Strategische Theorien und Politikgestaltung im 21. Jahrhundert

Andrea K. Riemer

 

„Strategy provides a coherent blueprint to bridge the gap between the realities of today and a desired future.“ [1])

 

Die Kriege im Irak und in Afghanistan und die parallel verlaufende Finanz- und Wirtschaftskrise ließen immer wieder Zweifel aufkommen, ob man heute noch sinnvollerweise Strategie „betreiben“ könne und, wenn ja, wie strategische Konzepte auszusehen hätten. Zudem wird heftig debattiert, warum es nicht gelungen ist, in den vergangenen 20 Jahren ordnungsadäquate strategische Konzepte seitens der Wissenschaft bereitzustellen, womit man einer kurzfristigen Politikgestaltung[2]) das Feld überließ. Politikgestaltung hätte zweifelsfrei das Ruder übernommen. Theoretische Konzepte, die eine brauchbare Brücke zwischen Theorie und Praxis bilden, sind nahezu nicht vorhanden. Die Gründe hiefür sind vielschichtig und oft nicht eindeutig zuordenbar. Offenbar ist, dass

- es an einem fundierten Ordnungsverständnis sowohl in Theorie als auch in der Praxis mangelt;

- eine geringe Bereitschaft vorliegt, sich mit neuen Phänomenen in einer strukturierten Weise auch tiefer gehend auseinanderzusetzen;

- man viel eher geneigt ist, sich mit jenen Aspekten zu beschäftigen, die sich medial gut verkaufen lassen;

- daraus sehr anlassbezogene, jedoch kaum vorausschauende Analysen von Phänomenen stattfinden;

- immer wieder Denken in Zusammenhängen gefordert wird, in den Aktionen jedoch sowohl Zusammenhänge an sich als auch Gesamtzusammenhänge ausgeblendet werden, weil es an der Routine fehlt, gesamthaft zu denken; daher ist auch ein adäquates Agieren nahezu unmöglich und bleibt bruchstückhaft;

- die Bereitschaft seitens politischer Entscheidungsträger, sich mit theoretischen Konzepten auseinanderzusetzen, gering bis gar nicht vorhanden ist und man eine „Instantlösung“ präferiert, ja, aufgrund des medialen Drucks zu diesen „schnellen Lösungen und Antworten“ nahezu gezwungen ist und damit das hohe Risiko des Scheiterns von vornherein mit einkauft;

- die akademische Gemeinschaft parallel dazu weitgehend versagt hat, weil sie bislang nicht in der Lage war, sich mit pragmatischen Ansprüchen auseinanderzusetzen geschweige denn diesen zu genügen;

- man sich vorzugsweise in die bequeme „Alles-ist-möglich“-Haltung der Postmoderne zurückzog und damit der Beliebigkeit freies Spiel ließ;

- sich damit beide Seiten - die wissenschaftliche und die politische - mehrheitlich auseinander entwickelten und verselbstständigten - zum Nachteil des Gesamten.

All dies sind keine besonders förderlichen Rahmenbedingungen für zeitgemäßes strategisches Denken und inhaltlich fundierte Politikgestaltung. Die oft geforderte Nachhaltigkeit ist häufig nicht mehr gegeben, weil man vielfach das Phänomen des komplexen Wandels weder erfasst noch verstanden hat. Damit leistet man einem „permanenten Durchwursteln“ Vorschub und gibt das mittel- bis langfristig durchaus vorhandene Gestaltungspotenzial sowohl in der akademischen Gemeinschaft als auch in der Politikgestaltung aus der Hand. Letztlich beschneidet man sich mit diesem Vorgehen in der jeweils eigenen Existenzberechtigung und Legitimation.

Der Beitrag geht von folgenden Fragestellungen aus:

1. Welche Ordnung stellt den Rahmen für strategische Theorien und Politikgestaltung im 21. Jahrhundert dar?

2. Was bedeuten die Begriffe „Strategie“, „strategische Theorien“ und „Politikgestaltung“ im 21. Jahrhundert?

3. Warum konnten sich strategische Theorien in Politikgestaltungsfragen des 21. Jahrhunderts nicht behaupten?

4. Welche Konsequenzen ergeben sich aus dieser Entwicklung für strategische Theorien und für die Schaffung und Umsetzung einer zeitgemäßen Politikgestaltung?

 

Ziele sind

1. die Klarlegung von Begrifflichkeiten, die besonders in der politischen Praxis unspezifisch verwendet werden - wohl auch, weil theoretische Messlatten mehr oder weniger fehlen;

2. die Anregung eines theoretischen und praktischen Diskurses über das Verständnis zu strategischen Theorien und zur Politikgestaltung im 21. Jahrhundert und

3. die Sensibilisierung von Theorie und Praxis dahingehend, dass sie unter bestimmten Voraussetzungen voneinander lernen und gegenseitig profitieren können.

 

Das strategische Spielfeld im 21. Jahrhundert: Ordnungsbetrachtungen oder - wo soll man überhaupt beginnen?

Put differently, a new epoch can be said to be evolving. As indicated, it is an epoch of multiple contradictions: The international system is less dominant, but it is still powerful. States are changing, but they are not disappearing. State sovereignty has eroded. But it is still vigorously asserted. Governments are weaker, but they can still throw their weight around. At times publics are more demanding, but at other times, they are more compliant. Borders still keep out intruders, but they are also more porous. Landscapes are giving way to ethnoscapes, mediascapes, ideoscapes, technoscapes, and finanscapes, but territoriality is still a central preoccupation for many people.” [3])

 

Einige Gedanken zum Einstieg

Ausgangspunkt der vorliegenden Betrachtungen ist das Konzept der Ordnung[4]) und deren z.T. ausgeprägte, inhärente Kontradiktionen. Die Ordnung stellt das „strategische Spielfeld“ dar und ist in ihr Umfeld eingebettet.[5]) Ohne dieses zu kennen, kann grundsätzlich nicht beurteilt werden, ob strategische Konzepte und Theorien praktischen Ansprüchen genügen und zeitgemäß sind. Ferner lässt es sich in Ermangelung der Ordnungskenntnis auch nicht feststellen, wie strategische Konzepte und Theorien inhaltlich beschaffen sein müssen, um eine Ordnung zu gestalten und damit in eine bestimmte Richtung zu entwickeln. Daher ist die Befassung mit dem strategischen Spielfeld ein unabdingbarer Referenzrahmen. Es reicht jedenfalls nicht aus, festzuhalten, dass

- sich „die Ordnung“ in den vergangenen Jahren grundlegend verändert hat, ohne überhaupt zu wissen, worüber man spricht;

- alte Konzepte nicht mehr ausreichen, um diese Ordnung zu gestalten, wenngleich sie bequem - weil bekannt - sind und doch von vielen nur schlagwortartig verwendet werden;

- Sicherheit mehr als nur militärische Sicherheit ist, denn damit bleibt der Sicherheitsbegriff - ein zentraler Begriff strategischen Denkens und politischen Handelns - weiterhin unspezifisch und der Beliebigkeit unterworfen;[6]) folglich fällt der Begriff als Referenzkategorie für politisches Handeln streng genommen weg;

- Strategie und strategische Theorien leichter im Denken des Kalten Krieges zu entwickeln waren, da die Ordnung vermeintlich klarer und daher - ebenso vermeintlich - einfacher beschreib- und beherrschbar war;

- das Erarbeiten und Definieren neuer Begrifflichkeiten kein attraktives wissenschaftliches Betätigungsfeld ist und man damit nur geringen akademischen Lorbeer erhält (von finanzieller Unterstützung aus den Forschungsgeldertöpfen ganz zu schweigen);

- die so genannte „Wissenschaft“ im Elfenbeinturm agiert und für die politische Praxis unbrauchbar ist.

Macht man einen ersten Blick auf die Ordnung der vergangenen 20 Jahre, so wird rasch klar, dass hier andere Maßstäbe gelten: „Given a Newtonian paradigm, the policymaker strives to be efficient in reacting to a given ‚field of endeavor‘; chaos is to be avoided or dealt with by overwhelming force and/or redundant means of force delivery. The present world seems to require a Prigoginean outlook: don’t accept the battlefield or the world system as a fixed given.” [7]) Dies meint, dass aufgrund der Komplexität (i.e. der Vielschichtigkeit) der aktuellen Ordnung viele Konzepte, Methoden und Begriffe nicht mehr anwendbar sind und damit Wissenschaft und politische Praxis auf eine falsche Fährte führen.[8])

Daher ist - auch wenn es sich um theoretisch anspruchsvolle Überlegungen handelt - dem strategischen Spielfeld entsprechender Raum und ein qualitativ gehaltvoller kritischer Diskurs zu widmen, der sowohl die wissenschaftliche Dimension als auch die Vertreter der praktischen Applikation umspannt.

Um die aktuelle Ordnung erfassen, verstehen und gestalten zu können, wird eine Vorgehensweise empfohlen, die letztlich „conceptual jailbreaks“ (d.h. konzeptive Brüche) sein müssen, weil herkömmliche Konzepte, Methoden und Begriffe hinderliche Grenzen aufweisen.[9]) Wesentlich ist es, einen kontextgebundenen Ansatz zu wählen, der jedenfalls nicht monodisziplinär sein kann, sondern Erkenntnisse aus einer Fülle an Wissenschaftsdisziplinen zusammenführt und somit den synthetischen Aspekt forciert.[10]) Wesentlich ist auch, nicht von einem hermetisch ausschließenden Wettbewerb an Zugängen auszugehen, sondern die Frage der Kontextadäquatheit in den Vordergrund zu stellen. Die Antwort wird möglicherweise ungewöhnlich sein und jenseits der klassischen Disziplinen liegen - damit wird man jedenfalls der heftig geforderten Inter- und Transdisziplinarität gerecht - bei allen Schwierigkeiten und Herausforderungen in der konzeptiven Zusammenführung von Erkenntnissen.

