Vergessene Kriege: Der Konflikt um Biafra 1967-1970

Felix Schneider

 

Mit den Worten „Geh mit Gott“ verabschiedete sich der katholische Missionar Pater Gianni in dem im Nigerianischen Bürgerkrieg angesiedelten Hollywood-Flüchtlingsepos „Tränen der Sonne“ von Navy-Seal Lt. A.K. Waters (gespielt von Bruce Willis). Darauf Waters resignierendzynischer Kommentar: „Gott hat Afrika schon längst verlassen.“


Im Nachkriegseuropa war man schnell bereit - sei es nun aus postkolonialer Verlegenheit oder einfach nur nobler Ignoranz -, Staatengebilde, die einst europäische Kolonien waren, mit dem zweifelhaften Prädikat „Musterland“ zu versehen. Das machte sich immer gut, gab (und gibt) es doch den Kolonialherren von einst das Gefühl, nach erfolgter (freilich fast nie freiwilliger) Entkolonisierung Nachhaltiges, ja gar Politisch-Wertbeständiges hinterlassen zu haben. Und tatsächlich waren gerade in der ersten Hälfte der 1960er-Jahre in Afrika, aber auch im Westen, die Zuversicht und der Optimismus groß, was die Zukunftsaussichten dieses bis dato praktisch ausschließlich durch fremde Mächte beherrschten Kontinents anbelangte.1) Gerade für Afrika war man mit derartigen Jubelberichten schnell bei der Hand. So vergab man besagtes Prädikat als Topos seit den 1960er-Jahren nicht nur im Zusammenhang mit Nigeria, sondern etwa auch für Ghana oder z.B. die Elfenbeinküste. Selbst Ruanda, Ort des wohl schrecklichsten Genozids der jüngeren afrikanischen Geschichte (1994), wird heute bereits wieder als „Musterland der Entwicklungspolitik“, als „Dienstleistungszentrum Südostafrikas“ und womöglich zukünftiges „Singapur Afrikas“ gehandelt. So schnell kann das gehen.


Rückblende: Nigeria unter britischer Kontrolle

Um die Ereignisse rund um den Konflikt in Nigeria besser verstehen zu können, ist es von eminenter Bedeutung, zumindest mit den Grundzügen seiner kolonialen Vergangenheit vertraut zu sein. Als die Briten im Jahre 1861 mit der Kolonisierung dieser Region Afrikas begannen, besetzten sie zunächst den Küstenstreifen und brachten das Handelszentrum Lagos unter ihre Kontrolle. Von hier aus stießen sie ins Landesinnere vor und trafen bald auf eine Vielzahl völlig unterschiedlicher Ethnien und Völker, die weder der gleichen Religion angehörten noch die gleiche Sprache pflegten. Im Gegenteil:2) Zu den religiösen und sprachlichen Differenzen kamen höchst unterschiedliche regionale Autoritätsstrukturen: Neben afrikanischen Königreichen bestanden zahlreiche Kalifate, muslimische Emirate, Kalifat-unabhängige muslimische Regionen sowie verschiedenste Aristokratien bis hin zu kleinsten autarken Dorfgemeinschaften. Im Laufe der folgenden Dekaden richteten die Briten neben der Kolonie Lagos noch die Protektorate Nord-Nigeria3) und Süd-Nigeria ein. Im Jahr 1914 wurden alle drei Teile schließlich zur Colony and Protectorate of Nigeria zusammengefasst. Das wirkliche Problem Nigerias, das bis in die Gegenwart nachwirkt, stellte aber die von Beginn an unterschiedliche Verwaltung der einzelnen Protektorate dar. Der muslimische Norden und der mit der Zeit immer stärker christianisierte Süden besaßen nicht nur vollständig unterschiedliche religiöse und ethnische, sondern auch verschiedene sozio-ökonomische Grundstrukturen. Dabei kam dem großteils muslimischen Nord-Protektorat insofern besondere Bedeutung zu, als es nicht nur fast fünf Mal so groß, sondern - bedingt durch die Verwaltungsstruktur der muslimischen Kalifate - auch streng hierarchisch gegliedert war. Dies kam den Briten natürlich stark entgegen, brauchtensie auf diese Weise doch nur wenige eigene Verwaltungsbeamte, die die muslimischen Eliten kontrollierten. Alles andere überließ man den eingespielten Verwaltungsstrukturen - also quasi „indirect rule“ reinster Ausprägung. Wollte man diese für London vorteilhafte Konstellation erhalten, musste man den kulturellen und gesellschaftlichen Austausch mit dem Süden weitestgehend hintanhalten.4) Der Süden wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch starke christliche Missionstätigkeit geprägt. Letztere wurde im islamischen Norden naturgemäß nicht gerne gesehen. Die Briten unterstützten die islamische Abschottung nach Kräften, da sie befürchteten, dass eine Konfrontation der beiden Religionen innerhalb der Kolonie zur Destabilisierung beitragen könnte. Diese Trennung ging so weit, dass sich Händler und fahrende Kaufleute aus dem Süden in den Städten des Nordens in eigenen Stadtvierteln aufzuhalten hatten, um den Kontakt zwischen Nord und Süd möglichst gering zu halten und auf das Notwendigste zu beschränken. Neben der religiösen und ethnischen Komponente war es v.a. das von den Missionaren mitgebrachte europäische Schulsystem, das die gesellschaftspolitische Kluft immer tiefer werden ließ. Diese völlig ungleichen Bildungssysteme bestanden bis in die 1940er-Jahre und ließen in Nord und Süd naturgemäß völlig unterschiedliche Eliten heranwachsen. Der Süden war im Gegensatz zu Nord-Nigeria durch eine Vielzahl unterschiedlichster Herrschafts- und Sozialgefüge geprägt. Diese Region wurde verwaltungstechnisch im Jahr 1939 abermals geteilt, nämlich in zwei Gruppen von Provinzen, westlich bzw. östlich des Niger, mit den Hauptstädten Ibadan und Enugu (letztere war später Hauptstadt der „Republik Biafra“).5) Der Süden war schon aufgrund der geographischen Verhältnisse wesentlich dichter besiedelt als der trockene und vergleichsweise dünn besiedelte, aber flächenmäßig um das Fünffache größere Norden. Im Süden war es v.a. das Volk der Igbo, das sich am besten mit der britischen Kolonialherrschaft zu arrangieren vermochte und im Laufe der Zeit