Globale Strategie: Die Geopolitik der USA

Auswirkungen auf Politik und Strategie - von der Western Reserve über den Panamakanal zur Gegenküste und Energiepolitik (Teil 2)

Friedrich W. Korkisch

 

Die Kriegsplanungen vor 1941: Das „Two Frontier“-Problem

Die Beziehungen der USA zu Japan waren nach Theodore Roosevelts erfolgreicher Vermittlung nach dem Russisch-Japanischen Krieg ab 1907 zunehmend gespannt. Auch London hatte erkannt, dass Japan seine Expansion nach China, Holländisch-Indien, Malaya, Burma und die Philippinen richten könnte, und Halford Mackinder warnte vor Japan, dem Deutschen Reich und Russland, v.a. wenn sich zwei Mächte gleichzeitig gegen Großbritannien wenden sollten. 1914 besetzte Japan die Karolinen, Marianen, Palau und die Marshall-Inseln, die dem Deutschen Reich gehörten, stellte 1919 den Völkerbund vor vollendete Tatsachen und schob sich damit zwischen die Philippinen, Holländisch-Indien und Australien. Die Ergebnisse des Flottenvertrages von Washington (1922) waren unhaltbare Kompromisslösungen. Ab 1927 begann Japan seine aggressive geopolitische Expansionspolitik und arbeitete an Strategien und Operationen für den „Schlag gegen Norden“ (Sowjetunion), „Schlag gegen Süden“ (China, Südwestasien) und gegen die USA.

Als die USA dem Deutschen Reich 1917 den Krieg erklärten, gab es keinen Kriegsplan für den Atlantik (der Plan „Black“ war nicht fertig).[1]) Man meinte auch nach 1918, die Ozeane würden eine Barriere gegen einen Angreifer bilden, da große Flottenverbände sich mit rund 18 Knoten pro Stunde annähern würden, was ausreichend Zeit für Gegenmaßnahmen ließ. Durch das Flugzeug waren solche Vorwarnzeiten zwar hinfällig geworden, aber das Flugzeug ermöglichte auch Abwehrmöglichkeiten. Vor dem Bau des Panamakanals benötigte ein Schiff vom Atlantik in den Westpazifik 50 bis 90 Tage, zumindest dieses Problem fiel nun weg. Und solange Frankreich und Großbritannien die Gegenküsten in Europa halten würden, waren die USA, so die Annahme, im Atlantik weitgehend sicher, erst bei Gefährdung dieses Schutzes bestand Handlungsbedarf.

Der Artikel XIX des Flottenabkommens von Washington verbat die Befestigung von Inseln im Pazifik, was es Japan unmöglich machen sollte, Inseln als vorgeschobene Basen gegen die USA oder britische Besitzungen einzusetzen, was umgekehrt aber auch die USA hinderte, ihre Inseln im Pazifik (mit Ausnahme der Philippinen und von Hawaii) militärisch zu befestigen. Die Idee, Guam zu einem zweiten Pearl Harbor bzw. zum American Gibraltar auszubauen, war nach 1919 zwar erörtert worden, eine Basis so nahe an Japan, hätte sich aber kaum halten können. (Japan besetzte Guam noch im Dezember 1941, und die Rückeroberung 1944 war eine verlustreiche Operation.)

In den 1930er-Jahren wurden die Aleuten wichtig, da sie für Japan ein Sprungbrett zum amerikanischen Kontinent bildeten, und gesichert werden mussten, doch fehlte wegen der Wirtschaftskrise das Geld dazu. Von der Tonnage her war die japanische Flotte im Pazifik der amerikanischen Flotte überlegen, hatte jedoch den Nachteil langer Versorgungswege, die sich durch die Einrichtung von Basen kaum verkürzen ließen; andererseits ermöglichte der Panamakanal eine „swing strategy“ aus dem Atlantik.

Die U.S. Navy hatte 1939 im Pazifik fünf zentrale Stützpunkträume: Puget Sound, die San Francisco Bay Area, den Raum Los Angeles, San Diego und Hawaii/Pearl Harbor, ergänzt durch Dutch Harbor und Samoa (beide nicht ausgebaut). Im Atlantik waren dies die Räume Boston, Baltimore-Washington, Hampton Roads-Norfolk, Charleston, Jacksonville und Mobile, ergänzt durch Panama, Guantanamo und Puerto Rico (kaum ausgebaut). Eine Verteidigung der Philippinen galt als unsicher, MacArthurs Rolle als ernannter „Marshall of the Philippine Forces“ (die es kaum gab) sollte sein, deren Streitkräfte aufzubauen, doch fehlten auch hiezu die Mittel; die Verteidigung lag somit bei der U.S. Army und der kleinen Asiatic Fleet. Im Falle eines Angriffes gegen die Philippinen würde die Flotte „fight its way across the Pacific to Manila Bay and the Tokio Bay.“ So die Theorie der Optimisten, und auch der Luftkrieg quer über die Ozeane hinweg war noch immer ein Experimentierfeld.

Die nächste Konfliktregion war Europa: MajGen Fox Conner, Chief of Operations bei General Pershing 1918, und genialer strategischer Mahner, meinte 1920, die Friedensverträge von Paris wären der Grundstein für einen neuen großen Krieg, in den die USA wieder eingreifen würden.[2]) Im Atlantik war es ab 1938 die deutsche Flotte, besonders die U-Boote, die eine Gefahr darstellten. Die Verteidigung Amerikas lag daher primär „auf dem Wasser“. Bei Kriegsausbruch in Europa war die Grundlage der Sicherheit der USA die „Hemisphere Defense“, die am 14. November 1938 eingeleitet wurde und mit der „Declaration of Panama“ am 2. Oktober 1939 auf die meisten lateinamerikanischen Staaten ausgedehnt werden konnte, ergänzt durch den „Act of Havana“ vom 21. Juni 1940 durch die OAS. Die Achse Berlin-Tokio wurde in den USA als geostrategische Bedrohung gesehen. Erschwerend kam hinzu, dass die Sowjetunion 1941 weder Japan angriff noch Japan die Sowjetunion, was Japan in Ostasien und im Pazifik einen weitgehend „freien Rücken“ bescherte.

Dieses „Two Frontier“-Problem war die Grundlage für die laufenden Abänderungen des „War Plan Orange“ und der „Rainbow“-Planungen und für einen Krieg gegen Japan.[3]) Globale Bedrohungen und unzureichende Streitkräfte führten dazu, dass die Navy League of the United States 1939, und verstärkt 1940 und 1941, eine umfassende Seerüstung der USA forderte, weil man annehmen musste, dass Hawaii und die amerikanische Westküste bedroht waren und die Royal Navy im Atlantik keinen ausreichenden Schutz mehr bot. Das Committee to Defend America by Aiding the Allies, gefördert von Henry Stimson und anderen maßgeblichen Persönlichkeiten, forderte gleichzeitig eine umgehende und umfassende Hilfe für Großbritannien.

 

De facto hatten die USA 1941 und 1942 keine sichere Gegenküste. Deutsche Geopolitiker erkannten die Chance, die USA von Großbritannien zu trennen.[4]) Das sah man auch bei der Admiralität in Washington so, und nach der Niederlage Frankreichs und der Erkenntnis, dass das Deutsche Reich am Atlantik stand und unter Umständen Großbritannien besiegen könnte, entstand die Notwendigkeit, die amerikanische Verteidigungslinie so weit wie möglich nach Osten vorzuschieben, und man verlegte umgehend Truppen und Flugzeuge nach Großbritannien. Damit wiederholte sich für die USA im Atlantik etwa die Situation von 1917/18. Kent Roberts Greenfield (American Strategy in World War II) meinte hiezu: on December 7, 1941, we found ourselves in the two-front war which the military experts had warned Mr. Roosevelt we would be unprepared to fight. But largely thanks to Mr. Roosevelt we had never before in our history entered a war which such a well-concerted program of strategy. And thanks again to his initiative, the Army and Navy had produced in the fall of 1941, programs of war production, the so-called ‚Victory Program’, designed to enable the United States and Great Britain to crush the Axis and Japan into surrender even if Soviet Russia was knocked out of war. ‚Rainbow 5’ - the Army-Navy strategic plan went into effect in December 1941 [5])

 

Das Ende der britischen Basen in Nordamerika

Eine geostrategische Nebenwirkung hatte die Abgabe von 50 amerikanischen Zerstörern an Großbritannien im Jahre 1940, da diese mit der Abtretung praktisch aller britischen Stützpunkte in der westlichen Hemisphäre an die USA gekoppelt war, so Basen auf den Bermudas, Bahamas, Jamaika, St. Lucia, Trinidad, Antigua, in British Guyana und Benützungsrechte an kanadischen Basen wie Goose Bay und Halifax, dazu von Ascension im Atlantik.

