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Gesellschaft, Raum und Macht

Aufgaben, Defizite und Neues zur Kritischen Geopolitik (Teil 1)

Heinz Nissel

 

Dieser Beitrag ist als Follow up zu meinem einführenden Aufsatz in ÖMZ 1/2010 zu verstehen.[1])

Ist es sinnvoll und notwendig, dieses Thema nach vier Jahren erneut aufzugreifen? Ja, und dies aus mehreren Gründen.[2]) Einerseits ist die klassische, d.h. deterministische Geopolitik noch immer nicht tot, sondern feiert in einer Reihe von europäischen Think Tanks eine Renaissance, wie erst jüngst vom Geschichtsphilosophen Hauke Ritz (2013) heftig kritisiert.[3]) Allerdings schüttet er das Kind mit dem Bade aus, wenn er feststellt: „Die Geopolitik ist eine Disziplin, die seit jeher von den Militärs betrieben wird und somit eine Form von Kriegskunst darstellt.“ [4]) Dies kann bestenfalls für Zeiten und Räume akzeptiert werden, in denen auch die politische Macht durch das Militär ausgeübt wird. In demokratisch verfassten Staaten gelten der Primat der Politik und die Weisungsgebundenheit der Militärs. Der „Kriegskunst“ geht die Staatskunst voraus. Eines eint jedoch die Semantik dieser obskuren Zirkel politischer Phantasten wie ihrer Kritiker - sie verharren in Denkmustern, die längst obsolet geworden sind. Sie ignorieren völlig die Existenz wie die „Aufdeckerfunktion“ der Kritischen Geopolitik. Die „Österreichische Militärische Zeitschrift“ ist aus der Sicht des Autors der richtige Ort, um diesen Ansatz der Politischen Geographie über das engere Fachverständnis hinauszutragen und zur Diskussion anzuregen.

Dieser Aufsatz möchte erneut gegen die zeitgeistige, oberflächliche Anwendung des Terminus „Geopolitik/geopolitisch“ angehen[5]) und wird deshalb die Leistungen, jedoch auch die Schwächen der dagegen ankämpfenden Kritischen Geopolitik aufzeigen. Zum anderen hat sich in den vier Jahren seither in der deutschen Politischen Geographie vieles getan. Deshalb soll die jüngste Entwicklung des Faches kurz vorgestellt werden. Ebenfalls in nur knapper Ausführung geht es dann noch einmal um die Anliegen und Methoden der Kritischen Geopolitik, einem ihrer Hauptforschungsbereiche. Ihre Ziele und Arbeitsweisen werden an unterschiedlichen - alten wie aktuellen - „geopolitischen Leitbildern“ festgemacht. Da sich die postmoderne Politische Geographie der konstruktivistischen Perspektive verschrieben hat, wird die Dekonstruktion geopolitischer Leitbilder in den Fokus gerückt. Es folgt dann eine Analyse der Entwicklungen und Veröffentlichungen der jüngsten Jahre in der Kritischen Geopolitik sowohl im deutschen Sprachraum wie im tonangebenden anglo-amerikanischen Forschungsumfeld. Der Beitrag schließt mit kritischen Hinweisen auf theoretische Schwachpunkte des Ansatzes und mögliche Entwicklungslinien in der Zukunft.

 

Zum Stand der deutschen Politischen Geographie

„Mögest du in spannenden Zeiten leben.“ Dieser alte chinesische Fluch ereilt uns heute tausendfach - ja, wir leben in spannenden Zeiten, und dies ist auch für Forschung und Lehre in der Politischen Geographie Ansporn und Verpflichtung zugleich. Jahrzehntelang blieb sie aufgrund der unseligen Verstrickungen in die Kriegsrhetorik von Kolonialismus und später Nationalsozialismus innerhalb der Geographie verfemt und außerhalb vergessen wie ihre „hässliche Schwester“ (die klassische Geopolitik). Dieses Stadium prolongierter Lähmung wird etwa durch die Tatsache belegt, dass die Einführung in das Fach durch den Amerikaner Prescott in deutscher Übersetzung 1975[6]) erstmals aufgelegt wurde, da damals überhaupt kein vergleichbares Studienbuch existierte. Zwei Taschenbücher, die noch weitgehend im Tradierten verhaftet waren, folgten durch Ulrich Ante (1981) und Klaus-Achim Boesler (1983).[7]) Noch in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre konnte Klaus Kost[8]) von einem „Kümmerdasein“ sprechen oder Jürgen Oßenbrügge[9]) von einer „ins Unbedeutende abgerutschten Teildisziplin“. Im anglo-amerikanischen Fachverständnis hingegen wurde die Tradition politisch-geographischer und geopolitischer Anliegen und Fragen nie unterbrochen. Deshalb gehört die Politische Geographie dort nicht nur zu den wichtigsten Säulen der Humangeographie, sondern hat im Verlauf von Dezennien, immer an der Forschungsfront agierend, durchgängig als „intellektuelle Speerspitze“ eine bedeutende Anzahl hervorragender Köpfe des Faches angezogen.

Die Rezeption im deutschsprachigen Raum Europas gedieh lange nur zögerlich. Oßenbrügges Übertragung anglo-amerikanischer Ansätze („Politische Geographie als räumliche Konfliktforschung“) 1983 blieb lange die Leistung eines Einzelnen. Aus meiner persönlichen Sicht ist schon der Terminus „Politische Geographie“ unglücklich gewählt. Er impliziert eine Geographie, die selbst politisch ist, dagegen geht es klarerweise um (mögliche) Wechselwirkungen von Politik und Geographie. Leider ist dieser Terminus technicus seit Jahrzehnten eingespielt und, beobachtet man die Konferenz- wie Publikationstätigkeit, nicht mehr rückgängig zu machen. Was die Geopolitik betrifft, so wurde ihr von Seiten der deutschen Politischen Geographie nach 1945 bis etwa 2000 jegliche Wissenschaftlichkeit rundweg abgesprochen,[10]) und dies nicht zuletzt als Funktion politischer „Weißwäscher“ in der Nachkriegsära. Es sollte vergessen machen, dass im Dritten Reich hunderte Geographen als Wendehälse blitzartig zu selbsternannten Geopolitikern mutierten und in der Haushofer’schen Zeitschrift für Geopolitik mit ihren Beiträgen dominierten.

Erst beginnend um die Jahrtausendwende wurden wichtige Ansätze (radical geography, handlungszentrierte Analysen, critical geopolitics, Kritische Geographie, Diskursanalysen) zuerst vereinzelt aufgegriffen und dann in recht kurzer Zeit v.a. von der jüngeren Generation rasch rezipiert. Pionierarbeit leisteten Paul Reuber und Günter Wolkersdorfer (Heidelberg, später Münster). 2000 erfolgte die Gründung des „Arbeitskreises Politische Geographie“, der regelmäßig Tagungen und Workshops an Universitäten des deutschen Sprachraums organisiert.

