Operative Führung

Aktueller Ansatz und Konsequenzen für die Ausbildung

Bruno Günter Hofbauer

 

Die operative Führungsebene und die mit ihr verbundenen Aufgaben und Begriffe sind in den letzten Jahren massiven Veränderungen in der Wahrnehmung innerhalb der militärischen Welt unterworfen, die sich nicht nur aus den geänderten Einsatzszenarien moderner Streitkräfte ableiten lassen. So hat sich beispielsweise der Operationsbegriff im Verlauf des ausgehenden 20. Jahrhunderts nicht nur in Österreich massiv verändert.1)
Die Auseinandersetzung mit dem Verständnis von Operation und operativer Führung ist heute aber besonders wichtig, kommt es doch gerade derzeit zu einem zunehmenden Engagement Österreichs und seiner Offiziere auf eben dieser Führungsebene. Durch die 2009 erschienene Dienstvorschrift für das Bundesheer (zur Erprobung) Operative Führung2) konnte ein wesentlicher Meilenstein in der Entwicklung der operativen Führung für das Bundesheer erreicht werden, da damit die fundamentalen theoretischen Grundlagen für den Umgang mit operativer Führung weiter ausgebaut und aktualisiert werden konnten.

Abgrenzung der Führungsebenen und der Operationsbegriff

Im Österreichischen Bundesheer sind grundsätzlich vier militärische Führungsebenen definiert, auf denen militärische Handlungen gesetzt werden. Die strategische Ebene schließt gemäß dem aktuellen Militärstrategischen Konzept die militärstrategische Ebene mit ein. Ihr nachgeordnet befinden sich die operative, taktische und gefechtstechnische Führungsebene.3)

Die militärstrategische Führungsebene

Heute ist es besonders im Zusammenhang mit Militärstrategie und Operation nicht ausreichend, ausschließlich die nationalen Gepflogenheiten zu bedenken. Gerade auch die Anforderungen internationaler Einsätze sind massiv zu berücksichtigen.
Während die militärstrategische Führungsebene im Kern den militärischen Anteil zur Erreichung der strategischen Ziele definieren und die Zielerreichung sicherstellen muss, ist die Kernkompetenz der Operativen Führungsebene die Ausplanung des konkreten Weges zur Erreichung des relevanten Anteils an den militärstrategischen bzw. operativen Zielen.
Die militärstrategische Ebene führt Kampagnen. Eine Kampagne umfasst die Summe aller militärischen Aktivitäten, die durch die militärstrategische Führung innerhalb eines bestimmten Raumes, in dem in der Regel Land-, Luft-, See- und Spezialeinsatzstreitkräfte zum Einsatz gelangen, und einer bestimmten Zeit zum Zwecke der Erreichung der militärischen Beiträge zu strategischen Zielen geplant und durchgeführt werden.4)
Die militärstrategische Ebene plant kurz-, mittel- und langfristig. Kurzfristige Planung erfolgt im Falle von Krisensituationen, während bei mittelfristiger Planung vorausschauend mögliche Handlungsoptionen entwickelt werden. In den Bereich der langfristigen Planung fällt die Streitkräfteplanung und damit verbunden die grundsätzliche Ausrichtung und das Anspruchsniveau an die Streitkräfte.
Die Kernkompetenz der militärstrategischen Führung ist für das Bundesheer dabei wie folgt festgelegt:
- Erarbeitung und laufende Aktualisierung des strategischen und militärstrategischen Lagebildes,
- Weiterentwickeln der militärstrategischen Konzeption in Ausrichtung auf eine Vision ÖBH,
- substanzielle Mitwirkung am Führungsprozess der obersten nationalen und multinationalen Ebene,
- Streitkräfteplanung mit dem Zweck der Streitkräfteentwicklung und Transformation,
- Streitkräftebereitstellung,
- ebenenadäquate Führung der Streitkräfte,
- Forschungskoordination innerhalb der Streitkräfte und mit externen Dienststellen/Einrichtungen,
- Erstellung der militärstrategischen Anforderungen an die Legistik zur Erreichung der Organisationsziele,
- Zusammenfassen und Auswerten der Erkenntnisse (Lessons Identified, Lessons Learnt) aus allen Einsätzen des ÖBH und Sicherstellen der Umsetzung notwendiger Verbesserungen einschließlich der Auswirkungen auf die militärstrategische Ebene.5)
Aus dieser Aufzählung ist klar ableitbar, dass die Führung im Einsatz eine wesentliche Aufgabe der militärstrategischen Führung darstellt, darüber hinaus sind jedoch im Rahmen der langfristigen Planung Aufgaben zur Sicherstellung der zielgerichteten Entwicklung der Streitkräfte zu erfüllen. Die militärstrategische Führung hat in Wahrnehmung ihrer Beratungsfunktion für die strategische Ebene Handlungsoptionen zu entwerfen, diese nach militärischen Gesichtspunkten zu bewerten und vorzuschlagen. Hier müssen militärische Beurteilungen im Vordergrund stehen und v.a. die langfristigen Auswirkungen entsprechend berücksichtigt werden. Die Entscheidung über die Durchführung liegt dann bei der strategischen Ebene, die die militärischen Handlungsoptionen mit anderen staatlichen Optionen in Einklang bringt und Entscheidungen trifft. Diese Vorgehensweise ist national wie international üblich. Besonders zu beachten ist bei internationalen Planungen die Notwendigkeit der multinationalen Abstimmung zur Herbeiführung einer durch alle beteiligten Staaten tragbaren Lösung.
Für die militärstrategische Ebene bleibt in einem Einsatz zu berücksichtigen, dass im Rahmen einer Kampagne in einem dafür definierten Einsatzraum mehrere Operationen nebeneinander laufen können. Dabei unterstützen sich die einzelnen Operationen gegenseitig bei der Erreichung der militärstrategischen Ziele und verfolgen in ihrem Bereich operative Ziele. Die Zielerreichung für die operative Führungsebene ist dadurch bestimmt, wie viele Operationen gleichzeitig geführt werden, um die militärstrategischen Ziele zu erreichen. Wird durch die militärstrategische Ebene nur eine Operation geführt, stimmen oft die militärstrategischen und operativen Ziele überein. Werden mehrere Operationen im Rahmen einer militärstrategischen Kampagne geführt, fallen gemeinhin nur Teile der Gesamtheit der militärstrategischen Ziele in die Verantwortung eines operativ führenden Kommandos, wobei Überlappungen zu anderen Operationen, die parallel laufen, nicht ausgeschlossen werden können.

Die operative Führungsebene

Durch die Realitäten der Konflikte nach dem Ende des Kalten Krieges in Europa wurde das Abgehen von den im Bundesheer in der Dienstvorschrift Truppenführung von 1965 festgehaltenen Begriffen unumgänglich, dort war Operation als „Bewegung großer Verbände zum Zwecke der Schlacht und ihre Führung in der Schlacht“6) definiert. Bereits im Einsatzkonzept von 1993 wurde Operation als „Einsatz der Streitkräfte nach Zeit und Raum zur Erreichung eines militärstrategischen Zieles oder Zustandes, der unmittelbar politisch genutzt werden kann“, definiert.7) Im Merkblatt Operative Führung, das durch die Generalstabsgruppe B im Mai 2002 erlassen wurde, lautete die Definition: „Operative Führung setzt politische Absichten und militärstrategische Vorgaben in Befehle an die taktische Führung um. Sie definiert operative Ziele, fasst diese in operative Konzepte, Operationspläne sowie Operationsbefehle und koordiniert die Gesamtheit der dazu erforderlichen taktischen und logistischen Maßnahmen.“ 8)
Heute versteht das Österreichische Bundesheer „Operation“ als den „zeitlich und räumlich abgestimmte[n] Einsatz militärischer Kräfte und Mittel zum Zweck der Erreichung operativer und militärstrategischer Ziele“.9)
Während die militärstrategische Ebene die Kampagne in einem Einsatzraum führt, plant und führt die operative Führungsebene Operationen zur Erreichung der Ziele in einem Operationsgebiet. Den Kräften auf taktischer Ebene werden Einsatzgebiete zugewiesen. Durch diese Einteilung wurde es ermöglicht, die international üblichen Begriffe „Campaign“ bzw. „Theatre“ für die militärstrategische, „Joint Operations Area“ für die operative und „Area of Operations“ für die taktische Führungsebene in den militärischen Sprachgebrauch des Bundesheeres aufzunehmen und eindeutig zu definieren.
Die Operation orientiert sich bei Planung und Führung an den durch die militärstrategische Ebene zugewiesenen Aufgaben, dem anzustrebenden militärischen Endzustand und den daraus abgeleiteten mittel- und kurzfristigen militärstrategischen Zielsetzungen.
Die Kernkompetenzen der operativen Führung sind gemäß Konzept Führung im Österreichischen Bundesheer derzeit wie folgt festgelegt:
- Planung, Durchführung und Steuerung der Aufgaben, die dem ÖBH zugeordnet sind,
- Einsatz der zugeordneten Mittel und Ressourcen einschließlich des Personals und der Logistik,
- teilstreitkräfteübergreifende Führung von Land-, Luft- und Spezialeinsatzkräften im Normdienst und bei Einsätzen (Joint Operations, hier kann auch die Führung von Seestreitkräften hinzukommen),
- Einsätze in Kooperation mit Streitkräften anderer Nationen (Combined Operations),
- Einsätze in Kooperation mit anderen Kräften im Inland (Interagency Operations),
- Wahrnehmung der nationalen Führung von Teilen des ÖBH in internationalen Operationen und
- Zusammenfassen und Auswerten der Erkenntnisse (Lessons Identified, Lessons Learnt) auf taktischer Ebene aus allen Einsätzen des ÖBH und Sicherstellen der Umsetzung notwendiger Verbesserungen einschließlich der Auswertungen auf operativer Ebene.10)
Die operative Führungsebene hat im Rahmen von militärischen Einsätzen operative Ziele zu definieren, um den im zugewiesenen Raum leistbaren Anteil an der Erreichung der militärstrategischen Ziele zu gewährleisten, die zugewiesenen Kräfte im Operationsgebiet zu führen, festzulegen, was durch diese Kräfte zu erreichen ist, und wie das zu erfolgen hat. Die operative Führungsebene hat auch die Verantwortung für die Koordinierung militärischer Handlungen im Operationsgebiet mit den Aktivitäten nicht-militärischer Akteure.

