Idee und Wirklichkeit einer deutschen Guerilla

Der österreichische Krieg 1809 und der „Volkskrieg“ in Deutschland

Martin Rink

 

„Am Anfang war Napoleon“.1) - Und an dessen Anfang stand die Revolution. Beide historischen Großereignisse prägten eine neue Art des Krieges, den „Volkskrieg“.2) Der Krieg und die Bezugnahme auf das „Volk“ kennzeichneten das Vierteljahrhundert zwischen 1789 und 1815. Und dass der Krieg im Namen des Volkes geführt werden solle, blieb bestimmende politische Legitimationsgrundlage militärischen Handelns im 19. und 20. Jahrhundert - nach der bürgerlichen Lesart wohlgemerkt, so wie sie in den liberalen, nationalen, sozialistischen und nationalistischen Bewegungen in den 200 Jahren zwischen 1789 und 1989 gepflegt wurden.

 

Der „Volkskrieg“ im Zeitalter Napoleons

Die Konzeption einer durch „das Volk“ - wer immer das sei - legitimierten Verfügungsgewalt über Militär und Krieg stand den monarchisch-„absolutistischen“ Vorstellungen gegenüber, wie sie spätestens seit dem 17. Jahrhundert zur Leitlinie (proto)staatlichen Handelns geworden war. So wie das friderizianische Preußen das Vorbild für eine „absolutistische“ Verfügungsgewalt über das Militär abgab, so gab das preußische Vorbild der Reformzeit von 1807-1813/14 das Modell des viel beschworenen Bündnisses von Heer und Volk ab. Und wenn es je eine „echte“ Militärreform gegeben hat, dann hat es sie in den Jahren in Preußen gegeben.3) Das preußische Paradigma ist jedoch in mancher Hinsicht irreführend. Hat doch die jüngere Forschung herausgearbeitet, wie sehr der Begriff „Absolutismus“ lediglich eine Zielvorstellung der Herrschenden war, die weit weniger bruchlos in die Praxis überführt wurde. Und so wird auch der „revolutionäre“ Einschnitt der Jahre 1789 oder 1806 den Ereignissen an der Oberfläche gerecht, weit weniger den tieferen Grundstrukturen.4)

Das gilt auch für den „Volkskrieg“; gerade deswegen, weil hiermit ein Thema angeschnitten ist, das sich nicht allein rein militärisch fassen lässt, sondern sich nur im Schnittpunkt von Militär-, Gesellschafts- und Diplomatiegeschichte (und vieler weiterer Disziplinen) fassen lässt. Als wesentlich erscheint hier aber die Veränderung der Semantik in der revolutionären Zeit: Die Aufhebung der Grenze zwischen Innen- und Außenpolitik infolge der Französischen Revolution strahlte aus nach (Nord)Deutschland. Es war ein Weg, der über Spanien und Österreich nach Preußen führte und von da aus in den Gründungsmythos der „deutschen Nation“ einging - letztlich unter dem Adler der Hohenzollern, nicht unter dem Doppeladler der Habsburger. Ohne Österreich wäre dieser Weg freilich inkomplett. Denn erst der Krieg von 1809 wirkte als Katalysator für die „modernen“ - oder wenn man so will „revolutionären“ - Konzeptionen des „Volkskrieges“. Bei all diesen Konnotationen sind indessen die vormodernen Wurzeln zu berücksichtigen.

 

Das Paradigma der Guerilla

In mancher Hinsicht „vormoderne“ Kennzeichen trägt das Paradebeispiel für die vermeintlich „revolutionärste“ Ausprägung des Volkskrieges, die Guerilla.5) Der „Guerillero“ ist ein schillernder Begriff. Seine „Erfindung“ knüpft sich an den spanischen Volksaufstand vom 2. Mai 1808 gegen die napoleonischen Truppen in Madrid. In den folgenden 200 Jahren machten die Begriffe „Guerillero“ und „Volkskrieg“ Karriere. Allerdings war der Krieg in Spanien 1808-1814 kein reiner Volkskrieg; erst die Gemengelage zwischen Staaten- und Bürgerkrieg erklärt seinen neuartigen Charakter. Zum einen reichten seine Wurzeln tief in die innerspanischen Konflikte des Ancien Régime hinein. Zum anderen knüpfte sich an diesen Konflikt das künftige Konzept vom „Volkskrieg“.

Drei Kennzeichen sind entscheidend für die Konzeptionen zum „Volkskrieg“. - Und erst ihre semantische Verknüpfung im napoleonischen Zeitalter erklärt die entscheidende Neuerung dieser Zeit gegenüber der des Ancien Régime. Erstens ging es um die Veränderung der Legitimation der Kriegführung, so wie sie im revolutionären Frankreich stattgefunden hatte: das Volk als Subjekt, nicht als Objekt der Kriegführung. Zweitens ging es um die Mobilisierung des „Bürgersoldaten“ zum aktiven Kampf für „seine“ Sache. Mit diesen beiden Verschiebungen der politischen Semantik - nicht immer der Realität - entstand eine grenzüberschreitende Konfliktlinie, in deren Folge sich die Revolution zum europäischen Bürgerkrieg erweiterte.6) Drittens aber ging es um eine Art der Kriegführung, die von der breiten Masse der Bevölkerung überhaupt ohne längere Ausbildung angewandt werden konnte: den so genannten Kleinen Krieg. Dieser bestand aus den Gefechtsaufgaben der Sicherung der eigenen Truppe, Geländeerkundung, Feindaufklärung sowie dem Verbindungshalten zwischen den verschiedenen Heereskörpern. Weiterhin gehörten hierzu Handstreiche, Überfälle und die Bildung von besonderen Truppenkörpern für Sonderaufträge. Diese letzteren wurden „Detachements“ oder „Parteien“ genannt, ihr militärischer Führer „Parteigänger“ oder „Partisan“.7)

So wie sich in der Phase zwischen 1789 und 1793 die Verknüpfung von politischer Zielsetzung und der Levée en masse zur Leitvorstellung der „revolutionären“ Militärkonzeption erhoben hatte, so vollzog sich in der Zeit zwischen 1807 und 1809 die Konzeption der Massenmobilisierung mit der des kleinen Krieges. Bereits in den eineinhalb Jahrzehnten zuvor war der kleine Krieg zu einer Art militärischem Modethema geworden. Zudem spiegelte es Prinzipien der revolutionären, dann napoleonischen Kriegführung insgesamt wider. Doch galt das für Elemente des kleinen Krieges, nicht für die Gesamtheit dieser Verfahrensweise. In einer just im Jahr 1809 erscheinenden deutschen Neuauflage eines französischen Klassikers zum Thema gab der Übersetzer und Herausgeber dieses Werkes seiner Überzeugung Ausdruck, dass nunmehr gewissermaßen alle Kriegführung „Kleiner Krieg im Großen“ sei.8) Sowohl in der Literatur als auch bei den Offizieren, die eine taktische und innere Reform für nötig hielten, war das Thema en vogue - freilich fehlte es auch nicht an konservativen Gegnern, die meinten, dass allein die geschlossene Truppenformation den Sieg verbürge. Auf ihre Weise hatten beide Seiten recht; nun jedoch wurde die taktische Ebene von einer ideellen überlagert. Das Paradigma hierfür lag in Spanien.

Mit dem spanischen Aufstand am 2. Mai 1808 gegen die vom Verbündeten zur Besatzungsarmee mutierten französischen Truppen begann der spanische Unabhängigkeitskrieg. Hier wandelte sich der kleine Krieg. Im System der internationalen Propaganda verband sich nun die Idee des kleinen Krieges mit dem Volkskrieg. Denn bis 1808 bezeichnete das spanische Wort „guerrilla“ genau das, was auf Deutsch „kleiner Krieg“ und auf Französisch „petite guerre“ hieß: Einsatz regulärer (meist leichter) Truppen.9) Im Verlauf des spanischen Krieges avancierten die vormalige Gefechtstaktik und die mit ihr verbundenen Truppen, die „Parteigänger“ (oder französisch „partisans“) zu Trägern eines nationalen Befreiungskampfes; ihre Gestalt erwuchs geradezu zum Medium eines „nationalen“ und „freiheitlichen“ Ideenguts. Damit verbanden sich Mythen, die bis in die Gegenwart hineinwirken.