Auf Deutschen und Internationalen Geographentagen hat sich die Subdisziplin der Politischen Geographie gut positioniert. In einer Reihe von Instituten der Geographie in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist sie heute vertreten, fix in Studienplänen verankert und in der Forschung angesehen. Neben Beiträgen in den renommierten Fachzeitschriften der Geographie insgesamt wie in Schriftenreihen von Instituten haben sich zusätzlich eigene Publikationsreihen entwickelt: „Forum Politische Geographie“ und „Raumproduktionen“, die Theoriediskussionen und empirische Befunde „für Fortgeschrittene“ anbieten. Mit diesen wenigen Anmerkungen sollte eines klar geworden sein - die Politische Geographie ist wieder da, sie hat sich zu einem führenden Teilgebiet der Humangeographie entwickelt. Ihre Forschungen und Ergebnisse zum „diskursiven Dreieck“ Gesellschaft-Raum-Macht geben auch für Nachbardisziplinen food for thoughts (Soziologie, Raumforschung, Internationale Politik usw.). Sie hat auch wieder Anschluss gefunden an internationale (jedoch dominierend US-amerikanische) Standards.

Trotzdem mussten nahezu 30 Jahre (!) vergehen, ehe nach Ante und Boesler wiederum ein Lehrbuch in deutscher Sprache vorliegt: Paul Reuber: „Politische Geographie“ (2012).[11]) Nun ist es möglich, viele bisher verstreute Puzzleteile von Theorie und Praxis zu ordnen und zu analysieren. Und es ist ein wichtiger Anstoß für den Autor, diese „Nachlese“ zum Aufsatz in ÖMZ 1/2010 zu versuchen. Dies gilt auch für zwei wegweisende Kongresse im August 2012,[12]) die hier (weiter unten) ebenfalls zur Sprache kommen. Das Untersuchungsobjekt der Politischen Geographie, ihre Theorien und Methoden haben sich jedenfalls grundlegend verändert. Das „realistische“ Politik-Raum-Verständnis ist obsolet geworden. Es wurde eine Entwicklungslinie vom Realismus zum Konstruktivismus vollzogen.

In Deutschland und international haben sich vier politisch-geographische Forschungsperspektiven herauskristallisiert (siehe weiter unten). Zwischen der klassischen, der modernen und der postmodernen Politischen Geographie und Geopolitik existiert aber kein geradliniger Strom der Entwicklung, sondern einer mit Brüchen und Diskontinuitäten. Die alten oder veralteten Muster sind nicht völlig verschwunden, sondern tauchen - oft in modernisierter Form oder verkleidet - immer noch auf (in der Politikberatung, in der langen „Raumvergessenheit“ der Vertreter des Faches Internationale Politik, in einer Soziologie, die das Räumliche nur als Container begriff, in dem sich die Sozialbeziehungen formieren usw.). Darüber hinaus existieren spezifische regionale Entwicklungen wie etwa in den Rahmungen einer französischen oder indischen Geopolitik, die hier ebenfalls ausgeklammert bleiben. Der Mainstream liegt in allen diesen Varianten heute auf Ansätzen konstruktivistischer Basis. Das Thema schlechthin ist die Analyse der machtvollen Rolle, die Raumkonstruktionen und Raumproduktionen der Gesellschaft in allen Bereichsebenen vom Lokalen bis zu Weltsystemen spielen.

Kritische Geopolitik - erster Einstieg

Was ist unter Kritischer Geopolitik zu verstehen? Zur Erklärung scheint ein weiteres Ausholen unvermeidbar. Offensichtlich muss es um eine Kritik an wie auch in der Geopolitik gehen. Der Name entspricht dem englischen Pendant Critical Geopolitics, das bis über das Jahr 2000 auch im Deutschen bevorzugt verwendet wurde, um jegliche Nähe zur deterministischen Geopolitik alten Stils zu vermeiden. Übte sich die deutsche Politische Geographie nach dem Zweiten Weltkrieg, wie angedeutet, über Jahrzehnte in der Abwehr der „unwissenschaftlichen Geopolitik“, um die Schatten des Nationalsozialismus zu verdrängen, hatten die Kriegsgewinner, allen voran die USA, keine Berührungsängste mit der Thematik. Etwa zur Jahrtausendwende setzte sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass sich die Politische Geographie damit um für sie wesentliche Forschungsbereiche brachte, da es sich um „zwei Seiten einer Medaille handelt“.[13]) Im heutigen Verständnis stellt die Kritische Geopolitik neben der handlungstheoretischen geographischen Konfliktforschung eine der beiden Hauptrichtungen der postmodernen Politischen Geographie dar und gilt in vielen Fragestellungen als forschungsleitende Subdisziplin. Dieses Aufkommen hängt mit den fundamental veränderten gesellschaftlichen und erkenntnistheoretischen Rahmenbedingungen zusammen: Verstärkung globaler und lokaler Wirkungen auf Kosten von Nationalstaaten (welche die Kernelemente der alten geodeterministischen Politischen Geographie bildeten), die „Entlarvung“ traditioneller Werte als große Meta-Erzählungen,[14]) die Pluralisierung sozialer Strukturen im Sinn der Bourdieu’schen „feinen Unterschiede“ usw.

Die Politische Geographie der Postmoderne stellte sich diesen grundlegenden Veränderungen und entwickelte vier Forschungsperspektiven: zunächst die Radical Geography, die noch ideologiekritisch der Deutung von Strukturen der Weltsysteme verpflichtet war, gefolgt von einer handlungsorientierten geographischen Konfliktforschung, die bei den kleinsten Einheiten politischer Handlungen ansetzt, bei den Akteuren, die nun in einer Mehrebenenanalyse (vom Lokalen bis zum Globalen) neue Raum- und Verhaltensdeutungen ermöglichen. Der entscheidende Impuls für die dritte, zeitlich darauf folgende Richtung kommt aus der Linguistik, die den konstruktiven Charakter von „Wahrheit“ oder „Wirklichkeit“ aufgreift. Für die Enttarnung als bisher unantastbar erachteter Werte, Normen, Verhaltensweisen dienen Sprache und Sprachmuster sowie die davon abgeleitete „Macht der Diskurse“ (Foucault).[15]) Daraus entwickelte sich die postmodern-konstruktivistische Schule der Kritischen Geopolitik. Als jüngstes Kind sind noch die poststrukturalistischen Ansätze zu nennen, die diskurs- und gouvernementalitätstheoretische Konzepte entwickeln. Sie sind aus der Diskursanalyse in der Kritischen Geopolitik erwachsen, gehen aber weit über diese hinaus, da sie alle Maßstabsebenen vom Lokalen bis zum Globalen aufgreifen. Ein Eingehen auf diese Konzepte würde aber den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Jedoch: Diese vier Hauptstränge stellen nur analytische Fokussierungen dar, sie sind miteinander theoretisch wie empirisch verknüpfbar. Ihre Methoden sind unterschiedlich, die Zielsetzung hingegen bleibt gleich, nämlich die Ausdeutung des diskursiven Dreiecks Gesellschaft, Raum und Macht.[16]) Der Autor ist der Überzeugung, dass dies auch der Kern einer „Geopolitik der Postmoderne“ ist oder sein muss, insofern diese die theoretische und methodische Weiterentwicklung der Politischen Geographie annimmt wie internalisiert (...“zwei Seiten einer Medaille“).

Kritische Geopolitik versteht sich nicht per se als gesellschaftskritisch, sondern als eine konzeptionell andere Weise zu denken und vermeintliche Sicherheiten als Schein zu entlarven. Sie entwickelte sich auch im Widerstand zur New Geopolitics der 1980er-Jahre in den USA. Wollte die New Geopolitics der Reagan-Ära die weltweiten amerikanischen Ansprüche legitimieren, so führte die innergeographische Debatte zur paradigmatischen Wende hin zum Konstruktivismus.

