Gesellschaft, Raum und Macht

Aufgaben, Defizite und Neues zur Kritischen Geopolitik (Teil 2)

Heinz Nissel

 

Erweiterung und Systematisierung der Dekonstruktion geopolitischer Leitbilder

Bilder und Gegenbilder im Kampf der Diskurse

Vorstellungen und (Vor-)Urteile des Eigenen und Fremden prägen die sehr unterschiedlichen geopolitischen Leitbilder und führen in der politisch-geographischen Analyse doch dazu, dass die gemeinsame Begründungsrhetorik eine (sprach)mächtige Allianz bildet. Sind in diesem Beitrag die „westlichen“ Leitbilder tonangebend, heißt dies nicht, dass die Gegenwelten keine besitzen und anwenden. Zwei Beispiele: Dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ist es gelungen, den geopolitischen Dauerbrenner Tschetschenien weitgehend von der Weltöffentlichkeit abzuschirmen, das Thema kommt in den (westlichen) Medien kaum mehr (sic) „zur Sprache“. Und auch die arabische Welt besitzt einen mächtigen Sprachmythos, nämlich das Metanarrativ vom „Heiligen Krieg“ (Dschihad).Folgerichtig hat ein „Papst“ der Politischen Geographie, John Agnew, kein Problem, eine Gegenrechnung aufzumachen, und Osama bin Laden in die Leitbildanalyse einzuordnen:[1]) „Bin Laden is the Samuel Huntington of the Arab World ... He is a prophet and organizer of inter-civilizational conflict. Bin Laden ist the modern Arab geopolitician par excellence.“ Zumindest dieses Gegenbild hat sich mit der Liquidierung Bin Ladens erledigt.

Eine sehr differenzierte Einschätzung des Westens und der USA in der arabischen Welt hat Husseini de Araúo (2011)[2]) durch Auswertung arabischer Printmedien gegeben. Dies ist ein Anfang, die erdrückende Dominanz „westlicher“ Forschungsergebnisse zu konterkarieren. Damit soll auch gezeigt werden, wie sehr die Kritiker und Gegner der westlichen Allianz unter dem Bann (ihrer) je eigenen geopolitischen Leitbilder stehen. Freilich sehen diese in verschiedenen Regionen der Erde für die jeweiligen Informationsträger (Politik, Medien, Militär, Öffentlichkeit) sehr unterschiedlich aus. In Zukunft wird globale Geopolitik sehr stark von einem Kampf der Diskurse wie vom Einsatz geopolitischer Leitbilder als mächtige Waffe in diesen Konflikten geprägt sein.

Diskurstheoretische Ansätze sind in der Kritischen Geopolitik in den letzten Jahren so wichtig geworden, dass viele Autoren darin einen neuen, vierten Hauptzweig der postmodernen Politischen Geographie sehen. Dabei bewegt sich die Analyse weg von geopolitischen Leitbildern hin zur Analyse diskursiver Muster raumbezogener Konstruktionen von Identität und den mit ihnen gekoppelten Machteffekten. Neben der internationalen Geopolitik reichen die Themen tief in regionale und lokale politische Ereignisse hinein und führen zu neuen Verknüpfungen mit Ansätzen der Handlungstheorie.

Charakteristika geopolitischer Leitbilder in den Archiven der Geopolitik

Diese Ausführungen sind der Zusammenstellung durch Paul Reuber (2012, 188-190)[3]) geschuldet. Die Bedeutung und Vielfalt geopolitischer Leitbilder als forschungsleitendes Element der Kritischen Geopolitik dürfte aus den vorausgegangenen Subkapiteln klar geworden sein. Was bisher trotz empirischer Evidenz fehlte, war der Versuch einer Systematisierung der Charakteristika. In Anlehnung an Michel Foucault, der historisch und im gesellschaftlichen Diskurs tief verwurzelte Wissensordnungen als „Archive“ kennzeichnete, schlägt Reuber Archive der Geopolitik vor und benennt folgende Schubladen einer vergleichenden Erforschung geopolitischer Leitbilder:

- Zyklizität und zeitliche Begrenztheit: Sprachmächtige Leitbilder wie jene vom Kalten Krieg oder vom Kampf der Kulturen haben eine bestimmte Lebensdauer, werden dann von anderen Narrativen überlagert oder treten in veränderter Form neu in Erscheinung.

- Reaktualisierbarkeit: „Vergessene“ Bereiche geopolitischer Diskurse verschwinden nicht wirklich für alle Zeiten, sondern verbleiben subkutan als „story lines“ in den Archiven des Diskurses. Sie können dort bei Bedarf wieder ausgegraben werden und als Begründungsmuster in neuen Konfliktsituationen dienen. Sie müssen auch nicht eins zu eins übertragen werden, sondern können den neuen Gegebenheiten gleitend angepasst werden (Beispiel: aktuelle Probleme Russlands mit seinen Nachbarstaaten und das Wiederaufleben alter Sprachmuster).

