Königgrätz 1866

Die Operationen zwischen dem 22. Juni und 3. Juli 1866

Thorsten Loch/Lars Zacharias

 

Mit der Schlacht von Königgrätz, so die bis heute einhellige Wahrnehmung, war die seit Jahrzehnten offene „Entscheidung über Deutschland“1) gefallen. Die preußischen Armeen schlugen aufgrund der Feuerkraft ihres Zündnadelgewehrs und der hervorragenden Führung Generalfeldmarschall Helmuth von Moltkes die Truppen der Donaumonarchie unter Feldzeugmeister Ludwig von Benedek. Doch nicht nur die „Sieger“, auch die „Verlierer“ konzentrierten sich in ihrer geschichtspolitischen Apologetik auf die Argumente Waffentechnik und Führungsversagen ihres Feldherrn, den sein oberster Kriegsherr gar als „Trottel“ stigmatisierte.2)

Ein zunächst oberflächlicher Blick in den Verlauf der Operationen zeigt jedoch ein durchaus differenziertes Bild, das sich nicht in allen Punkten in die oben skizzierte Argumentation einfügen will. Hieraus erwuchs Neugierde und im Folgenden eine intensive Beschäftigung mit der reinen Operationsgeschichte, die sich sowohl auf das Studium der einschlägigen Literatur wie auf ausführliche Geländebegehungen berufen kann. Die hierbei gewonnenen Erkenntnisse finden in dieser Zeitschrift in zwei getrennten Beiträgen ihren Niederschlag. Der vorliegende Teil wendet sich der reinen Darstellung der Operationen zu und deutet resultierende Widersprüche zu gängigen Überlieferungen an. Der folgende zweite Beitrag widmet sich diesen Widersprüchen und leitet Überlegungen im Rahmen einer modern ausgerichteten operationsgeschichtlichen Betrachtung ab.

 

Moderne Operationsgeschichte: Versuch einer Annäherung

Die Beschäftigung mit der Geschichte einzelner Operationen macht es notwendig, sich mit Taktik, Technik und nicht zuletzt dem militärfachlichen Vokabular der Zeit zu beschäftigen. In Hinblick auf die umgangssprachlich verschwommene Semantik der Begriffe Taktik und Strategie bemühen wir - uns der ahistorischen Krücke bewusst - eine Führungsvorschrift der Bundeswehr, um eine Folie zu skizzieren, die einen semantisch roten Faden zeichnet und als Gliederungselement dient.3)

Die strategische Ebene umfasst demnach die gesamte Planung eines Feldzuges oder gar Krieges, die in der Regel durch das höchste militärische Kommando eines Staates mit politischer Zielsetzung ausgeführt wird. Die operative Ebene ist die Umsetzung dieser Vorgaben im Rahmen eines Feldzuges durch selbstständige Großverbände (Armee, Korps, Division), wohingegen die taktische Ebene die Truppenführung auf dem Gefechtsfeld umfasst, die regelmäßig auf Verbandsebene (Brigade, Bataillon, 1866 auch Division und Korps) erfolgt. Diese durchaus „moderne“ Sichtweise ist nicht neu, nur das Vokabular unterliegt steter Veränderung.4) Es ergibt sich folgendes Bild: Der preußische Generalstabschef plante strategisch vor Beginn des Feldzuges. Ab Angriffsbeginn führte der Generalstab den Feldzug operativ nach den vorher festgelegten strategischen Leitlinien. Auf dem Schlachtfeld von Königgrätz praktizierten alle militärischen Führer taktische Truppenführung. Sprechen wir also über strategische Planungen, so müssen die politischen Ziele, die Absicht der höchsten militärischen Führungsebene (Generalstab) sowie die militärischen Aufmarschplanungen vor Feldzugsbeginn betrachtet werden. Untersuchen wir die Operationsführung, so sind die Operationen der Armeen ab dem 22. Juni 1866 bis zum Waffenstillstand am 26. Juli 1866 im Fokus. Befassen wir uns mit Taktik im Gefecht, so liegt das Augenmerk auf der Gefechtsführung der einzelnen Zusammenstöße preußischer und österreichischer Truppen.

 

Strategische Planungen

Die auf die politischen Ziele abgestimmte militärstrategische Leitlinie war in Preußen zwischen Moltke und Bismarck unumstritten: Es kam darauf an, die österreichische Armee möglichst schnell und möglichst vollständig zu zerschlagen, um einem befürchteten Eingreifen anderer Mächte zuvorzukommen.5) Die Konzentration aller verfügbaren Verbände hierfür hatte absoluten Vorrang. Andererseits war eine Vereinigung der österreichischen Kräfte mit den verbündeten süddeutschen Staaten unbedingt zu verhindern. Diese Aufgabe fiel den Truppen auf den so genannten „Nebenkriegsschauplätzen“ zu, deren Erfolgsaussichten man von vornherein als nicht allzu gut beurteilte und sogar eine Aufgabe der Rheinprovinzen in Kauf nahm.6) Auch die Okkupation Sachsens war letztlich nur Mittel zur Verbesserung der Aufmarschbasis gegen Österreich.7)

Während also die politische Zielsetzung wie auch die daraus abgeleitete militärstrategische Leitlinie Preußens offensiv und auf Machtgewinn ausgerichtet war, verfolgte die politische Führung Österreichs eine eher defensive Grundhaltung, die auf Machterhalt sowohl in der Monarchie als auch im Deutschen Bund ausgerichtet blieb.8) Daher war auch die militärstrategische Leitlinie eher defensiv ausgerichtet. Dies war zudem nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass sich die politische wie militärische Führung nach der preußisch-italienischen Offensiv- und Defensivallianz vom 8. April 18669) in dem strategischen Dilemma wiederfand, an zwei weit voneinander entfernten Fronten ohne die Fähigkeit einer schnellen operativen Verlegung eigener Kräfte auskommen zu müssen. Für ein offensives Vorgehen an beiden Fronten waren die eigenen Kräfte zu schwach. Aufgrund der Gefahrenanalyse setzte man den Schwerpunkt der eigenen Kräfte folgerichtig gegen Preußen.10) Durch Vereinigung mit den Truppen der Verbündeten erhoffte man ein ausreichendes Übergewicht zu erhalten.

Wie also die militärstrategische Leitlinie der formulierten politischen Zielsetzung folgt, so folgt auch die Aufmarschplanung der jeweiligen militärstrategischen Leitlinie. Um die österreichische Armee rasch zu zerschlagen, mussten sich die preußischen Kräfte zum Gegner hin bewegen, also in das vermutete österreichische Aufmarschgebiet Böhmen hinein. Sowohl die Sicherung der lang gestreckten eigenen Grenzen als auch die Versorgungsproblematik legten einen getrennten Anmarsch kleinerer, naturgemäß beweglicherer operativer Heeresteile nahe.11)

Ganz anders, jedoch genauso folgerichtig, sah es auf österreichischer Seite aus. Die defensive militärstrategische Leitlinie führte zu einer Versammlung der Masse der Nordarmee im Raum Olmütz in Mähren. Durch die weite Entfernung von der preußischen Grenze schien die Möglichkeit einer schnellen Umfassung der eigenen Kräfte noch im Aufmarsch wie im exponierten Böhmen eher unwahrscheinlich.12) Allerdings stieg auch die Entfernung zu den Verbündeten.

