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Kruzitürken!

 
Der Feldzug der Hohen Pforte gen Wien im Jahre 1683

 

von Andreas W. Stupka


 

Ein Fluch, der in den österreichischen Landen, insbesondere aber in Niederösterreich, Wien und dem Burgenland, seit alters her wohlbekannt ist, steht im Zeichen der Auseinandersetzung zwischen Morgenland und Abendland. Ist dieser Fluch zu hören, so ist etwas passiert - etwas vermeintlich Schreckliches, keine Kleinigkeit. Und es muss etwas dagegen unternommen werden; eingreifen, reparieren, wiederherstellen ist nun gefragt. Soweit zur heutigen Bedeutung dieser Äußerung, deren Herkunft in der Zeit der Türkenkriege festzumachen ist. Etymologisch betrachtet ist dieser Ausruf eine Zusammenziehung von zwei Wörtern, deren bloße Erwähnung vor gut 300 Jahren bei allen Einwohnern Ostösterreichs blanke Angst und Entsetzen hervorrief. Die „Kuruzzen“ und die „Türken“ waren neben der Pest als die härteste aller Plagen angesehen, die der Gott der Christenheit als Strafe für das Menschengeschlecht vorgesehen hatte. Zumindest verkündete dies so der Augustinermönch Abraham a Santa Clara, ein Zeitgenosse in jenen Tagen, als die Stadt Wien bereits zum zweiten Mal von den Türken belagert wurde.1)
Tatsächlich waren diese Kämpfer aus dem Osten hart und grausam: „Mord und Brand bezeichneten die Pfade dieser zumeist aus Tartaren gebildeten Vorhut des türkischen Heeres [...] Diese wilden Horden verheerten fast ganz Niederösterreich und verwandelten dieses in der ersten Zeit von regulären Truppen entblößte blühende Land auf Jahre hinaus in eine Wüste.“ 2) Die türkischen Streifscharen und deren zeitweilige Verbündete, eben die ungarischen Kuruzzen, raubten und plünderten im unmittelbaren Treiben aus reiner Beutegier. Diese Voraustruppen des türkischen Hauptheeres stellten um 1683 in erster Linie die den Osmanen tributpflichtigen Tartarenstämme (in einer anderen Schreibweise auch: Tataren) des Schwarzmeer- und Wolgagebietes. Hinter ihrer Brutalität im Vorgehen - vor allem gegen die Zivilbevölkerung in den Feindgebieten - steckte ein von den Osmanen gerne angewendetes Mittel der psychologischen Kampfführung. Dies zielte auf Einschüchterung durch Brutalität und Gnadenlosigkeit mittels jener Voraustruppen - der Widerstandsgeist der zu Unterwerfenden sollte bereits a priori gebrochen sein, bevor die Hauptarmee auf dem Kriegsschauplatz eintraf. Nur leicht bewaffnet, waren die Tartarenhorden zu solchem Wüten von den Kommandierenden der türkischen Streitmacht angehalten, sie richteten in den zwei Monaten der Belagerung Wiens im weiten Umland förmlich ein Blutbad an: „Man berechnete die Zahl der von den Tartaren nicht im ehrlichen Kampfe getöteten, sondern kaltblütig niedergemetzelten Einwohner Niederösterreichs auf 30.000. In die Gefangenschaft dürften bei 40.000 Personen beiderlei Geschlechtes abgeführt worden sein, wovon die wenigsten wieder ihre Heimat sahen. 5.000 Ortschaften gingen während dieser fürchterlichen Invasion in Flammen auf, darunter Altenmarkt, Brunn am Gebirge, Baden, Bruck an der Leitha, Fischamend, Hainburg, Hietzing, Hernals, Laxenburg, Mödling, Prellenkirchen, Pottendorf, Penzing, Perchtoldsdorf, Schwechat, Traiskirchen, Weißenbach etc.“ 3),4)
Trotz aller Grausamkeiten und Verwüstungen war es diesem großen Heer der Türken nicht gelungen, Wien zu erobern, vielleicht auch gerade deswegen. Die Verteidiger der Stadt kämpften mit einer Zähigkeit, die von den Türken unterschätzt worden war. Ebenso verhielt es sich mit dem zahlenmäßig den Türken unterlegenen Entsatzheer, dem es gelang, Wien zu befreien und die Türken bis Jahresende 1683 weit nach Ungarn hinein zu vertreiben. Strategisch bedeutsame Festungen und Städte konnten zurückerobert werden. Überhaupt war dieser Sieg vor Wien der Auftakt zum so genannten „Großen Türkenkrieg“, der mit der Niederwerfung der osmanischen Armee 1697 durch den Prinzen Eugen von Savoyen bei Zenta seinen militärischen Endpunkt erfahren sollte. Im 1699 geschlossenen Frieden von Karlowitz musste die Hohe Pforte erstmals einen diktierten Frieden hinnehmen, und seit der Niederlage vor Wien sollte der Halbmond kontinuierlich verblassen. Wien war daher ein Sieg von besonderer Bedeutung, der sich heuer zum 330. Male jährt. Nicht bloß ein Eroberungskrieg, der neue Gebiete bringen sollte, war diesem Feldzug zugedacht; es war ein Ideologiekrieg unter der Patronanz des einen und wahren Gottes, der auf beiden Seiten, jeweils unterschiedlich perzipiert und interpretiert, der wahren Sache dienlich zu sein hatte, indem sich jeder Streitende in irgendeiner Form auf ihn berief.
Es kämpften daher Gotteskrieger gegen Giauren und Kreuzritter gegen Heiden, woraus leicht zu erkennen ist, dass beide Lager immer durch den Willen einer transzendenten Instanz begleitet waren, der jene Befriedigung der Lüste auf Kosten meist unschuldiger Menschen rechtfertigt; wie anders könnte ein Krieger jemals seiner Frau ins Gesicht sehen, wenn er vorher im Krieg zahllose vergewaltigt, zerhackt oder auf dem Sklavenmarkt verscherbelt hat. „Auf der ersten Leipziger Messe nach dem Siege über die Türken vor Wien, 1683, sollen, wie die Münchner ‚Ordentliche Wöchentliche Postzeitung‘ zu berichten wusste, daselbst ‚etliche Fässer voll gedörrte Türken-Köpffe‘ feilgeboten worden sein, die nach anfänglichen Schwierigkeiten dann reißenden Absatz gefunden hätten. Man sieht, der Unterschied zwischen einer ‚christlichen‘ und einer ‚muselmanischen‘ Kriegsführung war im Grund kein so großer, wie man dies mitunter vermeinte.“ 5)
Doch diente der Allmächtige hier, wie seit jeher, nur als Vorwand, um einen Krieg zu führen, der Reichtümer und Schätze verspricht: Ressourcen für das Reich und unbeschreiblichen Ruhm für den Eroberer, der sich damit ein Denkmal setzen will, dazugehören will in den Kreis der Unvergesslichen der Weltgeschichte. Die Strahlkraft des Weltgeistes sollte von einer einzigen Person ausgehen, wenigstens für diesen Moment der Eroberung des Abendlandes, dessen Bastion im Südosten die Residenzstadt der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches zu sein pflegte. Wien war der „Goldene Apfel“, den es zu pflücken galt, und Kara Mustafa, der Großwesir des Osmanenreiches, hatte sich aufgemacht, diesen zu erobern. „Noch mehr reizt den beutelüsternen Serasker jedoch die Aussicht auf die sagenhaften Schätze des Goldenen Apfels; vielleicht denkt er auch tatsächlich daran, wie von Geschichtsschreibern vermutet wurde, sich hier an der Peripherie des Osmanischen Reiches ein Territorium zu erobern, das seine persönliche Hausmacht stärken soll.“ 6) Im Namen seines Gottes unsterblichen Ruhm zu ernten und für die osmanischen Herrscher die Eintrittspforte ins Abendland zu öffnen, waren seine persönlichen Beweggründe; welche politisch-strategischen Absichten jedoch gewähren ihm die Erfüllung dieser Wünsche?