immer mehr an wirtschaftlichem und gesellschaftspolitischem Einfluss gewann. Nicht nur im muslimischen Norden, sondern auch in Teilen Süd-Nigerias rief sein kometenhafter sozialer und gesellschaftlicher Aufstieg bald Neid und Ablehnung hervor.6) Ausschlaggebend für die weitere Entwicklung des Südens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war neben der fortschreitenden Missionierung und Christianisierung auch die von den Briten ermöglichte Rückkehr von ehemaligen Stammesangehörigen der hier beheimateten Volksgruppen aus der (nordamerikanischen) Sklaverei. Für diese „Rückwanderer“ war europäische Bildung nicht so sehr Feindbild, sondern vielmehr eine Chance, innerhalb der staatlichen Strukturen zu reüssieren. Anders als im Norden mit der auf die islamischen Hierarchien gestützten „indirect rule“ benötigten die Briten im Süden eine Vielzahl einheimischer Verwaltungsbeamter, um diesen von ihnen selbst verwalteten Teil der Kolonie administrieren zu können. Diese Konstellation führte zur Entwicklung einer eigenen südnigerianischen Gesellschaft, die in vielen Bereichen den westlichen Werten und dem „British Way of Life“ folgte, während sich der Norden weiter abschottete - und dabei von den Briten noch unterstützt wurde.7) Besonders in der Wirtschaft machten sich die eklatanten Unterschiede der Gesellschaftssysteme bald stark bemerkbar: Die südlichen Eliten strebten aufgrund ihrer höheren Bildung nicht nur innerhalb der staatlichen Verwaltung, sondern auch im Rahmen der Privatwirtschaft mit Vehemenz nach oben. Gerade in den 1950er- und frühen 1960er-Jahren erlebte Nigeria einen wirtschaftlichen Aufschwung, von dem in erster Linie natürlich die höher qualifizierten Arbeitskräfte profitierten - eine direkte Folge des seit den 1920er- und 1930er- Jahren in dieser Region erfolgten Aufbaus eines modernen Bildungswesens. Zwangsläufig musste diese Unausgewogenheit zwischen Nord und Süd mit weiterem Misstrauen und Ressentiments einhergehen, und die gesellschaftspolitische Kluft wurde durch die steigende wirtschaftliche Dominanz des Südens nur noch weiter vertieft. Diese unterschiedliche Verwaltung der Teilregionen des späteren Nigeria war zwar unter britischer Kolonialherrschaft ein für London stabilisierendes Element - solange es potenzielle religiöse Kontrahenten und Ethnien innerhalb der Kolonie weitestgehend auseinanderhielt. Sollte die britische Oberhoheit jedoch einmal zu Ende gehen, würde daraus innerhalb kürzester Zeit ein politisches Pulverfass entstehen. Aktuellste negative Ausprägung dieser noch immer nachwirkenden gesellschaftspolitischen Kolonialsünden ist wohl das nigerianische Terrornetzwerk Boko Haram, das gerade in den letzten Jahren durch eine Reihe verheerender Bombenanschläge auf sich aufmerksam gemacht hat.8) War es unter britischer Supervision noch sehr geschickt gelungen, die politischen Eliten der einzelnen Kolonialvölker gegeneinander auszuspielen, um so leichter die eigene, beherrschbare „indirect rule“ praktizieren zu können, so musste sich die Künstlichkeit von Grenzziehungen am Reißbrett, gepaart mit politisch-opportuner Machtverteilung, nach dem Wegfall der übergeordneten Klammerfunktion Londons zwangsläufig schwer und bitter rächen. So auch im Falle Nigerias. Seit das Land im Jahre 1960 aus dem Schoß des britischen Empire in die Unabhängigkeit entlassen worden war, gärte das gesellschaftspolitische Erbe britischer Kolonisation unaufhaltsam weiter vor sich hin. Gerade im Falle Nigerias als des bevölkerungsreichsten Landes Afrikas wäre es aufgrund der Tatsache, dass mit dem neuen Staat eine künstliche Heimat für mehr als 430 verschiedene Ethnien geschaffen worden war, vorrangig gewesen, nach einer fast 100-jährigen Kolonisationsphase dem Land einen gesellschaftspolitischen Grundkonsens mit auf den Weg zu geben, auf dem zukünftige Eliten hätten aufbauen können. Doch Nigeria teilte das Schicksal der meisten nach dem Zweiten Weltkrieg (oft überhastet) in die Unabhängigkeit entlassenen Kolonialstaaten: Ohne mit einem nachhaltigen, für eine echte demokratische Staatsform notwendigen politischen Rüstzeug ausgestattet zu sein, übernahmen einheimische Eliten die Macht, die ideell noch immer stammes- und clanorientiert dachten und auch danach handelten. Klassischer Tribalismus beherrschte den Alltag und lähmte das Land. Dazu kam, dass gerade in Afrika der klassische Territorialbegriff bei vielen Volksgruppen vor der Ankunft der Europäer nicht existiert hatte. Die Kolonialmächte legten im Zuge ihrer Landnahme jedoch oft ohne Rücksicht auf die betroffenen Ethnien die zukünftigen Staatsgrenzen fest. Daraus resultierte die Tatsache, dass es sich bei den meisten afrikanischen Staaten nach ihrer Entlassung in die Unabhängigkeit um Vielvölkerstaaten wider Willen handelte. So mag es nicht verwundern, dass viele junge Republiken bald nach ihrer Unabhängigkeit in (Militär-) Diktaturen abglitten9) und auch seitdem in vielen Fällen nie wieder wirklich demokratische Grundstrukturen annahmen. Das Militär fungierte dabei als meist einzig verfügbare übergeordnete Ordnungsmacht. Nigeria war da keine Ausnahme.Zu all diesen politischen Problemen kam die meist rohstofforientierte Wirtschaftsstruktur. Galten die Kolonien seit jeher als klassische Rohstofflieferanten ihrer Mutterländer, so sollte sich diese Rolle auch nach ihrer Entlassung in die Unabhängigkeit nicht wirklich ändern. Was fehlte (und in den meisten Fällen bis heute fehlt), ist eine starke verarbeitende Industrie. Aus diesem Grund sind viele afrikanische Staaten bis heute Spielbälle der Weltmarktpreise für Nahrungsmittel und Bergbauprodukte.