Sehr zur Überraschung Napoleons entfachte sich dieser überregional. Zwar hatte es auch anderswo Menschen gegeben, die zu den Waffen griffen, als ihre alte Ordnung zerbrach und mit der neuen Herrschaft eine fundamentale Umwälzung von Verfassung, Wirtschaft und Gesellschaftsordnung eintrat; dazu kamen bisher ungeahnte Steuerleistungen und Requisitionen für die Armeen sowie die allenthalben verhasste Konskription. In Spanien - und in Süditalien - existierten aber Kristallisationskerne, um die herum sich ein flächendeckender Aufstand entwickelte. Hier war manches anders: Der Absolutismus des 18. Jahrhunderts war nur lückenweise von den Herrschern umgesetzt worden; lokale und regionale Traditionen waren noch stark; interne Zoll- und Wirtschaftsgrenzen hatten das Schmugglerwesen begünstigt; mit den Milizen bestand noch eine regionale Verteidigungsorganisation; der Besitz von Waffen war noch allenthalben gebräuchlich. Mit diesen vormodernen Überresten vermengte sich bald eine patriotisch-revolutionäre Propaganda. Ähnliches sollte bald darauf auch in patriotischen Kreisen in Deutschland und anderswo in Umlauf gebracht werden. Diese Verbindung von alten und neuen Elementen ist das Kennzeichen des Spanischen Unabhängigkeitskrieges.

Der Krieg strahlte direkt aus auf die österreichischen Kriegsplanungen ab Sommer 1808, die im April 1809 in den 5. Koalitionskrieg mündeten. Gleichzeitig erreichte eine groß angelegte Propagandamaschinerie den Norden Deutschlands, namentlich Preußen. Hier schmiedeten deutsche „Patrioten“ Pläne zum Krieg gegen Napoleon und v.a. gegen das Königreich Westfalen, das 1807/08 zur Hälfte aus ehemals preußischen Gebieten neu errichtet worden war. V.a. hier erfolgten jene Unruhen und Aktionen, die im Sommer 1809 im Versuch zum Volksaufstand kulminierten. Diese, insbesondere die des preußischen Husarenmajors Ferdinand von Schill, setzten patriotische Beispiele für die vier Jahre später erfolgenden „Freiheitskriege“.

 

Der österreichische Krieg von 1809 - Die Idee des Volkskrieges in Preußen

Von den Ereignissen in Spanien inspiriert war der 5. Koalitionskrieg von 1809. Dieser begann am 9. April 1809, als österreichische Truppen den Inn überschritten und eine Proklamation „An die deutsche Nation“ verkündet wurde. Neu war nicht die Verkündung von Proklamationen an die Bevölkerung, wohl aber deren Verpflichtung auf ganz Deutschland.10) Das waren neue Töne, die im Namen des Kaisers Franz angeschlagen wurden; freilich handelte es sich nicht nur um den 1804 selbst kreierten Kaiser von Österreich, sondern auch um das frühere Oberhaupt des Alten Reiches. Dieses bestand zwar nicht mehr formal, aber in den Köpfen vieler Menschen. Und für die vielen Missvergnügten entwickelten die alten Autoritäten genauso Strahlkraft wie „revolutionäre“ Prinzipien.

Den österreichischen Krieg flankierte eine nationale Propaganda in Norddeutschland. Bereits im Februar 1809 hatte der Leitende Minister in Wien, Graf Stadion, seinen Botschafter in Berlin angewiesen, sich der Gesinnung des preußischen Militärreformers Gerhard von Scharnhorst zu versichern. Dazu wies er die Summe von 3.000 Dukaten an. Diese diente auch dazu, Schriftsteller zu gewinnen, die auf die Öffentlichkeit „zu unserem Vortheile“ wirken konnten.11) Dazu zählte auch Heinrich von Kleist, der etwa den spanischen Catecismo civil ins Deutsche übersetzte.12) In den „patriotischen“ Kreisen Preußens griffen nun „demagogische Diskurse“ um sich.13)

Direkt beeinflusst vom spanischen Volkskrieg waren die Bestrebungen des „Triumvirats“14) der preußischen Reformer Karl von und zum Stein, Scharnhorst und August Wilhelm Neidhardt von Gneisenau, um die französische Besatzungsmacht abzuschütteln. Unter dem Eindruck der Verhandlungen in Paris über die Höhe der Kontribution an Frankreich, aber auch vor dem Hintergrund der österreichischen Kriegsvorbereitungen legte Stein am 11. August 1808 eine Denkschrift vor, in der er dem König antrug, unter Eingehen eines Scheinbündnisses mit Frankreich an die Seite Österreichs zu treten.15) Dazu müsse man einen allgemeinen Aufstand vorbereiten. Nähere Planungen zur Umsetzung besorgte Scharnhorst. Dieser entwarf zur selben Zeit eine weitere Denkschrift, in der er gewissermaßen die Bildung von konspirativen Zellen anregte.16) Alles war jedoch auf österreichische sowie englische Unterstützung angewiesen. Die österreichische Armee sollte entlang der Elbe operieren, die englische Flotte durch logistische Unterstützung und Landungsoperationen in Nordwestdeutschland zu Hilfe kommen. Das angestrebte Kriegsbild drückte Gneisenau in seiner Denkschrift vom August 1808 aus, die sich auch mit seiner späteren Denkschrift von 1811, der Clausewitz’ von 1812 und dem im April 1813 proklamierten Landsturmedikt deckte.17) Das alles war eine Guerillakonzeption, genau so wie es die spanischen Denkschriften vorsahen; das alles betraf v.a. die ehemals preußischen Besitzungen in Westfalen: Halberstadt, Halle und die Altmark. Das Scheitern seiner Pläne wurde durch seinen unvorsichtigen Brief vom 15. August an Wittgenstein bewirkt. Dieser hatte im Dezember 1808 Steins Ächtung durch Napoleon und seine Entlassung als preußischer Minister zur Folge.18) Damit war einer offiziösen Guerillakonzeption in Preußen der Boden entzogen, bevor sie recht begonnen hatte. In Spanien dagegen erfolgten die antifranzösischen Aufrufe der Regierungsjunta der „Patrioten“ zur Bildung einer Guerilla erst zwischen Ende Dezember 1808 und April 1809.19)

Der radikale Volksaufstand nach dem Muster Gneisenaus bezweckte nichts weniger als das Hervorbrechen eines Aufstandes nach spanischer Art links der Elbe. Dass ein solcher auch auf der preußischen Seite des Grenzflusses losbrechen könnte, davor fürchteten sich nicht nur die von den preußischen Reformern als „Franzosenpartei“ denunzierten Konservativen und Ordnungsliebhaber;20) auch der König lehnte dies klar und deutlich ab, all seinem üblichen Zaudern zum Trotz. Gerade dieses Gegeneinander der preußischen Parteiungen und das Oszillieren der Akteure zwischen ihnen verdeutlichen die Ambivalenzen und Unsicherheiten um die Planung einer „deutschen Guerilla“. Ein typisches Beispiel spielte sich in der französisch besetzten schlesischen Festung Glogau ab, die preußische Patrioten durch einen Handstreich in Besitz zu nehmen trachteten. Schnell flog dieses Unterfangen auf. Seinen Initiator, den Beamten und Publizisten Friedrich von Cölln, führte es in eine ziemlich preußische Melange aus Festnahme, Treueerklärung, Flucht, nachheriger Rehabilitation und publizistischem Weiteragitieren.21) Letztlich erwarteten die zum Aufstand Bereiten die Billigung ihres Monarchen, die jedoch nicht erfolgte. So blieb die Vorbereitung von Aufstandsbewegungen eine Angelegenheit Einzelner. Preußen blieb bei der schwankenden Politik der Risikominimierung.22) Einerseits behandelte es nach der Entlassung Steins das von Österreich angetragene Bündnis dilatorisch, andererseits setzte es die Kontributionszahlungen an Frankreich aus. Unterdessen erfolgten über den Sommer des Jahres 1809 hinweg preußische Mobilisierungsmaßnahmen.23)

 

Zu früh - Katte und Hirschfeld vor Magdeburg

Preußens Politik war wenig heldenhaft, doch blieb es aus der Perspektive der norddeutschen Rheinbundstaaten, insbesondere des Königreichs Westfalens, eine Gefahrenquelle. So dachten im Dezember 1808 einige frühere preußische Offiziere daran, einen Aufstand in der westfälischen Residenz Kassel anzuzetteln und den neuen König Jérôme Bonaparte zu entführen. Auch Anhänger des hessischen Kurfürsten, v.a. althessische Veteranen, Forstleute und Geistliche sowie englische und österreichische Emissäre, schürten die Unruhe.24) Vor Magdeburg spielte sich in der Nacht zum 3. April 1809 ein erster veritabler Aufstandsversuch ab, inszeniert von zwei jungen preußischen Offizieren, den Brüdern Eugen und Moritz von Hirschfeld.25) Bereits während des Krieges 1807 hatten sie in der Gegend um Magdeburg einen Streifzug unternommen. Ende März 1809 planten sie erneut eine solche Unternehmung, diesmal allerdings nicht im Rahmen eines Krieges. Denn was vorher kleiner Krieg war, bedeutete nunmehr politisches Abenteurertum und Aufstand. Die Aktion erfolgte zusammen mit einem früheren preußischen Leutnant, der in Verbindung mit Berliner Patriotenkreisen stand, unter ihnen auch Schill.26) Der Stil dieser Erhebungen folgte dem Muster des kleinen Krieges: Der Aufstand sollte sich aus der Operation eines militärischen Streifkorps, einer „Partei“, entwickeln und im Falle des Krieges zwischen Frankreich und Österreich jenseits der Elbe operieren.27) Vom 2. auf den 3. April drangen unter dem früheren preußischen Premierleutnant von Katte an die 60 Mann in die westfälische Stadt Stendal ein, erklärten sich öffentlich als Befreier des Vaterlandes, bemächtigten sich der öffentlichen Kassen und schafften gegen 10 Uhr morgens die Gelder auf requirierten Wagen fort.