- Janusköpfige (ambivalente) Logik: Die politischen Gegner können den Spieß umdrehen, sich derselben Diskurslogik bedienen, aber unter jeweils anderen Vorzeichen. So war auch Osama bin Laden ein begeisterter Anhänger des „clash of civilizations“ - wer den Heiligen Krieg nicht unterstützt, ist ein Gottloser, folgerichtig sind die USA der Schurkenstaat schlechthin. Die sprachlichen Verknüpfungen von Raum und Macht bilden das Gerüst für die jeweilige Dämonisierung des Anderen - vgl. etwa die Negativzuweisungen des „freien Westens“ an den „Ostblock“ und umgekehrt.

- Regional begrenzter Geltungsanspruch: Das Leitbild vom Kampf der Kulturen war westzentriert (früher eurozentrisch), wobei implizit seine universelle Gültigkeit für die gesamte Menschheit unterstellt wurde. Als Gegenreaktion auf diese falsche Annahme entwickelten sich Gegendiskurse innen- wie außenpolitischer Art, z.B. Black Power oder altchinesische Moral mit ihren aktuellen politischen Auswirkungen, die den vorhandenen „westlastigen“ Diskurs nachhaltig stören.

- Interferenz: Treffen mehrere Risikofaktoren bei der Beurteilung eines Raumes zusammen, kann man von Risikoräumen sprechen (vgl. das „core and gap“-Schema von Barnett), in und aus denen vielfältige Bedrohungen erwachsen, etwa Sub-Sahara-Afrika mit seiner Kombination von Klimawandel und „failed states“ (Staatsterror und Gewaltökonomien). Hier sehe ich auch die „logische“ Kopplung von geopolitischen mit geoökonomischen und geoökologischen Leitbildern. Auch der Nahe Osten, Südasien usw. bieten sich für die Mehrfachpunzierung an.

Sollte es möglich sein, die Vielfalt der geopolitischen Leitbilder und ihrer Diskurse unter solche Regelhaftigkeiten einzuordnen, wäre damit auch die Prognosefähigkeit der Kritischen Geopolitik zur (rechtzeitigen) Erkennung möglicher Konfliktursachen, ihrer Konflikträume und Angebote für Problemlösungen deutlich verbessert. Damit könnte die Kritische Geopolitik auch zukünftig einen Hauptstrang der Politischen Geographie bilden, obwohl dieses Teilgebiet wie die anderen der Humangeographie Gesellschaftswissenschaft ist und das „Politische“ in der Gesellschaft auf die Geographie als Institution und auf ihre Forschungsanliegen rückwirkt. Darum bleibt der begehbare Grat zwischen der klassischen Politikberatung für die jeweils „Mächtigen“ und dem neuen Ansatz der kritischen Analyse des diskursiven Beziehungsdreiecks von Gesellschaft, Raum und Macht stets ein schmaler.

Zum internationalen Stand der Politischen Geographie und Kritischen Geopolitik

Kongresse in Deutschland als Spiegelbild der Leistungsfähigkeit

Zwei international geprägte Kongresse im Sommer 2012 in Deutschland vermittelten ein gutes Bild über Stand und Leistungsfähigkeit der Geographie generell und über die Situation von Politischer Geographie und Kritischer Geopolitik im Besonderen. Vom 26. bis 30. August fand der 32. Weltkongress der Geographie unter der Headline „Down to Earth - IGC Cologne 2012“ (Nissel und Embleton-Hamann, 2012)[4]) statt. Obwohl die deutschsprachige Geographie neben der anglo-amerikanischen und der französischen international über Generationen tonangebend war, ist es doch erstaunlich, dass dieser International Geographical Congress erst zum zweiten Mal in Deutschland abgehalten wurde - zum ersten Mal nach 113 Jahren in Berlin 1899! Diese (ebenfalls alle vier Jahre stattfindende) höchstrangige „Olympiade“ des Faches registrierte über 3.000 Teilnehmer aus 90 (!) Staaten.

Vier Leitthemen sollten die Veranstaltungstage strukturieren: Society and Environment, Urbanisation and Demographic Change, Global Change and Globalisation sowie Risks and Conflicts. Es ist unschwer zu erkennen, dass die Relationen Gesellschaft - Raum - Macht in diesen Leitthemen eine herausragende Rolle einnahmen. Eine keynote lecture durch Derek Gregory (Vancouver) sei hier herausgegriffen: „Deadly embrace: war, distance and intimacy“ - sprachlich brillant, inhaltsreich, aber für die Mehrheit im Auditorium erschreckend - die Zukunft der Cyberwars hat schon begonnen: ...entfernte Kriege an entfernten Orten neigen dazu, sich an uns heranzuschleichen und uns auch zu zerstören“ (H.N. Gedächtnisprotokoll). Hier wurden Kernthemen der Politischen Geographie von einem ihrer führenden Exponenten in Echtzeitübertragung (Videokonferenzen) an die Weltgemeinschaft der Geographie vermittelt. Unter Hunderten Referaten der IGU (International Geographical Union), ihrer Commissions und Task Forces befanden sich natürlich auch etliche zur Politischen Geographie. Noch interessanter schien mir aber, dass in vielen Beiträgen anderer geographischer Teilgebiete „unsere“ Fragestellungen unter anderen Etiketten diskutiert wurden, etwa in regionsspezifischen Sektionen (ein Beispiel: Hochgebirgsforschung in Süd- und Zentralasien). Geopolitische, geoökonomische und geoökologische Konflikte, Leitbilder, diskurstheoretische Ansätze finden sich in einer Unzahl von Forschungsdesigns, die sich „mit dem Räumlichen“ beschäftigen. Ein wichtiges Thema wurde jedoch bei dieser Tagung weitgehend ausgeblendet, nämlich ein Schwerpunkt zu Theorie(n), Paradigmen und Konzepten des Faches. Dieses Defizit muss hier nachfolgend auch noch für die Politische Geographie wie die Kritische Geopolitik angesprochen werden.

