Die National Defense University und das National War College. „The Harvard of military education“

Wolfgang Pusztai

 

Die National Defense University (NDU) ist die höchste Offiziersfortbildungsstätte der US-Streitkräfte. Sie ist eine auch in der zivilen amerikanischen Bildungslandschaft hoch angesehene „accredited graduate-level university“. An jedem einzelnen Tag studieren bis zu 1.000 Personen an ihren verschiedenen Einrichtungen. Darunter befinden sich auch rund hundert Ausländer. Jedes Jahr werden mehr als 600 Master’s Degrees verliehen. Zum Stammpersonal zählen mehrere hundert Professoren der verschiedensten Fachrichtungen. Der Hauptsitz der NDU ist Fort McNair in Washington D.C.

Die NDU besteht aus fünf Colleges: dem „National War College“ (NWC), dem „Industrial College of the Armed Forces“ (ICAF), dem „Information Resources Management College“ (iCollege), dem „College of International Security Affairs” (CISA) und dem „Joint Forces Staff College“ (JFSC) in Norfolk/VA. Zu Letzterem gehört auch die „Joint and Combined Warfighting School“, die regelmäßig auch durch das Bundesheer beschickt wird.

Daneben gibt es drei „Research Centers“ („Center for the Study of Weapons of Mass Destruction“, „Center for Technology and National Security Policy“ und „Institute for National Strategic Studies“), fünf affiliierte Regional Centers (u.a. das George Marshall Center in Garmisch-Partenkirchen/Deutschland) und mehrere „Special Components“ (darunter auch ein „Afghanistan/Pakistan Language Training Center“).

Der „President of the NDU“ ist ein Offizier im Rang eines Generalleutnants. Der Stellvertreter ist ein Botschafter des US-Außenministeriums.

 

Das National War College - „The Graduate School of War“[1])

Allgemeines

Das 1946 gegründete National War College (NWC) befindet sich in der 1903 erbauten „Roosevelt Hall“ an der Südspitze des Fort McNair an der Mündung des Anacostia River in den Potomac. Es stellt das Herzstück der NDU dar.

Das Studium am NWC ist - wie auch die anderen Studiengänge der NDU - in der universitären Landschaft der USA voll anerkannt. Dies wird auch durch die engen fachbezogenen Kontakte mit Eliteuniversitäten wie Harvard und Yale unterstrichen. Im Wesentlichen wird aus Zeitgründen ein zweijähriges Masterstudium innerhalb eines - sehr arbeitsintensiven - Jahres absolviert. Die Studenten, die das NWC erfolgreich abschließen, erhalten den akademischen Titel eines „Master of Science in National Security Strategy“.

Der Auftrag an das NWC lautet: „The National War College mission is to educate future leaders of the Armed Forces, State Department, and other civilian agencies for high-level policy, command, and staff responsibilities by conducting a senior-level course of study in national security strategy.“ [2])

Das NWC vermittelt seinen Studenten einen gemeinsamen Rahmen zum Analysieren von komplexen Angelegenheiten der National Security. In einer Welt, in der komplexe Probleme zur Norm werden, ist es für die US-Regierung entscheidend, dass Key Decision Makers (und deren unmittelbare Mitarbeiter) quer durch den ganzen Regierungsapparat sich mit diesen Problemen bereits beschäftigt haben und auf einer Ebene miteinander kommunizieren können.[3]) Gleichzeitig ist es auch von Interesse, auf der ganzen Welt bei Verbündeten und Freunden Personen zu haben, die mit der amerikanischen strategischen Denkweise vertraut sind und diese verstehen.

Das akademische Programm besteht im Wesentlichen aus „Core Courses“ (Pflichtgegenständen), „Elective courses“ (Wahlpflichtgegenstände) und einem „Field Studies Program“. Die Core Courses stellen die Grundlagen in National Security Strategy, Policy, Military Strategy und Operations sicher. Die Electives ergänzen diese und ermöglichen eine individuelle Schwergewichtssetzung. Die Field Studies ermöglichen den US-Studenten das gezielte Befassen mit jeweils einer bestimmten Region der Erde, während die „International Fellows“ (IFs) vertiefende Studien über die USA durchführen.

 

Rahmenbedingungen

Joint, interagency and multinational environment

Eine besondere Stärke des NWC ist die durchgehende Joint-, „interagency“ und multinationale Umgebung, die auch in der Lehre entsprechend ausgenutzt wird. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zu den War Colleges der Teilstreitkräfte, die trotz (teilweise) ähnlicher Bemühungen die eigene Teilstreitkraft in den Vordergrund der Ausbildung stellen.[4]) Aufgrund des Standortes der NDU in Washington erscheint es aber auch um einiges leichter, entsprechendes Lehrpersonal, Studenten von außerhalb des Pentagons und hochrangige Gastvortragende zu bekommen.

 

Infrastruktur

Die Bibliothek der NDU verfügt über eine Sammlung von mehr als 500.000 gebundenen Bänden, Pamphleten, Periodika, audiovisuellen Materialien, Mikrofilmen, Government Documents und klassifizierten Unterlagen. Daneben gibt es noch „Special Collections“, Archive und einen „History Branch“, die persönliche Dokumente, seltene Bücher, geschichtliche Materialien, Papiere der Studenten, historische Fotos, Karten und Artefakte sammeln. Zeitgemäß werden auch umfangreiche elektronische Zugriffsmöglichkeiten über Internet und Intranet auf digitale Dokumente und Bücher sowie verschiedene wissenschaftliche Datenbanken geboten. Die Bibliothek der NDU, die auch an mehreren Samstagen pro Monat geöffnet ist, bietet damit sehr umfangreiche Möglichkeiten zur Unterstützung der Arbeit der Studenten und Professoren an.

