckausübung, Diplomatie, Sabotage etc. und somit zur Erfüllung der nationalen Interessen und Ziele der USA).15) Gemäß seiner Auffassung beruht die (grand) strategy auf „formulated and at the highest level adopted national interests, national goals, national policies and commitments“ (expliziten, auf höchster Ebene formulierten nationalen Interessen, Zielen, Strategien und Verpflichtungen).16) Svecins Ansicht, dass Strategie mit der Zukunft zu tun habe, ist wichtig zum Verständnis derselben. Alle Strukturelemente von Strategie müssen aus der Zukunftsperspektive gesehen werden, unter Berücksichtigung gedanklicher und erfahrungsbezogener Annahmen wie auch der Vergangenheit.17) In Russland hat sich vieles betreffend Theorie und Praxis von Strategie, sowohl bei der staatlichen als auch der nationalen und der Militärstrategie verändert. Die Russische Föderation hat in letzter Zeit kognitive und erzieherische Aspekte im Bereich der staatlichen Strategie und aller anderen Teilstrategien verändert. Dies lässt sich anhand einer Analyse der Prinzipien und der Methoden, wie nationale Interessen erzielt werden, verfolgen. In der jüngeren Vergangenheit wurde Strategie in der westlichen Literatur oft vereinfacht als eine Kombination aus strategischem Konzept (strategic policy) und strategischer Doktrin (strategic doctrine) definiert. Aus britischer Sicht gibt es jedoch eine klare Grenze zwischen „policy“ und „doctrine“: „Policy“ ist eine Reaktion auf das strategische Umfeld, die bestimmt, was unter den vorherrschenden Bedingungen zu geschehen hat.18) China hat keine explizite „general (grand) strategy“, die strategische Ziele und Mittel zu deren Erreichung anführt. Diese Situation spiegelt einen Ansatz, der auf der sozialen Einstellung zu Tradition und Moderne in allen Lebensbereichen beruht. Chinas Respekt vor den Grundsätzen chinesischen strategischen Denkens hinsichtlich des strategischen Umfelds sowie der Veränderungen internationaler Beziehungen zeigt sich in der Praxis. Geduld, Wissen, Kreativität und Ausdauer sind erforderlich für Erneuerung. China und das chinesische Volk haben ihre Fähigkeit bewiesen, eine strategische Vision langfristig umzusetzen, und zwar in  Erwartung der unmittelbaren Resultate, die aus ihren Bemühungen erwachsen sollen. Trotz gewisser Schwierigkeiten können einige allgemeine Schlüsse hinsichtlich der chinesischen „general strategy“ oder staatlichen Strategie gezogen werden, nämlich, dass sie auf strategischer Tradition, historischen Modellen sowie Aussagen und amtlichen Dokumenten beruht, wobei das Hauptaugenmerk auf bestimmte militärische Fähigkeiten undeinen zunehmend diplomatischen Ansatz bei den derzeitigen internationalen Beziehungen gerichtet ist. Die chinesische Führung und chinesischen Strategen gebrauchen selten die „Ziele-Wege-Mittel-Methode“ für ihre strategischen Betrachtungen. Stattdessen sehen sie Strategie im Kontext der beiden Kernkonzepte „total national power“ (totale nationale Macht) und „strategic power configuration“ (strategische Machtkonstellation). Experten der strategischen Planung in China beurteilen das Sicherheitsumfeld unter Bedacht auf diese Konzepte, indem sie die chinesische Position in der Welt mit jener anderer Staaten vergleichen und sich an vorherrschende geopolitische Trends anpassen.19) Basierend auf der vergleichenden Analyse verschiedener Strategiedefinitionen ermittelte M. Sakan 18 Konzepte, die als Definientia (Definitionsbegriffe) dienen: „Variantensatz; Plan; Idee; Denksystem, Einsatz der totalen Staatsmacht; Material; Wunsch; Handlung; Lenkung von Gewalt; Fertigkeit; Theorie und Praxis; Methode; Doktrin; Rolle der Politik; Sparte der Kriegskunst; System der Wissenschaft und der wissenschaftlichen Kenntnisse.“20) Es gibt ohne Zweifel noch viele andere Begriffe, die jenen zur Definition von Strategie in allen Lebensbereichen hinzugefügt werden könnten. Der Begriff Staat wird in einigen unterschiedlichen Bedeutungen verwendet.21) Im engeren Sinne bedeutet Staat „Staatsapparat“, d.h. eine hierarchische Organisation, bestehend aus Individuen und Kollektiven, die die staatliche Regierung sowie auch alle Bediensteten ihrer sämtlichen Gremien repräsentieren. Jedoch kann Staat auch im weiteren Sinn betrachtet werden, nämlich unter Einbeziehung der gesamten Gesellschaft innerhalb einer staatlichen Organisation, also nicht nur des Staatsapparates selbst, sondern auch des geographischen Gebietes und der Bevölkerung, die von besagtem Staat regiert wird.22) Die Kleine Enzyklopädie von „Prosveta“ definiert den Begriff „state“ als „Form der staatlichen Organisation“, 23) während die Enzyklopädie des Rechts Staat als „Organisation mit dem alleinigen Recht der körperlichen Zwangsausübung“24) bezeichnet. Das Wörterbuch „Rečnik srpskohrvatskog kniževnog i narodnog jezika“ listet drei Bedeutungen des Begriffs „state“ auf: (1) eine unabhängige Gemeinschaft von Menschen, (2) Teil eines Landes oder einer Provinz mit Stammesverwaltung, autonomer oder ähnlicher Verwaltung und (3) das Land, das jemand besitzt.25) Die getrennte Betrachtung der Symbole Strategie und Staat ermöglicht die nominale Definition des Begriffes. Auf der Basis der präsentierten Fakten und ihrer Bedeutungsanalyse kann der Begriff „state strategy“ als eine Zusammenstellung von Ausdrücken für Präferenzen, Regeln, Prinzipien und Standards definiert werden, die beim Treffen von Entscheidungen auf Führungsebene hinsichtlich Entwicklung und Schutz des Staates Anwendung finden.

 