 

„Germany First“ und Atlantic Charter

Die mit Großbritannien seit 1938 verdeckt und ab Frühjahr 1941 intensiviert durchgeführten Planungsgespräche verlagerten die Schwerpunkte auf die Verteidigung Großbritanniens, dann auf die Verteidigung von Indien-Burma und die Unterstützung der Kuomintang in China. Die bereits Ende März 1941 festgelegte „Germany First“-Formel wurde in der Atlantic Charter zwischen Roosevelt und Churchill im August 1941 erneut fixiert. Die USA erhielten nun weitere Basen in Neufundland (Argentia, St. John, Stevenville), in Holländisch-Indien, Aruba, Curacao und auf Jamaika. Die Hilfe für Großbritannien konnte zwar kriegsentscheidend sein, aber die Atlantic Charter stand im Gegensatz zu den gültigen amerikanischen Kriegsplänen, und die Admiralität bestand weiterhin auf der Offensive im Pazifik. Dies löste v.a. nach den japanischen Angriffen am 7. bzw. 8. Dezember 1941 Kontroversen in Washington und später bei den im Frühjahr 1942 eingerichteten amerikanisch-britischen Combined Chiefs of Staff aus, denn dies war ein geostrategischer Kurswechsel, wobei Admiral Leahy und General Marshall (mit der Army) auf Roosevelts Linie liegend eine „Europe First“-Strategie vertraten. Dazu kamen einige innenpolitische Facetten: Im Osten und Süden der USA war man für „Germany First“, im Mittelwesten und Westen für „Japan First“. Die Demokraten waren überwiegend für „Germany First“, die Republikaner für „Japan First“. Das hatte weitere Auswirkungen: Die konservativen Kreise unterstützen Tschiang Kai-schek und forderten dessen Unterstützung durch die USA, die Demokraten meinten, dieser möge sich mit Mao Zedong auf eine Koalitionsregierung einigen, und setzten voll auf die Unterstützung Großbritanniens in Europa und Asien, andere forderten eine verstärkte Hilfe für die Sowjetunion.

 

Die Umsetzung von Geopolitik: Geostrategie

Mit der Festlegung, Großbritannien zunächst politisch und dann auch materiell zu unterstützen, waren die USA automatisch Gegner der Achsenmächte. Dies veränderte das Umfeld der USA schlagartig - eine Situation, die sich trotz der erklärten Neutralität der USA 1941 verschärfte. Die Entscheidung für „Germany First“ war einmal eine geopolitische, den Atlantik und die Bindung zu Europa betreffende Entscheidung, die zudem die USA ähnlich 1914/15 dem Krieg näher brachten, und dann auch eine geostrategische, da sie den militärischen Schwerpunkt für einen solchen Krieg und die damit verbundenen Planungen festlegte, damit auch die weiteren Militärstrategien. Geopolitik war auch die Forderung nach einer „bedingungslosen Kapitulation“ der Achsenmächte. Es war aber auch eine wirtschaftpolitische Entscheidung, da die USA die Verbündeten auch materiell zu unterstützen hatten. Waren diese Entscheidungen auch zwischen Roosevelt und Churchill gefällt worden, so hatte Roosevelt stets General Marshall und die Admirale Leahy, Stark und King konsultiert, fallweise auch General Arnold.

 

Die Kriegsplanungen

Navy und Army: Kaum gemeinsame Planungen

Armee und Marine waren - wie in den meisten anderen Staaten zu dieser Zeit - völlig getrennt. 1903 wurde zwar der Joint Army Navy Board (1903) eingerichtet, der aber nur unregelmäßig zusammentrat. Dann gab es ein von beiden Planungsinstanzen beschicktes Joint Planning Committee,[6]) das 1942 zum Joint War Plans Committee wurde. Militärstrategische Überlegungen (Durchführung der Mobilmachung, Aufmarsch, die Suche einer Entscheidungsschlacht bzw. „battle plans“) und weitere Kriegsplanungen (Operationsplanungen und Logistik) waren militärische Prozesse ohne wesentliche politische Einmischung. Die ersten „globalen“ Kriegspläne waren die Colored-War Plans, die ab 1904 eingeführt wurden.[7]) Der erste Army-Navy-Plan des Joint Army Navy Board wurde 1929 erlassen, ergänzt 1935 and 1938, betraf aber nur jene Operationen, die man gemeinsam abwickeln musste.

Die Combined Chiefs of Staff und die Joint Chiefs of Staff und Planer in Washington - in der Regel Oberste, Oberstleutnante, Captains und Commanders - planten den Krieg mit dessen operativen und logistischen Erfordernissen; deren Vorgesetzte entschieden dann über die organisatorischen Maßnahmen, die Aufstellung, Ausbildung, Ausrüstung und Zuweisungen von Truppen und die Verteilung dieser Mittel, nämlich, wer (Army, Navy) benötigt was (Panzerbau, Fahrzeuge, Munition, Schiffbau, Flugzeugbau, Kasernen, Flugplätze, Werften, Fernmeldegerät etc.) bzw. wohin gehen Truppen und Logistik (Europa, Pazifik, Western Hemisphere, Lend Lease). Die „strategische Durchführung“ anhand dieser Entscheidungen oblag dann, mit größtmöglicher Freiheit, MacArthur, Nimitz, Eisenhower und im Luftbereich Arnold, Eaker, Doolittle, Le May und Spaatz, sie bestimmten auch die Wahl der Schwerpunkte.

 

Navy

Die Kriegsplanungen erfolgten bei der U.S. Navy im Department of the Navy und dort ab 1900 durch den Naval General Board of the Navy, kurz „General Board“ genannt, der sich mit der Global Strategy (Geopolitik bzw. die internationale Gesamtlage beurteilend), Grand Strategy (eigene geostrategische und politische Maßnahmen), der Naval Geography und Flottenbewegungen (Atlantic Fleet, Pacific Fleet, Asiatic Fleet) befasste, dessen Bedeutung jedoch nach 1923 geringer wurde, dann teilweise im Naval War College, ab 1918 v.a. in der War Plans Division. Die Navy untersuchte ab 1919 ihre Möglichkeiten im Zuge der Fleet Problem-Exercises.[8]) Seekrieg war primär ein Raum-Zeit-Problem mit der Abstützung auf Flottenstützpunkte. Der Satz „geography is the bones of strategy“ traf auf den Pazifik ganz besonders zu. Admiral Frank H. Schofield, der 1929 den Plan „Orange“ umschrieb, wollte eine Wirtschaftsblockade Japans von See her, aber dazu war die Flotte noch zu schwach. Die Navy war bis 1942 die einzige strategische Waffe der „Großinsel“ USA.

Die Navy hatte eine Unzahl von möglichen Seegefechten mit japanischen Flottenverbänden nach 1920 durchgeplant und geübt, und nach 1945 meinten diese Planer, es habe keine Situation gegeben, die die Navy unvorbereitet getroffen hätte. Tatsächlich waren im weiteren Kriegsverlauf viele Operationen Neuplanungen oder einfach Reaktionen auf erkannte japanische Operationen, so die Schlacht im Korallenmeer, die Kämpfe und Landungen auf den Salomonen, die Schlacht bei Midway, in Europa wiederum die Landungen in Nordafrika, in Sizilien etc. Der Kampf gegen die U-Boote im Atlantik hingegen war vielfach Neuland und „trial and error“.

 

Army

Bei der Armee erfolgte die Planung im War Department, Details auch am Army War College (gegründet 1901) und ab 1903 im General Staff. Das War Department schuf 1921 ebenfalls eine War Plans Division (WPD), die ab 1942 Operations Division hieß. Die Dreiteilung des War Department und der Army in Ground Forces, Air Forces und Service Forces ab März 1942 schuf dort Planungs- und Steuerungsstrukturen.

Die Army-Planungen waren Campaign Plans, keine Strategien, was auch erklärt, warum die Army nie in strategischen Kategorien dachte, ihr stand Jomini immer näher als der kaum gelesene Clausewitz; die Army Air Forces hingegen entwickelten auf Maxwell Field sehr wohl Luftkriegsstrategien. In Fort Leavenworth verschob man auf Karten Regimenter und Divisionen, untersuchte Versorgungsprobleme, napoleonische Feldzüge und den Bürgerkrieg, aber es gab keine „operational art“. An der Infantry School in Ft. Benning wurden Regiments- und Bataillonskommandanten ausgebildet, womit fast alle höheren Kommandanten der U.S. Army zwischen 1942 und 1945 Infanterieoffiziere waren, die kaum die Grundlagen der Combined Arms Warfare beherrschten - Eisenhower, Bradley, Hodges, Collins, Krueger und Simpson eingeschlossen.[9]) Die talentierten (und als solche unverzichtbaren) Planer im War Department hatten hingegen kaum Chancen auf Kommandofunktionen oder Beförderungen oberhalb Oberst.

