Die Streitkräftebasis der Bundeswehr

Kreativ - Effizient - Modern. Im Einsatz erfolgreich!

Wolfram Kühn

 

Die wohl am häufigsten genutzte Einstiegsformulierung der letzten 20 Jahre in Reden und Artikeln mit sicherheitspolitischem Bezug lautet: „Das Ende des Kalten Krieges und die sich daraus ergebenden fundamentalen Umbrüche in der sicherheitspolitischen Landschaft ... Kein seriöser Beitrag kam um diesen Aspekt herum, sodass heute jede Betrachtung dieser Phase des sicherheitspolitischen Umbruchs Gefahr läuft, nur allzu Bekanntes zu wiederholen. Dennoch muss die Zeit des Kalten Krieges auch in diesem Artikel als Ausgangspunkt der weiteren Betrachtungen beschrieben und analysiert werden. Zu prägend war der Kalte Krieg, um ihn vernachlässigen zu können, und auch auf diesem Feld gilt: Man kann nur verstehen, wer man ist und wohin man geht, wenn man weiß, woher man kommt. Das gilt insbesondere mit Blick auf die 2004 eingeleitete Transformation der Bundeswehr und die damit im Zusammenhang stehenden weitreichenden Fähigkeits- und Strukturanpassungen der Bundeswehr. Strikte Einsatz- und Fähigkeitsorientierung, streitkräftegemeinsames Denken und Handeln sowie die Einführung der Kräftekategorien Eingreifkräfte (EK), Stabilisierungskräfte (SK) und Unterstützungskräfte (UK) stehen für die Transformation der Bundeswehr. Quasi als Vorwegnahme dieses Ansatzes wurde im Jahr 2000 die Streitkräftebasis (SKB) als neuester Organisationsbereich der Bundeswehr aufgestellt. Die SKB bildet mit ca. 80.000 Soldaten und zivilen Mitarbeitern im wahrsten Sinne des Wortes eine Basis für die Streitkräfte und fasst einen Großteil der für Einsatz und Grundbetrieb erforderlichen streitkräftegemeinsamen Fähigkeiten und Kräfte zusammen. Sie bündelt unter Freisetzung von Synergien die bisher in den Teilstreitkräften (TSK) separat und damit redundant wahrgenommenen Aufgaben und ermöglicht es den klassischen TSK, sich auf ihre Kernaufgaben zu konzentrieren. Die SKB ist damit nicht nur Vorreiter, sondern auch Motor des Transformationsprozesses.

45 Jahre standen sich im Kalten Krieg die Streitkräfte der NATO und des Warschauer Paktes im übertragenen Sinne, an der innerdeutschen Grenze auch physisch, auf Waffenreichweite gegenüber. Kalter Krieg, das bedeutete die lineare Konfrontation mechanisierter Großverbände in einem geografisch eindeutig identifizierbaren Raum. Man stand einem Gegner gegenüber, über den man bis hinunter zum einzelnen Panzerkommandanten so gut wie alles wusste. In der sich daraus ableitenden Berechenbarkeit hatten sich die Streitkräfte über Jahrzehnte hinweg eingerichtet. Die Einsatzplanungen waren auf das Territorium der alten Bundesrepublik Deutschland konzentriert. Die Operationsführung war auf Abnutzung und Raumgewinn ausgerichtet und basierte in weiten Teilen auf dem operativen und taktischen Gedankengut des Zweiten Weltkrieges. Das spiegelte sich auch in den Strukturen der Bundeswehr wider. Selbstständige, weitestgehend autarke und starke TSK, die auf taktisch-operativen Ebenen ihre Gefechte unabhängig voneinander planten, bestimmten die Strukturen. Die TSK waren hinsichtlich Mentalität, Ausrüstung, Ausbildung, Personal und Material Inseln, die nur über einzelne Seilstege lose miteinander verknüpft waren. Kompatibilität, Streitkräftegemeinsamkeit, Effizienz oder gar wirtschaftliches Denken und Handeln standen hinter der konkreten Bedrohung durch den Warschauer Pakt zurück. Das Ende des Kalten Krieges 1990, die Wiedervereinigung und nachfolgend die volle Souveränität Deutschlands sowie die ersten Auslandseinsätze der Bundeswehr brachen in diese gut geordnete Welt ein. Das Schlagwort dieser Jahre war das der „Friedensdividende“. Personelle und materielle Abrüstung sowie die Reduzierung der Ausgaben für den Verteidigungshaushalt standen im Vordergrund der politischen Agenda für die Bundeswehr im wiedervereinigten Deutschland - der „Armee der Einheit“.