Die zweite Veranstaltung war als eine der üblichen Vorkonferenzen zum IGC organisiert und führte uns thematisch an die Forschungsfront: „Spatialising the (Geo)Political. Political Geography and Critical Geopolitics Preconference 2012. 24./25. August 2012 - Frankfurt am Main“ (Nissel 2012).[5]) Sie kann als Folgekonferenz der Tagung „Critical Geopolitics 2008“ am 23. und 24. September an der Universität Durham (United Kingdom) gesehen werden, bei der erstmals in Europa eine umfassende Bestandsaufnahme und Diskussion dieser postmodern-konstruktivistischen Richtung der Politischen Geographie versucht wurde. Der vorliegende Aufsatz könnte es jetzt dabei belassen. Um aber das aktuelle Niveau, die Internationalisierung der Forschergemeinde, die inhaltliche Bandbreite sowie die (Fehl-)Entwicklungen der Kritischen Geopolitik aufzuzeigen, sollen hier Tagungsthemen sowie Beiträge genannt werden. Es handelt sich um ein buntes Kaleidoskop, bei dem weniger die Details, sondern das Puzzle insgesamt den Stand der Dinge vermitteln sollen. Zwei Hauptthemen bildeten das Rückgrat der Konferenz: „Integration and Desintegration of the Nation State“ und „Critical Geopolitics 2012“. Jeweils fünf Parallelsitzungen waren je drei Beiträge gewidmet. Die Themen der Sitzungen lauteten: „Narrating Changing State Structures“/„Producing Geopolitical Rationalities“, „Geopolitics, the State and Beyond“/„Language and Media“, „Sites and Spaces of (In)Security“/„Social and Political Movements“, „Knowledge Diffusion in a Geopolitics of Sport“/„(The) Critical Geopolitics of Global Inequality and Aid“ sowie „Territoriality and the Nation State“ und zuletzt „Geopolitical Visions and Imaginations“. Schon diese Aufzählung macht deutlich, dass hier hochaktuelle Themen des Faches und neueste internationale Entwicklungen aufgegriffen wurden. Die Eröffnungsrede durch David Newman (Ben Gurion University, Israel): „Bringing Political Geography and Critical Geopolitics together“ führte bereits zu einer lebhaften Diskussion, bewies aber auch die Uneinigkeit der Teilnehmer in dieser Kernfrage. Alexander B. Murphy (University of Oregon) referierte über Deutung von Territorialität, Staat und Macht in Europa in Zeiten der Eurokrise und (einmal) aus amerikanischer Sicht.

Weitere Sitzungen und Referate griffen u.a. folgende Themen auf: wie sich die zunehmende Bedeutung von internationalen Organisationen/Institutionen auf die Einzelstaaten und deren Umgang mit der Macht auswirkt, wie soziale und politische Bewegungen Gesellschaften beeinflussen (können), wie die Verwendung von Sprache und Medien Macht hemmt oder befördert. Eindrucksvoll ein ungewöhnlicher Beitrag von Anton Gosar (University of Primorska, Slovenia): „Territorial identity in the integrating and disintegrating Europe. Biographical Reflection“. Gosar zeigte sowohl in seiner Biographie wie jener seiner Familienangehörigen die Absurditäten ideologischer Verbohrtheit, politischen Wandels und territorialer Grenzveränderungen auf - ein Plädoyer für ein geeintes Europa. Auch die Mehrzahl der anderen Referate bewegte sich theoretisch wie empirisch auf hohem Niveau; subjektiv herausgegriffen seien Sami Moisio (University of Oulu, Finland): „Critical geopolitics of the state“ und Virginie Mamadouh (University of Amsterdam): „Projecting national languages abroad: French, German, and English as European lingua franca“. Unter die Lupe genommen wurden geopolitische Images von und durch Hilfsorganisationen und die Vermarktung von Armut und Hunger, Marginalisierung durch ungleiche Wissensverteilung als Ausgangspunkt politischer Konflikte oder auch „ausgefallene“ Staaten im geopolitischen Diskurs wie Ukraine (Ievgenii Rovnyi, Goethe-Universität) oder Somalia (Anita Kiamba, University of Nairobi, Kenya). Ein Block widmete sich der Relation von Sport und Geopolitik, insbesondere auf die aktuellen Olympiaden in London und Sotschi gerichtet. Viele Themen waren nonkonformistisch, aber spannend angelegt, dazu ein Beispiel: Elena Dell’Agnese (Università di Milano-Bicocca) zeigte Filmsequenzen zu Utopien über die künftigen Entwicklungen (bzw. über den Untergang) der Menschheit und versuchte daraus ein Konzept einer öko-kritischen Geopolitik abzuleiten.