Definition und Klassifikation des Konzepts der staatlichen Strategie

In Anbetracht der allgemein anerkannten Tatsache, dass wissenschaftliche Konzepte unzweideutig sein müssen, da „die ‚Unzweideutigkeit’ von Termini in jeder Wissenschaft einen hohen Grad an Vollständigkeit ihres terminologischen Systems“ anzeigt, wurde der Versuch unternommen, das Konzept der „state strategy“ zu definieren und klassifizieren. Eine Strategie wäre die allgemeine oder staatliche Strategie, während „Spezialstrategien“ davon getrennte und spezifische Strategien wären.26) Das Schicksal einer Nation darf nicht dem äußerst limitierten strategischen Wissen empirischen  Ursprungs überlassen werden. Die Theorie der allgemeinen Strategie und damit auch spezifische Theorien von Strategie müssen wissenschaftlich begründet sein. Eine bewusste und geplante Anwendung angemessener strategischer Methoden auf alle Formen von Konflikten zwischen strategischen Akteuren sichert einer Nation Vorteile.27) Die präzise Identifizierung eines Konzeptes erfolgt durch seine Definition, die als „a proposition expressing the content of a concept“ (eine Aussage, die den Inhalt eines Konzeptes ausdrückt) verstanden wird.28) Dennoch ist die Definition des Konzeptes „state strategy“ nicht ganz problemlos, was die Semantik und die Anwendung angemessener Regeln betrifft.29) „State strategy“ kann zunächst als jener Bereich intellektueller und reeller Aktivitäten definiert werden, die grundlegend für Leben und Überleben einer staatlich organisierten Nation sind. In einem theoretischen und doktrinären Sinne muss sie geistiges, kritisches, in synthetische Konzepte gegossenes Wissen darstellen. Was wir benötigen, ist eine Theorie, die auf das Verständnis der Beziehung zwischen den Prozessen strategischer Akteure ausgerichtet ist und dabei die Zukunftsdimension berücksichtigt. Hinsichtlich der Allgemeingültigkeit theoretischen Wissens, das in Definitionen vorausgesetzt wird, und vom praktischen bzw. Standpunkt der Anwendung aus kann staatliche Strategie als allgemeine programmatische Haltung hinsichtlich der Erreichung und des Schutzes der höchsten nationalen (staatlichen) Werte und Interessen betrachtet werden, die das intellektuelle, geistliche und materielle Potenzial des Staates zu dessen Schutz und erfolgreicher Entwicklung einsetzt, und hinsichtlich der Erreichung der definierten Ziele zu Zeiten des Krieges und des Friedens.30) In ähnlicher Weise definiert Z. Keković Strategie als „a general programmatic stand on attainment and maintenance of the highest national (state) values and interests“ (eine allgemeine programmatische Haltung hinsichtlich Erreichung und Beibehaltung der höchsten nationalen [staatlichen] Werte und Interessen).31) Während sich die Definition auf den Inhalt des Konzeptes bezieht, hat die Klassifikation mit seiner Reichweite zu tun. In dieser Hinsicht ist die Klassifikation ein Modell, das die Reichweite eines Konzeptes in Konzepte von geringerer Reichweite unterteilt.32) Im Fall des Konzeptes der „state strategy“ findet eine künstliche Klassifikation Anwendung.33) Das Konzept der staatlichen Strategie kann hinsichtlich verschiedener Kriterien klassifiziert werden, jedoch sind, praktisch gesehen, das passendste Kriterium die grundlegenden Bereiche staatlicher Aktivitäten, d.h. die Hauptfunktionen des Staates.34) Hinsichtlich dieses Kriteriums kann das Konzept der staatlichen Strategie als Oberbegriff in folgende Strategietypen unterteilt werden: politische Strategie, wirtschaftliche Strategie und militärische Strategie. In ähnlicher Weise betont Z. Keković in seinem Werk, dass staatliche Strategie aus spezifischen Strategien besteht, wie etwa der politischen Strategie, der Wirtschaftsentwicklungsstrategie, der Technologieentwicklungsstrategie, der Militärstrategie etc.35) Wenn man all diese Interpretationen zusammenfasst, scheint staatliche Strategie im praktischen Sinne ein allgemeines Konzept im Sinne einer tatsächlichen und/oder virtuellen Lenkung der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Macht des Staates darzustellen, mit dem Zweck, höchste nationale (staatliche) Interessen durch die Umsetzung separater und spezifischer Strategien zu wahren.36) Anstatt des Konzeptes der „state strategy“ wird oft jenes der „national security strategy“ in der Theorie und Praxis strategischen Denkens verwendet. Verglichen mit dem Konzept der „state strategy“ gehört letztere einer niedrigeren Stufe hinsichtlich Allgemeinheit an und stellt „eine Synthese von entscheidenden und bindenden Ansätzen betreffend die Punkte staatliche Verteidigung und Sicherheit“ dar.37) Dementsprechend ist die nationale Sicherheitsstrategie „ein fassbares und relativ dauerhaftes Programm, dessen Umsetzung die interne und externe Sicherheit des Staates in Zeiten des Friedens und des Krieges zu gewährleisten hat, und zwar durch die wirksame Handhabung von Sicherheitsrisiken, Herausforderungen und Bedrohungen zum Zweck des Schutzes der Freiheit, der Sicherheit des Besitzes, der Bürgerrechte und der demokratischen Errungenschaften“.38)

 

Ausgangspunkte für staatliche Strategien

Die Strategie jeglichen Staates gründet sich auf vorläufig als „Ausgangspunkte“ titulierte Grundlagen und Hauptideen, auf die sich die Ausrichtungen und programmatischen Verpflichtungen des Staates hinsichtlich seiner Aktivitäten und jener seiner Subsysteme, ausgerichtet auf Erhaltung und Schutz nationaler Interessen und Ziele, stützen.39) Diesen Ausgangspunkten sollte eine eingehende Faktenanalyse hinsichtlich der theoretischen, methodischen, professionellen und aller anderer Aspekte der staatlichen Strategie zugrunde liegen. Methodisch gesehen können die Ausgangspunkte für die staatliche Strategie bedingt als sozial und wissenschaftlich eingestuft werden. Soziale Ausgangspunkte für staatliche Strategie: (1) Beziehungen innerhalb der internationalen Gemeinschaft und der Region - geopolitische Position; (2) das Ausmaß, in dem die staatliche Sicherheit bedroht ist; (3) politisches und Rechtssystem (Sozialsystem) des Staates; (4) wirtschaftliche Macht, natürliche und wirtschaftliche Potenziale des Staates; (5) Technologieentwicklung; (6) demographische Merkmale; (7) Staats- und Nationaltradition; (8) internationale Verträge und Abkommen; (9) nationale Interessen etc. Jeder dieser Ausgangspunkte ist sehr komplex und verdient, hinsichtlich seiner Theorie und Anwendbarkeit für jeden einzelnen Staat analysiert zu werden. Die Analyse von Ausgangspunkten für eine staatliche Strategie sollte sich hinsichtlich der Handhabung nationaler und staatlicher Schlüsselfragen zu Zeiten des Friedens und des Krieges auf wissenschaftliche Kenntnisse stützen. Diese Kenntnisse sollten Einfluss auf alle Teilbereiche des Zusammenlebens und der staatlichen Macht haben. Wissenschaftliche Errungenschaften dienen als direkte oder indirekte Grundlagen für die Formulierung sowohl der staatlichen Strategie als auch spezifischer Strategien. Ohne die Resultate wissenschaftlicher Recherche kann keine ausreichende Verlässlichkeit erzielt bzw. können keine erfolgreichen programmatischen Unterlagen des Staates in dessen Aufgabebereichen erstellt werden.

 