 

Colored War Plans

Die Army plante nach den Vorgaben von „War Plan Blue“ mit dem Mobilmachungsfall („M“) und der National Position of Readiness. Dieser ging bis 1939 von einem Angriff gegen die USA über die Ozeane oder über die Landesgrenzen aus. Jede Küstenverteidigung zur Invasionsabwehr erforderte den Aufmarsch von rund 450.000 Mann (dazu kamen Navy und Coast Guard), dahinter sollten binnen weniger Wochen weitere 400.000 Mann für den Gegenangriff bereitgestellt werden. „Blue“ wurde 1920, 1928, 1933 und 1936 überarbeitet und umfasste ab 1918 drei Armeen, 1932 vier Armeen mit territorialen Zonen, 1942 dann sechs, plus 19 Korps und 54 Divisionen (davon 18 der National Guard), insgesamt 5 Mio. Mann, eine Organisation, die aber nur am Papier existierte; ebensowenig vorhanden waren Transport- und Kampfflugzeuge.

Doch den „M-Day“ gab es weder 1917 noch 1941, vielmehr erfolgte die Aufstellung der Streitkräfte über einen längeren Aufbauprozess und erreichte 1944 ein Vielfaches der 1940/41 geplanten Kräfte. Aber die „M“-Kriegsplanungen gab es bis 1941 dennoch: M+30 Versammeln der Flotte, M+60 Beginn der Luftangriffe gegen Japan, M+300 Okkupation Okinawas, M+600 Kapitulation Japans. Generell kann man sagen, dass die U.S. Army bis 1940 eine Verteidigung der USA bzw. der westlichen Hemisphäre anstrebte und nur bezüglich Hawaii, Alaska und den Philippinen weiter ausholte. Der verfügbare Transportraum erlaubte auch keine anderen Optionen. (Vereinzelte Luftangriffe von Luzon aus gegen Formosa wurden in den Tagen nach dem 7. Dezember 1941 tatsächlich geflogen, aber ohne Erfolg.) Darüber hinaus wurde 1940 mit Kanada eine gemeinsame Verteidigung vereinbart (Ogdensburg Agreement, War Plan ABC-22), der amerikanische Streitkräfte nach Kanada brachte und zum Bau des Alaska Highway führte.

Der War Plan „Red“ behandelte einen Krieg mit Großbritannien, „Orange“ den mit Japan, „Black“ betraf das Deutsche Reich, „White“ Frankreich, „Yellow“ Spanien (ab 1910 nicht mehr weitergeführt), „Saffran“ China (wurde 1926 zum War Plan „Yellow“), „Grey“ die Verteidigung des Panamakanals und der Karibik, „Crimson“ Österreich-Ungarn (beendet 1918), „Green“ Mexiko (bis 1945), „Tan“ Kuba, „Brown“ die Philippinen, „Crimson“ Kanada, „Violet“ galt für Bedrohungen aus und in Lateinamerika, „Purple“ war ein Landkrieg in Lateinamerika, der Plan „Ca“ betraf Kolumbien, „Va“ Venezuela, „Bl“ Brasilien, „Ci“ Chile und der (Emergency Plan) „White“ betraf innere Unruhen.

Alle Pläne umfassten drei Phasen: (a) Defensivphase, (b) Offensivphase und (c) Direktangriff gegen den Feindstaat durch Seekrieg, Küstenbeschießungen, U-Boot-Operationen und Angriffe zu Land und aus der Luft. Ergänzt wurden diese Maßnahmen durch Wirtschaftsblockaden. Der Emergency Plan „White“ war notwendig, nachdem die Armee im Jahre 1919 schätzte, dass es in den USA rund 320.000 „Rote“, Radikale und Anarchisten geben könnte, dazu 915.000 Sozialisten, 43.000 radikale Gewerkschaftsmitglieder, und - so die Annahme - 2,5 Mio. gewaltbereite „Negroes“ und 100 kommunistische Frontorganisationen. „White“ wurde aufgrund diverser Gesetze und Executive Orders bis 1945 vom FBI, Secret Service, militärischen Nachrichtendienst und dem U.S. Postal Service mit Hilfe zahlreicher Organisationen abgewickelt.[10]) (Ähnliche innere Maßnahmen ordneten später Präsident Nixon und nach „9-11“ der Kongress im Rahmen des Patriot Act 2001 an, der nun von Präsident Obama erneut verlängert wurde.)

 

War Plan „Orange“

Der wichtigste Plan war von 1900 an „Orange“, der eine Folge der ersten geopolitischen, geostrategischen Überlegungen betreffend Ostasien und den Westpazifik war. Japan versuchte (wie das Deutsche Reich, Großbritannien und Frankreich) Pazifikinseln zu besetzen, was eine direkte Herausforderung für die USA darstellte und dann eine Folge des Krieges von 1898 war, außerdem schürte Japan ab 1908 Aufstände auf den Philippinen (und entsandte sogar Offiziere auf die Inseln); ab 1913 wurde daher mit einem Krieg mit Japan gerechnet. Am Naval War College (gegründet 1884) wurde unter Alfred T. Mahan ein Fall „Blue-Orange“ bearbeitet. Der erste Plan war 1914 fertig; es gab ab 1920 auch die Kombination „Orange-Grey“ unter Einbeziehung von Hawaii und Japan. „Orange“ wurde fast jährlich modifiziert (War Operating Plans O-1 bis O-46, 1941). Der Plan „Orange“ war primär ein von der Westküste über Hawaii und den Westpazifik vorgetragener und in Phasen und Stufen unterteilter Seekrieg; die Armee war für die Verteidigung der Philippinen, von Hawaii, Guam, Alaska und der Westküste zuständig, zuletzt für die Eroberung bzw. Okkupation Japans. (Was MacArthur nicht wusste, war der Entschluss der Navy im Jänner 1942, die exponierten Philippinen nicht zu entsetzen.)

 

Die Rainbow-Pläne

Die Entwicklung erzwang ab Sommer 1939 diese Pläne weitgehend zusammenzufassen, die man „Rainbow Plans“ bezeichnete, es galt auch vermehrt gemeinsam zu planen: Es gab fünf solcher Pläne, die das Joint Planning Committee ausarbeitete, nämlich „Rainbow 1“, der den Schutz der gesamten westlichen Hemisphere behandelte, auch „Fortress America“-Plan genannt. „Rainbow 2“ war „Rainbow 1“ plus Westpazifik (Holländisch-Indien, Singapur, Indochina) und umfasste auch Teile von „Orange“. „Rainbow 3“ war „Rainbow 1“ unter Einschluss des Navy Basic War Plan 43 für den Westpazifik und von Plan 46 für den Zentralpazifik (verfasst von einem Stab unter Cpt Kelly Turner). „Rainbow 4“ umfasste „Rainbow 1“ plus Lateinamerika (v.a. Brasilien), den Ostatlantik, auch „Hold America“-War Plan genannt. Der Plan „Rainbow 5“ war „Rainbow 1“ plus Atlantik, Afrika und Europa, ebenfalls verfasst von Kelly Turner. Mit dem Ausbruch des Krieges in Europa 1939 wurden diese Päne laufend modifiziert, waren zunächst Seekriegspläne plus Entsendung von Armeekräften. Die Armee begann für eine Operation in Europa (in Anlehnung an 1917/18) mehrere Pläne für einen alliierten Landkrieg auszuarbeiten. Trotzdem wurde von der Navy „Orange“ von 1942 bis 1945 weiterhin bearbeitet und phasenweise auch umgesetzt.

 

Plan D und Rainbow 5

Ende Jänner 1940 kam es zu den amerikanisch-britischen ABC-Stabsgesprächen unter dem Germany First-Diktum, die sich bis März hinzogen. Admiral Leahy legte daher 1940 Roosevelt drei weitere Kriegspläne vor: Plan A deckte sich mit dem War Plan 42, der von einem Defensivdispositiv ausging, B und C sahen Abstufungen für ein Eingreifen in Europa oder im Pazifik vor, und Plan D bestimmte eine Defensive im Pazifik und eine Offensive im Atlantik zur Unterstützung der Royal Navy. Roosevelt wählte Plan D, der nun die Neubearbeitung von „Rainbow 5“ bestimmte. Es ging primär um Pläne für die „Rückeroberung Europas“, und dies bedeutete im Pazifik die Abänderung von „Rainbow 5“ zum Plan A-2 und für den Atlantik des hiezu relevanten Teils. Admiral Harold R. Stark verstärkte im Rahmen des Plans D die Flotte im Atlantik, was nach dem Fall Frankreichs auch geboten schien.