Der preußische Aufmarsch war im Großen und Ganzen am 5. Juni13) abgeschlossen, der österreichische am 10. Juni 1866.14) Damit endete übrigens auch die vielzitierte Rolle der Eisenbahn: Den Rest des Weges nach Königgrätz marschierten Preußen wie Österreicher zu Fuß.15)

 

Operative Führung

Die Operationsplanung des preußischen Generalstabs sah einen schnellen Vormarsch aller verfügbaren Kräfte vor, um die österreichischen Hauptkräfte noch in Böhmen unabhängig von deren voraussichtlicher Absicht zu zerschlagen. Dazu sollten die 1. Armee unter Prinz Friedrich Karl mit 93.000 Mann aus der Lausitz und die 2. Armee unter Kronprinz Friedrich Wilhelm mit 115.000 Mann aus Schlesien heraus angreifen. Aus der eigentlichen 3. Armee in der Rheinprovinz wurde als zusätzliches operatives Element die Elb-Armee unter General Herwarth von Bittenfeld mit 46.000 Mann zur Verstärkung des Hauptkriegsschauplatzes formiert. Insgesamt verfügte Preußen so über ca. 254.000 Mann.16)

Nach getrenntem Vormarsch sollten die drei Armeen sich erst unmittelbar vor der Schlacht vereinigen und einen konzentrischen Angriff gegen die österreichischen Hauptkräfte führen. Da Moltke deren Aufenthaltsort nicht kennen konnte, legte er die nordböhmische Stadt Gitschin als Marschziel fest.

Während also in Preußen sowohl die strategische Planung als auch die operative Führung in der Hand des Generalstabschefs lagen und somit keine Reibungsverluste entstanden, gestaltete sich die Lage in Österreich problematischer. Hier fand strategische Planung (wenn überhaupt) in der Umgebung des Kaisers in Wien statt, die operative Führung lag in der Hand des Armeeoberbefehlshabers Benedek. Dessen k.k. Nordarmee war am 20. Juni 1866 folgendermaßen disloziert: Zwei leichte Kavalleriedivisionen überwachten die Grenzen nach Schlesien und Sachsen, das I. Korps war nach Böhmen vorgeschoben, wohin die sächsische Armee auswich. Die Hauptkräfte sammelten sich im Raum um die Festung Ölmütz. Einschließlich der verbündeten sächsischen Streitkräfte verfügte Benedek über etwa 261.000 Mann.17) Seine Absicht war es, mit dem vorgeschobenen I. Korps die sächsischen Truppen aufzunehmen und danach den Vormarsch der preußischen Truppen zu verzögern, um nach Eintreffen der eigenen Hauptkräfte in Nordböhmen jedem der getrennt marschierenden Gegner in voller Gefechtsstärke gegenüberzutreten.18) Jedoch drängte der Kaiser mittels eines Telegramms bereits am 16. Juni auf einen baldigen Vormarsch der Nordarmee.19) Benedek fügte sich, wohl auch, weil er zunächst den Schwerpunkt des feindlichen Angriffs aus Sachsen und der Lausitz heraus beurteilte.20) Am 22. Juni begann der konzentrische Vormarsch der drei preußischen Armeen nach Nordböhmen. Die folgenden zehn Tage zeigen auf österreichischer Seite den Versuch einer Operationsführung auf der „inneren Linie“, was jedoch durch eine Reihe von Niederlagen (Verluste in Klammern) gründlich misslang.21)

Benedek ging am 23. Juni aus dem Raum Olmütz unter Sicherung der rechten Flanke durch das X. Korps (Gablenz) und VI. Korps (Ramming) nach Nordwesten vor,22) um sich mit dem I. Korps (Clam-Gallas) sowie dem sächsischen Korps (Albert) zu vereinigen und zunächst die preußische 1. Armee zu zerschlagen. Das war ein Operationsplan, der, schnell und folgerichtig ausgeführt, Aussicht auf Erfolg hatte.23) Jedoch durchstießen am 26. Juni die preußische Elbarmee (Herwarth) und die 1. Armee (Friedrich Karl) die Stellungen des österreichischen I. Korps (Clam-Gallas) an der Iser. Ein österreichischer Gegenangriff bei Podol scheiterte unter schweren Verlusten (Ö: 1.050, P: 130). Auch der Angriff des preußischen IV. Korps auf die österreichischen Stellungen auf dem Muskyberg südöstlich Münchengrätz war erfolgreich (Ö: 1.650, P: 350). Die österreichisch-sächsischen Truppen wichen auf Gitschin aus.

Am Morgen des 27. Juni traf das österreichische VI. Korps (Ramming) bei Nachod auf das verstärkte preußische V. Korps (Steinmetz) und griff auf den Höhen südöstlich von Nachod energisch an. Jedoch hielten die Preußen stand, und die Österreicher mussten unter Deckung der Artillerie auf Skalitz ausweichen. Ihre Verluste waren fünfmal so hoch wie die der Preußen (Ö: 5.700, P: 1.100). Währendessen unterlag das preußische I. Korps (Bonin) bei Trautenau dem österreichischen X. Korps (Gablenz). Obwohl die österreichischen Verluste wiederum bedeutend höher als die preußischen waren (Ö: 4.800, P: 1.400), ging das preußische I. Korps über 30 km zurück und war damit vorübergehend handlungsunfähig.

Durch den Angriff der preußischen 2. Armee zeichnete sich eine massive Flankenbedrohung der österreichischen Hauptkräfte ab. Benedek sandte nun zusätzlich das IV. Korps (Festetics) sowie das VIII. Korps (Leopold) in Richtung Schlesien, um am folgenden Tag zunächst mit allen Kräften die preußische 2. Armee (Kronprinz Friedrich) zu schlagen. Als diese jedoch nicht weiter vorrückte und anscheinend auch keine weiteren Kräfte nachführte, wandte er sich erneut gegen die preußische 1. Armee (Friedrich Karl), wofür er später scharf kritisiert wurde.24)

Am 28. Juni 1866 schlug die neu eingetroffene preußische Garde das österreichische X. Korps (Gablenz) bei Soor. Im Verlauf des Gefechts wurde bei Burkersdorf eine ganze österreichische Brigade zerschlagen (Ö: 3.800, P: 700). Auch das preußische V. Korps (Steinmetz) griff erneut an und traf bei Skalitz auf das österreichische VIII. Korps (Erzherzog Leopold), das sich auf Befehl Benedeks nicht auf ein Gefecht hätte einlassen sollen.25) Leopold hielt sich jedoch nicht an diesen Befehl, er handelte sogar in voller Absicht dagegen.26) Anstatt abzurücken befahl Leopold gar nichts, und seine Brigadekommandeure taten, was sie gelernt hatten: Sie gingen mit ihrer Infanterie im Bajonettangriff vor. Im Waldkampf wurden zwei österreichische Brigaden stark dezimiert (Ö: 5.500, Pr: 1.300). Benedek entzog Leopold öffentlich das Kommando27) und ordnete den sofortigen Abbruch des Gefechts an.

Dadurch wurde aber auch der Vorstoß auf Gitschin undurchführbar. Benedek befahl am 29. Juni zunächst das Ausweichen in den Raum Josefstadt - Königinhof.28) Nachdem bei Schweinschädel das österreichische IV. Korps (Festetics) erneut gegen das preußische V. Korps (Steinmetz) unterlag (Ö: 1.500, P: 400), ordnete er den Rückzug auf Königgrätz an. Damit brachte er jedoch den sächsischen Kronprinzen in Schwierigkeiten. Dieser hatte den Kampf in Erwartung eines Vormarsches der Nordarmee am Nachmittag des 29. Juni nördlich der Stadt Gitschin zunächst erfolgreich29) wieder aufgenommen. Gegen Abend30) erreichte ihn der Rückzugsbefehl Benedeks vom Morgen des 29. Juni.31) Albert musste den Kampf abbrechen und einen verlustreichen Rückzug antreten (Ö: 5.500 Mann, P: 1.600).