Politisch-strategische Lage in Europa und Vorderasien

Nach dem grauenvollen Dreißigjährigen Krieg lag das Heilige Römische Reich ziemlich zerschunden da, eher einem hohlen Torso gleich als einem geeinten gesunden Staatenverbund, der als politischer Machtfaktor zu agieren imstande war. Der Kaiser selbst war in seiner Autorität vornehmlich eingeschränkt auf die österreichischen Gebiete, die habsburgischen Erblande; seit 1655 regierte Leopold I. Längst vorbei waren die Zeiten, als Spanien und das Reich noch von ein und derselben Person geführt wurden, wie dies unter Karl V. der Fall gewesen war, in dessen Herrschaftsbereich bekanntlich die Sonne nie unterging. Spanien, obwohl noch immer von einer habsburgischen Linie regiert, war nicht mehr in der Lage, das Reich mit Geld und Truppen zu versorgen; der Befreiungskampf der Niederländer, der mit der Anerkennung ihrer Unabhängigkeit 1648 geendet hatte, war für Spanien ein weiterer Schritt seines Rückzuges aus der europäischen Großmachtpolitik.
Der große Profiteur aus all den europäischen Wirren jener Jahre war Frankreich gewesen, das sich damit aus der strategischen Umklammerung der Habsburger zu lösen vermocht hatte. Unter der Regentschaft Ludwigs XIV. war das Land um die Mitte des 17. Jahrhunderts zur Führungsmacht in Europa aufgestiegen, und zwar auf allen Gebieten politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Schaffens. Durch Ludwigs geschickte innenpolitische Umtriebigkeit war es ihm gelungen, einen Zentralstaat zu errichten, indem er die Adeligen aus den Provinzen zur Wahrnehmung verschiedener Funktionen des pompösen Hofzeremoniells nach Paris holte und sie damit entmachtete.7) Er hatte also Frankreich fest im Griff, verfügte über die größte Armee seiner Zeit und hatte innerhalb sehr kurzer Zeit auch eine riesige Flotte aufgebaut. Die französische Diplomatie beherrschte das politische Parkett der Fürstenhöfe, und der französische Lebensstil galt beim europäischen Adel als das Vorbild schlechthin.
Eine solche Machtfülle will jedoch auch erhalten werden, weshalb Ludwig ständig bemüht war, strategisch günstige Positionen in Europa zu schaffen. V.a. galt es, dem Kaiser die Stirn zu bieten und sich als Protektor zumindest der westlichen Reichsteile, die in zahlreiche kleine Staatswesen aufgesplittert waren, zu generieren: „Die einzelnen Fürsten waren zwar eifersüchtig auf ihre Souveränität erpicht, aber selten in der Lage, diese allein auch sicherzustellen. Diese amorphe Masse möglichst zu paralysieren, wenn nicht sogar zu den eigenen Gunsten zu organisieren, war für Frankreich von höchster Bedeutung. Und sollte es denn wirklich unmöglich sein, diesem aus allen Fugen krachenden Reichskadaver eine neue, in der Tradition aber mindestens ebenso alte Reichsidee einzuhauchen, nämlich die eines erneuerten karolingischen Reiches?“ 8)
Zu diesem Zweck brauchte Ludwig XIV. Verbündete. Und er fand sie relativ schnell im osteuropäischen Raum. Zunächst waren dies die Polen, die sehr gut als Anlehnungsmacht für alle Aufstände im habsburgischen Osten dienen konnten. Diese Rebellen wiederum, die die Polen gerne als Anlehnungsmacht in Anspruch nahmen, waren in erster Linie die Ungarn, deren Land aufgrund der Erbfolge bereits Mitte des 16. Jahrhunderts an die Habsburger gefallen war: Im Jahre 1526 war Ludwig II., König von Böhmen und Ungarn, als letzter aus dem Geschlecht der Jagiellonen in der Schlacht bei Mohacs gegen die Türken gefallen; daraus entbrannte ein Erbfolgestreit zwischen dem deutschen Kaiser Ferdinand I. und Johann Zápolya um die Krone von Ungarn. Letzterer verbündete sich mit den Türken, ein Umstand, der den Sultan 1529 vor die Tore Wiens führte.9) Obwohl ein Großteil der ungarischen Gebiete von den Türken besetzt wurde, kam es im habsburgischen Oberungarn immer wieder zu Aufständen gegen die harte Herrschaft. Die Ungarn verbündeten sich mehrere Male mit den Türken, und das kam auch Ludwig XIV. sehr zurecht.
Denn die Franzosen setzten bei der Wahl ihrer Mittel gegen Kaiser und Reich nicht nur auf christliche Völker. V.a. bemerkenswert erscheint daher die französisch-osmanische Verbindung, die bereits im 15. Jahrhundert begonnen hatte; Frankreich musste aus der komplizierten Konstellation polnischer Fürstenentscheidungen, siebenbürgischer Machtansprüche und ungarischer Königswahl erkennen, dass eine Macht im Rücken der Habsburger aufzubauen ohne türkische Unterstützung nicht möglich war. Diese Liaison zwischen der Krone und der Pforte war in Europa und sogar unter den französischen Adeligen nicht unumstritten, bezeichnete sich doch der französische König als der „Allerchristlichste“ und bildete Frankreich seit dem Mittelalter doch das Zentrum des Kreuzzugsgedankens, auch gegen die Türken - es war daher eine brüchige Freundschaft, die eher einer Zweckkoalition gleichkam: „Eine festgeschriebene Allianz bestand de jure entgegen allgemeiner Annahme zu keinem Zeitpunkt unserer Betrachtungsperiode (Anm: 1525-1792); für eine tiefgehende ‚Freundschaft’ und gegenseitiges Zutrauen zwischen Lilie und Halbmond fehlte jedes Fundament […] Es lag auch - aufs Ganze gesehen - gar nicht in der Absicht der französischen Politik, eng mit den Osmanen zusammenzuarbeiten. Vielmehr richtete sich das Streben von dieser Seite darauf, den expansiven Drang der Pforte kurzfristig bei Bedarf für die eigenen Zwecke fruchtbar zu machen, zu kanalisieren und verstärkt in das Duell mit dem Hause Österreich einzubinden.“ 10)
In seinem Vormachtstreben gegenüber Spanien, Kaiser und Reich hielt es Ludwig XIV. mit allen, die den Habsburgern schaden konnten und wollten. Dennoch gestaltete sich die Lage nicht so einfach, wie es zunächst scheinen mochte, denn auch die christlichen Völker Osteuropas, allen voran die Polen, lagen mit den Türken phasenweise im Krieg, wenn es um die Erhaltung ihres Machtbereiches ging. Auch Russland schickte sich bereits an, die Weltbühne betreten zu wollen, indem es seine Grenzen mit der Einverleibung der Kosakengebiete ein gutes Stück Richtung Mitteleuropa nach vor schob und dadurch mit den Türken permanent in Konflikt geriet.
Der gesamte südosteuropäische Raum war zu jener Zeit jedoch entweder Teil oder als Vasall unter dem Einfluss eines Kolosses, der seine Herrschaft über drei Kontinente ausgedehnt hatte: Das Osmanische Reich mit seinem Kernland in der heutigen Türkei reichte tief hinein nach Zentralasien, Arabien, Nordafrika und eben hinauf bis nach Ungarn an den Plattensee und damit über die gesamte Balkanhalbinsel. Den Zenit seiner Macht und damit seines Expansionsdranges hatte es im 17. Jahrhundert jedoch bereits überschritten. Durch die Niederwerfung der christlichen Balkanvölker waren die Osmanen im Norden etwa ab dem Beginn des 16. Jahrhunderts an die Grenzen des Habsburgerreiches und damit eines ebenbürtigen Gegners gestoßen. Dennoch war der Kaiser zunächst genötigt, sich Friedensschlüsse mit den Türken in Form eines jährlichen Tributs zu erkaufen und Gebietsabtretungen in Ungarn zuzugestehen. Nach der erfolglosen ersten Belagerung Wiens durch Sultan Suleiman den Prächtigen im Jahr 1529 folgte eine Serie unfähiger Herrscher, und im Riesenreich begann es zu rumoren; Misswirtschaft und Korruption führten zu Aufständen, teilweise erhoben sich auch die einzelnen Garnisonen; hinzu kam noch die Bedrängnis von außen: im Mittelmeer v.a. durch die Venezianer, im Osten durch die Perser.
Durch diese Umstände veranlasst, sahen sich die Osmanen 1606 gezwungen, mit dem Kaiser den Frieden von Zsitva Torok zu schließen: „Die wichtigsten Bestimmungen der 17 Vertragsartikel sind die Feststellung der protokollarischen Gleichrangigkeit von Kaiser und Sultan, die Vereinbarung, den jährlichen Tribut durch eine einmalige Zahlung [...] zu beenden, [...] Austausch von Botschaftern etc. Damit markiert dieser Friedensschluss eine bedeutsame Phase in den österreichisch-osmanischen Beziehungen: Die Osmanen erkennen die Habsburger als gleichrangige Gegner an.“11) Dieser Frieden kam dem Reich während des Dreißigjährigen Krieges zugute, als die Osmanen mit der Stabilisierung ihrer Herrschaft im Inneren und im Osten beschäftigt waren.
Erst gegen die Mitte des 17. Jahrhunderts stabilisierte sich die Lage durch die Einsetzung von Köprülü Mehmed Pascha und in der Folge seines Sohnes als Großwesire. Aufstände im Inneren wurden mit äußerster Brutalität niedergeschlagen, die Staatsfinanzen wieder geordnet, die Venezianer verloren 1669 den Krieg im Mittelmeer und ihre Festung Kandia/Iraklion auf Kreta nach 21-jähriger Belagerung,12) und ein Feldzug gegen das habsburgische Ungarn wurde durchgeführt - dieser scheiterte allerdings 1664 durch die Niederlage bei St. Gotthard an der Raab, wo Raimondo Graf Montecuccoli die Kaiserlichen zum Sieg führte. Ein neuer Frieden für die Dauer von
20 Jahren wurde vereinbart. Währenddessen war allerdings ein Mann in die Weltgeschichte eingetreten, der sich in den Kämpfen gegen Russland bereits sehr bewährt hatte: Kara Mustafa.13) Er folgte 1676 den Köprülüs im Amt als Großwesir nach.
„Mit Kara Mustafa, der große Klugheit und Tatkraft mit einer ungeheuren Macht- und Geldgier verband, betrat eine Persönlichkeit die Weltbühne, durch die die osmanische Außenpolitik [...] sehr viel von ihrer bisherigen Kalkulierbarkeit verlor.“ 14) Der Großwesir war der zweite Mann im Reich, mit einem absoluten Vertrauensverhältnis zum Sultan - war dieses einmal zerstört, wurden die Großwesire in der Regel hingerichtet.15) Oft, wie im Falle Kara Mustafas, hatte der Großwesir auch das Amt des Seraskers, des obersten Heerführers, inne. Der ehrgeizige Charakter dieses Großwesirs verlangte, es den Köprülüs nachzutun: Er war der Ziehsohn von Köprülü Mehmed Pascha - und wollte diese mit der Einnahme Wiens an Ruhm und Glanz noch übertreffen.
Den Anlass dazu bot ihm der Aufstand der ungarischen Kuruzzen unter der Führung von Imre Thököly, einem evangelischen Adeligen, der sich gegen die Habsburgerherrschaft in Ungarn auflehnte. Ludwig XIV. hatte ihm Hoffnungen gemacht und ihn mit Geldlieferungen über den frankophilen Polenkönig Jan Sobieski III. gestärkt. Nachdem jedoch Ludwig 1678 mit dem Frieden von Nimwegen seine außenpolitischen Ziele vorerst erreicht hatte, fand sich auch keine Notwendigkeit mehr, die Ungarn als Front im Rücken der Habsburger zu unterstützen; die Zahlungen wurden also weitgehend eingestellt, und das Verhältnis zwischen Polen und Frankreich kühlte merklich ab. Wegen dieser prekären Situation hatte sich Thököly an die Türken um Hilfe gewandt, und Kara Mustafa zögerte nicht, diese auch zu gewähren; 1682 wurde der Krieg gegen das Heilige Römische Reich beschlossen und der Feldzug zur Inbesitznahme Ungarns geplant.
Allerdings blieben diese Absichten nicht unbekannt, und die österreichischen Diplomaten an der Hohen Pforte versuchten den Kriegsentschluss zu verhindern - ohne Erfolg. In dieser Lage spielte Papst Innozenz XI. eine entscheidende Rolle:16) Seinem Aufruf zum Kreuzzug wider die Türken wurde zwar nicht Folge geleistet, aber die katholischen Herrscher im Reich sowie Spanien und Portugal leisteten Subsidien.17) Ludwig XIV. beteiligte sich nicht an dieser Vorgehensweise, zumindest aber verhielt er sich soweit neutral, als er die Türken nicht unterstützte, obwohl er von diesen dazu eingeladen worden ist. Dem Papst gelang es auch, den Polenkönig in die Sache einzubinden, dieser zögerte allerdings. Erst das Bündnis Thökölys und die dadurch heraufdämmernde Gefahr einer direkten Konfrontation mit den Türken auf polnischem Gebiet veranlassten ihn, dem bedrohten Reich mit militärischen Mitteln zu Hilfe zu kommen.
Die Wühlarbeit der französischen Diplomaten an der Pforte leistete gewiss einen Beitrag zur Motivation, ein Heer gegen die Habsburger ins Feld zu führen, allerdings waren v.a. die Gelüste nach der Eroberung eines Schatzes, der den Sieg von Kandia noch übertreffen sollte, maßgeblich für die Absichten des Großwesirs.18) „Dennoch setzte Frankreich alles daran, den sichtlich vorprogrammierten Waffengang in Ostmitteleuropa von einer eventuellen Stoßrichtung gegen Polen weg auf die habsburgischen Erblande zu lenken. […] Eine tödliche Gefahr für Wien erwartete man keineswegs, entwarfen doch die Berichte des französischen Gesandten in Konstantinopel stereotyp das Bild eines völlig dekadenten, kaum noch handlungsfähigen Osmanischen Reichs.“ 19) Dennoch sollte der Kaiser nach Ludwigs Vorstellungen so geschwächt werden, dass sich Frankreich zum Protektor des Reichs würde aufschwingen können, vielleicht sogar mit der Möglichkeit, selbst die Reichskrone tragen zu dürfen.20)