Präsident Roosevelt verlegte Mitte 1940 den Flottenschwerpunkt dennoch in den Pazifik, weil die Royal Navy, so die Annahme, den Atlantik sichern konnte. Dann kam es zur Verlegung von Schlachtschiffen von den Stützpunkten an der Westküste nach Pearl Harbor, obwohl die Admiralität dies mangels ausreichender Luftverteidigungskräfte in Hawaii als riskant betrachtete. Roosevelt unterschrieb im Juli 1940 den Naval Expansion Act (auch „Two Ocean Navy Act of 1941“ bezeichnet), der ein umfassendes Schiffbauprogramm für das nächste Budgetjahr einleitete.

Das strategische Konzept war logisch: (a) Schwerpunkt im Atlantik, gleichzeitig (b) ein klares politisches Signal an Japan durch Vorschieben von schweren Einheiten nach Hawaii.

Somit wurde „Rainbow 5“ (Neu) nach den Vorgaben des ABC-1 Staff Agreement vom März 1941 zum „Army-Navy Joint Basic War Plan“ (JBWP), der von Präsident Roosevelt im August 1941 in Kraft gesetzt wurde. Damit gab es von der Politik eine klare Vorgabe. King bestand trotz der „Europe First“-Entscheidung immer wieder auf einen maritimen Schwerpunkt im Pazifik und forderte eine ausgewogene Kräfteverteilung in beiden Ozeanen. Im Juni 1941 besetzten amerikanische Truppen Island und Grönland, im Pazifik Noumea, um den Weg nach Australien zu sichern.

 

Luftkrieg

Im Mai 1939 wurde das Army Air Corps in die Planungen einbezogen, und dieses sollte drei Aufgaben erfüllen: (a) Abwehr von Schiffen auf See (in Anlehnung an Fortress America), (b) die Luftverteidigung Nordamerikas, (c) Luftangriffe gegen Europa und Japan/Asien mittels Langstreckenbombern. Dies führte zum Bau der B-17 sowie der B-24 und 1941/42 zur Einleitung der Entwicklung der neuen Langstreckenbomber B-29 und B-32. Die Idee der Luftkriegsplaner von Arnold abwärts war „Victory through Air Power.“ Strategischer Luftkrieg war Wirtschaftskrieg: Wenn die Funktion eines Staates ein dichtes, delikates und angespanntes Netz darstellt, waren Bomber die ideale Waffe, um dieses Netz zum Einreißen zu bringen.

Col. Carl Spaatz vom Army Air Corps präsentierte 1940 einen Plan für eine Luftoffensive gegen Japan, es fehlte aber noch eine ausreichende Zahl an Langstreckenbombern. Da im Juli 1942 Präsident Roosevelt den Bau von 50.000 Flugzeugen verkündet hatte, davon 25.000 Einsatzmaschinen plus 2,16 Mio. Mann für das Army Air Corps, und dafür 500 Mio. USD vom Kongress erhielt, wurden weitere Pläne für die Luftoperationen ausgearbeitet. Der bedeutendste war der Plan, den Col. Haywood Hansell mit seinem Stab als „Air War Plan 1“ vorlegte und der eine Luftoffensive gegen das Deutsche Reich vorsah: 6.600 Bomber (Verluste eingerechnet) und 2.100 Jäger (zur Verteidigung der Bomberbasen) sollten 154 große Ziele vernichten. Falls Großbritannien fiel, mussten die Angriffe nonstop über den Atlantik vorgetragen werden, was zur Einleitung der Entwicklung des schweren Bombers B-36 führte.

Die Navy baute ebenfalls ihre Luftkomponente aus, und ab 1940 wurden 35 große Flugzeugträger (davon bis Ende 1945 27 fertig gestellt) in Auftrag gegeben, dazu rund 12.000 Flugzeuge.

 

Geoökonomie: Kriegsproduktion

Die USA waren bezüglich Importe viel autonomer als andere Staaten, dennoch war man gezwungen, einige Rohstoffe aus Afrika, Lateinamerika und Kanada zu importieren, die Industrie entwickelte aber wie in anderen Krieg führenden Nationen immer mehr Ersatzstoffe. Die Rüstung und auch die Rüstungsproduktion wurden umfassend geplant (Victory Plan). Schließlich mussten die Bedürfnisse von Army und Navy, die Lieferungen an Verbündete und der Zivilbedarf aufeinander abgestimmt werden. Es gab von Mitte 1942 bis Herbst 1945 Rationierungen für Gummiwaren, Autoreifen, Treibstoff, Zucker und Kaffee; die Produktion von PKW wurde 1942 ebenfalls eingestellt.

Die Produktionsplanungen erfolgten einerseits im Industrial College (gegründet 1924 in Washington, so der Industrial Mobilization Plan, ab 1939), andererseits durch eine Vielzahl staatlicher Behörden und diverse staatlich-zivile Ausschüsse, von denen einige bis Herbst 1945 existierten. 16 Mio. Amerikaner trugen zwischen 1940 und 1945 Uniform, und 19 Mio. Frauen wurden zu den 42 Mio. Männern in die Produktion eingebunden.

1944 gingen 40% des BSP in die Kriegsproduktion; in diesem Jahr produzierten die USA mehr Rüstungsgüter als alle anderen Staaten der Welt zusammen. Die USA produzierten zwischen 1940 und Ende 1945 296.000 Flugzeuge, 8.250 Kriegsschiffe, 64.000 Landungsschiffe, 5.400 Transportschiffe, 88.000 Panzer, 200.000 Geschütze, 49.000 FlA-Geschütze, 100.000 Granatwerfer, 600.000 Panzerabwehrwaffen, 19 Mio. Infanteriewaffen, 3 Mio. Maschinengewehre und 2,4 Mio. Militärfahrzeuge. Die Armee plante 1941 die Aufstellung von 215 Divisionen (71 Infanterie-, 61 Panzer-, 16 mechanisierte, zehn Fallschirmjäger- und zehn Gebirgsdivisionen mit je 18.000 Mann; 1943 wurde, nach der Aufstellung von 90 Divisionen, das Auslangen gefunden. Hinzu kamen sechs Divisionen des Marinekorps (Einsatz im Pazifik), das mit seinen Führungs-, Ausbildungs-, Luft- und Logistikanteilen im September 1945 640.000 Mann umfasste. Um das Nachschubproblem zu lösen, wurde eine Push-Versorgung eingeführt: Die Truppen erhielten ihre Versorgungsgüter aufgrund statistischer Berechnungen automatisch zugeführt; es gab daher kaum Engpässe, sieht man von Treibstoff im Herbst 1944 in Europa ab.

 

Geoökonomie: Lend Lease

Zu den wichtigsten Maßnahmen der amerikanischen Regierung gehörte die materielle Unterstützung der Alliierten mit Rüstungsgütern und Rohstoffen; dies führte zwar zu Protesten der eigenen militärischen Führung, aber der rasche Zusammenbruch Frankreichs und eine drohende Invasion Großbritanniens und eine Niederlage der Sowjetunion machten solche Proteste eher irrelevant. Der Kongress stimmte 1941 (die USA befanden sich noch nicht im Krieg) aus Gründen „der strategischen Interessen Amerikas“ für den Lend Lease Act. Dieser führte bis Herbst 1945 zur Lieferung von Gütern im Wert von 25 Mrd. USD (Wertbasis 1945, heutiger Wert etwa das Zwanzigfache), davon gingen 58% nach Großbritannien, 23% an die Sowjetunion, 8% nach Frankreich, 7% nach China; der Rest ging an Kanada, Australien, die Niederlande und Brasilien. Die Lieferungen in die Sowjetunion liefen über Murmansk, Persien oder Alaska. Wie nach dem Ersten Weltkrieg, wurden auch diese Lieferungen von den Empfängerstaaten so gut wie nie zurückgezahlt.