Benedek stand vor den Trümmern seiner Operation. Obwohl er immer wieder versucht hatte, seine Absicht umzusetzen, verlor er sich in den Handlungszwängen rasch wechselnder Lagebilder, weil er nur reagierte statt agierte, also seine Kräfte nicht auch unter Inkaufnahme offener Flanken konsequent auf einen Punkt konzentrierte. Genau dieser Initiativvorteil lag bei Moltke, der nur durch seine strategische Idee operative Tatsachen schuf. Fast alle österreichischen Korps hatten bereits im Gefecht gestanden und teilweise schwere Verluste erlitten. Doch schwerer als der Verlust an Personal wog der Verlust an Einsatzwert. Hier begeben wir uns auf die dritte, die taktische Ebene.

 

Taktik im Gefecht - Determinanten der Entscheidung

Hier ist es zwingend notwendig, zuvorderst die Voraussetzungen zu beleuchten, unter denen Benedek und Moltke ins Gefecht gingen. Dabei darf auch die Frage nicht unbeantwortet bleiben, warum Benedek sich hier und jetzt zur Schlacht stellte. Die Antwort darauf ist vordergründig ganz einfach und in der Literatur viel zitiert. Benedek verfasste am 30. Juni einen düsteren Lagebericht an den Kaiser mit der Bitte, schnellstmöglich Frieden zu schließen. Die Antwort des Kaisers - „Einen Frieden zu schließen unmöglich - hat eine Schlacht stattgefunden?“ 32) - wird gemeinhin als Aufforderung und Hinweis an Benedek gewertet, dass ohne eine militärische Entscheidung kein Friedensschluss erfolgen kann und Benedek deshalb die Schlacht schlug.33) Aber ist es denn wirklich so einfach?

Als Benedek seine Truppe bei Königgrätz sammelte, musste er feststellen, dass er nicht nur etwa 30.000 Mann verloren hatte, sondern seine Korps auch teilweise schwer angeschlagen waren. Die Offiziere und Soldaten hatten im Vertrauen auf ihre Ausbildung den Feind mutig und tapfer angegriffen - und furchtbare Verluste hinnehmen müssen. Bis auf das Gefecht von Trautenau, in dem die österreichischen Verluste aber auch viermal höher als die preußischen waren, hatten die österreichischen Waffen nur Niederlagen erlitten. In den österreichischen Reihen verbreiteten sich Angst und Schrecken - v.a. vor dem Zündnadelgewehr.34) Wie konnte es dazu kommen?

Die österreichische Infanterie war mit dem Infanteriegewehr M1854 System Lorenz bewaffnet, einem Vorderlader mit einem unterkalibrigen Expressionsgeschoss. Diese Waffe war vielleicht der beste je militärisch genutzte gezogene Vorderlader und besaß eine hohe effektive Gefechtsentfernung.35) Ein ausgebildeter Schütze erreichte auf 200 m 97%, auf 300 m noch 71% Trefferwahrscheinlichkeit.36) Dagegen besaß das Zündnadelgewehr eine wesentlich geringere effektive Gefechtsentfernung: auf 150 m 85% Trefferwahrscheinlichkeit liegend, 75% stehend freihändig.37) Das Lorenzgewehr zeigt sich hier also an Gefechtsentfernung und Genauigkeit deutlich überlegen - wenn es taktisch richtig eingesetzt wurde. Es brachte nämlich überhaupt nichts, das Feuer mit schlecht ausgebildeten Schützen auf mehr als 300 m zu eröffnen, denn dann war die Wirkung im Ziel gering.38) Genau diese Erfahrung machten die Österreicher 1859 bei Solferino, als sie im Vertrauen auf ihr weittragendes Gewehr einfach unterlaufen wurden, weil die Schützen die Entfernungen falsch geschätzt hatten.39) Dies hatte weitreichende Folgen, denn den hervorragenden neuen Waffen wurde Versagen unterstellt. Die (französische) Taktik, mit dem Bajonett im schnellen Stoß das feindliche Feuer zu unterlaufen und den Nahkampf zu suchen, um die Feuergeschwindigkeit des Zündnadelgewehrs zu neutralisieren, wurde zur (österreichischen) Maxime erhoben und 1864 bei Oversee „erfolgreich erprobt“.40) Allerdings kostete der Sturmangriff auch damals schon 650 Tote. Denn während in der sich im Sturmlauf immer weiter verkürzenden Distanz die Effektivität des Verteidigers sprunghaft stieg, feuerte der Angreifer gar nicht. Das mochte gegen veraltete dänische Vorderlader gut gehen, gegen die Feuergeschwindigkeit eines Zündnadelgewehres hingegen war es tödlich.

Aus diesen Details wird der Grund für die Niederlagen der österreichischen Infanterie deutlich: Wann immer sie auf den Feind traf, griff sie todesmutig mit dem Bajonett an und wurde vom Zündnadelgewehr zusammengeschossen. Bezogen die Österreicher eine gut verschanzte Stellung wie bei Gitschin und nutzten die Reichweite und Genauigkeit ihres Gewehrs aus, dann sah es für die Preußen schlecht aus.41) Aber die österreichischen Offiziere und Soldaten hatten nur den Bajonettangriff gelernt, sie waren so ausgebildet, ja darauf gedrillt worden. Das „Versagen“ dieser Stoßtaktik führte zur massiven Erschütterung des Selbstbewusstseins sowie der Siegeszuversicht der österreichischen Soldaten. Der Einsatzwert im Angriff gegen die siegreichen preußischen Verbände war vollends geschwunden. So wird auch das Telegramm Benedeks an den Kaiser vom 1. Juli verständlich, dass die Korps „außerordentlich hergenommen“ seien und „mehrere Tage, um sich zu sammeln“ bräuchten.42) Denn Benedek als erfahrener Truppenführer meinte damit nicht nur die personellen Verluste, sondern den Einsatzwert seiner Truppe insgesamt. Daher kam auch ein sofortiger weiterer Rückzug, wie er vielmals als angeblich einzige logische Konsequenz gefordert wurde, nicht in Frage. Denn ein solcher hätte zweifelsohne, und dass wusste Benedek, zur vollständigen Auflösung der österreichischen Nordarmee geführt. Die Armee brauchte jetzt zwei Dinge: Ruhe, um die innere Ordnung wieder herzustellen, und einen Sieg, um das Selbstvertrauen wiederzugewinnen. Benedeks wesentliche Leistung musste es jetzt sein, den Einsatzwert der Truppe nachhaltig zu erhöhen.43) Eine Schlacht um jeden Preis zu riskieren lehnte er dennoch ab, denn die Nordarmee war das einzig verfügbare Verteidigungselement und damit unersetzlich.44) Sie aber bewusst und in der Absicht zu schlagen, die preußischen Armeen zum Stehen zu bringen, damit das eigene Ausweichen zu ermöglichen und v.a. den Truppen durch einen Sieg neues Selbstvertrauen zu geben, das entsprach sowohl seiner identifizierten wesentlichen Leistung als auch seiner strategischen Leitlinie.