Zahlenangaben und chronologischer Ablauf des Feldzuges

Ludwig XIV. sollte sich durch die Berichte seiner Diplomaten täuschen lassen, denn noch einmal gelang es dem Sultan, aus allen Teilen seines Riesenreiches ein Heer zusammenzuziehen, das alles bisher Gesehene überbieten musste: „Sultan Mehmed IV. lässt mit gewöhnlichen Ceremonien und Gebet, wie der kaiserliche Resident Georg Christoph Kunitz nach Wien berichtet, die Rossschweife aus dem Serail von Adrianopel holen und vor der Pforte des Glücks aufstellen - das traditionelle Zeichen zum Beginn eines Kriegs. Vor den Mauern der Stadt beginnen sich die Leibregimenter der einzelnen osmanischen Würdenträger zu sammeln; Söldnertruppen aus den Provinzen treffen ein; in langen Wagenkolonnen rollen Munition, diverses Kriegsgerät und Proviant heran.“21) Dies geschah im Jänner 1683 und galt als Beginn der Formierung der türkischen Armee, die sich dann ab dem Frühjahrsbeginn Richtung Norden in Bewegung setzte. Anfang April bereits erfahren die kaiserlichen Heerführer über die Ausmaße des türkischen Heeres. Die Zahlen variieren allerdings stark, und der tatsächliche Umfang des sich über Sofia nach Belgrad heranwälzenden Heerwurms ist geprägt von einem aufwändigen Tross, der die Soldaten aus allen Teilen dieses Riesenreiches begleitet; Schätzungen gehen von etwa 400.000 Menschen aus, die hierzu in Bewegung versetzt worden waren.22)
Das osmanische Heer bestand in seiner Grundkonfiguration aus einer Komponente von Berufssoldaten, also einem stehenden Heer - den so genannten Pfortentruppen - einerseits und einer Milizkomponente - den so genannten Landestruppen - andererseits.23) Das stehende Heer unterteilte sich in die Waffengattungen Infanterie, Kavallerie und Spezialtruppen. Die Milizkomponente kannte diese Waffengattungen ebenso, war aber weniger exakt strukturiert als das stehende Heer. Im Rahmen dieser Komponente kamen die auch tributpflichtigen Völker zum Einsatz, womit im Heer des Sultans durchaus auch Christen für die Sache des Islams stritten. Besonders erwähnenswert bei den Miliztruppen ist die leichte Reiterei, die so genannten Akinci. Sie setzten sich vor allen aus den Angehörigen der Steppenvölker im Reich zusammen und wurden für Aufklärungs- und Kleinkriegsaufgaben eingesetzt. Ihre Hauptaufgabe allerdings war es, wie bereits erwähnt, den Haupttruppen vorauszueilen und durch die Verwüstung ganzer Landstriche den Gegner in Angst und Schrecken zu versetzen. Vor Wien wurden diese Aufgaben in erster Linie durch die Tartaren wahrgenommen, deren Stärke bei etwa 25.000 Mann lag.24)
Die Infanterie des stehenden Heeres bildeten die Janitscharen - die Elitetruppe der Türken schlechthin. Sie waren in Kompanien, die so genannten 197 Ortas à 100-200 Mann, gegliedert und im Janitscharenkorps zusammengefasst, das in dieser Form etwa 25.000 Mann zählte. Ähnlich den Templern und den Deutschordensrittern bildeten auch sie eine Art Kriegerkaste mit religiösem Bezug. Erzogen von Derwischen, galt als ihr Heiligtum der Kochkessel, um den sie sich scharten wie die abendländischen Heere um die Fahne ihres Regimentes.25) Sie waren der Kern des osmanischen Heeres, immer im Schwergewicht eingesetzt, wegen ihrer Kampfkraft gefürchtet und ob ihrer Vielseitigkeit im Umgang mit allen gängigen Waffen jener Zeit bewundert. Als ebenso elitär galt die Kavallerie, die Sipahis; diese Reiterei ist am ehesten mit der abendländischen schweren Kavallerie, also den Kürassierregimentern des Kaisers vergleichbar. Aufgeteilt in sechs Regimenter, wiesen sie einen Umfang von rund 3.000 Mann auf. Auch sie standen immer im Zentrum des Schlachtgeschehens und hatten die Aufgabe, rasch in Lücken vorzudringen oder die Flanken der gegnerischen Schlachtordnung aufzureißen. Die Bezeichnung als Janitscharen oder als Sipahis führten allerdings auch manche Landestruppen; zudem wurde die türkische Infanterie von den abendländischen Berichterstattern oftmals allgemein als Janitscharen und die gesamte türkische schwere Reiterei als Sipahis bezeichnet. Im türkischen Heer selbst fanden sich noch zahlreiche zusätzliche, oftmals wechselnde Zuordnungen von Namen für Truppenteile, die eine exakte Unterscheidung kaum zulassen. Als dritte Waffengattung sind noch die Spezialtruppen zu erwähnen, zu denen unter anderen die Artilleristen (Topcu) und insbesondere die Mineure (Lağimci) zählten.


