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NOREIA

Militärwissenschaftliche Methodologie zur Lokalisierung des norischen Stammeszentrums

Reinhard Stradner

 

„Geschichte“ wurde fast ausschließlich mit Blut geschrieben. Somit war für eine Gesellschaft der Antike ein Leben mit Krieg, Kampf und Tod nichts Außergewöhnliches - eher Phasen lang andauernden Friedens. Das bedeutete, dass gesellschaftliche Bedürfnisse (geistige, zivile, wirtschaftliche und militärische) durch Führungspersonen umfassend abzudecken bzw. zufriedenzustellen waren. Somit ist auch die Ermittlung eines historischen Siedlungsplatzes unter Berücksichtigung militärtaktisch-operativer Erwägungen sicherlich eine für Historiker außergewöhnliche Vorgangsweise. Dafür sprachen aber die Resultate, die Mehrinformationen über die historio- und topographischen Angaben in den überlieferten Texten hinaus ergaben.1)

Der Zufall spielte mit. Heribert Aigner und Manfred Hainzmann verlangten als Vortragende an der KF-Universität Graz vom Autor im Rahmen seines Studiums jeweils eine Untersuchung zu Noreia (Zentrum und Theonym). Diese Gleichzeitigkeit war wohl der (göttliche) Funke, der das besondere Feuer zu/von Noreia entzündete. Somit war das spezielle Interesse zu einer sinnvollen und logisch abgeleiteten Suche eben in einer anderen Weise - gerade nach militärwissenschaftlichen Gesichtspunkten - geweckt und wollte in einer dem Autor vertrauten Art als quasi ein „Detektiv der Geschichte“ umgesetzt werden!2) Dieses Werk war auch durch den „Reiz des Neuen und Unbekannten“ zu einer persönlichen Triebfeder geworden. Zusätzlich wollte er v.a. die Angaben Strabons, der Tabula und des Geländes zu einer harmonischen Abstimmung bringen und militärwissenschaftlich das Rätsel der Lokalisierung lösen.

Weiters erschien so eine Forschungsarbeit gerade deswegen möglich, weil einerseits die Gegebenheiten des Geländes (abgesehen von künstlich vorgenommenen Eingriffen wie Sprengungen oder Abtragungen etc. oder auch geringfügigen Veränderungen durch Naturkatastrophen) über lange Zeiträume hinweg nahezu unverändert blieben3) und sich andererseits das Führungsverfahren,4) die Methodik der militärischen Lagebeurteilung5) sowie der Führungsgrundsätze6) als auch anderer taktischer Grundsätze7) (abgesehen von der jeweilig aktuellen Waffentechnik) ebenso wenig geändert haben. Diese Grundbedingungen, die später in einer Analyse behandelt werden, beeinflussen alle taktisch-operativen Grundüberlegungen - zur Zeit der römischen Antike, aber auch heute noch.8) Aufgrund der vorbildhaften Funktion der castella Norica im Rahmen der Anlage von Verteidigungswerken dürfen ideale Bedingungen und Voraussetzungen angenommen werden. Eine autarke Sicherheit des eigenen Volkes war und ist auch jetzt noch die Grundvoraussetzung für einen dauerhaften Weiterbestand, eine gediegene Entwicklung und eine möglichst sinnvolle Prosperität. In einer Adaptierung auf damalige technische Möglichkeiten und im Rahmen des Ausschlussverfahrens lässt sich daher mit höchster Wahrscheinlichkeit feststellen, in welchem Nahbereich Noreia, nach dem bereits seit etwa 500 Jahren9) gesucht wird, gelegen haben muss. Aufgrund dieser Lokalisierung ergeben sich stringent für den Bereich der Schlacht 113 v.Chr. und die Belagerung etwa 60 v.Chr. interessante Schlussfolgerungen, die aber in diesem Artikel nicht behandelt werden.10) Auf eine historische Thematik bezogen ist so eine militärwissenschaftliche Arbeit auch für das Militär neu.

Die Kelten im Regnum Noricum sind nicht vollständig erforscht und waren eine - wenn nicht gar die erste - zentraleuropäische Völkerschaft. Als solche haben sich die in unserem Raum sesshaft gewordenen Stämme mit anderen einheimischen Populationen vermengt. Diese waren nach ihrer Eingliederung in das Imperium Romanum aufgrund der vorteilhaften, höher entwickelten römischen Kultur einem starken Assimilationsdruck unterworfen. Oppida,11) die vorrömischen Höhensiedlungen bzw. castella Norica, waren aus rein militärischen Überlegungen auf Hügelkuppen angelegt, die leicht zu verteidigende Eingänge boten. Ebenso waren eine weitreichende Beobachtung und ein Verbindungsnetz gegeben, wo mittels Feuerzeichen eine Verständigung zu Warnzwecken aufrechterhalten werden konnte. Im Gegensatz zu den castella hatten die oppida für einen Stamm zusätzlich zentralörtliche Funktionen und wurden vermutlich auch als urbes bezeichnet. Erst unter Kaiser Claudius (eigentlich Tiberius Claudius Caesar Augustus Germanicus, 41-54 n.Chr.) mussten diese Höhensiedlungen aufgegeben werden. An ihre Stelle traten nun größere, in Tallage befindliche Städte mit Selbstverwaltungsrecht (municipia).12) Trotz des starken Kulturwandels hielt aber vermutlich die keltische Bevölkerung an ihren alten Kulturstätten fest.

Nach Basisüberlegungen und Allgemeinem über das norische Königreich werden auch religiöse Aspekte zu einer möglichen Namensgebung und daraus resultierendem Lokalbezug angestellt. Für eine umfassende Beurteilung der Gesamtproblematik erscheinen zusätzlich zu den auffindbaren Quellen13) und dem bekannten Umfeld14) auch wirtschaftliche Faktoren wichtig. Nach den Angaben in den überlieferten, antiken Texten wird sowohl dabei zugrundeliegendes Analysematerial (Lexikographie, Veröffentlichungen von namhaften Wissenschaftern und Autoren) als auch die (karto-) graphische Darstellung auf der Tabula Peutingeriana (Tabula, Tab. Peut.) genau untersucht. Anschließend folgt eine militärwissenschaftliche Analyse als neuer Lokalisierungsansatz, der auch auf die im erwähnten Bereich anzunehmende Schlacht und die Belagerung Einfluss gehabt haben muss.15) Ziel war es, der oftmals schon als „belächelt“ geltenden Frage nach der Lokalisierung16) der vorrömischen „Hauptstadt“ Noreia nachzuspüren und dieses - allerdings noch ohne die Nutzung aufwendiger technischer Ressourcen - unter militärwissenschaftlichen Gesichtspunkten zu lokalisieren. Dabei sollten erstmals militärtaktische, operative und strategische Überlegungen sowie menschliche Logik miteinbezogen werden. Natürlich erforderte die Suche nach einem untergegangenen Siedlungsplatz auch eine gewisse Intuition und Erfahrung, da - wie bereits oftmalig bezeugt - bei dieser Problematik bis dato kaum ein Fortschritt zu erzielen war. Es konnte somit vermutet werden, dass Noreia höchstwahrscheinlich nur dort zu suchen sein wird, wo auch das damalige Zentrum des Erzabbaus und der Erzverarbeitung gelegen ist, wo eine Zusammenschau der Quellen samt der Kartographie und die vorher genannten militärtaktischen Komponenten zutreffen.

Allgemeines

Noricum bzw. das Regnum Noricum - benannt nach dem Stamm der Noriker - war ein keltisches Königreich, das im Laufe der Zeit enge Handelsbeziehungen mit den Römern entwickelte und schlussendlich als Provinz in das Imperium Romanum eingegliedert wurde. Noricum umfasste im Wesentlichen das Ostalpengebiet südlich der Donau, das im Osten von Pannonien und im Westen von Raetien begrenzt wird.17) Auf der Tabula ist der Bereich wesentlich kleiner.18) Es befindet sich also im zuvor beurteilten Großraum und wird als Beurteilungsgrundlage kurz beleuchtet. Zu seiner Bildung wird angegeben, dass es wohl durch den Zusammenschluss einzelner Völker - die augusteischen Dedikationen vom Magdalensberg in Kärnten nennen acht von den Norici dominierte Stämme - entstanden sein soll. Ab 170 v.Chr. stand König Cincibilus zu den Römern durch ein hospitium publicum (staatliche Gastfreundschaft) in freundschaftlichem Verhältnis. In der Folge entwickelten sich gute Handelsbeziehungen und ein zunehmender Einfluss Roms. Ein Zentrum des Regnum Noricum war wohl die Siedlung auf dem Magdalensberg. Um etwa 15 v.Chr., nach dem Tod des letzten Keltenkönigs,19) wurde Noricum bis zur Donau weitgehend friedlich durch die Römer besetzt. „Rom schickte [scil. dann] einen praefectus civitatis, der in Virunum bei Klagenfurt residierte.“ 20) Die „Hauptstadt“ war vermutlich dieses vorrömische Noreia, der Schlachtort gegen die Kimbern und Teutonen, der im zentralkärntnerischen Raum zu suchen sein könnte.

Die hallstattzeitliche Bevölkerung, die im Bereich des späteren Noricums siedelte, wurde langsam ab etwa 450 v.Chr. durch Zuwanderung keltischer Stämme aus deren Kerngebieten in Südwestdeutschland und Ostfrankreich assimiliert. Die Keltisierung der Ostalpen vollzog sich im 4./3. Jh. v.Chr. „Das schon genannte Regnum Noricum hatte sein Zentrum auf dem von den Österreichern vorbildlich erforschten Magdalensberg in Kärnten (Virunum), die Bewohner hießen Norici oder Taurisci.“ 21) Es entstand eine keltische, kulturelle Einheit mit relativ gleichartigen, politischen und sozialen Strukturen; gemeinsam waren Sprache, Religion und materielle Kultur mit lokalen Ausprägungen. Eine politische Geschlossenheit bestand nicht. Zum Mittelmeerraum wurden rege Kontakte unterhalten. Die Kelten lebten in Stammesverbänden. Unter der Führung der Noriker schlossen sich um etwa 200 v.Chr. vermutlich 13 Stämme, die etwa gebietsmäßig zuordenbar sind, zum Regnum Noricum zusammen.22) Acht davon sind namentlich bekannt; die „Ambidraven“, „Ambilinen“, „Ambisonten“, „Helvetier“, „Laianken“, „Noriker“, „Saevaten“ und „Uperaken.“23) Berechtigt bleibt die Annahme, dass aufgrund der lokalen Nähe die möglichen fünf anderen Stämme, die „Boier“ (Gebiete um Pressburg/Slowakei),24) die „Taurisker“ (Gebiete um Laibach/Slowenien),25) die „Latobiker“ (mit dem Zentrum in der Nähe von Petavione - Pettau/ Slowenien),26) die „Carner“ (mit dem Zentrum in Tergeste - Triest/Italien)27) und die „Alauner“ (im Gebiet des heutigen Niederbayern, Salzburg, Oberösterreich),28) gewesen sein könnten. Diese Stämme sollen in einer Trium-Reguli-Organisation geführt worden sein, wobei eine freie Bundesorganisation zusammengetreten sein könnte, die gemeinsam über das Wirtschafts- (Finanz-), Kriegs- und Justizwesen (v.a. in der Blutgerichtsbarkeit) entschieden hat. Alle anderen Angelegenheiten sollen die seniores der jeweiligen Stämme unter Zuhilfenahme der Druiden selbst beschlossen haben (Individualität). Dazu gehörten auch die inneren und äußeren Angelegenheiten der jeweiligen Stämme.29) Den Versuch einer genauen Lokalisierung der civitates auf den augusteischen Tafeln am Magdalensberg unternahm zuletzt Karl Strobel.30)

Als erwiesen ist anzunehmen, dass die Göttin Noreia die Namensgeberin der Norici wie auch von Noreia gewesen ist.31) Die Göttin wird oftmals mit der ägyptischen Göttin Isis verglichen. Von dieser mütterlichen Gottheit erbaten viele Frauen Kindersegen und Mütter den Segen für ihre Kinder. Der Kult versprach den Anhängern an ihrer Seite ein besseres Leben im Jenseits.32) Noreia, das war der Name der starken (eisernen) Göttin bei den Kelten der Alpenländer. Der Stämmeverband der Noriker, mit dem sich zusehends diverse keltische Stämme der Alpenregion vereinigten33) und das „norische Reich“ gründeten, verehrte sie. Nachfolgend wurde sie von den Römern als Isis-Noreia verehrt. Am Frauenberg bei Leibnitz/Steiermark befinden sich Überreste eines Isis-(Noreia) Tempels. Eine Inschrift findet man auf dem Kärntner Ulrichsberg34) sowie einige im Tempelbezirk Hohenstein bei Liebenfels in Kärnten,35) der als momentaner Hauptfundort bzw. ein Zentrum dafür gilt.36) „Steinerne bzw. in Stein gemeißelte ‚Zeugnisse’ zu Noreia bzw. Noreia-Isis gibt es naheliegenderweise erst aus römischer Zeit. Die entsprechenden Fundorte reichen im Umkreis der Ostalpen von Niederbayern bis Ungarn und von Salzburg bis Slowenien, wobei gerade in Kärnten und der Südsteiermark häufig Funde gemacht werden konnten. Das Verbreitungsgebiet der (Göttin) Noreia dürfte sich tatsächlich in weiten Teilen mit dem keltischen Noricum gedeckt haben.“ 37) Es geht aber auch weiter hinaus.38) Eine Statue der Isis-Noreia ist bis zum heutigen Tag nördlich der Karawanken aufgefunden worden; zwei vermeintlich weitere stellten Grabsteine dar. Obwohl bis dato noch keine Kultkontinuität belegt ist, könnte aus dem abgewanderten Folgekult der Ägypter vielleicht der matriarchalische Verehrungskult der heutigen Kirche entstanden sein.39) Hier sollte nur ein Überblick über diese vermutlich stammesspezifische Religion bzw. die Dea Noreia gegeben werden, damit ein Verstehen der Wichtigkeit bei der Suche nach der „Hauptstadt“ leichter zu erlangen ist.