Formulierung und Umsetzung staatlicher Strategie

Die Formulierung und Herstellung der Handlungsfähigkeit staatlicher Strategie erfolgt durch: (1) Nationale (staatliche) Interessen; (2) nationale (staatliche) Ziele; (3) davon getrennte, spezifische staatliche Strategien. Dies ist die programmatische Grundlage, auf der die Verpflichtungen staatlicher Organe, Institutionen und Systeme in doktrinären und normativen oder rechtlichen Bestimmungen definiert werden. Der Begriff Interesse kommt vom gleichnamigen lateinischen Wort, das „an etwas teilnehmen“ oder „mit etwas beschäftigt sein“ bedeutet.40) Sehr oft sind Interessen der Ausdruck des Bedarfs an spezifischen Werten, die erzielt, weiterentwickelt und geschützt werden sollen.41) Die mit Interessen, Zielen und Werten im Kontext der staatlichen Strategie befassten Autoren sind unterschiedlicher Ansicht. Manche meinen, dass diese aus dem individuellen Bewusstsein resultieren, andere wiederum meinen, sie seien das Ergebnis der Gesamtheit aller motivierenden Systeme, die sich in einer Gesellschaft entwickelt haben, wie etwa staatliche, nationale, politische, zivilisatorische und militärische Werte, die von individuellen Motiven relativ unabhängige Machtfaktoren darstellen. Werte bestimmen individuelle Motive und machen sie zu Funktionen allgemeiner Motivationssysteme. Es handelt sich um staatliche, nationale, politische und militärische Regulatoren erwünschten Verhaltens, die sich als individuelle, sozial sinnvolle und praktische Resultate menschlichen Verhaltens manifestieren. Regulatoren haben verschiedene Fähigkeiten, Messinstrumente zur Auswahl von Zielen und Optionen, solche, die sich auf bestimmte Ausrichtungen menschlichen Verhaltens beziehen, und solche, die Beziehungsmerkmale messen. Wert ist ein Maß, das anzeigt, was gewählt und was vermieden werden soll, und an dem wir unsere Auswahl ausrichten. Gleichzeitig ist ein Wert eine soziale Norm mit eigenen Gesetzmäßigkeiten zur Regelung von Beziehungen in Gesellschaft, Natur und in einem selbst und zur Gewährleistung der gewünschten Verhaltensausrichtung. Das Verhalten einzelner wird von den Interessen der Gesellschaft als Ganzes bestimmt und mit jenen durch Werte koordiniert und in seiner Funktion harmonisiert. Es handelt sich um von der Gesellschaft vorgeschriebene Regeln, Gesetzmäßigkeiten, Aufforderungen, Befehle und Verbote.42) Werte werden vom Gehirn als an der Spitze befindliche, treibende Ideen bzw. Einheiten, gleich Denkanweisungen oberster Instanz, wahrgenommen. Strategen müssen über profundes und  breites Wissen bzw. Fähigkeiten verfügen, das es ihnen ermöglicht, sinnvolle Synthesen aus jenen treibenden Ideen oberster Instanz zu formulieren, um die höchsten von einer Nation festgelegten Werte zu erzielen und damit die Voraussetzungen für die Sicherung des Wohlstands der Bürger eines nationalen (multinationalen) Staates zu schaffen.43) Werte werden als unabhängige Formen sozialer Existenz innerhalb spezifischer Einheiten aufrechterhalten. Sie verhalten sich in jedem Zeitalter wie Einheiten, die spezifische, konkrete Merkmale aufweisen und den allgemeinen Zeitgeist der jeweiligen Ära spiegeln. Werte und Interessen sind nicht gleichbedeutend. Im Prinzip sind Interessen vorwiegend auf Werten begründet, die man besitzt oder anstrebt. In diesem Sinne denkt auch M. Zivkovic, dass das Konzept des Interesses in der modernen Wissenschaft im weiteren Sinn verstanden wird, nämlich, dass Interessen Werte, Einstellungen, Erwartungen und Streben beinhalten. Oder anders gesagt, das Konzept des Interesses wird mit Faktoren der Motivation gleichgesetzt. Hinsichtlich dessen beinhaltet das Konzept der Interessen verschiedene Werte, Ideen und Einstellungen, womit der Dualismus zwischen Interessenkonzept einerseits und Ideen und Werten andererseits überwunden wird.44) Entsprechend der allgemeinen Bedeutung von Interesse definiert jeder Staat als nationale Entität seine nationalen Ziele und Interessen, die sich in vieler Hinsicht in internationalen Beziehungen spiegeln und Einfluss auf Frieden und Stabilität weltweit ausüben. Aufgrund der immer komplexer und unsicherer werdenden Umwelt, in derStaaten sich entwickeln, müssen nationale Interessen und v.a. Ziele als deren Mittel zur Umsetzung, mit Bedacht definiert werden, sodass jene, für die Erreichung dieser Ziele erarbeiteten Strategien so verlässlich wie möglich und somit auch wirksamer sein können. Nationale Interessen spiegeln auch die Art, wie ein Staat seine Ziele innerhalb eines internationalen Umfelds wahrnimmt. Realisten, Liberale und Konstruktivisten haben eine unterschiedliche Wahrnehmung hinsichtlich dessen, wie Staaten ihre nationalen Interessen formulieren.45) Nationale (staatliche) Interessen stellen Einheiten jener Elemente dar, auf denen die grundlegenden Bedürfnisse einer Nation oder eines Staates beruhen, einschließlich Selbstherhaltung, nationaler Integrität, Wirtschaftskraft und militärischer Sicherheit. Praktisch gesehen stellt sich die theoretische Überprüfung bei der Definition nationaler Interessen und Ziele als ungenügend heraus, was ein umfassendes Forschungsprogramm zur Erstellung einer verlässlichen Grundlage für die Definition von Strategie erforderlich macht, durch die Interessen und Ziele erreicht werden können. Ohne Rücksicht auf die Regierungsform „agiert der Staat in seinem eigenen nationalen Interesse“. Ungeachtet des Wahrheitsgehalts dieser Aussage informiert sie nicht darüber, wie Staaten ihre eigenen nationalen Interessen definieren.46) In der modernen, demokratischen Gesellschaft wird die Funktion von Formulierung und Definition von Interessen, die sich aus den unterschiedlichsten Dimensionen menschlichen Zusammenlebens ergeben, von staatlichen politischen Akteuren übernommen. „Der Prozess der Darstellung einer Vielzahl verschiedener Interessen als eine einzige allgemeine staatliche Strategie führt die Änderung vieler Interessen herbei.“ 47) Das Vorantreiben grundlegender nationaler und staatlicher Interessen in der Region oder weltweit kann mit den Interessen anderer internationaler Akteure in Konflikt geraten.48) Diese potenziellen Konflikte müssen verlässlich in der Phase der Formulierung der staatlichen Strategie identifiziert und vernünftige Maßnahmen zu deren Vermeidung durch staatliche Institutionen vorweggenommen werden. Wenn sie jedoch nicht vermieden werden können, muss im Interesse von Volk und Staat eine bestmögliche Lösung gefunden werden. Das Resultat von Kampf im Gleichgewicht der Interessen hängt vom Vermögen der Staatsmacht und der nationalen Macht ab. Die Institutionalisierung nationaler Interessen wird vom Staat durch die gesetzgebende, rechtsprechende und vollziehende Gewalt geregelt. Interessen sind veränderbar, sodass sie aufgrund des Einflusses vieler Faktoren ihre ursprünglich definierte Wichtigkeit im Laufe der Zeit verlieren können. Sie befinden sich im Zentrum von Volk und Staat, da sie universelle, nationale, staatliche, politische, wirtschaftliche, konfessionelle und militärische Prioritäten und Werte beinhalten. Es ist einfacher, Interessen von einem theoretischen, abstrakten Standpunkt aus zu diskutieren, als wenn sie für ein bestimmtes Volk oder einen bestimmten Staat gelten oder sich auf konkrete soziale und historische Umstände beziehen. Ein Volk oder Staat ohne klar definierte Interessen und Ziele, die von allen relevanten Akteuren akzeptiert werden, hat keine Chance zu überleben und in einer Welt voll plötzlicher Veränderungen bzw. einer internationalen Gemeinschaft voll widersprüchlicher Interessen zu gedeihen. Nationale Interessen sind der programmatische Ausdruck des Engagements staatlicher Institutionen und relevanter politischer Akteure zur Erreichung und zum Schutz höchster gesellschaftlicher Werte und Bedürfnisse. Die realen Werte sind Produkte der Geschichte. Sie sind mit deren Akteuren verbunden, die sie erschaffen haben, und verändern sich mit einschneidenden Veränderungen in der Menschheitsgeschichte. 