„Besonderes Augenmerk verdient hier die Tatsache, dass die Pfortentruppen zum größten Teil aus Militärsklaven bestanden, welche im Rahmen der Knabenlese (Devşirme) an den Hof gebracht worden waren. Man darf jedoch nicht den Fehler machen und die typisch europäische Vorstellung eines mit Gewalt in den Militärdienst gepressten und ausgebeuteten Armeesklaven auf die Pfortentruppen übertragen. Vielmehr bildeten diese einen nicht unwesentlichen Teil der aristokratischen und militärischen Elite.“ 26) Vornehmlich handelte es sich bei den Janitscharen also um Kinder christlicher Eltern, die im Zuge der Knabenlese diesen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren weggenommen worden waren. Nach einer Umerziehung hin zum Islam wurden sie im Militärdienst ausgebildet und waren ausschließlich dem Sultan verpflichtet. Manchen von ihnen gelang es, über die Eliteschulen, die sie in Istanbul besuchen durften, bis in die höchsten Ämter des Reiches aufzusteigen; die meisten allerdings verbluteten auf den zahlreichen Schlachtfeldern der Sultane.
Im Mai 1683 gelangte der ungeheuerliche Heerwurm unter der Führung des Sultans in den Raum Griechisch-Weißenburg, das heutige Belgrad. Dort übertrug Mehmed IV. mit der Aushändigung der Fahne des Propheten den Oberbefehl über das Heer für den Feldzug gegen Ungarn an seinen Großwesir Kara Mustafa. Immer neue Truppen, v.a. die Tartaren aus den östlichen Teilen des Reichs, stießen hinzu und ließen die Streitmacht gewaltig anschwellen. Anfang Juni stand das türkische Heer vor einer Herausforderung: Der geplanten Überwindung der Drau bei Esseg/Osijek mit all dem schweren Gerät hielt die Brücke nicht stand, sodass sie neu errichtet werden musste. Der türkische Vormarsch wurde so um zwölf Tage verzögert - Zeit für die Kaiserlichen, sich zu sammeln und die Abwehrbereitschaft in den Festungen herzustellen. Ende Juni stand die Hauptmacht des osmanischen Heeres in Stuhlweißenburg/Székesfehérvár nördlich des Plattensees/Balaton, während die ersten Streifscharen der Tartaren bereits im Burgenland ihre Raubzüge veranstalteten.
Hier in Stuhlweißenburg kam Imre Thököly mit seinen Truppen, etwa 15.000 Mann,27) hinzu, und es wurde Kriegsrat gehalten, und zwar wurde abgewogen, ob zunächst Oberungarn gänzlich erobert, wie Thököly dies vorschlug, oder gleich gegen Wien aufmarschiert werden sollte. Kara Mustafa hatte Wien bereits fest vor Augen, die Paschas und der Janitscharen-Agha28) hielten sich in ihren Aussagen zurück, und so wurde der Entschluss zum Angriff auf Wien gefasst. Das kaiserliche Heer - mit rund 30.000 Soldaten an Mannzahlen weit unterlegen - zog sich verzögernd über die Große Schüttinsel Richtung Wien zurück und zerschlug ab und an die Streifscharen der bereits in Niederösterreich wütenden Tartaren. Vor der Festung Raab/Győr ließ Kara Mustafa noch 20.000 Mann als Deckung und zur Belagerung zurück und marschierte mit der Hauptarmee Richtung Nordwesten. Herzog Karl von Loth­ringen, der österreichische Oberkommandierende, führte noch einige Rückzugsgefechte bei Pressburg und Petronell unmittelbar vor Wien und konzentrierte seine Truppen schlussendlich im Raum Jedlesee am linken Donauufer. Von dort entsandte er noch Teile seiner Streitmacht zur Unterstützung in die Stadt Wien; er selbst deckte v.a. mit seiner Reiterei die Gebiete nördlich der Donau gegen die Streifscharen Thökölys und der Tartaren.
Am 14. Juli erreichte die türkische Hauptmacht Wien und begann sofort mit der Belagerung, die sich letztendlich über 61 Tage bis zum Entsatz am 12. September hinziehen sollte. „Die Stärke des osmanischen Heeres wurde, ungeachtet eines ungeheuren Trosses, auf 180.000 Mann geschätzt. Die Angaben hierüber sind übrigens so verschieden, dass die Feststellung einer genauen Ziffer nicht möglich erscheint. Es kann jedoch mit einiger Sicherheit angenommen werden, dass Kara Mustapha zu Beginn der Belagerung im Ganzen über ein Heer von 230.000 Mann verfügte, von welchem ungefähr 160.000 Mann vor Wien standen.“ 29) Allerdings wurden diese Streitkräfte der Türken vor Wien aufgrund der enormen Verluste im Zuge der Belagerung durch die Heranbringung neuer Truppen mehrmals verstärkt, sodass der Großwesir am Tage der Entsatzschlacht über rund 130.000 Mann verfügen konnte.
Etwa ab Mitte August begann, nach langen mühsamen Verhandlungen des Kaisers mit den Reichsfürsten, der Intervention des Papstes und der Entscheidung des Polenkönigs, den Entsatz Wiens zu unterstützen, der Marsch der Truppenteile aus allen Winkeln Europas Richtung Südosten, um sich am 8. September bei Tulln an der Donau zu treffen und eine gemeinsame Streitmacht zu bilden. Das christliche Heer ging dann entlang der Donau und durch den Wienerwald vor, von wo aus es am 12. September vor Wien ankam und die Türken entscheidend zu schlagen vermochte. Diese ergriffen die Flucht in den ungarischen Raum hinein und wurden von den Kaiserlichen alsbald verfolgt, sodass bis zum Jahresende 1683 der oberungarische Raum von den Türken gänzlich befreit werden konnte. „Die Türken sammelten sich zunächst an der Raab und stellten ihre Verluste fest, etwa 10.000 bis 20.000 Mann und vorher etwa 40.000 bei der Belagerung. Bis zum Wintereinbruch gelang den Kaiserlichen und Polen noch ein außergewöhnlicher Sieg bei Párkány, gegenüber von Gran, und schließlich die Einnahme dieser bedeutenden Stadt samt Festung.“ 30)
Wien hatte gehalten, aber es war auf Messers Schneide gestanden. Zwar galt Wien als eine der modernsten Festungen in dieser Epoche, dennoch waren die Türken Meister der Belagerungskunst gewesen und es hätte nicht mehr viel gefehlt, um die Mauern der Stadt endgültig zu durchbrechen. Das hastig zusammengetrommelte Entsatzheer kam gerade im letzten Moment zurecht, ein Umstand, der dem langsamen Vorwärtskommen des türkischen Heeres auf dem Balkan zuzuschreiben sein dürfte. Die zwölftägige Verzögerung an der Draubrücke bei Esseg mag hiefür verantwortlich zeichnen - Kriegsglück für die Kaiserlichen eben.

Die Festung Wien

Auch die Wiener hatten im Jahre 1529 neben ihrer Tapferkeit und Zähigkeit bei der Abwehr der Türken unter Niklas Graf Salm eine gehörige Portion Glück gehabt. Zunächst war es Suleyman dem Prächtigen wegen der unzulänglich befestigten Straßen nicht gelungen, entsprechende Belagerungsgeschütze den langen Weg von Belgrad herauf über Ungarn vor Wien in Stellung zu bringen. Gegen die kleinkalibrigen Kanonen hielten die Mauern der Stadt stand. Also verlegten sich die Türken auf das Graben von Minen, worin sie wahre Meister gewesen waren, um die Wälle durch die Erschütterungen zum Bersten zu bringen. Auch dies gelang jedoch nur in beschränktem Ausmaß: Zwar hatte die türkische Seite die schwächste Stelle in der Stadtverteidigung - die Verteidigungsanlagen um das Kärtnertor - richtig beurteilt, allerdings liegt dieser Abschnitt dem Wienfluss nahe, und Grundwasser ist bereits in geringer Tiefe vorhanden. Dieser Umstand sowie der Einsatz von Tiroler Bergleuten zum Graben der Gegenminen erschwerten das Unternehmen beträchtlich. Hinzu kam noch das zunehmend schlechte Wetter, das einen baldigen Winterbeginn erwarten ließ, sowie die schlechte Versorgungslage bei den türkischen Truppen, da die leichte Reiterei der Akincis das Umland bereits verwüstet hatte und daher alles auf Schiffen stromaufwärts und über morastige Wege aus dem südlichen Ungarn herbeigeschafft werden musste. Diese v.a. durch die Witterung begünstigten Glücksfälle der mangelnden Belagerungsfähigkeit und der kalte Oktober des Jahres 1529 bewogen den Sultan letztendlich zum Rückzug, um seine Armee nicht zu gefährden und sicher in die Winterquartiere einzurücken.
Ohne diese glücklichen Umstände wäre Wien nicht zu halten gewesen, die Verteidigungsanlagen waren veraltet und für eine Zeit geschaffen, die noch kein Schießpulver gekannt hatte. Zudem hatte die Befestigung wenig Pflege erfahren, die Mauern waren stellenweise brüchig und die Esplanade in manchen Abschnitten bebaut, sodass trotz der Abrissarbeiten bei der Vorbereitung der Festung zur Verteidigung den Türken genügend Raum für eine ver- bzw. gedeckte Annäherung geboten war. Dementsprechend groß gestaltete sich die Erleichterung, noch einmal so glimpflich davon gekommen zu sein. Allerdings wollten weder der Kaiser noch die Bürger Wiens sich ein weiteres Mal auf das Wetter verlassen, sodass bereits unter Ferdinand I., als dieser noch neben Karl V. als römisch-deutscher König agierte, ab 1531 der Beschluss gefasst wurde, den südöstlichen Eckturm des christlichen Abendlandes zu einer modernen Festung auszubauen. Dies wurde noch durch den Umstand verstärkt, dass der Sultan in jenem für die österreichische Legendenbildung so berühmten Türkenjahr 1532 abermals im Vorfeld von Wien mit einem starken Heer auftauchte, das allerdings angesichts des aufgebotenen Reichsheeres auf eine Belagerung der Stadt verzichtete und sich über die Steiermark und Ungarn sengend und plündernd zurückzog.
Mit dem Aufkommen der Feuerwaffen und dem damit beginnenden gezielten Beschuss der Festungswerke war die Militärarchitektur zunehmend auf exakt berechnete Formen bei der Errichtung von befestigten Plätzen gekommen, wobei schusstote Räume weitgehend vermieden wurden und die Annäherungsräume an die Festung von mehreren Seiten aus bestrichen werden konnten. V.a. ging man von der mittelalterlichen Burgenbauweise auf die Errichtung von Wällen über. Die hohen, aber im Vergleich dünnen Burgmauern konnten mit den Belagerungsgeschützen leicht zerschossen werden, weshalb nunmehr mehrere Meter dicke, durch Mauern eingefasste, gedrungene Erdwälle sich als standhafter gegen den Beschuss erwiesen. „Für die Genese der modernen Fortifikationen erwies sich unzweifelhaft die Entwicklung des Kriegswesens als entscheidend. Eine Verbesserung der Fortifikation war immer eine Reaktion auf veränderte militärische Gegebenheiten, wobei zweifellos die Artillerie den entscheidenden Faktor darstellte. Das Verhältnis von Theorie und Praxis sah hier anders aus, denn die Kunst des Schießens mit Pulverwaffen basierte auf empirischen Erfahrungen.“ 31)