Die nachstehenden Ausführungen sind einer von mehreren Wegen, wie man das strategische Spielfeld erfassen und begreifen kann. Jedenfalls ist er synthetisch und genügt damit der immer wieder geforderten gesamtheitlichen Betrachtungsweise. Parallel dazu kann und soll man durchaus auch andere Wege wählen - wesentlich ist, dass sie mit der Komplexität der Realität Schritt halten.

 

Auf dem Weg zu einem adäquaten Ordnungsverständnis

Das vorliegende Ordnungsverständnis geht von den Begriffen „System“[11]) und „Gesellschaft“[12]) aus. Die beiden Begriffe haben sich in den letzten zehn Jahren als brauchbare Begriffsbasis vor allem im Fachbereich Internationale Beziehungen erwiesen.[13]) Beide Ansätze beziehen sich auf internationale Ordnungen, d.h. auf die traditionelle Staaten überschreitenden Beziehungen zwischen Akteuren.[14]) Zudem ermöglichen sie die Integration neuer Akteure wie z.B. nichtsouveräner Akteure, transnationaler oder virtueller Akteure und nichtnationaler Entitäten.

Die internationale Ordnung ist im vorliegenden Verständnis ein virtuelles, soziales, komplexes, dynamisches, offenes Ganzes, das durch Aktionen (Interaktionen und Intraaktionen) innerhalb gedachter Grenzen entsteht.[15]) Diese finden in und zwischen einer Reihe von Typen (d.h. Akteuren) und Ebenen (d.h. Themenstellungen) statt und führen zu unterschiedlich stark und rasch ausgeprägten Interdependenzen. Die Ordnung ist nur dann nachhaltig überlebensfähig, wenn ein Minimum an gemeinsamer Identität (im Sinne von gemeinsamen Werten, Normen und Regeln) vorhanden ist. Damit liegen polyzentrische Organisationsformen vor, in denen mehrere Aktions- und Führungszentren existieren. Kaum ein einzelnes Element (Akteur) ist in der Lage, die Gesamtstruktur inhaltlich und strukturell ausschließlich (hermetisch) über einen längeren Zeitabschnitt zu prägen und zu steuern. Bei der Gestaltung der internationalen Ordnung sind somit folgende Überlegungen zu berücksichtigen:

- Hybridität ist ein ordnungsimmanenter und somit Ordnung prägender Bestandteil, d.h. durch die Vermischung bzw. Verknüpfung von zwei verschiedenen Ingredienzien wird ein Drittes Neues - dies ist ein permanenter Prozess mit häufig ungewissem und oft unintendiertem Ausgang.[16])

- Interaktionen und Intraaktionen müssen unterschieden und gemeinsam begriffen werden, weil sie immer wieder gleichzeitig stattfinden. Sie beeinflussen Ergebnisse und umgekehrt. Dies liegt darin begründet, dass Interaktionen und Intraaktionen einzelner Akteure von jenen anderer abhängen. Als Beispiel dafür dient das Verhalten in der Strategiefestlegung. Oft erfolgt diese, wenn man die Strategie der wesentlichen Mitspieler kennt. Erfahrungen und Erwartungen sind zusätzliche Beeinflussungsfaktoren. Letztlich beeinflusst auch das Umfeld das Verhalten.

- Intra- und Interaktionen laufen nicht immer parallel ab und sind auch nicht vom Gesamtumfeld isolierbar (Phänomen der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen). Oft werden sie von anderen Themen und Aktionen beeinflusst, die auf den ersten Blick nichts mit der Problematik im engeren Sinn zu tun haben.

- Interaktionen und Intraaktionen können auch zu unerwarteten Ergebnissen führen, die wieder zu „Ordnungssprüngen“ (im Sinne von gravierenden Veränderungen innerhalb eines sehr knappen Zeitkalküls) führen. Meistens passieren diese Sprünge in unerwarteten Augenblicken und führen zu noch weniger erwarteten Ergebnissen.

- Indirekte Wirkungen und/oder Verzögerungseffekte bei Interaktionen und Intraaktionen müssen mit berücksichtigt werden. Sie sind Nebenprodukte anderer Ziele und Aktivitäten und sind oft wichtiger als die direkten Effekte. Ferner können sie beabsichtigt oder unbeabsichtigt auftreten. Bei Verzögerungseffekten treten zeitliche Differenzen zwischen Ursache(n) und Wirkung(en) nahezu „natürlich“ auf.

- Die Entterritorialisierung von Akteuren führt zu einer Neuausrichtung des Raum-Zeit-Macht-Kalküls. Die Entterritorialisierung basiert auf dem Bewusstsein der Welt als Ganzes. Dies bedeutet nicht automatisch eine „singuläre Welt“ und ein „Glätten von Disparitäten“; vielmehr wird das Partikulare, Einzelne in einen Gesamtzusammenhang des Geflechts an Akteuren verwoben. Der Raum und die mit ihm verbundenen Dimensionen bedürfen einer Neuaushandlung im jeweiligen Verständnis. Dieser Prozess ist bei weitem nicht abgeschlossen geschweige denn frei von Friktionen in der Debatte.

In diesem Ordnungsverständnis gibt es eine Reihe globaler Herausforderungen, mit denen nahezu jeder Akteur konfrontiert ist - wenngleich in durchaus unterschiedlicher Ausprägung. Dies erzwingt nahezu ein akkordiertes Vorgehen.

Neben den Herausforderungen ist in strategischen Theorien und Überlegungen zur Politikgestaltung auch die Auseinandersetzung mit dem Konzept von Macht als Gestaltungsinstrument wesentlich. Auch dieses hat sich in den vergangenen 20 Jahren signifikant verändert. Die bereits als progressiv eingestufte Unterscheidung in „hard power“ und „soft power“ ist nicht ausreichend, um zu begreifen, wie Macht im 21. Jahrhundert wirkt und wie man Macht zur Gestaltung von Ordnung einsetzen kann bzw. diese bereits eingesetzt hat.[17]) Auch die Kombination aus beiden - immer wieder als smart power bezeichnet - kann bestenfalls als erster Schritt in eine neue Richtung führen.[18]) Macht im globalen Zeitalter präsentiert sich zumindest auf drei Ebenen mit unterschiedlichen Ausprägungen:[19])

1. Militärische Macht: Dies ist gemeinhin jener Bereich, in dem die USA ein Monopol haben (als einziger Staat haben sie Atomwaffen und konventionelle Waffen mit globaler Reichweite). Dieser Layer wird als unipolar bezeichnet.

2. Ökonomische Macht: Im Feld der wirtschaftlichen Macht liegt ein multipolarer Status vor. Hier müssen Positionen verhandelt werden. Macht in diesem Bereich ist fluid.

3. Kulturelle Macht: Hierbei handelt es sich um einen sehr frei fließenden, transnationalen Bereich. Die Positionen werden nicht aufgrund von Verhandlungen festgelegt, sondern aufgrund von Beeinflussung im umfassenden Sinn. Aufgrund der steigenden Komplexität kommt es zu einer zunehmenden Entropie der internationalen Beziehungen, d.h. zu einer Zersplitterung. Macht im Sinne von Gestaltungsmöglichkeiten und Möglichkeiten, nationale Interessen zu verfolgen, wurde redimensioniert und eingeschränkt. Man kann weder von Hegemonie, noch von Unipolarität oder Multipolarität sprechen, sondern am ehesten von Nonpolarität.

Aus dieser differenzierten Machtbetrachtung lässt sich bereits die Notwendigkeit einer geänderten Zugangsweise für strategische Konzepte und zu strategischen Theorien ableiten. Gleiches gilt für Überlegungen zur Politikgestaltung. Ähnliche Gedanken sind für Konzepte wie Legitimität, Souveränität etc. anzustellen.

Die internationale Ordnung zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus, die als Prämissen für Strategie- und Theorieverständnis gelten:

- Es liegt eine untrennbare Kombination aus System- und Gesellschaftsaspekten vor, die in der Ordnung kulminieren und Hybridität erzeugen, die sowohl Theorie als auch Praxis vor grundlegend veränderte Anforderungen stellt.

- Wenn wir von hybriden Ordnungen sprechen, so meinen wir Ordnungen, die unterschiedliche Typen von Observablen (d.h. Akteuren) umfassen, die intra- und interagieren. Dabei ist kaum ein einzelnes Element (Akteur) in der Lage, die Gesamtstruktur und Prozesse inhaltlich und strukturell ausschließlich (hermetisch) über einen längeren Zeitabschnitt zu prägen und zu steuern. So entstehen immer wieder neue Formen von Ordnung. Dies ist ein unterschiedlich dynamischer, jedoch anhaltender Prozess im sozialen Gefüge. Die Hybridisierung wird vor allem von einer so genannten Entterritorialisierung von Akteuren zusätzlich verstärkt und durch die Möglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnologien forciert.

- Ereignisse haben eine hohe Breitenwirkung und rasche Ausbreitung (systemic ripple effect) - oft kombiniert mit einer tiefenstrukturellen Wirkung von Prozessen mit ausgeprägter Nachhaltigkeit.

- Ordnungsveränderungen mit parallel verlaufenden „Ordnungstoden“ im Sinne von gänzlichem Verschwinden von Akteuren finden in einem raschen Ablauf statt, wobei unbeabsichtigte Nebeneffekte auftreten, die diese Veränderungen bremsen und/oder fördern können.

- Subordnungen werden tiefgreifend von der rasch ansteigenden Vernetzung von Ereignissen und Prozessen und damit signifikant ansteigenden Komplexität und unbeabsichtigten bzw. unabsehbaren Folgen beeinflusst.

- Interdependenzen und Eigenschaften einer komplexen sozialen Ordnung führten zu einer „hyper world“ mit rasch ablaufenden, sich überlagernden und ineinander verlaufenden Prozessen.