Operation - zum Begriff

An dieser Stelle sei betont, dass im internationalen Umfeld zusätzlich zu berücksichtigen ist, dass die Begriffe „Operation“ und „Operative Führungsebene“ bzw. „Operational Level“ nicht gleichbedeutend, ja nicht einmal vom Sinn her gleich sind, was eine weiterführende Auseinandersetzung mit den Begriffen notwendig macht. Die Entwicklung des modernen westlichen Verständnisses des Operationsbegriffs ist eng mit den Entwicklungen in der NATO und den US-Streitkräften verknüpft. V.a. die U.S. Army und das Training and Doctrine Command hatten einen wesentlichen Anteil an der Wiederbelebung der operativen Führungsebene. Für das Österreichische Bundesheer hatte v.a. die Zeit der Raumverteidigung wesentliche Bedeutung für Fragen der Planung auf operativer Ebene. In den 1970er-Jahren gelang es mit dem operativ-strategischen Konzept der Raumverteidigung eine glaubhafte Abwehrstrategie zu untermauern.11)
Das Österreichische Bundesheer hält bis heute weiter am eigenen Verständnis des Operationsbegriffs fest und hat sich nicht dem englischen und in der NATO üblichen Begriff „Operations“ angeglichen. Die NATO definiert „Operations“ als „A military action or the carrying out of a strategic, tactical, service, training, or administrative military mission; the process of carrying on combat, including movement, supply, attack, defence and manoeuvres needed to gain the objectives of any battle or campaign.“ 12) Die Deutsche Bundeswehr (DBW) definiert den Begriff Operation in einer der NATO sehr ähnlichen Weise wie folgt: „Militärische Handlungen von Kräften einer Seite im Einsatz, die zeitlich und räumlich zusammenhängen und auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet sind. Operationen werden in allen Einsätzen und auf allen Führungsebenen geführt. Sie können gleichzeitig Elemente des direkten und indirekten Vorgehens enthalten. Im Krieg finden sie vor, während sowie nach Schlachten und Gefechten statt.“ 13) Diese Begriffsdefinitionen entsprechen eher dem österreichischen Begriff „Einsatz“.
Zum Begriff der operativen Führungsebene liegt zwischen der DBW und dem ÖBH ein gemeinsames Verständnis vor. Die DVBH (zE) Operative Führung legt fest, dass die operative Führung Operationen zur Erreichung operativer und militärstrategischer Ziele in einem festgelegten Operationsgebiet plant und führt. In der Bundeswehr ist operative Führungsebene wie folgt definiert: „Ebene militärischer Führung, die politische Absichten und militärstrategische Vorgaben in Weisungen oder Aufträge an die unterstellte Führung umsetzt. Sie definiert operative Ziele, entwickelt Vorstellungen vom Handeln, fasst diese in Konzepte und Pläne und koordiniert die Gesamtheit der dazu erforderlichen Maßnahmen auf dem Schauplatz militärischer Handlungen. Sie ist nicht an eine bestimmte Führungsebene und nicht an einen bestimmten Kräfteumfang gebunden. Sie wirkt grundsätzlich teilstreitkraftgemeinsam und in der Regel multi- oder international im gesamten Aufgabenspektrum.“ 14)
Die NATO definiert den „Operational Level“ als „The level at which campaigns and major operations are planned, conducted and sustained to accomplish strategic objectives within theatres or areas of operations.“ 15) Es muss folglich betont werden, dass zwischen der Definition der operativen Führungsebene und dem Operationsbegriff im internationalen Umfeld grundsätzliche Unterschiede vorhanden sind, während im ÖBH der Begriff „Operation“ ausschließlich der operativen Führungsebene zugeordnet ist.
Oft wird die operative Führungsebene mit der Scharnierfunktion zwischen Politik, die Strategie ausübt, und der taktischen Durchführungsebene verbunden. In der Schrift „Der operative Generalstabsdienst“, Band 1, ist dazu festgehalten, dass die „Operation die Summe aller Anstrengungen, die die Streitkräfte setzen können“, sei, und es wird weiter ausgeführt: „Die Operation regelt somit in politisch sinnvoller Weise die Anwendung aller zur Verfügung stehenden militärischen Mittel.“ 16)
Diese Auslegung scheint aus heutiger Sicht überholt, da v.a. die Aufgabe der Anwendung aller zur Verfügung stehenden militärischen Mittel nicht durch die operative, sondern die militärstrategische Ebene zu erfolgen hat. Die militärstrategische Führungsebene hat die Prioritäten zu setzen und im Rahmen der Kampagne in Abstimmung auf die politisch-strategischen Vorgaben beispielsweise die Mittel auf eventuell mehrere parallel laufende Operationen zu verteilen. Der Kommandant auf operativer Führungsebene hat dabei aber stets die Notwendigkeiten, Zwänge und Einschränkungen der vorgesetzten Ebene zu berücksichtigen. Durch die ihm zugewiesene Verantwortung für die Unternehmungen und Unterlassungen auf taktischer Ebene ist besonders in den aktuellen Konflikten zu beachten, dass die möglichen strategischen Auswirkungen von Handlungen auf taktischer Ebene durch die operative Führungsebene ausreichend berücksichtigt werden. Das Sicherstellen von taktischen Erfolgen, ohne die Auswirkungen auf strategischer Ebene zu berücksichtigen, kann schwerwiegende Folgen haben. Beispiele dafür gibt es in den aktuellen Konflikten ausreichend, aber auch die Auseinandersetzungen zwischen General MacArthur und der politischen Führung in Washington um die Fragen der Einsatzführung im Koreakonflikt, die schließlich zur Ablöse von MacArthur führten, müssen Beachtung finden und in Erinnerung rufen, dass die militärischen Handlungen in einem Operationsgebiet nicht losgelöst von der politisch/strategischen Ebene gesehen werden dürfen.