Dass Benedek bei Königgrätz zweifellos ein größeres Gefecht beabsichtigte, wird allein schon dadurch deutlich, dass er nahezu 36 Stunden die Pioniere Feldbefestigungen für Artillerie und Infanterie anlegen ließ.45) Wenn Benedek aber Königgrätz in voller Absicht herbeiführte, dann wäre es doch vermessen, einem solch erfahrenen Truppenführer zu unterstellen, er habe dies ohne zumindest die berechtigte Chance auf einen Erfolg getan. Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass Benedek einen Plan hatte und dieser - zumindest in seinen Augen - Aussicht auf Erfolg verhieß.46) Das dazu zu lösende taktische Problem dürfte augenscheinlich sein: Die überlegene Feuergeschwindigkeit des Zündnadelgewehrs gegen die österreichische Stoßtaktik musste neutralisiert werden.

Erste Maßnahme war die Einschränkung der Stoßtaktik durch einen Armeebefehl.47) Benedek stellte in diesem Befehl ausdrücklich heraus, dass der Angriff mit dem Bajonett durch massives Artilleriefeuer vorzubereiten sei, die Annäherung der Truppe bis auf kürzeste Distanz gedeckt und der eigentliche Angriff nur auf kürzeste Entfernung mit größter Schnelligkeit zu erfolgen habe. Die zweite Maßnahme war die Änderung der Gefechtsart: Statt Angriff wählte er die Verteidigung. In dem er die Preußen angreifen ließ, neutralisierte er mit einem Schlag ihren wichtigsten Vorteil: die Feuergeschwindigkeit ihres Zündnadelgewehrs.48)

 

Taktik im Gefecht - Die Absicht Benedeks

Den Grundgedanken des österreichischen Plans finden wir 1914 wieder: in einem sich abzeichnenden Zeitfenster eine Feindkräftegruppierung schlagen, um sich danach einer zweiten zuzuwenden - der viel zitierte Grundgedanke des Schlieffenplans.49) Benedek wusste um die Entfernung der 2. Armee. In seiner Beurteilung der Lage hatte er richtig erkannt, dass jeder Versuch eines weiteren offensiven Vorgehens nicht Erfolg versprechend sein würde. Weiterhin berücksichtigte er die Tatsache, dass die österreichische Artillerie sich in allen bisherigen Gefechten der preußischen sowohl geschütztechnisch als auch einsatztaktisch überlegen gezeigt hatte. Er ließ die Infanterie nur zur Deckung der Artillerie aufmarschieren. Die angreifenden Preußen sollten vor den eigenen Stellungen mit überlegener artilleristischer Feuerkraft abgenutzt und dann mit einer kampfstarken Reserve im Gegenangriff zerschlagen werden.50) Benedek zeigt sich als umsichtiger und kühl kalkulierender militärischer Führer.

Das von Benedek gewählte Gelände51) lag zwar westlich der Elbe, bot jedoch vorzügliche taktische Verteidigungsmöglichkeiten. Besonders der rechte Flügel wies mit den Höhen von Chlum beginnend über Horenowes bis an die Elbe geradezu festungsähnlichen Charakter auf. Etwas schwächer hingegen war die linke Flügelstellung im Raum Problus-Prim. Die hier abfallenden Höhen erlaubten Umgehungsmöglichkeiten in Rücken und Flanke. Das Gelände im Zentrum ist weitgehend offen und vom Flusslauf der Bistritz her leicht ansteigend, was v.a. den Einsatz der Artillerie und der Kavallerie begünstigt.

Im Zentrum, zu beiden Seiten der von Königgrätz nach Sadowa führenden Chaussee, standen das III. Korps (Ernst) und X. Korps (Gablenz), unterstützt durch die Masse der Artillerie. Den rechten Flügel, mit Front nach Norden, bildeten das IV. Korps (Festetics), rechts daneben das II. Korps (Thun), dahinter die 1. leichte Kavalleriedivision. Am linken Flügel standen das sächsische Korps (Albert) und die unterstellten Reste des VIII. Korps, gedeckt durch die 2. leichte Kavallerie-Division. Dahinter hielt er als Reserve das I. Korps (Gondrecourt) und VI. Korps (Ramming) sowie die drei Reservekavalleriedivisionen samt der Armeegeschützreserve bereit.52) Eberhard Kaulbach erkannte dies53) und schreibt Benedek Scharfblick zu, wenn er dessen Idee des Gefechts allein aus der Wahl des Raumes und der Dislozierung der Kräfte inklusive der Stärke der Reserve skizziert.54) Die Niederung der Bistritz diente ihm als Sicherungslinie; das dahinter ansteigende Gelände nach Lipa und Chlum als Vorfeld seiner eigenen Verteidigungslinie, in welchem er die Vorteile des Verteidigers auszuspielen hoffte. Hier zählte sowohl seine bessere Artillerie aus überhöhten Stellungen als auch die überlegene Gefechtsentfernung des Lorenzgewehrs. Benedek setzte nichts anderes als das um, was Moltke ein Jahr zuvor publizierte:55) die Überlegenheit des Feuers über den Bajonettstoß. Denn damit lag der Vorteil beim schießenden Verteidiger, solange der Angreifer im Bajonettangriff den vom Feind beherrschten Feuerraum durchqueren musste. Übrigens eine Erkenntnis, die auch das preußische Infanteriereglement schon 1861 beschrieb56) und vor der Moltke warnte. Benedek sah voraus, dass der Angriff der 1. Armee im Zuge der Bistritz zum Erliegen kommen würde, da das Zündnadelgewehr aufgrund der beschränkten eigenen Reichweite einerseits und der österreichischen Artillerie wie auch der größeren Reichweite des Lorenzgewehrs andererseits den preußischen Angriff nicht voranbringen konnte.57) Denn der Vorteil des rascheren Schießens des Zündnadelgewehrs wirkte sich im Angriff nicht aus, sondern kann nur in der Verteidigung oder aber in unübersichtlichem Gelände - kürzere Sichtstrecken und Distanzen - zur Geltung gebracht werden.58) Und genau hier wird deutlich, dass (militär-)historische Forschung nur mit fundierter (militärischer) Sachkenntnis erfolgreich sein kann.

 

Taktik im Gefecht - Verlauf der Schlacht

Etwa eine Stunde vor Mitternacht des 2. Juli erfuhr Moltke, dass die preußische Aufklärung etwa drei österreichische Korps westlich der Elbe festgestellt hatte.59) Zu Schlachtbeginn war der preußischen Seite also nicht bewusst, dass ihr die gesamte österreichische Nordarmee gegenüberstand. Dennoch entschloss sich Moltke, bei sich bietender Gelegenheit mit aller Macht anzugreifen, was ja auch seiner operativen Leitlinie entsprach. Die 1. Armee sollte den Feind frontal binden, die 2. Armee die rechte, die Elbarmee die linke Flanke angreifen. Absicht war es, die hier fälschlicherweise kräftemäßig als unterlegen beurteilten Österreicher von jedwedem Elbübergang abzuschneiden und in der Umfassung völlig zu vernichten.60) Da jedoch der Befehl bei der 2. Armee erst gegen vier Uhr morgens eintraf und die ersten Verbände gegen sieben Uhr abrückten,61) erreichten das Gardekorps und das VI. Korps gegen 13:00 Uhr, das I. Korps aber erst gegen 16:00 Uhr das Schlachtfeld.