49) Stabiler Frieden sollte im Interesse aller in der Region befindlichen Staaten sein, in denen bewaffnete Konflikte stattfanden oder die noch immer unter deren Folgen oder den Folgen verschiedener Krisen leiden. Die Ausrichtung der Außen- und Innenpolitik und die Verpflichtung des Staates, alle Streitigkeiten und Krisen in der Region friedlich zu lösen, ergeben sich aus seinem nationalen Interesse. Die Erhaltung territorialer Integrität und Souveränität bedeutet die Ausübung grundlegender Rechte durch ein Volk, mit dem Ziel, seinen eigenen Staat auf jenem Gebiet zu entwickeln, das aufgrund der Geschichte ihm gehört. Die Erhaltung territorialer Integrität und Souveränität ist nicht nur politisch, wirtschaftlich und demographisch bedingt, sondern stellt auch einen wichtigen Beitrag zum Frieden, regional und weltweit, dar. Die Erhaltung nationaler Identität bedeutet die Stärkung und Entwicklung der Beziehungen mit den Landsleuten in der Diaspora sowie die ständige Bedachtnahme des Heimatlandes auf deren Status und deren Anerkennung der authentischen Werte ihrer nationalen Kultur. Die Integration eines Staates in die internationale Gemeinschaft ist eine der grundlegenden Voraussetzungen für die Erreichung nationaler Sicherheitsziele, was wiederum den Staat zur umfassenden Zusammenarbeit verpflichtet, mit den strategischen Zielen der Vollmitgliedschaft, einer wichtigen Rolle bei internationalen Organisationen und Vereinigungen sowie der Teilnahme an der kollektiven und regionalen Sicherheitsintegration. Nachdem die Staaten in der Region an einer bemerkenswerten Unterentwicklung hinsichtlich Wirtschaft und somit auch allen anderen Bereichen leiden, sind der wirtschaftliche Aufschwung bzw. die wirtschaftliche Entwicklung primäre Interessen. Sie bilden die Voraussetzung für jeden Aufschwung und Fortschritt und sind erforderlich für die Erreichung höherer Standards bei der Demokratisierung einer Gesellschaft. Nachdem beinahe alle Balkanstaaten von Natur aus multinational und multikonfessionell sind, müssen sie Kapazitäten zur Harmonisierung der Beziehungen zwischen unterschiedlichen ethnischen, konfessionellen, regionalen und sozialen Gruppen bilden, unter der Bedachtnahme, dass die verschiedenen Interessen dieser Gruppen oft zu Herausforderungen und Risiken für die Sicherheit sowie zu einer Bedrohung für die Stabilität der Staaten und den Frieden in der Region werden. Hinsichtlich verschiedener „schmutziger Technologien“ sowie der unkontrollierten Ausbeutung von Bodenschätzen liegt es im Interesse der Zivilisation und der Zukunft der Menschheit, die Umwelt zu schützen und ständig an der Verbesserung der Lebensqualität zu arbeiten. Auf diese Weise kann das Recht auf den Schutz der Gesundheit des Volkes gewährleistet und eine gesunde Umwelt sowie Bodenschätze als Voraussetzungen für Überleben und künftige Entwicklung für kommende Generationen sichergestellt werden. Bei der Definition und dem Vorantreiben ihrer nationalen Interessen richten sich die Staaten v.a. nach den Prinzipien des Völkerrechts. Sie kooperieren mit anderen Staaten und internationalen Organisationen, die sich der Verbesserung der Sicherheit durch Dialog und Zusammenarbeit verpflichtet haben. Auf diese Weise kann der Staatdas Verständnis und die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft erwirken, wenn seine Bemühungen, nationale Interessen durchzusetzen, mit den Bestrebungen der  meisten Staaten der heutigen Welt übereinstimmen. Nationale Interessen werden anhand von Zielen operationalisiert. Jedoch entstehen ernsthafte Probleme beim Versuch der einheitlichen Definition eines Zieles, die auf verschiedenen theoretischen Ansätzen beruht.50) In seiner allgemeinen Bedeutung kann Ziel als „ein zu erreichender oder zu erhaltender Wert, ein innerhalb einer bestimmten Zeit zu erzielendes Resultat“ definiert werden;51) der systemische Ansatz definiert Ziel als „die erwünschte Beschaffenheit eines Systems, eine erwünschte Leistung, eine erwünschte Teilmenge der Beschaffenheit oder der Leistung eines Systems“.52) Für jedes Interesse wurde eine Anzahl von Zielen definiert, jedoch können angesichts des Langzeitcharakters von Interessen nicht alle Ziele enthalten sein. Ziele sollen ausdrücken, was realistisch gesehen oder mit einiger Sicherheit erreicht werden kann. Es handelt sich um „Endpunkte, die erreicht oder nicht erreicht werden können.“ 53) Für jedes Ziel werden, je nach Beschaffenheit, separate und spezifische Strategien entwickelt. Hier geben Ziele an, „was erreicht werden muss“, während Strategie angibt, wie etwas erreicht wird. In der Theorie gibt es verschiedene Kriterien für die Klassifizierung von Zielen: die Wichtigkeit, der Typ/Bereich staatlicher Funktionen, der Zeitraum ihrer Gültigkeit bzw. jener bis zu ihrer Erreichung etc.54) Verschiedene methodische Ansätze werden weltweit für die Definition und Erreichung von Zielen verwendet. In der amerikanischen Literatur findet sich überwiegend der so genannte „Prozessansatz“. Dieser bedeutet im Grunde, dass Definition und Erreichung eines Zieles in ihrer Gesamtheit betrachtet werden, d.h. als Funktion des allgemeinen Zieles, der Dynamik, mit der es erreicht wird, des Mitwirkens von Akteuren und Ressourcen und der investierten Kosten; und zwar unter besonderer Berücksichtigung so genannter Bedrohungen und Risiken, die das Ergebnis verschiedener weiterer Faktoren sind. Laut Michelle Schmidt soll dieser Ansatz „einen Strategen auf rationale und systematische Weise von nationalen Zielen zur Strategie führen“:55) (1) Identifikationsphase; (2) Reihungsphase; (3) Phase der Identifizierung von Möglichkeiten und Bedrohungen; (4) Entwicklung von Strategien; und (5) Beurteilung.56) In seinem Artikel „The Art of Strategy and Force Planning“ schlagen Henry C. Bartlett et al. „Barlett’s model of strategy creation“ vor, das sich mit den Schlüsselbegriffen der Kunst der Strategieerstellung und Streitkräfteplanung auseinandersetzt. Hier finden sich folgende Begriffe: (1) „security environment“ (Sicherheitsumfeld); (2) „outcomes/goals“ (Ergebnisse/Ziele); (3) „strategy“ (Strategie); (4) „limited resources“ (beschränkte Ressourcen); (5) „means/tools“ (Mittel/Instrumente); und (6) „risks“ (Risiken).57) Die Beurteilung des Sicherheitsumfelds, als erstes Element von Bartletts Modell, ist eine der schwierigsten Aufgaben für Strategen und Streitkräfteplaner, da sie die Analyse hinsichtlich der „Veränderlichkeit internationaler Machtzentren, vorherrschender Trends, entscheidender Unsicherheiten, der Entwicklung gegenseitiger wirtschaftlicher Abhängigkeit, der Veränderung nationaler/interner Bedürfnisse, kultureller, religiöser und demographischer Entwicklungen, ethnischer Kriege, von Umweltproblemen und technologischem Fortschritt“ beinhaltet.58) Was das Ergebnis oder die Ziele von Strategien anbelangt, verwenden die Autoren des angegebenen Werkes den Ausdruck „levels of goals“ (Zielebenen). Nationale Interessen befinden sich auf oberster Ebene. Interessen wie die Existenz des Landes oder die Wirtschaftskraft sind stabil und finden breite Unterstützung. Auf den unteren Ebenen finden sich Ziele, die sich aus Werten wie  Demokratie und Menschenrechte ergeben. Diese Ziele müssen in Übereinstimmung mit der höchsten Ebene nationaler Interessen gebracht werden. Das dritte Element von Bartletts Modell ist die Strategie, womit die Autoren des erwähnten Werkes den „Spielplan zur Erreichung der erwünschten Ziele mit beschränkten Mitteln“ meinen. Die „main strategy“ (Hauptstrategie) oder auch „grand strategy“ (Großstrategie), d.h. nationale Sicherheitsstrategie befindet sich an oberster Stelle strategischen Denkens. Diese Strategie muss deutlich machen, wie diplomatische, wirtschaftliche und militärische Instrumente staatlicher Macht eingesetzt werden können, um nationale Ziele zu erreichen und nationale Maßnahmen umzusetzen.59) Laut diesen Autoren nehmen die unteren Strategieebenen für jedes Instrument nationaler Macht die Form von Regeln an. Das gilt für die wirtschaftliche, diplomatische und militärische Strategie. Ihrer Meinung nach muss die militärische Strategie die anderen beiden Strategien unterstützen, indem sie darlegt, „wie und unter welchen Bedingungen das militärische Instrument nationaler Macht eingesetzt werden kann, um bei der Gestaltung des Sicherheitsumfelds mitzuhelfen, internationalen Einfluss zu gewährleisten, Angreifer abzuschrecken, wenn nötig, Gewalteinsatz durch andere ‚Akteure’ herbeizuführen, sich auf Konflikte vorzubereiten, die Nation zu verteidigen und in jenen Kriegen zu siegen, welche unvermeidlich waren.“ 60) Durch die Definition dieses Konzeptes und des Prinzips militärischer Strategie wird deren Position und Rolle innerhalb der staatlichen Strategie, oder auch „grand strategy“, eindeutig festgelegt. Deshalb gehört die militärische Strategie zu einer Gruppe separater Strategien wie die politische, diplomatische, wirtschaftliche und andere Strategien. Beschränkte Mittel sind das fünfte Element von Bartletts Modell. Aufgrund der Tatsache, dass Bedürfnisse beinahe immer umfangreicher sind als die vorhandenen Mittel, muss man „eine Wahl zwischen widersprüchlichen Erfordernissen und einander ausschließenden Optionen treffen.“ Daraus resultiert, dass Strategie und Streitkräfteplanung für die Verteilung von Ressourcen auf der Basis spezifischer Prioritäten sorgen müssen oder, anders gesagt, basierend auf der Entscheidung, welche Ziele und Abläufe wesentlich sind.61) Mittel und Instrumente zur Umsetzung der gewählten Strategie stellen das fünfte Element von Bartletts Modell dar. Theoretisch umfassen sie alle Fähigkeiten eines Landes, praktisch gesehen jedoch stehen Strategen und Streitkräfteplanern drei Gruppen von Instrumenten zur Verfügung: wirtschaftliche Instrumente, diplomatische Mittel und militärische Instrumente.62) Das sechste und letzte Element von Bartletts Modell ist das Risiko. Risikobeurteilung bedeutet die ständigen Bemühungen von Strategen und Streitkräfteplanern, ein Ungleichgewicht der Schlüsselvariablen zu erkennen und zu korrigieren. Dies wird erreicht durch die kontinuierliche Beurteilung des Sicherheitsumfelds, der Ziele, Strategien und vorhandenen Ressourcen als auch der für das Erreichen der definierten Ziele erforderlichen Instrumente.63) Das vorgestellte Modell schlägt eine ständige Harmonisierung der Schlüsselvariablen vor. Die Veränderung etwa einer der erwähnten Variablen führt nämlich unweigerlich zu einem Ungleichgewicht, sodass andere Variablen ebenfalls verändert werden müssen. ZurWiederherstellung des Gleichgewichts können Strategen aus einer der folgenden Methoden wählen: (1) Modifizieren des Ergebnisses, (2) Veränderung der Mittel, (3) Änderung der Strategie und (4) Risikobeurteilung.64)