Es begann damit die Epoche der großen Festungsbaumeister. Grundriss und Aufriss der Werke unterlagen einem mathematischen Planungsprozess, der in geometrischen Formen mündete und in seiner Umsetzung polygonale Bauten zur Ummantelung des Schutzobjektes vorsah. Die ersten dieser Konstrukteure waren Italiener, deren fortifikatorisches Wissen und Können bald über ganz Europa ausstrahlte.
Es entwickelte sich das so genannte Bastionärsystem, womit die bisherige Umwallung oder Stadtmauer - in der Fachsprache als Kurtine bezeichnet - durch hervorspringende, meist fünfeckige Bastionen geschützt werden konnte. Je nach Entwicklungsstufe in diesem dynamischen Prozess der Festungsgestaltung während der Zeit der Renaissance wird von altitalienischer Manier und neuitalienischer Manier gesprochen. Der große Unterschied zwischen beiden liegt in der Anlage von Außenwerken bei der neuitalienischen Manier, den so genannten Ravelins, die der Kurtine als Befestigungen vorgelagert waren und oft zur Deckung der Stadttore oder als Zwischenwerk zweier Bastionen fungierten. Umschlossen wurden diese Werke von einem Graben, der entweder geflutet oder trocken sein konnte. Vor den Mauern lag das Glacis, das freigemachte Schussfeld. Bastion und Ravelin wiesen in ihrem meist pentagonalen Grundriss jeweils zwei feindzugewandte Seiten, die so genannten Flanken, und zwei feindabgewandte Seiten, die so genannten Facen, auf: „Das Bastionärsystem beruht auf der geometrisch perfekten Bestreichung der eigenen Verteidigungswerke und des Vorfeldes. Man unterscheidet Flankenfeuer aus den benachbarten Bastionsflanken heraus entlang der Kurtinen und der Facen entlang der Nachbarbastion, Kreuzfeuer aus zwei Flanken- und Facenstellungen in den Kessel zwischen den Bastionen, Längsfeuer etwa entlang einer Kurtine, Frontalfeuer und Schrägfeuer von allen Punkten des Festungsumzuges aus.“ 32)
Im Barock wurden diese Festungswerke noch weiter ausgefeilt und erhielten eine Vielzahl von Ergänzungen, wie beispielsweise die hinter den Bastionen gelegenen erhöhten Geschützstellungen, die so genannten Kavaliere oder Katzen. Vor dem Festungsgraben, entlang der feindseitigen Grabenböschung, der so genannten Contrescarpe, befand sich in der Regel ein weiterer Befestigungswall mit einem gut geschützten Weg, von wo aus das leicht ansteigende Glacis ohne schusstote Winkel unter Feuer genommen werden konnte. Damit sollte ein direkter Zugang zu den eigentlichen Befestigungswerken möglichst lange verhindert werden. „Die Umfassungslinie wurde hiebei so angelegt, dass der Abstand zwischen den Basteien 500 m nicht überschritt. Der Abstand ergab sich aus der max. Einsatzschussweite für Kartätschfeuer, welche bei ca. 250 m lag. Die gesamte Befestigungslinie war mit einem breiten, ca. 6 m tiefen Graben umgeben. Die Höhe des Kordon lag ca. 6 m über Niveau, sodass der Gesamtaufzug etwa 12 m betrug. Die Mächtigkeit der Walle lag bei 20-30 m. Die Tore waren zumeist im mittleren Bereich der Kurtine angebracht.“ 33)
Unterschieden werden muss zudem zwischen einer Festung und einer befestigten Stadt: Während sich die Festung als rein militärischer Bau gestaltete und ausschließlich auf militärische Zwecke ausgerichtet war, handelte es sich bei einer befestigten Stadt um ein grundsätzlich zivil genutztes Objekt, das nur im Verteidigungsfalle den militärischen Anforderungen zu entsprechen hatte. Eine befestigte Stadt wies in der Regel Fortifikationsanlagen als Umrahmung auf und zusätzlich eine an einem besonders verteidigungsgünstigen Platz angelegte Festung innerhalb der Stadtmauern, die so genannte Zitadelle. Besiedelte Plätze waren dynamische Punkte, sie veränderten sich im Laufe der Jahre, ihre Bevölkerungszahl änderte sich, neue Bauten entstanden, in langen Friedensperioden litten meist die Wehranlagen, weshalb zumindest die Zitadelle für alle Anlassfälle den harten Kern der Verteidigung gewährleisten konnte.
Hierin lag die Schwierigkeit der kaiserlichen Residenzstadt, sie war ein Hybrid aus Festung und befestigter Stadt, und zwar in dem Sinne, dass sie zwar Stadt sein sollte, aber in ihrer Gesamtheit zugleich eine Festung. Für die Festungsbauingenieure, die Stadtkommandanten und die Bürger gleichermaßen bildete dies eine gewaltige Herausforderung, da jede bauliche Veränderung exakt auf die Bedürfnisse einer Festung abgestimmt werden musste. Wien wurde nach Abschluss der Planungsarbeiten ab 1540 kontinuierlich mit modernen Festungswerken umgeben, die sukzessive an der Stelle der mittelalterlichen Wehranlagen errichtet wurden und diese ersetzten. Eine zunächst geplante Miteinbeziehung der Vorstädte, also jener den heutigen Bezirk Innere Stadt umgebenden Ortschaften, wurde aus Kostengründen nicht realisiert. Befestigt wurde demnach die unmittelbare Stadt um den Stephansdom und die kaiserliche Residenz. Die Dimensionen der Festung Wien lassen sich heute relativ leicht begreifen, da die Wiener Ringstraße in etwa dem Verlauf des damaligen Glacis entspricht.34) Die enormen Kosten dieser Fortifikation ließen insgesamt drei Bauperioden entstehen, deren letzte erst 1672 ihr Ende fand, nach gut 130 Jahren also und gerade noch rechtzeitig vor der erneuten Belagerung durch die Türken. Das gesamte Heilige Römische Reich hatte bei dieser Anstrengung zusammengeholfen: „Während die Umgebung Wiens Robot-Arbeiter, Kalk und sonstiges Baumaterial liefern musste, steuerten der Adel, die Geistlichkeit, die Städte und die österreichischen Lande, ja sogar das deutsche Reich zu dem, für jene Zeiten großartigen Unternehmen bei.“ 35)
Wien war nicht nur aufgrund seiner politisch-strategischen Position als kaiserliche Residenz die Finanzierung einer Verteidigung wert, sondern vielmehr war es seine geographisch-strategische Position. Am Durchbruch der Donau zwischen den Alpen und den Karpaten gelegen, hatte die Festung eine Schlüsselstellung als Bollwerk gegen einen Einfall ins Reichsgebiet aus dem Südosten inne. War Wien gefallen, so konnte die Stadt als Ausgangspunkt und Versorgungsbasis für einen Vorstoß in den bayerischen Raum genutzt werden, wobei sich bis in den Raum Passau und die Innlinie kaum nennenswerte natürliche Hindernisse zur Abwehr eines solchen Angriffes boten.
Die Stadt war im Norden durch die Donau und im Osten durch den Wienfluss als natürliche Hindernisse geschützt. Dies ermöglichte auch die Anlage eines Festungsgrabens, der im Bereich der Flüsse geflutet war; gegen Süden und Westen wurden die kleineren Wienerwaldbäche eingeleitet und der Graben damit versumpft. Außer an der Donau direkt (der dort befindliche Donauarm entspricht dem heutigen Donaukanal) war dieser Graben an der Contrescarpe mit einem Palisadenwall befestigt. Hinter dem Graben befanden sich rund um die Stadt zwölf Bastionen - in Wien als Basteien bezeichnet - und zum Schutz der dazwischen liegenden Kurtine und der Stadttore zehn Ravelins und einige kleinere Außenwerke, auch „Schanzeln“ genannt. Wien zählte durch diese Anlagen zu den modernsten Festungen ihrer Zeit, allerdings hatte sich die Stadt weiterentwickelt, und ihre Bevölkerung war auf rund 100.000 Menschen angestiegen, die man innerhalb der Mauern nicht zu fassen vermochte. Der Anstieg der Bevölkerung ergoss sich daher in die Vorstädte, wohin nun auch der Adel seine Palais zu verlagern begann, was zahlreiche Schwierigkeiten in verteidigungstechnischer Hinsicht zur Folge hatte: „Das Glacis war kein freies Feld mehr, weil bereits allzu viele Gebäude dort errichtet worden waren. [...] Die in den Mauern der Stadt eingezwängte, ständig zunehmende Bevölkerung Wiens hatte versucht, nach oben zu bauen. Aber auch die Vorstädte wuchsen natürlich weiter an und breiteten sich sowohl gegen die Landgebiete als auch gegen die Stadt zu aus. Im Jahre 1680 gab es bereits große Siedlungen in der Leopoldstadt, auf der Praterinsel, auf dem rechten Ufer des Wienflusses im Osten, rund um die Dörfer Wieden und St. Ulrich in Süden und Südwesten sowie auf der Westseite. Besonders hier kamen die neuen Gebäude sehr nahe an die Befestigungsanlagen heran. Die Regierung hatte immer wieder, jedoch ohne Erfolg, den Abbruch aller Häuser innerhalb einer gewissen Entfernung von den Stadtmauern angeordnet.“ 36)
Angesichts der drohenden Gefahr einer Belagerung, der man spätestens ab dem Herbst 1682 gewahr wurde, ließ die Stadtregierung die Verteidigungsanlagen instandsetzen. Die Zeughäuser wurden aufgefüllt, die niederösterreichischen Landstände hatten ab dem Frühjahr 1683 Tausende Arbeitskräfte für Schanzarbeiten zu stellen, um den Graben zu vertiefen bzw. auszubessern, Hölzer zu fällen und für die Palisaden heranzubringen, wozu etwa 30.000 Baumstämme benötigt wurden. Zudem wurden auf Befehl des Kaisers jene Häuser geschleift, die zu nahe an den Festungswerken standen. Auf den Schanzen und Basteien wurden die Kanonenbettungen vorbereitet, um die rund 300 Geschütze aufführen zu können. Alle diese Arbeiten gingen zunächst schleppend voran, erst nach dem 7. Juli, als die türkische Hauptarmee von der Festung Raab in Ungarn abließ und sich Richtung Wien zu bewegen begann, wurde allen der Ernst der Situation so deutlich, dass sie nun fieberhaft an den Verteidigungsvorbereitungen zu arbeiten begannen. Im Zuge dessen musste zur Kenntnis genommen werden, dass die Vorstädte nicht zu halten waren. Bevor diese durch die Bürger noch gänzlich geräumt werden konnten, ließ der Stadtkommandant, Ernst Rüdiger Graf Starhemberg, am 13. Juli sämtliche Bürgerhäuser und Adelspalais niederbrennen, um dem Feind keine logistische Basis zu bieten.