Die Bodenschätze, insbesondere das (Alpen-) Gold und das ferrum noricum, hatten die Begehrlichkeiten der Römer wachgerufen. Fast jeder Fluss in den Alpen hat Seifen- bzw. Waschgold geführt und einige führen es auch heute noch. Edle Kristalle und verschiedene andere Mineralien in unterschiedlich guter Qualität (Edelsteine)40) und/oder immenser Größe waren vielerorts zu finden, zu hauen oder zu waschen. Andere Erze (z.B. Silber) gab es vermutlich in geringeren Mengen. Steinsalz war in großen Mengen im Sedimentgestein abgelagert. Urgestein barg begehrtes Erz. Das Eisen war wegen seiner hohen, stahlähnlichen Qualität sehr geschätzt und wurde im ganzen Römischen Reich gehandelt und weiter verarbeitet.41) Verhüttungsanlagen, betrieben mit Holzkohle, wurden am Möselgut (Semlach) im Görtschitztal südlich von Hüttenberg entdeckt. Sie offenbarten sich als sehr große „Öfen“42) in einer eigenartigen, modern anmutenden Technologie.43) Von 2003-2005 untersuchte ein Team im Rahmen eines Projekts des Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung den Raum Eisner/Semlach am Hüttenberger Erzberg.44) Die dort gefundenen „Öfen“ (Eisenschmelzöfen und Schmiedeessen) hatten wohl ihren Höhepunkt so um die Zeitenwende, datieren vom 1. Jh. v.Chr. bis etwa 500 n.Chr. und machten die hochtemperierten Schmelzungen erst möglich.45) Der Erzabbau wurde schlussendlich fast lückenlos von der späten La Tène-Zeit bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts durchgeführt.

Verfolgte Völker bzw. Stämme haben ihre Bedrohung leichter abwenden können, wenn sie sich in gebirgiges Gebiet zurückgezogen haben. Diejenige Bevölkerung, die durch die Gewinnung der Bodenschätze und die sich daraus entwickelnde Wirtschaft auch noch Profit schlagen konnte, hatte es geschafft, sich zusätzlich zu aller Entwicklung auch noch eine Infrastruktur aufzubauen, die sogar autark gewesen sein könnte. Diese wurde dann in den Städten (urbes/oppida), die eine große Errungenschaft des jeweiligen Volkes darstellten, besonders gehütet und beschützt. Um sie herum baute sich vermutlich anfänglich die spätere Kultur dieser Gesellschaft auf.46)

Bronze war umständlich zu fabrizieren, und ihr Legierungsbestandteil Zinn musste von weither angeliefert werden. Dadurch wurde sie sehr teuer, obwohl sie nebenbei für starke Waffen zu weich war. Das harte Eisen ließ sich weit schwerer bearbeiten. Bereits im 12. Jh. v.Chr. kamen die Kenntnisse über Metallurgie aus dem Raum Griechenland wahrscheinlich durch ziehende Bergleute, die auf der Suche nach neuen Abbaugebieten waren, über den Balkan in den Ostalpenraum, wo sie im 9./8. Jh. v.Chr. nachgewiesen werden können.47)

Dort sollte man auf ein wahres Paradies stoßen und Bodenschätze im Überfluss vorfinden. Gold, Silber, Eisen und Edelsteine fanden sich in fast jedem fließenden Gewässer oder als Flöze (Lagerstätten) - erzreichen Adern im Gestein. Zusätzlich fanden sie im Gegensatz zu verschmutztem Meersalz sauberes Steinsalz, das wegen seiner Reinheit bis in die Neuzeit besonderen Wert hatte und sogar zum Monopol avancierte. Es diente nicht nur zum Verkochen, sondern auch, um Fisch und Fleisch durch „Pökeln“ haltbar zu machen. Somit konnte Fleisch genießbar und unverdorben sogar bis nach Rom geliefert werden. Da die vermutlich eher kleingewachsenen Bergleute und Knappen schwere körperliche Arbeiten verrichten mussten, war die Notwendigkeit gegeben, dass sie sich hauptsächlich von nahrhaftem Fleisch (Jagd und Viehzucht) zu ernähren hatten. Trotz vielerorts karger Böden ermöglichten zumindest die fruchtbareren Territorien Noricums eine gewisse Landwirtschaft und eine Art Großgrundbesitz.

Der Anstieg der Durchschnittstemperatur - die Gletscher traten zurück - begünstigte eine beginnende Almwirtschaft, den Wein- und den Getreideanbau sowie Obstkulturen. Trotz ihrer Zuneigung zu sündteurem Wein blieb das Lieblingsgetränk der Kelten aber das Bier.48) Das hospitium publicum, eine Art Freundschaftsvertrag zwischen Rom und Noricum (vermutlich die Grundlage für gegenseitige „Zusammenarbeit“), ermöglichte römischen Händlern die Öffnung eines attraktiven Marktes, da das Gold der Tauern und das hochwertige norische Eisen, fallweise auch bekannt als „blauer Stahl“, gefragte Handelsgegenstände waren. Auf dem Magdalensberg entstand neben einem Heiligtum der Noreia49) sowie durch Deutung des Jünglings vom Magdalensberg als einem Mars-Latobius bzw. Merkur die Ansiedlung (Berg-) Virunum, vermutlich eine römische Hauptproduktionsstätte sowie ein Großhandelsplatz, der Mitte des 1. Jh. n.Chr. zugunsten (Tal-) Virunums, bei St. Michael im Zollfeld bzw. Maria Saal aufgegeben wurde.50) Die Absiedelung war auf alle Fälle der Endpunkt der Provinzialisierung; vielleicht war eine zunehmende Raumnot ein Mitgrund dafür. Zum wichtigsten Exportartikel und als Grundlage der Wirtschaft entwickelte sich das Eisen (ferrum Noricum), das bereits aufbereitet als Waffe, Werkzeug oder Gebrauchsartikel im Handel angeboten wurde.

Diese Handelsgüter waren für den Süden bestimmt und wurden über Aquileia, das quasi der Ausfuhr- bzw. Handelshafen dafür gewesen sein dürfte, in den gesamten Mittelmeerraum verschifft.51) Dieses „norische Eisen“ hat nicht unwesentlich zur militärischen Überlegenheit des römischen Heeres beigetragen. Durch die dauernden Kriege waren solche Waffen derart gefragt, dass mehr Handel und dazu auch mehr Logistik notwendig wurden. Der Bedarf stieg stetig an.

Nach dem vermutlichen Untergang der Taurisker um etwa 60 v.Chr., der Ausbreitung der Noriker nach Norden in neue Abbaugebiete und dem Einzug der Römer ab 15 v.Chr. in das Gebiet bis an die Donau boten sich dafür Möglichkeit und auch Notwendigkeit. Vermutlich ist nach der Annexion, so um die Zeitenwende, der Erzberg in der Steiermark entdeckt worden,52) da dies ein ausschlaggebender Grund gewesen sein könnte, dass es folglich mit Noreia bergab und mit Flavia Solva bergauf ging. Es wurden daher neue Verkehrsadern, vorerst vermutlich geringerer Ordnung, später vermutlich höherer, angelegt, die westlich entlang der Mur über Frohnleiten, Kalsdorf, Wildon und Flavia Solva (Wagna bei Leibnitz) nach Süden in den Raum Petavione (Pettau/Slowenien) und Celeia (Cilli/Slowenien) führten.

Durch die technischen Neuerungen (Achslenkung, Radring, Federung etc. aus Eisen) war dies auch im Rahmen der Transporte möglich, wobei die Lasten auf den Wagen (wegen der zweiten, lenkbaren Achse) erhöht werden konnten. Das wiederum würde zur Römerzeit die Zucht von stärkeren Transporttieren - besonders Wagen- oder Saumpferden - begründet haben, die heute noch in der Noriker-Rasse anerkannt ist. Diese - vormals „Schrittpferde“ genannt - hatten geringeren Vorwärtsdrang und waren als Arbeitspferde an das bergige Gelände im kühleren Alpengebiet angepasst. Sie werden auch heute noch als „Kaltblüter“ bezeichnet.53) Inwiefern der vermutliche Grenzfluss Mur damals schon zur Floß- bzw. Schifffahrt zumindest temporär nutzbar war, kann man derzeit nicht verifizieren; es ist jedoch zu Transportzwecken aufgrund der Einfachheit als gegeben anzunehmen. Das Entstehen von Flavia Solva bei der Sulm-Einmündung, einer Furt oder Brücke entlang der neuen Bewegungslinie (jenseits oder über eine Grenze?) könnte so seinen Ursprung haben.54) Durch den Transport des wichtigen Eisenerzes und anderer Versorgungsgüter hätte somit das municipium auch als Lager- und Umschlagplatz einen Sinn.

Das südliche Ostalpengebiet hat sich im Laufe der Zeit positiv weiterentwickelt. Mit der Großmacht im Süden - also Rom - bestanden gute Beziehungen. Wie schon erwähnt, verstanden es die Noriker, hochwertige Waren bzw. Qualität zu erzeugen. Zum Handel benötigte man vorerst Tauschwaren. Bald waren die Tauschgüter erschöpft, und somit war als Alternative der Weg zur Einführung des Geldes aufbereitet. Die Münzprägung galt auch als Zeugnis für die Ausübung politischer Macht. Es handelte sich dabei um Silbermünzen, die nicht für kleine Alltagsgeschäfte geeignet waren. Leute der wohlhabenden Oberschicht horteten wertvolle norische Münzen. Auch zur Entlohnung wurden sie verwendet sowie für den überregionalen Warenverkehr. Die wirtschaftlichen Grundlagen Noricums bildeten also „das norische Eisen, Salz, der Bergbau, die Eisenverarbeitung, die landwirtschaftlichen Produkte (Pferd, Rind, Schwein) und der Handel mit anderen Gütern“.55) Grundzüge daraus seien für Noricum nur insofern erwähnt, als sie für ein Verstehen des Gesamtbildes in Bezug auf die Umfeldbedingungen von Noreia notwendig sind.

 

Überlieferungen

Dazu ist nochmals die spärlich vorhandene antike Literatur zu Hilfe genommen worden, darauffolgend müssen Veröffentlichungen in den einschlägigen Lexika, spezifische Kartographie und die zurzeit veröffentlichte Literatur über das Thema der Lokalisierung von Noreia herangezogen werden. All dies musste einer neuerlichen Beurteilung auch unter militärwissenschaftlichen Gesichtspunkten zugeführt werden. Die Primärquellen haben auf ihre Weise versucht, auf die „versunkene Hauptstadt“ des norischen Stammes hinzuweisen. Am bestimmtesten erschien wohl Caesar, weil er wie von einer allseits bekannten Stadt schrieb. Die genauesten und meisten Angaben machte Strabon mit der Entfernungsangabe und weiteren Beschreibungen; ihn in Verbindung mit der Tabula wirklich zu verstehen und sich mit allen damaligen Gegebenheiten zu Recht zu finden, könnte eine detaillierte Lösung ermöglichen. Als Zusammenschau durften die Aussagen gerundet und zeitlich gereiht festgehalten werden - sofern diese sich irgendwie auf Noreia beziehen:

1. Noreia hatte eine vorbildhafte Befestigung, die bei anderen Gemeinschaften „norisch“ genannt wurde (Asellio etwa 100 v.Chr.),56)

2. eine urbs Noreia befindet sich in Gallien (Asellio etwa 100 v.Chr.),57)

3. wurde von den Boiern vergeblich belagert (Caesar etwa 50 v.Chr.),58)

4. eine polis namens Noreia (Strabon etwa 30 v.Chr.),59)

5. 1.200 Stadien alpenflussaufwärts von Aquileia entfernt (Strabon etwa 30 v.Chr.),60)

6. mit Goldwäschen und Eisengruben (Strabon etwa 30 v.Chr.),61)

7. hoch in den Alpen gab es in Noricum Kastelle (Vergil etwa 20 v.Chr.),62)

8. Noreia ist bei den Tauriskern untergegangen (Plinius etwa 70 n.Chr.),63)

9. Carbo verlor in Noricum gegen die Kimbern (Strabon etwa 30 v.Chr. und Appian etwa 140 n.Chr.),64)

10. Carbo war (auf die Schlacht bezogen) an einem „besonders“ engen Alpenpass, von wo er den Kimbern (Richtung Noreia) entgegenzog (Appian etwa 140 n.Chr.).65)

Diese Angaben sind keine Lösung, aber als wichtigstes Korrektiv mit einzubeziehen. Zusätzlich muss festgehalten werden, dass diese Informationen auf heute bezogen aber auch einige Widersprüche bergen. Einerseits gibt es keinen Flusslauf, an dem man etwa 220 km hinauffahren kann,66) und andererseits war zuvor der Stamm der Taurisker67) auf die Zeit des Untergangs von Noreia bezogen selbst schon untergegangen bzw. in den Norici aufgegangen. Unter den Norikern stellte man sich zumindest ein Alpenvolk vor, das neben den Tauriskern auch noch andere Stämme integrierte.68)

Die Lokalisierung der Taurisker ist auf die Zeit von Noreia hin auch nicht genau verifiziert, da eine Information69) von Plinius besagt, dass nur ein Berg oder Höhenzug, der mons Claudius, die Skordisker und Taurisker getrennt habe.70) Sie sollen aber als zeitweilige südliche Nachbarn der Noriker einen Bereich um Emona und Nauportus sowie die Ocra-Hochebene integriert haben. Taurisci könnten gemäß Plinius auch alle Bewohner genannt worden sein, die etwa vom heutigen Brenner bis etwa zum Schoberpass das Tauerngebiet bewohnten,71) bevor die Noriker „[...] quondam Taurisci, nunc Norici […]“72) und Noreia an Wichtigkeit, Stärke und Größe zugenommen haben. Die Nennung Νύραξ πόλις Κελτική (Nyrax, keltische Stadt) durch Hekataios von Milet73) wurde nicht näher beleuchtet, da die Gleichsetzung mit Noreia trotz gewisser Logik sprachwissenschaftlich noch nicht bestätigt ist. Eine Wegbeschreibung dorthin oder gar die Angabe von Himmelsrichtungen samt Entfernungen fehlen.