Die Politische Geographie hat sich - nicht zuletzt durch die Entwicklungen in der kritischen Geopolitik - weit entfernt vom „moribund backwater“-Status (wie es um 1970 der bedeutende amerikanische Geograph Brian Berry formulierte). Die Mehrheit der Beiträge dieser Konferenz war anregend, spannend und food for thoughts. Was sich jedoch seit Durham 2008 nicht geändert hat - einerseits die enorme Bandbreite möglicher Themen, einsetzbarer Methoden und brandaktueller Diskurse des politischen Geschehens, andererseits leider auch das anhaltende Fehlen einer stringenteren Theoriebasis. Sollen wir uns damit zufriedengeben zu sagen (A.E.Parkins, 1934), „geography is what geographers do“?

Der Blick über den großen Teich - eine kritische Deutung der Critical Geopolitics in und aus den USA

Wissen ist Macht. Mit den Thesen von Lyotard, Foucault, Derrida müssen wir sagen, dass das „postmoderne Wissen“ die Rolle jeder Wissenschaft als Deutungs- und Disziplinierungsmacht „westlicher“ Wissensgesellschaften betont. Damit formt die Politische Geographie ihren Gegenstand, den sie untersucht. Was sie als untersuchungswürdig befindet, schließt gleichzeitig andere mögliche Optionen aus. Sie analysiert und interpretiert politische Phänomene aus geographischer Sicht. Joe Painter dazu (2003, 637):[6]) „it (H.N.:Political Geography) polices what counts as legitimate enquiry and disciplines, literally, the practices and productions of ‚political geographers’. Both the generation and the limitation are the outcomes of the apparatus of academic disciplinarity; the journals, conferences, study groups, text books, courses and historiography“. Auch diese (Teil-)Disziplin ist inzwischen ein „auf anglophone Internationalität dressierter Wissenschaftsbetrieb“ (Reuber, 2012, 32). Dazu gehört schon einmal die exklusive Verwendung des Englischen bei internationalen Fachtagungen (auch die letzten Widerstandskämpfer der Francophonie verschwinden zunehmend). Joan Robinson spricht (in ironischer Anlehnung an post 9/11-Diskurse) von einer „axis of analysis which establishes the US-EU as a hegemonic zone of the production of knowledge“ (2003,648).[7]) Es handelt sich aber weniger um die Achse US-EU, sondern eher um die Achse US-GB (Great Britain), d.h. um die beherrschende Stellung des anglophonen Wissenschaftssystems und Wissenschaftsapparats. Robinson definiert dies als KPIC (Knowledge Production Industrial Complex). Häkli geht in derselben Ausgabe der Zeitschrift Political Geography noch einen Schritt weiter und wendet das bekannte Weltmodell von Peter Taylor aus der Radical Geography an: „The hegemony could be seen as a set of concentric circles centered on Anglo-American Geography, followed by the circles of up-to-date Northern and Western Scholarship, more parochialgeographies of the South and East, and finally Third World geography“ (Häkli 2003, 660).[8])

Diese Aussagen treffen ins Mark. Hinter dem Wissen (der Kathederwahrheit der Wissenden) steht eine wissenschaftsinterne Geopolitik, die den machtvollen US-GB-Diskurs als state of the art versteht. Damit produziert die Politische Geographie pikanterweise Abhängigkeitsverhältnisse - also gerade jenes Fach, das die Aufdeckerfunktion räumlich erkennbarer Ungleichheiten auf den Schild gehoben hat. Als Basis dienen häufig unreflektierte westliche Codes und Werte, die vom Selbstverständnis des „Eigenen“ ausgehen.

Durch die schiere Größe der akademischen Welt in den USA, durch die Bedeutung ihrer Spitzenuniversitäten und der darin Forschenden und Lehrenden, durch ihre Medien- und Publikationsdominanz, ihre materiellen Möglichkeiten der Forschung und ihre Vernetzung mit offiziellen Regierungseinrichtungen und privaten Think-tanks nimmt die permanente Wissensproduktion - auch der Kritischen Geopolitik - in den Vereinigten Staaten eine hegemoniale Position im internationalen Wissenschaftsbetrieb ein. Ein kurzer Blick in die Inhaltsverzeichnisse der führenden Fachzeitschriften „Political Geography“, „Geopolitics“, AAAG („Annals of the Association of American Geographers“) und „Antipode“ zeigt die Richtigkeit dieser Annahme.

Die wichtigste Vereinigung amerikanischer Geographen, die Association of American Geographers, organisiert regelmäßig (auch) Konferenzen zu „New Directions in Critical Geopolitics“. Die Fachzeitschrift „Political Geography“ enthält im Jahrgang 29 (2010)[9]) ein Special Issue, herausgegeben von Marcus Power und David Campbell, zu „The State of Critical Geopolitics“, Laura Jones und Daniel Sage analysieren ebenfalls „New directions in critical geopolitics: an introduction“ („Geojournal“, 2010).[10]) Der Verlag Ashgate publiziert eine Buchserie „Critical Geopolitics“ (hrsg. von Klaus Dodds und Alan Ingram)[11]) und als jüngstes Kind einen voluminösen Band, herausgegeben von Klaus Dodds, Merje Kuus und Joanne Sharp: „The Ashgate Research Companion to Critical Geopolitics“ (2013).[12]) Ich werde nachfolgend Anmerkungen zu diesen Veröffentlichungen machen. Die vorhin angesprochene Dominanz der anglo-amerikanischen Wissensproduktion dürfte aber aus diesen Hinweisen schon klar ersichtlich sein.