Auswirkungen auf die Kommandostrukturen

In der heute international üblichen Kommandostruktur ist bei der Führung von militärischen Einsätzen der NATO oder der EU die Abgrenzung der Aufgaben zwischen der militärstrategischen und operativen Führungsebene klar geregelt. Die Bereitstellung der Kräfte in Abstimmung mit den Truppen stellenden Nationen für einen militärischen Einsatz obliegt beispielsweise dem EU Operational Headquarters (OHQ), im Rahmen der NATO wird diese Aufgabe durch Allied Command Operations (ACO) wahrgenommen, während die Führungsaufgaben der operativen Führungsebene durch Force Headquarters (FHQ) bei der EU und Joint Forces Commands im Rahmen der NATO zu erfüllen sind. Grundsätzlich gilt, dass Kommanden der militärstrategischen Ebene nicht verlegen, während das Kommando der operativen Führungsebene in das Operationsgebiet verlegungsfähig sein sollte. Um die Wahrnehmung der unterschiedlichen Aufgaben durch die militärstrategische und operative Führungsebene zu verdeutlichen, kann das Beispiel der Koordination mit nicht-militärischen Akteuren herangezogen werden. Bei dieser heute besonders wichtigen Aufgabe hat das Kommando der militärstrategischen Führungsebene mit Akteuren außerhalb des Operationsgebietes die Verbindung herzustellen und die Koordinierungsaufgaben durchzuführen, während das Kommando der operativen Führungsebene diese Aufgaben im Operationsgebiet wahrnimmt.
Es ist generell festzuhalten, dass die Trennung der verschiedenen Führungsebenen in der Realität der militärischen Einsätze nicht immer sauber und klar durchgeführt werden kann. Es bleibt jedoch zu betonen, dass die theoretischen Grundlagen vorhanden sein müssen, um die richtigen Begrifflichkeiten zur Verfügung zu stellen. In den modernen Konflikten ist es nötig, dass zur Stabilisierung eingesetzte Kräfte im Operationsgebiet eine nicht nur militärisch, sondern auch politisch wahrnehmbare Größenordnung darstellen. Bei den Einsätzen am Balkan wird klar, dass die Koordinierung mit lokalen politischen Machthabern nicht durch das Kommando der operativen Führungsebene in Neapel, sondern den Kommandanten vor Ort erfolgen muss. Auch dadurch begründet sich der angesichts der Truppenstärke oft als eher hoch beurteilte Dienstgrad der Kommandanten der internationalen Kräfte. In Afghanistan wird im Rahmen des ISAF-Einsatzes die Durchlässigkeit der Ebenen noch offenkundiger. So wird das ISAF Joint Command, das der Drei-Sterne-Ebene zugeordnet ist und die militärischen Einsätze in Afghanistan führt, durch das Kommando ISAF, das durch einen US-Vier-Sterne-General befehligt wird, geführt. Darüber befinden sich aber noch das Joint Forces Command Brunssum, eigentlich der operativen Führungsebene der NATO zugeordnet, und das Allied Command Operations, in Mons, das Kommando der militärstrategischen Ebene; beide Kommanden werden ebenfalls durch einen Vier-Sterne-General geführt. Diese Konstruktion wurde v.a. wegen der Notwendigkeit der klareren Trennung zwischen reinen militärischen Aufgaben im teilstreitkräfteübergreifenden Bereich und jenen Aufgaben, die in der Zusammenarbeit mit den afghanischen Streitkräften, der Ausbildungsunterstützung und der Koordinierung mit anderen Akteuren vor Ort notwendig waren, gewählt. Darüber hinaus gilt es aber auch, die Realitäten der Anforderungen der multinationalen Führung im speziellen Fall und die Auswirkungen der bestehenden NATO-Kommandostruktur ins Kalkül zu ziehen.

Operative Führung in Österreich

Die DVBH(zE) Operative Führung legt in Ableitung aus internationalen Dokumenten fest, dass Operationen in der Regel teilstreitkräfteübergreifend geführt werden. Abhängig von der Natur der Operation können die Umfeldfaktoren Land, Luft, See oder funktionelle Faktoren (Logistik, rückwärtiges Operationsgebiet, Spezialeinsatzkräfte) die Bildung von Component Commands (CC) erforderlich machen. Operationen unter Verwendung nur einer einzigen Teilstreitkraft sind grundsätzlich nicht auszuschließen.
Für die operative Führungsebene werden folgende Aufgabenbereiche identifiziert:
- teilstreitkräfteübergreifende Operationen (Joint Operations),
- Operationen in Kooperation mit Streitkräften anderer Nationen (Combined Operations),
- Operationen in Kooperation mit anderen Kräften und Akteuren (Interagency Operations) und
- Ansatz der zugeordneten Mittel und Ressourcen.17)
Diese Sichtweise ist primär auf internationale Einsätze ausgerichtet und nur bedingt zum uneingeschränkten Gebrauch für die Organisationsstruktur des Bundesheeres geeignet.
Mancherorts wird, abgeleitet aus dem internationalen Verständnis, die grundsätzliche Existenzberechtigung der operativen Führungsebene in Österreich hinterfragt. Es sollte in diesem Zusammenhang jedoch nicht übersehen werden, dass hier das moderne Verständnis von Operation nicht uneingeschränkt anzuwenden ist, obliegt doch dem Österreichischen Bundesheer für international geführte Operationen primär die Rolle des Truppenstellers, der fertig ausgebildete und ausgerüstete Truppen zur Führung an ein multinationales Hauptquartier abstellt; national wird der Nationale Kontingentskommandant geführt.
Unverändert bleibt aber die Aufgabe, Vorgaben der nationalen militärstrategischen Ebene für die taktische Ebene im Bundesheer umzusetzen. Dazu ist eine Führungsebene nötig, die dazu befähigt ist, genau diese Transferleistung zu erbringen. In Österreich trifft das besonders auf das Streitkräfteführungskommando zu.
Da Österreich jedoch vermehrt im Rahmen internationaler Einsätze auch wesentliche Positionen in internationalen Hauptquartieren zu besetzen hat und dies durch das laufende Engagement im Rahmen der EU Battle Groups noch verstärkt wird, muss man sich auch mit der international üblichen Auffassung der operativen Führungsebene auseinandersetzen.
In Zusammenhang mit operativer Führung in Österreich sind die Herausforderungen der aktuellen Einsatzrealitäten zu berücksichtigen. Einerseits sind durch das Bundesheer innerhalb Österreichs Einsätze zu leisten, die sich an den Aufgaben des Bundesheeres gemäß Bundesverfassung orientieren,18) und andererseits sind Einsätze im Ausland im Rahmen der Bestimmungen des Bundesverfassungsgesetzes über die Kooperation und Solidarität bei der Entsendung von Einheiten und Einzelpersonen in das Ausland (KSE-BVG) durchzuführen. Die Besonderheit dieser Situation liegt darin, dass einerseits die umfassende nationale Führungsfähigkeit aufrechterhalten bleiben muss, wenn auch die Aufgaben der klassischen Landesverteidigung zunehmend in den Hintergrund treten, und andererseits die Kräfte des Bundesheeres primär Einsätze im Ausland unter multinationalem Kommando absolvieren.
Die operative Führung wird im Bundesheer durch das Streitkräfteführungskommando wahrgenommen; dazu sind ihm die Truppen der Land-, Luft- und Spezialeinsatzkräfte sowie die dem territorialen Leistungsbereich zugeordneten Militärkommanden19) sowie Führungsunterstützungselemente unterstellt. Das Streitkräfteführungskommando hat somit die Aufgabe, einerseits den operativen Planungsprozess durchzuführen und andererseits militärstrategische Weisungen umzusetzen. Es hat aber auch die taktische Führung der unmittelbar unterstellten Verbände zu gewährleisten und folglich zu deren Führung notwendige taktische Führungsverfahren anzuwenden.20) Der operativen Führungsebene wird aber auch das Kommando Einsatzunterstützung zugeordnet, das logistische Umsetzungsaufgaben wahrzunehmen hat.21)
Im Rahmen internationaler Einsätze der EU oder NATO werden die Operationsplanungen in internationalen Hauptquartieren durchgeführt. Hier hat das Streitkräfteführungskommando eine besondere Rolle einzunehmen, da es über die nationale militärstrategische Ebene in die Planungen eingebunden wird. Die Koordinierung und Mitwirkung bei der Planung von multinationalen Operationen erfolgt aber primär auf der militärstrategischen Ebene. Die nationale operative Führungsebene gewährleistet primär die Aufbringung der nationalen Kontingente und führt im Einsatz auch den Nationalen Kontingentskommandanten in nationalen Angelegenheiten.

 