 

Lexikographie

In ihr sind die gängigsten Nachschlagewerke behandelt worden, auf die Historiker der Alten Geschichte und Altertumskunde grundsätzlich zurückgreifen (die Realenzyklopädie der klassischen Altertumswissenschaften,74) das Reallexikon der germanischen Altertumskunde,75) der Neue Pauly76) und das Lexikon zur keltischen Archäologie77)). Die Veröffentlichungen darin entsprachen dem jeweiligen, damals aktuellen Stand. Alle Autoren haben darin sicherlich versucht, nicht nur Fakten aufzuzählen, sondern auch Anregungen zu schaffen, um einen Fortschritt bei einer fallweisen Lokalisierung zu ermöglichen.78) Natürlich wurde auch auf bekannte Umfeldbedingungen und die zugehörigen, bekannten geographischen Bestimmungen eingegangen.

Die sich unterscheidenden, manchmal sogar widersprüchlichen Angaben der verschiedenen Autoren zu unterschiedlichen Erscheinungszeiten erleichtern jedoch die Lokalisierung nicht, sondern lassen weiterhin viel Spielraum für ausgeschweifte Überlegungen. In keinem der behandelten Lexika wurden militärtaktische oder militärtopographische Überlegungen behandelt oder aufgezeigt. Auf die Zeitenwende bezogene Klimabedingungen fehlten ebenso. Damit sind sie für eine Miteinbeziehung zu dieser Lokalisierung natürlich nur sehr gering hilfreich.

Somit durfte festgestellt werden, dass die Aussagen in den fachspezifischen Lexika für die Festlegung des Standortes von Noreia neue Hypothesen eröffnen,79) teilweise unbestätigte Ausschlüsse nennen,80) aber keine nachvollziehbare Lösung anbieten. Es wird der Eindruck hinterlassen, dass ein Suchen nach einem oppidum/einer urbs eher im zentralkärntnerischen Raum anzunehmen wäre, da oft eine Nähe zu Virunum bekräftigt wird, was eigentlich nicht nur auf die Angaben auf der Tabula Peutingeriana zurückzuführen sein könnte. Eine detaillierte militärwissenschaftliche Untersuchung war aber bis dato ausständig und erschien immer mehr als dringend notwendig, um diesen wichtigen Aspekt in den neuen Lokalisierungsversuch mit einzubringen!

 

Kartographie

Dabei sind die gängigsten Kartenwerke behandelt worden, auf die Historiker der „Alten Geschichte und Altertumskunde“ grundsätzlich zurückgreifen können. Obwohl die Frage nach der Lokalisierung von Noreia schon etwa 500 Jahre alt ist, gibt es nur wenige relevante Kartenblätter oder Atlanten, die diesen Ort eingezeichnet haben. Die aufzählenden Itinerarien Antonini beinhalten Noreia nicht mehr und brachten für diese Thematik nicht viel. Ebenso war in alten Beschreibungen (Mittelalter bis frühe Neuzeit) nichts Bezugnehmendes darüber zu entdecken. Die jeweiligen Veröffentlichungen beinhalteten die auch schon alten kartographischen Lokalisierungen zwischen Drau und Mur.

Die Tabula Peutingeriana (Tab. Peut., Tabula), eine spätantike Darstellung, war ursprünglich eine Pergamentrolle, die 675 cm lang und etwa 34 cm breit war und den Bereich von den britischen Inseln bis nach Zentralasien abdeckte. Conrad Celtis, 1459-1508, Humanist und Dichter, hat sie vermutlich um 1493/94 in einem Nachlass wiederentdeckt. Sie soll auf den römischen Geographen Castorius (4. Jh. n.Chr.) zurückgehen81) und im Mittelalter kopiert worden sein. Das heutige UNESCO-Weltdokumentenerbe ist nach dem Augsburger Conrad Peutinger benannt. Es stellt das römische Straßennetz in vermutlich zwölf Segmenten dar, das ähnlich einem heutigen Liniennetzplan82) als eine stilisierte Karte zu betrachten ist. Die Urquelle bzw. spätantike Version der Tabula scheint auch als Militärkarte Verwendung gefunden zu haben. Die Abstände der Straßenstationen betragen meist um die 20-30 km (13-23 mp, römische Meilen), was einen Tagesmarsch83) für einen antiken militärischen Verband - samt Auf- und Abbau eines Marschlagers - bedeutet hätte. Durch die Haken zwischen den „Straßenstationen“ (und diversen Vignetten) bzw. den eingetragenen Abständen wären militärische Verbände zeitlich planbar geworden, was bedeutet, dass vermutlich ein erstes „Kraft-Zeit-Raum - Kalkül“84) hätte gezogen werden können.

Militärische Kartographie ist heute noch - wie vermutlich auch damals - die genaueste aller vergleichbaren Kartographien, sofern ihr nicht heute unmittelbar zur Verfügung stehende Satellitenbildaufnahmen den Rang streitig machen. Diese Karte gilt es später mit dem beurteilten Gebiet bezogen auf die Entstehungszeit in Einklang zu bringen, richtig zu lesen und zu verstehen. Sie zeigt in einer Entfernung von 27 mp ab der zu ihrer Zeit nominierten Hauptstadt Virunum eine Station Noreia, wirft aber gleichzeitig eine bis heute nicht eindeutig geklärte Frage auf. Denn die Karte zeigt 13 mp nach Noreia nochmals einen Ort gleichen Namens.85)

Die Schreibweise von Noreia in der Tabula ist unterschiedlich, und das ist als sichere Tatsache anerkannt worden. Bei der auf der Tabula einzigartigen, aufeinanderfolgenden Dublette von Noreia und Noreia könnte ihr gerade wegen dieser zusätzlichen Besonderheit eine ganz besondere, nämlich unterschiedliche Bedeutung zustehen („superior/interior“, „Groß-/Klein-“, „Ober-/Unter-“, „Nord-/Süd-“, „Alt-/Neu-“ etc.). Schon deshalb darf angenommen werden, dass das hintereinander geschriebene Noreia bewusst zweimal verzeichnet wurde. Karten waren im Mittelalter selten, also waren Kartographen damals wie heute besonders der Genauigkeit verpflichtet. Es entbehrt jeglicher Grundlage, warum jemand einen Fehler auf Pergament hätte belassen sollen, wenn es ein Einfaches gewesen wäre, diesen nach dem fallweisen Korrekturlesen z.B. durch Abschaben zu eradieren und danach problemlos zu verbessern. Die homonymen „Straßenstationen“ erlauben verstärkt die Annahme, dass in deren Nähe (eben zwischen Virunum und Ovilavis) gegebenenfalls Noreia zu suchen bzw. ein Heiligtum der Noreia anzunehmen ist.86)

Bei einer Korrektheit der so genannten Noreia-Doublette bedeutet das, dass sich Noreia auf einem Gebiet von etwa 20 mal 7 km mit Wohn-, Werkstätten-, Schürf- und Schutzbereichen befunden haben könnte. Die Größe der urbs/des oppidum ist damit aber nicht gleichzusetzen. Der Annahme, dass Noreia eine Hauptansiedlung samt einem langgezogenen, zu schützenden Abbaugebiet im Görtschitztal mit zwei (darauf bezogenen) „Straßenstationen“ gewesen sein könnte, wurde von keinem Wissenschafter widersprochen. Die Tabula gilt als Primärquelle und ist das älteste, vermutlich einzige mittelalterliche Kartenwerk, wo der gesuchte Ort, nämlich Noreia, vermerkt ist.87) Durch die genaue Lokalisierung der „Post- bzw. Straßenstationen“ wäre vermutlich auch die Lokalisierung von Noreia möglich. Fest steht, dass eigentlich der Raum um Emona durch die als korrekt anzunehmenden Einzeichnungen im steirisch-kärntnerischen Grenzraum ausgeschlossen werden kann, was dadurch stark für eine Lage nördlich von Virunum (gemäß Tab. Peut.) spricht. Somit war eine Abstimmung bzw. geometrische Konstruktion der Tabula mit dem Gelände zumindest als ein unterstützendes Zwischenergebnis zu versuchen.

 

Forschungen

Nach den bis jetzt besprochenen Quellen wenden wir uns nun den bisherigen Forschungshypothesen zu. Dazu wurden Gerhard Dobesch, Franz Ertl, Paul Gleirscher, Karin Haas-Trummer, Franz Miltner, Robert Porod, Marijeta Šašel Kos, Walter Schmid, Stefan Seitschek, Gottfried Somek, Karl Strobel, Klaus Tausend und Otto Helmut Urban näher beleuchtet. Alle besprochenen Wissenschafter und Autoren haben auf ihre Weise versucht, die „versunkene Hauptstadt“ des norischen Stammes zu finden, oder zumindest festgestellt, dass diese Lösung noch immer aussteht. Wie nahe sie einer etwaigen Lage des Ortes gekommen sind, steht aber auch nicht fest, da eine Verifizierung noch nie stattgefunden hat. Somit war eine wissenschaftliche Zufriedenheit darüber noch immer nicht eingetreten. Mancher glaubte, dass Noreia auf der Gracarca zu finden wäre, ein anderer vermutete es am Gipfel des Magdalensberges, ein weiterer wiederum wollte es bei Katsch an der Mur oder bei Pöllau (im Raum südwestlich Neumarkt) suchen. Die Nähe von Virunum wie auch von Feistritz-Paternion wurde ebenso damit bedacht. Strobel erklärte gleich drei unterschiedliche - und damit eigentlich keine wirklich ernst zu nehmende Möglichkeit. Jeder folgerte unterschiedlich aus den Aussagen der diversen Quellen und addierte zu diesen vermutlich auch seine subjektiven Wünsche. Auf die militärischen Aspekte wurde viel zu wenig oder eigentlich gar kein Augenmerk gelegt. Diese würden jedoch erst die Grundlage eines verteidigbaren, autarken oppidums oder einer urbs und somit einer guten Möglichkeit zur weiteren Entwicklung eines Stammes bieten, respektive geboten haben.

 

Zwischenstand

Es sollten nicht nur die Quellen, die zu findenden wissenschaftlichen Aussagen in den gängigsten Fachlexika, sondern auch die bekanntesten Wissenschafter und Autoren zur speziellen Problematik der Lokalisierung von Noreia beleuchtet werden. Militärwissenschaftliche Erkenntnisse oder operative bzw. taktische Beurteilungen fehlten. Das vorher kühlere Klima Europas erwärmte sich während der Römerzeit um durchschnittlich 1°-2° Celsius.88) Somit wurde nicht mitbedacht, dass die noch größeren oder heute nicht mehr vorhandenen Gletscher stärker schmolzen. Die Wassermengen ließen die Wiesen in den Tallagen versumpfen und Auen entstehen. Die Alpenpässe wurden besser passierbar, und der Norden wurde für römische Expansionen interessant. Die Weinrebe wurde also nicht nur aus Liebe zum Getränk im Gebiet des heutigen Österreich durch die Römer heimisch.

Die Tabula stellte eine Quelle höchster Wichtigkeit, wenn nicht gar die wichtigste „schlechthin“ dar und wäre nach einer Homogenisierung mit dem Gelände nachzukonstruieren. Die Doppelnennung von Noreia ist als korrekt anzunehmen. Es wurde auch kein neuerer Versuch unternommen, die beiden „Straßenstationen“ der Tabula geländemäßig zu lokalisieren und in deren etwaiger Mitte das oppidum zu suchen. Selbst bei einem Fixpunkt von St. Michael im Zollfeld (Virunum) und einem zweiten bei Scheifling-Lind (Ad Pontem)89) würde ein maximaler Zwischenabstand von 54 mp, also 80,028 km, die Lokalisierungsmöglichkeiten beidseitig begrenzen. Auch so ein Versuch wurde nicht unternommen oder wäre gar dokumentiert.

Zur Vollständigkeit muss angemerkt werden, dass aufgrund der fehlenden relevanten Aussagen bezüglich einer Lage von Noreia eine Besprechung der im Einflussbereich aktuell gefundenen Meilensteine90) leider nicht nützlich ist. Sehr wohl konnten einige Erkenntnisse über kulturelle oder gesellschaftliche Umfeldbedingungen gemacht werden. Das „kleinste gemeinsame Vielfache“ wurde kaum vollzählig getroffen und eine fundierte zivile Beurteilung der Gesamtproblematik ist ebenso ausständig geblieben. Selbst im kürzlich erschienenen „Lexikon der keltischen Archäologie“ ist bezüglich der mehrmaligen Lokalisierung von einem Noreia ein Widerspruch enthalten; es soll zumindest zwei Noreias gegeben haben.91) Eine chronologische Erklärung dafür mag zwar möglich sein, aber es fehlen wieder militärwissenschaftliche Beurteilungen. Die Wahrscheinlichkeit einer Lage Noreias im Kärntner Raum dürfte eher gegeben sein. Es war ein trauriger Stillstand eingetreten.