 

Phasen bei der Formulierung und Umsetzung staatlicher Strategie

Die durchgeführte Analyse kommt zu dem Schluss, dass die Definition und Umsetzung staatlicher Strategie sieben Phasen durchläuft: 1. Definieren nationaler (staatlicher) Interessen; 2. Definieren nationaler Ziele, in Abstimmung mit den davor definierten nationalen (staatlichen) Interessen, und Reihung der Ziele hinsichtlich ihrer Wichtigkeit; 3. Definieren oder Entwickeln separater und spezifischer Strategien, in Abstimmung mit den davor definierten Zielen; 4. Definieren der Maßnahmen zur Umsetzung der separaten und spezifischen Strategien; 5. Festlegung von Verpflichtungen der für staatliche Maßnahmen verantwortlichen Personen bei der Umsetzung separater und spezifischer Strategien, einschließlich der Formulierung staatlich-doktrinärer und normativ-rechtlicher Bestimmungen; 6. Überwachung der Umsetzung staatlicher Strategie (inwieweit definierte Ziele erreicht worden sind); 7. Umdefinieren spezifischer Elemente staatlicher Strategie (Interessen, Ziele, spezifische und separate Strategie- Darstellung 1). Die erwähnten Phasen bedingen sich gegenseitig, sowohl während des Definitionszeitraums (Phasen 1-3) als auch während der Umsetzung (Phasen 4-6) der staatlichen Strategie. Beim Umdefinieren der staatlichen Strategie werden dieselben Phasen durchlaufen. In der Theorie erscheint die staatliche Strategie als programmatischer Ausgangspunkt, den die Staatsführung als Grundlage zur Definition von Richtlinien und Grundlagen für staatliche Doktrinen heranzieht, die ohne Bedachtnahme auf Zeiträume oder gewählte Regierungen innerhalb einer bestimmten Zeit umgesetzt werden. Die grundlegenden Annahmen der staatlichen Strategie werden zumeist von allen relevanten politischen Akteuren im Staat akzeptiert, wobei die verpflichtende Umsetzung durch normative staatliche Dokumente geregelt wird. Praktisch gesehen dienen die staatliche Strategie und die davon getrennten eigenen Strategien als Richtlinien für die Handlungen aller gesellschaftlichen Akteure, und zwar mittels staatlicher Doktrinen und Programme bis zur Verstärkung spezifischer staatlicher Fähigkeiten zur Erzielung und zum Schutz staatlicher und nationaler Werte und zur Erreichung der definierten Ziele. Dieser praktische Bereich der staatlichen Strategie und auch der Strategien des täglichen Lebens wird sehr oft als Politik (d.h. Wirtschaftspolitik, Verteidigungspolitik, Währungspolitik, Wirtschaftsentwicklungspolitik etc.) bezeichnet. Staatliche Strategie muss nicht explizit in Form eines entsprechenden offiziellen Dokuments dargelegt werden, jedoch muss sie erkennbar und in den Köpfen der Bevölkerung vorhanden sein, insbesondere in jenen entscheidenden historischen Momenten, wenn sich Volk und Staat mit den schicksalhaften Herausforderungen des Überlebens und der Entwicklung konfrontiert sehen.

 

Sonderstrategien als Elemente staatlicher Strategie

Die Hauptkonzepte, auf deren Grundlage andere Elemente der staatlichen Strategie operationalisiert und Formulierungen vorgenommen werden, sind nationale (staatliche) Interessen und Ziele. Die staatliche Macht in politischen, wirtschaftlichen und militärischen und anderen Bereichen des Zusammenlebens übt einen entscheidenden Einfluss auf Beschaffenheit und Inhalt nationaler (staatlicher) Interessen und somit auch auf die staatliche Strategie sowie die eigenen und spezifischen Strategien aus. Macht in ihrer allgemeinen Bedeutung wird als die Fähigkeit eines Systems oder Wesens verstanden, unter Bedingungen der Ungewissheit und Unsicherheit zu überleben.65) Diese Unsicherheit wird größer, wenn der Ansatz zur Problemlösung subjektiv ist. Aufgrund ihres praktischen und nachhaltigen Einflusses auf die Individuen, Staaten und Institutionen eines Systems und daher auch auf die Erreichung und den Schutz der Werte, Interessen und Ziele eines Staates und einer Nation ist Macht ein Ordnungskonzept in der Sozialwissenschaft. Das Hauptkriterium zur Evaluierung der totalen staatlichen Macht, die auch eine Voraussetzung für jede andere Macht darstellt, sind Wissen sowie geistiger und materieller Reichtum. Aus historischer Perspektive zeigt sich Macht an der Fähigkeit, Beziehungen zwischen Akteuren in der internationalen Gemeinschaft zu initiieren und zu beeinflussen. In der Strategie66) stellt Macht den Mittelpunkt der Interaktion zwischen Völkern und Staaten in internationalen Beziehungen dar. Die Macht einer Nation oder eines Staates sowie deren Position innerhalb der internationalen Gemeinschaft sind eine realistische Grundlage für die Definition staatlicher Strategie. Sie ist der Ausdruck des gesamten Zusammenlebens, einschließlich all seiner Inhalte im politischen, wirtschaftlichen, demographischen, informationsorientierten, kulturellen, militärischen und religiösen Bereich. Staatliche Strategie sollte einzigartige erkenntnistheoretische und programmatische Voraussetzungen schaffen, aufgrund derer spezifische Fähigkeiten der Gesellschaft durch eine vereinte Macht, die staatliche Macht, zusammengeführt werden. Jene in der staatlichen Strategie angeführten Verpflichtungen sollten durch eigene und spezifische Strategien, Programme und Pläne operationalisiert werden, die im Wesentlichen Teile ursprünglicher, doktrinärer Dokumente sind. Als Theorie (Lehre) bilden staatliche Strategie (Politstrategie, allgemeine Strategie) und Militärwissenschaften die erkenntnistheoretische und programmatische Basis für die nationale Sicherheitsstrategie und die Militärdoktrin.67) Das erste und wahrscheinlich schwierigste Problem der staatlichen Strategie ist die Bestimmung des politstrategischen Systems und des Stellenwerts der separaten Strategien bei der Verwirklichung des höchsten Guts der Nation. Dies stellt ein Problem „par excellence“ dar, sowohl im theoretischen als auch im praktischen Sinn. Die Bestimmung des staatlichen politstrategischen Systems und des Ranges spezifischer Strategien würde die Rolle der militärischen Strategie in diesem System verdeutlichen.68) Gemäß J. Collins gibt es innerhalb der nationalen (allgemeinen, großen, globalen) Strategie die „political strategy dealing with internal and external problems, economic (internal and external) strategy, national military strategy, etc.“ (politische Strategie, die sich mit internen und externen Problemen befasst, die [interne und externe] Wirtschaftsstrategie, die nationale Militärstrategie etc.).69) Zusätzlich zu nationalen Interessen und Zielen beinhaltet die staatliche Strategie spezifische staatliche Strategien für die Funktionen eines Staates wie politische, wirtschaftliche, technologische, Informations- und andere Strategien.70) Die Platzierung von Politstrategien für einzelne oder umfassende staatliche Funktionen auf staatlicher Ebene ist eine theoretische oder normative Angelegenheit und beruht manchmal auch auf Konventionen. Im Zuge der zivilisatorischen Entwicklung und der Beziehungen zwischen Akteuren in internationalen Beziehungen kommt den spezifischen staatlichen Strategien eine bestimmte Wichtigkeit im Hinblick auf die Erreichung und den Schutz lebensnotwendiger nationaler Interessen und Ziele zu. Die militärische Strategie kann als eine der vielen spezifischen Strategien innerhalb des mehrfach strategischen Systems jedes entwickelten Staates nicht ohne allgemeine Strategie erklärt und letztere nicht ohne die militärische und andere, separate und spezifische Strategien verstanden werden. Die voranstehende Behauptung wird von D. Visnjics Studie „Strategy As National Destiny“ („Object of Military Strategy and Subject of Military Strategy“) untermauert, die die Anwendung des theoretischen Modells einer allgemeinen Strategie auf ein spezifisch militärisches Umfeld zeigt. Dieser Bereich war historisch gesehen der erste, der zum Verständnis staatlicher Strategie führte und durch Vermittlung die strategische Totalität des Staates ermöglichte. Angesichts der zunehmenden Häufigkeit von „Totalisierung“ im philosophischen Diskurs, zwecks Vermeidung einer statischen und engen Definition  des Konzeptes „Totalität“, fällt auf, dass sich zeitgenössische Autoren auf dieses Konzept sowohl inhaltlich konzentrieren als auch bei der Definition von Konzepten niedererer Ordnung, die es beinhaltet. Die Totalisierung der militärisch-strategischen Wirklichkeit einer strategischen Entität resultiert immer aus der Beziehung zwischenden Prozessen, die sie durch ihre trennenden und verbindenden Beziehungen mit anderen, ähnlichen Entitäten in Gang setzt. Die Akteure in diesen Prozessen sind Faktoren der strategischen Wirklichkeit: Werte, Intellekt, Beziehungen, Macht und strategisches Wissen.