Immer wieder beißt sich die Katze in den Schwanz, und auf die Frage, was Geopolitik eigentlich ist oder sein sollte, reagiert Jason Dittmer gelassen mit: „The term has a long history of meaning different things to different people.“ [13]) Ja, das stimmt. Und warum sollte dies mit der Kritischen Geopolitik anders sein? Die Forschung in den USA hat sich tatsächlich in den letzten Jahren anders als im deutschsprachigen Raum entwickelt. Einfach formuliert, hinein in die alltäglichen Lebenswelten, Sorgen und Nöte und zugleich etwas weg von Analysen globaler Politikverfasstheit sowie der Text- und Bild-Dekonstruktion in streng konstruktivistischer Manier. Offensichtlich wird jetzt eine Brücke zu Handlungsanalysen (vor-)geschlagen. Jennifer Hyndman (2010, 247)[14]) stellt die Gretchenfrage nach dem „Politischen“ in der Kritischen Geopolitik: „the question of wether critical geopolitics is largely a discursive critique of prevailing knowledge production and geopolitical texts or critique with an implicit, normative politics of ist own.“ Ó Tuathail beantwortet die Frage nach neuen Wegen mit: „Obviously, the a f f e c t i v e (Hervorhebung H.N.) dimension of human behaviour is a very exciting agenda and one quite relevant to the practice of geopolitics“ (2010, 316).[15]) Aber dieser vielleicht bedeutendste Gründervater der Kritischen Geopolitik bleibt auch recht skeptisch (an gleicher Stelle): ...But in exposing geopolitics as a convenient fiction, Critical Geopolitics reveals itself as a similarly convenient fiction of opposition. It is merely the starting point for a different form of geopolitics, one hopefully burdenend less by nationalism and chauvinistic universals and more committed to cosmopolitan justice and self-critical analysis.“

Dies scheint nun wirklich ein Wendepunkt in der Rezeption der Kritischen Geopolitik zu sein. Soll die zentrale Aufgabe des Faches die Dekonstruktion existierender Leitbilder etc. bleiben oder soll sie einem moralischen Impetus zur Weltverbesserung nachgeben? Im anglophonen Bereich schlägt das Pendel nun immer mehr in die neue Orientierung aus. Kritische Geopolitik wird weniger als eine Theorie angesehen, wie Raum und Politik zusammenhängen, sondern eher (nur) als Methode des Aufdeckens von Produktionen des Wissens. Es reiche nicht (mehr), Ursachen und Zusammenhänge (etwa von Kriegen) zu dekonstruieren, sondern es gelte, die „moralische Nähe“ zwischen „us and them“ (den Kriegsopfern) herzustellen und damit eine (auch persönliche) Betroffenheit zuzulassen. Insbesondere hat sich in diese neue Dimension die Feministische Geographie eingebracht, und hier wiederum Vertreterinnen der Feminist Geopolitics, Judith Butler, Jennifer Hyndman, Linda McDowell, Joan Robinson und andere.

Zugleich wird damit in die Diskussion die lokale Ebene menschlichen Verhaltens im Raum den „großen Fragen“ der Weltpolitik gleichwertig an die Seite gestellt: „make space for non-essentialist politics on the ground“ (Hyndman, 2010, 317). Diese Hinwendung zu den „kleinen Dingen, die zählen“, findet sich auch in anderen Bereichen der postmodernen Humangeographie, und es war nur eine Frage der Zeit, bis sie auch die Kritische Geopolitik erreicht. Sie firmiert in den USA unter „non-representational theory“ (NRT). Fraser MacDonald erklärt (unter Bezugnahme auf einen Essay von Nigel Thrift 2002), wie dies zu verstehen ist (2010, 318):[16]) „It’s the little things - slating our mesmerized attention to texts and images ... attentiveness to ‚little things’: to objects; to the human body; and to the arena of words, namely, the dialogic significance of utterance itself and the ways in which ‚little’ words like ‚the’ and ‚we’ can have geopolitical importance. NRT’s interest in matters of percept, affect and emotion, as well the focus on the most ordinary (‚precognitive’) forms of socialty is reframing the object of our geopolitical enquiry.“ Dem möchte ich entgegenhalten, dass man dabei sehr leicht das Kind mit dem Bade ausschütten kann. Wenn die Kritische Geopolitik dabei die „Klassische“ aus den Augen verliert, können sich die realen militärischen Geostrategien der jeweils „Mächtigen“ wiederum ungehindert ausbreiten. Sollte sich die Kritische Geopolitik nur noch um die „kleinen Dinge“ kümmern und ihr ursprüngliches Anliegen aus den Augen verlieren, besteht die Gefahr, dass sie das gängige Politik- und Strategie-Machen nur kurzfristig zu stören vermag und mittelfristig zu einer akademischen Nische verkommt.

