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Das Dialogforum IBSA

Die Süd-Süd-Kooperation zwischen Indien, Brasilien und Südafrika

Johannes Maerk/Heinz Nissel

 

Innerhalb der letzten beiden Jahrzehnte entfalteten sich neue Formen und Wege der Süd-Süd-Kooperation. Das bekannteste dieser Dialogforen stellt BRICS dar, die Kooperation zwischen Brasilien, Russland, Indien, China und (seit April 2011) Südafrika. Die Gruppierung BASIC - Brasilien, Südafrika, Indien und China - fiel mehrfach durch die gemeinsame Verweigerungshaltung bei internationalen Treffen, insbesondere Klimakonferenzen auf. Neben BRICS und BASIC stellt das Kooperationsforum IBSA eine weitere Plattform des gegenseitigen Austausches dar, eine Gruppierung der wichtigen Schwellenländer und (wahrscheinlich) zukünftigen Großmächte Indien, Brasilien und Südafrika. Die drei Staaten verstehen sich als Bewahrer von Demokratie und Menschenrechten, treten international für freie Marktwirtschaft ein, besitzen jeweils große Bevölkerungen mit junger demographischer Struktur und ethnischer wie kultureller Diversität. Geopolitisch stellen sie bereits heute die Führungsmächte in ihren jeweiligen Weltregionen dar - in Südasien, Südamerika und (im südlichen) Afrika. Daneben existieren etliche regionale Organisationen für Afrika, Asien und Lateinamerika, etwa die Afrikanische Union (AU), die Association of Southeast Asian Nations (ASEAN), die Südasiatische Vereinigung für regionale Zusammenarbeit (SAARC), der gemeinsame Markt Südamerikas MERCOSUR, wie auch viele weniger geläufige, z.B. die Indian Ocean Rim Association for Regional Cooperation (IOR-ARC) oder die Mekong Ganga Cooperation Initiative (MGC). Interkontinentale Querverbindungen stellen Treffen zwischen Afrika-Südamerika (ASA) oder den Arabischen Staaten - Südamerika (ASPA) her. Diese vielfältigen Süd-Süd-Kooperationen starteten nahezu alle aus ökonomischen Erwägungen zur Ausweitung wie Vertiefung von Handelsbeziehungen. Daraus entwickelte sich der Ansatz gegenseitiger, ergänzender Unterstützung in Produktion und Konsumption, Ressourcenaustausch, technologischer und wissenschaftlicher Zusammenarbeit, kurz, die Schaffung einer Win-Win-Situation durch Synergieeffekte zwischen den beteiligten Ökonomien des Südens. Diese neue Achse wird überwiegend positiv beurteilt, gerade auch durch Experten der Weltbank oder der Welthandelsorganisation (WTO). Kritiker hingegen sehen die verstärkte Süd-Süd-Kooperation als Neuauflage der Nord-Süd-Relationen, wenn Brasilien, Indien und vor allem China zu neuen Großmächten mutieren, die ihrerseits der Masse der schwächeren Entwicklungsländer ihre Bedingungen aufdrücken. Der Wettlauf dieser drei Staaten um die Ressourcen und Märkte in Afrika scheint dies zu bestätigen. Für die Least Developed Countries (LDC´s) des Südens wiederum ist die Annahme verführerisch, dass die ökonomische Schieflage bei der Inanspruchnahme von Hilfsleistungen zumindest nicht durch westliche Befindlichkeiten wie die Einhaltung von Demokratie und Menschenrechten zusätzlich beschwert wird. Der vorliegende Beitrag greift das Dialogforum IBSA zwischen Indien, Brasilien und Südafrika auf, dessen Tragfähigkeit derzeit kontroverse Beurteilungen erfährt. Während die einen den langsamen, stillen Tod durch das Aufgehen in BRICS prophezeien, sehen andere für IBSA eine glänzende Zukunft durch das Festhalten an gemeinsamen Werten und Orientierungen (wie demokratisch-pluralistische Regierungsform, multikulturelle Inklusion, Süd-Süd-Kooperation), während die einzige Gemeinsamkeit der BRICS (bei fundamentalen Unterschieden zwischen ihren Mitgliedern) in ihrer Gegenposition zur Hegemonie des Westens liegen dürfte. Im deutschen Sprachraum ist IBSA im Gegensatz zur internationalen Rezeption und zu BRICS bisher wenig reflektiert worden, deshalb wollen die Autoren zuerst die Entstehungsgeschichte und den aktuellen Stand von IBSA darlegen, dann auf das Profil und die Organisation eingehen. Hinsichtlich der Aktivitäten sollen der innovative Entwicklungsfonds der IBSA sowie die wechselseitige Ausweitung der Handelsbeziehungen näher beleuchtet werden. Ein weiterer Abschnitt widmet sich dem Verhältnis von IBSA und BRICS, dem derzeit wohl auffälligsten Gegengewicht zu den etablierten Mächten auf der internationalen Bühne. Mit der erfolgreichen Einrichtung gemeinsamer Marinemanöver im Verbund IBSAMAR (India-Brazil-South Africa Maritime) schließlich zeichnet sich über die trilaterale Zusammenarbeit hinaus eine neue Gewichtung globaler geopolitischer Zukunftsszenarien ab.

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