Die Republik Nigeria

Am 1. Oktober 1960 wurde Nigeria in die Unabhängigkeit entlassen, 1963 die „Federal Republic of Nigeria“ ausgerufen. Diese „Erste Republik“ litt von Beginn an den bereits beschriebenen großen ethnischen und sozialen Gegensätzen zwischen Süd, Nord und West. Alle drei Regionen wurden zwangsläufig von politischen Parteien beherrscht, die v.a. bestimmte Volksgruppen repräsentierten und einander in wechselnden Koalitionen bekämpften. Nun rächte sich auch bitter das britische Vermächtnis, das zugelassen hatte, dass der Norden aufgrund seiner Größe und demographischen Verhältnisse nur sehr geringe Unterstützung aus den übrigen Landesteilen benötigte, um die Geschicke des Landes im Parlament praktisch im Alleingang kontrollieren zu können. Dazu kamen zunehmende Korruption, Amtsmissbrauch und die Gewaltbereitschaft aller politischen Parteien. Das politische Chaos und systematischer Wahlbetrug in der späten Ersten Republik brachte das Land nach den Wahlen 1965 schließlich an den Rand eines Bürgerkrieges. Ein Militärputsch im Januar 1966 brachte kurzzeitig eine Gruppe von Offizieren an die Macht, die zu einem Großteil aus Igbo bestand („The Coup of the Five Majors“). Diese Offiziere wurden ihrerseits durch einen Gegenputsch General Johnson Aguiyi-Ironsis gestürzt und verfolgt. Ironsi erklärte sich daraufhin selbst zum Präsidenten. Mit diesem neuen militärischen Machthaber hatte die Erste Republik endgültig ihr Ende gefunden.10) Ironsi, selbst ein Angehöriger des Volkes der Igbo und ranghöchster Offizier, der sich nicht am ursprünglichen Coup beteiligt hatte, machte den Fehler, nicht entschieden genug gegen die ursprünglichen Rebellen vorzugehen. Er verzichtete sogar darauf, die Anführer des Staatstreiches vor Gericht zu stellen. Ein schwerer Fehler, denn diese Vorgangsweise verdichtete nur noch den Verdacht, der Staatsstreich sei Teil einer großen Verschwörung der Igbo gewesen. Als Ironsi in weiterer Folge versuchte, durch Aufhebung der vier politisch-administrativen Regionen des Staates die Stellung der Zentralmacht (und damit seine eigene) zu stärken, kam es im Norden des Landes zu Unruhen und schweren Ausschreitungen, denen bis zu 500 Menschen zum Opfer fielen.11) Ein weiterer Putsch am 29. Juli 1966, diesmal von Militärs des Nordens initiiert, wollte die Republik zumindest nominell wieder herstellen. Präsident Ironsi und eine Vielzahl von Igbo-Offizieren wurden im Zuge des Putsches getötet. Landesweite Pogrome an Igbo, angeführt v.a. von extremistisch-muslimischen Gruppen der Haussa und Fulani, verwandelten Nigeria in ein Schlachthaus: Mehr als 30.000 Menschen fielen den Übergriffen, in denen sich lang aufgestauter Hass und Neid in einer Kakophonie des Grauens entlud, zum Opfer und sorgten für Chaos und Vertreibung im ganzen Land.12) Die anhaltenden Massaker an Tausenden von Igbo im Norden Nigerias veranlassten Hunderttausende zur Flucht. Dazu kam eine starke sezessionistische Bewegung, die die Abspaltung und einen eigenen Staat im Süden Nigerias zum Ziel hatte.13) Nachdem alle politischen Verhandlungen mit dem Süden (der so genannten „Eastern Region“) gescheitert waren, verhängte der neue nigerianische Präsident Oberstleutnant Yakubu Gowon eine Wirtschaftsblockade über die ganze Ost-Region. Sein Gegenspieler war Oberstleutnant Emeka Odumegwu Ojukwu, der Militärgouverneur der „Eastern Region“. Am 27. Mai 1967 wurde die Sezession der Eastern Region formell durch die lokale „Consultative Assembly“ vollzogen.14) Gowon war bemüht, mit politischen Zugeständnissen auch an andere Volksgruppen der „Eastern Region“ in letzter Minute die Einheit der Föderation zu erhalten. Noch am 27. Mai verkündete er die Aufteilung Nigerias in zwölf Bundesstaaten. Dabei sollte der rebellische Osten selbst in drei Bundesstaaten untergliedert werden - und zwar in den South-Eastern State, den Rivers State sowie den East Central State, den zentralen Siedlungsraum der Igbo. Während die Führer der beiden erstgenannten Regionen diese Lösung anerkannten, lehnte Ojukwu diesen durchsichtigen Schachzug des nigerianischen Militärdiktators rundweg ab. Und das nicht ohne Grund: Hätte diese Lösung doch bedeutet, dass die Igbo in Zukunft keinerlei Zugriff auf die wirtschaftlich so wichtigen neuentdeckten Erdölvorkommen vor der Küste mehr gehabt hätten. Auch jeder Seezugang wäre ihnen ab sofort verwehrt gewesen, was die Region nur noch leichter erpressbar gemacht hätte. Ojukwu verlautbarte daher offiziell die Abspaltung der ehemaligen Eastern Region Nigerias als unabhängigen Staat, der fortan „Republik Biafra“ heißen sollte. Die Sezession trat mit 30. Mai 1967 offiziell in Kraft. Am 6. Juli kam es zu ersten Kämpfen zwischen der Bundesarmee und biafranischen Einheiten.