 

Die Kriegsplanungen ab 1942

Geostrategie: Die Organisation der Kriegsschauplätze

Die Umsetzung des Grand Design Roosevelts und der weiteren Kriegführung über zwei Ozeane hinweg hing von fünf Entscheidungen und Kernbereichen ab: politisch-strategische Ziele und deren Priorität, verfügbare Kampftruppen, Seeherrschaft und Seetransport, Luftkriegspotenzial und Logistik, wobei diese alle letztlich von der Industrieproduktion abhängig waren. Im April 1942 wurde unter Admiral King (Commander in Chief U.S. Fleet) der Atlantik in drei Teile (East, West, South) und die Pacific Ocean Area (POA) in drei Führungsbereiche geteilt: Central Pacific Area (CPA, Adm. Nimitz inHawaii, später CINCPAC); Southeast Pacific (SEP) später South Pacific Area (SOPAC, VAdm. Ghormely, später VAdm. Halsey, inNoumea); Southwest Pacific Area (SWPA, Gen. MacArthur inBrisbane, später CINCSOWESPAC). Hiezu kam der Southeastern Pacific (westlich von Südamerika), in Asien das India Burma Theater (USFIBT). Die USA hatten auch ein Kontingent in China (USFCT), das von LtGen Stilwell, dann von LtGen Wedemeyer geführt wurde. Es gab in jedem Bereich auch Kommanden für die See-, Army-, Air- und Marinekorps-Kräfte, und jeder Führungsbereich war in weitere regionale Subbereiche unterteilt.

In Europa wurden die US-Streitkräfte dem European Theater of Operations (ETO), ab 1944 unter dem Supreme Headquarters Allied Expeditionary Forces (SHAEF, unter General Eisenhower) unterstellt, das in mehrere Teile zerfiel (Land, Luft, See, Afrika-Mittlerer Osten, Mittelmeer, Italien), die teilweise auch britische Führungsbereiche wurden.

Die Joint Chiefs of Staff begleiteten Roosevelt zu den Konferenzen nach London, Casablanca, Quebec, Teheran etc., entsandten von Zeit zu Zeit hochrangige Offiziere zu den Befehlshabern, um diese über die Entwicklungen und Entscheidungen zu informieren, besuchten aber nie General MacArthur.

 

Pazifik

In den USA hatte 1941 die Verteidigung der Westküsten (Western Sea Frontier) und von Hawaii höchste Priorität. Die USA begannen zwar im Rahmen von „Orange“ und „Rainbow 3“ ihre Truppen auf den Philippinen zu verstärken, doch nicht in dem von MacArthur verlangten Umfang und Tempo, weil man auch die Westküste, Alaska, Hawaii, Guam, Wake und Midway verstärken musste. Japan hatte auf vielen Inseln ein umfangreiches Agentennetz aufgebaut und wusste über amerikanische Bewegungen gut Bescheid. Man meinte sogar, die Verlegung von B-17-Bombern nach Clark Field (bei Manila) hätte auf japanische Ambitionen eine abschreckende Wirkung.

Durch den Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 veränderte sich die geopolitische Lage: Die USA waren nun Kriegspartei. Durch die Siege im Korallenmeer und bei Midway wie auch durch die Vertreibung der Japaner aus den Aleuten verlor Japan binnen Monaten die Fähigkeit für weitere Offensivoperationen im Zentralpazifik. Die militärischen Operationen umfassten (gem. „Orange“) 1941 im Rahmen von „Step One“ die Besetzung von Bora Bora, Tonga, Samoa, Tulagi, Santa Cruz und nunmehr zusätzlich Truppenverlegungen nach Australien; „Step Two“ verlangte die Eroberung der Salomonen (Plan „Elkton“), von Neu-Guinea, New Georgia und von Guadalcanal (Plan „Cactus“); die neue „Task Three“ erforderte die Eroberung aller Räume südlich der Philippinen, somit von Sumatra, Borneo und Formosa. Der Plan „Cartwheel“ betraf die Sunda-Inseln und Guadalcanal, Plan „Watchtower“ die Salomonen und Tulagi, „Cleanslate“ die Russell Islands und „Reckless“ Hollandia. Diese Operationen sollten die USA näher an die Philippinen heranbringen. Die USA besetzten in weiterer Folge fast alle Inseln im Süd-Pazifik. Die japanische Basis Rabaul wurde umgangen, und mit der Einnahme der Andamanen („Buccaneer“), von Los Negros („Brewer“) und mit der Offensive in Burma und in Südchina („Champion“) ging man an die Vorbereitung weiterer Operationen in Richtung Japan. Im Zentralpazifik wurde 1943 festgelegt, in Richtung Gilbert-, Ellis- und Marshall-Inseln vorzustoßen („Galvanic“) und 1944 Makin, Tarawa, Kwajalein und Eniwetok zu besetzen („Flintlock“, „Catchpole“), ebenso Truk („Hailstone“), Formosa („Causeway“) und Südost-China („Granite“), um dort Luftbasen einzurichten. Obwohl zunächst Nimitz den geraden Weg Richtung Japan ging, war es dann MacArthur, der sich über die Philippinen dem Kaiserreich annäherte.

Der Krieg im Pazifik wurde mit äußerster Brutalität samt rassistischen Untertönen geführt,[11]) dabei auch auf eigene Kräfte oft wenig Rücksicht genommen; es war ein typischer unversöhnlicher Kulturkampf. Hinzu kam, dass sich die Japaner nicht an die Haager Abkommen hielten, auch was die alliierten Kriegsgefangenen betraf. Japanische Soldaten töteten oft aus rassistischen Gründen - allein auf Luzon 100.000 Zivilisten und in China rund eine Million Chinesen -, Selbstmord zogen diese oft der Gefangennahme vor. Dies führte auch zu einer festen Entschlossenheit, die Japaner physisch zu vernichten. Bei der Verabschiedung von LtGen Robert Eichelberger (Kommandant 8th Army) vor der Buna-Operation (November 1942) sagte MacArthur, der sich als ein von Gott auserwählter Retter des Abendlandes sah: „If you capture Buna I award you the Distinguished Service Cross. Go out there Bob, take Buna or don’t come back alive. And this goes for your chief of staff Clovis, too.“ Admiral Nimitz gab im Herbst 1944 dem Kommandanten der 3rd Fleet, Admiral Halsey, den Auftrag: „Engage Japanese forces and annihilate them“. Wie Halsey seine 14 schweren Flugzeugträge, sieben Schlachtschiffe, 21 Kreuzer und 60 Zerstörer einsetzte, war ihm überlassen, auch, ob er mit 1.200 Träger-Lufteinsätzen pro Tag Luzon angriff oder einige Tage später Ziele auf Formosa. Bemerkenswert war nicht nur die Inkaufnahme hoher Verluste des Marinekorps, sondern auch die Zerstörerverluste nördlich von Okinawa.

MacArthur sah in der Achse Neu Guinea-Mindanao die beste Annäherung an die Philippinen, zunächst in Form der Einzelpläne („Reno“ I bis V, „King“ und „Musketeer“ I bis III). Im Oktober 1944 begann MacArthur mit der Landung in Leyte („King II“), die Philippinen zurückzuerobern. Die Kämpfe um Luzon („Mike I-VII“, Lingayen-Luzon-Cebu-Panay) zogen sich dann bis in den Sommer 1945 hin.

Amphibische Operationen (es gab im Pazifik rund 100) erforderten umfassende Detailplanungen für Anmarsch-, See-, Luft-, Landkriegs- und Versorgungsabläufe, die ihrerseits wiederum umfangreiche Detailpläne und Befehle auslösten. Die perfekt organisierte Versorgung über See mit Tankern, Munitionstransportern, Kühlschiffen, Reparaturschiffen, Schleppern, Sanitätsschiffen etc. (Service Force Pacific Fleet unter VAdm William L. Calhoun) bereitete dank der vorhandenen Seetransportmittel kaum Probleme. RAdm Augustine Gray war der „oil king of the Pacific“. Als Halsey im September 1944 vorschlug, aufgrund der Lageentwicklung in Palau statt über Morotay und Yap nach Mindanao vorzugehen, sofort das nur schwach besetzte Leyte und danach Luzon anzugreifen, war dieser Vorschlag binnen Stunden auf dem Tisch von King, Nimitz und MacArthur und wurde dann von Roosevelt umgehend genehmigt; er hatte zur Folge, dass die Landung auf den Philippinnen zwei Monate früher eingeleitet wurde, was eine rasche logistische Umplanung erforderte. Die nachfolgenden See- und Luftoperationen um die Philippinen umfassten fast 600 Schiffe in einem Gebiet von rund 4 Mio. km2. Beurteilungsfehler auf beiden Seiten führten zur Schlacht in der San Bernadino-Straße und zu einem Ausscheren der 3. Flotte unter Adm. Halsey und zum unerklärlichen Rückzug der Japaner.