- Entwicklungen sind oft ohne klaren Anfang und ohne klares Ende, wobei gleichzeitig der Gegner über den Zeitablauf wechselt und sein Verhalten bzw. sein Äußeres ändert (Gegner-Unterstützer-Paradoxon; multi roling und multi hatting).

- Bislang klar abgrenzbare Bereiche wie etwa Innen- und Außenpolitik verschwimmen mehr und mehr.

- Ordnungsarten im Sinne einer Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen finden parallel statt. Dieses Phänomen wird durch die Entterritorialisierung von Akteuren noch zusätzlich verstärkt.

- Es kommt zu einem vermehrten Auftreten neuer Akteure, die sich nicht in die gängigen Verhaltensregeln einpassen und so neue Normen, Werte und Regeln erzeugen, die sich mit bisherigen überlagern, vermischen (im Sinne von Hybridität) und zu einer Reihe von markanten Widersprüchen führen können.

- Die Kategorien „Raum und Zeit“ verändern sich, ebenso Begriffe wie „Legitimität“, „Souveränität“ und „Macht“; es kommt zu starken Asymmetrien im Machtgefälle und zu Ungleichverteilungen der politischen, militärischen, technologischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten. Daraus resultiert ein relativiertes Raum-Zeit-Macht-Kalkül.

- Die Bedeutung des Staates als Ordnungskategorie verändert sich, wobei dieser nicht obsolet wird, sondern unterschiedliche Ausprägungen annimmt, mit dem neuen Machtverständnis gekoppelt wird und sich zudem mit nichtstaatlichen Akteuren unterschiedlichster Facetten auseinanderzusetzen hat.

- Es kommt zu einer verstärkten Entkontextualisierung von Themen, die in manipulativer Weise der „leaderless public“ in einer Art präsentiert werden, die man als gezielten Alarmismus bezeichnen kann.[20])

Aus diesen Phänomenen resultiert die Notwendigkeit, sowohl das Begriffsverständnis von Strategie als auch jenes der strategischen Theorien und von Politikgestaltung kritisch auf ihre Adäquatheit und praktische Sinnhaftigkeit zu hinterfragen.

 

Strategie, strategische Theorien und Politikgestaltung: Klarlegung von Begrifflichkeiten

Grundlegende Gedanken und Ausgangspunkte

Kaum ein Begriff wird häufiger in der Alltagsdiskussion in krisenhaften Phasen verwendet als jener der Strategie. Sehr oft handelt es sich um Worthülsen, die eine mediale Anmutung in sich tragen, jedoch in der Substanz verkümmert sind - wohl auch, weil man sich vom Wesen der Strategie deutlich entfernt hat, denn Strategie ist das gestaltende Agieren innerhalb von Gegebenheiten und Möglichkeiten (contingencies). Dies bedingt eine systematische Erfassung der Natur einer Situation und in der Folge die Gestaltung der Situation in eine definierte Richtung. Strategie ist daher ein pragmatisches Vorgehen unter Zuhilfenahme von Konzepten und Handwerkszeug, gleich, ob man sich auf Teilstrategien oder auf Gesamtstrategie bezieht. Daran hat sich auch in der aktuellen internationalen Ordnung nichts verändert. Verändert hat sich jedoch der Umgang mit Strategie - denn wenn man auf die „Instant“-Lösung aus ist, dann dauert das Abschätzen von Gegebenheiten und Möglichkeiten und das Ausarbeiten von Gestaltungsoptionen vermeintlich zu lange. Gerade darunter leidet dann sehr oft die Politikgestaltung in ihrer Qualität.

Das grundlegende Verständnis von Strategie spiegelt sich auch im Verständnis von strategischen Theorien wider. Im vorliegenden Zusammenhang wird unter strategischen Theorien der generisch zuordenbare Hintergrund von konkreten Strategien verstanden. Strategische Theorien haben einen hohen Zusammenhang zur Militärgeschichte und zur Kriegsgeschichte.[21]) Sie sind retrospektiv - man weiß erst im Nachhinein, ob man richtig lag - d.h. man muss sich auf geschichtliche Aussagen stützen. Sie bilden somit einen interpretativen Hintergrund und didaktische Werkzeuge für die Zukunft.

Theorieleitend sind die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts - vor allem jene aus den beiden Weltkriegen. Daraus resultieren beispielsweise Begriffe wie jener des „totalen Krieges“, „Grand Strategy“ oder „National Strategy“. Diese Begriffe dienten zur Erklärung von Ereignissen in den 1920er- und 1930er-Jahren und als Richtlinie für den Zweiten Weltkrieg und den Kalten Krieg. Daher ist die theorielose, oberflächliche Verwendung im allgemeinen Sprachgebrauch des aktuellen Kontexts problematisch, weil sich der Referenzrahmen verändert hat. Dennoch lohnt sich zur Orientierung ein historischer Blick auf strategische Theorien, um sie gegebenenfalls weiterzuentwickeln und den veränderten Gegebenheiten anzupassen.

 

Strategisches Denken im Kurzüberblick

Die Mehrheit der Literatur geht davon aus, dass die chinesischen strategischen Theorien die wesentliche Grundlage für alle weiteren Ausformungen darstellen. Sie hatten einen starken philosophischen Hintergrund, integrierten Beobachtungen in der Natur und lassen sich bereits vom 7. bis zum 3. Jahrhundert v. Chr. ausmachen. Danach flossen griechische und römische Überlegungen ein. Dann klaffte in Europa eine relativ lange zeitliche Lücke. Machiavelli schloss mit seinen Arbeiten einen Teil dieser Lücke. Eine Änderung im Denken trat im 17. Jahrhundert mit dem Beginn des Aufstiegs des Kapitalismus ein. Insgesamt blieb jedoch das strategische Oeuvre bescheiden. Die europäischen Denker waren deutlich praxisorientierter, als dies chinesische Denker waren. Vieles wirkt isoliert und wenig generisch. Vor dem 19. Jahrhundert gab es daher nur sehr wenige heute als strategisch zu bezeichnende Arbeiten in Europa. Sie waren bestenfalls Einzelarbeiten, die sich auf militärstrategische Aspekte konzentrierten - dennoch sind diese Arbeiten wesentliche Bausteine für strategische Theorien.

Die Napoleonischen Kriege führten zu einem intellektuellen Durchbruch und förderten das Aufkommen westlicher strategisch-theoretischer Konzepte. Die Entwicklung gipfelte in Clausewitz’ Ausführungen „Vom Kriege“, die Jahrzehnte die strategische Theoriedebatte prägten und als beispielgebend galten. Im 20. Jahrhundert prägten die Arbeiten von Antoine Henri Jomini,[22]) Julian Corbett (See),[23]) Alfred Thayer Mahan (See),[24]) Halford John Mackinder (Land),[25]) Giulio Douhet (Luft),[26]) Basil H. Liddell Hart,[27]) André Beaufre[28]) die Weiterentwicklung der strategischen Überlegungen. Alle angeführten strategischen Denker sind stark kontextgebunden zu lesen. Dennoch kann man aus ihren Arbeiten bereits Prinzipien von generischer Gültigkeit extrahieren.

Konzeptiv war das 20. Jahrhundert ein fruchtbarer Abschnitt, wobei zwei Weltkriege mit den folgenden Wiederaufbauphasen die Debatten förderten. Man kann sogar sagen, dass ohne die Ereignisse des 20. Jahrhunderts eine Entwicklung der strategischen Theorien in der vorliegenden Ausprägung und Vielfalt nicht möglich gewesen wäre. Vieles war anwendungsorientiert.[29]) Die wissenschaftliche Komponente entwickelte sich mit einer gewissen Zeitverzögerung. Sie steht in einem engen Zusammenhang mit der Entwicklung der Theorien internationaler Beziehungen.[30])

Bemerkenswert und gleichzeitig auch aufgrund der historischen Entwicklungen nicht verwunderlich ist das Faktum, dass im 20. Jahrhundert mehr und mehr eine Vermischung von Begriffen wie Geopolitik, Geostrategie, strategischen Theorien, Theorien internationaler Beziehungen und Strategie eintrat. Dies befruchtete die intellektuelle Debatte und den praktisch-politischen Diskurs.

 

Eine Befundung zu strategischen Theorien in den vergangenen 20 Jahren

Das Ende des Kalten Krieges 1989/90 ist als Zäsur in der Entwicklung strategischer Theorien zu bewerten.[31]) Danach öffnete sich ein intellektuelles Vakuum, das bislang mehr oder weniger ungefüllt blieb. Dies bedeutet nicht, dass es keine Debatte gab. In den 1990er-Jahren konnte man sogar eine lebhafte Diskussion verfolgen, die jedoch in den Anfängen stecken blieb, weil man zu viel Neues wollte, sich vom Alten vollends abwendete und feststellen musste, dass man von der Realität in einem atemberaubenden Tempo überholt wurde. Die Theoriedebatte wurde zur „l’art pour l’art“. In der Sache blieb man damit im Alten stecken.