Noch einmal Foucault - die großen Erzählungen im Gefolge der Aufklärung bildeten niemals die Wirklichkeit ab, sondern privilegierte Diskurse spezifischer sozial und historisch situierter Gruppen.[17]) Deshalb sei die Frage nach „Wirklichkeit an sich“ falsch, es gehe vielmehr darum, wie „Sinn“ oder „Wahrheit“ geschaffen werden. Die Philosophie der Moderne definierte Wahrheit als objektiv, ahistorisch, transkulturell und rational. Jene der Postmoderne verwirft alle diese Kategorien und ersetzt den Wahrheitsbegriff durch den Diskursbegriff. Das bedeutet de facto, Wahrheit, Geschichte usw. sind nicht mehr Grundlage aufklärerischer Deutungsmacht, sondern ihrerseits zu erklärende Variablen.

Es ist die Sprache, die gesellschaftliche Machtbeziehungen vermittelt und legitimiert. Sie wird zum „Dispositiv der Macht“. Nicht die „Wirklichkeit“ schafft die Sprache, sondern umgekehrt erschafft Sprache als diskursive Formation unsere (jeweilige) Wirklichkeit bzw. unsere Vorstellung davon. Der öffentliche Diskurs leitet die Regeln unseres Denkens, Sprechens und Handelns. Nicht einer, sondern eine Vielzahl von Diskursen (historisch wie politisch relativiert) bestimmen Wissen, Macht und die Verbindungen zwischen diesen. Außerhalb der Diskurse existiert nichts - z.B. keine Wertfreiheit wie im soziologischen Positivismus. Es gibt keine Metatheorie, welcher Diskurs „wirklichkeitsnäher“ ist als ein anderer Diskurs. Fazit: Jede Form von Wissen ist sozial konstruiert, subjektiv, in Relation zum kulturellen, historischen, sozialen Umfeld des „erkennenden Subjekts“. Ein Diskurs ist damit eine gesellschaftliche Praxis der Kommunikation, wobei Diskursanalysen eine heterogene Vielfalt von Verfahren aufweisen (siehe dazu ausführlich Glasze und Matissek, 2009).[18])

Ziele und Methoden

Die Kritische Geopolitik begreift vor diesem philosophischen Hintergrund ihren Forschungsansatz als konstruktivistische Wende wie auch in anderen Geistes-, Kultur- und Gesellschaftswissenschaften. Raumeinheiten in der Politik beruhen nicht auf „natürlichen“ Faktoren wie etwa physisch-geographischen Trennlinien oder „quasi-natürlichen“ Einheiten (etwa historisch über längere Zeit unveränderte Grenzziehungen), sondern auf gesellschaftlichen Diskursen und Aushandlungsprozessen. Ihre Aufgabe ist es nun herauszufinden, wie geopolitische Vorstellungen mittels Sprache, Karten, Bildern, Filmen „erzeugt“ werden, sei es in der Wissenschaft, im politischen Alltag, in den Medien, letztlich in den „Köpfen“. In allen Auseinandersetzungen, Konflikten und Kriegen werden die Entscheidungen und Handlungen der Akteure dadurch ebenso beeinflusst wie dessen Beurteilung durch die jeweilige Öffentlichkeit. Derek Gregory prägte dafür 1994 den Begriff „geographical imaginations“,[19]) in der Kritischen Geopolitik hat sich dafür der Terminus „geopolitische Leitbilder“ eingebürgert. Geopolitik wird so als diskursive Praxis verstanden, die räumliche Ordnungsmuster der Politik erst produziert, oder - besser - konstruiert. Über raumbezogene Diskurse in geopolitischen Leitbildern werden ein „Wir“ und „die Anderen“ konstruiert. Konkurrierende (geo)politische Leitbilder unterschiedlicher politischer Akteure prallen damit aufeinander, können in Aushandlungsprozessen zum Interessenausgleich führen oder gegenteilig zur Verfestigung von Feindbildern.

Im wissenschaftlichen Diskurs der Sozialwissenschaften wurde der Raum lange nur als Restkategorie menschlichen Verhaltens und Agierens gesehen, als Container, als Distanzmatrix, als Kostenfaktor etc. Aber Raum ist weitaus mehr (Reuber 2012, 164)[20]): „Er verkörpert eine Symbolik der Macht, eine unsichtbare Topographie soziopolitischer Bedeutungen, die Form und Verlauf von Konflikten massiv beeinflusst und aus Sicht der politisch-geographischen Analyse damit oft einen wesentlichen Schlüssel für das Verständnis der Auseinandersetzungen darstellt. Geopolitik ist aus dieser Perspektive die Konstruktion geopolitischer Leitbilder, das heißt konkret die sprachliche, kartographische und bildliche Inszenierung raumbezogener Gegensätze des Eigenen und des Fremden auf globaler Ebene.“

Der Ansatz der Kritischen Geopolitik kann in konzentrierter Form so dargelegt werden (Reuber 2002)[21]):

Forschungsgegenstand ist die Dekonstruktion geopolitischer Diskurse und Leitbilder sowie ihrer bildhaften Repräsentationen.

Forschungsmethoden sind sprachanalytische Verfahren, v.a. die Diskursanalyse und hermeneutische Verfahren der Textanalyse (qualitative Inhaltsanalysen, biographische Methode usw.) sowie semiotische Verfahren der Bild-, Foto- und Karteninterpretation.

Forschungsziele sind die Dekonstruktion vorhandener Konstrukte in der Offenlegung der inhaltlichen Argumentationen und die Offenlegung ihrer latenten Funktion als machtpolitische Instrumente in den geopolitischen Konflikten von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

In der klassischen Geopolitik diente die Geostrategie zur praktischen Umsetzung von Machtpolitik. Sie suchte eine Optimierung des Wissens um „raumrelevante Tatsachen“ für die je eigenen Absichten (etwa in der Logik unabwendbarer Eroberung und Sicherung von Kolonien). Für die im 19. Jahrhundert aufgekommenen Nationalstaaten galt: ohne abgegrenztes Territorium keine Staatssouveränität, kein Herrschaftsanspruch. Aus heutiger Sicht können wir sagen: Das wichtigste Instrument klassischer Geopolitik und Geostrategie war immer die Konstruktion von Territorien und Grenzen und damit die Zweiteilung von Räumen in Eigenes und Fremdes, in ein Freund/Feind-Schema. Dies zieht sich wie ein roter Faden durch die geopolitischen Diskurse vom Gegensatz zwischen Land- und Seemächten bei Mackinder bis zu Huntingtons „Clash of Civilizations“ oder Barnetts Regionalisierung der Welt in Kern und Lücke(n).

Die Aufdeckung geopolitischer Konstruktionen ist das generell akzeptierte wichtigste Anliegen der Kritischen Geopolitik. Ein nahezu gleich wichtiges Thema ist die Suche nach den Produzenten geopolitischer Leitbilder, die über Krieg und Frieden entscheiden. Es geht um die Gruppe der Meinungsbildner und Praktiker der Macht wie intellectuals of statecraft, spin doctors, think tanks usw., deren Expertisen die Politiker jeglicher Couleur massiv beeinflussen. Eine wesentliche Rolle spielen auch die Medien bei der Verbreitung und Vertiefung geopolitischer Leitbilder in der breiten Öffentlichkeit. Als Beispiel sei nur die Wirkung der täglichen CNN-Reports im Ersten Golfkrieg 1991 angeführt, als täglich eine Quasi-Wirklichkeit auf den Bildschirmen der US-Bürger inszeniert wurde, die nur bedingt die realen Ereignisse widerspiegelte. Die mediale Reduktion der Schrecken des Krieges auf eine Star-Wars-Inszenierung wird seither CNN-Effekt genannt. Der Realraum der Kriegshandlungen ist zwar nicht verschwunden, wurde aber zu einem abstrakten und einseitigen Image von Realität umgewandelt. Inwieweit durch „Facebook“ oder „Twitter“ neue Gegenwelten konstruiert werden (können), ist Gegenstand pointierter intellektueller Kontroversen. Die jüngst weltweit aufgeflammte heftige Verstimmung um Überwachungsprogramme und data mining führt zur Grundsatzdiskussion: Wie viel (individuelle) Freiheit ist möglich, wie viel (kollektive) Sicherheit notwendig für das Individuum, für die Gesellschaft, für einen Staat?