 

Objekt

Gesucht wurde ein Noreia, eine gallische urbs bzw. ein keltisches oppidum,92) das zu seiner Zeit vorbildhaft war!93) Vermutlich war es die „Hauptstadt“ - der wichtigste Ort - des Regnum Noricum. Später, im Rahmen der römischen Provinz, entwickelte sich daraus vielleicht auch Virunum, das seine Lage verändert haben wird. Von keinem antiken Schriftsteller wurde berichtet, dass ein oppidum Noreia „zerstört“ worden wäre. Somit mussten eigentlich nur einige vorrömische urbes/oppida betrachtet werden, um mögliche Vergleiche zu gewährleisten.

Bei einem Vergleich mit anderen oppida ist davon auszugehen, dass kleine Ansiedlungen meist in der Nähe von größeren auch aufgrund des Schutzbedürfnisses lokalisiert waren, die nicht nur den Wohn- und Lebensbereich, sondern auch den Arbeitsbereich (Handel und Gewerbe) umfassten. Meistens sind auch neue Ansiedlungen auf dem Gebiet von alten, zumindest angelehnt an diese, errichtet worden oder sie haben sich schlicht vergrößert. Sofern etwas mit dem Raum Noricum in Verbindung zu bringen ist, war das der Abbau von Erzlagerstätten, die natürlich nach dem Auffindungsort, ihrer Ergiebigkeit, den Förder- bzw. den Abbaumöglichkeiten, ihrem Handelswert und der notwendigen zugehörigen Infrastruktur (Holz für Köhlereien, Wasser zum Betrieb von Schmieden, Transportmöglichkeiten etc.) bestimmt wurden.

Die größeren Ansiedlungen bedurften eines Verteidigungssystems. Dazu gehörten ein geschaffenes Wallsystem an den Abhängen, ein murus gallicus bei benachteiligten bzw. schwächeren Bereichen als besserer Eigenschutz und ein flankierendes Einsatzprinzip samt Anwendung der militärischen Führungsgrundsätze.94) Oppida/urbes durften als wichtige Errungenschaft eines Stammes angesehen werden, die es unbedingt zu erhalten, gegen feindliche Angriffe oder Übernahmeversuche zu verteidigen und zu beschützen galt. Wegen des wichtigen Handels mit Rom waren vermutlich fallweise römische Truppen zur notwendigen Durchsetzung der römischen Interessen in der Nähe.95) Sie überwachten wertvolle Warenlieferungen und sorgten für deren Schutz - waren aber auch die „Faust im Nacken“!

Nebenbei hat sich öfters gezeigt, dass die römische Kampfführung anfangs nur auf offenem Gelände funktionierte. Vermutlich bei Noreia, in Arausio, vor Gergovia und im Teutoburger Wald (bei Kalkriese), wo es kaum oder kein Normgelände zum überschaubaren Kampf gab, das einer römischen Kriegsmaschinerie Überlegenheit geboten hätte, haben selbst römische Truppen gewaltige Niederlagen hinnehmen müssen.

Durch das Anlegen der oppida auf markanten Höhenrücken musste ein Angreifer samt Ausrüstung immer erst nach oben und dann erst dort kampfkräftig zum Einsatz gebracht werden. Das erforderte einen überdurchschnittlich großen Kraftaufwand. Oben war grundsätzlich für einen Verteidiger eine weitreichende Beobachtungs- und Verbindungsmöglichkeit gegeben. Vorbereitete Gräben und Sperren waren bei einem Angriff meist auch noch zu überwinden. Der Nachteil für die oppida war die Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln, was Caesar durch die innere Kontra-Umwallung Alesias beflissen ausnutzte. So ein Nachteil könnte wahrscheinlich in Noreia durch eine besonders große Ausdehnung des oppidum-Areals bzw. durch Anlehnung an eine Gebirgsflanke wettgemacht worden sein.

Ein Forschungsproblem in Bergbaugebieten stellt die Tatsache dar, dass einerseits durch den Tagbau die eigene Geschichte abgegraben sowie vermutlich unkontrolliert verbracht wurde (Taubgestein, Schlacken etc. fallweise in etwaige Verteidigungssysteme eingearbeitet) und andererseits für Palisaden und Häuser kaum Steinmauern (vielleicht wenige Fundamente), eben meist nur Holz verwendet wurde. Eine Ausnahme hierzu bildet der murus gallicus, in dem Gestein und Holz zu einem in sich verflochtenen, vermutlich verdichteten Verteidigungswerk verbaut wurden.96) Das gesuchte Noreia muss zumindest ähnliche, aber grundsätzlich bessere militärische Voraussetzungen als vorbildliches castellum/oppidum gehabt haben. Somit sollte es mit ähnlichen Voraussetzungen, aber besser, vielleicht zusätzlich mit der Möglichkeit einer logistischen Autarkie, zu suchen sein.

Einige militärtaktische Voraussetzungen sprechen im Bereich zwischen Mösel und dem Raum Mühlen, im Nahbereich eines von Walter Schmid fälschlich festgelegten Noreias, mit einem Zentrum im Bereich Hüttenberg dafür, dass sich dort in der Nähe - vielleicht auf halbem Weg - doch das gesuchte Noreia befunden haben könnte. Durch die Änderungen von Straßenführungen kamen Ungereimtheiten zustande, die später nur mehr schwer (eben z.B. über die Chronologie) zu klären waren. Auf längere Zeit hin betrachtet war man Noreia, das durch den norischen Stahl und das gelieferte Gold eine logistische Grundlage für die beginnende Expansion des Imperium Romanum darstellte, zu „ewigem“ Dank verpflichtet.

Ein norisches oppidum sollte sich dort befunden haben, wo das Erz abgebaut, der Handel abgeschlossen wurde und die adeligen Herren wohnten. Rundherum waren die Abbaugruben samt der Wohnbauten ihrer Arbeiter. Somit darf einmal als ein Zentrum ein Großraum um Hüttenberg angenommen werden. Ein Schutzbereich würde dann etwa 13 mp nördlich von Mösel geendet haben, wohin aus Norden ein zweiter, verteidigbarer Eingang in diesen Bereich geführt haben könnte. Diese topographische Besonderheit mag auch als Grund für eine zweite Nennung von Noreia gesehen werden. Sie trägt dem Umstand Rechnung, dass man Noreia von Norden oder von Süden her erreichen konnte. Die alte Bewegungslinie führte vermutlich über das Görtschitztal zu den Abbaugebieten (Eisen, Silber etc.) auch jenseits der Mur (möglicherweise auch über Ober- und Unterzeiring) folglich über den Tauern weiter nach Trieben und über das Ennstal weiter nach Norden.

Die Frage, ob es eines oder mehrere Noreias gab, galt es bei allen Widersprüchen vorrangig zu klären; die Annahmen durften in sinnvollen Einklang gebracht werden, um daraufhin eine gültige Aussage zu treffen; es gab zwar:

1. die beiden Bezeichnungen („Straßenstationen“) auf der Tabula,97)

2. die Ortschaft Noreia, ehemals St. Margarethen am Silberberg (Schmid98)),

3. die „Poststation“ im Raum Wildbad Einöd (Schmid99)),

4. die Annahme bei Feistritz/Paternion (Miltner100)),

5. die Annahme bei Emona (Strobel101)), Šašel Kos,102) Scherrer103)),

6. die Annahme auf der Gracarca (Gleirscher104)),

7. die Überlegungen von weiteren Wissenschaftern [z.B. Virunum (Pichler105)), Magdalensberg (Urban106)), Friesach (Artner107)), …] und Autoren bzw. Hobby-Historikern [z.B. bei Neumarkt (Stockinger,108) Pausch109), bei Semlach (Ertl110)), …],

8. aber nur einen Ort, den es als das oppidum/die urbs zu lokalisieren galt.

Auch wenn die Fundstücke, in die der Name Noreia eingemeißelt ist, in verschiedenen Gebieten gefunden wurden, so befinden sich doch die Fundorte mehrheitlich auf heute österreichischem Staatsgebiet bzw. jenem des damaligen Regnum Noricum oder der römischen Provinz Noricum.111) Die Nennungen beziehen sich hauptsächlich auf die Stammesgöttin und sind leider nicht zur detaillierten Lokalisierung der ehemaligen „Hauptstadt“ geeignet. Wenn es mehrere Orte namens Noreia gegeben haben möge, dann waren sie zumindest in der Zeit der Vorgängerkarte der Tabula nicht erwähnenswert. Ein weiteres Noreia, womöglich mit Vignette, scheint auf der gesamten Tabula nicht auf - wäre somit also auch nicht wichtig gewesen. Noreia war zur Zeit der Vorgängerkarte der Tabula bereits untergegangen.112) Die Räume bei Emona, bei Feistritz/Paternion, auf der Gracarca und Virunum selbst113) haben sich als Noreia aus unterschiedlichen Gründen ausgeschlossen. Walter Schmids „Poststation“ bei Wildbad Einöd führte zusätzlich zu ihrem Zweck aufgrund ihrer geographischen Lage und der zeitlichen Faktoren eher auf den Schlachtort bzw. auf einen Ort des Gedenkens als auf die Lage der gesuchten urbs/oppidum vor Ort zurück. Die Räume um Friesach, Neumarkt, St. Margarethen am Silberberg und Wildbad Einöd befinden sich im später zu beurteilenden Nahbereich und sind integriert. Es vermehrte sich der Glaube, dass Noreia in der Nähe von Emona gelegen haben solle;114) als Fakt jedoch blieb Caesars Angabe, der diese über Noreia so gemacht hat, dass sie wie von einer allseits bekannten „Stadt“ und zumindest zu seiner Zeit von nur einer „Stadt“ geklungen hat. Dies traf bei seiner Erwähnung vom oppidum Alesia115) ebenso zu! Hauptstädte gibt es eigentlich nur einmal, und wenn man beispielsweise von Wien spricht, dann meint man auch das weltweit als einzigartig bekannte Wien in Österreich - und nichts anderes! Und das bedeutete wiederum, dass es galt, in Bezug auf das oppidum nur ein Noreia zu suchen - und zwar die Hauptniederlassung der Norici im Regnum Noricum, die es auch wert war, als ein Befestigungsvorbild für andere oppida gedient zu haben.

 

Chronologie

Die „Hauptstädte“ Noricums, Noreia, Virunum 1 (Berg-) und 2 (Tal-), wurden auch auf die Zeit bezogen schon teilweise behandelt. Dabei wurde angemerkt, dass die Region Noreia zwischen Semlach und Neumarkt sehr gut fassbar sei.116) Später ist dann wohl (Berg-) Virunum als Handelskolonie (colonia) gegründet worden, aus dem dann wohl das municipium (Tal-) Virunum hervorging bzw. dieses ablöste. Im Vergleich sei der noch genauer zu beurteilende Großraum Hüttenberg miteinbezogen. Teurnia, das im viel späteren römischen Noricum Mediterraneum aufgrund von Kriegshandlungen zur vorübergehenden „Hauptstadt“ avancierte, oder Ovilavis, die spätere Hauptstadt von Noricum Ripense, sind für diese Lokalisierung nicht zu berücksichtigen. Zu welcher Zeit ist was über die Gebiete knapp beim damaligen Erzabbauzentrum bekannt? Im Überblick bezogen auf den Faktor „Zeit“ darf festgehalten werden, dass als wichtigster Zeitraum für die in Frage kommenden Gebiete das 1. Jh. v.Chr. angesehen werden darf, da Noreia gerade in der ersten Hälfte vermutlich seinen höchsten Entwicklungsstand aufweisen konnte. Somit sind für eine folgende Beurteilung (eventuelle Suche) die zeitbedingten Faktoren und technischen Voraussetzungen dieses Zeitabschnitts heranzuziehen.

 

Lokales

Neue Grenzen orientierten sich, auch in der Antike, fast immer schon an bestehenden.117) Es ist bekannt, dass keltische Stammesgrenzen eingehalten, gegenseitig respektiert und verteidigt wurden.118) Wie noch im heutigen Schottland war die Gemeinschaft in Stämme (gebietsabhängig bis etwa 50.000 Personen) aufgeteilt, wobei diese wiederum Täler oder andere natürlich abgegrenzte Gebiete umfassten. Das Land war kein Einzel-, sondern Stammesbesitz. Mit größter Wahrscheinlichkeit lässt sich der Name der (heutigen) Mur auf einen so genannten Grenzfluss (Bedeutung von Mauer, Wall etc.) hin zurückverfolgen. Die Mürz (kleine Mur) hätte klimabedingt als Oberlauf der Mur angenommen werden können und wäre im Raum des Mons Cetium entsprungen.119) Früher könnte der Oberlauf der Mur Noarus geheißen haben und nach Einmündung in die Mur ein pannonischer Grenzfluss zu Noricum gewesen sein.120) Dieser könnte sich aus seiner Namensgebung erklären, der vermutlich mitsamt seinen Zuflüssen, gemeinsam mit dem Bergbau und der Göttin auf das keltische, vorrömische Regnum Noricum hinweist.121) Im Groben umfasste also das frühe Noricum das Zuflussgebiet um die heutige Mur/Steiermark, später dann auch um die unterkärntnerisch-slowenische Drau. In der Provinz Noricum hatten eigentlich sehr lange Zeit keine römischen Legionen ihren fixen Garnisonsort.