Letztlich vollzog sich der Aufstand jedoch ruhig und mit guter Ordnung.28) Aus der Sicht der Lokalautoritäten in Stendal dagegen wurde die öffentliche Ordnung empfindlich in Frage gestellt. Die Domänen- und Gouverneurskasse wurde von Katte mitgenommen, und die auf etwa 300 Personen verstärkte Schar der notdürftig bewaffneten Insurgenten zog weiter in Richtung Magdeburg. Bald jedoch traf die Nachricht ein, dass das ganze Unternehmen verraten worden sei und westfälische Truppen sich im Anmarsch befänden. Katte zog nun in die Gegend von Burg und konnte sich am 5. April nach einem kleinen Gefecht mit den ihm nachsetzenden Gendarmen absetzen.29) Bei diesem eher unheroischen Ausgang des Unternehmens darf die akute Lebensgefahr der Insurgenten keineswegs verkannt werden. Eine ganze Anzahl wurde ergriffen und standrechtlich erschossen, andere verschwanden hinter Gittern.30)

Deutlich wird hier die enge Verbindung der Ereignisse in der Altmark zu denen in Österreich, das sich seit dem 9. April im Krieg befand; der Aufstand im zu Bayern geschlagenen Tirol begann zwei Tage später und weitete sich hier in der Tat zu Kampfhandlungen nach Art der Guerilla aus.31) Die Beteiligten der norddeutschen Schauplätze hatten über ihre Aufstandsplanungen miteinander kommuniziert, freilich reichte der Informationsfluss zu einem abgestimmten Vorgehen nicht aus. Dies war der Hauptgrund für das Scheitern der Aufstandsversuche. Die tiefere Ursache lag dagegen in der Loyalität zum preußischen König. Dieser aber hielt „hartnäckig an seiner Politik der Untätigkeit“ fest; eine Politik, die im Rückblick eben auch als „höchst klug“ erscheinen kann (so Christopher Clark).32) Obwohl die Mehrheit des verbliebenen oder auf Halbsold gesetzten preußischen Offizierkorps danach lechzte, die Scharte von Jena auszuwetzen - es blieb tief in der preußischen Loyalität verhaftet. Der Aufstand blieb stecken, solange sich der König nicht rührte.

 

Zu wenig abgestimmt - Dörnberg, Martin und der hessische Aufstand

Aufstandspläne entstanden nicht nur in Preußen, doch in enger Anlehnung an die dortigen Planungen. Der von 1796-1807 preußische Offizier Wilhelm von Dörnberg hatte in der Endphase des preußisch-russischen Krieges gegen Frankreich, Ende April 1807, in London eine Landung britischer Truppen an der Weser herbeizuführen versucht. Nach seinen Planungen hätte das britische Expeditionskorps daraufhin durch die ehemals hannoverschen Gebiete nach Kassel vorrücken sollen. Gleichzeitig sollte „sich die Bevölkerung, v.a. die gedienten Soldaten, zu ihrer Unterstützung erheben.“ Dieses Projekt wurde mit dem Frieden von Tilsit gegenstandslos. Nun trat Dörnberg in die westfälische Armee ein, was aber nichts an seinen - nunmehr konspirativen - Umtrieben änderte. Zwar wirkte Dörnberg entscheidend an der Aufstellung der westfälischen Armee mit und gewann das Vertrauen König Jérômes. Gleichzeitig blieb er mit Scharnhorst, Gneisenau und Schill in Verbindung. Während Katte und Hirschfeld ihren Handstreich auf Magdeburg ausführten, sollte Schill unterstützend von Berlin her eingreifen und Dörnberg den westfälischen König gefangen nehmen. Eine zweite Gruppe hessischer Aufstandsplaner um die Honoratioren Martin und den Inspecteur Berner stützte sich auf das flache Land, hauptsächlich auf Bauern und entlassene Soldaten. Auch nahm Dörnberg Verbindung zum nach Prag geflohenen hessischen Kurfürsten auf, der allerdings zögerte. Das Unternehmen wurde durch die geplante Verlegung von Dörnbergs Bataillon nach Spanien gefährdet, sodass ein Losschlagen noch vor dem österreichischen Kriegsbeginn ins Auge gefasst wurde. Für den 22./23. April war der Aufstand in Westfalen geplant; seit nunmehr zwei Wochen war der österreichische Krieg im Gange.33)

Die Aufstandsbewegung um Berner und Martin schlug aber einen Tag zu früh los. Als Zeichen der „deutschen“ Zielsetzung führte dieser „Landsturm“ eine rotsamtene Fahne mit dem schwarzen Doppeladler des Kaisers. Dörnberg zog nach Homberg und führte den Zug der Aufständischen bis vor Kassel, worauf bei der „Knallhütte“ am 23. April 1809 ein Gefecht geschlagen wurde, in dem die Aufständischen zerschlagen und zerstreut wurden. Ebenso erfolglos war der Aufstand, den am 23. Juni 1809 der ehemalige kurhessische Obrist Andreas Emmerich, ein Veteran des Siebenjährigen und des amerikanischen Krieges, in Marburg initiierte. Das gesamte Unternehmen schlug infolge mangelhafter Abstimmung der Beteiligten fehl. Die Besatzung der Stadt konnte von den Bauern und ehemals kurhessischen Soldaten zunächst vertrieben werden. Dem Vertrauen ihres Monarchen wurde die westfälische Armee im Großen und Ganzen gerecht, denn diese schlug den Aufruhr nieder. Unter den zahlreichen im Anschluss Erschossenen befand sich auch der alte Parteigänger selbst, der angeblich Pfeife rauchend das Kommando zu seiner eigenen Erschießung gab. Unter seinen beschlagnahmten Papieren fanden sich Briefe von Dörnberg und Schill.34)

In und um Westfalen ließ sich offenkundig das Prinzip der spanischen Guerilla nicht flächendeckend realisieren: die Verbindung von kleinem Krieg und Volksaufstand. Um im Königreich Westfalen eine „Guerilla“ im modernen Sinne des Wortes ins Werk zu setzen, fehlte es jedoch an einer strategischen und letztlich politischen Dimension des Aufstandes. Notwendigerweise hätte diese Dimension ein Mitmachen der örtlichen Autoritäten - analog der spanischen Juntas - erfordert. Ob hingegen das Aufstandspotenzial der Menschen im Königreich Westfalen wirklich allzu sehr in den Bahnen von „Ruhe und Ordnung“ befangen war, um den Widerstand zu wagen, müsste eingehender geprüft werden. Denn das Unruhepotenzial, von der Nordseeküste bei Cuxhaven bis zum hessischen Bergland, von den renitenten Studenten Halles und Göttingens bis zu den Handwerkern Braunschweigs, und v.a. der früheren Soldaten, spricht durchaus dafür, dass „spanische Verhältnisse“ in Hessen eine Chance gehabt hätten. Anders als dort bestand aber in Hessen keine Anlehnungsmacht. Weder gab der preußische Monarch seinen Ex-Untertanen deutliche Zeichen, noch kam es - anders als auf der Iberischen Halbinsel - zur britischen Landung. Wie in Spanien, doch in weit größerem Ausmaß, fürchtete die Masse der Eliten um „Ruhe und Ordnung“; letztlich setzten sie sich durch.