Der türkische Aufmarsch und die Belagerung Wiens

Bereits Anfang Juli hatte man den Kaiser davon überzeugen können, dass es für das Reich besser wäre, sich aus der Residenzstadt Richtung Westen zu begeben, um deren Entsatz entsprechend verhandeln zu können. Am 7. Juli also verließen Kaiser und Hofstaat Wien, mit ihnen zahlreiche Bürger. „Anfang Juli, als die Gefahr immer drohender wurde und man in den Nächten die Flammensäulen der brennenden Ortschaften immer näher rücken sah, setzte ein Fluchtstrom aus der Stadt ein, der auf 30.000 Bewohner geschätzt wird. Diese Zahl wurde jedoch durch die Zuflucht Suchenden aus der Umgebung Wiens, aber auch aus dem östlichen Niederösterreich um etwa 20.000 Personen vermindert, sodass man - allerdings nur sehr hypothetisch - etwa 80.000 Menschen zu Belagerungsbeginn in der Stadt befindlich annehmen kann.“ 37) Diese in die Stadt geflüchteten Menschen trugen wesentlich zur Hebung der Verteidigungsmoral bei, da sie das grausame Wüten der türkischen Streifscharen mitbekommen hatten und somit wussten, dass hier kein Pardon zu erwarten war. Der Durchhaltewille der Wiener wurde noch verstärkt durch die Berichte über die Gräueltaten bei der Eroberung der Ortschaft Perchtoldsdorf, im Süden Wiens gelegen, so geschehen am 15. Juli. Dort hatten die Dorfoberen geglaubt, mit den Türken einen freien Abzug aushandeln zu können; diese waren zum Schein darauf eingegangen und ließen sich die Waffen aushändigen. Danach metzelten sie an die 500 Bewohner des Ortes nieder und führten die jungen und hübschen Frauen, nicht ohne sie vorher ausgiebig geschändet zu haben, sowie Kinder in die Sklaverei.38)
Am 13. Juli waren noch die letzten Infanterieeinheiten in die Stadt eingerückt, die Belagerung begann am 14. Juli, und bereits am 16. Juli war die Stadt von den Türken eingekreist. Der Kommandant der Verteidiger, Feldzeugmeister Graf Starhemberg, lehnte eine Aufforderung zur Übergabe der Stadt durch Kara Mustafa ohne Kommentar ab; ihm standen an Truppen zehn Infanterieregimenter, die Stadtguardia in der Stärke von 1.200 Mann und das Kürassierregiment Dupigny mit 600 Reitern zur Verfügung, insgesamt 11.203 Soldaten. Hinzu kamen noch die aus den Handwerkszünften und den Studenten der Wiener Universität gebildeten Bürgermilizen, die in Kompanien gegliedert eine Gesamtstärke von rund 4.900 Mann aufwiesen. Bemerkenswert erscheint hier die Zusammenziehung von etwa 100 Jägern und Förstern zu einer Scharfschützenkompanie, die den Türken massive Ausfälle durch gezieltes Feuer zuzufügen vermochte.39)
Nach ersten Beratungen über die Belagerung legte Kara Mustafa das Schwergewicht des Angriffes auf den Bereich zwischen der Burg- und der Löwelbastei, also im Gegensatz zu 1529 nicht auf das Kärtnertor. Die Gründe dafür sind einleuchtend: Das Gelände ist in diesem Bereich des heutigen Spittelberges/St.Ulrich überhöht, sodass ein vorteilhaftes Zusammenwirken zwischen Artilleristen und Sappeuren beim Heranarbeiten an die Stadtmauern möglich war. Die Schussdistanzen mit den Kanonen jener Zeit lagen im Durchschnitt bei 600 Metern, weshalb die überhöhten Stellungen beim so genannten Kroatendörfl bei St. Ulrich geradezu ideal gelegen kamen.40) Außerdem liegt im Osten der Wienfluss, womit an diesen Abschnitten die Gefahr bestand, dass die Gräben bei Regen leicht überschwemmt werden. Zudem war das Graben von Minen in diesem Bereich durch den hohen Grundwasserspiegel beeinträchtigt. All diese Wasserproblematik stellte sich im Bereich St. Ulrich nicht. Das Schwergewicht des Angriffes gegen den Bereich zwischen Burg- und Löwelbastei zu legen, war also taktisch klug gewählt, obwohl gerade diese Abschnitte mit ihren Kavalieren, dem „Spanier“ bei der Burg und der „Katze“ auf der Löwelbastei zu den am stärksten befestigten Teilen der Stadt zählten. Gleichzeitig mit dem Angriff gegen die Burgbastei begannen die Türken ihre Angriffe von der Donauseite in der Leopoldstadt und von Donauschiffen aus, das steile Gelände und die modernen Befestigungen der Gonzagabastei ließen hier allerdings keine Erfolgsaussichten aufkommen.41)
Die Türken hatten nur wenige Stücke der schweren Belagerungsartillerie herangeführt und konzentrierten sich ganz auf den Minenkampf. Die Minen rissen zahlreiche Breschen in die Außenwerke und die Janitscharen stürmten fanatisch durch die Laufgräben heran - immer vergeblich; sie hatten enorme Verluste durch das konzentrierte Kreuzfeuer aus Basteien und Kavalieren hinzunehmen. Am Beginn des Monats August jedoch hatten sich die Türken mit Minen und Laufgräben so weit herangearbeitet, dass auch unter Aufbietung von Ausfällen der Palisadenwall am Glacis nicht mehr zu halten war. Die Janitscharen standen jetzt in diesem Abschnitt zwischen der Löwelbastei und der Burgbastei vor den Mauern des Burgravelins, der nun durch die Mineure und die Artillerie bearbeitet wurde. Dennoch trat wegen der äußerst hohen Verluste und des langwierigen Kampfes um jeden Zentimeter Boden eine gewisse Kriegsmüdigkeit auf, die von Kara Mustafa und seinen Offizieren alle Überredungskunst und den Ausblick auf die ungeheuren Schätze des Goldenen Apfels verlangte.
Langsam machten sich beim Belagerungsheer auch Engpässe in der Versorgung der Truppen mit Munition und Verpflegung breit. V.a. der Verpflegungsmangel ist auf den strategischen Fehler der Verwüstung des Umlandes durch die Streifscharen zurückzuführen, weshalb alle Versorgungsgüter aus den Tiefen des Balkans per Schiff oder Wagen herangeschafft werden mussten. Der Munitions- und Pulvermangel verzögerte um die Zeit von Mariä Himmelfahrt die Angriffe gegen die Stadt. Dennoch gingen die Angriffe weiter. Der Burgravelin, etwa im Bereich des heutigen Volksgartens gelegen, glich nur mehr einem zerschossenen Hügel; dennoch hielten die Verteidiger dieses wichtige Außenwerk 23 Tage lang, vom 9. August bis zum 3. September. An diesem Tag pflanzten die Janitscharen ihre Rosschweife auf dem Trümmerberg auf, die Verteidiger zogen sich an die Kurtine zurück, die türkischen Mineure trieben ihre Stollen nun weiter gegen die Basteien und die Stadtmauer voran. „Die Eroberung des gefürchteten ‚Zauberhaufens‘, vor dem Tausende seiner Janitscharen blutig geendet, schien den Großvezier endlich seinem grossen Ziele näher zu bringen. In seiner Siegesgewissheit missachtete er die herannahende Entsatz-Armee und schickte ihr nur einige kleine Beobachtungs-Trupps entgegen.“ 42)
In Wien wütete seit Anfang August die Rote Ruhr (Amöbenruhr), eine Krankheit, verursacht durch die schlechte Lebensmittelqualität und unsauberes Trinkwasser. Auch Starhemberg selbst war für einige Tage erkrankt und weitgehend eingeschränkt in seinem Verteidigungshandeln. Zudem machte sich Verzweiflung wegen der misslichen Versorgungslage in der Stadt breit. Die Lebensmittelpreise stiegen, Diebstähle und andere Kleinkriminalität waren keine Seltenheit mehr. Hinzu kamen noch jene, die den Kampf aufgeben und die Stadt übergeben wollten, manche nahmen sogar Verbindung mit den Türken auf und gaben Informationen preis. Starhemberg ließ zur Abschreckung Galgen aufstellen, die Stadtverwaltung erließ strenge Regelungen und Gesetze. Allen Disziplinlosigkeiten begegnete der Stadtkommandant mit eiserner Härte; Verräter und Verbrecher wurden nach kurzem Verfahren hingerichtet. Alle Häuser wurden durchsucht nach Wehrfähigen, die sich bislang vor der Teilnahme an den Kämpfen gedrückt hatten. Starhemberg setzte sie auf den Mauern ein.
Sein Verteidigungskonzept für die Stadt sah Gegenangriffe aus der Stadt, so genannte Ausfälle, als wirksames Instrument zur Vernichtung des Feindes und insbesondere zur Rückeroberung von Festungsteilen vor. Für diese Ausfälle verwendete er sowohl die Kürassiere als auch die Infanterie. Jede Schwachstelle der Türken nutzte er aus, um auszufallen und die Schanzarbeiten der Angreifer zu zerstören, zu sprengen und zuzuschütten. Mit dieser Taktik gelang es ihm, die Türken immer wieder auf das Glacis zurückzuwerfen und die Palisadenwälle lange zu halten. Er verteidigte die Stadt also nicht in passiver Weise, indem er die Angriffe nur an den Mauern abwies, sondern er praktizierte mit diesen die Türken zermürbenden Gegenangriffen eine aktive Verteidigung. Das Ergebnis dieser beweglichen Verteidigung brachte es mit sich, dass die Türken nur den Burgravelin als einziges Festungswerk erobern konnten; die Basteien wurden lediglich schwer beschädigt.
„Am 4. September trat das von den Verteidigern befürchtete Ereignis ein: Um 2 Uhr am Nachmittag riss eine aufspringende Mine, deren unheimliche Explosionswucht in der ganzen Stadt zu verspüren war, die rechte Face der Burgbastion in einer Länge von 10 Metern auf, das Mauerwerk stürzte in den Graben. Sofort setzten mehr als 1.000 Janitscharen zum Sturm durch die Bresche an, konnten aber nach einem erbitterten, zweistündigen Kampf zurückgeschlagen werden. Mit Sandsäcken, Trümmern, Balken und gestampftem Mist sicherte man die Einbruchstelle notdürftig ab.“ 43) Ähnliches ereignete sich am 6. September auch im Bereich der Löwelbastei, wo die Angriffe ebenfalls erfolgreich abgewehrt werden konnten. Vereinzelt gelang es Boten, durch die türkischen Linien zu schlüpfen; sie brachten ab Ende August die Nachricht vom Aufmarsch des Entsatzheeres. Die Verteidiger der Stadt verloren während dieser Kämpfe an die 5.000 Mann durch Kämpfe oder Krankheiten; etwa 2.000 lagen als Verwundete in den Spitälern.44) Starhemberg erwartete die Sprengung der Kurtine zwischen Burg- und Löwelbastei für den 11. September und ließ in der Stadt hinter der Burg eine zweite Verteidigungslinie anlegen; es kam nicht dazu, die Mine konnte durch eine Gegengrabung entschärft werden.
Kara Mustafa wusste durch Spione um die Situation in der Stadt sowie die Entsatzarmee bereits im Anmarsch und wollte daher vollendete Tatsachen schaffen, indem er nun die Truppen zu immer neuen Angriffen gegen die Stadt antrieb. Es waren schon weit mehr als 50 Belagerungstage vergangen, und der Kampfwille der Janitscharen war im Sinken begriffen. Ein letzter Großangriff am 9. September sollte den Sieg bringen. Aber es war schon die Unruhe zu bemerken, die das nahende Entsatzheer verursachte; es wurden bereits Umgruppierungen vorgenommen und Teile der türkischen Streitmacht gegen den Kahlenberg verlegt, um dort Schanzungen vorzunehmen. An die 30.000 Mann Infanterie beließ der Großwesir in den Gräben vor der Stadt, und er befahl, weiter gegen die Festung anzurennen, den Rest seiner Streitmacht begann er nun aufzustellen gegen das Entsatzheer, Schwergewicht am rechten Flügel und somit an der Donau bei Nussdorf, Tartaren und andere Reiterei konzentriert am linken Flügel im Raum von Dornbach.
Obwohl die türkischen Streifscharen bis an die Enns vorgedrungen waren, war es ihnen nicht gelungen, die befestigten Ortschaften wie Melk, Lilienfeld und Tulln einzunehmen. V.a. gelang es den Türken nicht, Klosterneuburg zu nehmen; Kara Mustafa schien sich seiner Sache um Wien so sicher, dass er es unterließ, diesen wichtigen Vorposten nachhaltig zu belagern und als Sicherungsstellung gegen einen Entsatzangriff auszubauen. Dies entpuppte sich in späterer Folge als schwerer taktischer Fehler, da es den Kaiserlichen dadurch möglich wurde, sich entlang der Donau ohne größere Verluste relativ rasch an Wien heranzuschieben. In seiner Überzeugung der baldigen Einnahme der Stadt verabsäumte es Kara Mustafa zudem, die im Westen der Stadt gelegenen Höhen des Kahlenberges und des Leopoldsberges zu besetzen und gegen eine frühzeitige Inbesitznahme zu sichern, der zweite schwere taktische Fehler in der türkischen Schlachtkonzeption.
Die Umgruppierung gegen das Entsatzheer erfolgte zu spät, Kara Mustafa unterschätzte die Vormarschgeschwindigkeit der gegnerischen Truppen durch den Wienerwald. Seine Kundschafter und Streifscharen beschrieben dieses Gelände als schwer gangbar, allerdings wurden die christlichen Truppen von Förstern und Jägern aus der Umgebung durch den Wienerwald geführt, ein Umstand, der den Vormarsch erheblich beschleunigt. Bereits am
11. September standen die Truppen des Entsatzheeres auf dem Kahlenberg, und es wurden Feuerzeichen gegeben, am 12. September, einem Sonntag, begann der Angriff.