Die hervorragende Ausbildungsinfrastruktur am NWC umfasst neben den Committee Rooms, die die „Heimat“ für jeweils rund 20 Studenten darstellen, zahlreiche Seminarräume für ca. 20 Personen, drei kleinere Lehrsäle für 30-50 Personen und einen großen Hörsaal für 250 Personen („Arnold Auditorium“). Alle Räume sind selbstverständlich mit modernster Technik ausgestattet. Für den Erhalt der körperlichen Leistungsfähigkeit, auf die besonderes Augenmerk gelegt wird, stehen mehrere Sportanlagen zur Verfügung.

 

Curriculum

Das akademische Programm des NWC soll die Fähigkeit der Studenten zum Analysieren nationaler/globaler Sicherheitsprobleme bzw. -angelegenheiten und zum Erarbeiten entsprechender Strategien weiterentwickeln. Diese Strategien sind nicht nur auf den militärischen Bereich ausgerichtet, sondern umfassen alle Elemente der „National Power“.

Das Curriculum behandelt die Grundlagen des strategischen Denkens, die Elemente und Instrumente (Diplomacy, Economy, Military und Informational) der „National Power“, die Theorie und Praxis des Krieges, den US- und internationalen Kontext für die Nationale Sicherheitsstrategie und das praktische Erarbeiten von Strategien. Der Zusammenhang von „domestic, foreign and defense policies“, die Notwendigkeit der Koordinierung zwischen den Teilstreitkräften, den einzelnen Agencies und den multinationalen Partnern sowie das Ausnutzen der jeweiligen besonderen Fähigkeiten wird dabei betont.

Die „Core Curriculum Objectives“ sind wie folgt festgelegt:

„The NWC core courses are designed to prepare students to:

1. Analyze the logic of strategic thinking for national security matters.

2. Analyze how national, transnational and international factors shape policy and strategy.

3. Evaluate how U.S. domestic factors influence the development of strategy and policy.

4. Analyze war across its spectrum as a holistic phenomenon.

5. Analyze the nature, purpose, capabilities, limitations, and principal concepts for use of the non-military instruments of power (e.g., diplomatic, economic, and informational) in peace, crisis, and war.

6. Develop national security strategies in peace, crisis, and war.

7. Examine how strategic leaders shape and implement policy and strategy.“ [5])

 

Vortragende/Professorenkollegium

Die Hälfte der ca. 60 Angehörigen des Lehrpersonales sind Zivilisten (angestellte Professoren sowie dienstzugeteiltes Personal vom State Department und verschiedenen Agencies, z.B. CIA). Die andere Hälfte kommt aus allen Teilstreitkräften (anteilig entsprechend der jeweiligen Stärke) und der Coast Guard. Alle Angehörigen des Lehrpersonals haben nicht nur einen entsprechenden akademischen Hintergrund, sondern auch umfangreiche praktische Erfahrung in den jeweiligen Fachgebieten. Die militärischen Mitglieder des Lehrkörpers tragen den Dienstgrad Oberst. Die Angehörigen des State Department sind durchwegs ehemalige Botschafter. Die finanziellen Möglichkeiten der NDU erlauben es, auch hoch qualifizierte Professoren von anderen angesehenen Universitäten, Think Tanks oder von verschiedenen zivilen Institutionen abzuwerben. Der Kommandant des NWC ist ein Offizier im Rang eines Generalmajors.

Für die Vorträge im Rahmen der Core Courses werden laufend externe Vortragende organisiert. Die Liste reicht von Deputy Secretaries über Combatant Commanders, prominenten Journalisten und Juristen, Professoren anderer Universitäten (z.B. Harvard und Yale), ausländischen Botschaftern und Fachleuten, Delegationsleitern für aktuelle politische Verhandlungen (z.B. für die Sechsparteiengespräche mit Nordkorea), Nobelpreisträgern, Senatoren, ehemaligen und aktiven Nationale Sicherheitsberatern und Außenministern bis hin zum Stabschef des Weißen Hauses.

 

Studenten

Auch die Zusammensetzung der Studenten entspricht dem „joint, interagency and multinational“ Gedanken. So besteht z.B. die „NWC Class of 2007“ aus 215 Studenten. Davon sind 183 US-Amerikaner, die sich nach folgendem Schlüssel aufteilen:

Die Policy der Teilstreitkräfte ist es, jeweils die 10% Besten eines Jahrganges, der zur Beförderung zum Oberst heransteht, zum Studium an das NWC zu schicken. Die Kursteilnehmer des US-Militärs setzen sich aus Angehörigen aller Truppengattungen zusammen. Dazu zählen u.a. auch Juristen, Veterinärmediziner und sogar Priester (!). Alle haben jedoch bereits ein „Command & Staff College“ absolviert. Das State Department entsendet ebenfalls die 10% Besten, die zum zivilen Oberst-Äquivalent („FS1“) befördert werden, zu dieser Ausbildung.

Die 32 „International Fellows“ (IFs) der „NWC Class of 2007“ stammen aus folgenden Ländern: Algerien, Argentinien, Österreich, Belgien, Bulgarien, Kanada, Kolumbien, Tschechische Republik, Ägypten, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Indien, Indonesien, Israel, Italien, Südkorea, Kuwait, Mazedonien, Mexiko, Marokko, Nigeria, Oman, Pakistan, Ruanda, Senegal, Slowakei, Slowenien, Schweiz, Thailand, Tunesien und Türkei. Die weitaus überwiegende Masse der Veranstaltungen des NWC (einschließlich des gesamten Core Programs) ist für alle Studenten offen bzw. verpflichtend. Nur sehr wenige Veranstaltungen sind nicht für die IFs zugängig (SOCOM-Einweisung, Besuch des CIA HQ, einzelne Electives).