Die Wirkung von Medien kann unter dem Begriff popular geopolitics gebündelt werden. Leitartikel in wichtigen Zeitungen oder Journalen, Kommentare in politischen Feuilletons, Debatten im Fernsehen dienen der Festigung geopolitischer Leitbilder, auf einer tieferen Ebene Sensationsmeldungen der Massenblätter zu Konflikten vom Lokalen bis zum Globalen. Selten wird dabei „das Eigene“ in Frage gestellt, einfacher funktioniert die Verfestigung der eigenen Urteile und Vorurteile. Raumrelevante Szenarien von Krisen durch Kriegs- und Katastrophenfilme verstärken ebenso die alltäglichen Vorstellungen und Ängste einer breiten Öffentlichkeit. Medienschelte betreiben jedoch auch andere Disziplinen, deshalb kann die Kritische Geopolitik hier nur unterstützend mitwirken.

Zur Macht geopolitischer Leitbilder

Geopolitische Leitbilder sind von der Tagespolitik bis hin zu langfristigen politisch-militärischen Strategien sprach- und bildmächtige Konstruktionen, welche die Vorstellungswelt und die Handlungen der Entscheidungsträger wie deren Rezeption durch die „schweigende Mehrheit“ massiv beeinflussen. Sie sind tief im kollektiven Bewusstsein von Nationen, Völkern oder spezifischen Bevölkerungsgruppen verankert, sie können bewusst, mit-bewusst oder sogar un-bewusst über Generationen wirken, etwa in historischen Mythen, Sagen, der je eigenen Geschichtsdeutung, der Selbstdarstellung in Schulbüchern etc. Die Welt wird geteilt in Eigenes/Fremdes, Gut/Böse, Wir/Andere. Im griechischen Altertum wurde zwischen den Bürgern innerhalb der Stadtstaaten und den Barbaren außerhalb unterschieden, und in der chinesischen Überlieferung ist das Reich der Mitte identisch mit Kultur und Zivilisation, der „Rest“ der Erde zweitklassig, wenn überhaupt wahrgenommen. Alle Kulturen unterscheiden zwischen Zentrum und Peripherie, häufig gleichgesetzt mit Sicherheit/Bedrohung (in Krisenregionen). Solche Leitbilder und die mit ihnen verbundenen Diskurse werden, wenn sie lange genug (oft über Jahrhunderte) reproduziert und an die nächsten Generationen weitergegeben werden, letztendlich zu quasi-natürlichen Gegebenheiten. Irgendwann vergessen Menschen auf die ursprüngliche Erschaffung eines Feindbilds, sehen im (falschen) Bild die „Wirklichkeit“ oder „Wahrheit“, vergleichbar selfulfilling prophecies. Die oftmalige Wiederholung eines Konstrukts verfestigt sich irgendwann zu realen Machtverhältnissen, es wird damit alltags- und handlungsrelevant. Das Ergebnis ist Geopolitik als diskursive Praxis, die eine scheinbar natürliche räumliche Ordnung der internationalen Politik produziert und reproduziert.

Wie entstehen und funktionieren diese Leitbilder in der Praxis? Dalby[22]) weist darauf hin, dass die Konstruktion von Territorien und Grenzen wichtigstes und immer wiederkehrendes Leitmotiv ist. Sie bewirken die räumliche Segregation zwischen Eigenem und Fremdem. Territoriale Identität führt zu einem vereinfachten Abbild einer sonst zu komplexen Welt. Räumliche Ein- oder Umgrenzung vermag auch die soziale Vielfalt zu reduzieren. Die Zweiteilung in „unseren Raum, unser Territorium“ gegenüber „deren Raum“ zeigt sich bei den Klassikern der Geopolitik, Ratzel, Mackinder, Mahan durchgängig, z.B. in der Diskussion Seemächte/Landmächte. In der Freund/Feind-Rhetorik der beiden Weltkriege werden diese Leitbilder ausgeschlachtet, ebenso in der Phase des Kalten Krieges (West/Ost, die beiden Supermächte usw.). Und bis heute tauchen immer neue Leitbilder auf (z.B. die Schurkenstaatendoktrin, die „Achse des Bösen“), gefördert von Wissenschaftlern wie Huntington (Clash of Civilizations 1993) oder Barnett (Die neue Weltkarte des Pentagon 2003). Die geopolitischen Konstruktionen dieser Vordenker und jene der neokonservativen Agenturen politischer Beratung reichen schon aus, um die Notwendigkeit einer Kritischen Geopolitik zu rechtfertigen. Wir wollen dabei jedoch im Auge behalten, dass geopolitische Leitbilder nur geopolitische Zusammenhänge „erzeugen“. Die Vereinfachung der Welt durch falsche Leitbilder greift weit darüber hinaus und findet sich in allen Bereichen menschlicher Zivilisation; Urteile wie Vorurteile (auch im Alltäglichen) basieren auf induktiven Denkmustern, und das Wissen um diese (durch Dekonstruktion) wird daran nichts ändern.

Begnügen wir uns mit geopolitischen Leitbildern. Wie können Forscher damit umgehen?[23]) Welche Pfade finden sich in der diskursiven Auseinandersetzung, oder schärfer, im Machtkampf wissenschaftlicher Weltbilder?

(a) Die erste Möglichkeit ist jene der direkten Übernahme des Leitbilds, also eine Unterstützung der damit verbundenen Thesen und wissenschaftlichen Analysen (Beispiel: Die Modernisierung ist nicht mehr nur „westlich“, sondern es gibt auch eine islamische, asiatische etc.)

(b) Eine Veränderung des Leitbilds (z.B. die Anzahl von Huntingtons Kulturkreisen sei falsch, es handle sich um 5 oder 16 usw.). Diese Form der „modernen“ Kritik weist zwar Fehler nach oder dient als Vorlage zu Gegenentwürfen, grundsätzlich werden aber die Thesen nicht infrage gestellt und es kommt zu einer Verdinglichung des Leitbilds.

(c) Erst die „postmoderne“ Kritik führt zur Dekonstruktion des konstruierten Leitbilds (als Instrument geopolitischer Machtausübung), zur Offenlegung der Entstehungsbedingungen (Biographie der Forscher und ihrer Institutionen) wie der Absichten der Anwender (z.B. Enttarnung des vereinfacht gestrickten Kultur-/Raumdeterminismus bei Huntington trotz komplexer Konfliktstrukturen).