Operatives und taktisches Führungsverfahren

Die im Bundesheer eingeführten Definitionen für die Führungsebenen sind auf die in der NATO und EU gebräuchlichen Begriffe abgestimmt. Das Festhalten an der Auffassung, dass „Operationen“ nur durch die operative Führungsebene geführt werden, wird aus dem in Österreich gewachsenen Verständnis für die operative Führungsebene bis auf Weiteres beibehalten.
Das operative Führungsverfahren hat die Verbindung zwischen den militärstrategischen Zielen und Absichten, militärischen Lösungsmöglichkeiten und deren Zweck sowie den dafür erforderlichen militärischen Mitteln herzustellen. Darüber hinaus ist zu beurteilen und zu planen, wie die Aktivitäten von nicht-militärischen Kräften in Abstimmung auf die Vorgaben der militärstrategischen Führungsebene im Sinne des Erreichens des Endzustandes in den Operationsplan zu integrieren sind.
Die unterstellten Kommanden der taktischen Führungsebene haben mit den zugeordneten Mitteln die Auftragserfüllung sicherzustellen. Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zum taktischen Führungsverfahren ist somit, dass die grundsätzliche Feststellung, welche Aufträge zu erfüllen sind und welcher Kräfteumfang für die taktische Ebene dafür bereitgestellt werden muss, nur durch die operative Führungsebene gewährleistet werden kann. Sie integriert die Fähigkeit der Führung der verschiedenen Teilstreitkräfte durch ein einziges Verfahren.
In vielen Fällen lässt die politische bzw. militärstrategische Problemstellung keine eindeutige Formulierung eines konkreten Auftrages an die operative Führungsebene zu. Das Führungsverfahren der operativen Ebene ist deshalb so strukturiert, dass die vorliegende Herausforderung in ihrer ganzen Breite im Sinne des Verstehens des Gesamtsystems erfasst werden kann. Denn erst durch dieses Gesamtverständnis für das zu lösende Problem kann die operative Führungsebene ihre eigene mögliche Aufgabenstellung voll erkennen und im Sinne eines Vorschlages den eigenen möglichen Auftrag der militärstrategischen Ebene vorschlagen. Deshalb sind die Phasen Einleitende Lagefeststellung und Orientierung des operativen Führungsverfahrens durch einen intensiven Dialog mit der militärstrategischen Führung gekennzeichnet. Durch gegenseitige Konsultation wird der Rahmen für die operative Führungsebene präzisiert und ihr Auftrag dann durch die militärstrategische Führung genehmigt.22)
Im Österreichischen Bundesheer wird klar an der Trennung der Führungsverfahren auf operativer und taktischer Ebene festgehalten. Durch diese Unterscheidung ergibt sich auch ein schwerwiegender Auffassungsunterschied zwischen Österreich und Teilen des internationalen Umfeldes bzw. jenen Nationen, die ausschließlich die „Guidelines for Operational Planning“ (GOP) zur Planung von „Operationen“ heranziehen. Während die Sichtweise in Österreich sehr zielgerichtet Operationsplanung auf die operative Führungsebene einschränkt, wird das von anderen Nationen, v.a. jüngeren NATO-Mitgliedstaaten, durchaus generöser gesehen und „Operational Planning“ auch auf der taktischen Ebene betrieben, was dazu geführt hat, dass das Planungsverfahren auch auf der taktischen Ebene Anwendung findet.
Die Guidelines for Operational Planning führen in diesem Zusammenhang aus: „It is important to note, that the GOP is applicable to all operational planning activities at strategic, operational and component/tactical levels of command within the NATO Command Structure as well as appropriate elements of the NATO force strucuture.“ 23) Diese Textpassage wird von manchen Nationen als Freibrief verstanden, die Guidelines for Operational Planning und die darin beschriebenen Verfahren auch auf unterer taktischer Ebene anzuwenden. Dies stellt aus Sicht des Verfassers jedoch eine unzulässige Verallgemeinerung der Auslegung des Begriffs „taktische Ebene“ dar.
Die Guidelines for Operational Planning sollen im Frühjahr 2011 durch die „Comprehensive Operational Planning Directive“ (COPD) abgelöst werden.
Der Entwurf dieser neuen Direktive beschreibt die Anwendbarkeit der Verfahren in einem einleitenden Satz detaillierter und definiert auch den Zweck, warum die Ebene Component Command, die der taktischen Ebene zuzurechnen ist, mit den Guidelines for Operational Planning arbeiten soll. Das wird mit der Notwendigkeit des parallelen Planens auf der operativen und taktischen Führungsebene begründet.
Die COPD führt dazu aus: „While the COPD is applicable to all operations planning activities at the strategic and operational levels of command within the NATO Command Structure, it may also be adapted to the component/tactical level in order to enhance collaborative planning activity. In that respect, each level should structure its planning organisation, Strategic Operations Planning Group (SOPG) at SHAPE, Joint Operations Planning Group (JOPG) at the operational level and, Tactical or Maritime/Land/Air Component Planning Group at tactical level - in a way that is compatible and allows for easy interface and collaborative planning.“ 24)
Folglich ist die Ebene der Component Commands auch jene Ebene, die ihren nachgeordneten Kommanden taktische Befehle geben muss. Eine Nutzung der GOP auf der mittleren und unteren taktischen Ebene macht nur wenig Sinn, da das Verfahren nicht nur erhöhten Aufwand bei der Bearbeitung erfordert und unter Zeitdruck kaum sinnvoll anwendbar ist, sondern v.a. auch ein klarer Auftrag an die taktischen Kräfte zu formulieren ist. Das Führungsverfahren auf taktischer Ebene hat sich an den Gegebenheiten und Besonderheiten der jeweiligen Teilstreitkraft zu orientieren; für die Landstreitkräfte wäre daher dem in der ATP-3.2.2 „Command and Control of Allied Forces“25) festgehaltenen Prozess zu folgen. Die ATP-3.2.2 stellt in diesem Zusammenhang fest: „The decisionmaking process is derived from and supports the OPP. The decisionmaking process supports land operations at the tactical NATO formation level below Component level.“ In diesem Zusammenhang wird auch immer wieder der doch grundsätzlich unterschiedliche angloamerikanische Ansatz mit der stark ausgeprägten Rolle des Kommandanten im Vergleich zum eher stabsorientierten Verfahren, das traditionell in Deutschland oder Österreich verfolgt wird, offenkundig. Eine Sondersituation tritt bei Designierung eines Brigadekommandos als FHQ zur Führung einer EU Battle Group ein. Dann ist durch das eventuell für die Wahrnehmung dieser Aufgabe verstärkte Brigadekommando ein Befehl zu verfassen, der dem Führungsverfahren auf operativer Führungsebene entspricht, aber für die unterstellten Teile in taktische Befehle umzuwandeln ist. Es bleibt in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen, dass sich durch die bereits relativ klar definierten Truppen und Kräfte, die einer EU Battle Group zugeordnet sind, und die verlangten schnellen Reaktionszeiten auch der Aufwand des parallelen Planens verringert.

 

Verfahren auf operativer Ebene

Das derzeit gültige Militärstrategische Konzept hält fest, dass die operative Umsetzung der militärstrategischen Ziele unter differenzierter Anwendung der operativen Verfahren erfolgt. Bei Einsatz eigener militärischer Kräfte unter nationaler Führung kommen folgende operative Verfahren für das ÖBH zur Anwendung:
- Assistenzoperation (darunter wird die Führung jener Assistenzeinsätze - sicherheitspolizeilicher Assistenzeinsatz bzw. Katastrophenhilfe - verstanden, die zufolge ihrer Bedeutung bzw. Dimension durch das Streitkräftekommando zu führen sind),
- Schutzoperation als militärisch geführte Ausprägung einer o.a. Assistenzoperation im Falle der Anordnung eines militärischen Einsatzes,
- Luftraumsicherungsoperation und
- Humanitäre Operation (im Ausland).
Bei Einsatz multinationaler militärischer Kräfte unter multinationaler Führung kommen folgende operative Verfahren für das ÖBH zur Anwendung:
- Friedensunterstützende Operation (in unterschiedlichen Ausprägungen) und
- Evakuierungsoperation.
Weiters wird ausgeführt, dass im Rahmen einer weiterentwickelten ESVP darüber hinaus im Zuge multinational geführter Einsätze die Verfahren der Sicherungsoperation, der offensiven/defensiven Abwehroperation sowie der offensiven/defensiven Luftabwehroperation durch multinationale Luftstreitkräfte zur Anwendung gelangen können, wobei einschränkend festgehalten wird, dass eine selbstständige Wahrnehmung dieser Einsatzarten durch das ÖBH derzeit nicht vorgesehen ist.26)
Diese Fülle an Verfahren, die nicht eindeutig der operativen Führungsebene zugeordnet werden kann, entspricht aus heutiger Sicht nicht den Anforderungen, und es ist geplant, diese Begriffe im Rahmen einer Überarbeitung des Militärstrategischen Konzepts neu zu ordnen. Durch die Realität der aktuellen und erwartbaren Einsätze ist weniger die eindeutige Festschreibung der Verfahren auf operativer Ebene anzustreben, als vielmehr der Charakter der Operation zu definieren. In einer Operation ist zu erwarten, dass das Spektrum der gleichzeitig zu erfüllenden Aufgaben so breit ist, dass eine eindeutige Zuordnung eines einzelnen Verfahrens nicht zweckmäßig erscheint. Die Zuordnung eines Charakters für die Operation bringt jedoch eine brauchbare Lösungsmöglichkeit. Als Möglichkeit der Charakterisierung von Operationen bieten sich an: „Umfassender Kampfeinsatz“, „Friedensschaffender Einsatz“, „Friedenssichernder Einsatz“, „Sicherungseinsatz“ und „Unterstützender Einsatz“. Die Einsatzverfahren, -arten und -formen sind v.a. für die taktische Ebene klar zu definieren, sie tragen zur Erreichung der operativen Zielsetzung bei.