 

Zu viel Propaganda, zu wenig Wirkung - Schill35)

Der preußische Leutnant Ferdinand von Schill hatte sich bei der Verteidigung der belagerten Festung Kolberg im ersten Halbjahr 1807 einen Namen gemacht.36) Dort hatte er zunächst auf eigene Initiative, dann vom König geduldet und zuletzt ermächtigt, ein Freikorps aus ranzionierten Soldaten und Männern der örtlichen Bevölkerung aufgestellt. Damit bot er einen der wenigen Lichtblicke auf die ansonsten trostlose Situation Preußens mit seinem geflüchteten König und seiner zerschlagenen Armee. Anfang Dezember 1808 zog Schill mit seinem nunmehr zum Regiment angewachsenen Verband triumphal in Berlin ein. Zum Major avanciert, führte Schill nun das 2. Brandenburgische Husarenregiment, das zur Auszeichnung den Ehrennamen „von Schill“ tragen durfte.37) Bereits dies deutete auf eine Ambivalenz der Loyalitäten zwischen königlicher und charismatischer Autorität hin. In der gärenden Hauptstadt war Schill beteiligt an den Aufstandsplänen, die unter dem Eindruck des spanischen Krieges geschmiedet wurden. Österreichs Berliner Botschafter Wessenberg stand in enger Verbindung mit Schill und ließ ihm reichlich Gelder zukommen.38)

Der Tugendbündler Roeder hatte im Februar die Wiener Regierung von den Aufstandsplänen in Kenntnis gesetzt. Bei Kriegsausbruch würde in „Heßen und Westphalen ... das Volk en masse aufgeboten, und da lauter ausgezeichnete Offiziers an der Spitze stehn, zu einer Cooperation“ mit den Österreichern bereit sein. Eine „bedeutende Zahl einzelner Streif Parteien“ sollte den Volksaufstand flankieren. Im Harz seien „ansehnliche Waffen Vorräthe verborgen“. Fernerhin hätten die Bauern aus der Gegend von Bielefeld einen Abgesandten zu Schill geschickt, „um ihn anzuzeigen, daß sie - nach des Bauern Angabe - 4000 Mann an der Zahl, mit grade geschmiedeten Sensen bewaffnet, zum Schlagen bereit wären und bey ihm anfrügen, ob sie anfangen oder noch warten sollten.“ 39) Schill stand auch in Kontakt zu den Brüdern Hirschfeld und Katte und unterstützte sie mit Geld. Mit dem Tugendbündler Georg Bärsch40) und Adolf von Lützow, dem Freikorpsführer von 1813, bereitete Schill eine Proklamation an die Bewohner Westfalens vor, die jedoch vorab verraten wurde.41)

Um sich einer drohenden Einbestellung zum König in Ostpreußen zu entziehen, entschloss sich Schill zur Flucht nach vorn. Am 28. April 1809 zog er mit seinem Verband vor die Tore Berlins. Schill ließ das Regiment halten, befragte unter Verweis auf die Ereignisse in Spanien und Tirol - wohl eher suggestiv - seine Männer, ob sie mit ihm ziehen wollten, um „die Schmach des Vaterlandes an den gehaßten Feind zu rächen“.42) In Westfalen sei man zum Aufstand bereit, und die Österreicher hätten einen Sieg errungen. Letzteres sollte sich allerdings als unbegründetes Gerücht entpuppen, und Ersteres - der Volksaufstand in Westfalen - war fünf Tage zuvor gescheitert, ohne dass man in Berlin davon wusste. Genau dies aber war das Ziel: eine westfälische Guerilla. Auf diese Hoffnung gestützt, desertierte also Schill mit seinem ganzen Regiment. Weitere inaktive Offiziere und Zivilpersonen schlossen sich ihm an. Damit hatte sich seine Truppe von einem regulären Verband zu einem Freikorps zurückverwandelt; rechtlich bestand von nun ab kein Unterschied mehr zwischen Schills Leuten und einer Räuberbande, als was sie auch von König Jérôme denunziert wurden.43) Schill zog nach Dessau, wo er am 2. Mai seinen „Aufruf an die Deutschen“ erließ. Drei Tage später erfolgte das blutige und für Schill erfolgreiche Gefecht bei Dodendorf südlich von Magdeburg.44) Anschließend zog die Truppe in die Gegend von Stendal, wo sie vom 8. bis zum 13. Mai unterzog, um sich zu erholen, die Ausrüstung zu vervollständigen und um sich mit Lebensmitteln zu versorgen.

Obwohl bald klar wurde, dass Friedrich Wilhelm III. die Unternehmung nicht mittrug, wurde Schill durch ein leichtes Infanteriebataillon verstärkt, das ebenfalls auf sein früheres Kolberger Freikorps zurückging. Hier gab es keinen Zweifel mehr: Das war Desertion. Schills Truppe wandte sich elbabwärts, sandte einige Detachements aus und versuchte unterdessen, durch Dörnberg mit der britischen Regierung in Verbindung zu treten. Vom 18. Mai an setzte sich Schill dann aber durch Mecklenburg ab. Am 25. Mai zog er nach Stralsund ein, um sich hier nach dem Vorbild Saragossas zur Verteidigung einzurichten. Am selben Tag traf dort die Nachricht vom Sieg Napoleons bei Wagram ein. Das Unternehmen war so aussichtslos geworden. In Stralsund wurde ein Landsturm aus der Bevölkerung aufgeboten, doch bröckelte das Charisma Schills bei seinen Gefolgsleuten. Am 31. Mai nahmen holländische und dänische Truppen die Stadt in kurzem und heftigem Kampf. Schill fiel.45)

Das Unternehmen, das so hoffnungsvoll im Vertrauen auf das Ausbrechen eines Volksaufstandes und im Vertrauen auf die eigenen Waffen begonnen worden war, endete als Streifzug, der von der Bevölkerung zwar beklatscht, aber nicht unterstützt, vom preußischen König zwar verdammt, aber nicht bekämpft wurde. Der Zug endete ohne klares Konzept mit dem Tod seines Führers und der Zerschlagung seiner Truppe. Diese hatte sich immerhin einen ganzen Monat lang ohne Unterstützung behauptet und der Welt die militärische Hilflosigkeit des napoleonischen Modellstaats vor Augen geführt.

 

Zu spät, zu unabhängig - Der Schwarze Herzog

Friedrich Wilhelm von Braunschweig war der jüngste Sohn Karl Wilhelm Ferdinands von Braunschweig, dem Verlierer der Schlacht von Auerstedt am 14. Oktober 1806, der infolge der dort erlittenen Verwundung bald darauf verstarb. Friedrich Wilhelm, der wie sein Vater in der preußischen Armee diente, war designierter Thronfolger, doch durch die Staatsgründung Westfalens um sein Erbe gebracht. Nun zog er sich auf seine Besitzungen in Schlesien zurück, dann wechselte er über nach Böhmen, um aufgrund einer Konvention mit der österreichischen Regierung aus selbst angeworbenen Truppen im böhmischen Grenzort Nachod ein Freikorps aufzustellen.46) Was der preußische Generalmajor aus einem befreundeten Fürstenhaus tat, wurde in Preußen argwöhnisch beäugt.47) Allerdings agierte hier ein Fürst, der sich - anders als die Insurgenten vor ihm - auf angestammte Rechte berief.

In Nachod erfolgte am 19. April die Vereidigung des „Schwarzen Korps“ - so genannt wegen ihrer Uniformfarbe und wegen des Totenkopfes am Tschako. Friedrich Wilhelm fiel am 21. April in die sächsische Grenzstadt Zittau ein, wo er den Aufruf „An meine Landsleute“ drucken ließ. Das Korps zog sich schnell wieder nach Böhmen zurück. Der Kampf an der Seite der österreichischen Truppen erfolgte erst am 9. Juni, zu einer Zeit also, als Schills Unternehmen im Königreich Westfalen längst sein Ende gefunden hatte. Am 11. Juni zogen die Truppen des Herzogs und des Kaisers von Österreich in Dresden ein. Erneut wurde der Zittauer Aufruf gedruckt, erneut erfolgten Ausschreitungen.48) Die Schwarze Schar zog nun in die Gegend von Leipzig, wo es zu Kämpfen kam. Ein weiteres Vordringen nach Norden scheiterte am Widerstand des österreichischen kommandierenden Generals. Am 24. Juni hatte sich das Schwarze Korps zurückzuziehen und kämpfte in Franken und Thüringen; auch hier gegen die westfälische Armee, die unter dem Kommando ihres Königs Jérôme recht glücklos agierte. Fast wäre es dem Schwarzen Korps gelungen, diesen in der Nacht auf den 13. Juli in Schleiz zu kidnappen. Neben 30 Gefangenen erbeutete die Schwarze Schar jedoch nur Wertgegenstände wie die silberne Badewanne Jérômes, nicht diesen selbst.49)