 Leitbilder einer „westlich“ zentrierten Geopolitik

Die Wechselbeziehungen im diskursiven Dreieck zwischen Gesellschaft, Raum und Macht sind ständigen Veränderungen unterworfen, und dies gilt ebenfalls für ihre geopolitischen Erscheinungsformen. Jedoch gelingt es besonders mächtigen oder im jeweiligen gesellschaftlichen Kontext stimmigen geopolitischen Leitbildern in einer gewissen Epoche ein vorherrschendes Ordnungsmuster als gleichsam stabil erscheinen zu lassen. Sie können für Jahrzehnte so sprachwirksam werden, dass sie für realpolitische Ordnungen stehen und ihre Konstruktionen „wahrhaftig“ wirken, woraus sich im weiteren Verlauf konkrete Krisen, Konflikte und zuletzt Kriege ergeben. Solche Leitbilder wirken tief in die Alltagsrealitäten von Menschen, selbst in ihre Gefühle und Ängste sowie in deren Weitergabe an die nächste Generation. In den letzten Jahren haben nun Vertreter der critical geopolitics damit begonnen, diese Leitbilder zu systematisieren und Zeitperioden jeweils dominanter Diskurse herauszuarbeiten.

Reuber spricht in dem Zusammenhang von einer genealogischen sowie einer archäologischen Perspektive.[24]) Die genealogische untersucht die Entstehung, Entwicklung und den Rückzug unterschiedlicher Diskurse und Leitbilder in ihrer historischen Abfolge. So können diejenigen der klassischen Geopolitik als Phasen des Nationalismus, Imperialismus und Kolonialismus gezeigt werden, wobei Geopolitiker diese Leitbilder als Propagandisten mitgestalten und somit mitverantworten. Nach dem Zweiten Weltkrieg dominiert dann zunächst das „Leitbild vom Kalten Krieg“, das wiederum am Ende der 1980er-Jahre (in der post-cold war-Ära) durch eine Reihe miteinander konkurrierender Leitbilder ersetzt wird, da sich keines zulasten der anderen zum bestimmenden Faktor der Weltpolitik generieren kann. Alle Phasen bis auf die jüngste waren „westliche“ Ordnungsrahmen, die dem Rest der Welt aufgezwungen wurden, zuerst durch die europäischen Kolonialmächte, nachher durch die hegemoniale Dominanz der USA im Chor der Mächtigen. Erst mit dem Auftreten konkurrierender Mächte (China, Indien, Brasilien) zerbricht diese einseitige Dominanz, und es kommt zur Ausprägung lokaler oder regionsspezifischer Diskurse über Konflikte. Diese Abfolge bedeutet nicht, dass falsche durch „richtigere“ Leitbilder abgelöst werden, sondern nur durch jeweils andere.

Etwas anders gelagert ist die archäologische Perspektive, die sich an Foucaults „Archäologie der Macht“ orientiert. Sie ist eher synchron konstruiert und befasst sich mit historischen Momenten, die eine diskursive Ordnung erschüttern oder einen diskursiven Bruch und Perspektivenwechsel erzwingen. Die berühmteste Zäsur dieser Art war sicher „9/11“ und die daraus resultierenden Folgen.

In meinem Beitrag 2010 habe ich Huntingtons „Clash of Civilizations“ sowie Diskurse zum Georgienkonflikt 2008 stellvertretend für die Arbeit der Dekonstruktion durch die Kritische Geopolitik herangezogen. Deshalb sollen hier zwei andere Leitbilder zur inhaltlichen Deutung wie zum methodischen Verständnis dienen. Zuerst jenes vom Kalten Krieg als Beispiel für die Auffassung einer universalistischen, hegemonialen Weltordnung und dann ein sprachmächtiges Konstrukt aus der post-cold war-Phase, das sich der Ängste und Metaphern einer Zweiteilung in einer fragmentierten, konfliktorientierten Welt „meisterhaft“ bedient, der „Core and Gap“- Analyse von Barnett (2003).

Das Leitbild einer universalistischen Weltordnung vom Kalten Krieg

Die Phase des Kalten Krieges wurde lange als unvermeidlicher Ablauf einer bestimmten historischen Konstellation gedeutet, als Ringen der beiden Siegermächte USA und UdSSR um die Weltherrschaft. Aus Sicht der kritischen Geopolitik war diese Entwicklung jedoch nicht zwingend, sondern wurde durch die vorhandenen Diskurse ideologischer Gegnerschaft in beiden Lagern gemacht (besser konstruiert). Besonders bildhaft und prägend war dabei die Übertragung des Begriffs „Eiserner Vorhang“ aus der Zeit des Ersten Weltkriegs durch Churchill (1946). Als der einflussreiche Kommentator Walter Lippmann erstmals 1947 den Terminus vom „Kalten Krieg“ einführte, war damit eine Rahmung (engl. Framing) für das aktuelle außenpolitische Handeln der USA gegenüber ihrem früheren Verbündeten und nunmehrigen Feind Stalin gegeben. Die Storyline des Kalten Krieges zeichnete dabei die geostrategischen Grundmuster von Mahan, Mackinder und Spykman in nur leicht abgewandelter Form nach. Hinter dem Marshallplan stand der Wille, dem Vordringen der sowjetischen Landmacht, die vielleicht zu einer Gegnerschaft zur See mit den USA hätte führen können, durch das Aufpäppeln der Staaten West- und Mitteleuropas einen Riegel vorzuschieben. Die großen Gegenspieler Russland (Landmacht) und Großbritannien (Seemacht) waren einfach in der Trumandoktrin durch die duale Freund/Feind-Relation Sowjetunion - USA ersetzt worden. Ó Tuathail (2006, 60)[25]) bringt es auf den Punkt: „Through the use of earth-labelling categories like ‚the free world’ and the ‚enslaved world’, the geographical kaleidoscope of the map becomes the geopolitical monochrome of good versus evil, capitalism versus communism, the West versus the East, America versus the Soviet Union. All places and conflicts were interpreted within the binary terms of this Manichean map.“ Der Westen steht (in der Eigendefinition) für die positiven Werte: Demokratie, (persönliche) Freiheit, Marktwirtschaft gegen Totalitarismus und Planwirtschaft der „Anderen“. Im Osten sieht sich „die Partei“ als Vorreiter für eine Demokratie kommunistischer Prägung im Kampf gegen den Kapitalismus und eine letztendlich klassenlose Gesellschaft. Diese Blockbildung führte zu einer Unzahl von Krisenherden, Konflikten und Stellvertreterkriegen und zu zwei dominierenden Konstruktionsprinzipien des Westens, zur Dominotheorie wie zur Politik der Eindämmung (containment policy). In beiden Konstrukten spielt die „Verräumlichung“ ideologischer Auseinandersetzung eine entscheidende Rolle. Die Dominotheorie (Eisenhower-Doktrin 1954) postulierte, dass jeder Staat gefährdet ist, kommunistisch zu werden, wenn gleiches seinem Nachbarn widerfährt. Ob Griechenland, Südostasien oder der Großteil Afrikas im Kampf um die Befreiung von Kolonialmächten - in jedem Fall legitimiert dies ein Eingreifen des „Weltpolizisten“ als gerecht, woraus sich die zweite Doktrin „logisch“ ergibt: die weltweite Eindämmungspolitik, das aktive Eingreifen bei „Fehlverhalten“ politischer Regime. Die Sowjetunion wiederum sah sich als Vorreiterin des weltweiten Befreiungskampfes vom Joch des Imperialismus. Etwas zynisch könnte man formulieren, dass beide Seiten dieses labile Gleichgewicht gut für ihre jeweiligen Aktivitäten auf dem Parkett der internationalen Politik gebrauchen konnten.