Die DVBH (zE) Operative Führung

Die Herstellung der Zusammenarbeitsfähigkeit mit dem internationalen Umfeld erfolgt über die Umsetzung relevanter Konzepte aus dem internationalen Bereich, die sich mit der Planung von Operationen und den damit verbundenen theoretischen Grundlagen befassen. Das ist v.a. deshalb nötig, weil die laufenden internationalen Operationen nach diesen Vorgaben durchgeführt werden. Die EU hat keine eigenen Konzepte oder Vorschriften für die operative und taktische Führungsebene, da sich die EU, um unnötige Duplizierung mit der NATO zu vermeiden, auf Konzepte der militärstrategischen Ebene beschränkt. Somit ist die Orientierung an den gültigen Konzepten und Richtlinien der NATO ein wesentlicher Eckpfeiler zur Erzielung der Zusammenarbeitsfähigkeit auf der operativen Führungsebene.27)
Die Transferleistung der grundlegenden Dokumente aus dem internationalen Umfeld in das Bundesheer erfolgt durch die DVBH (zE) „Operative Führung“. Diese Vorschrift enthält die Grundsätze von Operation und operativer Führung sowie deren Anwendung im Rahmen des Führungsverfahrens der operativen Führungsebene, wurde federführend durch die Landesverteidigungsakademie erstellt und im Frühjahr 2009 durch den Generalstabschef genehmigt. Sie richtet sich dabei an die österreichischen Streitkräfte im Allgemeinen, an die Kommanden der operativen Führungsebene im Besonderen sowie an jene Soldaten des ÖBH, die im Rahmen von Auslandsverwendungen oder Auslandseinsätzen in Kommanden der operativen Führungsebene verwendet werden.28) Die Vorschrift soll insbesondere jene Soldaten des Österreichischen Bundesheeres unterstützen, die mit der Planung, Durchführung und Unterstützung von Operationen befasst sind. Die DVBH (zE) Operative Führung soll dabei auch das Verständnis für die der operativen Führungsebene vorgesetzten und ihr nachgeordneten Führungsebenen erleichtern, wobei sie auf dem gültigen Militärstrategischen Konzept aus dem Jahr 2006 und seinen Anlagen beruht.
Durch die DVBH(zE) „Operative Führung“ wurden zwei Hauptaspekte der internationalen Sichtweise auf die operative Führung in das Bundesheer übernommen: einerseits die theoretischen Grundlagen, die v.a. in den Allied Joint Publications AJP-1 (C) „Allied Joint Doctrine“29) und AJP-3(A) „Allied Doctrine for Joint Operations“30) festgeschrieben sind, und andererseits wurde das Verfahren zur Planung einer Operation aus den „Guidelines for Operational Planning“ (GOP) übernommen.
Während der Entwicklung der Vorschrift wurde durch die verantwortlichen Bearbeiter beurteilt, ob die Formulierung einer nationalen Vorschrift für die operative Führungsebene angesichts der laufenden Veränderungen im doktrinären Bereich der NATO und der aktuellen Situation in Österreich überhaupt Sinn machen würde. Die DVBH (zE) „Operative Führung“ soll das international angewandte System von operativer Führung vorstellen, die Zusammenarbeitsfähigkeit im Rahmen der internationalen Kooperation erhöhen und den international angewandten Führungsprozess der operativen Führungsebene in deutscher Sprache näher bringen. Die umfangreichen Kenntnisse international angewandter Führungsverfahren sowie der Erfordernisse der Zusammenarbeit im internationalen Umfeld stellen die Grundlagen für die im ÖBH anzuwendenden Verfahren dar. Vor dem Hintergrund der nationalen Beteiligung an internationalen Operationen werden auch spezifische Abläufe im ÖBH zusätzlich zu berücksichtigen sein.31) Es wurde beurteilt, dass der grundsätzliche Schritt des Hereinholens dieser wesentlichen NATO-Konzepte in den Bestand des Bundesheeres den eventuellen Nachteil einer Nichtberücksichtigung der aktuellsten Neuerungen im Bereich der NATO aufwiegen würde. Zusätzlich muss beachtet werden, dass der Status „zur Erprobung“ die Überprüfung der Inhalte der Vorschrift zwei Jahre nach Herausgabe ohnehin vorsieht und bis dahin erfolgte Änderungen im Bereich der Operationsplanung aufgenommen und eingearbeitet werden können. Die mangelnden Fortschritte innerhalb der NATO im Bereich der AJP-5 „Joint Planning“ und die noch ausstehende Endversion der „Comprehensive Operational Planning Directive“ (COPD) des Allied Command Operations, welche, wie oben ausgeführt, die Guidelines for Operational Planning ablösen soll, bestätigen die Richtigkeit dieser Vorgehensweise.

Operative Führung und Streitkräfteplanung

Ein eingehendes umfassendes Verständnis für das Planungsverfahren auf operativer Ebene ist Voraussetzung für eine fundierte Tätigkeit im Bereich der Streitkräfteplanung. Hier sind besonders die Anforderungen der Szenarioentwicklung zu beachten.
Moderne Streitkräfteplanung baut auf Szenarien auf, aus denen in weiterer Folge die Aufgaben für die einzusetzenden Streitkräfte abgeleitet werden. Auch die Gestaltung der Szenarien für die militärstrategische Ebene hat sich an den Notwendigkeiten und Rahmenbedingungen der Planung auf der operativen Führungsebene zu orientieren. Die Ableitung von erforderlichen Fähigkeiten und zu erreichenden Kräfteumfängen für die Bewältigung der gestellten Aufgaben ist ohne Planung auf operativer Ebene nicht sinnvoll. Eine Analyse der Aufgaben und der für ihre Erfüllung nötigen Fähigkeiten kann nur auf Basis eines operativen Planungsverfahrens durchgeführt werden.
Kern dieser Beurteilung ist die Definition der Aufgaben, die durch die Kräfte in einem Szenario zu erfüllen sind. Um eine Aufgabe zu erfüllen, sind üblicherweise mehrere Fähigkeiten nötig; jede dieser verschiedenen Fähigkeiten leistet einen Beitrag.
Im Führungsverfahren auf operativer Ebene spiegelt das den Schritt der „Troop to Task Analysis“ wider. Im Rahmen der „Troop to Task Analysis“ werden für die in der Operationsplanung festgelegten Aufgaben Fähigkeiten zugeordnet und daraus folgend nötige Streitkräfteelemente identifiziert.
Im Rahmen der Streitkräfteplanung erfolgt ein ähnlicher Prozess, der sich nicht an den Erfordernissen eines konkreten Einsatzes, sondern einer generischen Planungssituation orientiert. Nur durch ein klares Verständnis für die Notwendigkeiten der operativen Führungsebene können, v.a. im Bereich der multinationalen Streitkräfteplanung, die richtigen Entscheidungen nachvollziehbar getroffen werden. Die Sicherstellung der Nachvollziehbarkeit in Fragen der Streitkräfteplanung ist aber eine Grundvoraussetzung für die Akzeptanz von Planzielen durch die eingebundenen Nationen und eine wesentliche Entscheidungshilfe für die strategische Führung und die Bereitstellung der nötigen Mittel.

 

Konsequenzen für die Ausbildung

Die aktuelle Ausbildung auf der operativen Führungsebene ist primär an den Erfordernissen der Generalstabausbildung ausgerichtet, hat sich über die Jahrzehnte mit dem Österreichischen Bundesheer transformiert und wird in Österreich nur an der Landesverteidigungsakademie durchgeführt. Einzelne Offiziere nehmen seit Jahren auch an verschiedenen Kursen an der NATO School Oberammergau oder anderen Operational Planning Courses in den USA, Deutschland, Frankreich oder Großbritannien teil.
Wie sehr sich der Operationsbegriff gewandelt hat, zeigt auch ein Blick in die Ausbildung der Offiziere des Bundesheeres der Ersten Republik. Dort wurde, wie schon an der k.u.k. Kriegsschule, die Truppenführung in zwei Gegenständen unterrichtet, nämlich der „Taktik“ und dem „Operativen Generalstabsdienst“. Während die Taktik die Führung im Gefecht umfasste, wurden die vielfältigen Tätigkeiten außerhalb des Gefechtsdienstes, die einer besonderen Führungstechnik bedurften und daher Spezialgebiet des Generalstabsdienstes waren, im Gegenstand Operativer Generalstabsdienst unterrichtet.32)
Heute muss sich die Ausbildung an den aktuellen Erfordernissen und den Anforderungen an den höheren Stabsoffizier auf der operativen und militärstrategischen Ebene orientieren. Die Ausbildung hat auf die laufenden internationalen Einsätze Rücksicht zu nehmen und sicherzustellen, dass nur adäquat ausgebildetes Personal im Rahmen von Operationen in multinationale Hauptquartiere entsandt wird. Dabei ist es nicht das primäre Ziel, Leitungsfunktionen auszubilden, sondern die Grundbefähigung zur fundierten Mitarbeit in einem solchen Kommando zu vermitteln. Dazu ist grundlegendes Wissen um die Fähigkeiten Teilstreitkräfte, ihre Einsatzmittel und angewendeten Verfahren zu vermitteln.
An der Spitze der Ausbildung in operativer Führung steht die Ausbildung des Generalstabslehrganges. Die Absolventen sollen umfassendes Wissen im Bereich der operativen Führung aufweisen und dazu befähigt sein, auch eine Planungsgruppe auf operativer Führungsebene zu leiten. Die Ausbildung anderer Offiziere für Verwendungen in internationalen Stabsverwendungen bzw. zur grundsätzlichen Unterrichtung zielt auf die Befähigung zur Mitarbeit und das Verständnis für die Ebene ab.