Kurz Nach dem Bekanntwerden des Waffenstillstands von Znaym entschloss sich Friedrich Wilhelm zum selbstständigen Weitermachen. Er ließ verlauten, dass er als „selbstständiger Fürst den ohne sein Zutun geschlossenen Waffenstillstand nicht anerkenne“ und brach in Richtung Norden auf. Am 22. Juli erstürmte das Schwarze Korps Halberstadt, wo der Herzog als preußischer Offizier einmal in Garnison gestanden hatte. Beim blutigen Kampf in den Straßen wurde ein Infanterieregiment zerschlagen, doch auch die Männer des Herzogs hatten heftige Verluste zu beklagen. Gleichwohl schloss sich ein erheblicher Teil der westfälischen Soldaten der Schwarzen Schar an, die dadurch äußerlich zum schwarz-weißen Korps mutierte. Trotz des beachtlichen Gefechtserfolges konnte von einem Krieg auf eigene Faust nunmehr kaum eine Rede sein; ebenso wenig von einem Volksaufstand. Ständig verfolgt von feindlichen Kräften zog Friedrich Wilhelm am 30. Juli in das Gebiet seines angestammten Territoriums ein, schließlich nach Braunschweig selbst. Lebhaft begrüßte die Bevölkerung „ihren“ Herzog, und dieser verbrachte eine Nacht vor den Toren der Stadt. Das Herannahen eines starken westfälischen Truppenkörpers führte zu einem Gefecht am 1. August, das erneut einen Achtungserfolg brachte, aber keinen Sieg.50) Unschlüssig über sein weiteres Vorgehen wurde Friedrich Wilhelm durch den eigenmächtigen Marschbefehl seines Stabschefs zum Abmarsch nach Norden zur Küste bewegt. Nun folgte ein Wettrennen gegen die von allen Seiten herannahenden westfälischen Truppen und die Zeit. In fünf Tagen erreichte die Schwarze Schar die Küste und schiffte sich am 7. August nach England ein.51) Ihre Männer wurden in den britischen Dienst übernommen, der Herzog selbst allerdings nicht. So endeten die deutschen Freiheitskämpfer im Schwarzen Korps ähnlich wie die braunschweigischen Truppen des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges drei Dekaden zuvor: als britische Hilfstruppen fern der Heimat. Ähnlich wie der aus hannoverschen Diensten übernommene Personalstamm der King’s German Legion kämpften nun auch die „Black Brunswickers“ v.a. auf der Iberischen Halbinsel gegen die französischen und Rheinbundtruppen.

 

Fazit: Deutschlands erster, Österreichs letzter „Volkskrieg?

Für Österreich mündete sein unter deutschem Vorzeichen begonnener Krieg von 1809 im Desaster. Damit endete dort auch jene Strömung in der Politik, die ein Engagement der Habsburgermonarchie für „Deutschland“ über jenes der Dynastie zu stellen gewillt war. Gleichwohl war der Krieg nicht nur von erheblicher Bedeutung für Österreich, sondern für Deutschland. Denn so wie an der Donau im Großen waren in Norddeutschland im Kleinen Gefechtserfolge errungen worden, die hinfort in „moralischer“ Hinsicht wirkten. Der größte Feldherr seiner Zeit, Napoleon, war bei Aspern am 21./22. Mai von den Truppen des Erzherzogs Carl gestoppt worden. Taktisch ein Unentschieden, war es in operativer Hinsicht doch eine erste Niederlage des Korsen in einer Feldschlacht. So wie beim Erfolg spanischer Truppen bei Bailén im Vorjahr, und so wie die spanischen Guerilleros und die Tiroler Freiheitskämpfer (oder je nach Perspektive „Insurgenten“); - die „Patrioten“ hatten im Frühjahr und Sommer 1809 auch in Norddeutschland kleine, aber symbolisch ungeheuer wertvolle Erfolge errungen. Ein erstes Beispiel hatte bereits das Auftreten Schills, dann Gneisenaus in Kolberg Anfang 1807 dargestellt - direkt im Schatten des Desasters von Jena. Aber auch die kleinen Siege - Schills bei Dodendorf, des Schwarzen Herzogs bei Halberstadt - trugen dazu bei, dass sich auch an die norddeutschen Ereignisse ein nationaler Nimbus heften konnte. Zudem hatten vier Aufstandsbewegungen viermal hintereinander die Grenzen der militärischen Leistungsfähigkeit der Rheinbundtruppen aufgezeigt, v.a. die der westfälischen Armee des unglücklichen Königs Jérôme, der seine Armee zwischen 1808 und 1813 insgesamt dreimal aufstellen und dreimal verlieren sollte.

Wie in Spanien und wie in Tirol zeigte sich auch in Norddeutschland der „Volkskrieg“ in seiner Doppeldeutigkeit. War es ein „revolutionärer“ Krieg für konservative Ziele? Hier wie dort und wie bereits in der Vendée lagen die Ziele der Aufstände in der Wiederherstellung der alten Ordnung, jedoch unter Zuhilfenahme potenziell „revolutionärer“ Mittel. An eine politisch „revolutionäre“ Aufladung der Aufstände nach Art der liberalen Legende oder der sozialistisch inspirierten Befreiungsbewegungen dachte im Jahr 1809 jedoch niemand. „Revolutionär“ blieben diese Planungen jedoch in ihrer Wirkung. Denn erst das Einreißen der mühsam im Jahrhundert zuvor etablierten Grenze zwischen innerer und äußerer Sicherheit versah den Volksaufstand mit Nahrung, und der Preis hierfür war in Spanien deutlich zu sehen. In Deutschland blieben die Aufstandsbewegungen einerseits Gefährdungen der „guten Policey“, andererseits Aktionen in den Bahnen des bekannten kleinen Krieges. Beides zusammen aber, der innere Aufstand in Verbindung mit dem kleinen Krieg, lieferte in Spanien den Brennstoff für die Guerilla. Und im Gegensatz zu dort existierten seit den Jahren 1808 und 1809 in Preußen-Deutschland nun auch strategische Vorstellungen. Obwohl hier ein Konzept entwickelt wurde, blieb es ohne Umsetzung; in Spanien hingegen entwickelte sich eine verflochtene Praxis, für die den Zeitgenossen einstweilen das Konzept fehlte.

Das neue Konzept vom „Volkskrieg“ dagegen prägte das weitere 19. Jahrhundert. Es bezieht sich auf die Mobilisierung der Bevölkerung zum Zweck der Kriegführung, und zwar in doppelter Hinsicht: physisch durch die allgemeine Wehrpflicht, „moralisch“ durch die propagandistische Entfaltung des viel beschworenen Enthusiasmus. Somit können unter dem „Volkskrieg“ die Operationen der vom Staat mobilisierten Wehrpflichtheere genauso verstanden werden wie der irreguläre Kampf. Als im Februar und März 1813 der „Volkskrieg“ in Preußen ins Werk gesetzt wurde, oszillierten die Konzeptionen zwischen diesen beiden Polen. Real wurde eine „verallgemeinerte“, doch geordnete Wehrpflicht ins Werk gesetzt; deklaratorisch betrieben die Propagandisten einen „Volkskrieg“ irregulärer Art. Das war ein Erbe von 1809: Die mediale Verstärkung der Ereignisse war nun buchstäblich kriegsentscheidend. Von nun an begleiteten Aufrufe ans Volk den Krieg. Damit richtete sich das bonapartistische Prinzip der Öffentlichkeitssteuerung gegen die Napoleoniden selbst.