Bevor man sich auf die Suche nach Noreia begibt, muss man den geographischen Bereich festlegen, wo man es suchen soll. Die Karawanken stellten schon immer eine schier unüberwindbare Grenze zwischen Nord und Süd dar. Dies deutet eher auf eine Lage von Noreia im Zentralgebiet von Noricum hin, also auf eine Position nördlich der Karawanken. Demgegenüber halten Karl Strobel,122) Marjeta Šašel Kos123) und Peter Scherrer124) die Lage von Noreia auch im Großraum von Emona, also südlich der Karawanken, eher für möglich, da sich diese auf die Schlacht, eine Taurisci-Lokalisierung bzw. den im Savetal gewählten Marschweg der Kimbern von der Skordiskern herauf beziehen soll. Nichtsdestotrotz war Noreia auf der Tab. Peut. nicht im Raum von Emona eingezeichnet, weder als „Straßenstation“ noch als Ansiedlung mit Vignette. Noreia ist jedoch zwischen Virunum (Raum Klagenfurt) und Ovilavis (Raum Wels) eingetragen - sogar zweimal. Ein Bergbauzentrum für Gold bzw. Eisenerz ist südlich der Karawanken (Kalkgestein) auch nicht gegeben, wo hingegen nördlich davon in den Zentralalpen (Urgestein) mehrere Gebiete dafür in Frage kamen.125) Da die Gründe für eine nördliche Lage stark überwogen haben, war daraus der Schluss zu ziehen, dass sich das gesuchte Noreia nur nördlich der Karawanken, also in den östlichen Zentralalpen, befand. Dafür darf ein Raum nördlich von Klagenfurt angenommen werden.

Nimmt man die Suche in den hauptsächlich aus Urgestein bestehenden Zentralalpen auf, kann man nun eine weitere Bestimmung zur Eingrenzung des gesuchten Gebietes vornehmen. Als Voraussetzung darf die Tabula als „älteste Landkarte“ dienen. Eine Suche nach Noreia südlich des Wörthersees ist nicht logisch und erscheint somit als falsch. Nördlich davon galten St. Michael im Zollfeld bzw. Maria Saal (Virunum) und Scheifling-Lind (Ad Pontem) als Fixpunkte. Dazwischen war nun auch Noreia zu suchen! Dafür wie auch für die Angaben auf der Tabula sind noch die guten alten Gepflogenheiten, die sich entfernungsmäßig für den durchschnittlich trainierten Menschen bis heute nicht wesentlich verändert haben, zu berücksichtigen.126) Grundsätzlich war das Reisen zu Fuß die billigste, aber auch die langwierigste Methode. Das bedeutete, dass man gerade aus diesem Grund die Wege so kurz und einfach wie möglich wählte. Wenn sich irgendwo die Möglichkeit zur Nutzung eines Wasserwegs auftat, wird man sie gewählt haben.127) Lastentransporte fanden meist auf Fuhrwerken statt, die nur fallweise von Pferden gezogen wurden. Das Reisen zu Fuß verlor später etwas an Bedeutung und verringerte sich aufgrund der stärkeren Pferde, der neuen Wagentechnik und der besseren Straßen. Nun waren mehr als doppelt so große Tagesdistanzen (nun etwa 40-80 km) zu Pferd ohne bzw. mit (Reise-) Wagen möglich, und vorher genormte Karten fielen nicht mehr so ins Gewicht. Zu einer Beurteilung (Analyse) nördlich der Karawanken boten sich als Bewegungslinien drei Varianten ausgehend von Virunum in Richtung Murtal an:

1. das Glan-, Gurk- bzw. Olsatal,

2. das Lavanttal und

3. das Görtschitztal

Ad1.) Sowohl das Glantal als auch das Gurktal muss man sich um die Zeitenwende und davor wie ein morastiges, abwechslungsweise trockenes, aber auch versumpftes Überschwemmungsgebiet128) der heutigen Gurk und der Glan vorstellen, wobei dafür grundsätzlich das Zollfeld in gewissen Teilen auch so zu beurteilen wäre. Die Anlage einer Bewegungslinie mit halbwegs festem Untergrund über das Krappfeld bis in den Raum des Murtales - dann weiter bis an die Donau - erscheint länger, umständlicher und trifft nicht das Erzabbaugebiet sowie das Zentrum dafür. Bewegungslinien (Wege, Pfade etc.) wurden damals aufgrund der Bodenbeschaffenheit meist am halben Hang geführt, der im südlichen Bereich eher fehlt. Querverbindungen nach Osten gibt es in der Gegend nur über Guttaring und St. Veit. Die Entfernung für einen damals meist getätigten Fußmarsch dürfte zu weit bzw. aufgrund des Bodens viel zu beschwerlich gewesen sein. Sollte eine offene Ebene bei Friesach zumindest teilweise festen Untergrund geboten haben, so wäre dort für ein fallweises oppidum am Friesacher Burgberg ein zu mächtiger Feindansatz (vermutlich mehr als zehn Legionen) möglich gewesen. Die Weiterführung der Bewegungslinie in das Murtal (Raum Scheifling) über das Olsatal und den Neumarkter Sattel ist im nördlichen Teil etwas umwegig und nach Wildbad Einöd am engsten (vermutlich auch am gefährlichsten).129) Dieser Bereich wäre aber aufgrund der Enge und des steilen Angeländes für eine Kampfführung als besonders unterstützend und vorteilhaft zu beurteilen. Somit ist dieser Bewegungslinie zu dieser Zeit noch nicht der Vorzug zu geben; das ändert sich erst mit der Einführung keltischer Wagentechnik und den stärkeren, größeren Pferden (Noriker-Rasse) etwa ab der Zeitenwende. Durch die Klimaerwärmung und den effizienten Bau von Straßen (schon vor der Zeit Caracallas) sowie deren Schutz wurden die technischen Neuerungen und Weiterentwicklungen noch besser genützt.

Ad2.) Auch die Bewegungslinie durch das Lavanttal und seine Weiterführung in Richtung Murtal-Aichfeld wäre vor etwa 2.000 Jahren eine Möglichkeit gewesen, um nach Norden zu gelangen. Es war und ist jedoch der weiteste Weg in das Murtal. Die Talführung ist breit, und ein Anstieg über den Obdacher Sattel wäre vermutlich mit geringerem Kraftaufwand zu bewerkstelligen gewesen. Die Lavant führte vermutlich aufgrund des größeren Einzugsgebietes mehr Wasser - und bildete vielleicht sogar Seen - als die Görtschitz. Es sind zusätzlich aber ähnliche Ausschließungsgründe wie im Glan-, Gurk- und Olsatal vorhanden, und das Tal trifft nicht auf den gewünschten Raum um Scheifling-Lind. Das Klieningtal stellte aufgrund mangelnder Urbarkeit noch keine Querverbindung nach Westen her. Somit ist dieser Bewegungslinie auf die zu beurteilende Zeit bezogen nicht der Vorzug zu geben. Dieses Tal wird sich als eine wichtige Nebenbewegungslinie vermutlich schon ab dem 3./4. Jh., aber sicher ab der Zeit der Völkerwanderung bewähren können.

Ad3.) Dieses Tal bietet zusätzlich zu den Vorzügen gegenüber den beiden anderen zu beurteilenden Bewegungslinien mit seiner geringeren Ausdehnung eine geeignete gute Möglichkeit, die eine raschere Nord-Süd-Verbindung zulässt, zumal sie nicht nur den Kern des Erzabbaugebietes trifft, sondern auch durch die Überschaubarkeit und die geringeren Reaktionsabstände gut zu sichern ist. Sie bietet auch die kürzeste Entfernung in den nördlich interessanten Raum. Eine Weiterführung über den Perchauer Sattel bietet eine gute und vermutlich nicht so kräfteraubende Verbindung in das Murtal (Raum Scheifling-Lind). Die Querverbindung nach Osten über das Klippitztörl war zu dieser Zeit nicht benutzbar. Die Nachteile der beiden anderen Bewegungslinien sind minimiert, und sie trifft als einzige das Erzabbaugebiet. Somit ist dieser Bewegungslinie in der zu beurteilenden Zeit, wo die Masse der Bewegungen noch zu Fuß oder mit von Tieren gezogenen, einachsigen Karren durchgeführt wurde, der Vorzug zu geben. Damit ist diese Bewegungslinie für die Lokalisierung von Noreia im Visier zu behalten und ein effektives Zwischenergebnis zu konstruieren.130)

 

Modales

Die militärische Lagebeurteilung (nur auszugsweise) ist eine im Rahmen des militärischen Führungsverfahrens festgelegte Methode zur Entscheidungsfindung. In dieser werden die auf die Erfüllung des Auftrages einwirkenden Faktoren der Lage untersucht, die sich daraus ergebenden Möglichkeiten eigenen Handelns geprüft und gegeneinander abgewogen und letztendlich ein Entschluss gefasst.131) Die bisherigen Folgerungen sind in der einleitenden Hypothese in Verbindung von sich nicht verändernden militärischen Grundsätzen und bezogen auf die technischen Möglichkeiten der damaligen Zeit eingebunden. Dafür wurden die passenden österreichischen Karten verwendet.

Der selbst erstellte Auftrag,132) „Die Norici errichten und betreiben als Zentrum angelehnt an bereits bestehende, ältere Ansiedlungen das erhöht liegende (oppidum) Noreia (eine polis/urbs, zwischen Virunum - Nähe Magdalensberg und Ad Pontem - Scheifling-Lind) im Görtschitztal und gewährleisten den Weiterbestand des Volkes, den autonomen Abbau von Erzen, deren Verarbeitung, den Handel mit Gütern sowie rundum verteidigend eine vollständige Autarkie gegenüber allen angreifenden Feinden“, verlangte die zusätzliche Berücksichtigung der Anlehnung an etwaige socii wie die Uperaci, vermutlich im Osten, die Latobici im Südosten, die Carni, die Ambidravi und die Taurisci im Süden, die Ambilinei von Westen bis Nordwesten sowie möglicherweise auch die Alauni und Boii im Norden bzw. im Nordosten. Der Auftrag bindet bezogen auf den Raum des Erzabbaugebiets, bietet aber eine große Tiefe samt geschützten Flanken und lässt im Übrigen ohne Zeitdruck mehr als ausreichend Handlungsfreiheit.

Das Gelände stellt sich im Großen als Gebirgsland mit weiten und auch engen Tälern dar, benachbart von teilweise versumpften Gebieten entlang der Flussläufe. Die Mur stellt für diese Beurteilung die natürliche Grenze im Norden, die Drau die natürliche Grenze im Süden, die Lavant im Osten und das Glan-, Gurk- bzw. Olsatal im Westen dar. Die Seetaler Alpen und Saualpe gelten als schwer überwindbare Hindernisse mit mitteleuropäischem Urwaldbewuchs. Der Zirbitzkogel ist vermutlich zu diesem Zeitpunkt zumindest teilweise vergletschert. Das Krappfeld mit der Gurk ist mutmaßlich zu diesem Zeitpunkt an zumindest einigen Stellen versumpft. Der letzte verteidigbare Bereich im Görtschitztal, wo auch das heutige Siedlungsgebiet und der Raum der Erzvorkommen liegen (Bereich Knappenberg/Barbarasiedlung und Angelände) ist als entscheidendes Gelände zu beurteilen (und würde sich auch als oppidum anbieten).

Als Feind bieten sich weniger kampftechnisierte, keltische bzw. germanische Völker wie die unmittelbaren Nachbarn sowie die Römer an. Deren Absicht im Großen hätte es sein können, das Volk der Norici zu unterwerfen, sich ihr Vermögen und ihre Handelsgüter anzueignen und ihnen eine neue Erbmasse und Kultur aufzuzwingen. Dabei ist von Stämmen aus den benachbarten Gebieten eher mit Angriffen aus Raubmotiven (Plünderung) zu rechnen; weiter entfernten oder höher technisierten Völkern ist eher die Verfolgung machtpolitischer Ziele zuzuordnen.

Als Ansatzmöglichkeiten auf das Siedlungs- und Abbaugebiet bieten sich das Görtschitztal mit ein bis drei verstärkten Legionen (etwa 10.000-30.000 Mann) tiefgestaffelt aus dem Süden, ebenso gleich stark über den Raum Guttaring aus dem Westen und durch das Steirerbachtal mit etwa ebenso vielen Truppen aus dem Norden an. Es ist mit den Einsatzgrundsätzen von Manneswaffen (Schwert, Axt, Schleuder, Speer, Lanze, Pfeil und Bogen), Reiterei, einer geringen Anzahl von Streitwagen und vereinzelt auch Katapulten - Balliste bzw. Onager - abschusswinkelbezogen mit kurzer Reichweite zu rechnen. Der Einsatz von weiter reichenden Waffen ist auszuschließen; Reiterei und Streitwagen können nur entlang der erhöhten und leicht befestigten Wege tiefgestaffelt und stoßartig zu geringen Einsätzen kommen. Einer mit Palisaden durchgeführten feindlichen Umbauung des oppidum, um die somit Eingeschlossenen auszuhungern und vom lebenswichtigen Wasser zu trennen, ist durch eine richtige Geländewahl entgegenzuwirken. Als Möglichkeiten der Kampfführung bieten sich Stöße über die drei Annäherungsrichtungen Süd, West und Nord an, die aber nur unter schwierigen Begleitmaßnahmen zu einem Zusammenwirken zu bringen wären. Mit einer kampfkräftigen Annäherung von Truppen über das Klippitztörl ist aufgrund der urwaldähnlichen Unwegsamkeit und noch größeren Koordinationseinschränkungen kaum zu rechnen. Eine Ausspähung sowie Erkundung von gegenüberliegenden Geländeteilen aus, die eine gewisse Kampfführung erwarten lassen, ist nicht überall zu verhindern.