 

Ausbildung des Generalstabslehrganges

Im drei Jahre dauernden österreichischen Generalstabslehrgang werden zwischen 20 und 25 Offiziere insbesondere in den wesentlichen militärischen Bereichen Taktik, Operative Führung sowie Militärstrategie und Streitkräfteentwicklung ausgebildet.
Die Ausbildung des Generalstabslehrganges im Bereich der operativen Führung findet mit Masse im zweiten Jahr statt. Dabei wird auf die im ersten Jahr gemachten Erfahrungen und das gewonnene Wissen im Bereich der Taktik aufgebaut und der Grundstock für die Ausbildung in Militärstrategie und Streitkräfteplanung gelegt.
Eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Absolvierung der Ausbildung in operativer Führung ist ein umfassendes Wissen um die Verfahren, Fähigkeiten und Einschränkungen der Teilstreitkräfte. Zur Abgrenzung der einzelnen Aufgabenfelder zwischen Ausbildung auf taktischer und operativer Ebene bzw. auch zur Sicherstellung der Abgrenzung zur militärstrategischen Führungsebene dient an der Landesverteidigungsakademie (LVAk) die Aufgabendefinition der NATO Task List (NTL) als wesentliche Richtschnur. Die NTL beschreibt umfassend das militärische System westlicher Art und kann somit als wichtige Grundlage herangezogen werden, um Ausbildungsinhalte im Detail zu definieren, eine klare Ebenenabgrenzung zu gewährleisten und auch eventuelle „blinde Flecke“ zu identifizieren, wo Fremdexpertise eingebracht werden muss.
Die Basis auf taktischer Ebene wird im ersten Jahr der Generalstabsausbildung gelegt. Aufbauend auf die untere und mittlere taktische Ebene der Landstreitkräfte wird die Ebene der Component Commands aller Teilstreitkräfte ausgebildet. V.a. im Bereich der See- und Spezialeinsatzkräfte wird auf die Expertise ausländischer Akademien und hier v.a. der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg zurückgegriffen. Beim 18. Generalstabslehrgang konnte man sich zusätzlich auf die Kenntnisse und Erfahrungen von Offizieren des Kommandos Führung Operationen von Spezialkräften der DBW abstützen. Die Vermittlung der wesentlichen Grundbegriffe für die Ausbildung durch internationale Experten wurde jedoch immer vorgestaffelt national sichergestellt, so unterstützte beispielsweise das SKFüKdo mit dem Teilstab Luft die Ausbildung im Bereich Air Component Command massiv.
Aufbauend auf die so geschaffenen Grundlagen beginnt die Ausbildung auf der operativen Führungsebene. Hier stehen einerseits die theoretischen Grundlagen im Zentrum, und andererseits wird das Führungsverfahren auf operativer Führungsebene in Abstimmung mit den geltenden internationalen Vorschriften vermittelt. Dazu wird ein erstes Planspiel durchgeführt.
Die Logistik auf der operativen Führungsebene ist unverzichtbarer Bestandteil der Ausbildung. Die besondere Herausforderung liegt hier in der Notwendigkeit, bereits in einer frühen Phase der Ausbildung ein ausreichendes Verständnis für die Abläufe auf militärstrategischer Ebene zu erzielen, um die daraus resultierenden Herausforderungen für die Aufmarschplanungen der militärstrategischen Ebene zu vermitteln.
Begleitend zu dieser Ausbildung werden Proseminararbeiten zu ausgewählten kriegsgeschichtlichen Beispielen und Seminararbeiten zur Analyse moderner Operationen verfasst. Während die kriegsgeschichtlichen Beispiele eher einen breiten Überblick über das zu behandelnde Thema schaffen sollen und durchaus auch Aspekte aus dem Bereich des militärstrategischen Überbaus beleuchtet werden, fokussieren die Seminararbeiten auf Teilbereiche der Operationsführung, indem Faktoren, Phasen oder Elemente der operativen Führungsebene besonders herauszuarbeiten sind.
Zusätzlich wird der operativen Führung in Österreich entsprechendes Augenmerk geschenkt, wobei besonders die Planungen in der Zeit der Raumverteidigung auf operativer, aber auch auf militärstrategischer Ebene betrachtet werden.
Zur Sicherstellung der Interoperabilität im internationalen Umfeld erfolgt die Vermittlung der Grundlagen der Stabsarbeit in einem Kommando der operativen Führungsebene in Zusammenwirken mit einem realen Hauptquartier dieser Ebene. In Zukunft wird hier die Zusammenarbeit mit dem Kommando Operative Führung Eingreifkräfte der DBW in Ulm ins Auge gefasst, da sich die Zusammenarbeit zwischen diesem Kommando und der LVAk bereits aufs Beste bewährt hat und hier bereits Grundlagen für weitere Ausbildungsschritte gelegt werden können. In diesem Ausbildungsabschnitt werden auch die theoretischen Grundlagen für die Führung einer laufenden Operation geschaffen.
Der dritte große Block in der Ausbildung in operativer Führung wurde beim 18. Generalstabslehrgang in Zusammenarbeit mit der NATO School Oberammergau durchgeführt. Hier wurde, in Abstimmung auf die Erfordernisse des Generalstabslehrganges, der NATO Operational Planning Course an der LVAk absolviert. In eigenen Arbeitsschritten wurden die Erfordernisse der logistischen Planung und ausgewählte Teilbereiche der teilstreitkräfteübergreifenden Planung im Bereich von Querschnittsmaterien wie InfoOps, CIMIC oder Force Protection im Zusammenwirken mit Experten aus dem gesamten Bereich der NATO geplant. Die Planung der Querschnittsmaterien erfolgte beim 18. Generalstabslehrgang an der NATO School Oberammergau, wodurch nicht nur die Verfügbarkeit der jeweiligen Experten sichergestellt, sondern auch ein Kennenlernen der NATO School ermöglicht wurde.
Auf dieser Basis ist es möglich, die Grundlagenvermittlung zu beenden und mit dem Generalstabslehrgang an internationalen Übungen teilzunehmen. Der 18. Generalstabslehrgang hatte die Möglichkeit, an den jeweils zweiwöchigen Übungen „European Endeavour 2009“ in Wildflecken, Deutschland, und an der Übung „Adept Cormorant 2009“ in Shrivenham, Großbritannien, teilzunehmen. Im Rahmen der Übung „European Endeavour“ wurde die Masse der Teilnehmer des 18. Generalstabslehrganges in verschiedensten Verwendungen im FHQ eingesetzt, wodurch ein umfassender Einblick in ein Kommando dieser Ebene erreicht werden konnte.
Die Zusammenarbeit mit der britischen Verteidigungsakademie erwies sich als äußerst fruchtbar, und in der Vorbereitung und Durchführung der Übung „Adept Cormorant“ konnte ein umfassender Einblick in das Planungsverfahren und die Arbeitsweise der britischen Streitkräfte auf der operativen Führungsebene gewonnen werden. Während in der ersten Phase die Operation geplant wurde, lag im zweiten Abschnitt die Führung der laufenden Operation unter Abstützung auf computergestützte Simulation im Schwergewicht, was für den Ausbildungserfolg von besonderem Nutzen war.
Den Abschluss der Ausbildung auf operativer Ebene bildete die Durchführung des „Joint Wargame Horn of Africa“ an der LVAk, bei dem die Teilnehmer des Generalstabslehrganges im Rahmen einer Joint Operational Planning Group eine Operation zur gewaltsamen Trennung von Konfliktparteien am Horn von Afrika, wozu unten weitere Details folgen, zu planen hatten; weitere Details werden nachfolgend dargestellt.
Auf dieser Problemstellung baute auch die schriftliche Prüfung aus operativer Führung auf.
Die Ausbildung in operativer Führung des im Herbst 2010 begonnenen 19. Generalstabslehrganges wird auf die gewonnenen Erkenntnisse aufbauen, wobei sich Änderungen in Teilbereichen ergeben, um einerseits die Qualität weiter zu steigern und andererseits den aktuellen Entwicklungen gerecht zu werden.
Eine wesentliche Grundlage für die Ausbildung auf operativer und auch militärstrategischer Führungsebene wurde durch das Projekt Einsatzmittellehre geschaffen. Hier setzte sich der Generalstabslehrgang in sehr umfassender Weise mit den Merkmalen, Fähigkeiten und wehrtechnischen Rahmenbedingungen der verschiedenen Einheiten und Systeme der Teilstreitkräfte, im Bereich C4I ISTAR und Logistik auf Basis der Referenzeinheiten der EU und NATO auseinander.
Durch die umfassende und international geprägte Ausbildung werden die nötigen Grundlagen und das Verständnis für die Ausbildung im Bereich der Militärstrategie und Streitkräfteplanung geschaffen, die im dritten Jahr der Generalstabsausbildung im Zentrum stehen.
Im Rahmen der Kaderfortbildung für Generalstabsoffiziere wird aufbauend auf das am Generalstabslehrgang erworbene Verständnis etwa fünf Jahre nach Übernahme in den Generalstabsdienst eine Aktualisierung des Wissens durchgeführt, wobei der Fokus auf einen militärisch intellektuellen Diskurs zu einem übergreifenden Thema gelegt wird.