Darüber hinaus gab es keinen nennenswerten Dialog zwischen Praxis und Theorie. Vieles wurde von der durchaus verständlichen „Euphorie der Wende“ überschattet. Politik machen trat in den Vordergrund und ersetzte mehr und mehr strategische Theorien. So befanden sich diese in einer existenziellen Krise. Viele Bedrohungen waren verschwunden. Die Gefahr der großen Kriege war vorbei. So versuchte vor allem die akademische Gemeinschaft alte Konzepte auf neue Sachverhalte anzuwenden - motiviert durch die Raschheit der Ereignisse und so manche Ratlosigkeit politischer Entscheidungsträger. Als man merkte, dass die Erklärungsansätze und der Erkenntnisgewinn ausblieben, versuchte man konzeptive Kombinationen, die letztlich alle zu kurz griffen. Begründbar ist dies mit der Inkongruenz von Realität und dem Theorieangebot und der immer geringer werdenden Gestaltungskraft von Theorien. Colin Gray räsonierte dazu: „Strategic ideas rise and fall in popularity as the small community of strategic theorists responds to the needs of the period.” [32]) Es entwickelte sich eine sich überlagernde Situation, in der Vertreter der strategischen Theorien mit aller intellektuellen Gewalt das Flair und die Instrumente des Kalten Krieges aufrechterhalten wollten, weil es um ihre fachliche und intellektuelle Legitimation ging (und letztlich auch um den Zugriff auf größere Forschungsgeldtöpfe). Der Bereich der strategischen Theorie stand vor einem „methodology creep“.[33]) Man erging sich in intellektueller Kleinarbeit, experimentierte mit Ansätzen aus anderen Fachbereichen (was grundsätzlich begrüßenswert ist) und konnte politischen Entscheidungsträgern - wenn überhaupt - nur bescheidene Hilfestellungen geben. Diese zeigten eine bemerkenswerte Resistenz, sich mit neuen, intellektuell fordernden Ansätzen auseinanderzusetzen. So wurde die Lücke im Diskurs immer größer. Dies ist ein globales Phänomen und gilt nicht ausschließlich für die USA bzw. den angloamerikanischen Sprachraum.

Die Lage kann in Anlehnung an Thomas Barnett unter dem Motto „Die Strategie war, Strategie zu vermeiden“, subsumiert werden.[34]) Dabei bot sich eine ungeheure Chance für Neues, hätte man mit Nachdruck und auch gegen eine gewisse politisch-intellektuelle Laxheit mit Verve die Möglichkeiten ausgeschöpft.

Nach den Ereignissen des 11. Septembers 2001 suchten einige Vertreter strategischer Theorien nach einem neuen Betätigungsfeld, insbesondere versuchte man das Abschreckungskonzept (deterrence) so weit wie möglich am Leben zu erhalten.[35]) Der „Quick Fix“ (d.h. die schnelle, vereinfachte Lösung ohne viel darüber zu reflektieren) war rasch geboren - zum Nachteil der Gestaltung der globalen Ordnung. So war es auch nicht verwunderlich, dass „stuff happens“ zur schulterzuckenden Ausrede für politische Entscheidungsträger werden konnte.[36])

Strategische Theorien wurden nicht mehr aufgrund praktischer Notwendigkeiten unter Berücksichtigung theoretischer Erkenntnisse entwickelt, sondern aus der „Bewegung“. Damit dominierte die Pragmatik ohne entsprechenden Hintergrund.[37]) Mit diesem Dilemma ist man vor allem seit knapp zehn Jahren konfrontiert. Es lässt sich eine Reihe von Phänomenen beobachten, die die Argumentation unterlegen:

- Es lässt sich erklären, warum das Präemptionsprinzip vor allem unter einer „Kalter Krieger-Regierung“ wie bei George Bush sen. derart wieder an Boden gewinnen konnte. Gleichzeitig überholte jedoch die faktische Realität die Konzeptionen. Es kam zu einer eklatanten Diskrepanz zwischen Konzepten, Politikgestaltung und Realitäten mit dem bekannten Ausgang. Noch dazu wurde das Präemptionsprinzip nach „9/11“ mit einem neuen Inhalt versehen, der nur mehr sehr wenig mit jenem während des Kalten Krieges zu tun hatte. Vielmehr wurde eine Idee‚ aus dem Kontext gerissen, in eine andere Lage implantiert und als Kernargument für die Defense Posture der USA und von Großbritannien verwendet (mit tatkräftiger Unterstützung gewisser pseudointellektueller Kreise). Krieg wurde zu einem Abschreckungsinstrument - damit kam es zu einer völligen Pervertierung der Abschreckungsidee, die darauf fußte, einen Krieg zu vermeiden.[38]) Diese Entwicklung darf wohl als einer der negativen Beiträge zu einer Wiederbelebung der Debatte um strategische Theorien gelesen werden.

- Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff des Long War, der in Anlehnung an das Short Century von Eric Hobsbawm[39]) verwendet und letztlich pervertiert wurde. Für Großmächte wie die USA gibt es keinen kleinen und kurzen Krieg, denn als Großmacht muss man mit globalen Implikationen rechnen. Long War ist zutiefst subjektiv in der Interpretation und letztlich nur im Nachhinein als solcher beurteilbar. So wurde Strategie als solche völlig verdreht und letztlich missbraucht. Admiral Fallon, der ehemalige Kommandant des CENTCOM, ließ den Begriff des Long War fallen und meinte, man solle sich auf den „wirklichen Krieg“ konzentrieren.[40])

- Die Rhetorik des „Kriegs gegen den Terrorismus“ wurde durch das Defizit der strategischen Theorien ermöglicht, ja, geradezu eingeladen. Die Metapher bzw. Metanarrative ermöglichten die Vereinigung von Krieg und Politikgestaltung. Die bipolare Welt schuf eine globale Sicherheitsarchitektur - etwas, was der Terrorismus bislang nicht schaffte. Ähnliches gilt für die Kriege im Irak und in Afghanistan - beides sind regionale Kriege. Sie auf eine globale Ebene heben zu wollen, verkennt alle Ebenen des strategischen Denkens. Nichtsdestotrotz hat gerade dieser Widerspruch zu globalen Problemen für die Krieg führenden Staaten geführt. D.h., der Widerspruch ermöglichte eine Globalisierung und Nachaußentragung der Grundproblematik. Zudem kam es zu einer bewussten Vermischung von Globalisierung und Partikularismus. Dieser Widerspruch erklärt auch die bislang fehlende NATO-Strategie in Afghanistan. Eine allumfassende Lösung ist nicht sinnvoll, wenngleich jedoch intendiert, da auf den ersten Blick bequem.

- Ein weiteres Phänomen ist z.B. in den USA die militärstrategische Aufgliederung in Teil-Teil-Strategien für die Bereiche Land, Luft, See, Weltraum und Cyberspace und entsprechende Subkategorien. Für die beiden letztgenannten gibt es bis dato keine strategische Theorie, die anleitend wirken könnte.[41]) Dies eröffnet den Raum für viel Fiktion und wenig Substanz.

Bemerkenswert ist auch die Diskussion um die Begriffe „begrenzter/unbegrenzter Krieg“ - so als ob es eine klar festlegbare, absolute und objektive Grenze gäbe. Hier liegen massive Definitionsdefizite vor, wobei festgehalten wird, dass die Situation hinsichtlich der Begrenzung oft erst im Nachhinein zu beurteilen ist. „Limited“ wurde zu einem Etikett, um „Generäle im Auge zu behalten“, jedoch nicht für strategische Konzepte mit Substanz.

Strategic theory has failed to provide the tools with which to examine the conflicts now being waged.” [42]) So ist schlusszufolgern, dass strategische Theorien kaum Ideen zur Lösung aktueller Konflikte lieferten. Daraus ergab sich eine intellektuelle und pragmatische Beliebigkeit in der Debatte, in politischen Konzepten und im Vorgehen. Ein substanzieller und vor allem zeitgemäßer Lösungsansatz ist vorläufig nicht in Sicht.

Krieg als eine Kategorie mit einer eigenen Dynamik stand über Jahrhunderte im Zentrum von Strategien - wenn die Politik gegen diesen dynamischen Kern arbeitet, dann steht Strategie der Politik gegenüber und kann nichts mehr ausrichten. Damit stellt sich die strategische Theorie in diesem Kreislauf bis zu einem gewissen Grad selbst in Frage.

 

Notwendigkeiten und Anforderungen an strategische Theorien im 21. Jahrhundert

Wollte man einen ersten Katalog an Notwendigkeiten und Anforderungen an strategische Theorien erstellen, so sind sowohl formale als auch konzeptive Notwendigkeiten arbeitsleitend zu berücksichtigen. Diese Überlegungen unterstützen den dringend erforderlichen ersten Schritt, heraus aus Allgemeinplätzen und Oberflächlichkeiten zu gehen. In Anlehnung an Paul Ricoeur lässt sich festhalten, dass, wenn alles Strategie ist (d.h. als Allbegriff verwendet wird), gleichzeitig nichts mehr Strategie ist.[43]) Gerade weil die internationale Ordnung einen sehr dynamischen Zustand aufweist, sind Strategien wesentlich - Strategien, die den Anforderungen dieser Ordnung entsprechen -, und diese müssen zwangsläufig „anders“ im Inhalt sein als jene während des Kalten Krieges oder davor. Strategische Theorien haben demnach einen adäquaten situationselastischen Rahmen zu bilden. Diese Notwendigkeit zeigte sich beispielsweise im Herbst 2009 sehr deutlich in Afghanistan.[44])

 

Formale Überlegungen

Eine Theorie ist die symbolische Dimension der Erfahrung; sie ist Vermittler zwischen Erfahrung und Gedanken. Aufgrund der Natur der Sache handelt es sich um eine Verallgemeinerung der Realität. Dies ist die Schnittfläche mit der Strategie. Trotz aller kritischer Anmerkungen zu einer Theorie der Strategie hält Brodie fest: „ ... it seems historically confirmed that when theory has declined so has practise ... I think it is fair to say that while good theory will not guarantee good generalship, bad theory will certainly guarantee the reverse.” [45]) Eine strategische Theorie ist ein Rahmen aus normativen Elementen. Jedenfalls ist „die strategische Theorie … keine einfache Lektion und keine Zauberlösung, wie die nach dem Absoluten trachtenden Geister es wünschten.“ [46])

Selbst wenn man einen theoretischen Rahmen hat, der einer Reihe von Prinzipien genügt, so bedeutet dies nicht, dass eine Strategie in einer bestimmten Situation erfolgreich ist. Teilweise sind die Prinzipien widersprüchlich, teilweise sind sie optimal gleichzeitig nicht erreichbar. Strategische Unbestimmtheit und taktische Regelmäßigkeit halten sich nicht immer die Waage und sind teilweise sehr von Personen, Persönlichkeiten und moralisch-ethischen Standards abhängig. Genau dies ist das Wesen von Strategie. Die Kunst liegt im Ausbalancieren der faktischen und scheinbaren Widersprüche.