Der Entsatz Wiens und die Vertreibung der Türken aus Oberungarn bis zum Winter 1683

„Die Giauren ... tauchten nun mit ihren Abteilungen auf den Hängen auf wie die Gewitterwolken, starrend von dunkelblauem Erz. Mit dem einen Flügel gegenüber den Walachen und Moldauern an das Donauufer angelehnt und mit dem anderen Flügel bis zu den äußersten Abteilungen der Tartaren hinüberreichend, bedeckten sie Berg und Feld und formierten sich in sichelförmiger Schlachtordnung. Es war, als wälze sich eine Flut von schwarzem Pech bergab, die alles, was sich ihr entgegenstellt, erdrückt und verbrennt ...“, berichtete ein türkischer Augenzeuge das Geschehen.45) Der Großwesir dürfte neben Truppen in den Gräben noch etwa 100.000 Mann zur Führung der Feldschlacht gegen das Entsatzheer zur Verfügung gehabt haben, inklusive der leichten Reiterei der Tartaren in der Stärke von etwa 20.000 Mann.46) Dem gegenüber stand das Entsatzheer unter der Führung des Polenkönigs Jan Sobieski III., da die Polen mit 26.000 Mann das größte Kontingent dieses multinationalen Heeres beibrachten, zudem kamen noch die Kaiserlichen mit 21.000 Mann, die Sachsen mit 10.400 Mann sowie etwa 20.000 Mann aus allen kleineren Staaten des Reiches und aus Bayern; insgesamt eine Streitmacht von etwa 77.000 Mann an Infanterie und Reitern sowie 170 Geschützen.47)
Hinsichtlich der Waffengattungen wird auch beim Entsatzheer zwischen der Infanterie, der Kavallerie und der Artillerie unterschieden. Bemerkenswert allerdings erscheint, dass neben den schweren polnischen Panzerreitern und den deutschen gepanzerten Kürassieren mit den leicht gepanzerten Dragonern eine Art Hybridwaffengattung zwischen Infanterie und Kavallerie geschaffen worden war. Ihnen war es möglich, sowohl als berittene Abteilungen für die klassischen Kavallerieaufgaben Verwendung zu finden, als auch abgesessen als Infanterie eingesetzt zu werden. Von ihnen zu unterscheiden ist auch die leichte Reiterei der Kroaten, die in erster Linie Aufklärungsaufgaben übernahmen. Die vielseitig verwendbare, hochmobile Waffengattung der Dragoner hatte sich in allen Gefechten so gut bewährt, dass sie letztendlich als moderne Kavallerie die schwere Reiterei ersetzen sollte.
Das gemeinsame kaiserliche, deutsche und polnische Heer marschierte in drei Marschkolonnen aus dem Raum Tulln gegen Wien vor: Der linke Flügel wurde aus den Kaiserlichen48) und den Sachsen gebildet, im Zentrum standen die Reichstruppen mit Teilen der Kaiserlichen, und den rechten Flügel bildeten die Polen. Die Türken hatten ihren rechten Flügel zum Schwergewicht gemacht, da dieser Vorstoß entlang der Donau der kürzeste Weg nach Wien und somit zur Vereinigung mit den Verteidigern war. Die Türken verteidigten Nussdorf hartnäckig, und nur langsam konnte der linke Flügel des Entsatzheeres an Boden gewinnen. Allerdings griffen nun die Polen am rechten Flügel mit solcher Vehemenz an, dass Kara Mustafa befürchtete, umfasst und an den Wienfluss gedrückt zu werden. Den Tartaren und Fußtruppen war es nicht gelungen, die Polen zum Stehen zu bringen. Kara Mustafa setzte seine Reserven ein, zudem gruppierte er um und konzentrierte die Artillerie sowie zwei Drittel seiner Kräfte an seinem linken Flügel. Dies brach den Widerstand gegen den linken Flügel des Entsatzheeres, der nun nicht Richtung Wien entlang der Donau vorstieß, sondern einschwenkte hinein ins Zentrum. Sobieski setzte sämtliche Kavallerie des Zentrums und des rechten Flügels ein und durchbrach damit die türkischen Stellungen. Die dabei entstehende Verwirrung unter den Türken schlug bald in Panik um; Kara Mustafa gab den Rückzugsbefehl und setzte sich mit der Masse seines Heeres überhastet Richtung Petronell ab. Das Entsatzheer unterließ es nachzustoßen, da Sobieski in der schnellen Rückzugsbewegung der Türken eine Falle vermutete; also blieb das Heer vor Wien stehen; die türkischen Truppen in den Gräben wurden größtenteils erschlagen, und fürs Erste erfreute man sich an den Schätzen, die im türkischen Lager zurückgeblieben waren. Erst am 18. September begann die Offensive gegen Ungarn.
Der Großwesir sammelte bei Raab seine Streitmacht, ließ zahlreiche Offiziere wegen Feigheit vor dem Feind hinrichten und begab sich nach Ofen, dem heutigen Budapest. Die Kaiserlichen und die Polen stießen ab Mitte September in den ungarischen Raum nach, es gelangen ihnen einige Siege in kleineren Gefechten. Erwähnenswert ist die Rückeroberung der Festung Gran/Estergom, die noch Suleyman der Prächtige 1543 von den Habsburgern erobert hatte und die nun das Sprungbrett nach Ofen/Budapest bildete. Das türkische Heer war, unter Zurücklassung von großen Truppenteilen im ungarischen Raum, wieder nach Belgrad zurückgekehrt. „Kara Mustapha hatte es vortrefflich verstanden, die Schuld der erlittenen Niederlage auf die Schultern Anderer zu wälzen. - Sultan Muhammed beschenkte sogar seinen Grossvezier ‚für die Rettung des Heeres‘. Als aber die Nachricht von der Niederlage bei Párkány in Constantinopel eintraf, bald darauf jene von dem Verluste von Gran, trat ein völliger Umschwung ein. Das ganze türkische Heer, insbesondere die Janitscharen, massen Kara Mustapha allein die Schuld der erlittenen Niederlage bei, ja sie weigerten sich, ferner unter seinem Commando zu stehen.“ 49) Der Großwesir hatte somit das Vertrauen des Sultans verloren - und so sandte er ihm die seidene Schnur, das Todesurteil wurde in Belgrad vollstreckt.