Der Kriegsverlauf

Die junge Republik Biafra hatte zu Beginn der Kampfhandlungen das Glück, dass die nigerianische Bundesarmee im Sommer 1967 gerade einmal über 8.000 Mann einsatzbereiter Truppen verfügte.15) Dieser Umstand und das Faktum, dass sich die abtrünnige Republik gerade zu Beginn der Kämpfe über noch regen Zulauf aus den Reihen der Völker der ehemaligen Ostregion erfreuen konnte, verschaffte den biafranischen Machthabern etwas Luft.16) Im Gegensatz zu Nigeria verfügte Biafra allerdings weder über schweres Gerät noch die Mittel, diese beschaffen zu können. Da die Vereinten Nationen den Konflikt  jedoch als interne Angelegenheit des westafrikanischen Staates betrachteten, konnte sich Nigeria entsprechende Waffensysteme ohne Einschränkung und ohne Embargofurcht auf dem Weltmarkt beschaffen. Großbritannien und die Sowjetunion waren die Hauptlieferanten von schwerem Gerät. Biafra hingegen konnte v.a. bei schweren Waffen keinerlei Gegengewicht schaffen. Insbesondere der Luftüberlegenheit Nigerias - bedingt durch sowjetische MiG-17 und Il-28, die von ägyptischen Söldnern pilotiert wurden - hatte das kleine Biafra nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. Lediglich ein paar kleine einmotorige Trainer vom Typ Malmö MFI-9 sollten Biafra ab 1969 zur Verfügung stehen. Mit diesen sollte der schwedische Pilot Carl Gustav Graf von Rosenjedoch Schlagzeilen machen, als er die umgebauten Trainer, notdürftig als „MiniCOIN“ mit größeren Tanks versehen und bewaffnet, für spektakuläre Jabo-Angriffe zu nutzen verstand. Kriegsentscheidend waren diese Nadelstiche jedoch keinesfalls.17) Während sich Nigeria der militärischen Unterstützung Großbritanniens und der Sowjetunion erfreute, wurde die Republik Biafra nur von sehr wenigen Ländern anerkannt. Lediglich vier afrikanische Staaten (Elfenbeinküste, Gabun, Tansania und Sambia) nahmen diplomatische Kontakte mit dem neuen Staat auf, während der Rest der Welt sich in Zurückhaltung übte. Auf die Organisation für Afrikanische Einheit (OAU, Vorläufer der heutigen Afrikanischen Union) war nicht zu hoffen, setzte diese doch v.a. auf die territoriale Integrität ihrer Mitgliedstaaten und war naturgemäß an einem „schlechten Beispiel“ in Afrika wenig interessiert. Dazu kam, dass aufgrund der umfangreichen Erdölfunde vor der Küste Nigerias natürlich mannigfaltige ökonomische Begehrlichkeiten, allen voran der internationalen Erdölkonzerne sowie natürlich des Gesamtstaates Nigeria, geweckt worden waren. Keiner der hier Genannten hatte irgendein Interesse an einem politischen Unruheherd in unmittelbarer Nähe der bestehenden und auch zukünftigen Offshore-Gebiete. Und die UNO? Ein Eingreifen der UNO wurde zwar immer wieder angesprochen, doch betrachteten die meisten Staaten, darunter fast alle westlichen Industriestaaten, den Konflikt von Anfang an als interne Angelegenheit Nigerias und schlossen sich hiermit der Auffassung des nigerianischen Parlaments an. Damit stand auch ein Tätigwerden der UNO nicht zur Debatte. Inwiefern die bereits genannten ökonomischen Aspekte hier eine Rolle spielten, sei an dieser Stelle nicht weiter erörtert. Man kann aber getrost davon ausgehen, dass diesen im „Kalten Krieg“ der späten 1960er-Jahre eine politisch-strategische Rolle zukam. Biafra stand also alleine da. Die im Sommer 1967 ausgebrochenen Kämpfe glaubte man auf nigerianischer Seite durch eine einfache „Polizeiaktion“ schnell in den Griff bekommen zu können. Sehr bald musste das nigerianische Militär jedoch feststellen, dass der biafranische Widerstand wesentlich härter und verbissener war, als man angenommen hatte. Obwohl die Biafraner den nigerianischen Regierungstruppen materiell hoffnungslos unterlegen waren, kamen diese zunächst nur schleppend voran. Die Universitätsstadt Nsukka und auch Garkem im Norden Biafras waren zwar schnell erobert, doch damit erschöpften sich die militärischen Erfolgsmeldungen des Sommers von 1967 für die Bundesarmee auch schon wieder. Ganz anders die „Rebellen“. Was niemand für möglich gehalten hätte, Biafra startete - getreu dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ - noch im Sommer eine eigene Offensive und überschritt den Niger nach Westen. In einer Reihe spektakulärer „Raids“ gelang es, kurzzeitig tief in das Bundesgebiet Nigerias vorzudringen. Erst 130 km östlich der Hauptstadt Lagos konnten die Rebellen schließlich zum Stehen gebracht werden. Am 9. August 1967, einen Tag, nachdem die biafranischen Einheiten unter Oberstleutnant Banjo den Niger überschritten hatten, erklärte Präsident Gowon Biafra den „totalen Krieg“. Geschockt über die sich überstürzenden Ereignisse ordnete Gowon die Aufstellung der 2. nigerianischen Infanterie-Division an. Bis dato hatte man v.a. im Midwestern State angenommen, der Konflikt beschränke sich wohl nicht nur ethnisch, sondern auch territorial auf eine Auseinandersetzung des Nordens mit dem Südosten. Als dann die biafranischen Einheiten völlig überraschend plötzlich auf Midwestern-Territorium vorstießen, war der militärische Widerstand dort sehr gering. Der biafranische Machthaber Ojukwu spielte indessen auf Zeit. Ojukwu war sich durchaus bewusst, dem steigenden militärischen Potenzial der nigerianischen Bundesarmee nicht ewig Widerstand leisten zu können. Er setzte daher seine ganze Hoffnung auf diplomatische Anerkennung der jungen Republik Biafra. Diese blieb Biafra aber, wie bereits ausgeführt, versagt. Die nigerianische Armee brauchte mehr als einen Monat, um die biafranischen „Raiding Parties“ in einer konzertierten Aktion der 2. Infanterie-Division wieder aus Midwestern State zu vertreiben. Das Hauptziel der Biafraner jedoch - nämlich zwischenzeitlich so viele Bundestruppen wie nur irgend möglich zu binden und die Auseinandersetzung damit in die Länge zu ziehen - konnte mit der Überraschungsoffensive erreicht werden. Neben der Bedrohung durch die zwei Marschkolonnen der 1. Infanterie-Division im Norden Biafras, die zur Eroberung von Nsukka bzw. Garkem geführt hatten, mussten die Biafraner ab sofort nun auch mit einem Vorgehen der Bundestruppen im Süden rechnen. Eine erneute nigerianische Offensive ließ tatsächlich nicht lange auf sich warten. Präsident Gowon versuchte unterdessen - zumindest propagandistisch - mit seinem Motto „No Victor, no Vanquished“ vor der Weltöffentlichkeit einen politisch gangbaren Weg für eine zukünftige Wiedereingliederung Biafras in den nigerianischen Staatsverband vorzuzeichnen. Damit stellte er sich auch den zunehmenden Vorwürfen, beim Einsatz der Bundesarmee handele es sich in Wahrheit um einen verschleierten Genozid an den Igbo, entgegen. Er handelte sich damit aber auch harsche Kritik aus den eigenen Reihen ein, v.a. all jener, die mit Vehemenz eine harte und kompromisslose Haltung gegenüber der abtrünnigen Republik Biafra einforderten.18) Nach dem biafranischen „Abenteuer“ der überraschenden Raids vom Sommer 1967 stellte sich sehr bald militärische Ernüchterung ein. Nachdem die Biafraner wieder auf die Ostseite des Niger zurückgedrängt worden waren, machten sich die nigerianischen Bundestruppen im Herbst 1967 daran, an eben dieser Ostseite des Stromes Fuß zu fassen. Trotz der großen materiellen Überlegenheit brauchten sie dennoch mehrere Anläufe, um einen ersten Brückenkopf zu bilden. Die nigerianische Bundesarmee verlor bei dieser Operation Tausende Soldaten sowie zahlreiche Panzer und anderes schweres Gerät. Gleichzeitig schritt die geographische Einkreisung Biafras auch im Osten voran: Aus dem Norden vorrückenden Einheiten der Bundesarmee gelang es, das Territorium von Biafra von der kamerunischen Grenze zu trennen. Im Oktober 1967 fiel schließlich auch die biafranische Hauptstadt Enugu. Umuahia wurde neuer provisorischer Sitz der biafranischen Regierung. Mit der im Jahr 1968 gestarteten Offensive der Bundesarmee von Westen her, der die bedeutende Hafenstadt Port Harcourt zum Opfer fiel, war die Einkreisung Biafras schließlich komplett. Mit dem Fall Port Harcourts war auch der so dringend benötigte Seezugang Biafras verloren (und damit auch das Erdöl) - das Land konnte von da an nur noch aus der Luft versorgt werden. Nachdem auch Owerri gefallen war, spitzte sich die Situation noch einmal dramatisch zu - denn Owerri lag nur noch fünf Kilometer von Biafras letztem verbliebenen Flugfeld in Uli entfernt.19) Der geschilderten Lage entsprechend verteidigten sich nun die Biafraner verbissen. Und was niemand für möglich gehalten hattegeschah: Tatsächlich kamen die Operationen der Bundesarmee zum Stehen, der Krieg erstarrte. Die Biafraner konnten mit der Rückeroberung Owerris im April 1969 sogar noch einen Achtungserfolg verbuchen. Kurz davor war allerdings Umuahia an die Bundestruppen gefallen. Bis Ende 1969 sollten sich die Fronten nur noch wenig verschieben. Im Dezember 1969 schließlich gelang es der Bundesarmee, das biafranische Rest-Territorium zwischen Umuahia und Aba zu spalten. Bis zum Jänner 1970 leisteten die Biafraner noch Widerstand. Am 15. Jänner erfolgte schließlich die Kapitulation.