Das Leitbild des Kalten Krieges führte zu einer Neuausrichtung der amerikanischen Außen-, aber auch der Innenpolitik. Der gleichfalls als Hauptstrang der amerikanischen Außenpolitik mehrfach geübte geopolitische Isolationismus wurde nun durch das „grand design“ (Roosevelt ab 1941), durch den Atlantizismus und bald darauf durch den geopolitischen Internationalismus ersetzt.[26]) Dies führte zu einer Reihe einschneidender Veränderungen. Innenpolitisch zum Ausbau der inneren Sicherheit (Kontrollinstanzen, McCarthy-Ära), außenpolitisch zu massiver Aufrüstung, atomarer Abschreckung und zur Gestaltung der umfassenden Bündnisarchitektur (NATO, SEATO). Das einfache und vereinfachende Freund/Feind-Schema diente trotz „Störungen“ (beginnend mit dem Vietnamkrieg) durch Konstrukte der amerikanischen „Realpolitik“, „vertrauensbildenden Maßnahmen“ (Breschnjew) oder „Glasnost und Perestroika“ (Gorbatschow) bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion 1989 als politikleitendes Paradigma.

Neue Leitbilder nach dem Ende des Kalten Krieges

1989 zerfiel nicht nur das Imperium der Sowjetunion und ihrer Vasallen, mit dem Fall des Eisernen Vorhangs hatten auch die lange gehegten geopolitischen Ordnungsmuster des „Ost-West-Konflikts“ ausgedient. Es bildete sich eine fragmentierte Welt, in der mit neuen konkurrierenden Mächten, Globalisierungseinflüssen und nicht per se politisch Agierenden (z.B. transnationalen Wirtschaftsunternehmen) neue konfligierende geopolitische Leitbilder geschaffen werden mussten. Aber auch in die neuen Deutungsmuster (Nord-Süd-Konflikt, Kulturerdteil-Thesen, Auflösung der „spaces of places“ durch „spaces of flows“ [Manuel Castells] in der Netzwerkgesellschaft) schlichen sich die alten, bekannten diskursiven Konstruktionen wieder ein (z.B. „Erste Welt“/“Dritte Welt“). Neu war auch, dass der hegemoniale Anspruch geopolitischer Leitbilder erstmals grundlegend in Frage gestellt wurde. V.a. zwei Richtungen haben eine weite Rezeption erfahren, nämlich geoökonomische und geoökologische Leitbilder.

Anfang der 1990er-Jahre schien das alte Feld der Geopolitik, das durch die Macht- und Austauschrelationen zwischen Staaten gekennzeichnet war, endgültig unfruchtbar zu werden. Edward N. Luttwak prägte 1990 den Begriff „Geo-Economics“.[27]) Im Zeitalter der Globalisierung gehe es in erster Linie um ökonomische Auseinandersetzungen in politischen Konflikten, die dann (auch) mit wirtschaftlichen Mitteln bekämpft werden müssten. Nahezu alle politischen Konflikte enthalten zwar eine ökonomische Dimension, doch in diesem Ansatz wird postuliert, dass sich mit der Lösung ökonomischer Konflikte quasi „automatisch“ die politischen Gegensätze auflösen. Die Weltwirtschafts- und Weltfinanzkrise seit 2008 passt gut in diesen Kampf zwischen Globalökonomie und Staatsinterventionen (Steuerungsversuche der Finanzströme). In Manuel Castells Netzwerkgesellschaft hingegen werden territorial formierte Nationalstaaten zunehmend durch die „neue soziale Morphologie von Netzwerken“ (Castells)[28]) ersetzt, die „grenzenlos expandieren können“ und systemoffen sind, wodurch zwischenstaatliche Konfliktszenarien praktisch obsolet werden.

Eine weitere Dimension decken geoökologische Leitbilder ab, die definitorisch auch schon selbsterklärend sind. „Die Grenzen des Wachstums“ (Club of Rome 1971) durch Begrenztheit der natürlichen Ressourcen, Ausplünderung, Klimawandel usw. oder der Report „Global 2000“ sind bekannte Beispiele dieser Richtung. Sie stehen für apokalyptische (Trug-) Bilder von Weltuntergängen, die jedoch statistisch (noch) nicht belegt sind und letztendlich deterministische Annahmen und Rückschlüsse generieren. Ähnlich wie die Vordenker des Kalten Krieges können die Befürworter dieser Richtung als Politikberater Konstruktionen von Klimakriegen, Flüchtlingsströmen und Völkermorden in die politischen Aushandlungsprozesse einbringen. Doch niemand kann die Anpassungsfähigkeit und die innovativen Leistungen der Menschheit bis 2050 vorhersagen. Mit den Anschlägen von 9/11 ist die Anziehungskraft geoökonomischer wie geoökologischer Leitbilder für geraume Zeit verblasst. Kehren wir zurück zu den neuen geopolitischen Leitbildern.

Zwei Hauptströmungen lassen sich ausmachen:

(a) Leitbilder einer hegemonialen, universalistischen Ordnung der Menschheit und ihrer räumlichen Verfasstheit und b) Leitbilder einer konfliktträchtigen, gespaltenen (fragmentierten) Welt.

Das bekannteste Werk im Sinne von (a) ist Francis Fukuyamas „End of History“,[29]) anfänglich noch mit Fragezeichen versehen (ähnlich wie bei Huntington) - mit dem Ende der Sowjetunion hätten die USA als Leitbild der Zivilisation gewonnen und die Pax Americana könne nun ungehindert die Welt verbessern. Der Zerfall Jugoslawiens und die Kriege im Irak und in Afghanistan haben uns dann sehr schnell eines Schlechteren belehrt. Trotzdem wird dieses Leitbild immer weitertransportiert, z.B. durch den wichtigen Berater mehrerer Präsidenten, die „graue Eminenz“ der amerikanischen Geostrategie neben Henry Kissinger, Zbigniew Brzezinski:[30]) Die USA seien „die einzige Supermacht auf der Welt... Amerikas globale Vorherrschaft in ihrer Ausdehnung und in ihrer Art einzigartig“. In alter geopolitischer Manier meint er, sei es vordringlich, die Interessen der USA langfristig „in Eurasien“ abzusichern. Hier dürfen wir fragen, was zuerst da war: Henne oder Ei?

Entwickeln sich Geostrategien mit dem Leitbild des Unilateralismus, die von „intellectuals of statecraft“ an die Politik herangetragen werden, letztendlich zur Legitimation bzw. zur Ermunterung für Kriegseinsätze, oder tragen die eigenen politisch-militärischen Erfolge bzw. die Schwächen der Gegner erst dazu bei, eine solches Leitbild überhaupt in den Köpfen entstehen zu lassen? Jedenfalls hat der amerikanische Patriotismus eine Fülle von Symbolen, Praktiken und Darstellungen wie einen endlosen Strom zur permanenten Lobpreisung von „our nation, our troops“ im Alltag der Bevölkerung eingeschrieben.