Strategie ist vor allem in der Instrumentierung zeitgebunden. Methoden ändern sind, die Prinzipien bleiben gleich. Vermittlungs- und Erklärungsanspruch der zeitgemäßen strategischen Theorie bleiben demnach ebenso aufrecht wie eine minimale normative Komponente.

 

Konzeptive Notwendigkeiten

Es ist offenbar, dass sich der Sicherheitsbegriff als eine wesentliche Grundlage für Strategie in den vergangenen 20 Jahren deutlich verbreitert hat und damit Strategie in der Gesamtheit ebenfalls breiter anzulegen ist.[47]) Offenbar ist auch, dass der Begriff wie viele andere Grundbegriffe nicht ausreichend inhaltlich festgelegt ist, womit der Beliebigkeit und Manipulation Tür und Tor geöffnet sind. Dieses Faktum wird in der Strategiedebatte oft negiert.

In modernen Definitionen stellt die Strategie die Brücke zwischen politischen Zielen und den erforderlichen Mitteln dar. Strategie ist heute nicht mehr ausschließlich auf den Kriegsfall beschränkt, sondern auch auf Friedenszeiten anwendbar. Wesentlich ist die Erkenntnis, dass der Gesamtstrategie ein hoher Integrativcharakter zukommt.[48]) Manche benennen diesen Zusammenhang mit dem Terminus „comprehensive approach“, wobei der Begriff ebenfalls eine Fülle an Schattierungen und Unbestimmtheiten aufweist und als gedankliche Anregung verstanden sein soll.[49])

Strategie ist Theorie in Aktion, also eine pragmatische Aktivität. Theoretische Überlegungen müssen daher praktischen Anforderungen genügen. Dabei ist ein über die mechanistisch-streng-hierarchische Sichtweise hinausgehender Ansatz zu präferieren. Dies bedeutet nicht, Konzepte grundsätzlich auszuschließen. Vielmehr geht es darum, ein den aktuellen Gegebenheiten und möglichen künftigen Bedingungen in der internationalen Ordnung gemäßen Rahmen zu schaffen. Gerade in komplexen Ordnungen ist ein interdisziplinärer Ansatz unumgänglich,[50]) will man die Strategie prägenden Parameter adäquat erfassen, die Methoden entsprechend einsetzen und zu einer gestalterischen Instrumentierung kommen.[51])Strategy seeks a synergy and symmetry of objectives, concepts, and resources to increase the probability of policy success and the favorable consequences that follow from that success.” [52]) Der integrative und universelle Anspruch gilt als fordernd, da man regelmäßig sowohl mit Ziel-Mittel-Konflikten als auch mit Konflikten zwischen den einzelnen Teilstrategien konfrontiert ist, d.h.: Was für den einen Bereich optimal ist, ist für andere Bereiche oft bestenfalls suboptimal. Die Kunst besteht darin, einen gemeinsamen Nenner für die Teilstrategien zu finden, ohne dabei das Gesamtziel und die Gesamtstrategie aus den Augen zu lassen. Dies ist die Verbindung zur o.a. formalen Komponente. Ferner benötigt Strategie zum Wirksamwerden Zeit, Raum und ein gewisses Maß an Flexibilität - vor allem wenn es um das Zusammenspiel der Teilstrategien geht. Der medial geforderte Strategiewechsel seitens der USA in Afghanistan ist streng genommen kein solcher, sondern bestenfalls ein Wechsel im operativen Verhalten.

Wesentlich erscheint, dass jede Gesamtstrategie aus einer Rahmen- und einer Umsetzungskomponente besteht. Dabei gilt, was bereits André Beaufre festhielt, auch heute noch: „Die Strategie darf, wie wir sehen werden, kein starres Lehrgebäude sein. Sie muss zu einer Denkmethode werden, mit deren Hilfe man die Ereignisse erfassen, ihrer Bedeutung nach einordnen und entsprechend das wirksamste Verfahren festlegen kann. Jeder besonderen Situation entspricht eine besondere Strategie. Eine bestimmte Strategie kann in einer der möglichen Konstellationen die beste sein, muss aber in anderen verworfen werden. Das ist der Kern der Sache.“ [53]) Somit ist auch jede Strategie inhärent von einer gewissen Zeitgeistigkeit geprägt.

Strategie ist somit Kunst, Pragmatik und Wissenschaft zugleich. Sie umfasst die Entwicklung und Anwendung von politischen, wirtschaftlichen, sozio-psychologischen und militärischen Ressourcen des Staates in Übereinstimmung mit Politikgestaltungsrichtlinien. Ziele sind der Schutz bzw. der Ausbau von nationalen Interessen relativ zu anderen Akteuren oder Umständen. Strategien versuchen Rationalität und Linearität auch dort anzuwenden, wo die Komplexität diese Ambitionen durchaus übersteigt. Ziel ist auch die Reduktion von Komplexität durch die Applikation von rationalen, linearen Begriffen wie „ways, ends and means“.

Versucht man eine allgemeine Definition zu Strategie in komplexen, sozialen Ordnungen, so bietet sich folgender Ansatz an:[54])

Strategien sind Denksysteme für dynamische Zustände, die einen relativen Ausgangs- und einen Endpunkt haben; der Übergang ist durch Energieeinsatz zu überwinden. Damit wird strategisches Agieren zu einem Management von dynamischen Zustandsübergängen mittels Energieeinsatz unter Berücksichtigung eines Ausgangszustandes und eines zu erreichenden Endzustandes.

Dieser abstrakte Zugang erlaubt die Berücksichtigung all jener Phänomene, die aus den verstärkten Wirkungsintensitäten, erhöhten Wirkungsgeschwindigkeiten und komplexen Wirkungseffekten in unterschiedlichsten Netzwerken und Subnetzwerken resultieren.

 

Konsequenzen für Strategien, strategische Theorien und für Policy Making?

Aus den bisherigen Überlegungen lässt sich eine Fülle an Konsequenzen für Strategien, strategische Theorien und für Policy Making ableiten.

Für Strategien gelten 15 Prämissen als Handlungsrahmen:[55])

1. Strategie besteht aus einer Reihe von interdependenten Komponenten, die sich folgendermaßen umschreiben lassen: Wie (=Konzepte, Vorgehensweisen) setzt die Führung ihre Macht (=Ressourcen/Mittel) ein, um bestimmte Ziele zu erreichen (Triade aus „ways, means, ends“)?

2. Strategie wird vom politischen Zweck dominiert, d.h. von einer übergeordneten Policy.

3. Strategie hat sich der Natur des Umfelds anzugleichen.

4. Es ist ein ganzheitlicher Blick (Blick vom Turm) gefragt.

5. Jede Strategie schafft ein Sicherheitsdilemma.

6. Strategie hat zielgerichtet zu sein („was ist messbar zu erreichen?“).

7. Strategie ist ein inhärent menschliches Unterfangen.

8. Friktionen und Überraschungen sind Teil der Strategie.

9. Strategie konzentriert sich auf die Grundlagen und nicht auf Details.

10. Strategie ist hierarchisch in Kaskaden gegliedert.

11. Strategie ist symbiotisch entlang der Zeitleiste, d.h. sie nützt Kontinuitäten und Diskontinuitäten.

12. Strategie ist kumulativ, d.h., die Strategie wird Teil des strategischen Umfeldes und umgekehrt.

13. Effizienz wird der Effektivität untergeordnet (es geht um den strategischen Effekt).

14. Strategie ist ausgeglichen zwischen Zielen, Methoden und Ressourcen.

15. Risiko ist ein strategieinhärenter Aspekt, der auch mit so genannten „besten“ Konzeptionen nicht auslöschbar ist.

Für die strategischen Theorien sind folgende Parameter heranzuziehen:

- Theorien können über verschiedene Wege entstehen (induktiv, deduktiv) und ermöglichen daher unterschiedliche Wahrnehmungen der so genannten Realität.[56]) Es gibt im Regelfall ähnliche, jedoch nicht vollkommen gleiche Wahrnehmungen.

- Strategische Theorien sind normative und präskriptive Anweisungen, die immer eine Werthaltung implizieren (dies ist unvermeidbar und in manchen Fällen sogar wünschenswert).

- Strategische Theorien sind allgemeine Referenzrahmen, welche die Kommunikation zwischen Akteuren erleichtern.

- Eine Strategie und eine strategische Theorie sind weder wahr noch falsch; vielmehr sind sie in einem bestimmten Raum-Zeit-Macht-Kalkül besser geeignet als andere.

- Die Struktur und das Ziel (‚Architektur und Komponenten‘) von Auseinandersetzungen und Strategien blieben über längere Zeiträume im Wesentlichen unverändert. Die Dimensionen der Strategie blieben ebenfalls relativ stabil.[57]) Ähnliches gilt für strategische Theorien. Daher sind konstante Elemente nach wie vor in bemerkenswerter Zahl vorhanden.

- Der Charakter von Auseinandersetzungen, strategischen Theorien und Strategien ist einer laufenden Veränderung unterworfen, da sich die einzelnen strategischen Dimensionen „innerlich“ und somit auch in der jeweiligen Interaktion verändern (kontinuierlich und diskontinuierlich).

- Systemische Änderungen wie die Re-Orientierung der Aufgaben des Nationalstaates, das Aufkommen neuer Akteure und die parallel laufende Re-Positionierung der Streitkräfte stellen die permanente Natur von strategischen Theorien und auch von Strategien in der aktuellen internationalen Ordnung in Frage.