Um die Themenführerschaft und Vielfalt der amerikanischen Critical Geopolitics zu untermauern, seien hier noch weitere Themen/Titel zitiert. Die Serie „Critical Geopolitics“ des Verlags Ashgate[17]) (hrsg. von Klaus Dodds, Alan Ingram und Merje Kuus) bewegt sich als prominente Fachvertreterin in diesem weiten Spektrum und deckt die „großen und kleinen Dinge“ ab. Die Einführung in die Buchreihe zeigt dies auf:

„Over the past decades, critical geopolitics has become a prominent field in human geography. It has developed to encompass topics associated with popular culture, everyday life, architecture and urban form as well as the more familiar issues of security, inter-national relations and global power projection. Critical Geopolitics takes inspiration from studies of governmentality and biopolitics, gender and sexuality, political economy and development, postcolonialism and the study of emotion and affect Methodologically, it continues to employ discourse analysis and is engaging with ethnography and participatory research methods.“

Sicher dient ein solcher Einführungstext dazu, eine möglichst große Anzahl potenzieller Leser anzusprechen, aber es ist doch überraschend, wie hier die „kleinen Dinge“ vorangestellt werden und der Kernbereich zweitrangig erscheint. Die op. cit. Frankfurter Konferenz 2012 hat ja auch vielfältig in diese Themenliste diffundiert. Bisher sind folgende Bände in der Reihe erschienen, durchwegs auf hohem Niveau und von bekannten Autoren:

Alan Ingram und Klaus Dodds (eds.) (2009): Spaces of Security and Insecurity. Geographies of the War on Terror. Eine Aufsatzsammlung, welche die globale und historische Komplexität von Sicherheit und Unsicherheit in vielfältiger Weise analysiert, mit Beiträgen von Alex Jeffrey, Nick Megoran, Jason Dittmer etc.

Jason Dittmer and Tristan Sturm (eds.) (2010): Mapping the End Times. Die größten Konflikte weltweit werden in diesem Band den religiösen Auseinandersetzungen und ihren politischen Implikationen zugeschrieben. Dem amerikanischen Exzeptionalismus wird nachgegangen durch Rekurse auf apocalyptic geopolitics, missionary geopolitics, the missionary geoscience of race, difference and distance. Besonders die Diskussion der Endzeit-Szenarien ist vergnüglich.

Scott Kirsch and Colin Flint (eds.) (2011): Reconstructing Conflict. Die schöne räumliche und zeitliche Dichotomie von Krieg und Frieden wird verworfen, weil die Realität ungleich vielschichtiger ist. Diese hässliche Wahrheit wird empirisch getestet u.a. an Völkermorden aus dem Blickwinkel der Rekonstruktion: Kambodscha, Aceh, Burma, Irak und mehr. Zuletzt: Luiza Bialasiewicz (ed.) (2011): Europe in the World. Eine Analyse der „EU Geopolitics and the Making of European Space“ v.a. für die amerikanische Leserschaft.

Eine größere Anzahl singulärer Titel außerhalb dieser Reihe mit politisch-geographischen und geopolitischen Inhalten ist ebenfalls in den letzten Jahren erschienen, u.a. Conflict Hot Spots, Constructive Anarchy - Building Infrastructure of Resistance, Critical Toponymies - The Contested Politics of Place Naming.

Auch daraus geht hervor, wie viel (zu viel?) unter dem Schirm der Critical Geopolitics Platz hat.

Zuletzt sei hier noch der neueste große Reader genannt, der dem momentanen state of the art dieser Disziplin entspricht: Klaus Dodds, Merje Kuus, Joanne Sharp (eds.) (2013): „The Ashgate Research Companion to Critical Geopolitics“ (576 Seiten).

Methodisch-theoretische Kritik an der Kritischen Geopolitik und Ausblick

„Geography is what geographers do“. Diese lapidare, gleichwohl berühmte Aussage des amerikanischen Geographen A.E. Parkins (1934) kann als Totschlagargument für jede Diskussion herhalten. Es würde uns allerdings hier zur Klärung der Standortbestimmung der Kritischen Geopolitik nicht weiterhelfen. Die jüngsten Kongresse zur Thematik in Deutschland und die Recherche in der anglophonen Fachliteratur zeigen eines: Die Identitätskrise der Kritischen Geopolitik hält an wie jene der Geopolitik. Ihr Gegenstand, ihre Methoden und Beiträge zu sozialwissenschaftlichen Theorien bleiben umstritten. Eine einstimmige Definition dessen, wofür sie stehen soll, wird nicht gefunden werden. Die Probleme mit der Kritischen Geopolitik beginnen schon mit dem Namen. Innerhalb der Humangeographie scheint klar zu sein, wofür sie entgegen der „klassischen Geopolitik“ steht. Aber der Begriff „Geopolitik“ in Nachbarwissenschaften wie Politikwissenschaften, Internationale Beziehungen oder in den Medien hat eine andere Konnotation. Für sie ist der Begriff „Kritische Geopolitik“ ein Widerspruch in sich, bestenfalls handelt es sich um eine „falsche“ Begriffskombination. Geopolitik steht seit Ratzel und Haushofer für die Nutzung der Macht durch die Mächtigen und gegen die Schwächeren und kann definitorisch gar nicht „kritisch“ sein hinsichtlich des Zustands einer Gesellschaft oder ihrer Machtbeziehungen. Das Dekonstruieren geopolitischer Diskurse und damit die Aufdeckung der dahinter stehenden Abhängigkeiten ist die später angebrachte Prägung durch die Geographen. Virginie Mamadouh (2010, 320)[18]) sagt es sehr klar: „In geography, critical geopolitics seems a popular notion, but its attractiveness is possibly the sole result of the sexy combination of space and power. Nevertheless as all popular concepts it tends to become diluted into the variety of meanings attributed to it while being used ... Expanding in all directions is good to reach a critical mass and get leverage for a sustained research effort, difficult to achieve in geography, a rather small, though - in terms of topics, epistemologies and methodologies - extremely diverse discipline. It is, however, detrimental to the power of a notion to define its niche and to communicate its specific expertise to the outside world.“ Also, wo liegen die Schwachpunkte der „sexy combination of space and power“?