Die Studenten sind in zehn „Committees“ eingeteilt, die die jeweilige „Heimat“ am NWC darstellen. Ein typisches Committee besteht aus zwölf uniformierten Amerikanern, fünf US-Zivilisten und drei IFs. Unter den Studenten des Committee werden verschiedenste Funktionen aufgeteilt (computer expert, sport committee, social committee, yearbook committee etc.). Dadurch sollen möglichst viele Studenten zur Mitwirkung am Gemeinschaftsleben gebracht werden.

Jeder Student hat einen „Faculty Advisor“ als akademischen Ansprechpartner zugewiesen. Dieser ist auch für die Genehmigung der gewählten Electives, die kursüberschreitende Überwachung der Leistungen und den Entwurf des „Final Report“ (Abschlußbewertung) zuständig. Daneben gibt es auch jeweils einen „Service Chair/Civilian Chair“ und einen oder zwei Committee Faculty Sponsor(s), die weitere Ansprechpartner für die Studenten darstellen.

 

Das Studienjahr am NWC

Das Studienjahr am NWC besteht aus zwei Semestern und geht ohne längere Unterbrechungen von Anfang August bis Mitte Juni. Der normale wöchentliche Rhythmus am College sieht wie folgt aus:

Core Courses

Die hintereinander zu absolvierenden sieben mehrwöchigen „Core Courses“ („6100“-„6700“) sind das Kernstück der Ausbildung am NWC. Für diese Kurse werden die Studenten in 16 „Seminars“ zu je 12-14 Teilnehmern (davon zwei IF) eingeteilt. Die Zusammensetzung der Seminare ändert sich mit jedem Core Course. Das Ziel ist es, dass die Studenten mit möglichst vielen unterschiedlichen Personen mit unterschiedlichen Erfahrungen zusammenarbeiten und breite Kontakte für die weitere Laufbahn knüpfen.

Für jeden Core Course wird neben mehreren Büchern und umfangreichen anderen Texten ein „Syllabus“ ausgegeben, in dem Ziele, Inhalte der Einzelthemen und erforderliche Vorbereitungsarbeiten erklärt werden. Die Behandlung der einzelnen Themen eines Core Courses beginnt am Vortag mit dem Durcharbeiten der jeweiligen „readings“ (jeweils ca. 80-120 Seiten an Fachartikeln, Buchauszügen und Dokumenten) als Teil der selbstständigen Vorbereitung für den nächsten Tag. Am eigentlichen Thementag erfolgt der Vortrag eines Professors oder eines Gastvortragenden mit „Question and answer period“. Danach wird die Materie in den Seminaren unter Anleitung von jeweils ein bis zwei Professoren eingehend diskutiert. Manchmal werden im Rahmen der Seminare auch vertiefende Präsentationen durch Studenten gehalten.

Für jeden Core Course sind durch die Studenten ein oder mehrere schriftliche Ausarbeitungen zu erstellen.

Im Herbstsemester gibt es drei Core Courses:

6100 - Introduction to Strategy

Dieser Kurs behandelt die Elemente der Strategie, kritisches Denken und „strategic analysis“ sowie Ausarbeitung und Anwendung eines „framework for strategic thinking“. Dabei wird die Grundlage für die weitere Bearbeitung strategischer Probleme geschaffen.

Im Zuge dieses Kurses sind durch einen Studenten z.B. folgende Ausarbeitungen zu erstellen:

- Definition of Strategy (Präsentation),

- Morality, Law and Strategy - The Conflict in Darfur (Präsentation),

- „Can Democracy Stop Terrorism?“- A critical Analysis (analysis paper).

6200 - War and Statecraft

War and Statecraft behandelt das „Phänomen des Krieges“. Es werden die Klassiker des militärischen Denkens (einschließlich der See- und Luftkriegstheoretiker)[6]) eingehend diskutiert und die militärische und nicht-militärische Dimension des Krieges sowie die Durchführung eines Krieges bzw. dessen Androhung zum Erreichen politischer Ziele analysiert. Durch diesen Kurs wird eine solide Grundlage für das Entwickeln von Militärstrategien gelegt.

Einem Studenten werden beispielsweise folgende Ausarbeitungen abverlangt:

- Genius/Military Genius/Coup d’Oeil in Clausewitz’ „On War“ (Präsentation),

- Aspects from State Building in Bosnia-Herzegovina (BiH) - Lessons for the Future (research essay).

6300 - The Non-military Elements of Strategy

Dieser Kurs analysiert die nicht-militärischen Werkzeuge der Strategie und wie sich diese Werkzeuge aus den Elementen der „national Power“ ableiten. Die Natur, der Zweck, die Möglichkeiten und Einschränkungen der nicht-militärischen Instrumente der Macht (Diplomacy, Economic Instrument und Informational Instrument/Public Diplomacy) und deren praktische Anwendung werden eingehend vermittelt. Der Kurs bildet die Grundlage für die einzelne und kombinierte Anwendung dieser Instrumente.

Beispiele für Ausarbeitungen durch einen einzelnen Studenten sind:

- International Relations Theories (Präsentation),

- John M. Keynes: The Economic Consequences of the Peace (Präsentation),

- Orchestration Case: [country] and non-proliferation - An Analysis of coercive Diplomacy (Präsentation im Team),

- The use of limited military means and non-military tools of - Crisis Management by the IC in the Kosovo crisis 99 (case study paper).