 

Notwendigkeit der Verankerung der staatlichen Strategie in der Wissenschaft

Basierend auf der vollständigen Bedeutungsanalyse des Begriffs „staatliche Strategie“ sowie des Inhalts und Ausmaßes des Konzeptes, seiner Formulierung und der gegenseitigen Abhängigkeit seiner Bestandteile, kann staatliche Strategie grundsätzlich als nationales und staatliches Programm auf allgemeinster Ebene charakterisiert werden. Der Gegenstand von Strategie (allgemeiner Strategie) hat zweifachen Charakter, nämlich aus ontologischer und epistemologischer Sicht. Er gehört zu jenen gesellschaftlichen Phänomenen, die im Laufe der Geschichte mehr von Interessenkonflikten dominiert waren als andere. Prozesse sind auch als theoretisches System wichtig für die Strategie, da sie Bausteine darstellen oder eine unmittelbare Auswirkung auf die höchsten nationalen und staatlichen Werte haben. Jeder Prozess beruht auf einem bestimmten Maß an Macht und Gewalt. Sie sind auch Elemente von Politstrategien bzw. Gegenstand der Forschung, deren Ziel das Verständnis der objektiven Realität ist. Die relative Eigenständigkeit spezifischer Strategien ist kein Hindernis für die Existenz einer Gesamtstrategie oder allgemeinen Strategie. Sie ist möglich und notwendig, da alle angeführten spezifischen und separaten Strategien (Substrategien) Teil eines besonderen strategischen Wissens und Denkens sind und den programmatischen Standpunkt eines Staates direkt beeinflussen. Man muss ein Phänomen in seiner Gesamtheit begreifen, um eines seiner Elemente erforschen zu können, v.a. hinsichtlich des Ausmaßes der Untersuchung und der Beziehung zwischen seinen Bestandteilen. Die Praxis der Strategie ist weltweit akzeptiert, obwohl ihre wissenschaftlichen und doktrinären Grundlagen unterschiedlich definiert sind. Deshalb gibt es kein einheitlich definiertes, theoretisches und methodisches strategisches Ziel. Es gibt dennoch eine viel größere Zustimmung hinsichtlich doktrinärer und geeigneter Bereiche des strategischen Denkens bzw. strategischer Aktivitäten. Trotz wichtiger Veränderungen in der Theorie von Strategie und strategischem Denken haben strategische Erfahrung und doktrinäre Theorie in der heutigen Welt, v.a. in unterentwickelten und kleinen Ländern, nach wie vor einen hohen Stellenwert. Diese beiden Elemente dienen als Grundlagen für die Umsetzung der Programme der regierenden politischen Parteien. Somit scheint der Beweis erbracht, dass in solchen Staaten die Politik über der staatlichen Strategie steht, was ein mangelhaftes Verständnis derselben und ihrer Notwendigkeit zur Folge hat. Jede neue Regierung oder jeder neue politische Akteur im Staat definiert nationale und staatliche Interessen und Ziele auf ihre/seine eigene Weise. Diese Situation führt aufgrund der gestörten Kontinuität beim Vorantreiben nationaler Interessen zu Orientierungsverlust bei der Bevölkerung und Ordnungsverlust bei staatlichen Institutionen und Systemen. In solchen Staaten kommt es vor, dass sich die Politik durch den Missbrauch staatlicher Institutionen über die Gesellschaft erhebt und in eine Diktatur mit weitreichenden, schädlichen Auswirkungen auf Volk und Staat umschlägt. Die Industriestaaten dieser Welt haben theoretische (wissenschaftliche) und doktrinäre programmatische Grundlagen zur Definition und Erreichung nationaler und staatlicher Interessen und Ziele entwickelt, nachdem sie erkannt hatten, dass doktrinäres Wissen, Erfahrung oder auch der Einfallsreichtum einzelner in führenden staatlichen Positionen hierfür ungenügend sind. Der Umstand, dass sich jene, grundlegende nationale Interessen betreffenden Faktoren stärker und wesentlicher verändert haben denn je, hat die wichtigsten nationalen und staatlichen Werte ebenfalls beeinflusst. Im Lichte dessen steht staatliche Strategie in vielen Staaten über der im Amt befindlichen oder zukünftigen Regierung und daher über der Politik, da die wichtigen nationalen Interessen durch den Konsens aller relevanten politischen Akteure festgelegt wurden. Die Politik wird ein Instrument zur Erreichung der definierten nationalen Interessen und Ziele. Zum Zweck des besseren Verständnisses von Beziehungen und der gegenseitigen Abhängigkeit der kategorischen Konzepte im Bereich der staatlichen Sicherheit und Verteidigung wurden die Antworten auf einige grundlegende Fragen hinsichtlich des Schaffungsprozesses, der Überprüfung und der Umsetzung dieser Dokumente festgelegt. Diese Fragen beziehen sich auf folgende Bereiche: die wissenschaftliche Verankerung; wer die Dokumente vorbereitet; wer sie überprüft; die Geltungsperiode der Dokumente; die mit der Umsetzung der Dokumente beauftragten Akteure und die Bereiche, in denen die staatlich-doktrinären Dokumente umgesetzt werden. Bei der Definition der Antworten auf diese Fragen und der Schaffung präziser methodischer Vorgehensweisen, die auf Informationen aus dem In- und Ausland beruhen, können entscheidende Unterschiede zwischen den kategorischen Konzepten aufgezeigt werden. Insgesamt  gelangt man zu dem Schluss, dass wir es mit einem neuen konzeptuellen und methodischen Ansatz zu tun haben, der überholte Arbeitsvorgänge staatlicher Institutionen hinsichtlich der Schaffung und Anwendung grundlegender doktrinärer Dokumente entscheidend verändert. Je nach seiner Wichtigkeit und oft aufgrund der Art und Weise, wie in der staatlichen Strategie formulierte Interessen vorangetrieben werden, wird dieser Ansatz als „nationale Strategie“ oder „nationale Sicherheitsstrategie“ bezeichnet. Der Ausdruck „nationale Strategie“ ist oft dadurch gerechtfertigt, dass grundlegende nationale Interessen nicht in der staatlichen Strategie genannt werden oder diese gar nicht existiert, während der Ausdruck „nationale Sicherheitsstrategie“ ein niedrigeres kategorisches Konzept impliziert, da es nicht gerechtfertigt und unsinnig wäre, die Gesamtheit nationaler Aktivitäten unter dem Konzept der nationalen Sicherheit zusammenzufassen. Die Notwendigkeit, staatliche Strategie in der Wissenschaft zu verankern, gründet sich v.a. auf ihre multidimensionale Bestimmungsfunktion in einem programmatischen und praktischen Sinn, jedoch auch auf das Erfordernis verlässlicher Prognosen, die ein vernünftiges und wirksames Vorgehen des Staates und des staatlichen Systems in der Zukunft sicherstellen. Um strategische Forschung zur Schaffung einer staatlichen Strategie betreiben und praktische Aktivitäten auf eine wissenschaftliche Grundlage stellen zu können, muss man den Gegenstand der Forschung definieren. Gegenstand der Strategie als  wissenschaftliche Grundlage für die staatliche Strategie sind komplexe, multidisziplinäre Fragen aus der Theorie und Praxis der Formulierung und Umsetzung staatlicher Strategie. Ein Teil dieser Fragen steht in Zusammenhang mit der Wissenschaft internationaler Beziehungen, die diese Beziehungen als höchst wichtig für die Existenz der Menschheit während der gesamten Geschichte betrachtet.71) „Beziehungen“ sind der direkte Gegenstand des Denkens nach zeitgemäßer Logik, aufgrund ihres objektiven Vorhandenseins zwischen Akteuren in internationalen Beziehungen.72) Letztere führen wegen gegensätzlicher und unvereinbarer Interessen oft zu bewaffneten Konflikten.