Internationale Beziehungen und Hilfe

Der Krieg in und um Biafra war nur zum Teil ein Krieg der klassischen militärischen Mittel. Vielmehr wurde er nach ca. einem Jahr aufgrund der desaströsen humanitären Situation, in der sich die Republik Biafra wegen der Einkesselung durch nigerianische Truppen nun befand, zu einem Krieg der Worte - und v.a. der Bilder. Gerade die Regierungen des Westens gerieten dabei stark in Verlegenheit und sahen sich ob ihres Verhaltens mehr und mehr harscher Kritik ihrer Wähler im eigenen Land ausgesetzt. Anfang 1968 drängten sich 12 bis 14 Millionen Menschen im Kessel von Biafra, zwei Millionen davon waren bereits derart unterernährt, dass für sie jede Rettung zu spät schien. Als erkennbar wurde, dass der Bürgerkrieg sich in nur kurzer Zeit zu einer humanitären Katastrophe größten Ausmaßes entwickeln würde, falls keine Hilfe von außen einträfe, beschlossen zahlreiche (kirchliche) Hilfsorganisationen wie auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), weltweite Hilfe für die Opfer des Bürgerkrieges in Nigeria zu organisieren. Die kirchlichen Organisationen, hier v.a. die Caritas oder „Nordchurchaid“ (NCA) - ein Zusammenschluss v.a. westdeutscher und skandinavischer evangelischer Kirchen - fusionierten ihre Hilfsanstrengungen in der neugegründeten „Joint Church Aid“ (JCA). Die JCA unterstützte dabei in der Auseinandersetzung die Biafraner, die sich in einem auch medial immer mehr zum „Religionskrieg“ hochstilisierten Konflikt in einer ausweglosen Lage befanden. Besonders der biafranische Machthaber Ojukwu spielte die - in seinem Fall - „christliche“ Karte medial sehr geschickt: Er argumentierte, es handele sich bei dem Konflikt in Wirklichkeit um einen Religionskrieg, auf der einen Seite geführt von den muslimischen Haussa und Fulani, auf der anderen Seite repräsentiert durch die christlichen Igbo, denen die Ausrottung drohe, wenn die Welt weiterhin tatenlos zusehe. Dass auch das Volk der Yoruba, dem der nigerianische Machthaber Gowon entstammte, Christen waren, übersah man dabei ebenso geflissentlich wie die Tatsache, dass sich auch Yoruba am Kampf gegen Biafra beteiligten.20) „Täter“ und „Opfer“ waren damit klar zugeordnet definiert: Die These von den „Christenmorden in Biafra“ machte die Runde, und in Europa breitete sich bei verschiedenen kirchlichen Organisationen eine nie für möglich gehaltene „Kreuzzugsstimmung“ aus.21) Wie bereits angesprochen, unterhielten christliche Kirchen auf dem Territorium von Biafra ja schon seit der Kolonialzeit ein Netz von Spitälern und Schulen. Auf dieses konnte man jetzt seitens der Caritas bzw. der JCA zurückgreifen.22) Die ersten (noch sporadischen) Hilfsflüge kirchlicher Organisationen starteten im März 1968. Ab dem Sommer 1968 wurde daraus eine richtige Luftbrücke: Man charterte Flugzeuge - und Piloten, die sich trauten, die Hilfsflüge von der südlich der nigerianischen Küste gelegenen, damals noch zu Portugal gehörenden kleinen Insel Sâo Tomé aus zu unternehmen. Dabei musste jedes Mal die nigerianische Flugabwehr überflogen werden, und obwohl der nigerianische Machthaber Gowon die nächtlich durchgeführten Überflüge tolerierte - dies  jedoch v.a., um im Westen keine schlechte Presse zu bekommen - flog immer auch die Ungewissheit mit. Die Sicherheit der Flugzeuge und ihrer Piloten wurde seitens der nigerianischen Regierung nämlich nie garantiert. Ein zweiter Grund war sicherlich, dass die Nigeria zur Verfügung stehenden MiG-17 Jagdflugzeuge nicht nachtjagdtauglich waren. Erst als entsprechendes Material eintraf und 1969 vor der Küste ein sowjetischer Radar-Trawler auftauchte, der die von Sâo Tomé und Fernando Poo abgehenden Flugbewegungen registrierte und weitermeldete, wurde die Lage für die „Stockfisch-Bomber“ genannten Versorgungsflugzeuge zunehmend bedrohlich.23) Trotzdem hielten die Hilfslieferungen bis zur Kapitulation Biafras an. Das Internationale Rote Kreuz agierte im Gegensatz zur JCA auf beiden Seiten. Jedwede Parteinahme war der Organisation aus Prinzip streng verboten. Gemäß seinen Statuten durfte das IKRK überdies nur dann tätig werden, wenn sich beide Konfliktparteien damit einverstanden erklärten und um solch eine Hilfe ansuchten - was sie letztlich auch taten. Das IKRK war an die Genfer Konventionen gebunden, die in dem Konflikt von beiden Parteien anerkannt wurden. Trotzdem waren die jeweiligen Machthaber in vielen Fällen unterschiedlicher Auffassung darüber, in welcher Form diese Hilfe zu erfolgen habe. V.a. die Abwicklung der Hilfsflüge nach Biafra stand immer wieder im Zentrum der Auseinandersetzungen. Nigeria beharrte auf der Durchführung von Nachtflügen, was die Versorgung Biafras anbelangte. In Lagos befürchtete man, dass sich mit Waffen für Biafra beladene Maschinen unter die Hilfstransporte des Roten Kreuzes oder der JCA mischen und quasi unter deren Schutz Kriegsmaterial nach Biafra transportieren könnten. Die Herausforderung für die Vertreter des IKRK bestand darin, durch ständige Kommunikation mit den Regierungsspitzen beider Seiten immer wieder neu errichtete politische Klippen zu umschiffen, die die Versorgung v.a. Biafras immer wieder verzögerten bzw. unterbrachen.


Das österreichische Engagement im Biafra-Konflikt

Im Sommer 1968 begann die weltweite Hilfe für die Hungernden Biafras voll anzulaufen. Auch Österreich wollte bei der Hilfsaktion nicht abseits stehen. Nachdem sich der österreichische Sonderbotschafter, Dr. Arthur Breycha-Vauthier, der Direktor der „Diplomatischen Akademie“, im August von der Lage in dem westafrikanischen Land persönlich ein Bild gemacht und diesbezüglich in Wien Bericht erstattet hatte, entschloss man sich zur humanitären Hilfe vor Ort. Wichtig war dabei v.a. der Umstand, dass beide Kriegsparteien die österreichische Neutralität anerkannten und auch keine Bedenken gegen ein direktes österreichisches Engagement hatten. Unter Federführung des Außenministeriums (wobei Gesandter Dr. Simon Koller und der junge Diplomat Dr. Alexander Christiani die Hauptrolle spielten) kam es in der Folge zu einem sehr harmonisch ablaufenden Zusammenspiel mit dem Verteidigungsministerium (Außenminister war Dr. Kurt Waldheim, Verteidigungsminister Dr. Georg Prader), dem Österreichischen Roten Kreuz und den sonstigen mit dem nunmehrigen Projekt „Biafra-Aktion“ betrauten Dienststellen.24) Das Internationale Rote Kreuz hatte die Staaten insbesondere um die Entsendung von Versorgungs- wie auch Sanitätseinheiten ersucht. Österreich wollte sich dabei mit einem Sanitätskontingent des Bundesheeres einbringen. Dieses fünfköpfige Bundesheer-Freiwilligenkontingent, angeführt durch den schon durch seine Kongo-Erfahrung bekannten Oberstleutnant-Arzt Dr. Heimo Herglotz, musste aufgrund der bestehenden Rechtslage jedoch im Auftrag des Roten Kreuzes agieren. Die offiziell karenzierten österreichischen Soldaten verließen die Heimat schließlich als erstes „ICRCAustrian Team“ in Rotkreuz-Uniformen am 7. November 1968. Das erste Ziel war Lagos, das erste Einsatzgebiet die Region um Asaba und später Eket, die sich auf der nigerianischen Seite der Front befanden. Insgesamt entsandte Österreich zwischen Herbst 1968 und dem Kriegsende im Januar 1970 drei Sanitäts-Hilfskontingente in die Krisenregion. Ihr humanitäres Engagement, ihre Einsatzbereitschaft und der Umfang der von ihnen geleisteten Hilfe waren herausragend und bestätigten den weltweit guten Ruf österreichischer Hilfsteams, den sich Jahre zuvor schon ihre „Vorgänger“ im Kongo erworben hatten. Nachdem die Regierung Nigerias 1969 beschlossen hatte, die Hilfsaktion des Roten Kreuzes nun selbst in die Hand zu nehmen und fortan auf Basis des Nigerian Red Cross (NRC) fortzuführen, war das IKRK als Dachorganisation aus dem Spiel. Aus diesem Grund kam das letzte österreichische Team, das übrigens auf ausdrücklichen Wunsch der nigerianischen Behörden angefordert worden war, unter der neuen Bezeichnung „Austrian Red Cross Medical Team“ (ARC Medical Team) zum Einsatz. Der letzte Einsatz des dritten Teams führte die Österreicher schließlich nach Owerri, in den ehemaligen biafranischen Regierungssitz. Dort erlebten sie die Kapitulation Biafras und damit das Ende des Krieges.