Im Sommer 1809 verfehlte die Propaganda ihre unmittelbare Wirkung. Es fehlte ein zureichender Informationsfluss zwischen den Beteiligten; genauso aber waren deren Ziele und die der potenziellen Anlehnungsmächte höchst heterogen. Die Masse der Bevölkerung wurde letztlich nicht aktiv mobilisiert. Wo, wie beim Gefecht vor Braunschweig Bürger und Bauern aus der Gegend spontan mitkämpften, war dies wohl hauptsächlich aus Anhänglichkeit an den legitimen Fürsten geschehen. Gleichwohl riefen die Honoratioren ihre Mitbürger zur Ordnung, als diese zu den Waffen laufen wollten, um die Streifkorps zu verstärken, oder die Gelegenheit nutzten, um Ausschreitungen zu begehen (was als dasselbe erscheinen konnte und oft dasselbe war). Zur Gewalt bereite Handwerksburschen, entlassene Soldaten, teils auch Studenten oder Randständige standen hier den lokalen Autoritäten gegenüber, die um den Erhalt der Ordnung bangten; die zur Befreiung angerückten Parteigänger standen oft unschlüssig daneben. Diese Ambivalenz bestimmte das Bild der Insurrektionen von 1809. Sowohl Schill als auch der Schwarze Herzog ließen die von ihnen aufgebrachten Güter bezahlen oder mit Quittungen versehen. Eigentumsdelikte ihrer Untergebenen ahndeten sie scharf.52) Trotz dieser „gezähmten“ Aspekte der Kriegführung wurden die Kampfhandlungen selbst erbittert ausgetragen. Aus einer aufgefangenen französischen Depesche verlautete, dass Schills Männer bei Dodendorf nicht wie normale Soldaten, sondern „wie die Wahnsinnigen“ gefochten hätten - „comme des enragés“.53)

Von Schill blieb ein Nachruhm, an den die „Patrioten“ im Jahr 1813 bewusst anknüpften. Das betrifft die personellen Kontinuitäten, für die Schills einstiger Gefolgsmann Adolf von Lützow als markantestes Beispiel hervortrat. In seinem russischen Exil dichtete Ernst Moritz Arndt im Jahr 1812 sein Lied vom Schill: „So zieht der tapfre, der muthige Schill/ Der mit den Franzosen sich schlagen will;/ Ihn sendet kein Kaiser, kein König aus,/ Ihn sendet die Freiheit, das Vaterland aus.“ 54) Dieser Konzeption eines „Freiheitskrieges“ steht jene des vom König initiierten „Befreiungskrieges“ gegenüber: Der preußische König weihte die Inschrift des 1818-1821 erbauten Kreuzbergdenkmals „dem Volke, das auf seinen Ruf hochherzig Gut und Blut dem Vaterlande darbrachte“. Die Unbotmäßigkeiten von 1809 nach Art eines „Freiheitskampfes“ hatten den Monarchen zweifelsohne in seinem Misstrauen gegenüber der Initiative seiner Untertanen bestärkt. Und auch die preußischen Reformer fanden sich bei Schill und vier Jahre später phasenweise in der Rolle des Zauberlehrlings; dann nämlich, als die Attraktionskraft Schills im April 1809 und Lützows im Frühjahr 1813 Kräfte freizusetzen drohte, die nur schwer wieder zu kontrollieren sein würden. Immerhin führte der „Volkskrieg“ in Spanien stellenweise zu bürgerkriegsartigen Verhältnissen; wie teuer er dort erkauft war, zeigt sich daran, dass ab 1813 ganze Landstriche wieder unter staatliche Kontrolle gebracht werden mussten, die dieser seit 1809 entglitten waren.55)

Für Österreich führte das Ergebnis von 1809, der Friede von Schönbrunn, zu einer Rückkehr zur Kabinettspolitik, für Preußen wurde diese Linie - offiziell - bis 1813 nie verlassen. Im „Sturm 1813“ konnte sich Preußen nur mit Hilfe der deutsch-nationalen (und mit Hilfe Russlands, unter dessen Fahnen sich viele deutsche Exilanten befanden) von der napoleonischen Oberherrschaft befreien. Dies war - aus deutscher Sicht - der Beginn von Preußens deutscher Sendung. Aus preußischer Sicht aber war es der Anfang vom sukzessiven Untergang: Der Hohenzollernstaat ging von nun an sukzessive in Deutschland auf. Historische Spekulationen sind gefährlich. Die Geschichte zwischen Mai 1808 und dem Frühsommer 1809 war offen. Doch sicher hat Österreich in diesem Zeitfenster die Chance gehabt, „deutsch“ zu werden. Möglicherweise würden die Deutschen dann aber zum Staate Österreich gehören.


ANMERKUNGEN:

1) Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1800-1866. Bürgerwelt und starker Staat, München 1987, S.11.

2) Ein Extrakt dieses Beitrages wurde vorgetragen und veröffentlicht als: Der Österreichische Krieg von 1809 und der „Volkskrieg“ in Deutschland. In: Zusammenfassung der Beiträge zum Napoleon-Symposium „Feldzug 1809“ im Heeresgeschichtlichen Museum Wien, 4. und 5. Juni 2009, hrsg. von Robert Ouvrard und Ferdi Wöber, S.159-163.

3) So besonders pointiert Dierk Walter, Albrecht Graf von Roon und die Heeresorganisation von 1859/60. In: Militärische Reformer in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert, hrsg. von Hans Ehlert und Michael Epkenhans, Potsdam 2007, S.23-34, hier S.23f.

4) Diese Kontinuitäten betont Ute Planert, Einleitung: Krieg und Umbruch um 1800. In: Krieg und Umbruch in Mitteleuropa um 1800. Erfahrungsgeschichte(n) auf dem Weg in eine neue Zeit, Paderborn u.a. 2009, S.11-23, hier S.12-14. Auch Ralf Pröve: Militär, Staat und Gesellschaft im 19. Jahrhundert, München 2006, S.1f.; Michael Sikora: Die französische Revolution der Heeresverfassung. In: Die preußische Armee. Zwischen Ancien Régime und Reichsgründung. Hrsg. von Peter Baumgart, Berhnard R. Kroener und Heinz Stübig, Paderborn u.a. 2008, S.135-163, hier, S.137-139.

5) Ausführlicher und mit entsprechenden Literaturhinweisen in meinen Aufsätzen: Martin Rink: Preußisch-deutsche Konzeptionen zum „Volkskrieg“ im Zeitalter Napoleons. In: An der Spitze des Fortschritts. Militärreformen in Deutschland. Ansätze und Ergebnisse von 1807 bis heute, hrsg. von Karl-Heinz Lutz, Marcus von Salisch und Martin Rink (2009); Martin Rink: Die Verwandlung. Die Figur des Partisanen vom freien Kriegsunternehmer zum Freiheitshelden. In: Die Rückkehr der Condottieri? Krieg und Militär zwischen Verstaatlichung und Privatisierung im 20. Jahrhundert. Hrsg. von Stig Förster, Christian Jansen und Günther Kronenbitter (= Krieg in der Geschichte, Bd. 57), Paderborn u.a. 2009. Ins Englische übertragen und stark erweitert: The transformation. The partisan’s metamorphosis from freelance military entrepreneur to German freedom fighter, 1740 to 1815. In: War in History (geplant für 2009); Martin Rink: Von Schill zu Che. Der Mythos des Partisanen im 19. und 20. Jahrhundert. In: Für die Freiheit - gegen Napoleon. Ferdinand von Schill, Preußen und die deutsche Nation. Hrsg. von Veit Veltzke, Köln, Weimar, Wien 2009, S.351-366; Martin Rink: Jena und die Folgen. Reformdruck - Reformanspruch - Reformmythos. In: Jena und Auerstedt 1806: Ereignis - Folgen - Wirkungen. 200 Jahre Jena und Auerstedt. Hrsg. von Karl-Heinz Lutz und Marcus von Salisch, erscheint 2009; Martin Rink: Kleinkrieg in Westfalen. Aufstände, Kosaken, Streifkorps 1809-1813. In: Das Militär und die Kriege des Königreichs Westfalen 1807-1813, hrsg. von Markus Stein, Neumünster (geplant für 2009).

6) Timothy C. W. Blanning: The Origins of the French Revolutionary Wars, 7. Aufl. London, New York 1995, S.121f.; Elisabeth Fehrenbach, Die Ideologisierung des Krieges und die Radikalisierung der Französischen Revolution. In: Revolution und Krieg. Zur Dynamik historischen Wandels seit dem 18. Jahrhundert, hrsg. von Dieter Langewiesche, Paderborn 1989, S.57-66, hier S.60, 64. Mit vielen Belegen zur revolutionären Rhetorik im revolutionären Frankreich: Wolfgang Kruse, Die Erfindung des modernen Militarismus. Krieg, Militär und bürgerliche Gesellschaft im politischen Diskurs der Französischen Revolution 1789-1799, München 2003.