Kurz nach 8:00 Uhr morgens begann der Angriff der 1. Armee auf breiter Front mit vier Divisionen nebeneinander über die Bistritz, um die österreichischen Kräfte frontal zu binden und die Voraussetzung für die flankierenden Angriffe von 2. und Elbarmee zu schaffen.62) Gegen 10:00 Uhr wichen die österreichischen Vorposten planmäßig und geordnet aus den Dörfern entlang der Bistritz auf ihre Hauptlinie aus. Das österreichische X. Korps hielt die Linie Lipa - Langenhof, wo zur Unterstützung insgesamt 160 Geschütze konzentriert wurden. Die Spitzen der Preußen erreichten die Wäldchen Hola und Skalka, wo sie jedoch unter dem Feuer der leistungsfähigen österreichischen Artillerie liegen blieben. Besonders der Holawald entwickelte sich für die preußischen Einheiten zunehmend zu einer Falle. Vom linken Ufer der Bistritz aus erzielte die preußische Artillerie kaum Wirkung gegen die auf dem Höhenkamm hervorragend gedeckt stehenden Österreicher. Diese konzentrierten ihr Artilleriefeuer, sodass sämtliche Vorstöße scheiterten. Die preußische 1. Armee lag bis zu fünf Stunden nahezu unbeweglich unter Artilleriefeuer und erlitt erhebliche Verluste. Der Frontalangriff war somit, wie von Benedek vorausgesehen, gescheitert.

Auch die Situation auf dem linken Flügel entwickelte sich zunächst wie geplant. Am Morgen begann die preußische Elbarmee den Angriff über die einzige tragfähige Brücke in Nechanitz. Die sächsischen Sicherungskräfte wichen daraufhin unter Inbrandsetzung der Brücke auf Prim und Problus aus. Erst als das Feuer gelöscht und die Brücke notdürftig instandgesetzt worden war, ging eine preußische Brigade als Vorausverband über die Bistritz.63) Ein Angriff dieser schwachen Kräfte auf Niederprim blieb erfolglos. Kronprinz Albert erkannte die Schwäche des Gegners und unternahm einen ersten Gegenstoß, gegen den sich die Preußen nur mit Mühe behaupten konnten. General Herwarth wartete inzwischen ab, bis die Brücke in Nechanitz repariert war. Die Schaffung weiterer Übergänge an anderer Stelle zog er nicht in Betracht. Dadurch konnte die preußische 15. Division die Bistritz erst ab 10:00 Uhr, die preußische 14. Division erst ab Mittag überschreiten. Zeitgleich mit einem erneuten Gegenstoß Alberts gegen Mittag begann sich die preußische 15. Division aus dem Raum Hradek sowie Primer Wald zu entwickeln. Kurze Zeit danach begann der Angriff der preußischen 14. Division aus dem Popowitzer Wald gegen Problus. Dem konzentrischen Angriff von zwei Divisionen war das sächsische Korps nicht gewachsen. Gegen 14:30 Uhr nahmen die Preußen Oberprim, kurz darauf fiel Problus.

Kronprinz Albert entschloss sich zum Ausweichen auf den Brizaer Wald. Gegenstöße österreichischer und sächsischer Kavallerie bei Stösser sowie der österreichischen Brigade Piret von Streselitz auf Problus unterbanden im Zusammenwirken mit der sächsischen Artillerie bis zum Abend jedes weitere Vordringen der erschöpften preußischen Divisionen. Die noch verfügbare preußische 16. Division begann den Übergang über die Bistritz erst nach dem Mittag und konnte nicht mehr in die Kämpfe eingreifen. Das sächsische Korps hatte durch eine flexible, aber nachhaltige Verteidigung gegen die überlegenen Kräfte der Elbarmee den einzigen Rückzugsweg der österreichischen Armee erfolgreich offen gehalten.

Entscheidend waren dagegen die Ereignisse am rechten Flügel. Das IV. Korps (Festetics) veränderte zunächst eigenmächtig seine Stellungen und schob sich von der befohlenen Linie Chlum-Nedelischt etwa 2.000 m auf die Linie Maslowed-Sendraschitz vor, das II. Korps schloss sich rechts an. Beide Korps behielten aber allgemein Front nach Norden. Die preußische 7. Infanteriedivision griff im Zuge der preußischen 1. Armee an und drang von Benatek kommend in den nun in der linken Flanke des IV. Korps gelegenen Swiepwald ein. Die dort postierten schwachen Sicherungskräfte des IV. Korps wurden nach kurzem Gefecht zerschlagen. Dessen Kommandeur befahl aber jetzt, den Wald wieder zu nehmen.

In den Vormittagsstunden des 3. Juli 1866 griff eine Brigade nach der anderen in tief gestaffelten Formationen über offenes Gelände gegen die im Wald verschanzt stehenden Preußen an. Eine Umgehung oder ein Flankenangriff wurden anscheinend nicht in Betracht gezogen, obwohl die Möglichkeit bestanden hätte.64) Im bewaldeten und stark durchschnittenen Gelände konnte das Zündnadelgewehr seinen Vorteil der hohen Feuerdichte voll zur Geltung bringen.65) Die frontal geführten Bajonettangriffe der österreichischen Infanterie führten zu hohen Verlusten. Gegen Mittag war zwar der Wald größtenteils durch das II. und IV. Korps besetzt und die preußische 7. Division zerschlagen, jedoch waren auch die beiden österreichischen Korps nicht mehr kampffähig.66)

Das Engagement im Swiepwald hatte weitreichende Folgen, denn dadurch wurde der rechte, nach Norden gewandte Flügel entblößt und nur durch schwache Restkräfte des II. Korps völlig unzureichend gesichert. Durch die hohen Verluste des II. und IV. Korps im Swiepwald büßten diese ihre Kampfkraft nahezu vollständig ein, wodurch ihr Einsatzwert zur Sicherung der rechten Flanke gegen die ab 13:00 Uhr eintreffende preußische 2. Armee äußerst gering war. Zu diesem Zeitpunkt verlor Benedek die Initiative. Als er erkannte, dass die rechte Flanke ungesichert war und ein preußischer Einbruch von Norden her drohte, konnte er mit Nachdruck dafür sorgen, dass entweder die geschwächten Kräfte aus dem Swiepwald die vorgesehene Verteidigungsstellung bezogen, oder aber seine Reserven sofort zur Sicherung der offenen rechten Flanke einsetzen. Mit dem Einführen seiner Reserve hätte er zwar einen möglichen Einbruch von vornherein ausschließen können, sich aber auch endgültig jeglicher Initiativfähigkeit beraubt und seine ursprüngliche Absicht, die preußische 1. Armee unter Einsatz seiner Reserve zu zerschlagen, aufgeben müssen. Er entschied sich für Ersteres,67) wohl mit dem Hintergedanken, seine taktische Freiheit zu erhalten und im Falle eines preußischen Einbruchs immer noch seine Reserven einsetzen zu können.68) Er verkannte jedoch, dass er in diesem Moment seinen wichtigsten taktischen Vorteil, die Überlegenheit seiner vorbereiteten und artilleristisch unterstützten Verteidigung, aus der Hand gab und dem Gegner das Nutzen seines Vorteils der Feuergeschwindigkeit seiner Waffen ermöglichte, indem er in letzter Konsequenz seinen Reserven den von ihm eigentlich als falsch erkannten (Frontal-)Gegenangriff befehlen musste. An diesem Punkt entschieden sich Sieg und Niederlage; nicht die Reichweite der eigenen Waffen oder die Zahl der eigenen Truppen, sondern der Entschluss des militärischen Führers gab den Ausschlag.