Die vermutliche Feindabsicht entlang des Görtschitztales wird es daher sein, in Stärke bis zu 30.000 Kämpfern aus Richtung Süden tiefgestaffelt mit Schwergewicht im Görtschitztal und einer flankierenden Begleitung über Guttaring/Althofen anzugreifen, um weiter über den Raum Semlach den Raum Knappenberg/Hüttenberg in Besitz zu nehmen und eine Einnahme des Erzabbauzentrums samt zugehöriger Infrastruktur zu verwirklichen.

Als „Eigene“ können die Norici als ein grundsätzlich friedliebender Volksstamm (aufgrund des hospitium publicum) bezeichnet werden, der vermutlich eher klein gewachsen, dadurch vielleicht an Körperkraft geringer, jedoch als zäh und findig (aufgrund des Bergbaus samt metallurgischen Kenntnissen) zu bezeichnen ist. Dieser Menschenschlag erweckt aufgrund seines eigenen Überlebenswillens verbissene, oftmals ungeahnte Kräfte [furor teutonicus (germanicus, gallicus)133)]. Die norische Gesamtstärke beträgt vor Ort und im Angelände vermutlich etwa 50.000 Personen. Davon stehen mehr als 10.000 Kämpfer zur Verfügung, die kaum alle oder sofort als Soldaten in einem allfälligen oppidum einsetzbar sein dürften.

Der taktische Einsatz der verfügbaren Kräfte muss so angelegt sein, dass einerseits die Ausdehnung der bekannten Erzlager als auch andererseits ausreichend große Flächen für Ackerbau und Viehzucht nebst Wasservorkommen integriert sind. Eine höchstmögliche Selbstständigkeit und Unabhängigkeit ist anzustreben. Mit den römischen Nachbarn im Süden, die als momentan aufstrebend und hochtechnisiert zu bewerten sind, sollte ein Vertrag gegenseitiger Unterstützung errichtet werden. Eine Gruppierung von Kräften sollte auf den Höhen angestrebt werden, um den Vorteil des Kampfes „von oben nach unten“ anwenden zu können.134)

Aufgrund der Lage der „Bernsteinstraße“ im ferneren Osten und Süden, welche die Hauptroute zwischen Nord- und Südeuropa östlich der Alpen darstellt, ist ein Schwergewicht feindlicher Kräfte eher aus dem Süden zu erwarten. Ein Angriff benachbarter Teile, die sich kurzfristig auch als Feinde herausstellen könnten, wäre auch aus dem Norden möglich, was eine starke Gruppierung einer Reserve für den Raum Steirerbachtal am Halbhang befürworten würde. Eine fallweise Kampfführung wäre auf die letzten Widerstandsnester (vorgestaffelte „Straßenstationen“) abgestützt, die gut ausgebaut eine bestmögliche Aufnahme letzter eigener Teile ermöglichen.

Bei einem Kampf an den Palisaden sollte eine Bindung (Verzahnung) so rasch wie möglich herbeigeführt werden, um dem Feind ein Verschieben seines Schwergewichts deutlich zu erschweren. Die Geländekenntnis und ein Vorüben bedeuten einen qualitativen und auch zeitlichen Vorteil. Der größere Handlungsspielraum liegt aber beim Feind. Der Stellungsbau unter Einsatz von verdichteten Kampfmauern (murus gallicus) und vorgestaffelten Sperren ist besonders bei Engstellen (Toren) anzustreben; das notwendige Material (z.B. Schlacke, Holz etc.) ist auch von weiter entfernt heranzutransportieren.

Der Sperren- und Stellungsbau sollte bereits im Frieden abgeschlossen, adäquat auf Stand gehalten und gegen feindliche Aufklärung getarnt sein.135) Ein Einsatz von eigenen Katapulten mit/ohne Brandkugeln von oben herab sollte vorbereitet werden. Bei feindlicher Bedrohung ist für im Vorgelände des oppidums verbleibende Stammesmitglieder mit schlimmsten Repressalien bzw. deren Verschleppung oder Tötung zu rechnen. Der Kampfwert darf als sehr hoch beurteilt werden, da für die Kelten das Sterben im Kampf die höchste Auszeichnung und einen besonderen Eintritt in die „Anderswelt“ bedeutet, in der gemäß Lehre der Druiden ein anderes Weiterleben zu erwarten gewesen wäre. Sie gelten zwar auf einen Kampf bezogen nicht als vollkommen durchorganisiert, weisen aber eine allgemein gute, gewachsene Organisation auf. Eine erhöhte Schlagkraft und verstärktes Selbstbewusstsein gaben die Waffen (Schwert, Axt, Schleuder, Speer, Lanze, Pfeil und Bogen), die aufgrund des norischen Stahls als überlegen anzusehen waren.

Das feindliche Schwergewicht im Süden, das eigene Schwergewicht im Raum Enge Mösel (Eingang entlang des Görtschitztales nördlich Löllinggraben), Kräfte in der Tiefe bzw. nahe Reserven im überhöhten, östlichen Bereich des Görtschitztales, weitere zentral bereitgehaltene Reserven zum Einsatz im Süden und auch im Norden haben sich ergeben. Im ersten Raum östlich von Klein St. Paul bietet sich kein optimaler Bereich für ein oppidum großen Ausmaßes an, da gut zusammengehörige, hochebenenartig eingebettete Geländeteile fehlen. Ein Eingang von Norden in das Görtschitztal ist wesentlich breiter und somit schwerer abzusichern bzw. zu verteidigen. Der bewaldete Schutz nach Westen hin ist in diesem Gebiet nicht so weit wie im Raum nördlich bei Hüttenberg. Bezogen auf den engeren Zentralbereich von Hüttenberg und Knappenberg ist dem zweiten Raum - Knappenberg - aufgrund seiner erhöhten Lage (Plateau) in den Überschneidungsräumen der Vorzug zu geben, da er die notwendigen Eigenschaften (Autarkie, Flankenschutz, Sicherung, Beobachtungseinschränkung und Schutz vor etwaiger Kontra-Umwallung) erfüllt. Vorgestaffelte Widerstandsnester zur Aufnahme eigener Teile bzw. als bestmögliche Gefechtsvorposten sind für den Raum Knappenberg sowohl im Bereich Mösel (südlich des Südeinganges) als auch im Bereich Mühlen/Noreia (nördlich des Nordeinganges) ebenso sehr viel besser möglich als andernorts entlang des Görtschitztales. Sie sind bereits im Frieden zu abstandsgerechten Straßenstationen/Herbergen bzw. Rast- oder Lagerplätzen auszubauen.

Aufgrund der durchgeführten „Beurteilung der Lage“ (Auszug!) ergab sich nun folgender Entschluss: Die Norici errichten und betreiben das zentrale oppidum Noreia im Raum Knappenberg (kleiner Kreis 1 GELB) mit südlicher Grenze des Verteidigungsbereiches „Semlach“ in der Enge Mösel, vorwärts Löllingbachtal (Linie 1 GELB) und nördlicher Grenze des Verteidigungsbereiches „Silberberg“ im Raum südlich Hörfeldmoor, Ruine Silberberg (Linie 2 GELB) samt starken Widerstandsnestern als Gefechtsvorposten (im Frieden Straßenstationen) im Bereich Mösel und Mühlen/Noreia (Kreise 1 und 2 BLAU), um die Erfüllung des gestellten Auftrages zu gewährleisten. Der Entschluss zeigt nun zur speziellen Lokalisierung des norischen Stammeszentrums (oppidum) quasi als Teil eines Plans der Durchführung: Noreia - Raum Knappenberg.

 

Resümee

Zusammenfassend soll versucht werden, zusätzlich zur militärischen Lagebeurteilung und zur Harmonisierung der wichtigsten Angaben auch der Zeit ein wichtiges Augenmerk zu schenken. Die logischen, gesicherten Erkenntnisse sind als Beurteilungsgrundlagen in die militärwissenschaftlichen Betrachtungen eingeflossen. Die abschließende Beurteilung der Lage sollte das trübe Bild klären. Es wird die Aufgabe von Experten und Wissenschaftlern sein, diese auf logisch gesicherter Basis militärwissenschaftlich beurteilten Möglichkeiten und Erkenntnisse kritisch zu hinterfragen. Aber den Archäologen, akribischer Kleinarbeit, dem Zufall und etwas Glück wird es überlassen bleiben, dieses Rätsel endgültig als gelöst zu bestätigen. Es wird nicht einfach sein, das oppidum, das heute teilweise überbaut zu sein scheint, freizulegen und dann auch noch mit wissenschaftlich gültigen Beweisen zu belegen.

Einem Bild, das sich ein gebildeter Mensch heutzutage von einer ersten „Hauptstadt“ auf österreichischem Staatsgebiet machen könnte, würde dabei vermutlich nicht entsprochen, aber dem eines oppidum samt Abbau- und Verteidigungswerken ganz sicher! Das angrenzende Arbeitsgebiet dürfte nicht mehr wirklich sehenswert gewesen sein. Noreia schlummert also dort, wo das damalige wirtschaftliche Zentrum gelegen war sowie eine Zusammenschau der Quellen und der militärtaktischen Komponenten zutrafen. Es ist genau dieser Bereich, der allen geforderten Kriterien entspricht - sowohl allen militärischen, allen wirtschaftlichen, allen geologischen, allen geographischen als auch all jenen, die eben in der Zusammenschau der Primärquellen beschrieben wurden und alle als „kleinstes gemeinsames Vielfaches“ zutreffen. Zusätzlich wird auch die Kartographie der Tabula penibel eingehalten, die auf die Zeit von Noreia zurückreicht und nur mit dem Gelände in Einklang gebracht werden musste.

Somit bestätigte sich, dass das heutige Noreia wirklich nicht das gesuchte Noreia, also das norische Stammeszentrum, ist. Die Faszination des norischen Gebietes ging in römischer und vorrömischer Zeit wohl hauptsächlich von den Ressourcen Gold, Eisen, Salz etc. aus, mit deren Fund, Abbau und Handel sich großer Reichtum erlangen ließ. Aufgrund der vielen Quellen war es damals noch keine Frage, ob eine Versorgung vieler Menschen mit Trinkwasser gegeben ist - heute werden gerade diese Ressourcen von anderen begehrt! Da sich das damalige Klima vermutlich von unserem heutigen nicht sehr unterschied, gab es gewiss Gegenden (auch Almen), in denen es sich angenehm leben ließ, wo es ertragreiche Böden gab und es daher leichter war, Landwirtschaft und Viehzucht zu betreiben. Solche Voraussetzungen weckten sicher schon zur Zeit unserer Vorfahren den Neid und die Begierde weniger begüterter Zeitgenossen.

Den keltischen Stammesfürsten gelang es relativ lange, durch kluges politisches Taktieren die Autonomie Noricums so gut wie möglich zu bewahren. Im Gegensatz zu den gut bekannten „Hochkulturen“ der Griechen und Römer fehlte den Kelten vielleicht eine nötige Selbstdarstellung bezogen auf eine gängige Schrift. Das heißt jedoch überhaupt nicht, dass ihre technischen, kulturellen oder künstlerischen Leistungen geringer zu schätzen wären. Das Fehlen von moderner Zweckmäßigkeit im oppidum Noreia wurde vermutlich schon damals von der Führungs- bzw. Oberschicht wahrgenommen. Schließlich wurde gemeinsam mit den Römern (Berg-) Virunum am Magdalensberg gegründet, wo später auch das Zentrum der Goldverarbeitung entstand.136)

Das Hauptheiligtum zur Verehrung der Noreia wird sich vermutlich im Tempelbezirk von Hohenstein bei Liebenfels (Beliandrum)137) befunden haben. Nachdem die keltischen Bewohner Noreias selbst gemeinsam mit den römischen Kaufleuten und Händlern den Beschluss gefasst hatten, eine neue Stadt am Magdalensberg als neues Zentrum zu gründen, ist das alte oppidum dem moderneren (Berg-) Virunum gewichen. Dies könnte von einer zeitkonformen Entdeckung des steirischen Erzberges mit seiner effizienteren Eisenförderung und der Erhebung von Flavia Solva zum municipium 69 n.Chr. unterstützt worden sein. Ein weiteres, letztmaliges Verlagern des norischen Zentrums in den Bereich von (Tal-) Virunum im nahen Zollfeld, wo kurz darauf das römische Municipium Claudium Virunum entstand, war nur mehr eine Folge einer weiterhin positiven wirtschaftlichen Entwicklung.

Die „Poststation“ Noreia an der späteren Römerstraße bei Wildbad Einöd stellte eine Zeitlang nur mehr den Bezug zu einem alten Schlachtort und/oder die Erinnerung an eine alte keltische Ansiedlung in der Umgebung her, bis auch diese Poststation während der Christianisierung oder im frühen Mittelalter vollkommen in Vergessenheit geriet. Rund um das Görtschitztal, dem von den Einheimischen auch heute genannten „Tal der Könige“, blieben nur mehr vereinzelte Sagen von dekadenten Zwergen oder Bergleuten, die mit Gold, Silber und Kristallen um das Leben mancher Menschen spielten und dadurch den Untergang des Wohlstandes in der „norischen Region“ heraufbeschworen haben sollen, erhalten. Somit legte sich mit der Zeit ein immer dichter werdender Schleier über die Geschichte von Noreia, der jetzt endlich transparenter werden müsste. Dazu soll besonders diese Arbeitsmethode geholfen haben, die zukunftsweisend auch für andere historische Ortsbestimmungen und andere zivilwissenschaftliche Bereiche anzuwenden wäre.