 

Schlussfolgerung

Trotz weitreichender Veränderungen in der Theorie von Strategie und strategischem Denken genießen strategische Erfahrung und doktrinäre Theorie nach wie vor großen Respekt in der Welt. Diese Erfahrung und die doktrinäre Theorie werden, wie der Ausdruck politischer Praxis, für die Umsetzung von Programmen politischer Parteien verwendet. Daher kann festgehalten werden, dass in solchen Staaten die Politik über der staatlichen Strategie steht, was ein mangelhaftes Verständnis für ihre Bedeutung und die Notwendigkeit ihrer Existenz zur Folge hat. Jede neue Regierung oder jeder neue politische Akteur im Staat definiert nationale und staatliche Interessen und Ziele auf ihre/seine Art. Diese Situation führt aufgrund der gestörten Kontinuität beim Vorantreiben nationaler Interessen zu Orientierungsverlust bei der Bevölkerung und Ordnungsverlust bei staatlichen Institutionen und Systemen. In solchen Staaten kann sich die Politik durch den Missbrauch staatlicher Institutionen und unter dem Deckmantel des Schutzes nationaler Interessen über die Gesellschaft erheben. Der Umstand, dass sich jene, die grundlegenden nationalen Interessen betreffenden Faktoren stärker und wesentlicher verändert haben denn je, hat die wichtigsten nationalen und staatlichen Werte ebenfalls beeinflusst. Im Lichte dessen steht staatliche Strategie in vielen Staaten über der im Amt befindlichen oder zukünftigen Regierung und daher über der Politik, da die wichtigen nationalen Interessen durch den Konsens aller relevanten politischen Akteure festgelegt wurden. Ohne staatliche Strategie als einzigartige nationale Vision basierend auf Werten, Interessen und Zielen kann keine relativ stabile und objektive nationale Sicherheitsstrategie oder irgendeine andere separate Strategie für die Hauptfunktionen des Staates in einheitlicher Weise definiert werden. Die theoretischen, erkenntnistheoretischen und methodischen Dimensionen staatlicher Strategie sind entscheidend für ihre Schaffung und Entwicklung. Der Name des Dokuments und seine Form sind weniger wichtig als die Tatsache, dass es existiert und dass alle relevanten Akteure der Gesellschaft an seiner Erstellung beteiligt sind. Dieses Dokument muss die wichtigsten strategischen Richtlinien für die Interessen und die Vision der Entwicklung der Gesellschaft anführen, unter Bedachtnahme der Faktoren des strategischen Umfelds, die sie bestimmen. Mit einer staatlichen Strategie und klar dargelegten strategischen Verpflichtungen hinsichtlich aller wichtigen Fragen derGesellschaft, von Werten, Interessen und Zielen bis hin zu Wegen, sie zu erreichen, präsentiert sich der Staat als verantwortlicher Akteur, der mit all seinen Kapazitäten und  Fähigkeiten zum Vorteil seiner Bürger agieren wird. Auf diese Weise wird der Staat zum Dienstleister und zum Löser von Problemen in allen Bereichen des Zusammenlebens.

 


ANMERKUNGEN:

1 ) Вишњић, Д., Стратегија државе као судбина нације, Министарство одбране, Сектор за људске ресурсе и Институт ратне вештине, Бе- оград, 2005, S.143.

2 ) Шмит, М., Идентификовање националних циљева и развијање стратегије: приступ оријентисан на процес, Информативни билтен превода, ЦВНДИ, Београд, 1998-2000, S.23.

3 ) Вишњић, Д., op.cit., S.365-366.

4 ) Бофр, А., Увод у стратегију, ВИЗ, Београд, 1968, S.13-14.

5 ) Ibid. S.25.

6 ) Лидел, Х., Стратегија посредног прилажења, Војно дело, Београд, 1952.

7 ) R. Aron: Evolution of Modern Strategic Thought; Problems of Modern Strategy, Part one, No.54, Adelphi Papers, 1969, S.2.

8 ) Вишњић, Д., op.cit., S.85-86.

9 ) E. Erich: Definition und Gebrauch des Begriffes „Strategie“, Österreichsche Militarische Zeitschrift, Wien, No. 2, 1998, S.121-128.

10 ) Ларусова енциклопедија (translation), 2, Л-Ш, Вук Караџић, Београд, 1978, S.1689.

11 ) Мала енциклопедија Просвете (треће издање), А-Ј, Просвета, Београд, 1978, S.322.

12 ) Војна енциклопедија (друго издање), Београд, 1975, S.171.

13 ) Политичка енциклопедија, Савремена администрација, Београд,

1975, S.1033.

14 ) Бартлет, К. Хенри, Холман, Г. Пол, Тимоти, Е., Самз, Вештина креирања стратегије и планирања силе, Војно дело, бр. 3, 2008,

S.157-158.

15 ) Мирковић, Т. , Војска у спољној политици САД, Војно дело,

4-5, 1996, S.53.

16 ) Колинс, Џ., према Мирковић, Т., op. cit., S.54-55.

17 ) Свећин, А., А., Стратегија, Војно дело, Београд, 1956.

18 ) Милтон А. А., директор заједничког центра за доктрину и концепте, Излагање на радном састанку бр. 1 OSCE семинара о војним доктринама и политикама одбране, јун 2001.

19 ) Diese Darstellungen spiegeln Informationen aus Berichten wider und entsprechen nicht der Meinung des Autors. (USA, Annual Report to Congress, Military Power of the People’s Republic of China, 2007, Office of the Secretary of Defense, S.6-14.

20 ) Сакан, М., Дефинисање стратегије, Војно дело, бр. 2, 2002, S.218.

21 ) Das serbische Wort „држава“ (engl. state) kommt vom Altslavonischen „држати“ (engl. hold), welches das ererbte Verständnis des Wortes angibt: Staat (држава) ist das Gebiet, das jenen gemeinsam ist, die es bewohnen und das Besitz oder das Erbe eines Herrschers ist. In vielen anderen Sprachen stammt das Wort für Staat aus dem Lateinischen status (aus dem Kontext status rei Romanae). Dies erklärt den Ursprung des französischen état, des italienischen stato, des englischen state, des spanischen estado und des deutschen Staat etc. (Политичка енциклопедија, Савремена администрација, Београд, 1975, S.213).

22 ) Ibid. S.213.

23 ) Мала енциклопедија Просвете, Просвета, Београд, 1978, S.541.

24 ) Правна енциклопедија, Савремена администрација, Београд, 1985, S.306.

25 ) Речник српскохрватског књижевног језика, књига 1, Матица српска, Матица хрватска, Нови Сад, Загреб, 1967, S.776.

26 ) Животић, Р., Јововић, Б., Језик и стил ратне вештине, ЦВВШ, Београд, 1990, S.53.

27 ) Вишњић, Д., op.cit., S.300 and 305.

28 ) Петронијевић, Б., Основи логике, репринт, Белетра, Београд, 1990, S.141.

29 ) Die folgenden sieben Regeln zur Definition, die B. Petronijevic in seinem Werk „The Basics of Knowledge“ anbietet, finden in dieser Arbeit Anwendung: 1) Bestimmung der grundlegenden Merkmale eines Konzeptes, 2) Bestimmung des ersten höheren Konzeptes, charakterisiert durch Merkmale des zu definierenden Konzeptes, 3) Adäquatheit der Definition des Ziels, dessen Konzept definiert wird; 4) Äquivalenz der Definition, i.e. Gültigkeit ausschließlich für das gegenständliche Konzept, 5) die Definition darf nicht zirkulär bzw. ein Konzept durch das Wort, definiert sein, das es implizit enthält (Tautologie) oder durch andere Konzepte, die es selbst definiert. (Петронијевић, Б., оp. cit., S.134-140).

30 ) Ковач, М., Марчек, Ј., Теоријске основе стратегије државе, Зборник радова са симпозијума о војној науци, Научна изграђеност и чиниоци војне стратегије, Институт ратне вештине, Београд, 2001, S.40.