 

Ausbildung anderer Lehrgänge

Da nur für die Generalstabsausbildung die zeitlichen Voraussetzungen für eine eingehende und tief greifende Befassung mit dem Thema operative Führung und Planung von Operationen gegeben sind, werden bei anderen Lehrgängen an der LVAk Schwergewichtsbereiche abgedeckt. Es ist ein Anliegen der LVAk, die Grundbegriffe der operativen Führung bei allen länger dauernden Lehrgängen zu vermitteln. Der Detaillierungsgrad wird jedoch durch die verfügbare Zeit und das Zielpublikum bestimmt. So werden beispielsweise beim Führungslehrgang 3 die wesentlichen Grundlagen der operativen Führung vermittelt und darauf aufbauend ein Stabsspiel auf operativer Führungsebene unter Anleitung durchgeführt. Zusätzlich konnte im Jahr 2010 Synergie zwischen der Ausbildung des Führungslehrganges 3 und der Ausbildung der Primary Augmentees für die österreichische Beteiligung an den EU Battle Groups 2011 und 2012 erzielt werden, indem das Planspiel gemeinsam durchgeführt wurde.
Auch beim Intendanzlehrgang und dem Grundausbildungslehrgang für Offiziere des höheren Dienstes werden Grundlagen operativer Führung vermittelt und anhand eines kurzen Planspieles das operative Führungsverfahren unter Anleitung angewendet.
Der bisher durchgeführte Führungslehrgang 2 befasste sich im Rahmen des Fachs Operative Führung mit Beispielen aus der jüngeren Kriegsgeschichte, aus denen sich Ableitungen für das Österreichische Bundesheer und seine Truppen treffen lassen. Dabei stand nicht das Führungsverfahren, sondern vielmehr die Betrachtung der Operationen im Mittelpunkt. Hier wird auch die Verbindung zur taktischen Ebene betont.
Beim neu geschaffenen Studiengang „Militärische Führung“ wird ebenfalls operative Führung im Rahmen des Moduls „Multinationale Einsätze“ unterrichtet, in dem Grundlagen der operativen Führung vermittelt werden. Ziel ist es, Verständnis für die Ebene zu erreichen und dabei die Abgrenzung der militärischen Führungsebenen, die Besonderheiten der Logistik auf operativer Ebene oder auch die Fähigkeiten der Teilstreitkräfte zu vermitteln. Darüber hinaus wird ein Seminar zur Analyse ausgewählter Operationen abgehalten.

 

Das Planspiel Afrika

An der LVAk wurden durch das Institut für höhere militärische Führung (IHMF) im Rahmen eines Forschungsprojekts des Österreichischen Bundesheeres alle nötigen Grundlagen für die Durchführung eines zeitgemäßen Planspiels auf der operativen Führungsebene bereitgestellt. So soll an der Landesverteidigungsakademie und in späterer Phase bei Bedarf auch an der Zentralstelle und im Bundesheer ein Planspiel auf operativer Führungsebene ohne externe Unterstützung bzw. Abstützung auf ein durch externe Quellen erstelltes Szenario durchgeführt werden können.
Das Szenario orientiert sich an den Szenarien des „EU Requirement Catalogue 2005“ und umfasst Planungsaufgaben für folgende Bereiche:
- Evacuation Operation
- Separation of Parties by Force
- Stabilisation and Reconstruction
Das Forschungsprojekt wurde in folgenden Phasen durchgeführt:
1. Definition des Szenarios und Auswahl des Raumes,
2. Erstellung der nötigen Grundlagen und Planungsdokumente,
3. Durchführung des Experiments zur Überprüfung der Schlüssigkeit der Planungsdokumente,
4. Auswertung des Experiments und Abschluss.
Im Rahmen der Definitionsphase wurden durch IHMF vier grundsätzliche Parameter als Richtlinie für die Raumauswahl und Szenarioentwicklung definiert:
- Planungsanforderungen an die teilstreitkräfteübergreifende Ebene
- Kohärenz mit dem Requirement Catalog 2005 (RC05) der EU
- Ausbaufähigkeit
- Realitätsnähe und Machbarkeit
Für jeden dieser vier Parameter wurden Prüffragen entwickelt, die in weiterer Folge die Auswahl des Operationsgebietes ermöglichten.
Als ein wesentlicher Parameter für die Erstellung des Szenarios wurde definiert, dass die Operation unter Abstützung auf europäische Fähigkeiten erfolgen sollte und dabei v.a. ein Rückgriff auf militärische Mittel und Fähigkeiten im Bereich der strategischen Fähigkeiten (Aufklärung, Transport etc.), die nicht in der EU vorhanden sind, nicht vorzusehen sei. Dieser Schritt war nötig, um sowohl die Planungsaufgabe ansprechend zu gestalten, als auch die besonderen Herausforderungen, die ein Einsatz in weit entfernten Operationsgebieten für die EU mit sich bringt, klar zu identifizieren.
Aufgrund der strategischen Planungsannahmen des RC05 wurde der afrikanische Raum in nähere Betrachtung gezogen. Nach Konsultation mit verschiedenen Experten wurden die möglichen Konflikträume der Zukunft auf diesem Kontinent identifiziert.
Die Forderung nach ausreichenden Herausforderungen für die Teilstreitkräfte und somit Sicherstellung einer umfassenden Planungsaufgabe für die Joint-Ebene und Ausscheiden jener Räume, für die bereits Planspiele bekannt und verfügbar sind, führte zur näheren Analyse, Gegenüberstellung und Beurteilung der Räume Kamerun und Somalia.
Das Bewertungsverfahren ergab schließlich, dass der Raum Horn von Afrika für die verfolgte Zielsetzung den am besten geeigneten Raum für das Planspiel auf operativer Führungsebene repräsentiert.
Die Details des Beurteilungs- und Bewertungsverfahrens wurden in der Vorstudie „Auswahl des Operationsraums“ festgehalten.
Dem Szenario wurde ein fiktiver Konflikt am Horn von Afrika zugrunde gelegt, der in das Jahr 2015 transferiert wurde. Die besonderen Herausforderungen für die Planer ergeben sich, abgesehen von den geografischen, klimatischen und logistischen Bedingungen im Operationsgebiet, durch die Zuspitzung der humanitären Lage im Operationsgebiet und den damit zusammenhängenden Druck der öffentlichen Meinung, das drohende Wirksamwerden von schlagkräftigen militärischen Kräften einer benachbarten lokalen Macht im Operationsgebiet und die Vielschichtigkeit der involvierten Konfliktparteien, die nur teilweise als kooperativ beurteilt werden.
Die Überprüfung der Schlüssigkeit und Richtigkeit der erarbeiteten Dokumente wurde im Rahmen eines Experiments beim 18. Generalstabslehrgang als Schwergewichtsprojekt des IHMF im Juli 2009 durchgeführt.
Aufgrund der zeitlichen Beschränkungen der Dauer des Experiments wurde entschieden, nur die Aufgabe Separation of Parties by Force im Detail zu untersuchen, die Aufgabe in Zusammenhang mit der Evakuierungsoperation nicht zu spielen und die Aufgabe Übergang zu Stabilisation and Reconstruction im Rahmen einer Stabsstudie abzudecken.
In der Nachbereitungsphase des Experiments wurden einzelne erkannte Schwachstellen in den Planungsdokumenten ausgeglichen und eine neue Version aller Dokumente erstellt.
Die Lage wird laufend verbessert und erweitert, damit sie an die aktuellen Erfordernisse der Ausbildung angepasst bleibt.
Die Ausbaufähigkeit der Ausgangslage wurde beim Generalstabslehrgang im Frühjahr 2010 im Rahmen der Durchführung des militärstrategischen Planspiels und im Rahmen eines Workshops zur Untersuchung von Fähigkeitsanforderungen bei Einsätzen in weit entfernten Operationsgebieten, der durch Experten der European Defense Agency unterstützt wurde, unter Beweis gestellt.
In weiterer Folge ist geplant, ein Planspiel für die obere taktische Führungsebene zu erstellen, wobei besonders die Aspekte des Eintritts in den Raum und die teilstreitkräfteübergreifende Einsatzführung im Mittelpunkt der Problemstellung liegen.