(b) Eine Deutung der Welt als fragmentiert und konflikt-, nicht konsensorientiert zeigt ein wiederum anderes geopolitisches Leitbild. Das ebenso berühmte Standardwerk lieferte Huntington mit seinem „Clash of Civilizations“ (1993) (siehe meine Darstellung dazu 2010). Die zentrale These von Huntington geht davon aus, dass nicht universale Werte oder politische Handlungen die Welt bewegen, sondern unterschiedliche Kulturen mit ethnisch oder religiös begründeten Gegenkonzepten, die an ihren (territorialen) Rändern aufeinanderprallen und unweigerlich zum Kampf der Kulturen führen müssen. Die großen Feinde des westlichen Wertekanons seien zuallererst der Islam und - vorhanden, aber weniger auffallend - der Konfuzianismus. Daraus folgte die griffige Formel „The West against the Rest“. Die Thesen Huntingtons sind vielfach zerpflückt worden, bleiben aber in ihrer frappierenden Öffentlichkeitswirkung erhalten, insbesondere nach der „Verifizierung“ durch 9/11. Reuber bezeichnet dies als „wirkmächtige Deutungsfolien“ - wir ergänzen -, deren Wahrheitsgehalt ideologiekritisch sehr unterschiedlich gedeutet wird. Auf Huntington baut vieles auf, z.B. Michael Klares Schurkenstaatendoktrin, eine Deutungsfolie für George W. Bushs „axis of the evil“.[31]) Eine besonders schlagkräftige Variante eines geopolitischen Leitbilds auf Basis einer fragmentierten Weltordnung stammt von Thomas Barnett; sie soll nachfolgend näher beleuchtet werden.

Das geopolitische Leitbild „Core and Gap“ von Thomas Barnett (2003)

Thomas P. M. Barnett[32]) ist Professor am U.S. Naval War College - einer militärischen Eliteuniversität. Er zählt zu den einflussreichsten geopolitischen Fachleuten im Pentagon. Bereits 2001 war er enger Berater des damaligen Verteidigungsministers Rumsfeld und entwarf in dieser Phase eine „neue Weltkarte des Pentagon“, die alleine schon wegen ihrer martialischen Rhetorik große Aufmerksamkeit unter Experten wie auch in einer breiteren Öffentlichkeit fand. Es ist nun genug Zeit vergangen, dieses Konzept sine ira et studio vorzustellen. Es geht dabei - wiederum - um eine Form der strategischen Regionalisierung aus amerikanischer Sicht. Dieses Leitbild baut auf vorhandenen geopolitischen Erklärungsmustern auf, spitzt sie aber noch einmal in radikalerer Form zu. Die Argumentation dreht sich um Amerikas Rolle im Zeitalter der Globalisierung, jedoch anders als bei Brzezinski. In Barnetts Diktion ist Amerika der Hüter der strategischen Sicherheit der Welt. Der (erste) Krieg gegen den Irak markierte den Wendepunkt, womit die USA diese gedachte hegemoniale Rolle in politisch-militärische Praxis umsetzen. Aus heutiger Sicht diente diese Argumentation zur Legitimierung der amerikanischen Interventionspolitik. Eine Weltkarte der Globalisierung zeigt einerseits Regionen mit dichten Netzwerkverbindungen (z.B. Finanztransaktionen), die zugleich stabile Regime, hohen Lebensstandard, liberale Medien und innere, allgemeine Sicherheit aufweisen. Barnett nennt diese Zonen den „Funktionierenden Kern“ (Functioning Core). Andererseits existiert der „Rest“ der Welt, weitgehend von der Globalisierung abgekoppelt, von Armut und Krankheit gezeichnet, von repressiven Herrschaftssystemen unterdrückt. Dies sind die Zonen chronischer Konflikte, „in denen die kommende Generation globaler Terroristen herangezogen wird“.[33]) Diese Gegenwelt nennt Barnett „die nicht integrierte Lücke“. Dies ist das Core and Gap-Konzept, wobei auf der Weltkarte des Pentagon ein Arc of Instability (Bogen der Instabilität) von Bereichen Lateinamerikas über nahezu ganz Afrika, den Indischen Ozean, Südosteuropa, Zentralasien bis zu Pazifikregionen zwischen China und Australien reicht. Warum China, Indien und Südafrika nicht in diese Kategorie fallen, bleibt ein großes Mysterium. Räumlich und kulturell einschränkender ist die böse Phrase des Kampfes gegen den Islam „von Marrakesch bis Bangladesch“ (H.N.: unbekannter Autor).

Welche Methode wendet Barnett für seine Grenzziehung an? Sie ist verblüffend einfach: Es werden die Einsatzorte amerikanischer Truppen seit dem Ende des Kalten Krieges kartographisch fixiert, und diese konzentrieren sich in Krisengebieten; verbindet man diese Brennpunkte mit einer Linie ist somit die nichtintegrierte Lücke definiert. Die geopolitische Logik daraus: je schwächer eine Region in die Globalisierung eingebunden ist, desto eher müssen US-Truppen dorthin entsendet werden. Noch einmal Klartext (ebenfalls 2003, 558): „Solange wir nicht mit der systematischen Ausfuhr von Sicherheit in die Lücke beginnen, so lange wird die Lücke Terrorismus in den Kern exportieren.“ Die Zeitschrift „Esquire“ wählte Barnett 2002 zum „Strategen des Jahres“, und er bleibt einflussreich bis heute. Damit jetzt Barnett nicht als Solitär der Geostrategie ein Alleinstellungsmerkmal abbekommt, sei auch noch die Schurkenstaaten-Doktrin von Barry Rubin nachgeschoben, ein Unterfutter für die „Achse des Bösen“ (1999) und zum „Zeitgeist“ passend:[34]) „Ein Schurkenstaat ist ein Staat, der dem Unterminieren anderer Staaten hohe Priorität einräumt und unkonventionelle Arten von Gewalt gegen sie einsetzt. Er reagiert unberechenbar auf Abschreckung oder andere Werkzeuge von Diplomatie und Staatskunst. Solch ein Staat erfordert eine besondere Behandlung und starken internationalen Druck, um ihn von der Zerstörung der öffentlichen Ordnung, vom Anzetteln von Kriegen und dem Zersetzen ganzer Regionen in der Welt abzuhalten.“ Die Aussage des damaligen deutschen Verteidigungsministers Peter Struck (2009), die ebenfalls viel Staub aufwirbelte - „Die Sicherheit Europas (oder Deutschlands, Anm.: verschiedene Versionen) wird am Hindukusch verteidigt“ - dürfte in einem ähnlichen geopolitischen Leitbild verankert gewesen sein. Wird nach mehr als einem Jahrzehnt des vergeblichen Kampfes das Afghanistan-Desaster solche geopolitischen Leitbilder und Diskurse auf den Scherbenhaufen der Geschichte werfen? Natürlich ruft dieses Säbelrasseln unter dem Deckmantel „wissenschaftlicher“ Analyse auch heftige Kritik hervor, erwähnt seien nur Beiträge von Noam Chomsky, Emmanuel Todd, J. C. Brisard und G. Dasquie und anderen. (Wird fortgesetzt)

 

ANMERKUNGEN:



[1]) Heinz Nissel: Kritische Geopolitik. Zur Neukonzeption der Politischen Geographie in der Postmoderne. In: ÖMZ 1/2010, S.11-21.

[2]) Der Autor verbindet damit seinen Dank an die Peer Reviewer für sachliche Kritik und wertvolle inhaltliche Impulse.

[3]) Hauke Ritz hat sich mehrfach diesem Thema gewidmet, zuletzt: Die Rückkehr der Geopolitik. Eine Ideologie und ihre fatalen Folgen. In: Blätter für deutsche und internationale Politik 3/2013, S.71-80. Ritz nennt eine Reihe solcher Think Tanks: das Egmont Institute, den European Council on Foreign Relations, das Centre for European Reform, das European Union Institute for Security Studies, das Centre for European Policy Studies sowie die Bertelsmann Stiftung.