In meinem Beitrag in ÖMZ 1/2010 habe ich bereits drei wichtige Kritikpunkte umrissen. Sie sind seither nicht nur nicht verschwunden, sondern die Liste hat sich ausgeweitet. Damals ging es um das ungeklärte Verhältnis der Diskurs- mit der Handlungstheorie, den beiden wichtigsten Forschungsrichtungen der postmodernen Politischen Geographie, um die mangelnde Selbstreflexion bei der Enttarnung der „klassischen Geopolitik“ und überheblicher Anmaßung des eigenen (für allein richtig befundenen) Agierens; und um die Frage der eigenen Politikfähigkeit (Ethik oder Moral der kritischen Verantwortlichkeit). Das größte Problem liegt aber in der konzeptionellen Heterogenität des Ansatzes, der wiederum auf pluralistischen Importen von (Teil-) Theorien beruht. Da moderne und postmoderne Makrotheorien inkompatibel sind, sind auch die Versuche, einzelne ihrer Teilbereiche miteinander zu kombinieren, nicht von Erfolg gekrönt. Was heißt eigentlich „kritisch“? Es gibt sehr unterschiedliche Auffassungen hiezu. Interessant ist damit die Frage, ob die Kritische Geopolitik letztendlich nur eine neue (maskierte) Geopolitik ist. Der Vorwurf der Beliebigkeit von Theorieimporten, Methodenauswahl und Deutungsunterschieden steht im Raum. Nehmen wir den Kernbegriff „Dekonstruktion“ - ist er ontologisch oder als Werkzeug der Analyse von Macht zu verstehen? Die jetzt in den USA stark propagierte Koppelung von subjektorientiertem Akteursverständnis mit dem diskursiven Untersuchen geopolitischer Vor- und Darstellungen geht nicht wirklich zusammen. Das Akteurskonzept aus den Handlungstheorien (des methodologischen Individualismus) wird etwa so eingebracht, dass die geopolitischen Leitbilder von Schlüsselakteuren analysiert werden. Diskurse sind dann nur noch strategische Ressourcen, die für die Ziele von Handelnden verwendet werden können. Zur Popularität der Kritischen Geopolitik hat aber gerade diese Vermischung von streng genommen Unvereinbarem beigetragen. Das ist ein Kernproblem der traveling theories in den Sozialwissenschaften. Bewahrt der Mangel einer „Großen Theorie“ die Kritische Geopolitik vor ihrer „Ideologisierung“ (viele Fachvertreter lehnen gerade deshalb die Schaffung eines theoretisch-methodischen verbindlichen Kanons kategorisch ab), oder führt eine solche Einstellung nicht zwangsläufig früher oder später zur Zerstörung der Kernkompetenz des Faches (m.E. der Dekonstruktion geopolitischer Diskurse und Leitbilder)?

Unwiderlegt bleibt bisher die Feststellung einer Bevorzugung „empirischer Anschlussfähigkeit“ der Kritischen Geopolitik auf Kosten „terminologischer Tiefenschärfe“ durch Marc Redepennig (2006).[19]) Der Ansatz der Dekonstruktion und der gleichzeitige Anspruch einer betont politisch-normativen Verortung in einem „kritischen Sozialkonstruktivismus“ scheinen mir inkompatibel zu sein. Der Ruf nach politisch aktivem Engagement mit dem moralischen Anspruch einer Verbesserung der Welt geht aus dem zuvor Dargelegten über die anglophone Entwicklung des Faches deutlich hervor. Dazu noch ein Zitat von Jones und Sage (2010, 322): „For what this eclecticism reflects is also what makes critical geopolitics both a stimulating and necessary ‚intellectual and political project’, that is its ability to critically engage in some of the most pressing issues and debates concerning the global spatialization of political struggles - war, terror, security, migration, domination and imperialism, religion, human rights, environmental risk - across multiple theoretical and methodological perspectives, from which more progressive and/or ethical alternatives to ‚how things might be’ may be explored and put into practice,“.

Manche Autoren sehen gar nicht den Unterschied zwischen „Welt erklären“ und „Welt verbessern“, widersprechen sich selbst und den anderen innerhalb derselben Publikation. Ist die Wissensproduktion und deren Veröffentlichung das, was Vertreter der Kritischen Geopolitik leisten sollen, oder bedarf es des aktiven Einsatzes im öffentlichen (politischen) Leben? Viele Forscher plädieren für diese Ausweitung mit Übernahme von Konzepten aus der Radical Geography, Kritischen Geographie, Feministischen Geopolitik und anderen.