Das Spring Semester hat vier Core Courses:

6400 - The Domestic Context and U.S. National Security Decision-Making

Das Ziel dieses Kurses ist das Verstehen der komplexen Realität, in der amerikanische Strategen Entscheidungen aufbereiten und treffen müssen. Der Kurs besteht aus fünf Blöcken:

- Politics in America (einschließlich Founding Context, Constitution und Federalist Papers),

- People and Power (Congress, courts, lobbies, media),

- Preferences (einschließlich culture of executive power, culture of Congress and courts, Besuch des Kongresses inklusive Diskussion mit Ausschussvorsitzenden, Besuch des Supreme Court mit Diskussion mit dem Obersten Richter),

- Process (bureaucratic politics, budget process, National Security Council, dissent in a civil-military context),

- Precedents (deciding to intervene in [country], Hurricane Katrina).

Er schließt mit einer „Interagency Coordination Exercise“ zum Thema Planung humanitärer Hilfe und Leistung von Wiederaufbauhilfe für ein Land, das von einem Hurrikan verwüstet wurde.

Im Zuge dieses Kurses sind durch einen Studenten beispielsweise folgende Ausarbeitungen zu erstellen:

- The way to a new U.S. strategy towards [A-country] (under particular consideration of the influence of the [B-country] Lobby) (strategy paper),

- American and European Legal System (Common Law/Civil Law) - A short comparison (Präsentation und anschließende Diskussionsleitung),

- President Eisenhower’s National Security Council (Präsentation und anschließende Diskussionsleitung).

6500 - The Global Context

Dieser Kurs setzt sich mit dem komplexen globalen Umfeld, das den strategischen Kontext für amerikanische Policy und Strategy bildet, auseinander. Die Studenten sollen dabei die Welt und strategische Herausforderungen auch aus der Sicht anderer Akteure verstehen lernen. „Governance Challenges“ wie Globalization, Liberalization and Democratization, International Criminal Organizations, Nationalism/Ethnicity, Ungoverned Spaces, Islam and Governance, International Organizations und Environment/Natural Resources/Energy werden bei der Bearbeitung einzelner Regionen als Einstieg herangenommen.

Beispiele für Ausarbeitungen durch einen einzelnen Studenten sind:

- Definition of „Governance“ (Präsentation),

- Nationalism/Ethnicity Case: The [region] (Präsentation und Seminarleitung),

- NATO and EU (Seminarleitung: Leitung der Erarbeitung des Themas „NATO“, Präsentation des Themas EU und Diskussionsleitung),

- Muslims in [country] - A challenge for governance (research paper).

6600 - Field Studies in National Security (= weltweite Reisen für die US-Studenten)

Im Zuge der Field Studies in National Security bereisen die US-Studenten in Gruppen von ca. 8-10 Personen mit ein bis zwei Professoren die verschiedensten Regionen der Erde, um Probleme und Herausforderungen vor Ort zu studieren und mit hochrangigen Persönlichkeiten des jeweiligen Landes (bis hin z.B. zu regierenden Königen) bzw. der besuchten Organisation zu diskutieren.

Die IFs führen anstatt dieser Reisen „American Field Study Trips“ durch, sind aber in Vor- und Nachbereitung der Field Study in die eigene Herkunftsregion eingebunden.

6700 - Practicum in National Security Strategy

Den Abschluss des Studienjahres bildet die praktische Anwendung des gelernten Stoffes im Zuge von vier Blöcken vor dem Hintergrund von aktuellen Problemen. Die vier Blöcke der „NWC Class of 2007“ waren:

1. „Regional Assessments and Strategies“ hatte die Ausarbeitung einer US-Strategie für eine bestimmte Region im Rahmen von Gruppenarbeiten zum Ziel. Diese Strategie wurde zum Abschluss des Blockes aktuellen Verantwortungsträgern aus dem Bereich des State Department, Pentagons und National Security Council vorgetragen und mit diesen diskutiert.

2. Beim Block „Pandemic Influenza“ wurden die Lehren vorangegangener Pandemien analysiert und eine „Pandemic Influenza Exercise“ im Rahmen eines internationalen Umfeldes durchgespielt.

Im Zuge dieses Blockes waren durch einen Studenten z.B. folgende Ausarbeitungen zu erstellen:

- The [own country] Pandemic Influenza Plan (Memorandum),

- Pandemic Influenza - Lessons learned from the exercise.

3. „Nuclear Weapons Proliferation“ hatte die Ausarbeitung einer US-Strategie als Gegenstand für eine begleitende Gruppenarbeit. Daneben waren individuelle Einzelstrategien (Option Papers) im Zusammenhang mit einem konkreten aktuellen Problem auszuarbeiten.

4. Im Block „Sudan/Darfur“ wurde nach entsprechender Vorbereitung, in deren Rahmen auch die Aufstellung und die Aufgaben des neuen AFRICOM eingehend behandelt wurden, der internationale Entscheidungsfindungsprozess im Rahmen einer Übung durchgespielt.

 

Electives

An der NDU werden von den verschiedensten Einrichtungen rund 200 (!) „Electives“ zusätzlich zu den Core Courses des jeweiligen College angeboten. Jeder Student muss insgesamt mindestens vier dieser Wahlpflichtgegenstände, die jeweils zwölf Wochen dauern, über das Jahr verteilt wählen. Man kann pro Semester fünf Electives auswählen, von denen man dann zwei zugewiesen erhält. Unter den Electives muss eine „Regional Study“ sein. Die Electives müssen nicht am eigenen College gewählt werden. Die Vorbereitung für die einzelnen Wahlpflichtgegenstände erfolgt analog zu den Core Courses, ist aber meist noch etwas umfangreicher.

Die IFs müssen einen Teil der „American Field Studies“ verpflichtend wählen und können anstatt eines anderen Electives einen weiteren Teil nehmen. Diese „American Field Studies“ umfassen z.B. Geography, Legal System und American Popular Culture.

