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Visum est spectaculum 
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Die Gladiatorenspiele im Wechselspiel mit Militär und öffentlicher Sicherheit (Teil 1)

Christoph Ebner

 

Das Verhältnis der römischen Legionen zur „Unterhaltungsindustrie“, besonders den Gladiatorenspielen, erschöpfte sich keineswegs in der Muße der Soldaten und der räumlichen Verbindung von Lagern und Arenaovalen. Im Gegenteil manifestierte sich die durchwegs wechselhafte Beziehung u.a. etwa im Eid des Gladiators, der sich an demjenigen des Legionärs orientierte, wie auch an dem sehr unterschiedlichen Nutzen, den Feldherren und Kaiser besonders auch in Krisenzeiten aus der Spielewirtschaft zogen. Dem gegenüber stand eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit, festzumachen an der Vielzahl waffenfähiger Männer in den Gladiatorenschulen, die ihr Bedrohungspotenzial und auch ihre zerstörerische Kraft im Spartacus-Aufstand erstmals der breiten Öffentlichkeit vor Augen führten. Die nachfolgenden Betrachtungen sollen daher die Entwicklung der Gladiatur und ihre wechselvolle Beziehung zum Militär wie auch ihren Einfluss auf die römische Sicherheitspolitik zumindest in Grundzügen anschaulich machen. Die ersten schriftlich dokumentierten Fechtspiele, die im Jahr 264 v.Chr. in Rom veranstaltet wurden, hatten den Charakter von Totenopfern, dargebracht im Rahmen von Leichenfeierlichkeiten der gesellschaftlichen Eliten. Die Protagonisten, die bei den Scheiterhaufen bzw. nach den Bestattungen kämpften, waren laut Tertullian, einem christlichen Apologetiker am Übergang vom 2. auf das 3. Jahrhundert n.Chr., Kriegsgefangene und mali status servi, Sklaven von schlechter körperlicher Gestalt. Gerade letztere versprachen in einer Gesellschaft, die in der Bearbeitung von Grund und Boden ihr Auskommen und durchaus auch Reichtum fand, keinen unmittelbaren Nutzen mehr. Sie konnten daher von ihren Herrn ohne Bedenken wirtschaftlicher oder humanitärer Art in einem Kampf auf Leben und Tod „geopfert“ werden. Diese Auswahl an Fechtern lässt allerdings vermuten, dass das Publikum keinesfalls mit hochstehender Kampfkunst verwöhnt wurde. Inhalt und auch Zweck der „Spiele“ war vielmehr das blutige Opfer. Bis in die Kaiserzeit verloren die speziellen Leibwachen, in denen auch immer wieder Gladiatoren aufscheinen, jedoch keineswegs vollkommen an Bedeutung. So erwähnt etwa Tacitus, dass sich Provinzstatthalter Gladiatorentrupps hielten, die sie zweifellos benötigten, um vor Ort Spiele veranstalten zu können. Zwar konzentrieren sich diese Berichte auf die Provinzen, die Tradition, dass sich Adelige und gar Kaiser auch in Rom selbst noch mit einer Leibwache aus Gladiatoren umgaben, lässt sich allerdings bis ins 4. Jahrhundert n.Chr. verfolgen. Ein Gesetzestext aus dem Jahr 397 n.Chr. zeigt, dass sogar noch in der Spätantike ehemalige Arenakämpfer in den Dienst von Senatoren traten, was von Kaiser Honorius schließlich aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und zur Stärkung der Autorität der Stadtverwaltung verboten wurde.. Neben dem militärischen Einsatz von Gladiatoren verdienen schließlich auch noch andere Parallelen und Wechselwirkungen beider Sphären eine genauere Betrachtung.

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