Die Eroberung von Iwo Jima („Detachment“, 50.000 Mann amerikanische Gesamtverluste) wies in die Richtung fanatischer japanischer Gegenwehr. Die Eroberung von Okinawa („Iceberg“) umfasste dann auch 1.213 Schiffe, davon 318 Kampfschiffe (40 Flugzeugträger, 18 Schlachtschiffe), band insgesamt rund 548.000 Mann; 434 Transportschiffe mit 14.000 Mann Besatzung transportierten 183.000 Mann Kampftruppen und 750.000 Tonnen an Versorgungsgütern; die amerikanischen Verluste betrugen 75.400 Mann, 34 Schiffe und 800 Flugzeuge. 368 Schiffe wurden beschädigt, mit Masse durch Kamikaze-Angriffe. Die Verluste der Japaner waren beträchtlich und betrugen 111.000 Gefallene (auf der Insel überlebten nur 7.400 Mann) und 7.700 Flugzeuge; dazu kamen rund 100.000 zivile Tote.

Der Krieg im Pazifik war ab 1944 primär strategischer Seekrieg zur Ermöglichung des strategischen Luftkrieges. Die Eroberung von Tinian, Guam und Saipan diente der Stationierung von rund 600 B-29-Bombern auf fünf großen Flugplätzen, und die Eroberung von Iwo Jima brachte diesen Bombern einen wichtigen Notlandeplatz und Japan den Wegfall der wichtigsten Radarstation für die Frühwarnung. Die Flugplätze hatten klimatisierte Speisesäle, einen eigenen Bus-Shuttledienst, Treibstoffdepots, ein rechtwinkeliges Straßennetz, Kinos etc. (Wichtige Wetter-Informationen für die amerikanischen Bomberoperationen über Japan lieferte auch Mao Zedong, damals Verbündeter der USA, der das maßgebliche Wetter über Nordchina oft persönlich zu Le May nach Guam funkte.) Eher atypisch war die bewusste Inkaufnahme hoher Verluste bei den amerikanischen Zerstörern im Sommer 1945 um Okinawa.

Die U-Boot-Offensive gegen Japan („Barney“) war eine erfolgreiche strategische Operation, die im Sommer 1945 Japans Schiffverkehr zum Erliegen brachte. 1945 kam es zu den letzten Planungen für die Eroberung Japans unter dem Plan „Victory“, später „Downfall“; MacArthur hatte den Plan „Blacklist“ ausarbeiten lassen und Nimitz den Plan „Campus“. „Downfall“ sah ein zweimonatiges Bombardement der Küsten und militärischen Einrichtungen, die Abriegelung aller Inseln durch U-Boote und ein Aushungern der Städte vor, dann 31 amphibische Landungen in zwei Pakten: „Olympic“ im November 1945 auf Kyushu mit 14 Divisionen und „Coronet“ im März 1946 mit 22 Divisionen, vorgetragen von 3.000 Schiffen und 3.000 strategischen Bombern. Aus Europa wurden 470.000 Mann in den Pazifik verlegt, und die Bereitstellungen sollten in Hawaii, Guam und Okinawa erfolgen. In Japan wurde vom Militär eine massenhafte Opferung der Zivilbevölkerung vorbereitet. Durch die beiden A-Bomben kapitulierte Japan aber am 16. August 1945.

 

Atlantik, Europa

Mit der Arcadia-Konferenz in Washington vom Dezember 1941 bis Jänner 1942 gab es Entscheidungen über den weiteren Kriegsverlauf. Im April 1942 flogen Marshall, Harry Hopkins, Wedemeyer und andere Offiziere nach Großbritannien, um im Rahmen des American-British Joint War Plans Committee (JWPC) die weitere Vorgangsweise zu besprechen. Field Marshal Sir Alan Brooke bemerkte 1942/43, dass weder Marshall (ausgezeichneter Organisator) noch Eisenhower (loyal zu Marshall, zu wenig „innovativ“, „politischer General“) strategisch dachten, Omar Bradley unter „Grand Strategy“ auch Operationsplanung verstand, MacArthur ein überragender strategisch denkender Führer war und im operativ-taktischen Bereich nur George S. Patton genial war.[12])

Die Planungen für eine Rückeroberung Europas begannen mit der Eroberung von Nordafrika (Pläne „Gymnast“, „Rooftree“, zuletzt „Torch“). Schon 1941/42 untersuchte man Landungen in Frankreich „Bolero“ (1942), „Sledgehammer“ (1943) und „Roundup“ bzw. „Roundhammer“. Die Einnahme von Sizilien („Husky“) im Juli 1943 öffnete Italien über die Landungen bei Salerno („Avalanche“, Oktober 1943) und bei Anzio-Nettuno („Shingle“, Jänner 1944). Churchill erkannte immer stärker das Problem eines sowjetischen Vorstoßes nach Mitteleuropa, womit die britische Geopolitik und jene Stalins kollidierten, was Roosevelt lange Zeit nicht verstand. Das JWPC entschied sich 1943 endgültig für eine Landung in der Normandie („Overlord“, „Neptune“), doch war lange Zeit unklar, wer das Kommando bekommen sollte: Alan Brooke, Marshall oder Eisenhower? Die Entscheidung fiel erst im Spätherbst 1943. Die Landung erfolgte dann am 6. Juni 1944, gefolgt von einer Landung in Südfrankreich („Anvil“, „Dragoon“) im August 1944.

Für den Landkrieg in Europa galt, dass die Chiefs of Staff die politische Strategie umsetzen sollten, Eisenhower diese koalitionär militärstrategisch umsetzen musste, die Armee-Ebene im Rahmen von Operationen (Campaigns) die „Schlachten“ zu „nähren“ und die Ziele im Sinne der Gesamtabsicht festlegen mussten und die Korps die Richtung und Versorgung sicherzustellen hatten. Alles vom Korps abwärts war Greater Tactics oder Taktik. Daher gab es auch nie eine eigene „Army Strategy“.

Im Atlantik war Seekrieg in erster Linie ein Kampf gegen die deutschen U-Boote, den Admiral Ingersoll erfolgreich organisierte, dann die Durchführung der Landungen in Afrika und im Mittelmeer, zuletzt die Invasion in der Normandie. Die U-Boote bekämpfte man mit umfangreichen Gegenmaßnahmen (Geleitzüge, Flugzeuge, U-Boote, Hunter Killer Groups); diese „Battle of the Atlantic“ wurden von der 1943 geschaffenen 10th Fleet und in der Eastern Sea Frontier (Atlantik) und Caribbean Sea Frontier durchgeführt.

 

Strategischer Luftkrieg

Nach dem rein amerikanischen Luftkriegsplan AWPD-1 wurde im September 1941 eine gemeinsame amerikanisch-britische Luftoffensive gegen das Deutsche Reich und die besetzten Gebiete geplant. Dieser Plan wurde dann erweitert zum AWPD-42. Die Ziele mit erster Priorität waren die Flugzeugindustrie, U-Boot-Basen, das Transportsystem, die Stromversorgung, Motoren- und Gummi-Produktion. Dazu kam, dass der Luftkrieg völkerrechtlich nicht geregelt war, daher auch Städte zulässige Ziele waren.

Luftangriffe waren nach Douhet und den anderen Luftkriegstheoretikern ein Mittel zur Brechung der feindlichen Moral und zur Zerstörung der Kriegswirtschaft. Daher unterschied man zwischen Area Bombing und Precision Bombing, in der Durchführung waren aber beide fast identisch, ihr Ziel war die Beschleunigung der bedingungslosen Kapitulation. Und dann gab es die Forderung, „the capacity for armed resistance must be fatally weakened“. Damit wurde der klassischen Geostrategie eine Luftkomponente hinzugefügt, die man erneut als kriegsentscheidend ansah. Durch die Konferenz in Casablanca (Trident) im Jänner 1943 kam es zur Klärung der weiteren Strategie; die Bomber-Offensive sollte den Weg für eine Invasion Europas unterstützen. Der vom Hansell-Plan abgeleitete Luftkriegsplan „Argument“ vom November 1942 konzentrierte die Angriffe der Bomberverbände auf die deutsche Luftfahrtindustrie und begann im Februar und März 1943 mit den „Big Week“-Angriffen gegen Schweinfurt, Regensburg, Fürth und Augsburg. Ziele mit Priorität waren die U-Boote, Öl- und Treibstoffindustrie, das Transportwesen, die Leichtmetallherstellung (Aluminium, Magnesium), insgesamt 14 Zielgruppen (Plan „Pointblank“).