Beispiele für Electives sind:

1. Insurgency & Terrorism

Das Ziel dieses Electives ist die methodische Analyse von verschiedenen Insurgencies und das Ausarbeiten von Konsequenzen für deren Bekämpfung. Die Studenten müssen als Ausarbeitung im Team jeweils eine Insurgency systematisch analysieren, Konsequenzen erarbeiten und dem Forum präsentieren. Beispiel: Global Insurgency: The Al Qaeda Nebula and the Far Enemy (Special Focus: Jemaah Islamiyya and Insurgency in Southern Thailand).

2. Military Response to Crisis

„Military Response to Crisis“ behandelt verschiedene Krisen, deren Lösung mit militärischen Mitteln versucht wurde, und analysiert die Zweckmäßigkeit dieses Ansatzes. Weiters wird die Planung und Durchführung der ausgewählten Operationen auf der militärstrategischen und operativen Ebene eingehend behandelt.

Im Zuge dieses Kurses sind durch einen Studenten z.B. folgende Ausarbeitungen zu erstellen:

- The Malvinas War - The Argentine Point of View (Ausarbeitung und Präsentation im Team),

- (U.S.-) Non-combatant Evacuation Operations (Ausarbeitung und Präsentation im Team),

- EU Crisis Management (CM) and Operation EUFOR RD Congo (Ausarbeitung und Präsentation im Team).

3. Air Power and Modern War

Dieses Elective analysiert die Anwendung von Air Power vom Koreakrieg bis zu den aktuellen Konflikten im Irak und in Afghanistan und leitet Schlussfolgerungen für die künftige Entwicklung und Anwendung von Air Power ab. Die Einsatzerfahrungen der Studenten aus den diversen Konflikten, die im Zuge von „Air Power and Modern Warfare“ behandelt werden, sind Gegenstand eingehender Analysen. Im Zuge dieses Electives wird auch Lockheed-Martin zur Einweisung in die Programme F-22 und F-35/JSF besucht. Bei dieser Gelegenheit können die Studenten mit den Simulatoren dieser beiden Kampfflugzeuge jeweils mehrere Einsätze „fliegen“.

Im Zuge von „Air Power and Modern Warfare“ sind von einem Studenten z.B. folgende Ausarbeitungen zu erstellen:

- Essential Lessons (schriftliche Kurzausarbeitung zu jedem der zwölf Topics),

- Air Power in the Falklands War - some remarks (schriftliche Ausarbeitung),

- Kosovo 1999 - A Victory for Airpower? (Präsentation und Seminarleitung).

4. Middle East for Strategists

„Middle East for Strategists“ behandelt den Nahen und Mittleren Osten sowie den Raum Nordafrika. Insbesondere werden die Geschichte der Region, der Islam und Ursachen und Lösungsansätze für aktuelle Konflikte analysiert sowie erwartbare künftige Entwicklungen und mögliche Konsequenzen/Reaktionen erarbeitet.

Im Zuge dieses Electives sind von einem Studenten z.B. folgende Ausarbeitungen zu erstellen:

- [country]: Minorities in politics - How and why do the [name] rule [country]? (Präsentation und Seminarleitung),

- Is the Middle East truly unique? (analysis paper).

5. Geography (Teil der American Field Studies für IFs)

Die verschiedenen Kurzblöcke der American Field Studies (Geography, Education, Popular Culture und Civil Rights zu jeweils vier Doppelstunden) werden nur für die IFs als Elective angeboten. Ein Block davon ist verpflichtend (als eines von vier Electives) zu nehmen. Im Zuge der Electives der „American Field Studies“ sind keine besonderen Ausarbeitungen erforderlich.

 

Field Study Trips

Insgesamt werden über das ganz Jahr verteilt 15 Field Study Trips durchgeführt. Diese Reisen stellen das Gegenstück zu den „Field Studies in National Security“ der US-Studenten dar und werden in Ergänzung des akademischen Programms am NWC durchgeführt.

Der Zweck der American Field Study Trips der IFs ist - neben den Gesichtspunkten des Studiums - auch die Vermittlung eines ausgewogenen Verstehens der amerikanischen Gesellschaft, ihrer Einrichtungen und Ziele. Die Reisen beinhalten daher in Ergänzung zum militärischen Programm Besuche amerikanischer Familien in den unterschiedlichen Regionen des Landes, Einweisungen bei Industriebetrieben, Farmen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen, die Besichtigung historischer Stätten sowie von Verwaltungs- und Kultureinrichtungen.

Konkret werden im Zuge der Field Study Trips folgende Themen abgehandelt:

- U.S. government structure,

- U.S. judicial system,

- U.S. political party system,

- Role of a free press & other communication media,

- History of geographic, ethnic, religious & social groups in U.S.,

- Labor and labor-management relations,

- U.S. economic system,

- U.S. educational institutions,

- U.S. agricultural institutions,

- The American family & community life including religious institutions,

- Environmental protection,

- Public & social welfare,

- U.S. commitment to human rights,

- Laws of armed conflict and international treaties.

Bei mehreren dieser Trips ist die Teilnahme verpflichtend. Bei einigen Reisen ist auch die Mitnahme der Ehefrau bzw. der gesamten Familie möglich.

 

Ergänzende Ausbildungen

In Ergänzung zu den Core Courses, Electives und Field Studies werden folgende Ausbildungen/Vortragsreihen durchgeführt:

- Distinguished Lecture Program (DLP)

Vorträge durch höchstrangige militärische und zivile Funktionsträger (z.B. Secretaries, Deputy Secretaries, Chairman of the Joint Chiefs of Staff, Service Chiefs, Combatant Commanders, ausländische CHODs etc.). Manchmal hält auch der der amtierende Präsident der USA selbst einen Vortrag (z.B. George W. Bush und Barack H. Obama).

- Commandant’s Lecture Series

Vortragsserie, die im Wesentlichen Themen im Zusammenhang mit Ethik & Leadership behandelt. Vortragende bei der NWC Class of 2007 waren u.a. der ehemalige Secretary of State (General) Alexander Haig und der Journalist Bob Woodward.