Das preußische Gardekorps (Württemberg) griff ab Mittag nach einem Gewaltmarsch aus der Bewegung heraus, an Maslowed vorbei, auf Chlum und weiter auf Rosberitz an. Das preußische VI. Korps (Mutius) überschritt die Trotina bei Racitz und nahm Nedelischt und Lochenitz. Gegen 15:00 Uhr war die von Benedek geplante Verteidigungslinie Chlum-Nedelischt-Lochenitz in preußischer Hand. Das österreichische IV. Korps (Festetics) hatte sich wie das II. Korps (Thun) nur schwer aus der Verzahnung im Swiepwald lösen können und war zu keinem koordinierten Widerstand mehr fähig. Als die preußische Garde auch Rosberitz genommen hatte, drohte gar die Umfassung der österreichischen Hauptkräfte. Benedek befahl nun seiner Reserve, zunächst dem VI. Korps (Ramming) und später auch dem I. Korps (Gondrecourt), den Gegenangriff auf Rosberitz und Chlum, um den preußischen Einbruch zu beseitigen. Die österreichischen Brigaden rückten in tief gestaffelten Kolonnen mit fliegenden Fahnen und zu den Klängen des Radetzkymarsches vor.69) Wie im Swiepwald war auch hier der Vorteil der hohen Feuerdichte des Zündnadelgewehres entscheidend. Die preußische Verteidigung schwankte, aber sie hielt. Der k.k. Angriff endete in herben eigenen Verlusten (10.000 Mann), brachte jedoch den Angriff der preußischen 2. Armee zum Stehen und verhinderte so, dass sich der Einbruch zu einem Durchbruch und somit zu einer Umfassung erweitern konnte. So ermöglichte Benedek den noch im Zentrum stehenden III. und X. Korps das Ausweichen auf die Elbübergänge.70)

Durch den entschlossenen Widerstand der österreichischen Reservekavallerie und der Reserveartillerie wurde auch die nachdrängende preußische 1. Armee aufgehalten und stellte jedes weitere Vordringen ein. Angesichts der starken Erschöpfung und Desorganisation aller preußischen Verbände war an eine Verfolgung des geschlagenen Gegners nicht zu denken.71) Benedek konnte so die Nordarmee über Olmütz nach Pressburg zurückführen, wo er am 26. Juli das Kommando befehlsgemäß niederlegte. Es ihm war gelungen, trotz der Niederlage die Nordarmee als militärischen Faktor zu erhalten. Dadurch wurde zweifelsohne der folgende rasche Friedensschluss mit beeinflusst.

 

Erkenntnisgewinn durch Operationsgeschichte?

Offensichtlich verlor Österreich diese Schlacht und mit ihr den Krieg von 1866 um die Vorherrschaft in Deutschland. Vordergründig waren dafür bessere Waffen und höheres militärisches Können auf preußischer Seite verantwortlich. Ist aber dieses bessere militärische Können wirklich belegbar oder hatte Moltke nicht einfach nur Glück,72) dass sein Gegner operative und taktische Fehler beging? Hinter dem Offensichtlichen ist zu erkennen, dass Benedek durchaus wusste, was er tat und gemäß dem ihm sich bietenden Lagebild angemessen handelte.

Moltkes Absicht war es, bedingt durch Raum-, Zeit- und Materialmangel mit drei Armeen zunächst räumlich unabhängig voneinander zu marschieren, diese im bewegungsgünstigen Plateau südlich Gitschin zu vereinen und die Elbübergänge bei Königgrätz zu gewinnen, um die entscheidende Schlacht offensiv südlich der Elbe zu schlagen. Die Ereignisse und das nach Süden ausweichende und verzögernde sächsische Korps bei Gitschin machten seine ursprüngliche Absicht zunichte und zwangen ihn zu einer leichten Abänderung seines Plans. Ein neuer Versammlungsort wurde bestimmt: Königgrätz selbst. Während hierzu die Befehle ergingen, erfuhr Moltke von drei feindlichen Korps diesseits der Elbe bei Königgrätz. Er fasste nun den Entschluss, diese mit den drei noch marschierenden Armeen aus der Bewegung heraus anzugreifen: Die Mitte sollte binden, während die linken und rechten Flanken den Gegner umfassen sollten, ihn also noch diesseits der Elbe empfindlich treffen, um die Voraussetzungen für den weiteren Angriff zu schaffen.

Benedek hingegen versuchte durch offensive Operationen der Nordarmee die Entscheidung herbeizuführen. Seine Absicht war es, die preußischen Kräfte getrennt voneinander und nacheinander zu vernichten. Dazu kam es ihm zunächst darauf an, das sächsische Korps durch eigene Kräfte aufzunehmen, den Feind zu verzögern, Flankenbedrohungen entgegenzutreten und die so verzögerten Feindkräftegruppierungen einzeln und mit überlegenen eigenen Kräften zu schlagen, um eine Entscheidung herbeizuführen, bevor sich die preußische Armee überhaupt hätte vereinen können.

Die Ereignisse führten dazu, dass Benedek seine Kräfte aus dem Raum Gitschin - wo erfolgreich verzögert wurde und die Versammlung der preußischen Kräfte (wenn auch unwissentlich) verhindert werden konnte - nach Königgrätz befahl. Aus taktischen Gründen (Moral der Truppe, höhere Wirkung seiner Feuerwaffen in der Defensive) suchte er hier die Entscheidung nun in der Verteidigung. Überall sah es für die preußischen Kräfte nicht Erfolg versprechend aus, da sich die Feuerwaffen der damaligen Zeit eindeutig zugunsten des Verteidigers auswirkten. Nur der rechte Flügel, ursprünglich zur Sicherung nach Norden, gegen die in den Mittagsstunden erwartete preußische 2. Armee eingesetzt, verweigerte eigenmächtig den Gehorsam, indem er dem Befehl Benedeks entglitt, die rechte Flanke entblößte und im Swiepwald verblutete. Diese Insubordination ermöglichte erst die Realisierung der Absicht Moltkes. Ohne die hier vorgefallene Eigenmächtigkeit zweier Korpskommandeure wäre dem Kronprinzen Preußens dasselbe blutige Schicksal wie seinem Vetter Prinz Friedrich Karl und dessen 1. Armee widerfahren: liegen zu bleiben im Feuer der Lorenzgewehre und der gezogenen Läufe der österreichischen Vorderladerartillerie. In dieser Situation hätte ein österreichischer Gegenangriff mit der ca. 60.000 Mann starken Reserve (darunter allein drei Kavalleriedivisionen) unter den liegen gebliebenen und erschöpften preußischen Verbänden ein Blutbad anrichten können. Stattdessen musste Benedek den Gegenangriff auf Chlum befehlen, weil er, nachdem er die Flankenbedrohung realisiert hatte, den richtigen Zeitpunkt zum Einsatz seiner Reserve zur Verteidigung seiner rechten Flanke verstreichen ließ.

Die Entscheidung von Königgrätz basiert also mithin weder auf dem Genius eines Moltke, noch auf der Verfügbarkeit von Eisenbahnen und nicht auf der Leistung des Zündnadelgewehrs, aber auch nicht auf der Unfähigkeit Benedeks. Die Beschäftigung mit dem Verlauf der Operationen zeigt, dass der abweichende Einsatz entgegen der Befehlslage am rechten Flügel (ein Führungsproblem) und der Einsatz der österreichischen Reserve (eine Führungsentscheidung) den Ausschlag über Sieg und Niederlage gaben.

 


ANMERKUNGEN:

1) Vgl. Heinrich Friedjung: Der Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland. 1859 bis 1866. Zwei Bände, 2. Auflage, Stuttgart 1898.