MacArthur erfasste 1943 die Bedeutung des Flugzeuges als strategische Waffe im Seekrieg: „The control of the sea no longer depends ... primarily on naval power, but upon air power operating from land bases held by ground troops.“ [13])

Das entsprach der Meinung von William „Billy“ Mitchell und von Col. Le May, als er den B-17-Bomber im Mai 1938 als „intercepting weapon“ gegen feindliche Schiffe ansah, die sich Nordamerika annähern würden. Und Haywood Hansell erhielt 1944 von General Arnold für die B-29-Bomberoffensive im Pazifik den Auftrag: to inflict progressive destruction and dislocation of Japanese military, industrial and economic systems and to undermine the morale of the Japanese people [14])

Die Army Air Forces (USAAF) waren ab 1943 innerhalb der Army weitgehend autonom und die strategischen Bomberverbände (8th und 20th Air Force) bei der Abwicklung der Strategic Bombing Campaign wiederum autonom innerhalb der USAAF. Das deutsche Reichsgebiet sah ab Februar 1944 nun tägliche Angriffe von mehreren hundert, fallweise von bis zu 1.000 Bombern, aber noch immer mit erheblichen Verlusten durch Jäger und FlaK. Letztlich kam es zur Zerstörung fast aller deutschen Städte, was rund 500.000 Tote zur Folge hatte. Damit wurden die Luftoperationen gegen das Deutsche Reich und gegen Japan Ende 1944/45 weiter ausgeweitet.

Die Operation „Matterhorn“ vom Mai 1943 sah B-29-Angriffe von China aus vor, jedoch mussten die Bomber von Ceylon und Kalkutta über den Himalaja verlegt werden, was sich als zu aufwendig herausstellte. Daher wurden nach der Eroberung von Guam, Saipan und Tinian („Forager“) B-29-Bomber dorthin verlegt. Luftangriffe gegen Japan wurden in der Nacht durchgeführt, und man benutzte Radars für die Zielsuche. Bei einem einzigen Angriff gegen Tokio mit Brandbomben wurden 84.000 Menschen getötet, eine Million wurde obdachlos. In Japan gab es rund 850.000 Tote durch diese Luftangriffe, als Bomber vom Typ B-29 massiv zum Einsatz kamen, abgeschlossen durch zwei Atombomben gegen Hiroshima und Nagasaki. B-29-Bomber verminten auch die Gewässer zwischen den japanischen Inseln (Operation „Starvation“).

 

Geopolitik, Strategie und Zweiter Weltkrieg

Der Zweite Weltkrieg war ein Krieg ohne strategische Theorien oder ein Theoretisieren über Strategie. Dort wo man Theorien einbrachte, etwa im Luftkrieg, erwiesen sie sich als undurchführbar und fehlerhaft. Viele Autoren meinten, es war anfangs Churchill, der die USA strategisch in Richtung „Germany First“ festlegen konnte, doch ab Herbst 1943 bestimmten die USA die Strategie und Abläufe. V.a. die drohenden Niederlagen Großbritanniens und dann der Sowjetunion zwangen zum Handeln in Europa, so wie die drohende Niederlage Chinas ein Handeln in Burma und im Pazifik erzwang.

Die britische Absicht war die Einkreisung Deutschlands durch die Landungen in Afrika und dann im Mittelmeer, mit dem gleichzeitigen Halten Großbritanniens im Westen und der Sowjetunion im Osten. Das Deutsche Reich hatte die strategisch vorteilhafte innere Linie, sie wurde jedoch durch den Druck der sowjetischen Vorstöße und durch die strategischen Luftangriffe gegen das Zentrum bedeutungslos. 1945 standen die USA mitten in Europa und kontrollierten die ostwärts gelegene eurasische Gegenküste. Die Einkreisung Japans wiederum erfolgte durch die Offensiven im Zentral- und Südpazifik, durch das Halten von Australien und die Offensiven in Burma und China; es kam zur Wegnahme der inneren strategischen Linie durch Vernichtung der japanischen Flotte, Abschnüren der Kommunikationslinien durch Task Forces und U-Boote und strategische Luftangriffe gegen Japans Städte.

Viele Autoren meinen, der Krieg der Alliierten sei durch die amerikanische Industrie und geniale Produktionsplanung („Victory“-Plan) gewonnen worden. Egal, wie viele Fehler man strategisch gemacht hätte, sie wären kaum ins Gewicht gefallen, die materielle Überlegenheit glich alles aus. Andere meinten, der Krieg wäre Ende 1946 vorbei gewesen, auch ohne Atomwaffen (die für Deutschland vorgesehenen Atomwaffen fielen auf Japan). Bemerkenswert ist auch, dass MacArthur auch die politische Kapitulation Japans entgegennahm, vor den versammelten Militärs, aber ohne Repräsentanten aus Washington.

1945 standen die USA an den eurasischen Gegenküsten und waren die einzige Macht, die ohne Schäden den Weltkrieg führen und siegreich beenden konnte, für sie wurde bereits 1944 der Begriff „Superpower“ geprägt. Die europäischen Mächte waren marginalisiert und schlossen sich mit den USA in der NATO zusammen.

Die Sowjetunion versuchte zwar, in mehreren Anläufen bis Mitte der 1970er-Jahre auf die USA aufzuholen, scheiterte aber an ihrem Unvermögen, Rüstung und Zivilgüterproduktion vernünftig aufeinander abzustimmen, und war um 1980 eine gigantische Konkursmasse. Mit dem Zerfall der Sowjetunion blieben die USA als einzige globale Hegemonialmacht zurück.

 

Kriegspläne nach 1945: Globaler Krieg gegen den Kommunismus

Die Navy war gegen die 1945 vorgeschlagene Schaffung eines gemeinsamen Defense Department, was Truman und den Kongress gegen die Navy aufbrachte, und der Forrestal-Eberstadt-Kompromiss für den National Security Act 1947 konnte zumindest den Streit um Einfluss und Verantwortlichkeiten schlichten.

Bei den nach 1945 entwickelten Kriegsplänen wurde zwischen sofort umzusetzenden Emergency Plans und den für längere Zeithorizonte vorgesehenen Longterm Plans unterschieden. Die längerfristigen Pläne wurden auch von Rüstungsplänen begleitet, wobei oft Pläne parallel entwickelt wurden. Army und Navy stimmten ihre Planungen stärker aufeinander ab, nur das Strategic Air Command (SAC) plante seine Luftoffensiven weitgehend autonom. Massive Luftangriffe mit Bomber-Pulks waren in den Kriegsplänen von 1946 bis 1949 noch vorgesehen gewesen, verschwanden dann aber zunehmend aus den Überlegungen.

Der erste konventionelle Kriegsplan eines globalen Krieges war der Joint Basic Outline War Plan „Pincher“ (1946); dieser bildete dann die Grundlage für alle weiteren „großen“ Pläne und für die zahlreichen regionalen Kriegspläne. „Pincher“ ging auch von einer Reihe möglicher Kriegsgründe aus (Naher Osten, Mitteleuropa, Türkei). Man nahm in Washington an, die Alliierten würden sich rasch auf eine gemeinsame Politik und Strategie unter Führung der USA einigen.

Der erste Kriegsplan, der im Zuge eines globalen „long war“ den Einsatz von A-Waffen bereits fix vorsah, war „Broiler“ (1947/48). Das Joint War Planning Committee (JWPC) hatte noch eine volle Mobilmachung in den USA und bei den Verbündeten (die sich bereits weitgehend mit den NATO-Mitgliedstaaten von 1949 deckten) vorgesehen. Da es jedoch erkennbar war, dass in Europa solche Mobilmachungen kaum zeitgerecht erfolgen würden und die sowjetischen Truppen Westeuropa konventionell überrennen könnten (Phase I), war es klar, dass man einen solchen Angriff vermutlich erst in den Pyrenäen oder am Apennin aufhalten konnte. Die Rückeroberung (Phase II) erfolgte dann mit Atomwaffen gegen sowjetische Städte, wobei man 70 Städte („70 Cities Plan“, später erweitert auf 102 Städte) mit 133, dann mit mehreren hundert A-Waffen zerstören würde. „Broiler“ wurde dann in den nächsten drei Jahren modifiziert. Es folgten „Frolic“ (1948), „Charioteer“ (1947, samt der erforderlichen militärischen und industriellen Mobilmachung, Planungshorizont 1955), „Bushwacker“ (1948, erwarteter Kriegsausbruch 1952), der eine bessere Einsatzbereitschaft amerikanischer Kräfte voraussetzte, was v.a. das SAC betraf. Die Forderung nach mehr A-Waffen und Bombern kam von den Generalen der U.S. Air Force wie Hoyt S. Vandenberg, Nathan F. Twining, Thomas D. White und vom Kommandanten des Strategic Air Command, Curtis E. Le May und dann von Gen. Power.