- Brown Bag Lunch (Diskussionsveranstaltung, bei der die Studenten ihr Mittagessen einnehmen können)

Vermittlung von aktuellen Erfahrungen aus Einsätzen (z.B. Targeting Process/MNF-I, PRTs in AFGHANISTAN, FBI Operations in OIF/OEF, Battle of Fallujah, Setting up USAID in Baghdad, Urban CAS operations, Attack helo operations in Operation Anaconda, Pacification in the Sunni Triangle, Special Forces Operations in Iraq, Coalition Provisional Authority in Iraq).

- PREP-T/L (Professional Enhancement Program-Travel/Lecture)

Vorträge über Teilstreitkräfte und Agencies, Reisen zu den Teilstreitkräften sowie Vorträge von hochrangigen zivilen Gästen (z.B. CEO Lockheed Martin, Boeing).

- Einweisungen im Pentagon, State Department, Congress und Supreme Court.

- IF Country Briefings

Briefings zur Darstellung der Herkunftsländer der IFs (insb. der sicherpolitischen Lage der jeweiligen Länder).

 

Bewertung der Studenten

Bei der Beurteilung der Leistungen wird kein Unterschied zwischen Amerikanern und internationalen Studenten gemacht. In jedem Seminar eines jeden Core Course und in jedem Elective werden jeweils nach einem bestimmten Schlüssel ein bis drei „Top Students“ ermittelt. Am Ende der beiden Semester finden jeweils „Oral Exams“ statt (mündliche kommissionelle Prüfungen). Dabei wird jeweils in jeder der zwölf Prüfungsgruppen ein „Top Student“ ausgezeichnet.

Am Ende des 2. Semesters werden, basierend auf den Ergebnissen beider Semester, die „best students of strategy“ als „Distinguished Graduates“ (DG) ausgezeichnet. Dazu werden, basierend auf einer Reihungsliste, in die neben den „Top Student“- Wertungen noch verschiedene zusätzliche Bewertungen der Professoren einfließen, die ca. 10% Besten ausgewählt.

 

Sonstiges

Social Events und Sport

Social Events finden im Schnitt ein- bis zweimal pro Monat an der NDU und außerhalb statt. Beispiele für Events an der NDU sind die Commandant’s Reception, Service Birthdays, International Luncheons. Zu den Veranstaltungen außerhalb der NDU zählen u.a. der „American Patriots Award“, Veranstaltungen im Rahmen von Rüstungsmessen und Firmenpräsentationen. Über das ganze Jahr hinweg gibt es zahlreiche Sportveranstaltungen. Höhepunkt ist der Wettkampf zwischen allen War Colleges der US-Streitkräfte (Jim Thorpe Sports Days).

 

Folgeverwendungen für Absolventen

Die amerikanischen Studenten erhalten nach der Absolvierung des NWC entsprechende Folgeverwendungen, die oftmals den Ausgangspunkt für eine weitere, steile Karriere bilden. Typische Folgeverwendungen der uniformierten US-Studenten sind: Division Director/Combatant Commands, Commander JSOTF, Brigade CDR, CDR Destroyer Squadron, CDR Carrier Air Wing, Wing Commander, Director Navy Ops Center, Joint Chiefs of Staff Division Chief, Military Assistant to SECDEF.

Beispiele für Folgeverwendungen für Zivilisten im Office of the Secretary of Defense sind: Deputy Executive Secretary und Senior Strategist im Policy-Bereich. Andere zivile US-Studenten werden nach dem NWC z.B. Deputy Director/Regional Bureau oder Deputy Chief of Mission (= einer Botschaft) (State Department); Senior Intelligence Officer (DIA/CIA); Director, Regional Office (USAID).

Auch viele IFs erhalten der Ausbildung entsprechende nationale Aufgaben (Defense Attaché in den USA, Liaison Officer CENTCOM, Director J7/Joint Staff, Director of Maritime Plans/Navy Staff oder Director of Strategic Planning/GHQ).

Viele der Absolventen des NWC steigen in die jeweils höchsten Positionen ihrer Streitkräfte bzw. Organisationen auf.

 

NWC Alumini Networking

Bis heute haben rund 8.000 Studenten das National War College erfolgreich abgeschlossen. Davon waren rund 370 IFs. Die Bedeutung des Networking dieser NWC-Absolventen wird immer wieder betont und auch gezielt gefördert. Die „NWC Alumni Association“ soll die Verbindung unter den Absolventen und mit dem NWC auch nach dem Abschluss der Ausbildung sicherstellen. Internet Newsgroups dienen nicht nur dem (flächendeckenden) Halten des Kontaktes, sondern auch der fachbezogenen Diskussion. Auch das Halten von Einzelkontakten unter den Absolventen und mit der Faculty wird bewusst gefördert. In Washington finden monatliche „social meetings“ von einzelnen Klassen der NWC-Absolventen statt, die für das Networking von besonderer Bedeutung sind. Die Bedeutung der Kontakte steigt mit zunehmender Entwicklung der Laufbahnen der Alumni noch weiter an.

Zu den bekanntesten Alumni des NWC zählen - neben zahlreichen Botschaftern, Service Chiefs, Chairmen of the Joint Chiefs of Staff und Combatant Commanders der ehemalige Außenminister (General) Colin Powell, der das NWC als „the Harvard of military education“ [7]) bezeichnete, der National Security Advisor to President Obama General (ret.) James Jones und der Senator und Präsidentschaftskandidat John McCain.