Wenn man nämlich immer nur Wissenschaftern vertraut, wer alles akzeptiert, was gelehrt wird, wer keine eigenen logischen Gedanken zur Klärung ungelöster Fragen hat und nie etwas Neues einbringt, wird nur Bestehendes bestätigen! Das hemmt gewaltig jeden notwendigen Fortschritt, klärt keine offenen Fragen und bietet v.a. keine Lösungen!138) Vielleicht ist für zukünftige Grabungen ein effizienter Einsatz von „Boden- oder Georadar (Ground Penetrating Radar)“, „Magnetbild- bzw. geophysikalischer Prospektion“ oder auch „Terrestrial Waveform Laser Scanning“, „Airborne Laser Scanning (ALS)“ oder „Light Detection and Ranging (LiDAR)“ und hochauflösender „Infrarot Satelliten-Archäologie“139) eine äußerst willkommene, innovative Unterstützung! Eine ebenso effiziente Leistung durch das Österreichische Bundesheer wäre ein weiterer Quantensprung zivil-militärischer Zusammenarbeit endlich auf wissenschaftlicher Ebene. Durch die Mitarbeit bei archäologischen Grabungen würde gerade auf dem wichtigen Gebiet des aktiven Kulturgüterschutzes ein zukunftsweisender Weg beschritten werden und ein gewaltiger Wissenstransfer stattfinden. Diese militärwissenschaftliche Arbeit zeigte auch auf, dass aufgrund des Schutz- und Sicherheitsbedürfnisses einer Gemeinschaft der „Stammesführer“ oder aber auch „Königs“ dieses „Volkes“ eigentlich die Verpflichtung bzw. zumindest den Auftrag eines Stammesgremiums hatte, dieses Bedürfnis sicherzustellen. Diese Sicherheit war und ist nur mit militärischen Kräften und Mitteln zu gewährleisten. Somit gilt für einen lebenswerten Staat, seine Führung und seine Bevölkerung auch in Zukunft: „Sicherheit ist nicht alles, aber ohne Sicherheit ist alles nichts!“


ANMERKUNGEN:

1) Das diesbezüglich erschienene Buch „Noreia - der militärwissenschaftliche Ansatz zur Lokalisierung des norischen Stammeszentrums“ ist im Österreichischen Milizverlag erschienen und unter www.milizverlag.at um 20,- EUR zu bestellen.

2) Dazu darf angemerkt werden, dass der Vater des Autors zu Lebzeiten ein kriminalpolizeiliches Element der Grazer Bundespolizei führte und dieses besondere kriminalistische Umfeld auf den Autor bereits in der Kindheit erheblichen Einfluss nahm.

3) So, wie das Gelände heute ist, war es wahrscheinlich auch zur Zeit der Antike. Im alpinen Raum könnten Geländeveränderungen gebietsabhängig auch relativ stark gewesen sein; ausreichende Grundlagen zur Festlegung gibt es nicht. Somit wäre fallweise eine besondere ortsbezogene Betrachtung zu relativieren.

4) Bzgl. der Lokalisierung von Noreia waren im Rahmen der Grundlagen des Führungsverfahrens (einleitende Lagefeststellung durch Aufklärung, Orientierung durch Analyse, Entscheidungsfindung durch Beurteilung, ständige Kontrolle und Lagefeststellung …) die Planung der Durchführung, die Handlungsanweisung/Befehlsgebung und die Durchführung nicht anzuwenden; bei einer daraus folgenden archäologischen Grabung wäre das schon der Fall!

5) Vgl. DVBH TF 1965, 21-25 (Erfassen des Auftrages, Beurteilung des Geländes, Beurteilung des Feindes, Beurteilung der Eigenen, Erwägungen, Entschluss).

6) Vgl. DVBH TF 1965, 11-15 (Einheit der Führung, klares Ziel, Einfachheit, Handlungsfreiheit, Schwergewicht, Ökonomie der Kräfte, Koordination von Feuer und Bewegung, Beweglichkeit, Reservenbildung, Gelände samt Aufklärung, Erkundung und Beobachtung, Schutz und Sicherheit bzw. Hindernisse, Sicherung und Deckung sowie Überraschung und Täuschung).

7) Vgl. AVI Baon/Kp 1962; weitere Grundsätze gemäß infanteristischer Ausbildungsvorschriften nachgeordneter militärischer Führungsebenen (z.B. DVBH JgZg 1982, DVBH JgGrp 1993, AVBH AGD 1978 etc.).

8) Geographische Vorstellungen wurden zur Zeit der Antike eher durch Erzählungen von Reisenden, Skizzen, Begehungen etc. erlangt. Heute hat man dazu Karten, Bilder, Satellitenaufnahmen etc. Damals mussten Führungsverfahren grundsätzlich vor Ort stattfinden, oder das Gebiet war zumindest dem Führer bekannt.

9) Vgl. Fritz Pichler: Die Noreia des Polybios und jene des Castorius, in: Mittheilungen der kaiserlich-könglichen Geographischen Gesellschaft, Bd. 40 (1897), 621-747, S.622.

10) Im Buch des Autors „Noreia - der militärwissenschaftliche Ansatz zur Lokalisierung des norischen Stammeszentrums“ werden zusätzlich sowohl die Schlacht bei Noreia als auch die Belagerung behandelt.

11) Vgl. Stephan Fichtl: La ville celtique - Les oppida de 150 av. J.-C. à 15 ap. J.-C., Paris 2000, 9-12; vgl. Josef M. Stowasser, Michael Petschenig, Franz Skutsch (Hrsg.); Stowasser. Österreichische Schulausgabe, Lateinisch-deutsches Schulwörterbuch. Neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Wien 1997, S.353; unter oppidum (lat. Befestigung, fester Platz, Landstadt, Stadt) versteht man eine befestigte, stadtartig angelegte Siedlung der La Tène Zeit bzw. späten Eisenzeit.

12) Vgl. Peter Pleyel: Das römische Österreich, Kulturgeschichte und Führer zu Fundstätten und Museen, 2. Auflage, Wien 1994, S.248ff.

13) Diese Quellen stellen den bekannten geistigen Bereich, bezogen auf Noreia und auf die Norici, dar.

14) Das zivile Umfeld ist gültigen Beschreibungen der Noriker bzw. seiner benachbarten keltischen Völker angeglichen.

15) Bzgl. der vorgestaffelten Auswahl des Tales ist die getätigte Analyse einem „Entschluss mit Begründung“ angenähert.

16) Aufgrund mannigfaltiger, oftmals selbstgefälliger Überlegungen wird diese Frage berechtigterweise mehrfach schon als wissenschaftlich abgestumpft erachtet; siehe auch Otto Helmut Urban: Der lange Weg zur Geschichte. Die Urgeschichte Österreichs. Österreichische Geschichte bis 15 v. Chr., von Wolfram Herwig (Hrsg.), ÖGA, Wien 2000, S.368.

17) Vgl. Jenö Fitz in: KlP (Der kleine Pauly) Bd. 4, von Konrat Ziegler, Walther Sontheimer (Hrsg.), München 1979, S.159-164.

18) Siehe im großen roten Bereich der Abbildung 13 den kleineren blauen Kreis mit dem Schriftzug Norico, der die Gesamtausdehnung Noricums auf die Zeit der Urquelle bezeugen könnte - aber natürlich nicht muss.

19) Vgl. Robert Göbl; Die Prägegemeinschaft der reguli in Noricum vor der römischen Landnahme und die Konsequenzen für die Geschichtsforschung, in: RÖ 15/16, Wien (1987/88), S.62-81, S.68ff; Herbert Graßl in: Lexikon zur keltischen Archäologie, Bd. 2, von Sievers Susanne, Urban Otto H., Ramsl Peter C. (Hrsg.), Wien 2012, S.1822-1823, s.v. Taurisker.

20) Vgl. Alexander Demandt: Die Kelten, München 1998, S.91.

21) Ebenda, S.23.

22) Vgl. Gèza Alföldy: Die regionale Gliederung in der römischen Provinz Noricum, in: Raumordnung im Römischen Reich, von Günther Gottlieb (Hrsg.), München 1989, S.37-55.

23) Vgl. Verena Gassner, Sonja Jilek, Sabine Ladstätter: Am Rande des Reiches. Die Römer in Österreich (Österreichische Geschichte) 15 v. Chr. - 378 n. Chr., von Herwig Wolfram (Hrsg.), Wien 2002, S.45f.

24) Vgl. Petra Amann, Erik Lindinger in: Lexikon zur keltischen Archäologie, Bd. 1, von Susanne Sievers, Otto H. Urban, Peter C. Ramsl (Hrsg.), Wien 2012, S.202-203, s.v. Boier, S.202f.

25) Plin. Nat. 3, 20, 133; vgl. GRASZL 2012, S.1822f.

26) Vgl. Hermann Vetters: Virunum, in: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Geschichte und Kultur Roms im Spiegel der neueren Forschungen, von Hildegard Tamporini, Wolfgang Haase (Hrsg.), Bd. II 6, Berlin-New York 1977, S.302-354, S.307.

27) Vgl. Urban 2000, 363.

28) Vgl. Gassner, Jilek, Ladstätter 2002, 35.

29) Vgl. Karl Strobel: Die Noreia-Frage - Neue Aspekte und Überlieferungen zu einem alten Problem der historischen Geographie Kärntens, in: Carinthia I, 193. Jahrgang (2003), S.25-71, S.59f.

30) Vgl. Karl Strobel: Das Werden der römischen Provinz in „Regno Norico“ unter Augustus, in: ANODOS - Studies of an Ancient World (In Honour of Werner Jobst) 8/2008, Trnava 2010, S.365-374, S.368f.

31) Vgl. Strobel 2003, S.39; vgl. Paul Gleirscher: Noreia - Atlantis der Berge. Neues zu Göttin, Stadt und Straßenstationen, Klagenfurt-Laibach-Wien 2009, S.187.

32) Somit auch ein gewisses, temporär nicht beschränktes Weiterleben.

33) Vgl. Gernot Piccottini: Zu den augusteischen Ehreninschriften am Magdalensberg, in: Carinthia I, 195. Jahrgang (2005), S.11-26.

34) CIL III 4810.

35) CIL III 4806, 4807, 4808 und 4809.

36) Vgl. Peter Scherrer: Noreia - prähistorisch-gallorömische Muttergottheit oder Provinzpersonifikation; in: Auf den Spuren keltischer Götterverehrung, von Manfred Hainzmann (Hrsg.), Wien 2007 (= Mitteilungen der Prähististorischen Kommission/ÖAW 64), S.207-241, S.208ff.

37) Georg Rohregger: Die Kelten - Auf den Spuren unseres versteckten Erbes, Graz-Wien-Klagenfurt 2011, S.85.

38) CIL III 5123, 5188, 5193, 5300 und 5613.

39) Vgl. Ertl Franz; Topographia Norici II, Von Noreia und Hallstatt zur Stammesheimat der Bayern, Kremsmünster 1969, S.32f.

40) Vgl. Heinz Meixner: Die Eisenspatlagerstätte von Hüttenberg und ihre Umgebung, in: Carinthia II, 143. Jahrgang (1953), S.67-92, S.74 und S.86; vgl. Hanns von Höfer: Die Mineralien Kärntens, Klagenfurt 1871, S.79f; man findet dort die meisten Mineralien europa- und die drittmeisten weltweit siehe auch http://huettenberg.at/index.php?option=com_content&view=article&id=28&Itemid=32 vom 21.11.2012.

41) Vgl. RGA 2002, XXI, S.330; vgl. Gerhard Sperl: Die Technologie des Ferrum Noricum, in: Lebendige Altertumswissenschaft. Festgabe zur Vollendung des 70. Lebensjahres von Hermann Vetters dargebracht von Freunden, Schülern und Kollegen, von Manfred Kandler (Hrsg.), Wien 1985, S.410-416.

42) Auch heute dort noch als Ortsbezeichnungen erhalten: Sauofen, Klemmofen, Osterwitzofen, Hochofen etc.

43) Der „Rennofen“; eine gewisse Ähnlichkeit mit der inneren Form einer modernen „Thomas-Birne“ ist gegeben.

44) Vgl. Brigitte Cech: Die archäologischen Untersuchungen auf der Fundstelle Semlach/Eisner, in: Die Produktion von Ferrum Noricum am Hüttenberger Erzberg - Die Ergebnisse der interdisziplinären Forschungen auf der Fundstelle Semlach/Eisner in den Jahren 2003-2005, von Brigitte Cech (Hrsg.), Wien 2008 (= Austria Antiqua, 2), S.28-70, S.28ff.

45) Vgl. Strobel 2003, 63.

46) Vgl. Urban 2000, 342ff.

47) Vgl. Renè Kunze: Archäometallurgische Untersuchungen zur frühen Eisenverhüttung und -gewinnung in der Hallstatt- und Latènezeit am Beispiel von Eisenfunden der Hunsrück-Eifel-Kultur, Norderstedt 2006, S.17ff; vgl. Walter Modrijan: Erforschung des vor- und frühgeschichtlichen Berg- und Hüttenwesens, in: Der Bergmann, der Hüttenmann. Gestalter der Steiermark, Katalog der 4. Landesausstellung, von Friedrich Waidacher (Hrsg.), Graz 1968, S.41-87, S.65-85.

48) Vgl. Gudrun Gerlach: Zu Tisch bei den alten Römern. Eine Kulturgeschichte des Essens und Trinkens, Stuttgart 2001, S.105.

49) Vgl. Gassner, Jilek, Ladstätter 2002, S.66f und S.69.

50) Vgl. ebenda, S.70; vgl. Pleyel 1987, S.248ff.

51) Vgl. Glaser 1995, S.389ff.