- Da die Qualität der Auseinandersetzungen weniger auf interstaatliche Konflikte und Kriege ausgerichtet ist, verliert die Politik-Militär-Schiene zeitweilig an Legitimation. Damit geht man aber an die Kerninhalte der strategischen Theorien, die somit nahezu zwangsläufig erodieren müssen.

- Neue Formen des Krieges (z.B. Cyberwar, Massenvernichtungswaffen, neuer Terrorismus) führen zu einer Neudefinition der Kerninhalte von Strategie. Die strategischen Theorien müssen naturgemäß nachziehen. Dies benötigt jedoch Zeit. Daraus resultiert eine „theorielose Phase“, die beinahe natürlich ist.

- Wenn die Essenz von Strategie Instrumentalität ist, dann ist die Essenz von Instrumentalität die Vorhersagbarkeit (beides sehr umfassend verstanden, von der Planung bis zur konkreten Umsetzung). Wenn aber das Chaos regiert, dann geht die Strategie verloren. Daher war es immer wesentlich, den „Nebel“ und den „Zufall“ im Krieg so gering wie möglich zu halten. Dies sollte durch eine adäquate strategische Theorie unterstützt werden, was jedoch gegenwärtig nicht der Fall ist.

Für die Politikgestaltung im strategischen Kontext gilt:[58])

- Die Realität ist sozial konstruiert, d.h. es gibt keine objektive, sondern nur relativ subjektive Realitäten (Parallelwelten sind die Regel und nicht die Ausnahme!). Diese Annahme wirkt sich nicht nur auf die Umsetzung von Strategie aus, sondern auch darauf, wie man empirische Beweise erfasst und interpretiert. Damit ist der Konnex zur Policy nahezu automatisch gegeben.

- Die Ambivalenz von Herausforderungen, d.h. Themen sind sowohl Chance als auch Bedrohung, führt zu einer Relativierung von Themen und zur hohen Perspektivenabhängigkeit. Überlagert wird das mögliche Interpretationsspektrum vom individuellen Erfahrungs-/Erwartungshorizont. Dies führt zu einem starken Oszillieren in der Wahrnehmung und macht die Erfassung und Gestaltung einer Herausforderung zur Herausforderung per se.

- Damit spielt - will man nicht in den Hobbes’schen Status des „bellum omnium contra omnes“ verfallen, in dem jeder durch seine Mitmenschen bedroht ist und das Prinzip „homo homini lupus“ (Der Mensch ist des Menschen Wolf) gilt - die individuelle und kollektive Ethik eine besondere Rolle. Politikgestaltung, die ein Auseinanderdriften fördert, ist ethisch besonders problematisch. Oft ist dieses Auseinanderdriften anfänglich weder intendiert noch absehbar.

- Es gibt keine unveränderlichen sozialen Gesetze. Beobachter und Beobachteter haben nie die gleichen, sondern bestenfalls ähnliche Informationen, Erwartungen und Erfahrungen. Zudem beeinflussen sie einander, und sie beeinflussen das Umfeld, in dem sie sich befinden.

- Selbst wenn die Analyse von Ursachen und Wirkungen sehr detailliert und präzise sein soll, kann man Politikgestaltung bewusst einfach gestalten. Einfachheit garantiert zwar keinen Erfolg, aber Kompliziertheit verlangt geradezu nach einem Fehlschlag, weil bereits das schwächste Glied in einer langen und komplex vernetzten Kette zum Auslöser für den Fehlschlag werden kann.

- Die jeweiligen Entscheidungsträger müssen mehr über die anderen Bereiche Bescheid wissen. Nur dann wird von allen der jeweils geforderte Beitrag zu leisten sein und eine Grundlage für den Strategie- und Policy-Erfolg bilden können.

 

Zusammenfassende Gedanken

The time for bickering is over. The time for games has passed. Now is the season of action.”[59])

Die aktuelle internationale Ordnung, die netzwerkartige Strukturen und komplexe Beziehungsgeflechte umfasst, lässt auf polyzentrische Organisationsformen schließen, in denen mehrere Aktions- und Führungszentren existieren. Dabei ist kaum ein einzelnes Element (Akteur) in der Lage, die Gesamtstruktur inhaltlich und strukturell ausschließlich (hermetisch) über einen längeren Zeitabschnitt zu prägen und zu steuern.

Dass Strategie und strategische Theorien sich für diesen Aktionsraum entsprechend inhaltlich und formal anzupassen haben, liegt auf der Hand. Auf der Hand liegt auch, dass es sowohl intellektuell als auch pragmatisch einen ungeheuren Nachholbedarf gibt.

Es ist höchste Zeit, dass sich sowohl die akademische Gemeinschaft als auch die politischen Entscheidungsträger auf einen gemeinsamen Nenner einigen, dessen Umfang sich nicht nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner zu richten hat, sondern nach dem Ausmaß des Beitrags für das Wohl des Ganzen. Was idealistisch klingen mag, ist unabdingbare Notwendigkeit in einer Ordnung, die von unbeabsichtigten Effekten ebenso lebt wie von Hybridität und von Akteuren, die sehr genau wissen, welche Herausforderungen sie zu produzieren haben, um das Ganze gehörig ins Wanken zu bringen. Alleine dieses Bewusstsein fehlt nach wie vor bedauerlicherweise bei politischen Entscheidungsträgern und in der akademischen Gemeinschaft größtenteils. Genau an diesem Bewusstsein werden beide jedoch gemessen werden.

 


ANMERKUNGEN:

[1]) Harry R. Yarger: Strategic Theory for the 21st Century: A little Book on Big Strategy, Washington 2006, S.5.

[2]) Im vorliegenden Beitrag wurde ein deutscher Begriff für Policy Making gewählt und mit Politikgestaltung übersetzt, um das schöpferische Element zu betonen und das mechanistische Element stärker auszublenden. Letzteres wird seitens der Autorin als nicht zeitgemäß gesehen. Dass damit eine normativ-präskriptive Vorgehensweise gewählt wurde, ist intendiert.

[3]) James N. Rosenau: Many Damn Things Simultaneously: Complexity Theory and World Affairs, in: David Albert /Thomas J. Czerwinski: Complexity, Global Politics, and National Security, NDU, Washington 1997, Chapter 4, http://www.ndu.edu/inss/books/books%20-%201998/Complexity,%20Global%20Politics%20and%20Nat'l%20Sec%20-%20Sept%2098/ch04.html (http://www.au.af.mil/au/awc/awcgate/ndu/complexity/comch04.htmlAbfrage 18.3.2004). Vgl. weiters Arjun Appadurai: Disjuncture and Difference in the Global Cultural Economy, Public Culture, Vol. 2 (1990), S.1-23.

[4]) Ordnung ist im vorliegenden Beitrag ein Metabegriff für Systeme und Gesellschaften mit unterschiedlichen Akteuren, die sich mit Herausforderungen unterschiedlichster Natur auseinanderzusetzen haben.

[5]) Umfeld und Ordnung werden durch virtuelle Grenzen und faktische Grenzen getrennt. Sie bilden eine Unterscheidungsmöglichkeit, um das eine vom anderen überhaupt erkennbar zu machen, sind fließend und über den Zeitablauf durchaus veränderlich. Zudem können sich verschiedene Arten von Grenzen überlagern.

[6]) Vgl. dazu in ähnlicher Weise zu Begriffen wie Sicherheit, Macht, Souveränität: “The task is to habilitate the concept of security - it cannot be rehabilitated because it has never been properly developed. ... The term itself is in general use in International Relations and other disciplines, and appears to be accepted as a central organizing concept by both practitioners and academics. But the literature on it is very unbalanced.“ Barry Buzan: People, States & Fears. An Agenda for International Security Studies in the Post-Cold War Era, 2nd ed., New York, 1991, S.3.

[7]) Alan Saperstein: Complexity, Chaos, and National Security Policy: Metaphors or Tools?, in: David Albert /Thomas J. Czerwinski: Complexity, Global Politics, and National Security, NDU, Washington 1997, Chapter 5, ohne Seitenangabe, (http://www.au.af.mil/au/awc/awcgate/ndu/complexity/comch04.html, Abfrage 18.3.2004).

[8]) “One should not forget that the appreciation of complexity was already shown in the late 1940s. Warren Weaver discussed the issue of complexity in an article in the American Scientist in 1948. Weaver distinguishes between three fields of science, thereby focusing on the number of variables. Firstly, he refers to simple problems, which show only few variables and can rather easily be tackled by applying methods from classical physics. Secondly, he approaches disorganized complexities, which are situations with a higher number of variables. They still can be analyzed with statistical methods. Finally, he refers to a ‘middle region’, which he calls ‘organized complexity’. Solutions depend on the system as something organic. This category dominates the late 20th century and the third millennium”. Vgl. Weaver, Warren: Science and Complexity, American Scientist, vol. XXXVI, no. 4, S.536-544.

[9]) Vgl. John Ruggie: Constructing the World Polity: Essays on International Institutionalization, New York 1998, S. 174-175. James N. Rosenau: Turbulences in World Politics. A Theory of Change and Continuity, Princeton NJ 1990, S.21-44.

[10]) Vgl. Alan Saperstein: Complexity, Chaos, and National Security Policy: Metaphors or Tools?, in: David Albert /Thomas J. Czerwinski: Complexity, Global Politics, and National Security, NDU, Washington 1997, Chapter 5, ohne Seitenangabe, (http://www.au.af.mil/au/awc/awcgate/ndu/complexity/comch04.html, Abfrage 18.3.2004).