31 ) Кековић, З., О нацрту стратегије националне безбедности Републике Србије - критички прилог за расправу, Војно дело, бр.2, 2009, S.91.

32 ) Петронијевић, Б, op. cit., S.140.

33 ) Anders als bei der natürlichen Klassifikation, die auf den grundlegenden Merkmalen eines Konzeptes beruht, basiert die künstliche Klassifikation auf zufälligen (externen) Merkmalen. Die künstliche Klassifikation ermöglicht die rasche Auffindung eines Konzeptes oder Ziels unter einer Vielzahl ähnlicher Konzepte und Ziele (Ibid. S.141).

34 ) Die folgenden Regeln wurden für die Klassifikation des Konzeptes der state strategy angewendet: 1) Klare Definition des Konzeptes; 2) als einzigartiges Klassifikationsprinzip wurde eine Eigenschaft (Merkmal) als Charakteristikum der jeweiligen Zielklasse herangezogen; 3) die Klassifikation ist vollständig, d.h. sie ist weder zu weit noch zu eng; 4) es gibt eine klare Grenze zwischen den Gliedern der Unterteilung; 5) der Oberbegriff als gängiges Merkmal der Klassifikation bezieht sich auf alle ihm untergeordneten Begriffe. (Зајечарановић, Г., Основи методологије науке, Научна књига, Београд, 1987, S.113).

35 ) Кековић, З., op.cit., S.91.

36 ) Ковач, М., Марчек, Ј., op.cit., S.40.

37 ) Кековић, op.cit., S.91.

38 ) Ковач, М., Стратегијска и доктринарна документа националне безбедности, Свет књиге, Београд, 2003, S.82.

39 ) In der Theorie ist eine gültige Unterscheidung zwischen Quelle und Faktor schwierig. Dieses Wissen ergibt sich aus dem meta-theoretischen Ansatz hinsichtlich der theoretischen Strategiemittel.

40 ) Der Begriff Interesse bezeichnet „a certain active relation between a man and a thing, another man or a specific idea, share of participation in something, or importance, significance, value or benefit for the man from that relation. To be interested in means to be willing to get involved in an active relationship with something in order to satisfy one’s personal need or wish (personal interests) or a certain social need (social interests). In either case interest is achieved by satisfying a specific need, personal or social…(eine bestimmte aktive Beziehung zwischen einer Person und einem Ding, einem anderen Menschen oder einer bestimmten Idee oder das Teilhaben an etwas, das von Wichtigkeit, Wert oder Vorteil für diese Person ist. Interessiert sein bedeutet, aktiv mit einer Sache in Beziehung treten zu wollen, um ein eigenes persönliches Bedürfnis/einen Wunsch (ein persönliches Interesse) oder ein soziales Bedürfnis/Interesse zu befriedigen. In jedem Fall wird das Interesse durch die Befriedigung eines speziellen persönlichen oder sozialen Bedürfnisses erfüllt).“ Мала политичка енциклопедија, Савремена администрација, Београд, 1966, S.390).

41 ) Wert kann definiert werden als „something that is desired, that should be longed for, that affects selective behaviour. Value regulates impulses, gratifications in line with the whole area of hierarchical and permanent content of personality, requirements set by persons and sociocultural systems, needs for respecting needs of the others and the group as a whole in social life (etwas Erwünschtes, das angestrebt werden soll und das selektives Verhalten beeinflusst. Wert regelt Impulse, Genugtuung innerhalb des gesamten Bereichs der hierarchischen und dauerhaften Persönlichkeitsinhalte, durch Personen und soziokulturelle Systemen festgelegte Erfordernisse, die Voraussetzungen für den Respekt der Bedürfnisse anderer und der Gruppe als Ganzes)“. Животић, М., Аксиологија, Напријед, Загреб, 1986, S.47.

42 ) Томановић, Р., Националне и државне вредности, интереси и циљеви, Зборник радова са симпозијума о војној науци, Институт ратне вештине, Београд, 2001, S.363-395.

43 ) Вишњић, Д., оp.cit., S.79.

44 ) Живковић, М., Основи теорије државе и права, Полицијска академија, Београд, 1997, S.64.

45 ) Нај, Џ., Како разумети међународне односе, Стубови културе, Београд, 2006, S.348.

46 ) Живковић, М., оp. cit., S.79.

47 ) Ibid. S.66.

48 ) Hinsichtlich der Typologie von Konflikten verweist M. Zivkovic auf folgende Typen, gereiht nach Bedeutsamkeit und möglicher Explosivität: (1) Internationale Konflikte zwischen Staaten (Kriege), internationale Spannungen und Rivalitäten;

(2) Konflikte zwischen den wichtigsten gesellschaftlichen Klassen (Besitzer und Nicht-Besitzer von Produktionsmitteln); (3) Konflikte zwischen den wichtigsten gesellschaftlichen und dazwischen liegenden Klassen; (4) interne Konflikte (innerhalb politischer Parteien bezüglich finanzieller Angelegenheiten, zwischen Kapitalzentren des Marktes, etc.); (5) verschiedene religiöse und ethnische Konflikte in heterogenen Staaten (Живковић, М., Основи теорије државе и права, Полицијска академија, Београд, 1997).

49 ) Вишњић, Д., op.cit., S.83.

50 ) Im Allgemeinen bedeutet Ziel: (1) ein Zustand, eine Form oder Situation oder ein zu erreichender Punkt; (2) die subjektive Absicht, etwas zu erzielen, das als zu erreichender Zustand, Form, Situation oder Punkt betrachtet werden kann; (3) die angestrebte Richtung oder der durch eine Handlung angestrebte Zustand; (4) das Erreichen selbst (Мала политичка енциклопедија, Савремена администрација, Београд, 1966, S.129).

51 ) Јовановић, Б., Увод у теорију војног руковођења, ЦВВШ ЈНА, Београд, 1977, стр. 44 и 46.

52 ) Лексикон појмова са тумачењима „Систем, управљање система, системске дисциплине, техника и метода“, Михајло Пупин, Београд, 1970, S.71.

53 ) Ibid. S.28.

54 ) R. Tomanovic, zum Beispiel, klassifiziert nationale Ziele hinsichtlich ihrer Wichtigkeit oder des Zeitpunktes ihres Erreicht-Werdens in langfristige und aktuelle Ziele. Langfristige nationale Ziele werden weiter unterteilt in allgemeine, staatliche, zivilisatorische, politische, nationalstrategische und militärstrategische Ziele. (Томановић, Р., Научна утемељеност структуре и елемената стратегије одбране СР Југославије, doctoral dissertation, Војна академија Војске Југославије, Београд, 2000, S.44-52).

55 ) Шмит, М., Идентификовање националних циљева и развијање стратегије: приступ оријентисан на процес, Информативни билтен превода, ЦВНДИ, Београд, 1998-2000, S.27.

56 ) Ibid. S.27-38.

57 ) Ibid. S.158-162.

58 ) Ibid.

59 ) Ibid. S.160.

60 ) Ibid. S.160.

61 ) Ibid. S.160-161.

62 ) Ibid. S.161.

63 ) Ibid. S.161 and 162.

64 ) Ibid. S.162-164.

65 ) Вишњић, Д., Како мислити доктрину, Војно дело, бр. 1, 1995.

66 ) Die Strategiebezeichnungen sind nicht präzise, da sie bestimmte Dokumente repräsentieren. Es gibt jedoch in der Verwendung der Terminologie weltweit große Unterschiede. Darüber hinaus stellen wir hier nur einige Strategien vor, die auf der Ebene des Verfassens strategischer Dokumente zum Tragen kommen.

67 ) Вишњић, Д., op.cit., S.342.

68 ) Collins, J. M., Grand Strategy, Annapolis, 1973, S.14.

69 ) Dementsprechend ist bereits ein Vorwärtsschritt im militärischen Denken zu verzeichnen, weg von den vormaligen Konzepten der elektronischen Kriegführung und den gegenwärtigen Definitionen von „Kriegführung, Führungsverhalten und Führung“, ja sogar weg vom allgemeinen Konzept der „Informationskriegführung“. (Тофлер, А., Тофлер, Х., Рат и антират, Паидеја, Београд, 1998, S.176).

70 ) Вишњић, Д., op.cit., S.

71 ) Аћимовић, Љ.

72 ) Шешић, Б., Основи логике, Научна књига, Београд, 1983, S.54.