52) Vgl. Richard Walzel; Das steirische Eisenwesen nach dem Ausklang der Römerzeit bis zum Beginn des Industriezeitalters, in: Der Bergmann, der Hüttenmann. Gestalter der Steiermark, Katalog der 4. Landesausstellung, von Friedrich Waidacher (Hrsg.), Graz 1968, S.155-164, S.155; vgl. Modrijan 1968, S.83.

53) Vgl. Thomas Druml: Das Noriker Pferd, Graz 2006, S.16f.

54) Vgl. Pichler 1897, 697; ein logischer Bezug von Nor- (Eisen-) zu einer Benennung der (teilweisen) Mur als Noarus könnte dadurch vermutlich hergestellt werden.

55) Vgl. Urban 2000, 342ff.

56) Vgl. Asellio in Schol. Bern. V frg. 9 ad Verg. Georg. III 474.

57) Vgl. ebenda.

58) Vgl. Caes. Gall. 1, 5, 4.

59) Vgl. Strab. Geo. 5, 1, 8.

60) Vgl. ebenda.

61) Vgl. ebenda.

62) Vgl. Verg. Georg. III 474-477.

63) Vgl. Plin. Nat. 3, 19, 131.

64) Vgl. Strab. Geo. 5, 1, 8; App. Gall. 13, 1-4.

65) Vgl. App. Gall. 13, 1-4.

66) Eigentlich 222,3 km, wofür es aber sehr wahrscheinliche, ähnliche Erklärungen gibt: vgl. Strobel 2003, S.55f; vgl. Gleirscher 2006, S.86; vgl. Urban 2000, S.369.

67) Vgl. Herbert Graßl: in: Lexikon zur keltischen Archäologie, Bd. 2, von Susanne Sievers, Otto H. Urban, Peter C. Ramsl (Hrsg.), Wien 2012, S.1822-1823, s.v. Taurisker, S.1821f; das gilt nur, wenn man die Taurisci nur als einen Stamm sehen will, und nicht als eine allgemeine Bezeichnung für ein Bergvolk bzw. für die Tauern- (Alpen-) Bewohner annimmt.

68) Vgl. Pichler 1897, 698.

69) Plin. Nat. 3, 25, 148.

70) Vgl. Pichler 1897, 657.

71) Vgl. ebenda, 692f.

72) Plin. Nat. 3, 20, 133.

73) Hekat. FGrHist 1, F 56 (bei Steph. Byz., s.v.Νύραξ).

74) Vgl. Polaschek 1936a, 969-971.

75) Vgl. Karl Strobel: RGA XXI (2002), S.320-323, s.v. Noreia.

76) Vgl. DNP 2000 VIII, 1002f.

77) Vgl. Manfred Hainzmann in: Lexikon zur keltischen Archäologie, Bd. 2 Sievers, Urban, Ramsl (Hrsg.), Wien 2012, S.1382, s.v. Noreia.

78) Die Berechnungen durch Erich Polaschek - RE Bd. XVII 1 (1936), S.963-971, s.v. Noreia - sind eindeutig zu umständlich.

79) Auch wegen einer durch Strabon (Strab. Geo. 7, 5, 2) festgelegten Entfernung von Aquileia nach Nauportus mit 350 Stadien (gemäß anderer Schriftsteller 500 Stadien) ist eine Lage von Noreia im Umfeld von Emona auszuschließen. Ein Zusammenhang von Noreia mit den Taurisci, später Norici, bleibt unbenommen.

80) Velem (St. Veit)/Ungarn und die Gracarca wurden nicht näher beleuchtet; dies erschien vermutlich nicht so wichtig.

81) Vgl. Pichler 1897, S.720f; Castorius’ Werk soll die Hauptvorlage des Geographus (auch Anonymus) Ravennas im frühen 8. Jhdt. für die spätere Tab. Peut. gewesen sein.

82) Vergleiche dazu z.B. den Liniennetzplan der Wiener Untergrundbahnen http://www.wienerlinien.at/media/files/2011/wl_ svp_internet_deutsch_jan2011_54397.pdf vom 3.9.2011.

83) Etwa 15 km werden zurzeit dafür angenommen, die aber in einer durchschnittlichen Marschgeschwindigkeit von 4 km/h etwa in 4 h selbst mit ungefähr 30 kg Marschgepäck erreicht worden wären; Lagerauf- und -abbau (jeweils etwa 1 h) kämen zusätzlich dazu. Größere Distanzen könnten auch auf einen zu benutzenden, auch heute nicht mehr vorhandenen Wasserweg hindeuten.

84) Wie viele Kräfte sind zu welchem Zeitpunkt wo verfügbar und gegen wen wirksam?

85) Tab. Peut. Segment V 1; vgl. Freutsmiedl 2005, 138-145.

86) Dass die Doublette (die eigentlich durch den N/n-Unterschied keine wirkliche ist) ein Fehler wäre, erscheint sehr oberflächlich beurteilt. Zumindest der traditionsbedingte Hinweis auf das untergegangene Noreia und/oder die Schlacht ist anzunehmen; also darf auch Noreia nach einer Abstimmung der Tab. Peut. mit dem Gelände dort gesucht werden und lässt - vielleicht als eine Bestätigung - ein Heiligtum zu.

87) Noreia ist weder in der Geographike Hyphegesis von Ptolemaios (~150 n.Chr.) noch in einem anderen historisch relevanten Kartenwerk verzeichnet.

88) Vgl. Wolfgang Behringer: Kulturgeschichte des Klimas. Von der Eiszeit bis zur globalen Erwärmung, München 2007, S.258.

89) Ad Pontem darf bei Scheifling-Lind (Lend = Lände = Anlegestelle = Hafen) angenommen werden, weil dort deshalb eine Brücke sinnvoll erscheint. Eine weitere Routenführung der Tab. Peut. von Westen aus wäre über den Raum Schönberg/Lachtal, Hinteralm, Gföllgraben und Oberzeiring (ehemalige Silbererzabbaugebiete) in Richtung Trieben im Gegensatz zu einem vielleicht versumpften Murtal eher wahrscheinlich.

90) Vgl. Gerhard Winkler: Die römischen Straßen und Meilensteine in Noricum - Österreich, Wien 1985, S.68; vgl. Klaus und Sabine Tausend: Ein neuer Meilenstein aus Murau. Ein Vorbericht, in: „Eine ganz normale Inschrift“ … und Ähnliches zum Geburtstag von Ekkehard Weber. Festschrift zum 30. April 2005. Althistorisch-Epigraphische Studien Bd. 5, von Franziska Beutler (Hrsg.), Wien 2005, S.421-433; es gibt nur lokale Bezüge zu Virunum, keinen zu Noreia.

91) Vgl. Manfred Hainzmann in: Lexikon zur keltischen Archäologie, Bd. 2, Sievers, Urban, Ramsl (Hrsg.), Wien 2012, S.1382, s.v. Noreia.

92) Vgl. Ferdinand Maier: Spätkeltische Oppida - Heutiger Forschungsstand, in: Die Welt der Kelten, Schriftenreihe des Keltenmuseums Hochdorf/Enz 2, von Tiberius Bader (Hrsg.), Eberdingen 1997, S.19-20; vgl. Hans Volkmann in: KlP (Der kleine Pauly) Bd. 4, von Konrat Ziegler, Walther Sontheimer (Hrsg.), München 1979, S.316-317, s.v. Oppidum.

93) Das beinhaltet zusätzlich zu wirtschaftlichen Aspekten v.a. militärische Gesichtspunkte und Fähigkeiten.

94) Vgl. DVBH TF 1965, 11ff; vgl. AVI Baon/Kp 1962, 26ff; siehe dazu auch in die Einleitung dieses Werks.

95) Vgl. Gerhard Dobesch: Die Kelten in Österreich nach den ältesten Berichten der Antike - Das norische Königreich und seine Beziehungen zu Rom im 2. Jahrhundert v. Chr., Wien-Köln-Graz 1980, S.393ff.

96) Caes. Gall. 7, 23, 1-5; vgl. Urban 2000, 342f.

97) Tab. Peut. Segment V 1 (Noreia und Noreia)

98) Vgl. Karin Haas-Trummer: Noreia - Von der fiktiven Keltensiedlung zum mittelalterlichen Adelssitz; eine historische und archäologische Spurensuche bis 1600, Wien-Köln-Weimar 2007, S.121ff.

99) Vgl. Walter Brunner: Dürnstein - Wildbad Einöd, Burg und Gemeinde - Thermal-Heilbad, Graz 1982, S.78.

100) Vgl. Franz Miltner: Die Lage von Noreia, in: Carinthia I, 131. Jahrgang (1941), S.289-302, S.301.

101) Vgl. Strobel 2003, 55.

102) Vgl. Šašel Kos 2005, 523ff.

103) Vgl. Scherrer 2007, 222.

104) Vgl. Paul Gleirscher: Mystisches Kärnten. Sagenhaftes. Verborgenes. Ergrabenes, Wien-Graz-Klagenfurt 2006, S.189.

105) Vgl. Pichler 1897, 746.

106) Vgl. Urban 2000, 370.

107) Freundlicher Hinweis von Wolfgang Artner, Graz am 23.2.2013.

108) Freundlicher Hinweis von Josef Solwig Stockinger, Neumarkt am 3.4.2012.

109) Freundlicher Hinweis von Günter Pausch, Graz am 16.12.2012.

110) Vgl. Ertl 1969, 47ff.

111) Auf die einzelnen Fundstücke wird hier nicht näher eingegangen, da sie aufgrund des Bezugs zur Gottheit zu einer Lokalisierung nicht wirklich beitragen konnten. Eine Lage im Großraum nördlich Virunum wird jedoch eher unterstützt.

112) Sonst wäre wohl bei Noreia auf der Tab. Peut. zumindest eine Vignette eingezeichnet worden, obwohl dort eigentlich keine oppida eingetragen sind.

113) Für Virunum trifft dies besonders wegen der gleichzeitigen Eintragung mit Noreia in der Tab. Peut. zu.

114) Vgl. Scherrer 2007, 222.

115) Caes. Gall. 7, 69, 1.

116) Vgl. Johannes Freutsmiedl: Römische Straßen der Tabula Peutingeriana in Noricum und Raetien, Büchenbach 2005, S.212f.

117) Freundlicher Hinweis von Harald Heppner, Graz am 31.3.2008.

118) Freundlicher Hinweis von Manfred Hainzmann, Graz am 6.5.2009.

119) Siehe Tab. Peut. Segment V (namenloser Fluss aus dem Raum Vindobona).

120) Vgl. Gassner, Jilek, Ladstätter 2002, 375.

121) Johann Gustav Droysen: Allgemeiner Historischer Handatlas in sechsundneunzig Karten mit erläuterndem Text, von Sieglin Wilhelm (Hrsg.), Bielefeld-Leipzig 1886, Abschnitt 17; Kiepert Heinrich; Atlas Antiquus - Karten zur Geschichte der alten Welt, Reprintauflage der Originalausgabe von 1898, Leipzig 2007, Tabula XI; vielleicht war der Noarus später nur mehr der Oberlauf der heutigen Mur bis zum Zusammenfluss mit der Mürz (kleinen Mur) bei Bruck an der Mur.

122) Vgl. Strobel 2003, 55.

123) Vgl. Šašel Kos 2005, 523ff.

124) Vgl. Scherrer 2007, 222.

125) Vgl. Pichler 1897, 678ff; siehe Weber 1997, Metallogenetische Karte von Österreich unter Einbeziehung der Industrieminerale und Energierohstoffe 1:500.000 der Geologischen Bundesanstalt Österreichs, Wien 1997, s.v. Triangel Wolfsberg-Judenburg-Friesach.

126) Tagesmärsche etwa 10-20 mp (etwa 14,8-29,6 km), in solchen Abständen sind die Distanzen in der Tab. Peut. meist zwischen einer und der nächsten Straßenstation angegeben.

127) Manchmal waren die (Tages-) Distanzen etwas länger, was ebenso auf ein Reisen über Gewässer hindeuten könnte.

128) Vgl. Behringer 2007, S.87f.

129) Vgl. App. Gall. 13, 1-4 bzgl. „besonderer Engstellen“ bei Alpendurchgängen als mögliches Kampfgebiet.

130) Eine detaillierte Beschreibung der daraus resultierenden Konstruktion kann dem zugehörigen Buch des Autors entnommen werden.

131) Vgl. DVBH FüBegr 2005, 38.

132) Arbeitshypothese; eigentlich ist es das angenommene Grundbedürfnis der Gemeinschaft, das es in einem militärischen Befehl von Vorgesetzten als Auftrag nicht gibt, aber als ein Auftrag z.B. eines „Stammesrates“ zum Schutz und zur Sicherheit nur allzu verständlich wäre.

133) Vgl. Luc. Phars. 1, 255f.

134) Auch heute im Militär gültiger taktischer Grundsatz: „Wer die Höhen hat, hat die Täler!“

135) Auch heute im Militär gültiger taktischer Grundsatz: „Schweiß spart Blut!“

136) Vgl. Strobel 2003, 59.

137) Hohenstein bei Liebenfels könnte auch zu klein und zu spät sein, um als „Hauptheiligtum“ benannt zu werden.

138) Vgl. Persönlicher freundlicher Hinweis von Edmund Entacher, Wr. Neustadt am 2.12.1982: „Stradi, don’t fight the problem - solve it!“

139) Vgl. Jörg Bofinger, Ralf Hesse: Der Einsatz von Airborne Laserscanning zur Entdeckung von archäologischen Geländedenkmalen; in: Mit Hightech auf den Spuren der Kelten. Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg, 61, von Jörg Bofinger, Matthias Merkl (Hrsg.), Esslingen 2010, S.70-89, S.74ff.