7) Martin Rink: Vom „Partheygänger“ zum Partisanen. Die Konzeption des kleinen Krieges in Preußen 1740-1813, Frankfurt/M. 1999, S.92f, 400-408. Neuere Bewertungen in: Martin Rink: Der kleine Krieg. Entwicklungen und Trends asymmetrischer Gewalt 1740-1815. In: Militärgeschichtliche Zeitschrift 65 (2006/2), S.355-388, v.a. S.359-375. Kompakt: Martin Rink: Lemmata Kleiner Krieg und Partisan. In: Enzyklopädie der Neuzeit. Hrsg. von Friedrich Jaeger im Auftrag des Kulturwissenschaftlichen Instituts (Essen), Bd. 6, Stuttgart 2008, S.777 bzw. Bd. 9, Stuttgart 2009, S.888f. Zeitgenössische Definitionen z.B. in folgenden Werken: Georg Wilhelm Frhr. v. Valentini: Abhandlung über den kleinen Krieg und über den Gebrauch der leichten Truppen, mit Rücksicht auf den französischen Krieg. Mit Anmerkungen versehen von L. S. von Brenkenhof, 3. Aufl. Berlin 1810, S.1; Carl v. Clausewitz: Meine Vorlesungen über den kleinen Krieg, gehalten auf der Kriegs-Schule 1810 und 1811 - Artillerie. Geschütze. Dokumente aus dem Clausewitz- und Gneisenau-Nachlass sowie aus öffentlichen und privaten Sammlungen, Bd. 1, hrsg. von Werner Hahlweg, Göttingen 1966, S.208-598, hier S.231, 233; Carl v. Decker: Der kleine Krieg, im Geiste der neueren Kriegführung. Oder Abhandlung über die Verwendung und den Gebrauch aller drei Waffen im kleinen Kriege, 3. Aufl. Berlin, Posen, Bromberg 1828, S.3-5; Johann Baptist Schels: Leichte Truppen; kleiner Krieg. Ein praktisches Handbuch für Offiziere aller Waffengattungen, Wien 1813, S.127-130. Die Definition des Österreichers ist im zeitgenössischen Gebrauch am klarsten.

8) Der kleine Krieg oder Dienstlehre für leichte Truppen. Nach dem Französischen von Thomas Auguste le Roy de Grandmaison. Mit vielen Zusätzen und neuen Darstellungen bereichert und herausgegeben von Julius von Voß, hrsg. und übersetzt von Julius von Voß, Berlin 1809, Vorrede, S.III.

9) Wilhelm Rüstow: Militärisches Hand-Wörterbuch, vol. 1, Zürich 1858, S.367, Bd. 2, Zurich 1859, S.478; Dictionnaire de l’ Armée de Terre ou récherches historiques sur l’art et les usages militaires des Anciens et des Modernes. Ed. par Général Bardin, Bd. 4, Paris 1851, S.4302f., 4389. Handbuch der gesamten Militärwissenschaften. Hrsg. von Bernhard Poten, Bd. 3, Bielefeld, Leipzig 1877, S.219, 376, Bd. 7, Bielefeld, Leipzig 1879, S.352f.; Rink, Vom Partheygänger (wie Anm. 7), S.308, 402-405; Vittorio Scotti Douglas, Spagna 1808: La genesi della guerriglia moderna. 1. Guerra irregolare, „petite guerre“, „guerrilla“. In: „Spagna Contemporanea“, No. 18, p 9-31, bes. S.15-22; Vittorio Scotti Douglas, Regulating the Irregulars: Spanish Legislation on la guerrilla during the Peninsular War. In: Popular Resistance in the French Wars. Patriots, Partisans and Land Pirates, hrsg. von Charles Esdaile, London 2004,S.137-160, hier S.138; Lluís Roura I Aulinas, „Guerra pequeña“, y formas de movilización armada en la Guerra de la Independencia: ¿Tradicion o innovación? In: La Guerra de la Independencia. Estudios, 2 Bde, hrsg. von José Antonio Armillas Vicente, Saragossa, 2001, S.275-300, hier insbes. S.S.276f., 282-290, 299f.; Antonio Moliner i Prada, Pueblo y ejército en la Guerra de la Independencia. In: La Guerra de la Independencia (wie vorstehend), S.917-953, hier S.945-948; Ricardo García Cárcel, El sueño de la nación indomable. Los mitos de la guerra de la Independencia, Madrid, 2007, S.136f. Zu den im 18. Jahrhundert vorgenommenen spanischen Übersetzungen französischer Werken zum kleinen Krieg („petite guerre”) ins Spanische („guerrilla“ im „konventionellen“ Sinne): Manuel-Reyes García Hurtado, Traduciendo la guerra. Influencias extranjeras y recepción de las obras militares francesas en la España del siglo XVIII, La Coruña 1999, S.70-72.

10) Helmut Rößler: Graf Stadion, Bd. 1, Wien, München 1966, S.293, ebd. Bd. 2, S.33.

11) Instruction für den Freiherrn von Wessenberg. Samt einem Rendisbriefe auf 3.000 Stück Dukaten, Graf Stadion, Wien, 20. Februar 1809. In: Haus-Hof- und Staatsarchiv (Wien), Ges. Berlin, Kt Nr. 46, Bl. 33 R, 38f.

12) Der Catecismo, o breve compendio de las operaciones de España ist mit der französischen, portugiesischen und deutschen Übersetzung abgedruckt in Rainer Wohlfeil: Spanien und die deutsche Erhebung, Wiesbaden 1965, S.309f.

13) Hagen Schulze: Staat und Nation in der europäischen Geschichte, 2. Aufl. München 1995, S.193.

14) Max Lehmann: Freiherr vom Stein, Leipzig, 2. Aufl. 1921, S.311.

15) Freiherr vom Stein: Briefe und amtliche Schriften, bearbeitet von Erich Botzenhart, neu hrsg. von Walther Hubatsch (im Weiteren = Botzenhart), Bd. 2, Stuttgart 1960, S.808-812; Georg Heinrich Pertz, Das Leben des Ministers Freiherrn vom Stein, 2. Bd. Berlin 1850, S.S.99-102. Friedrich Thimme: Zu den Erhebungsplänen der preußischen Patrioten im Sommer 1808. Ungedruckte Denkschriften Gneisenaus und Scharnhorsts. In: Historische Zeitschrift, Bd. 86, 1901, S.79-110; Rudolf Ibbeken, Preußen 1807-1813. Staat und Volk als Idee und Wirklichkeit, Köln/Berlin (West) 1970, S.117.

16) Botzenhart: Stein (wie Anm. 15), Bd. 2, S.810; Gerhard von Scharnhorst: Denkschrift über die Fortführung des Krieges gegen Napoleon vom August 1808 aus Königsberg. In: Gerhard von Scharnhorst: Ausgewählte militärische Schriften, hrsg. von Christa Gudzent und Hansjürgen Usczeck, Berlin (Ost) 1986, S.259-262. Weiterhin: Organisation einer Anstalt, um das Volk zur Insurrektion vorzubereiten und im eintretenden Fall zu bestimmen. In: Gudzent/Usczeck, Scharnhorst, S.262-264. Auch in Friedrich Thimme: Zu den Erhebungsplänen der preußischen Patrioten im Sommer 1808. Ungedruckte Denkschriften Gneisenaus und Scharnhorsts. In: Historische Zeitschrift, Bd. 86, 1901, S.79-110, hier S.97-99; Die Reorganisation des Preußischen Staats unter Stein und Hardenberg, 2. Teil: Das Preußische Heer vom Tilsiter Frieden bis zur Befreiung, hrsg. von Rudolf Vaupel, Bd. 1, Leipzig 1938 (= im Folgenden: Vaupel), S.555-557.

17) Gneisenaus Denkschriften vom August und September 1808 sind abgedruckt bei Thimme: Zu den Erhebungsplänen (wie Anm. 16), S.89-94, 95-97, 100-109; Vaupel: Die Reorganisation (wie Anm. 16), Bd. 1, S.549-555, 565-567. Vgl. dazu: August Wilhelm Anton Neithardt von Gneisenau: Denkschriften zum Volksaufstand vom 8.8.1811, abgedruckt in Georg Heinrich Pertz: Das Leben des Feldmarschalls Grafen Neidhardt von Gneisenau, Bd. 2, Berlin 1864, S.106-142; Carl von Clausewitz: Bekenntnisschrift von 1812 (unter Mitwirkung Gneisenaus und Boyens). In: Carl von Clausewitz, Schriften - Aufsätze - Studien - Briefe. Dokumente aus dem Clausewitz- und Gneisenau-Nachlass sowie aus öffentlichen und privaten Sammlungen, hrsg. von Werner Hahlweg, Göttingen 1966, Bd. 1, S.678-751.

18) In: Botzenhart: Stein (wie Anm. 15), Bd. 2, S.813-816.

19) Abgedruckt in: Wohlfeil: Spanien (wie Anm. 12), S.296-307.