Gesellschafts-)Politische Nachlese

Die 1960er-Jahre hätten eigentlich das „Afrikanische Jahrzehnt“ werden sollen. Nigeria galt in diesem Zusammenhang als ein Hoffnungsträger in vielerlei Hinsicht. Wirtschaftlich reich an Bodenschätzen (v.a. an Erdöl), schien dem Land eine große Zukunft offen zu stehen. Am Beispiel Nigeria sollte der Welt demonstriert werden, dass es möglich war, dass selbst ein erst unmittelbar in die Unabhängigkeit entlassener, darauf aber weit besser als etwa der Kongo vorbereiteter Vielvölkerstaat wie Nigeria nach 100-jähriger Fremdherrschaft aus dem Stand unter demokratischen Verhältnissen regierbar war. Er war es nicht. Die zu Beginn für eine Dauer von nur 48 Stunden (!) anberaumte „Polizeiaktion“ der nigerianischen Bundesarmee gegen die biafranischen Rebellen mündete sehr schnell in einen grausamen zweieinhalbjährigen Bürgerkrieg, dem bis zum Ende zwischen ein und zwei Millionen Menschen zum Opfer fielen. Biafra gilt als erster „afrikanischer Bürgerkrieg“ und war damit gewissermaßen Auftakt und Symbol für die zahllosen folgenden Konflikte auf dem schwarzen Kontinent. Interessanterweise war es das erste Mal, dass im postkolonialen Afrika keine ausländische Macht militärisch intervenierte - zumindest nicht mit eigenen Truppen. Ein wichtiger Grund dafür war jedoch sicherlich die militärisch hoffnungslose Situation, in der sich Biafra von Anfang an befand. Es ist schwer abschätzbar, welchen politischen Verlauf die Dinge genommen hätten, wäre da nicht das Öl gewesen. Die Interessen der hier engagierten (britischen) Öl-Konzerne - British Petrol (BP) und Shell - wurden in erster Linie von Nigeria vertreten. Daher mag es nicht verwundern, dass Großbritannien mit Militärhilfe nicht geizte. Zu große eigene Interessen standen für London vor der Küste Nigerias auf dem Spiel. Die Briten lieferten Panzer, Haubitzen und Handfeuerwaffen - und schickten Offiziere, die die nigerianische Bundesarmee ausbildeten. Wie eine Skurrilität angesichts des weltweiten „Kalten Krieges“ und seiner Stellvertreterkriege (man denke nur an Vietnam) mögen die Allianzen anmuten, die sich weltweit rund um den Konflikt um Biafra bildeten. Großbritannien fand sich beispielsweise an der Seite der Sowjetunion wieder, die sich in Nigeria eine dauerhafte militärische Basis für künftige Operationen in Afrika und im Südatlantik aufbauen wollte. Moskau schickte schwere Artillerie und sorgte für totale nigerianische Luftüberlegenheit, indem es MiGs und Iljuschins lieferte. Die dafür notwendigen Piloten kamen aus Ägypten und später - Meldungen des Londoner „Daily Telegraph“ zufolge - auch aus der DDR.25) Demgegenüber hielten sich die USA in diesem Konflikt politisch sehr bedeckt. Zwar war die Spendenbereitschaft in den USA sehr hoch, doch konnten sich zu diesem Zeitpunkt weder Lyndon B. Johnson noch später Richard Nixon die Verwicklung in ein weiteres externes Engagement leisten. Ihre Sorge galt Ende der 1960er-Jahre einzig und allein der Suche nach einer Exit-Strategie für das verlustreiche und kostspielige US-Engagement in Vietnam. Es war in gewisser Weise auch der weltweite Protest gegen eben dieses politische wie militärische Vietnam-Engagement des Westens, das das breite humanitäre Engagement für Biafra bis zur endgültigen militärischen Niederlage am Leben erhielt. Blieb der Protest gegen den als Stellvertreterkrieg im Rahmen des Kalten Krieges geführten Vietnamkrieg noch bestimmten politischen Strömungen vorbehalten, so traf das im Falle Biafras nicht mehr zu: Hier galt es in erster Linie, den Hungernden zu helfen. Und der Hunger wurde ganz gezielt als Waffe eingesetzt, wie der Stellvertreter des nigerianischen Präsidenten, Awolowo, in einem Interview 1969 auch unumwunden zugab: „Im Krieg ist alles fair - und die Aushungerung ist eine der Waffen im Krieg.“ 26) Dass die Hungernden auch als mediale Instrumente der (biafranischen) Propaganda missbraucht wurden, war dabei den wenigsten bewusst. Durch das biafranische Engagement zweier ausländischer PR-Agenturen - der US-amerikanischen Ruder Finn Global Public Affairs und der Schweizer Agentur Markpress - wurde Biafra zum Schlacht- und Totenhaus Afrikas hochstilisiert - mit Erfolg, wie sich herausstellte.27) Geschickt verwendeten die Agenturen Begriffe, die bis dato, mehr als 20 Jahre nach dem Ende der jüdischen Shoah, stilistisch bereits fest besetzt schienen: Von „Völkermord“, „Vernichtung“, „Liquidierung“, ja selbst „Holocaust“ war nun (wieder) die Rede.28) Besonders die westliche Gesellschaft zeigte sich tief erschüttert. Auch hier spielte das Medium Fernsehen eine entscheidende Rolle. War Vietnam der erste Krieg gewesen, den man via Fernsehen praktisch  ins Wohnzimmer geliefert bekam, so galt Ähnliches für die Hungerkatastrophe in Biafra: Die täglichen, nicht enden wollenden Bilder von unter Hungerödemen leidenden Kindern, die unter katastrophalen hygienischen und medizinischen Verhältnissen vegetierten und dem sicheren Tod ausgeliefert waren, erschütterten Millionen Fernsehzuschauer und weckten eine zuvor nie dagewesene Spendenbereitschaft. „Es schien mir unmöglich, über Vietnam zu reden und zu Biafra zu schweigen“ meinte der damals 28-jährige Hamburger Student Tilman Zülch,29) einer der Initiatoren der „Aktion Biafra Hilfe“.30) Ziel der Gruppe um Zülch war die Unterstützung der Kirchen bei der Beschaffung von Nahrungsmittelspenden. Ihr Erfolg war unbeschreiblich: Bald arbeiteten nicht weniger als 95 Organisationen allein in Deutschland für die Aktion. Und die Creme der heimischen Intellektuellen schloss sich an: von Heinrich Böll bis Paul Celan, von Günter Grass bis Ernst Bloch - die Liste ließe sich fortsetzen.31) Der Krieg in Biafra war auch in vielerlei anderer Hinsicht ein Novum und galt als Initialzündung einer Reihe von Organisationen, die heute allesamt unter dem Begriff „Non- Governmental Organizations“ (NGOs) bekannt sind. Die wohl berühmteste von ihnen ist die heute größte internationale Organisation für medizinische Notfallhilfe, „Médecins Sans Frontières“ - Ärzte ohne Grenzen, die 1971 von zwölf Ärzten und Journalisten als direkte Reaktion ihrer Erfahrungen in Biafra gegründet wurde. 1999 wurde der Organisation der Friedensnobelpreis verliehen. Und heute? Das ehemalige Biafra ist nicht vergessen, auch wenn die mittlerweile mehr als 20 Millionen Igbo des 21. Jahrhunderts heute keinen eigenen Staat mehr anstreben. Die Politik General Gowons, keine Rache an den Besiegten zu üben und auch keine Bestrafung vorzunehmen, hat womöglich weitere Fluchtbewegungen unterbunden und eine Diaspora von Igbo verhindert. Die tiefen Wunden, die der Konflikt vor nunmehr über 40 Jahren in Nigeria hinterlassen hat, verheilen allerdings nur langsam, eine Aufarbeitung ist schwierig. Die Igbo Nigerias fühlen sich zum Teil auch heute noch immer benachteiligt. V.a. die moderne nigerianische Literatur ist ein Spiegelbild für das Trauma, das der Biafra-Konflikt für Hunderttausende bedeutete. Der wohl berühmteste Vertreter nigerianischer Literatur ist Akinwande Oluwole Soyinka vom Stamm der Yoruba, der 1967 von den nigerianischen Behörden verhaftet wurde, weil er sich aktiv für eine Versöhnung der beiden Bürgerkriegsparteien einsetzte. Während seines fast zweijährigen Gefängnisaufenthaltes schrieb er seine „Poems from Prison“, die ihn international bekannt machten und dazu beitrugen, dass Soyinka durch westlichen politischen Druck nach 22 Monaten Einzelhaft wieder entlassen wurde.32) 1986 wurde Soiynka als erstem Vertreter afrikanischer Literatur der Literaturnobelpreis verliehen. Letztlich orientieren sich auch heute noch viele Menschen in Nigeria mehr an ihrem Stamm und ihrer Volksgruppe als am Staat, der letztlich eine fremdbestimmte Heimat für so viele verschiedene Ethnien der Niger-Region ist. Der im Jahr 2000 verstorbene ehemalige nationale Direktor für Kultur, der Historiker Garba Ashiwaju, versuchte im Interview eine Erklärung für den noch immer anhaltenden Tribalismus: „Das Individuum muss auf seine eigene Volksgruppe zurückgreifen, es bleibt ihm gar nichts anderes übrig. Der Staat ist zu schwach, er bietet dem Einzelnen keinen Schutz. Europa benötigte mehr als 150 Jahre, um ein zuverlässiges Staatsbeamtentum zu entwickeln. Erst wenn wir solche staatlichen Strukturen aufgebaut haben, kann es sich der Einzelne überhaupt erst leisten, zu sagen, ich bin nicht Yoruba, Haussa oder Ibo, sondern Nigerianer!“ 33) 