 

Ausbildung am ICAF

Das „Schwester“-College des NWC, das Industrial College of the Armed Forces (ICAF), führt ebenfalls eine strategische Ausbildung auf sehr hohem Niveau durch, die allerdings ein anderes Schwergewicht hat. Die Aufgabe des ICAF ist to prepare selected military and civilians for strategic leadership and success in developing our national security strategy and in evaluating, marshalling, and managing resources in the execution of that strategy. [...] ICAF will educate strategic thinkers versed in national security strategy and its resource foundation, and serve as a center for study and research in the resource component of national security.“ [8])

Die Ausbildung erfolgt in vier Abschnitten:

Zusätzlich sind vier Electives (analog zur Vorgangsweise am NWC) zu nehmen.

Im Zuge der Industry Study werden folgende Bereiche in Gruppenarbeiten (auch mit Studienreisen in den USA und im Ausland; eine Gruppe der ICAF Class of 2007 war auch in Österreich) abgedeckt: Agribusiness, Aircraft, Biotechnology, Education, Electronics, Environment, Financial Services, Health Care, Information & Communication Technology, Land Combat Systems, Manufacturing, News Media, Privatized Military Operations, Reconstruction & Infrastructure, Shipbuilding, Space, Strategic Materials, Transportation, Weapons.

Bestimmte Veranstaltungen wie z.B. das „Distinguished Lecture Program“ werden für NWC und ICAF gemeinsam durchgeführt.

Insgesamt hatte die „ICAF Class of 2007“ 312 Studenten, die sich wie folgt aufteilten:

Diese Liste der Teilnehmer aus dem Private Sector ändert sich von Jahr zu Jahr. Es werden bis zu zehn Bewerber zugelassen, die jeweils ca. 56.000 USD für die Ausbildung bezahlen. Die Ausbildung ist in der US-Privatwirtschaft hoch anerkannt, was dadurch unterstrichen wird, dass sich im Zuge der IF Field Study Trips der Class of 2007 bei Konzernbesuchen mehrere Vice-Presidents (u.a. GM North America) und CEOs mit den Worten vorstellten: „By the way, I am ICAF Class of “.

Am Ende des Studienjahres wird den Absolventen des ICAF der akademische Grad eines „Master of Science in National Resource Strategy“ verliehen.

 

Ausbildung am CISA

Das International Counter Terrorism Fellowship Program (ICTF) wird für internationale Hörer mit zusätzlichen einzelnen US-Studenten durchgeführt. Das hauptsächlich für dieses Programm zuständige CISA verleiht seinen Studenten („Couterterrorism Fellows“ - CT-Fellows) nach dem zehnmonatigen Studium den akademischen Grad „Master of Arts in Strategic Security Studies (MASSS)“.

 

IF Vorbereitung und Begleitung

International Students Management Office (ISMO) der NDU

Zur Erleichterung der Eingliederung der IFs in die Studienprogramme der einzelnen Colleges wird eine gezielte Vorbereitung und laufende Betreuung durchgeführt. Das ISMO ist für die Durchführung der Vorbereitungskurse, die laufende (v.a. administrative) Betreuung während des Studienjahres und die Organisation der Field Studies verantwortlich. Diese Tätigkeit umfasst nicht nur die IFs am NWC (32) und am ICAF (20), sondern auch die Teilnehmer an kürzeren NDU-Ausbildungen wie z.B. dem ICTF (ca. 30 CT-Fellows).

 

Familien

Die Mitnahme der Familie wird von der NDU „strongly encouraged“. Für die Einbindung in die Gemeinschaft an der NDU und das Anknüpfen von Kontakten ist die Anwesenheit der Familie sehr wesentlich. Die wenigen internationalen Studenten, die ohne Familie in den USA sind, haben zumindest informell einen schwierigeren Stand.

 

Sponsorship

Die IFs erhalten zusätzlich zum „Faculty Advisor“, dem „Service Chair/Civilian Chair“ und den Committee Faculty Sponsoren einen NDU-Sponsor. Das ist ein Angehöriger der NDU, der in der gleichen Gegend wohnt wie der jeweilige IF. Je nach Bedarf gibt es darüber hinaus noch weitere Sponsoren:

- Student Sponsor: ein US-Student aus dem gleichen Committee; dieser ist für die tägliche Unterstützung des jeweiligen IF in allen akademischen Angelegenheiten zuständig (Vorbereitung aufs jeweilige Seminar, Unterstützung bei der Ausarbeitung von Präsentationen und Papieren etc.);

- Community Sponsor: ein Zivilist aus der Wohngegend des IF mit Verbindung zum International Students Management Office (ISMO), der bei den diversen Tätigkeiten im Rahmen des Einzuges in das Wohnobjekt (z.B. Anmeldung Gas, Wasser, Strom) unterstützt und auch die soziale Integration in die jeweilige Community verbessern soll.

 

Vorbereitungsprogramm des ISMO

Das Vorbereitungsprogramm des ISMO für die IFs beginnt Mitte Juni. Die wesentlichen Inhalte sind In-processing, eine Englischausbildung, PC-Ausbildung, allgemeine Einweisungen, organized housing tours (für IFs mit „Temporary Living Allowance“ - TLA (= Aufenthalt wird durch die USA bezahlt), erste Field Study Trips, Vorträge der Leiter der einzelnen Teilbereiche der NDU und erste Einweisungen in die Teilstreitkräfte.

Zu Beginn des Studienjahres müssen alle IFs, die nicht Englisch als Muttersprache haben, den TOEFL (Test of English as a Foreign Language) an einer zivilen Universität absolvieren. Dieser Test ist Zugangsvoraussetzung für ein akademisches Studium an einer amerikanischen Universität. IFs, die nicht bestehen, werden vorerst nicht zum Masterstudium zugelassen. Später entscheidet eine Kommission über ihre Eignung und die allfällige ausnahmsweise Zulassung.