20) Erinnerungen aus dem Leben des Generalfeldmarschalls Hermann von Boyen, hrsg. von Dorothea Schmidt, Berlin (Ost) 1990, Bd. 1, S.123.

21) Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (Berlin-Dahlem), Rep 89, Nr. 32293, Bl. 3-7.

22) Ibbeken: Preußen 1807-1813 (wie Anm. 15), S.108-111, 147; Thomas Stamm-Kuhlmann: König in Preußens großer Zeit. Friedrich Wilhelm III., der Melancholiker auf dem Thron, Berlin 1992, S.274.

23) Landeshauptarchiv Brandenburg (Potsdam), Rep 19, Nr. 503: Acta für die auf den Fall einer Mobilmachung der Armée zu treffenden vorgeschriebenen vorbereitenden Maaßregeln 1809, 23. April bis 7. Juli 1809.

24) Arthur Kleinschmidt: Geschichte des Königreichs Westfalen, Gotha 1893, S.225f.

25) Über Karl Friedrich Wilhelm Ulrich Moritz von Hirschfeld: Soldatisches Führertum, hrsg. von Kurt von Priesdorff, Bd. 5, Hamburg 1938, S.405f und Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 12, Leipzig 1880, S.473f.

26) Ibbeken: Preußen 1807-1813 (wie Anm. 15), S.151f; Heitzer, Insurrectionen zwischen Weser und Elbe, Berlin (Ost) 1959, S.159f.

27) Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, 2.2.1., Nr. 32294 (= Rep 89, Nr. 32294): Acta betr: die in mehreren Orten ausgebrochenen Unruhen und Werbungen und die darauf verfügte Sequestration der Besitzungen des Herrn Herzogs von Braunschweig-Oels, Handschrift, 34 Blatt, Bl. 1.

28) So auch der Brief von Lieutenant von Bandember, Havelberg, 3.4. 1809, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Rep 89, Nr. 32294, Bl. 6.

29) Altmärkisches Intelligenz= und Leseblatt, Nr. 81, Stendal 6. April 1909. In: Niedersächsisches Staatsarchiv Wolfenbüttel 249 A N, Nr. 120.

30) Altmärkisches Intelligenz= und Leseblatt, Nr. 81, Stendal 6. April 1909. In: Niedersächsisches Staatsarchiv Wolfenbüttel 249 A N, Nr. 120.

31) Vgl. jetzt die Beiträge: Meinrad Pizzini: Der bescheidene Held und Eberhard Weis: Ein Land mit alten Freiheiten, beide in: „Damals. Das Magazin für Geschichte und Kultur“ 2/2009, S.16-23 bzw. 26-33.

32) Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600-1947 (zuerst erschienen 2006), Lizenzausgabe Bonn 2007, S.400-405, bes. 401.

33) Hugo von Dörnberg: Wilhelm v. Dörnberg. Ein Kämpfer für Deutschlands Freiheit, Marburg 1936, S.162.

34) 80 Dörnberg: Dörnberg (wie Anm. 33), S.46-54, 63; Heitzer: Insurrectionen (wie Anm. 26), S.162, 173-175.

35) Ausführlicher mit entsprechenden Literaturverweisen: Martin Rink: Patriot und Partisan. Ferdinand von Schill als Freikorpskämpfer neuen Typs. In: Für die Freiheit (wie Anm. 5), S.65-106. Hier auch die weiteren Beiträge.

36) Olaf Jessen: „Das Volk steht auf der Sturm bricht los“. Kolberg 1807 - Bündnis zwischen Bürger und Soldat? In: Für die Freiheit (wie Anm. 5), S.39-58.

37) Immediatbericht der Militär-Reorganisations-Kommission, Memel 5. September 1807. In: Vaupel: Die Reorganisation (wie Anm. 16), Bd. 1, S.98-108, S.107. Genauso sollten die Prittwitz-Husaren, also die Totenkopfhusaren des Regiments Nr. 5, ausgezeichnet werden; Georg Heinrich Pertz: Das Leben des Ministers Freiherr vom Stein, Berlin 1850, Bd. 2, Berlin 1850, S.317; Carl Binder von Krieglstein, Ferdinand von Schill. Ein Lebensbild; zugleich ein Beitrag zur Geschichte der preußischen Armee, Berlin 1902, S.122.

38) Rößler: Graf Stadion (wie Anm. 10), Bd. 2, S.35.

39) Roeder: Mémoire über die geheimen Verbindungen, HHStA, Ges. Berlin, Kt Nr. 46, Instruction für Wessenberg, Bl. 27-29.

40) Georg Bärsch: Ferdinand v. Schills Zug und Tod im Jahre 1809. Zur Erinnerung an den Helden und die Kampfgenossen, Leipzig 1860, S.1-12, 33, 218-220. Bärschs Buch beruht auf seinen Tagebuchaufzeichnungen (handschriftliche Fassung in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Berlin, Ms Boruss. 4°362). Weiterhin: Ibbeken: Preußen 1807-1813 (wie Anm. 15), S.151f.

41) Veit Veltzke: Schill im Netzwerk der Konspiration. In: Für die Freiheit (wie Anm. 5), S.107-154.

42) Bärsch: Schills Zug (wie Anm. 40), S.32-38.

43) Großes vollständiges Universal-Lexikon aller Wissenschafften und Künste, Welche bisher durch menschlichen Verstand und Witz erfunden und verbessert worden, hrsg. von Johann Heinrich Zedler, Leipzig und Halle 1732-1750, Bd. 26 (1740), P-Pd, Spalte 1049f. Zu Schill: Bärsch, Schills Zug (wie Anm. 40), S.69; Napoleons Beurteilung Schills in Correspondance de Napoléon Ier, Bd. 19, hrsg. von Henri Plon und J. Dumaine, Paris 1866, S.56.

44) Binder von Krieglstein: Schill (wie Anm. 37), S.147-155; Bärsch, Schills Zug (wie Anm. 40), S.56.

45) Bärsch: Schills Zug (wie Anm. 40), S.73f., 81, 94, 97, 105-115; Binder von Krieglstein, Schill (wie Anm. 37), S.160f., 166-170, 185-199.

46) Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Rep 89 2.2.1, Nr. 32294, Bl. 7f.

47) Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, 89 2.2.1, Nr. 32294, Bl. 26f (Konzept; ohne Streichungen wiedergegeben, bis auf die eine bezeichnende). Weiter: Paul Zimmermann: Der Schwarze Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig, Hildesheim 1936, S.106; Thomas Stamm-Kuhlmann, König in Preußens großer Zeit. Friedrich Wilhelm III. der Melancholiker auf dem Thron, Berlin 1992, S.304-310.

48) Zimmermann: Der Schwarze Herzog (wie Anm. 47), S.110; Gustav von Kortzfleisch: Die Geschichte des Herzoglich Braunschweigischen Infanterie-Regiments Nr. 92 und seiner Stammtruppen, Bde. 1-3, Braunschweig 1896-1903, Bd. 1, S.26f., 38; Hermann von Schlieffen-Wioska, Hundert Jahre Braunschweigische Husaren. Geschichte des Braunschweigischen Husaren=Regiments Nr. 17, Bd. 1: Von der Errichtung der Schwarzen Schar bis zum Frühjahr 1870, Braunschweig 1909, S.24.

49) Schlieffen-Wioska: Hundert Jahre Braunschweigische Husaren (wie Anm. 48), S.31; Zimmermann, Der Schwarze Herzog (wie Anm. 47), S.119-122.

50) Kortzfleisch: Infanterie-Regiment Nr. 92 (wie Anm. 48), S.88-96, 103-114, 125.

51) Zimmermann: Der Schwarze Herzog (wie Anm. 47), S.142f.

52) Bärsch: Schills Zug (wie Anm. 40), S.63-65; Kortzfleisch: Die Geschichte des Herzoglich Braunschweigischen Infanterie-Regiments Nr. 92 (wie Anm. 48), S.38.

53) Bärsch, Schill’s Zug (wie Anm. 40), S.61.

54) Ernst Moritz Arndt: Das Lied vom Schill (1812), in <http: freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de> (Abruf: 22.09.2008, Referenzausgabe: Heinrich Meisner, Gedichte von Ernst Moritz Arndt. Vollständige Sammlung, Bd. 1, Leipzig 1893, S.329-332.

55) Charles Esdaile: Fighting Napoleon. Guerillas, Bandits and Adventurers in Spain, 1808-1813, New Haven, CT, London 2004, S.191f.; Charles Esdaile: The Peninsular War. A New History, London 2002, S. insbes. 483-509; allgemein auch: Ronald Fraser: Napoleon’s Cursed War (wie Anm. 9).