Dies führt auch zur Frage der aktiven Politikberatung, wobei unweigerlich der Vorwurf auftaucht, nur neue geopolitische Repräsentationen zu schaffen - wie sollen Dekonstruktion und Politik-Machen zusammengehen? Welcher Politiker will schon hören, auf welch tönernen Füssen seine Werte, sein Weltbild und sein Handeln stehen? Von Denkfabriken werden operationalisierbare, konkrete Handlungsanleitungen oder Spielvarianten geopolitischen Räsonierens erwartet, dafür werden sie auch finanziert. Als bloße Mahner und Verhinderer aktiver Politikgestaltung im „Großen“ und Mitgestalter „kleiner Alltagswelten“ machen sich die Vertreter der Kritischen Geopolitik entbehrlich.

Vielversprechender scheinen mir für das Fach andere Wege zu sein:

Weg vom hegemonialen Diskurs des „Westens“ und verstärktes Augenmerk auf den „Rest“ der Welt; weniger Verbleiben in den Bereichen der formalen und populären Geopolitik zugunsten der praktischen Geopolitik; stärkere Querverbindungen zur Politischen Ökonomie und Politischen Ökologie, geoökologischen und geoökonomischen Ansätzen insgesamt; mehr Gewicht auf die Untersuchung von Medien und Medienanalysen legen. Andererseits - in einer Zukunft der Netzwerkgesellschaft ist es vielleicht doch nicht mehr so wichtig, kollektiv Forschungsprioritäten zu setzen. Es ist durchaus denkbar, dass sich jenseits von (Kritischer) Geopolitik eine kritische Gegenöffentlichkeit (über Internet, Twitter, Facebook) formiert, die sprachmächtig agiert und die Einsatzpläne von Politik-Machern und ihrer Helfer durchkreuzt. Die Orchestrierung von Angstkampagnen durch Medien (insbesondere Fernsehen), um die Akzeptanz militärischer Operationen zu gewährleisten (Irak, Afghanistan) hat in den letzten Jahren herbe Rückschläge erlitten. Die jüngste Kehrtwende hinsichtlich der Bestrafungsaktionen gegen Syrien ist der (nicht mehr) schweigenden Mehrheit der US-amerikanischen Bevölkerung geschuldet.

ANMERKUNGEN:



[1]) John A. Agnew: Not the Wretched of the Earth: Osama bin Laden and the „Clash of Civilizations“. In: The Arab World Geographer 4, Nr. 2. In: Forum on 11 September 2001 Events. 2001.

[2]) Shadia Husseini de Araúo: Jenseits vom „Kampf der Kulturen“. Imaginative Geograohien des Eigenen und des Anderen in arabischen Printmedien. Bielefeld 2011.

[3]) Paul Reuber: Politische Geographie. Schöningh UTB, Paderborn 2012.

[4]) Heinz Nissel und Christine Embleton-Hamann: Down to Earth - IGC Cologne 2012. 32. Weltkongress der Geographie in Köln, August 2012. In: Mitteilungen der Österreichischen Geographischen Gesellschaft (MÖGG), 154. Jg. Wien 2012.

[5]) Ebenda., S.347-349.

[6]) Joe Painter: Towards a post-disciplinary political geography. In: Political Geography 22 (6), 2003, S.637-639.

[7]) Joan Robinson: Political Geography in a postcolonial context. In: Political Geography, 22 (6), 2003, S.647-651.

[8]) Jouri Häkli: To discipline or not to discipline, ist that the question?. In: Political Geography 22 (6), 2003, S.657-661.

[9]) Marcus Power and David Campbell (eds.): Special Issue on „The State of Critical Geopolitics“. In. Political Geography 29 (5), 2010, S.243-298. Mit Beiträgen u.a. von Gerrard Ó Tuathail, Jennifer Hyndman, Simon Dalby u.a.

[10]) Laura Jones and Daniel Sage: New directions in critical geopolitics: an introduction. With contributions of Gerard Ó Tuathail, Jennifer Hyndman, Fraser MacDonald, Emily Gilbert and Virginie Mamadouh. In: Geojournal 75, 2010, S.315-325.

[11]) Alan Ingram and Klaus Dodds (eds.): Critical Geopolitics Series, Ashgate. 2009.

[12]) Klaus Dodds, Merje Kuus and Joanne Sharp (eds.): The Ashgate Research Companion to Critical Geopolitics. Farnham (GB), Burlington (US), 2013.

[13]) Jason Dittmer: Buchbesprechung von R. Pain and S.J. Smith (ed.): Fear: critical geopolitics and everyday life. 2008. In: Progress in Human Geography 33 (6), 2009, S.874.

[14]) Jennifer Hyndman: „The question of the ‚political’ in critical geopolitics“. In: Political Geography 29 (5), 2010, S.247-255.

[15]) Geraoid Ó Tuathail: Opening remarks. In Jones and Sage, a.a.O. 2010.

[16]) Fraser MacDonald in Geojournal 75, 2010 a.a.O., S.318.

[18]) Virginie Mamadouh: critical geopolitics at a (not so) critical junction. In: Jones and Sage, a.a.O. 2010, S.320f.

[19]) Marc Redepennig: Wozu Raum? Systemtheorie, Critical Geopolitics und raumbezogene Semantiken. Leipzig 2006.