ANMERKUNGEN:

1 ) Das Jahr 1960 gilt im Rahmen der Entkolonisierung ganz allgemein als „Afrika-Jahr“ oder auch „Afrikanisches Jahr“. Nicht weniger als 18 afrikanische Nationen wurden 1960 in die Unabhängigkeit entlassen, allein 14 davon waren ursprünglich Teil des französischen Kolonialreiches gewesen. Bis 1963 folgten weitere sechs Nationen, darunter Uganda, Kenia und Algerien.

2 ) Heute existieren in Nigeria mehr als 430 verschiedene Volksgruppen und Ethnien. Vgl. Der neue Fischer Weltalmanach 2012 (Frankfurt/M: Fischer 2011), S.358. Amtssprache ist Englisch und seit 1998 auch Französisch, was aber nicht praktiziert wird. Daneben existieren weitere acht so genannte nationale oder offizielle Sprachen. Für eine komplette Übersicht der mehr als 500 Sprachen und Dialekte Nigerias vgl. bei http://www.ethnologue.com/show_country.asp?name=ng.

3 ) Das Protektorat Nord-Nigeria ging aus dem ursprünglichen Konzessionsgebiet der Royal Niger Company hervor, das im Jahre 1900 von der britischen Krone übernommen wurde.

4 ) Vgl. zur Form der „indirect rule“ in Nigeria stellvertretend Akpe Udo Enoh: Die britische Kolonialherrschaft in Nigeria (Graz: Univ. Diss. 1976).

5 ) Lagos erhielt als britisches Verwaltungszentrum einen Sonderstatus.

6 ) Vgl. zum besonderen Status sowie Kultur und Geschichte der Igbo v.a. Dmitri van den Bersselaar, In Search of Igbo Identity. Language, Culture and Politics in Nigeria, 1900-1966 (Leiden: Univ. of Leiden 1998), hier speziell S.205-241.

7 ) Vgl. bei Axel Harneit-Sievers: Kriegsfolgen und Kriegsbewältigung in Afrika. Der nigerianische Bürgerkrieg 1967-70. Mit Beiträgen von Gesine Krüger & Frank Schubert (Hannover: Eigenverlag 1992), S.13; siehe dazu auch Philipp Hackl: Biafra-Aktion: Der Einsatz der österreichischen Sanitätskontingente in der Nigeria-Ostregion 1968-1970 (erscheint 2013 als Band 2 der Peacekeeping-Studien im Innsbrucker Studien-Verlag).

8 ) Die islamischen Wurzeln Nord-Nigerias, gepaart mit stark anti-westlichen, antikolonialen Komponenten, bilden heute den ideologischen Nährboden für die nigerianische Terrorgruppe Boko Haram. Allein ihr Name scheint Programm. Während der Begriff „Boko“ für das englische „book“ steht - eine Adaption des Stammes der Haussa - und damit Synonym für das (koloniale) lateinische Alphabet ist (im Gegensatz zum arabischen Alphabet, das an den Koranschulen Verwendung findet), bedeutet „Haram“ in der jugendlichen Alltags- und Umgangssprache so viel wie „Schande“, aber auch „(religiös) verwerflich, unstatthaft“. Zusammen ergibt das eine Übersetzung, die ungefähr dem Terminus „Westliche Bildung ist Sünde“ (taz, 20.7.2009), „Bücher sind Sünde“ (D. Johnson, taz, 27.7.2009) oder auch „Western education prohibited“ (BBC, 26.7.2009) entsprechen mag. Vgl. dazu Christoph Wagenseil, „Boko Haram - neue Semantiken im Spiegel ihrer Mediendeutungen“, unter http://www.remid.de/ blog/2011/07/boko-haram-neue-semantiken-im-spiegel-ihrer-mediendeutungen/, eingesehen am 26.6.2012.

9 ) Das wohl bekannteste Beispiel ist die vormals belgische Kolonie Kongo, die praktisch binnen eines Jahres nach ihrer Entlassung in die Unabhängigkeit (1960) in gleich vier verschiedene Teile zerfiel. An der in weiterer Folge auf Bitten der kongolesischen Regierung um Militärhilfe ins Leben gerufenen UNO-Operation beteiligten sich auch erstmals österreichische Einheiten. Vgl. dazu ausführlich Erwin A. Schmidl: Blaue Helme - Rotes Kreuz. Das österreichische UN-Sanitätskontingent im Kongo, 1960- 1963 (= Peacekeeping-Studien Band 1), (Innsbruck-Wien-Bozen: StudienVerlag 2010).