[11]) System - hier nur im Sinne eines komplexen Systems gemeint, bezieht sich auf „einen ganzheitlichen Zusammenhang von Teilen, deren Beziehungen untereinander quantitativ intensiver und qualitativ produktiver sind als ihre Beziehungen zu anderen Elementen. Diese Unterschiedlichkeit der Beziehungen zeigt sich in deutlichen Systemgrenzen, die das System und Umwelt von einander abtrennbar erscheinen lassen. Ein soziales System ist ein System im komplexen, d.h. vielschichtigen und multikombinatorischen Sinn. Die Komplexität resultiert aus den Interaktionen zwischen den Systemteilnehmern. Diese Interaktionen sind qualitativ intensiver und quantitativ deutlicher vorhanden als Beziehungen zu anderen Elementen. Andrea K. Riemer: Early Warning im Internationalen Gesellschafts-System nach 1989/90: Theoretische Neuüberlegungen unter besonderer Berücksichtigung methodischer und empirischer Aspekte für Semiperiphery-Staaten, Frankfurt/M. 2001, S.63.

[12]) Der Gesellschaftsbegriff ist kein monolithischer Begriff. Thematisch setzt sich die Gesellschaft aus einer Reihe von Subsystemen zusammen. Eine Loslösung von politisch-staatlichen Fragestellungen ist ebenso unmöglich wie eine Abstraktion von ökonomischen Facetten oder sozialen Phänomenen. Die Gesellschaft ist also nicht nur Teil eines größeren Systems.. Gesellschaft ist demnach nicht etwas von seiner so genannten „Umwelt“ Abgrenzbares, sondern etwas in sie Integriertes. Gesellschaft ist ein Sammel- bzw. Metabegriff, der das Gesamtsystem menschlicher Vergesellschaftung und der diese bedingenden Faktoren beschreibt. Vgl. Andrea K. Riemer: Early Warning, a.a.O., S. 64.

[13]) Vgl. dazu Tim J. Dunne: Is there an international society tradition in international theory?, Paper presented at the international political theory seminar at the LSE on 30 Oct 1992. See e. g. Hedley Bull: The Anarchical Society. A Study of Order in World Politics, 2nd ed., London 1995. Barry Buzan and Richard Little: The Idea of ‚International System‘: Theory meets History, International Political Science Review, 1994, vol 15, No. 3, S. 231-255. Barry Buzan: From international system to international society: structural realism and regime theory meet the English school, International Organization, 1993, vol. 47, S.327-352. Barry Buzan: The English School: an underexploited resource in IR, Review of International Studies (2001), 27, S.471-488. James Alan: International Society, British Journal of International Studies, 1978, 4, S.91-106. Adam Watson: Hedley Bull, states systems and international societies, Review of International Studies, (1987) 13, S.147-155. Kenneth Waltz: Man, the State, and War, New York 1959. Hedley Bull: Die Anarchical Society: A Study of Order in World Politics, London 1977. Fred Halliday: International Society as Homogeneity: Marx, Burke, and Fukuyama, in: Millennium: Journal of International Studies, vol 21, 1992, S.435-461. Richard Little: Neorealism and the English School: A Methodological, Ontological and Theoretical Reassessment, in: European Journal of International Relations, vol 1, 1995, S.1-21. Barry Buzan: The English School: an underexploited resource in IR, in: Review of International Studies (2001), 27, S.471-488.

[14]) Mittlerweile hat der Begriff “Akteur”/”actor” in der internationalen Diskussion einen festen Platz. Er gilt als generischer Begriff, um Objekte zu umschreiben, die miteinander interagieren. Sie können z. B. zu Gruppen und/oder Cluster zusammengefasst werden und/oder auch durchaus alleine für sich stehen. Um Akteur zu sein, bedarf es zumindest eines zweiten, der als Referenzgröße heranziehbar ist. Ein weiterer Begriff, der einen ähnlichen Inhalt hat, ist jener der Entität. Eine Entität ist ein größeres Ganzes, eine Seinseinheit, die Akteure umfasst und in der Aktion eine gewisse Verbindlichkeit aufweist. Im Regelfall spricht man von einer rechtlichen und/oder wirtschaftlichen und/oder politischen Entität.

[15]) Die nachfolgenden Ausführungen basieren auf einer Reihe von Forschungsarbeiten der Autorin seit 1992. Vgl. beispielhaft: Andrea K. Riemer: The International Order at the Beginning of the 21st Century. Theoretical Considerations, Frankfurt/Main 2007. Andrea K. Riemer: Early Warning, a.a.O. sowie Andrea K. Riemer: Semiperiphery States during the post-cold war Era: Theory meets Practise, Frankfurt/M. 2002. Andrea K. Riemer: The International Society-System after 1989/90 - Complexity and Beyond: Consequences for International Security Issues in the new Millennium, paper presented at the CISS/ISA-Conference in Heidelberg, 25.-26. June 2001.

[16]) Hybridität meint die Kombination von zwei oder mehreren unterschiedlichen Dingen zur Erreichung eines bestimmten Ziels. Es kommt somit zu Ordnungen in einer unterschiedlichen Ausprägung, wobei diese physisch, biologisch oder menschlich-sozial in ihrer Natur sein können. Der Begriff Hybridität leitet sich von den lateinischen Begriffen hybrida, hibrida oder ibrida her.

) Hybride Ordnungen sind Ordnungen, welche unterschiedliche Typen von Observablen (d.h. Akteure) die intra- und interagieren. Vgl. dazu Andrea K. Riemer: Designing Hybrid Orders by applying a Comprehensive Approach, Forthcoming AARMS 1/2010. In dem Paper finden sich ausführliche Erläuterungen zum Phänomen der Hybridität und den Folgen für das Verständnis der Internationalen Ordnung und ihre Gestaltungsnotwendigkeiten und Möglichkeiten.

[17]) Während man unter hard power gewöhnlich die Fähigkeit mittels militärischer und wirtschaftlicher Kapazitäten eigene Interessen durchzusetzen versteht, umfasst soft power die Fähigkeit, durch Überzeugung und durch attraktive Ideale und Ideen die eigenen Interessen durchzusetzen. Die Unterscheidung geht auf Joseph Nye und Robert Keohane zurück. Vgl Joseph Nye und Robert Keohane: Power and Interdependence, 2nd ed., Glenview, Ill., Scott Foresman and Little Brown 1989. Joseph Nye und Robert Keohane: Power and Interdependence in the Information Age, in: Foreign Affairs, September/October 1998, S.81-94. Joseph Nye and William A. Owens: America’s Information Edge, in: Foreign Affairs, May/June 1996, S.20-36.

[18]) Der Begriff wurde erstmals von Sen John Edwards und Zalmay Mamozy Khalilzad, dem ehemaligen US-UNO-Botschafter, genannt. Vgl. Edwards, John: Reengaging With the World: A Return to Moral Leadership, Foreign Affairs, September/October 2007, http://www.foreignaffairs.com/articles/62826/john-edwards/reengaging-with-the-world (Abfrage 02.07.09). Zalmay Mamozy Khalilzad: Hard Power vs. Soft Power, Vortrag im Rahmen des Europäischen Forums Alpbach 2007, August 2007.

[19]) Vgl. Joseph Nye: America’s Power - By Invitation, The Economist, Mar. 21, 2002.

[20]) Vgl. dazu äußerst kritisch Matthias Horx,: Anleitung zum Zukunftsoptimismus. Warum die Welt nicht schlechter wird, Frankfurt, New York 2007.

[21]) Militärgeschichte ist als Oberbegriff (Geschichte des Militärs im Frieden wie im Krieg) zu verstehen, während Kriegsgeschichte (modern: Operationsgeschichte) sich mit tatsächlichen Einsätzen beschäftigt. Vgl. dazu die umfangreichen begrifflichen Ausführungen in: Felix Schneider: Zur Bedeutung der militärhistorischen Forschung für das Österreichische Bundesheer, unveröffentlichte Arbeit, Wien 2009.

[22]) Vgl. Jay Luvaas: Napoleon and the Art of War, New York, London et al 1999, bes. S.79-98.

[23]) Vgl. Julian Corbett: Some Principles of Maritime Strategy, London 1918.

[24]) Vgl. z.B. Jon Sumida: Alfred Thayer Mahan, Geopolitician, Journal of Strategic Studies, 2-3/1999, S. 39-62. Jon Sumida: Inventing Grand Strategy and Teaching Command. The classic Works of Alfred Thayer Mahan, Washington, D.C. 1997. Mahan’s klassische Arbeit erschien unter: Alfred Thayer Mahan: The Influence of Sea Power upon History, 1660-1784, Boston 1890.

[25]) Vgl. Halford J. Mackinder: The Geopolitical Pivot of History, Geographical Journal Vol.23 (1904), S. 421-444, London. Halford J. Mackinder: Democratic Ideals and Reality: A Study in the Politics of Reconstruction, London, 1919. Colin S. Gray: The Geopolitics of Super Power, Lexington 1988, S.4-12. Christopher Fettweis: Sir Halford Mackinder, Geopolitics, and Policymaking in the 21 Century, Parameters, Summer 2000, S.58-71; ergänzend: Francis S. Sempa: Mackinder’s World, htpp://www.unc.edu/depts/diplomat/AD_Issues/amdipl_14/sempa_mac1.html; mac2; mac3 (Abfrage 20.10.2003).

[26]) Vgl. Giulio Douhet: Command of the Air (USAF Warrior Studies), Office of Air Force History, United States Government Printing Office, 1983. Louis A. Sigaud: Air Power and Unification: Douhet's Principles of Warfare and Their Application to the United States, The Military Service Publishing Co., 1949.

[27]) Vgl. Basil H. Liddell Hart: Strategy: The Indirect Approach, London, 1967.

[28]) Vgl. André Beaufre: Introduction to Strategy, New York: 1965 [Introduction à la stratégie, Paris, 1963]; André Beaufre: Deterrence and Strategy, London: Faber, 1965 [Dissuasion et stratégie, Paris, Armand Colin, 1964].