Epilog

Mit dem Eroberungsversuch von Wien hatte der so genannte Große Türkenkrieg begonnen, der letztendlich mit der Schlacht von Zenta 1697 und dem Diktatfrieden von Karlowitz, worin dem Osmanischen Reich weite Gebietsabtretungen auf dem Balkan aufgezwungen wurden, endete. Der Feldzug der Hohen Pforte gen Wien war somit der Kulminationspunkt eines jahrhundertelangen Ringens um die Herrschaft der Religionen in Europa, der mit dem Angriff der Araber über Spanien begonnen hatte und nun mit einem Stoß nach Mitteleuropa sein glanzvolles Ende hätte finden sollen. Mit der Einnahme Wiens wäre ein strategischer Punkt, exakt am Durchbruch der Donau zwischen Alpen und Karpaten gelegen, genommen worden, der einerseits den Pfropfen zur sicheren Abdichtung der Einfallsschneise in den Balkanraum gebildet hätte. Andererseits war er als Ausgangsbasis für weitere Angriffe Richtung Westen geradezu ideal gelegen. Und es wäre die Inbesitznahme der Residenzstadt des Kaisers ein gewaltiger Prestigegewinn gewesen. Diese Entscheidungsschlacht vor Wien bildete den Wendepunkt im Ringen um die Vorherrschaft auf dem Balkan zwischen den Habsburgern und den Osmanen, deren Niedergang durch die Friedensschlüsse von Karlowitz 1699 und Passarowitz 1718 offensichtlich wurde.
Die Osmanen und auch Ludwig XIV. hatten den Zusammenhalt und die Widerstandsfähigkeit des Reiches unterschätzt, die nicht zuletzt als Aufwallung der Christenheit unter der Koordination des Papstes gesehen werden muss. Diese gemeinsame Stärke Europas verhalf Österreich zum Aufstieg zur Großmacht, dem Osmanischen Reich gelang es nie mehr, auch nur in die Nähe Wiens vorzudringen. Zahlreiche Schaustücke in den diversen Museen zeugen noch von den Kriegen jener Zeit, viele Denkmäler und Regionalbezeichnungen, wie der „Türkenschanzpark“ in Wien, weisen auf die blutigen Ereignisse hin. Die wenigsten Menschen allerdings verbinden das berühmte Wiener Kipferl, das als Halbmond geformte und zum Verzehr gedachte Frühstücksgebäck, mit jener Zeit - genauso wenig wie den oft recht locker sitzenden Fluch: „Kruzitürken! Schimpft man in Österreich und Bayern noch heute, ist sich aber nicht mehr dessen bewusst, dass damit ursprünglich ‚Kuruzzen und Türken’ verwünscht worden sind.“ 50)

ANMERKUNGEN:

 

1) Vgl. Werner Welzig: Appell wozu? Zur Strategie von Abrahams Türkentraktat. In: Historisches Museum der Stadt Wien (Hrsg.): Die Türken vor Wien. Salzburg 1982, S.191.
2) K.K. Kriegsarchiv (Hrsg.): Das Kriegsjahr 1683. Wien 1883, S.199.
3) K.K. Kriegsarchiv (Hrsg.): Das Kriegsjahr 1683. Wien 1883, S.204.
4) Eine anschauliche Darstellung der niederösterreichischen Ortschaften, die 1683 von den türkischen Streifscharen zerstört wurden bzw. von jenen, die standgehalten haben, findet sich in: Harald Lacom: Niederösterreich brennt! Tatarisch-Osmanische Kampfeinheiten 1683. Wien 2009, S.48.
5) Johann Christoph Allmayer-Beck, Erich Lessing: Die kaiserlichen Kriegsvölker. Wien 1978, S.169f.
6) Johannes Sachslehner: Anno 1683. Wien 2011, S.127f.
7) Vgl. John A. Lynn: The Wars of Louis XIV. 1667-1714. Harlow 1999, S.17.
8) Johann Christoph Allmayer-Beck: Bedrohung und Befreiung Wiens. In: Erich Zöllner, Karl Gutkas: Österreich und die Osmanen - Prinz Eugen und seine Zeit. Wien 1988, S.34.
9) Vgl. Ferenc Majoros, Bernd Rill: Das Osmanische Reich 1300 - 1922. Regensburg 1994, S.227f.
10) Michael Hochedlinger: Die französisch-osmanische „Freundschaft“ 1525-1792. In: Mitteilungen des Institutes für Österreichische Geschichtsforschung 102. Wien 1994, S.109.
11) Markus Köhbach: Das Osmanische Reich im 16. und 17. Jahrhundert. In: Erich Zöllner, Karl Gutkas: Österreich und die Osmanen - Prinz Eugen und seine Zeit. Wien 1988, S.13.
12) Diese Belagerung einer Stadt ist als die längste in die Geschichte eingegangen. Vgl. Ekkehard Eickhoff: Venedig, Wien und die Osmanen. München 1970, S.228-264.
13) Unter seiner persönlichen Führung hatten 1678 die osmanischen Heerscharen die Kosakenhauptstadt und Festung Tschigirin am Dnjepr genommen; 1681 wurde ein Frieden zwischen Russland und dem Osmanischen Reich geschlossen. Vgl. John Stoye: Die Türken vor Wien. Graz 2012, S.33.
14) Johann Christoph Allmayer-Beck: Bedrohung und Befreiung Wiens. In: Erich Zöllner, Karl Gutkas: Österreich und die Osmanen - Prinz Eugen und seine Zeit. Wien 1988, S.38.
15) Vgl. Ferenc Majoros, Bernd Rill: Das Osmanische Reich 1300 - 1922. Regensburg 1994, S.44.
16) Siehe dazu: Alfred Sammer: Papst Innozenz XI. und die Heilige Liga. In: Historisches Museum der Stadt Wien (Hrsg.): Die Türken vor Wien. Salzburg 1982, S.169-173 sowie: Ekkehard Eickhoff: Venedig, Wien und die Osmanen. München 1970, S.355-358.
17) Markus Köhbach: Das Osmanische Reich im 16. und 17. Jahrhundert. In: Erich Zöllner, Karl Gutkas: Österreich und die Osmanen - Prinz Eugen und seine Zeit. Wien 1988, S.17.
18) Robert Waissenberger: Orientierung im Zeitalter. Österreich und Europa vom Westfälischen Frieden bis zum Frieden von Karlowitz. In: Historisches Museum der Stadt Wien (Hrsg.): Die Türken vor Wien. Salzburg 1982, S.26.
19) Hochedlinger, „Freundschaft“, a.a.O., S.127.
20) Vgl. John A. Lynn: The Wars of Louis XIV. 1667-1714. Harlow 1999, S.165.
21) Johannes Sachslehner: Anno 1683. Wien 2011, S.33.
22) K.K. Kriegsarchiv (Hrsg.): Das Kriegsjahr 1683. Wien 1883, S.53.
23) Siehe dazu: Ozan Sat: Die Osmanische Armee. Berlin 2012, S.8-24 sowie David Nicolle: Armies of the Ottoman Turks 1300-1774. London 1983, S.9-20.
24) K.K. Kriegsarchiv (Hrsg.): Das Kriegsjahr 1683. Wien 1883, S.53.
25) Vgl. Gerhard Schweizer: Die Janitscharen. Salzburg 1979, S.64-81.
26) Ozan Sat: Die Osmanische Armee. Berlin 2012, S.10.
27) K.K. Kriegsarchiv (Hrsg.): Das Kriegsjahr 1683. Wien 1883, S.243.
28) Pascha und Agha waren in Kriegszeiten Titel für die kommandierenden Generale; ihnen wurden als Zeichen ihrer Befugnis drei Rossschweife (türkische Standarten) vorangetragen; dem Großwesir, also dem Oberkommandierenden, standen fünf Rosschweife zu, den Beys, die als Regimentskommandanten fungierten, war ein Rossschweif zugedacht.
29) K.K. Kriegsarchiv (Hrsg.): Das Kriegsjahr 1683. Wien 1883, S.152f.
30) Peter Broucek: Der Feldzug von 1683 und der Entsatz Wiens in der Schlacht am Kahlenberg. In: Erich Zöllner, Karl Gutkas: Österreich und die Osmanen - Prinz Eugen und seine Zeit. Wien 1988, S.67.
31) Stefan Bürger: Theoria et Praxis Architecturae Militaris. In: Bettina Marten u.a.: Festungsbau. Berlin 2012, S.187.
32) Hartwig Neumann: Festungsbau-Kunst und -Technik. Augsburg 2000, S.136.
33) Kurt Mörz: Befestigung und Armierung Wiens. In: Gesellschaft für österreichische Heereskunde (Hrsg.): Bedrohung und Befreiung Wiens 1683. Wien 1983, S.14.
34) Eine sehr anschauliche Darstellung der Wiener Befestigungen im Vergleich zum heutigen Stadtbild findet sich in: Peter Broucek, Erich Hillbrand, Fritz Vesely: Historischer Atlas zur zweiten Türkenbelagerung. Wien 1983, S.17.
35) K.K. Kriegsarchiv: Das Kriegsjahr 1683. Wien 1883, S.126.
36) John Stoye: Die Türken vor Wien. Graz 2010, S.58.
37) Walter Hummelberger: Wien in der Verteidigung gegen die Türken. In: Erich Zöllner, Karl Gutkas: Österreich und die Osmanen - Prinz Eugen und seine Zeit. Wien 1988, S.42.
38) Vgl. Lacom, a.a.O., S.64-70.
39) Vgl. K.K. Kriegsarchiv: Das Kriegsjahr 1683. Wien 1883, S.151.
40) Kurt Mörz: Befestigung und Armierung Wiens. In: Gesellschaft für österreichische Heereskunde (Hrsg.): Bedrohung und Befreiung Wiens 1683. Wien 1983, S.18.
41) Vgl. Broucek, Hillbrand, Vesely, Historischer Atlas, a.a.O., S.26.
42) K.K. Kriegsarchiv: Das Kriegsjahr 1683. Wien 1883, S.220.
43) Günter Düriegl: Geschichte der Belagerung Wiens. In: Historisches Museum der Stadt Wien (Hrsg.): Die Türken vor Wien. Salzburg 1982, S.146.
44) Vgl. K.K. Kriegsarchiv: Das Kriegsjahr 1683. Wien 1883, S.262.
45) Broucek, Feldzug von 1683, a.a.O., S.65.
46) Vgl. K.K. Kriegsarchiv: Das Kriegsjahr 1683. Wien 1883, S.243.
47) Vgl. K.K. Kriegsarchiv: Das Kriegsjahr 1683. Wien 1883, S.236.
48) Als die „Kaiserlichen“ werden die Truppen der österreichischen Gebiete, also der habsburgischen Erblande, bezeichnet, im Gegensatz zu den anderen deutschen Verbänden aus allen Teilen des Heiligen Römischen Reiches.
49) K.K. Kriegsarchiv: Das Kriegsjahr 1683. Wien 1883, S.319.
50) Michael W. Weithmann: Balkan-Chronik. Regensburg 1995, S.175.