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So beobachtete beispielsweise Olga Kryschtanowskaja (Leiterin des Zentrums für Eliten-Studien am Institut für Soziologie der Russischen Akademie der Wissenschaften) einen starken Zuwachs in der Zahl von „Personen mit Dienstgradabzeichen“ in der russischen Elite (vgl. TabAbb. 1).

 

Tabelle 1: Charakteristika der russischen Elite

Charakteristika der Elite

Elite unter Jelzin

1993, %

Elite unter Putin

2003, %

Anteil von Soldaten und Offizieren der Sondereinheiten

11,2

25,1

Anteil von Personen aus wirtschaftlichen Kreisen (die direkt aus privaten Unternehmen in die Politik gekommen sind)

1,6

11,3

Anteil von Landsleuten des Präsidenten (Personen aus St. Petersburg)

13,2

21,3

Anteil von Frauen

2,9

1,7

Anteil von Personen mit einem postgradualen Abschluss

52,2

20,9

 

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Kryschtanowskaja schreibt: "Alle Zweige und Ebenen der Macht werden von Soldaten durchdrungen, die in unterschiedlichen Gruppen innerhalb der Elite zwischen 15% und 70% konstituieren… So machten beispielsweise Militärangehörige 35% der in den Jahren 2000 bis 2003 ernannten stellvertretenden Verteidigungsminister aus. Der höchste Anteil an Militärangehörigen im Range von stellvertretenden Ministern findet sich im Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung, im Ministerium für Industrie, Wissenschaft und Technologie, im Ministerium für Informationstechnologie und Kommunikation, in der Bundesbehörde für Presse und Massenkommunikation sowie im Justizministerium."2)

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Aufgrund dessen hatte es sich herausgestellt, dass die Militär-Elite nicht länger ein integraler Bestandteil der politischen und wirtschaftlichen Strukturen des neuen Russlands war. Nichtsdestoweniger untermauert die Übertragung entscheidender Funktionen ans Militär (die Streitkräfte) durch die politische Elite die Bedeutung des Militärs in Russland.

 

 

Die Generalstabsakademie – die „Alma Mater“ für militärische Kader höchster Qualifikation: Ihre Stellung und ihre Rolle im System der militärischen Ausbildung in Russland

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Die Wertigkeiten der Offiziers-Kadetten stimmen mit der Verteilung der Wertigkeiten des gesamten Offizierskorps überein, wie Tabelle Abbildung 2 zeigt.

Tabelle 2: Verläufe der Wertigkeiten des Offizierskorps (1989 – 2008)

Wertigkeiten

1989*

1993*

1996*

2000**

2004**

2008**

Militärständisch

87

69

67

79

76

75

Materiell und pragmatisch

13

29

33

21

24

25

 

Anmerkungen zu Tab. 2:

* Untersuchungsergebnisse von Soloviev, S. Transformatsiya tsennostei voennoi slyzby [Transformation of values of military service [Die Transformation von Werten im Militärdienst]] // Sotsiologitcheskie issledovaniya, 9 (1996): pp. 17-25).    

** laut eigener Untersuchung

 

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Ein weiteres Charakteristikum der Werthaltungen von Offiziers-Studenten ist deren Beurteilung russischer Militärführer und Kommandanten der Vergangenheit: Für die Mehrzahl der Akademie-Absolventen stellen militärische Befehlshaber des Großen Vaterländischen Krieges Paradebeispiele beruflicher und militärischer Pflichterfüllung dar. Dabei handelt es sich in erster Linie um Marschalle wie Georgi Schukow (20,0 - 39,5%), Konstantin Rokossowksi (18,0 - 23,9%), Alexander Wassilewski (3,4 - 9,3%) und Generalissimus Josef Stalin (1,1 - 5,6%); für Marine-Offiziere darüber hinaus auch Flottenadmiral Nikolai Kusnezow (2,3 - 7,4%). In Hinblick auf militärische Befehlshaber vorangegangener Epochen führt Generalissimus Alexander Suworow die Liste an (9,0 - 19,9%).

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Die Verbesserung des Lebensstandards der Offiziere sowie der Einsatz finanzieller Anreize, kombiniert mit dem Appell an die patriotischen Gefühle der Offiziere, hilft dabei, diese zu einem gehorsamen Instrument für die ambitionierten Pläne und Vorhaben der „tschekistischen“ Anführer, die aktuell an der Macht sind, zu machen. Das ist die Essenz der gegenwärtigen Evolution der Militär-Elite im modernen Russland.

 

 

Biographie des Autors

Igor V. Obraztsov, PhD (Soziologie), diente 25 Jahre lang als Berufsoffizier (Oberst im Ruhestand). Von 1993 bis 1995 war er Senior Researcher am Zentrum für militär-soziologische, politische und juridische Studien der Streitkräfte der Russischen Föderation sowie im Bereich der militär-soziologischen Sektion der Hauptabteilung für Bildungsarbeit der Streitkräfte. Von 1996 bis 2004 war er Assistenz-Professor für Soziologie an der militärisch-gesellschaftswissenschaftlichen Abteilung der MAGS. Aktuell hat er die Position des Leiters der Abteilung für Soziologie an der Moskauer Staatlichen Universität für Linguistik inne. Er hat umfangreiche Publikationen zu zivil-militärischen Beziehungen verfasst.

 

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ANMERKUNGEN:

1 )I.V. Obraztsov, Department of Sociology, Moscow State Linguistic University, Ostozhenka str. 38, 119034, Moscow, Russia e-mail: igorobraztsov@rambler.ru

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