10 ) Aus österreichischer Sicht war Ironsi bedeutsam, weil er 1960 - als erster nigerianischer Offizier, der diese Funktion erreichte - Kommandant des 5. Bataillons des Queen’s Own Nigeria Regiment gewesen war. Dieses Bataillon war als nigerianisches UNO-Kontingent in der Provinz Kivu stationiert und befreite im Dezember 1960 das österreichische Sanitätskontingent in Bukavu aus kongolesischer Gefangenschaft. Dafür wurde Ironsi mit dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet.

11 ) Vgl. Hackl: Biafra-Aktion.

12 ) Die genaue Anzahl der Opfer ist umstritten und sicherlich auch Gegenstand damaliger Propaganda. Die Bundesbehörden Nigerias beispielsweise bezifferten die Anzahl der Getöteten auf 5.000-8.000 Personen, während biafranische Stimmen eine weitaus höhere Zahl nannten und in diesem Zusammenhang sogar von einem „Genozid“ an den Igbo sprachen. Die Zahl 30.000, die hier genannt wird, ist mittlerweile die in der Literatur am häufigsten genannte. Vgl. auch „Aktion Biafra“. In: Neue Zürcher Zeitung (NZZ), Nr. 154, 6. Juli 2007.

13 ) Vgl. bei John Oyinbo: Nigeria: Crisis and beyond (London: C. Knight 1971), S.70.

14 ) Vgl. Hackl: Biafra-Aktion.

15 ) Vgl. bei N. J. Miners: The Nigerian Army 1956-1966 (London: Methuen 1971), S.229.

16 ) Die biafranische Armee konnte so bis zum Oktober 1968 34.000 Mann nebst paramilitärischen Einheiten mobilisieren. Vgl. dazu Harneit-Sievers: Kriegsfolgen, S.32; sowie Hackl: Biafra-Aktion.

17 ) Carl Gustav Ericsson von Rosen war ein schwedischer Aristokrat, der sich engagiert für die Sache Biafras einsetzte. Berühmt wurde Rosen zunächst durch seine halsbrecherischen Einsätze als Versorgungspilot, als er mit Lebensmitteln beladene Transportflugzeuge auf Palmenwipfelhöhe unterhalb der nigerianischen Radarüberwachung nach Biafra flog. Rosen, durch die verzweifelte Situation der biafranischen Zivilbevölkerung mehr und mehr radikalisiert, kaufte 1969 über eine Briefkastenfirma fünf schwedische Saab-Trainermaschinen. Es handelte sich dabei um einmotorigeKleinflugzeuge der Firma Malmö Flugindustri - MFI-9B, die, zerlegt und als offizielle Lieferung für Tansania bestimmt, von Rosen und seinem Team in Gabun zusammengesetzt und mit Raketenwerfern ausgerüstet als so genannte „Biafra-Babies“ schließlich spektakuläre Einsätze gegen unterschiedlichste nigerianische Ziele flogen. Zahlreiche millionenteure MiG-Kampfflugzeuge wurden bei diesen Angriffen von den knapp je 10.000 USD teuren „Bausätzen“ am Boden zerstört und selbst Kraftwerke außer Gefecht gesetzt. Die für die nigerianische Seite jedoch schlimmste Konsequenz war, dass sich fortan zahlreiche ausländische Reeder weigerten, ob dieser neuen Gefahr der „Biafra-Babies“ die nigerianischen Erdöl- Verladehäfen anzulaufen, was zu einer empfindlichen Verringerung der nigerianischen Exporte führte. Vgl. dazu Christoph Gunkel/Robert Kluge: „Der Graf und die Raketen-Babies“, Beitrag unter SPIEGELONLINE http://einestages.spiegel.de/external/ShowTopicAlbumBackground/a5886/ l0/l0/F.html#featuredEntry, eingesehen am 16. Juli 2012. Vgl. dazu auch Sterling Seagrave: Die Glücksritter (Amsterdam: Time-Life 1982).

18 ) Vgl. dazu Axel Harneit-Sievers: Nigeria: Der Sezessionskrieg um Biafra. Keine Sieger, keine Besiegten - Eine afrikanische Erfolgsgeschichte? In: Rolf Hofmeier/Volker Matthies (Hrsg.), Vergessene Kriege in Afrika, (Göttingen: Lamuv 1992), S.277-318.

19 ) Vgl. u.a. bei Hackl: Biafra-Aktion.

20 ) Vgl. „250 Völker - aber keine Nation“. In: Die ZEIT, 21.2.1986, Nr. 9.

21 ) Vgl. „Rettung durch die Stockfisch-Bomber“. In: Der Spiegel 24/1969.

22 ) Vgl. Hackl: Biafra-Aktion.

23 ) Vgl. „Nigeria-Bürgerkrieg: Viel genauer“. In: Der Spiegel 27/1969.

24 ) Da das Außenministerium die Verwendung des Begriffes „Biafra“ vermied, wurde amtlich von der „Nigeria-Ostprovinz“ gesprochen. Das Aktionskomitee - de jure privat - verwendete dennoch immer wieder den Namen „Biafra Aktion“. Vgl. zu diesem Thema detailliert Hackl: Biafra-Aktion.

25 ) Die plötzlich höheren Erfolgsquoten der nigerianischen Luftangriffe, die sich bis 1969 mehr oder weniger in dilettantischen Angriffen auf (nichtmilitärische) Menschenansammlungen erschöpft hatten, führte das britische Blatt auf den Einsatz hochqualifizierter Piloten der NVA zurück. Vgl. „Nigeria Bürgerkrieg: Viel genauer“. In: Der Spiegel 27/1969.

26 ) Vgl. „Nigeria-Bürgerkrieg: Viel genauer“. In: Der Spiegel 27/1969.

27 ) Vgl. dazu Gernot N. Zieser: Die Propagandastrategie „Biafras“ im Nigerianischen Bürgerkrieg. 1967-1970. Eine Modell-Untersuchung zur interkulturellen Kommunikation zwischen Entwicklungs- und Industrieländern (Salzburg: Phil.Diss. 1970).

28 ) Vgl. zum Thema stellv. Lasse Heerten: A wie Auschwitz, B wie Biafra. Der Bürgerkrieg in Nigeria (1967-1970) und die Universalisierung des Holocaust, online unter http://www.zeithistorische-forschungen.de/site/40209178/default.aspx, eingesehen am 6.8.2012.

29 ) Vgl. dazu auch folgende Publikationen: Tilman Zülch, Klaus Guercke: Soll Biafra überleben? Dokumente, Analysen, Berichte, Kommentare (Berlin: 2. Aufl. Lettner 1969) weiters dies. Biafra. Todesurteil für ein Volk? (Berlin: Lettner 1968) sowie Tilmann Zülch: Die Republik Biafra: eine politische Realität (o.O: 1969).

30 ) Vgl. „Aktion Biafra“. In: Neue Zürcher Zeitung (NZZ), Nr. 154, 6. Juli 2007.

31 ) Vgl. ebd.

32 ) Vgl. dazu auch Akinwande Oluwole Soyinka: Der Mann ist tot. Aufzeichnungen aus dem Gefängnis (Autobiographie 1968-1969), (Zürich: Ammann 1987).

33 ) Vgl. „250 Völker - aber keine Nation“. In: Die ZEIT, 21.2.1986, Nr. 9.