2) Als Beispiel dieses Argumentationsmusters siehe z.B. Patrick Verley: Die politischen Verhältnisse: Vom Liberalismus zum Imperialismus. In: Guy Palmade (Hrsg.): Das Bürgerliche Zeitalter. Augsburg 2000, S.283. Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1800-1866. Bürgerwelt und starker Staat. Broschierte Sonderausgabe, München 1998, S.785f. Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. 3. Bd. 1., durchgesehene Auflage der broschierten Studienausgabe, München 2008, S.294.

3) Heeresdienstvorschrift 100/900 „Führungsbegriffe“ der Bundeswehr, Stand 8.1.2003.

4) Jehuda Wallach: Kriegstheorien. Ihre Entwicklung im 19. u. 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 1972, S.72ff. Moltke spricht selbst davon, große Ziele (=strategische Führung) mittels eines Operationsplanes (=operative Führung) umzusetzen, dass aber im Laufe des Feldzuges eine Reihe von Entschlüssen zu fassen sei (=taktische Führung), um situationsgerecht zu agieren. Gleichwohl bleibt einzuräumen, dass ein allgemein zur Verfügung stehendes und historisch aufgearbeitetes Militärfachwissen nach wie vor ein Desiderat darstellt.

5) Volkmar Regling: Grundzüge der Landkriegführung zur Zeit des Absolutismus und im 19. Jahrhundert. In: Handbuch zur Deutschen Militärgeschichte, Bd. 5. München 1979, S.397.

6) Preußischer Generalstab: Der Feldzug von 1866 in Deutschland. Berlin 1867, S.30.

7) Ebenda, S.32.

8) Vgl. Eberhard Kolb: Großpreußen oder Kleindeutschland. Zu Bismarcks deutscher Politik im Reichsgründungsjahrzehnt. In: Dieter Langewiesche und Klaus Schönhoven (Hrsg): Umbrüche deutscher Geschichte: 1866/71 - 1918/19 - 1929/33. Ausgewählte Aufsätze. München 1993, S.31ff.

9) Siehe Dietmar Stübler: Deutschland - Italien 1850-1871. Zeitgenössische Texte. Leipzig 2007, S.213.

10) Österreichischer Generalstab: Österreichs Kämpfe im Jahr 1866. Wien 1867-69, Bd. 1, S.71f.

11) Preußischer Generalstab, a.a.O., S.31.

12) Österreichischer Generalstab, a.a.O., Bd 1, S.111, ferner Johann Christoph Allmayer-Beck: Der Feldzug der österreichischen Nordarmee nach Königgrätz. In: Wolfgang von Groote und Ursula von Gersdorff (Hrsg.): Entscheidung 1866. Der Krieg zwischen Österreich und Preußen. Stuttgart 1966, S.112f.

13) Preußischer Generalstab, a.a.O.,1866, S.21.

14) Der Aufmarsch wird detailliert nachgezeichnet in: Österreichischer Generalstab, a.a.O., Bd 1, S.107-137.

15) Klaus-Jürgen Bremm: Von der Chaussee zur Schiene. Militär und Eisenbahnen in Preußen 1833-1866. München 2005, S.199.

16) Regling, a.a.O., S.401.

17) Österreichischer Generalstab, a.a.O., 1866, Bd 3.1, S.2f.

18) Vgl. Ebenda, S.9f. siehe den Befehl des Kommandierenden Generals des I. Korps, Graf Clam-Gallas, an die 1. Leichte Kavalleriedivision vom 16. Juni 1866.

19) Abgedruckt in Ebenda, S.11.

20) In der Antwort auf o.a. Telegramm des Kaisers behält er sich noch ausdrücklich vor, bei Erkennen des feindlichen Schwerpunktes in Schlesien in Olmütz zu verbleiben, vgl. Ebenda, S.11.

21) Die folgende Zusammenfassung der Operationen vom 22. Juni bis zum 2. Juli bezieht sich im Wesentlichen auf ebenda, S.42-220, ferner Preußischer Generalstab, a.a.O.,1866, S.103-150. Friedjung, a.a.O., Bd 2, S.8-188. Wilhelm Alter: Feldzeugmeister Benedek und der Feldzug der k.k. Nordarmee 1866. Berlin 1912, S.260-369. Eine ebenfalls gelungene, wenn auch mehrere hundert Seiten umfassende operationsgeschichtliche Darstellung unter Auswertung der maßgeblichen älteren Literatur liefert: Karl-Horst Bichler: Der Preußisch-Österreichische Krieg in Böhmen 1866. Berlin 2009. Auf den Einzelnachweis der übereinstimmenden Fakten wird daher im Weiteren verzichtet.

22) Friedjung, a.a.O., Bd. 2, S.39.

23) So auch Wilhelm Müller-Lobenitz: Königgrätz 1866. In: Deutsche Gesellschaft für Wehrpolitik und Wehrwissenschaft (Hrsg.): Der Genius des Feldherrn. Potsdam 1937, S.182.

24) Österreichischer Generalstab: a.a.O., Bd 3.1, S.35ff. Heinrich Friedjung, Benedeks nachgelassene Papiere, 3., durch einen zweiten Anhang vermehrte Auflage. Dresden 1904, S.431, Müller-Lobenitz, a.a.O., S.183f.

25) Siehe den Befehl Benedeks von 11:00 Uhr. In: Österreichischer Generalstab, a.a.O., Bd 3.1, S.126.

26) Alter, a.a.O., S.307, Fußnote 5 weist dies unter Heranziehung verschiedenster Quellen nach.

27) Ebenda, S.321. Bemerkenswert ist, dass Benedek hier hart durchgreift, noch dazu gegen ein Mitglied der kaiserlichen Familie. Das offizielle österreichische Geschichtswerk erwähnt den Vorfall denn auch nicht, sondern schreibt, dass das Gefecht „gegen die Intention des Corps-Commandos“ zustande gekommen und der Erzherzog bemüht gewesen sei, das Gefecht abzubrechen. Vgl. Österreichischer Generalstab, a.a.O., Bd 3.1, S.136.

28) Datiert vom 29. Juni 08:00 Uhr, siehe Ebenda, S.174ff.

29) Selbst das preußische Generalstabswerk stellt bei aller Glorifizierung der eigenen Waffentaten fest, dass der Gegner aus einer überlegenen Verteidigungsstellung heraus mit weit überlegenen Kräften alle Möglichkeiten gehabt hätte. Preußischer Generalstab, a.a.O., S.220.

30) Major Graf Sternberg traf gegen 19:30 Uhr ein, siehe Österreichischer Generalstab, a.a.O., Bd 3.1, S.206.

31) Die Übermittlung des Befehls benötigte mithin elf Stunden! Ebenda, S.174ff.

32) Ebenda, S.228.

33) So bei Friedjung, a.a.O., Bd 2, S.213f. Auch Fedor A. Rotstein: Aus der Geschichte des Preußisch-Deutschen Reiches. Zwei preußische Kriege. Berlin (Ost) 1952, S.85f.

34) Friedjung, a.a.O., S.226f.