 

Abschluss und Ausblick

In Zusammenhang mit der operativen Führung wird auch wiederholt die Frage nach der Kernkompetenz des Generalstabsoffiziers gestellt. Die Entwicklungen der letzten 20 Jahre haben nicht nur die Streitkräfte, sondern mit diesen auch die Anforderungen an den Generalstabsoffizier verändert. Während früher die wesentliche Aufgabe auf taktischer und operativer Ebene zu leisten und nur ein geringerer Anteil auf militärstrategischer Ebene, so hat sich das Anspruchsniveau an die Generalstabsoffiziere auf die oberen Ebenen verschoben. Nur noch ein sehr geringer Anteil des Generalstabskorps ist auf taktischer Ebene tätig, dafür sind die Aufgaben auf militärstrategischer Ebene exponential gestiegen, was sich auch aus den zunehmenden internationalen Verpflichtungen und Verbindungen ergibt.
Das grundsätzliche Wissen um die Planungsverfahren und Abläufe auf internationaler operativer Ebene ist Voraussetzung für ein Verständnis für Vorgänge auf nationaler militärstrategischer Ebene, und das umfasst sowohl die Bereiche der Einsatzvorbereitung und Planung wie auch die Streitkräfteplanung und -entwicklung, aber auch den militärpolitischen Bereich. Insgesamt kann eine Verschiebung der Kernkompetenz der Generalstabsoffiziere in den Bereich der Militärstrategie beobachtet werden.
Das wirkungsvolle Agieren auf dieser hohen Führungsebene ist aber nur durch entsprechend fundiertes Wissen über das Wesen der operativen Führungsebene und der dort verwendeten Verfahren möglich.
Die Ausbildung in operativer Führung wird sich weiterhin v.a. an den internationalen Erfordernissen zu orientieren haben und dabei moderne Szenarien im multinationalen, teilstreitkräfteübergreifenden Umfeld als Basis nutzen. Der Ausbau der Expertise ist v.a. im Bereich der gezielten Ausbildung von Offizieren, die für internationale Stabsverwendungen vorgesehen sind, einzuplanen und auch nach der Ausbildung der Primary Augmentees für die österreichische Beteiligung an der EU Battle Group fortzusetzen. Dabei wird die enge Verbindung mit ausländischen Institutionen, wie der Führungsakademie in Hamburg, dem Joint Services Command and Staff College in Shrivenham oder der NATO School Oberammergau, weiter zu intensivieren und die Zusammenarbeit mit Kommanden der operativen Führungsebene wie dem Kommando Operative Führung Eingreifkräfte in Ulm weiter auszubauen sein.
Die Dienstvorschrift für das Bundesheer (zur Erprobung) „Operative Führung“ wird nach Verfügbarkeit der endgültigen Version der Comprehensive Operational Planning Directive zu überarbeiten sein, um für die Offiziere des Bundesheeres den aktuellen Informationsstand zu gewährleisten.


ANMERKUNGEN:

1) Vgl. Philipp Eder: Die Entwicklung moderner operativer Führungskunst. In: ÖMZ 3/2003, S.283.ff.
2) Die DVBH (zE) Operative Führung wurde am 5.2.2009 durch den Generalstabschef genehmigt und mit gleichem Tag in Kraft gesetzt, wodurch das Merkblatt „Operative Führung“ aus 2002 außer Kraft gesetzt wurde.
3) Vgl. BMLV, Militärstrategisches Konzept, Februar 2006, S.31.f., S.78.ff.
4) Vgl. DVBH (zE) Operative Führung, S.23.
5) BMLV: Konzept „Führung“, S.46.
6) Vgl. BMLV: DVBH Truppenführung. 8. Juli 1965, S.30.
7) Vgl. Horst Pleiner: Operative Führung im Bundesheer; ÖMZ 2/1998, S.139.
8) Vgl. BMLV/Generalstabsgruppe B: Merkblatt Operative Führung. 9.9.2002, S.41.
9) Vgl. DVBH (zE) Operative Führung, S.26.
10) Vgl. BMLV: Konzept „Führung“, S.47.
11) Vgl. Eder, a.a.O., S.283.ff.
12) Vgl. NATO: AAP6 (2008) NATO Glossary of Terms and Definitions, S.2-O-2
13) BMVg: HDv 100/900, (Änderungsstand 8.1.2003), S.116.
14) Ebenda, S.117.
15) Vgl. NATO: AAP6 (2008) NATO Glossary of Terms and Definitions, S.2-O-3.
16) BMLV/Landesverteidigungsakademie: Der Operative Generalstabsdienst, Band 1 - Theoretische Grundlagen: S.61. Die Schriften zum operativen Generalstabsdienst wurden an der Landesverteidigungsakademie unter Leitung des damaligen Generalmajors Spannocchi in den Jahren 1970/71 entwickelt und dann als VSa II im Jahre 1972 herausgegeben.
17) Vgl. DVBH(zE) Operative Führung, S.27.
18) Artikel 79 des Bundes-Verfassungsgesetzes definiert die Aufgaben des Bundesheeres wie folgt:
(1) Dem Bundesheer obliegt die militärische Landesverteidigung. Es ist nach den Grundsätzen eines Milizsystems einzurichten.
(2) Das Bundesheer ist, soweit die gesetzmäßige zivile Gewalt seine Mitwirkung in Anspruch nimmt, ferner bestimmt
1. auch über den Bereich der militärischen Landesverteidigung hinaus
a) zum Schutz der verfassungsmäßigen Einrichtungen und ihrer Handlungsfähigkeit sowie der demokratischen Freiheiten der Einwohner,
b) zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit im Inneren überhaupt;
2. zur Hilfeleistung bei Elementarereignissen und Unglücksfällen außergewöhnlichen Umfanges.
(3) Weitere Aufgaben des Bundesheeres werden durch Bundesverfassungsgesetz geregelt. (KSEBVG)
(4) Welche Behörden und Organe die Mitwirkung des Bundesheeres zu den im Absatz 2 genannten Zwecken unmittelbar in Anspruch nehmen können, bestimmt das Wehrgesetz.
(5) Selbstständiges militärisches Einschreiten zu den im Absatz 2 genannten Zwecken ist nur zulässig, wenn entweder die zuständigen Behörden durch höhere Gewalt außerstande gesetzt sind, das militärische Einschreiten herbeizuführen, und bei weiterem Zuwarten ein nicht wieder gutzumachender Schaden für die Allgemeinheit eintreten würde, oder wenn es sich um die Zurückweisung eines tätlichen Angriffes oder um die Beseitigung eines gewalttätigen Widerstandes handelt, die gegen eine Abteilung des Bundesheeres gerichtet sind.
19) Vgl. BMLV: Konzept „Führung“, S.48.
20) Vgl. Ebenda, S.48.
21) Vgl. Ebenda, S.49.
22) Vgl. DVBH(zE) Operative Führung, S.149.f.
23) Vgl. GOP (2005), S.1-12.
24) Allied Command Operations: Comprehensive Operational Planning Directive, COPD-Trial Version, February 2010, S.2.
25) Vgl. NATO Standardisation Agency, STANAG 2199 MC LO (Edition 2) - Command and Control of Allied Land Forces - ATP-3.2.2, 24.2.2009.
26) Vgl. BMLV, Militärstrategisches Konzept, Februar 2006, S.79.f.
27) Vgl. dazu das „EU Military Concept Development Implementation Programme 2010-11“ (CON/CAP 1588/10, 10.2.2010). Die Konzepte der EU befinden sich inhaltlich durchwegs auf militärstrategischer Ebene.
28) Vgl. DVBH(zE) Operative Führung, S.5.
29) Vgl. NATO Standardisation Agency: STANAG 2437 AJOD (Edition 6) - Allied Joint Doctrine - AJP-01 (C), 21.3.2007.
30) Vgl. NATO Standardisation Agency: STANAG 2490 (Edition 2) - Allied Doctrine for Joint Operations - AJP-3(A), 2.7.2007.
31) Vgl. DVBH(zE) Operative Führung, S.7.
32) Vgl. Heribert Kristan: Der Generalstabsdienst im Bundesheer der Ersten Republik. Österreichischer Bundesverlag, 1990, S.98.