Nachdem die Sowjetunion am 28. August 1949 eine Atombombe erfolgreich getestet hatte und mit dem Bomber Tu-4 (weitgehend eine Kopie des Bombers B-29) auch ein Bomber verfügbar war, der zumindest Ziele in Europa und Asien erreichen konnte, mussten die amerikanischen Kriegspläne diese strategische Veränderung einplanen. Nunmehr wurden vermehrt militärische Ziele in die Ziellisten aufgenommen, auch Einrichtungen zur Herstellung von Atomwaffen. Der erste grundsätzlich neu verfasste Plan war „Offtackle“ (1949)[15]), der bereits die WEU/NATO vorwegnehmend berücksichtigte.

 

Regionalisierung der Welt: Die Combatant Commands

Die territoriale Kommandoaufteilung der Streitkräfte zwischen 1940 und 1942 wurde im Krieg einige Male abgeändert, in der Operations Division spiegelten sich die Regionalkommanden wider, so für die Kriegsschauplätze Atlantik, Nordamerika, Karibik, Afrika, Naher Osten, Europa, Asien-Pazifik und südwestlicher Pazifik. Aus diesen entwickelten sich 1946/47 die Führungsbereiche Fernost/Westpazifik (WESTPAC), Pazifik (PACOM), Continental Command (USA), Atlantik (LANTCOM, dann ACOM) und Europa (EUCOM, neu strukturiert 1952), ergänzt durch Kommanden in Alaska, Panama und der Karibik. Als 1947 die U.S. Air Force gegründet wurde, schufen die Teilstreitkräfte innerhalb dieser Führungsbereiche ihre Teilstreitkraftkommanden. Mit der Gründung der NATO wurden die Führungsgrenzen im Atlantik abgeändert, und das Kommando in Panama wurde zum Southern Command (SOUTHCOM, ab 1963).

Durch den Department of Defense Reorganization Act of 1958 wurden die Kompetenzen dieser Unified Commands erweitert. 1962 wurde das Army Strike Command (STRICOM) gegründet, dass 1972 zum Readiness Command (REDCOM) wurde. Jedes dieser Kommanden hat einen General oder Admiral an der Spitze. Des Weiteren erfolgte eine Trennung in Unified Commands (mit Geographic Areas of Responsibility) und Specified Commands mit übergreifenden Aufgaben, so das Air Defense Command, SAC, Military Air Transport Command, dann Airlift Command, seit 1986 Transportation Command (TRANSCOM).

Es kam 1983 zur Gründung des U.S. Central Command (CENTCOM), und der Unified Command Plan (UPC, der erste Plan stammte aus dem Jahr 1946) wurde nun alle zwei Jahre überarbeitet. Durch den Goldwater Nichols Department of Defense Reorganization Act of 1986 erhielten diese Kommanden mehr Rechte, aber auch mehr Aufgaben, etwa im Zusammenhang mit regionalstrategischen Planungen (Contingency Planning).[16]) Kommanden mit Kampfaufgaben wurden nun Combatant Commands bezeichnet. 1987 wurde das Special Operations Command (SOCOM) gegründet. 1992 wurde das SAC aufgelöst, dessen Bomber an das neue Air Combat Command gingen, und die ICBM an das Air Force Space Command und die anderen strategischen Aufgaben an das Strategic Command (STRATCOM). 1999 wurde das Joint Forces Command gegründet (JFCOM), nun eine Kombination von ATCOM und des NATO-Kommandos Atlantik und für die Transformation der US- und NATO-Streitkräfte zuständig. 2002 wurden erneut umfangreiche Änderungen vorgenommen: Nordamerika wurde zum NORTHCOM (Peterson AFB, CO), Ausdehnung bis zur Arktis und auf ganz Mexiko, die Bereiche PACOM und SOUTHCOM bis zur Antarktis erweitert, der gesamte Ostatlantik ging zu EUCOM, das Weltraumkommando (SPACECOM/ STRATCOM) wurde für die Frühwarnung zuständig. 2007 wurde USAFRICACOM gegründet, nahm Ende 2008 seine Arbeit auf und ersetzte das bis dahin auch für diesen Kontinent zuständige EUCOM. 2009 kam es zur Neugründung eines strategischen Kommandos für alle A-Waffenplattformen und Verbände, außerdem zum Cyber Command (CYBERCOM). Ergänzend sei hinzugefügt, dass die regional-globalen Einteilungen des Außenministeriums und der CIA sich mit den Combatant Commands nicht decken.


ANMERKUNGEN:

[1]) Zu den Kriegsplänen vor 1941 siehe v.a. Steven T. Ross: American War Plans 1890-1939. Frank Cass,London,New York, 2002.

[2]) Cole S. Kingseed: Mentoring General Ike, Military Review, Okt. 1990, S.26-30.

[3]) Edward S. Miller: War PlanOrange. The U.S. Strategy to Defeat Japan 1897-1945. Naval Institute Press, Annapolis, MD, 1991.

[4]) Adolf Halfeld: USA greift in die Welt. Verlag Broschek & Co., 3. Auflage, Hamburg, 1941, S.127 und S.215-226.

[5]) Kent RobertsGreenfield: American Strategy in World War II. A Reconsideration. Krieger Publ., Malabar, FL, 1983, S.54-55.

[6]) Dieses war informell, tagte fast jede Woche, aber es wurde nicht Protokoll geführt.

[7]) Zu den Kriegsplänen ab 1941 siehe u.a.: Steven T. Ross: American War Plans 1941-1945. Frank Cass, London, Portland, OR, 1997.

[8]) Fleet Problem-Exercises begannen 1919 und wurden als Seemanöver im Operationsrahmen durchgeführt: Schutz von Hawaii, Verteidigung des Panama Kanals, Verteidigung der Westküste, der Ostküste, von Guam etc. Die beteiligten Kräfte wurden in zwei Parteien (Angreifer, Verteidiger) aufgeteilt. Beim Fleet Problem XIII (1932) nahmen 9 Schlachtschiffe, 7 schwere Kreuzer, 4 leichte Kreuzer, 51 Zerstörer, 21 U-Boote und 3 Flugzeugträger südwestlich von Hawaii teil.

[9]) Siehe zu dieser von vielen Seiten vorgebrachten Kritik u.a.: Carlo D’Este: Patton. A Genius For War. HarperCollins, New York, 1995; Andrew Roberts: Masters and Commanders. HarperCollins, New York, 2009; Russel F. Weigley: The American Way of War. A History ofUnited States Military Strategy and Policy.IndianaUniv. Press,Bloomingtin,IN, 1977. Grundlage für die Ausbildung in Ft. Benning war die gültige Field Service Regulation, Infantry, U.S. Army, 1923 (ab 1939 FM 100-5), mit dem Kernsatz: „Decisive defeat in battle breaks the enemy’s will to war and forces him to sue for peace.“ Es gab keine Ausbildung in „Operational Art“; Gen. George S. Patton übte immer wieder scharfe Kritik an der geistigen Unbeweglichkeit der Armee- und Korpskommandanten, besonders am introvertierten LtGen Hodge, der die First Army führte und eine Fehlbesetzung war.

[10]) Steven T. Ross: American War Plans 1890-1939. Frank Cass,London,Portland  2002, S.121-126.

[11]) Die zum Einsatz kommenden Regimenter der Marinekorps-Divisionen hatten bei jeder dieser Landungen im Schnitt 35% Verluste. Bei der Landung auf Saipan riefen die Matrosen der Truppentransporter im Chor den in die Landungsboote kletternden Marines zu: „Cannonfodder, Cannonfodder“.

[12]) Andrew Roberts: Masters and Commanders. How Four Titans Won the War in the West, 1941-1945,HarperCollins,New York, 2009. Der distanzierte Marshall hatte einen aufrechten Charakter, bei Eisenhower machten sich 1942/43 aber oft Mängel im strategisch-operativen Denken bemerkbar.

[13]) George C. Kenney: General Kenney Reports: A Personal History of the Pacific War. New York, 1949, S.109. Diese Aussage hatte eine scharfe Kritik der Navy zur Folge.

[14]) Zitiert in: Roger Freeman: TheU.S. Strategic Bomber. The Doctrine. The War Plan. Operations againstGermany, Operations againstJapan. Macdonald and Jane’s,London, 1975, S.89-90.

[15]) JSPC 877/59, Briefing of Joint Outline Emergency War Plan (OFFTACKLE). May 26, 1949. Top Secret. In: Thomas H. Etzold, John Lewis Gaddis: Containment. S.324-334.

[16]) Steward K. Archer: The Next Horizon: Air Force Leadership of Geographic Combatant Commands. The Air War College, Air University, Maxwell AFB, AL, 2008; William W. Mendel, Graham H. Turbiville: The CINC’s Strategies: The Combatant Command Process. Fort Leavenworth, KS, 1997.