[4]) Zitat a.a.O. 3/2013, S.72. Besonders ambitioniert ist eine 2011 gegründete übergeordnete Gruppe, die diese Anstrengungen bündeln soll, die Group on Grand Strategy (GoGS) mit ihrem Publikationsorgan „European Geostrategy“.

[5]) Dass es auch ganz anders geht, beweist die hervorragende Neuauflage eines Readers des amerikanischen Geographen Colin Flint: Introduction to Geopolitics (2012,2nd), Routledge, New York and London.

[6]) John R.V. Prescott: Political Geography, London 1972. Übersetzung: Einführung in die Politische Geographie, München 1975.

[7]) Ulrich Ante: Politische Geographie. Das geographische Seminar. Braunschweig 1981. Sowie Klaus-Achim Boesler: Politische Geographie. Stuttgart 1983.

[8]) Klaus Kost: Geopolitik und kein Ende. Thesen zur Gegenwart der Politischen Geographie in Deutschland. In: Rainer Graafen und Wolf Tietze (Hrsg.): Raumwirksame Staatstätigkeit. Festschrift für K.-A. Boesler zum 65. Geburtstag. Colloquium Geographicum 23, Bonn 1997, S.133.

[9]) Jürgen Oßenbrügge: Die Renaissance der Politischen Geographie. Aufgaben und Probleme. In: HGG Journal (Journal der Heidelberger Geographischen Gesellschaft) 11, 1997, S.1-18, hier S.14.

[10]) Siehe dazu ausführlich: Klaus Kost: Die Einflüsse der Geopolitik auf Forschung und Theorie der Politischen Geographie von ihren Anfängen bis 1945, Bonn 1988 sowie Andrea K. Riemer, Heinz Nissel und Friedrich W. Korkisch: Geopolitik. Zwischen Wissenschaft und Kunstlehre, Schriftenreihe der Landesverteidigungsakademie 3/2005, insbesondere S.243-259.

[11]) Paul Reuber: Politische Geographie. Schöningh UTB, Paderborn 2012.

[12]) Heinz Nissel und Christine Embleton-Hamann: Down to Earth - IGC Cologne 2012. 32. Weltkongress der Geographie in Köln, August 2012. In: Mitteilungen der Österreichischen Geographischen Gesellschaft (MÖGG), 154. Jg. Wien 2012, S.341-346. Sowie: Heinz Nissel: Spatialising the (Geo)Political. Political Geography and Critical Geopolitics Preconference 2012 24./25. August 2012 - Frankfurt am Main. In: MÖGG, 154. Jg., Wien 2012, S.347-349.

[13]) Günter Wolkersdorfer: Politische Geographie und Geopolitik zwischen Moderne und Postmoderne. Heidelberger Geographische Arbeiten 111, Heidelberg 2001. Desgleichen: Günter Wolkersdorfer: Politische Geographie und Geopolitik: zwei Seiten derselben Medaille? In: Paul Reuber und Günter Wolkersdorfer (Hrsg.): Politische Geographie. Handlungsorientierte Ansätze und Critical Geopolitics. Heidelberger Geographische Arbeiten 112, Heidelberg 2001, S.33-56.

[14]) Jean-Francois Lyotard: La condition postmoderne (1975). Deutsch: Das postmoderne Wissen (Hrsg. Peter Engelmann), Wien 1999, 5. Auflage 2006.

[15]) „Jede Gesellschaft hat ihre eigene Ordnung der Wahrheit, ihre ‚allgemeine Politik’ der Wahrheit, d.h. sie akzeptiert bestimmte Diskurse...“. In: Michel Foucault: Die Ordnung des Diskurses. Frankfurt am Main 1991, S.74.

[16]) Paul Reuber, a.a.O., 2012, Kap. 2 und 3.

[17]) Michel Foucault: Die Ordnung des Diskurses. Frankfurt am Main 1991.

[18]) Georg Glasze und Annika Mattisek: Handbuch Diskurs und Raum. Theorien und Methoden für die Humangeographie sowie die sozial- und kulturwissenschaftliche Raumforschung. Bielefeld 2009.

[19]) Derek Gregory: Geographical imaginations. Cambridge, Oxford 1994.

[20]) Paul Reuber: a.a.O. 2012, S.164.

[21]) Paul Reuber: Die Politische Geographie nach dem Ende des Kalten Krieges. Neue Ansätze und Forschungsfelder. In: Geographische Rundschau 54, 2002, Heft 7/8, S.4-9, Abb. 3. Wiedergabe auch in Nissel, a.a.O. 2010, S.13-14.

[22]) Simon Dalby: Calling 911 - geopolitics, security and America’s new war. In: Geopolitics 8(13), 2003, S.61-68. Derselbe: Geopolitics, the Bush doctrine, and war on Iraq. In: The Arab World Geographer 6(1), 2003, S.7-18.

[23]) Erste Systematisierung durch Wolkersdorfer, a.a.o. 2001, Wiedergabe zuletzt in Reuber, a.a.O. 2012, S.167-169.

[24]) Paul Reuber: a.a.O. 2012, S.172.

[25]) Geraoid Ó Tuathail. In: Geraoid Ó Tuathail, Simon Dalby und Paul Routledge: (Hrsg.) The geopolitics reader. 2nd ed., London 2006 (erste Ausgabe 1998) S.60.

[26]) Eine hervorragende Übersicht zu den unterschiedlichen Phasen der amerikanischen Geopolitik liefert Friedrich W. Korkisch In: Andrea K. Riemer, Heinz Nissel und Friedrich W. Korkisch: Geopolitik - Zwischen Wissenschaft und Kunstlehre. Schriftenreihe der Landesverteidigungsakademie Wien, 3/2005. S.127ff.

[27]) Edward N. Luttwak: From Geopolitics to Geo-Economics: Logic of Conflikt, Grammar of Commerce. In: National Interest 1990. Wiedergabe in: Tuathail/Dalby/Routledge: The geopolitics reader 1998, S.125-130.

[28]) Manuel Castells: Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaften. Opladen 2001, S.527.

[29]) Francis Fukuyama: The End of History? In: The National Interest, 16, 1989, S.3-18.

[30]) Zbigniew Brzezinski: Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft. Frankfurt am Main 1999, S.276. Englisches Original: The Grand Chessboard 1997.

[31]) In meinen Seminaren zur Politischen Geographie hat es Studierenden gefallen, die wechselnden In- und Exklusionen von Schurkenstaaten im langjährigen Verlauf der Doktrin festzumachen.

[32]) Thomas Barnett: Die neue Weltkarte des Pentagon. In: Blätter für deutsche und internationale Politik 5, 2003, S.554-564. Interpretation durch Paul Reuber und Günter Wolkersdorfer: Auf der Suche nach der Weltordnung? Geopolitische Leitbilder und ihre Rolle in den Krisen und Konflikten des neuen Jahrtausends. In: Petermanns Geographische Mitteilungen 148, 2004 (2), S.12-19. Karte auf S.18.

[33]) Barnett, 2003, a.a.O., S.558.

[34]) Barry Rubin: „Schurkenstaaten“. Amerikas Selbstverständnis und seine Beziehungen zur Welt. In: Zeitschrift für Internationale Politik, Jg. 54, H. 6, 1999, S.5-14.