Ferner vgl. die Übersicht in: John Baylis and James Wirtz: Introduction, in: John Baylis and James Wirtz  and Eliot Cohen and Colin S. Gray: Strategy in the Contemporary World, Oxford, New York, 2003, S.4. André Beaufre: Totale Kriegskunst im Frieden. Einführung in die Strategie, Berlin 1963.

[29]) Bernard Brodie plädierte in seinen Arbeiten immer wieder für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung in strategischen Konzepten. Er tat dies vor dem Hintergrund, als er Strategen empfahl, die „richtigen Fragen zu stellen“ - wissenschaftliche Ansätzen böten dazu eine sehr gute Anleitung. Vgl. Bernard Brodie: Strategy in the Missile Age, Princeton, NJ: Princeton University Press, 1959.

[30]) Vgl. dazu Andrea K. Riemer: Theorien Internationaler Beziehungen und neue methodische Ansätze, Frankfurt/Main 2006.

[31]) Vgl. die kritischen Beiträge von Hew Strachan. Hew Strachan: The Lost Meaning of Strategy, Survival, Vol 47, No 3 - Autumn 2005, S.33-54. Hew Strachan: Strategy and the Limitation of War, Survival, Vol 50, No 1 - February-March 2008, S.31-54.

[32]) Colin S. Gray: Maintaining Effective Deterrence, Publication of the Strategic Studies Institute, Carlisle, PA, 2003, S.1.

[33]) Colin Gray in Anlehnung an den Begriff des mission creep, vgl. Colin S. Gray: The 21st Century Security Environment and the Future of War, Parameters, Winter 2008-09, S.19.

[34]) „The grand strategy … was to avoid grand strategies. Thomas S. M. Barnett: The Pentagon’s New Map: War and Peace in the Twenty-First Century, New York, London 2004, S.1.

[35]) “… the strategic theory of the Cold War was being used to justify war, not, as in the Cold War itself, to prevent it.” Hew Strachan: Strategy and the Limitation of War, Survival, vo. 50, no. 1, February-March 2008, S.33. Ähnlich S.37: “The primary task of strategic theory was to work with a vision of war so cataclysmic that war would be deterred.” Dies meint, dass strategische Theorien einen wesentlichen intellektuellen Grund bildeten, um eine Atmosphäre zu erzeugen, die Krieg abschreckend wirken ließ.

[36]) Die Aussage wird Donald Rumsfeld zugeschrieben.

[37]) Vgl. Dazu sehr kritisch Hew Strachan: Strategy and the Limitation of War, Survival, vo. 50, no. 1, February-March 2008, S.51.

[38]) Vgl. z.B. Colin S. Gray: Maintaining Effective Deterrence, Publication of the Strategic Studies Institute, Carlisle, PA, 2003. Im Zentrum der Strategie der Abschreckung standen Nuklearwaffen, die produziert wurden, um letztlich nicht eingesetzt zu werden. Im Fall des Irakkrieges ab 2003 setzte man zwar keine Nuklearwaffen ein, verwendete jedoch des Instrument des Krieges als Abschreckungsinstrument.

[39]) Vgl. Eric Hobsbawm: The Age of Extremes: The Short Twentieth Century, 1914-1991, London 1994. Eine kritische Besprechung findet sich bei Professor Lawrence Freedman, King's College, London unter http://www.history.ac.uk/reviews/paper/eric.html (Abfrage 29.7.2009).

[40]) Vgl. National Defense Strategy 2008, wo das Thema Long War einen hohen Präsenzgrad aufweist. Der Begriff wurde von General John P. Abizaid in die Debatte eingebracht, bevor er von seiner Funktion als CENTCOM Commander zurücktrat. Vgl. http://www.nytimes.com/2007/04/24/washington/24policy.html. (Abfrage 06.07.09).

[41]) Vgl. beispielhaft Frank G. Hoffman: Conflict in the 21st Century: The Rise of Hybrid Wars, Arlington, Va., Potomac Institute for Policy Studies, 2007.

[42]) Hew Strachan: Strategy and the Limitation of War, Survival, Vol 50, No 1 - February-March 2008, S.51.

[43]) Vgl. dazu Paul Ricoeur: Ist »die Krise« ein spezifisch modernes Phänomen?, in: K. Michalski (Hrsg), Über die Krise. Castelgandolfo-Gespräche 1985, Stuttgart 1985, S.38-63.

[44]) Vgl. dazu Bob Woodward: McChrystal: More Forces or 'Mission Failure'. Top U.S. Commander For Afghan War Calls Next 12 Months Decisive, http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2009/09/20/AR2009092002920.html?hpid=topnews (Abfrage 21.9.2009). Initial Assessment von General McChrystal vom August 2009: http://media.washingtonpost.com/wp-srv/politics/documents/Assessment_Redacted_092109.pdf?sid=ST2009092003140 (Abfrage 21.9.2009).

[45]) Bernard Brodie: Strategy as an Art and a Science, abrufbar über: www.nwc.navy.mil/press/review/1998/winter/art3-w98.htm. (Abfrage 18.3.2004). Ergänzend vgl. Aron, Raymond: Einführung in die Atomstrategie. Eine atlantische Kontroverse, Köln, Berlin 1964, S.44-75. Er rekurriert auf den Beitrag von Albert J. Wohlstetter: The delicate Balance of Terror, vom Januar 1959, erschienen in Foreign Affairs. Zur Theorie der Strategie vgl. auch Gregory D. Foster: A Conceptual Foundation for a Theory of Strategy, The Washington Quarterly, Winter 1990, S.43-59.

[46]) Raymond Aron: Einführung in die Atomstrategie. Eine atlantische Kontroverse, Köln, Berlin 1964, S.220.

[47]) Vgl. dazu äußerst kritisch: “The task is to habilitate the concept of security - it cannot be rehabilitated because it has never been properly developed. ... The term itself is in general use in International Relations and other disciplines, and appears to be accepted as a central organizing concept by both practitioners and academics. But the literature on it is very unbalanced.” Barry Buzan: People, States & Fears. An Agenda for International Security Studies in the Post-Cold War Era, 2nd ed., New York, 1991, S.3.

[48]) Im Zusammenhang mit der Präsentation der neuen National Military Strategy der USA im Mai 2004 meinte General Myers in einem Hearing vor dem Kongress (House Armed Services Committee), dass ein dringender Bedarf vorliegt, „to integrate the military and political mission.“ Andrew Shanker: A New Strategy Document Calls Attentions to the Transition Between War and Peace, The New York Times, 28. Mai 2004. Weiters meinte er, dass nur das akkordierte Zusammenspiel zwischen Militär, Politik und Wirtschaft letztlich die Durchsetzung strategischer Interessen der USA ermöglichen werden. Mai 2004. vgl. auch http://www.defenselink.mil/news/Mar2005/d20050318nms.pdf (Abfrage 13.4.2005).

[49]) Vgl. dazu Andrea K. Riemer: Designing Hybrid Orders by applying a Comprehensive Approach: A Road to Success in Current Stabilization and Reconstruction Operations? Forthcoming AARMS 1/2010.

[50]) Vgl. Erich Eder: Definition und Gebrauch des Begriffes „Strategie“, Österreichische Militärische Zeitschrift 2/98, S.123, der sich in der Aussage auf Heinz Brill beruft.

[51]) „Strategy is best studied from an interdisciplinary perspective. To understand the dimensions of strategy, it is necessary to know something about politics, economics, psychology, sociology, and geography, as well as technology, force structure, and tactics.” John Baylis and James Wirtz: Introduction, in: John Baylis and James Wirtz  and Eliot Cohen and Colin S. Gray: Strategy in the Contemporary World, Oxford, New York, 2003, S.4.

[52]) Harry R. Yarger: Strategic Theory for the 21st Century: The Little Book on Big Strategy, http://www.strategicstudiesinstitute.army.mil/pdffiles/PUB641.pdf, S.11.

[53]) André Beaufre: Totale Kriegskunst im Frieden. Einführung in die Strategie, Berlin 1963, S.15.

[54]) Diese Definition wurde von Alfed Vogel (Österreichische Akademie der Wissenschaften) im Rahmen des 2. Strategie Forums an der Landesverteidigungsakademie am 20.10.2005 erstmals in die Diskussion eingebracht und von der Autorin der vorliegenden Arbeit für komplexe, soziale Ordnungen entsprechend adaptiert.

[55]) Vgl. dazu ausführlich Harry R. Yarger: Strategic Theory for the 21st Century, a.a.O.

[56]) „Few current or former practitioners of statecraft ... ever would concede that theorizing is a meaningful activity for policymakers. There simply is too much to be done to waste time on such ‚academic‛ pursuits, they say, all the while implicitly denying that the repeated policy failures that have haunted ... with such alarming frequency in recent years could possibly be attributed to intellectual flaccidity. Such views betray a pervasive ignorance in our society of the role that theory and theorizing actually play in our everyday lives. ... Theory is the symbolic dimension of experience. It mediates between experience and thought.” Gregory D. Foster: The Conceptual Foundation for a Theory of Strategy, The Washington Quarterly, Winter 1990, S. 43-59, S.43.

[57]) „Strategy is a permanent nature, but an ever-changing character.“ Colin S. Gray: Strategy for Chaos. Revolutions in Military Affairs and The Evidence of History, London, Portland, OR 2002, S.94.

[58]) Vgl. dazu in Anlehnung an: Colin S. Gray: Why Strategy is Difficult, Joint Force Quarterly 22/1999, S.6-12. Gregory D. Foster: A Conceptual Foundation, a.a.O., S.47.

[59]) Barack Obama: Remarks by the President to a Joint Session of Congress on Health Care, Washington D.C., 09092009. http://www.whitehouse.gov/the_press_office/Remarks-by-the-President-to-a-Joint-Session-of-Congress-on-Health-Care/ (Abfrage 10.09.2009). Was für das amerikanische Gesundheitssystem gilt, kann sinngemäß auch für das Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis herangezogen werden.