 

IF Alumni Meeting

Die NDU veranstaltet jeweils im September nach der Wahl des US-Präsidenten ein IF Alumni Seminar. Zweck dieser gut und hochrangig besuchten Veranstaltung ist die Information über die Ausrichtung der Außen- und Sicherheitspolitik der neuen Regierung, Weiterbildung in aktuellen Themen und das Pflegen der Kontakte innerhalb der Gemeinschaft der NDU Alumni. Das Programm ist stets sehr intensiv, sowohl hinsichtlich der Zeit als auch der Inhalte. Beim jüngsten IF Alumni Seminar wurden u.a Vorträge von ranghohen Offizieren der Joint Chiefs of Staff (bis hin zum Chairman Admiral Mullen) und hohen Vertretern des State Department, die Teilnahme an einem Vortrag des Chairman der African Union Commission und an einem Symposium über „Energy Security“ geboten. Das NDU Alumni Meeting ist somit kein „Jahrgangstreffen“, sondern eine einzigartige Gelegenheit für eine hochqualitative und exklusive Weiterbildung.

 

Bewertung

Die aufgrund der erforderlichen umfangreichen Vorbereitungen und Ausarbeitungen sehr zeitintensiven Ausbildungen am NWC und dem ICAF sind insbesondere wegen

- des gut durchdachten Curriculums,

- des joint, interagency und multinational environment,

- der hohen Qualität (und Anzahl) des Lehrkörpers und der Gastvortragenden,

- der effizienten Organisation und

- der Ausbildungsinfrastruktur

besonders wertvolle strategische Ausbildungsgänge.

Beide sind in dieser Form im Bundesheer nicht verfügbar und können auch mit kaum einer anderen internationalen Einrichtung verglichen werden.

Bestimmten Ländern werden vom Chairman of the Joint Chiefs of Staff laufend Ausbildungsplätze an der NDU angeboten. Über dieses „fix“ vergebene Kontingent hinaus gibt es eine bestimmte Anzahl weiterer Plätze, die auf die regionalen US-Combattant Commands aufgeteilt wird. Diese entscheiden dann über weitere Einladungen. Aktuell gibt es im Bundesheer lediglich drei Absolventen der NDU im Aktivstand (2 NWC, 1 ICAF).

 

Ausblick

Die NDU soll sich künftig zu einer „National Security University“ weiterentwickeln. Dies will man aufgrund der Langwierigkeit des erforderlichen Prozesses für Gesetzesänderungen im Konsens mit den anderen betroffenen Departments und Agencies bereits praktisch umsetzen, bevor die gesetzlichen Grundlagen vorhanden sind. Zu diesem Zweck sollen die Interagency Contacts durch das Hereinholen von noch mehr Interagency Students und Faculty-Members weiter verbessert werden. Aktuell ist das Verhältnis an zivilen und militärischen Studenten NDU-weit 56% U.S. military zu 44% non-U.S. military. Diese Zahl soll sich kurzfristig auf 50%-50% verschieben, wobei aber nicht weniger Militärs aufgenommen werden, sondern mehr US-Zivilisten dazukommen sollen.

Darüber hinaus wird auch die Kooperation mit den NDUs anderer Länder intensiviert. Dazu zählen einerseits Staaten wie Großbritannien mit dem „Royal College of Defence Studies“ und andererseits auch Länder wie Indonesien und Afghanistan, bei denen wohl eher „Aufbauhilfe“ und Informationsaustausch im Vordergrund stehen. Auch der Kreis der internationalen Studenten („IF“) wird laufend an die aktuellen Bedürfnisse angepasst. In der „IF Class of 2009“ gab es erstmals einen Studenten aus Serbien. Der Verteidigungsminister erteilte die Vorgabe, dass die Anzahl der internationalen Studenten an der NDU und an den War Colleges der Teilstreitkräfte in den nächsten Jahren um 50% erhöht werden müsse (= + 100). Die Anzahl der IFs am NWC und am ICAF wird aber in den nächsten Jahren nur mehr leicht steigen. Die Ursache dafür liegt in der Platzproblematik und dem eigenen amerikanischen Bedarf.

Zu den neuen Forschungs- und Tätigkeitsbereichen der NDU zählen die „Wounded Warrior Initiative“ und die „Post-Traumatic Stress Disorder Initiative“, die aufgrund des aktuell hohen Einsatztempos und der anfallenden Verluste als besonders wichtig beurteilt werden. Möglicherweise wird die „Post-Traumatic Stress Disorder Initiative“ quer durch alle Curricula zum Tragen kommen.

Derzeit wird auch die Einrichtung eines eigenständigen PhD-Programmes an der NDU überlegt.


ANMERKUNGEN:

[1]) Colin Powell: My American Journey (New York: Ballantine Books, 1996), S.198.

[2]) NWC Student Handbook 2009-10 (Washington D.C., 2009), S.2.

[3]) Vgl. French MacLean: „This college provides education to safeguard America,“ herald-review.com, February 16, 2009, http://www.herald-review.com/news/opinion/editorial/columnists/maclean/article_4e8838d0-3f6f-58de-b186-c462cf410194.html.

[4]) Die Studenten der War Colleges der Teilstreitkräfte setzen sich zu rund 75% aus Mitgliedern der eigenen Teilstreitkraft zusammen. Das Ziel ist es aber, in jedem Seminar wenigstens einen Angehörigen der anderen Waffengattungen, einen Zivilisten sowie einen IF zu haben.

[5]) NWC Student Handbook 2009-10 (Washington D.C., 2009), S.7.

[6]) U.a. Sun Tzu, Machiavelli, Clausewitz, Jomini, Liddell Hart, Mao, Corbett, Mahan, Douhet und Mitchell.

[7]) Powell, a.a.O., S.198.

[8]) ICAF Student Handbook 2009-10 (Washington D.C., 2009), S.1.