35) Vgl. dazu den treffenden Beitrag von Franz Felberbauer: Solferino und seine Folgen - Sadowa und Sedan. In: ÖMZ 3/2008, S.293-304. Der Unterschied zwischen Gefechtsentfernung und Schussweite ist folgender: Die Schussweite gibt an, wie weit das Geschoss fliegt (maximal). Als effektive Gefechtsentfernung bezeichnet man die Distanz, auf die das Geschoss in einer gestreckten Flugbahn mit einer einigermaßen hohen Trefferwahrscheinlichkeit ins Ziel gebracht werden kann. Diese ist jedoch naturgemäß viel niedriger, denn je höher die Schussentfernung, umso gekrümmter und über das Ziel hinausgehend ist die Flugbahn des Geschosses. So führte beispielsweise beim Lorenzgewehr auf 450 m schon ein Schätzfehler von 25 m in der Entfernung zum Fehlschuss.

36) Ebenda, S.299

37) Wilhelm Vogel: Das Preußische Zündnadelgewehr und seine Vorzüge sowie die verbesserten Handfeuerwaffen der Infanterie überhaupt nebst Beiträgen zur Theorie des Schießens. Potsdam 1865, S.54.

38) Ebenda, S.70.

39) Felberbauer, a.a.O., S.297.

40) Carl Junck: Aus dem Leben des k.k. Generals der Cavallerie Ludwig Freiherrn von Gablenz. Wien 1874, S.16ff.

41) Gute Schilderung bei Friedjung, a.a.O., Bd 2, S.174ff.

42) Österreichischer Generalstab, a.a.O., Bd 3.1, S.229.

43) Ebenda, S.229.

44) Benedek versichert dies dem Kaiser explizit in o.a. Telegramm: „…kann ich auf die Truppen wieder zählen, und ergibt sich die Gelegenheit zum Offensivstoße, werde ich ihn machen, sonst aber danach trachten, die Armee so gut wie möglich nach Ölmütz zu bringen“, zitiert nach Ebenda, S.229.

45) Der Geniechef der Nordarmee, Oberst Baron Pidoll, erhielt den Befehl hierzu am Abend des 1. Juli. Vgl. Österreichischer Generalstab, a.a.O., Bd 3.2, S.234.

46) Benedek schreibt noch am Morgen des 3. Juli an seine Frau: „Wenn mein altes Glück mich nicht ganz verlässt, kann’s zum guten Ende führen“; vgl. Friedjung, a.a.O., S.369.

47) Armeebefehl Nr. 41, abgedruckt in: Ebenda, S.376f.

48) Denn dieser wirkt sich am schwerwiegendsten in der Verteidigung aus, was bereits vor dem Krieg in der militärischen Fachliteratur so erkannt worden war. Vgl. Vogel, a.a.O., S.83f.

49) Alfred Schlieffen: Cannae. 3. Auflage. Berlin 1936.

50) Dies entspricht auch der Intention von Benedeks bereits zitiertem Armeebefehl Nr. 41 vom 28. Juni über die Stoßtaktik, abgedruckt in: Friedjung, a.a.O., S.369.

51) Eine eingehende Erkundung des nach 150 Jahren im Übrigen noch weitestgehend unveränderten Geländes erfolgte durch die Autoren im Rahmen der Vorbereitung und Durchführung einer militärhistorischen Geländebesprechung der Schlacht von Königgrätz durch Personal der Offizierschule des deutschen Heeres Dresden 2009.

52) Der Armeebefehl vom 2. Juli 23:00 Uhr ist abgedruckt in: Österreichischer Generalstab, a.a.O., Bd 3.2, S.244ff.

53) Eberhard Kaulbach: Königgrätz nach hundert Jahren. Zur militärischen Führung aus heutiger Sicht. In: Wolfgang von Groote und Ursula von Gersdorff (Hrsg.): Entscheidung 1866. Der Krieg zwischen Österreich und Preußen. Stuttgart 1966, S.142-195.

54) Ebenda, S.161.

55) Vgl. Helmuth v. Moltke: Bemerkungen über den Einfluss der verbesserten Feuerwaffen auf die Taktik. In: Stig Förster (Hrsg.): Moltke. Vom Kabinettskrieg zum Volkskrieg. Eine Werksauswahl, hrsg. von Stig Förster. Bonn u.a. 1992.

56) Allerhöchste Verordnung über die größeren Truppenübungen. Berlin 1861, S.32-35, siehe dort auch die Anhänge Nr. 1 und Nr. 3.

57) Kaulbach, a.a.O., S.166 allerdings ohne den Hinweis auf das Lorenzgewehr.

58) Ebenda, S.167.

59) So seine Feindlage in dem am 2. Juli 23:00 Uhr an die 2. Armee abgegangenen Befehl. In: Großer Generalstab (Hrsg.): Moltkes militärische Korrespondenz. Berlin 1896, Bd 2, Nr. 152, S.243.

60) Deutlich wird dies in seinem Befehl an die Armeen vom 2. Juli, 13:45 Uhr, vgl. Preußischer Generalstab, a.a.O., S.243f. Zu betonen bleibt, dass Moltke aufgrund der Aufklärungsergebnisse davon ausging, er habe es hier bei Königgrätz lediglich mit drei im Ausweichen befindlichen Korps und nicht mit acht zu tun.

61) Ebenda, S.260f.

62) Die folgende Zusammenfassung der Schlacht vom 3. Juli bezieht sich im Wesentlichen auf: Österreichischer Generalstab, a.a.O., Bd 3.2, S.254-386. Preußischer Generalstab, a.a.O., S.251-436, Friedjung, a.a.O., Bd. 2, S.239-328. Alter, a.a.O., S.405-432. Ebenfalls Bichler, a.a.O. Auf den Einzelnachweis der übereinstimmenden Fakten wird daher im Weiteren verzichtet.

63) Den Angriff über Nechanitz beschreibt Fritz Hoenig: Untersuchungen über die Taktik der Zukunft, entwickelt aus der neueren Kriegsgeschichte. 2., vollständig umgearbeitete und vermehrte Auflage der „Zwei Brigaden“. 3. Auflage, Berlin 1890.

64) Gordon A. Craig: Königgrätz. München 1987, S.295.

65) Ein Beispiel für eine irrige Interpretation, die auf der Missdeutung der Leistungsfähigkeit des Zündnadelgewehrs beruht: „Besonders bekannt und geradezu sprichwörtlich für die mörderische Anfangsphase der Schlacht sind in diesem Sinne der Holawald und der Swiepwald geworden. Wer hier dem Geschützfeuer entkam, wurde von den kaiserlichen Jägern in Empfang genommen, die jeden Baum mit äußerster Zähigkeit verteidigten. Im Dickicht konnte das preußische Zündnadelgewehr seine gewohnte Wirkung nicht entfalten.“ So schreibt Frank Becker: „Getrennt marschieren, vereint schlagen“. Königgrätz, 3. Juli 1866. In: Stig Förster, Markus Pöhlmann und Dierk Walter (Hrsg.): Schlachten der Weltgeschichte. Von Salamis bis Sinai. 3. Auflage, München 2005, S.224. Im Holawald waren überhaupt keine österreichischen Truppen, und im Swiepwald brachte das Zündnadelgewehr sehr wohl Vorteile, wie die Gefechtsberichte und v.a. die Verlustlisten zeigen.

66) Regling, a.a.O., S.404.

67) Gegen 11:00 Uhr erhält das VI. Korps (Ramming) den Befehl, die rechte Flanke zu sichern, dieser wird jedoch kurz danach widerrufen, siehe: Österreichischer Generalstab, a.a.O., Bd 3.2, S.310.

68) Friedjung, a.a.O., Bd 2, S.265.

69) Alter, a.a.O., S.431f.

70) Regling, a.a.O., S.405.

71) Ebenda, S.405.

72) Regling, a.a.O., S.407.