 

Von einer Armee im Kalten Krieg über die Armee der Einheit zur Armee im Einsatz

„Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen“, war die Devise des Kalten Krieges bis 1990. Gut elf Jahre später brachte der Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 den endgültigen Paradigmenwechsel im sicherheitspolitischen Umfeld. Heute bestimmen reale Einsätze und realer Kampf das Tagesgeschäft der Bundeswehr. „Vom Einsatz her denken“ und „Alles, was nicht dem Einsatz dient, ist nachrangig“, so lauten die Vorgaben der Gegenwart sowie der absehbaren Zukunft. Für die „Armee im Einsatz“ steht gemeinsames, zielorientiertes Handeln im gesamten Fähigkeitsspektrum inklusive des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus im Mittelpunkt. Die Transformation der Bundeswehr setzt diese Schwerpunktsetzung konsequent um und ermöglicht als Methode eine permanente, schnelle und fließende Anpassung an die Einsatzrealität. Sie verhindert, dass die Bundeswehr sich quasi als Dinosaurier auf Kriege und Einsätze von gestern vorbereitet. Dies erfordert Kreativität und Innovationskraft, aber auch die Abkehr von bis dahin selbstverständlichen Strukturmerkmalen, wie z.B. der weitgehenden Eigenständigkeit von Heer, Luftwaffe und Marine. Neben dem rein wirtschaftlichen Druck, der teure Redundanzen nicht mehr erlaubt, ist es die Einsatzrealität der Bundeswehr, die auf allen Ebenen die Einsicht prägt, dass Einsätze grundsätzlich nur noch streitkräftegemeinsam stattfinden können. Die Frage, aus welcher Teilstreitkraft eine Fähigkeit im Einsatz zur Verfügung gestellt wird, ist irrelevant. Relevant ist lediglich, ob sie professionell und durchhaltefähig verfügbar ist.

Jede Entscheidung hat Vor- und Nachteile. Der Verlust der Autarkie der TSK mag bisweilen als Nachteil empfunden worden sein. Der entscheidende Vorteil der Aufstellung der SKB für die TSK war jedoch die Befreiung von Aufgaben, die nicht zu deren Kernfähigkeiten gehören. So kann z.B. die Aufgabe, Truppe im Einsatz in Feldlagern unterzubringen, weder als Kernfähigkeit des Heeres, der Luftwaffe oder der Marine bezeichnet werden. Es ist vielmehr schlichtweg eine erforderliche Leistung, die sinnvollerweise von einem Anbieter, aus einer Hand für alle Soldaten im jeweiligen Einsatzkontingent angeboten wird. Im Sinne dieser Betrachtung wurden bisher redundant wahrgenommene Aufgaben in der SKB zusammengefasst und gebündelt. Dabei galt es, Einsparpotenziale und Synergien konsequent auszunutzen, die mehr oder weniger geschlossenen TSK-Systeme mit ihren teilweise nicht-kompatiblen Insellösungen zu harmonisieren und aufzubrechen und hierdurch streitkräftegemeinsames Denken einzuführen bzw. zu stärken. Die konsequente Anwendung dieses Prinzips setzt Ressourcen frei, die es erlauben, dass sich die TSK wieder auf ihre Kernfähigkeit konzentrieren können: letale und nicht-letale Wirkung im Einsatz zu erzielen.

In diesem Kontext und Verständnis lautet der Auftrag der SKB:

- die streitkräftegemeinsame Führungsorganisation für Auslandseinsätze und Hilfeleistungen der Bundeswehr im In- und Ausland bereitzustellen und zu betreiben;

- Einsätze aus Deutschland heraus über die Basen in den Einsatzgebieten bis in die Einsatzräume hinein zu führen und zu unterstützen;

- Kräfte und Mittel für Auslandseinsätze und subsidiär auch für Hilfeleistungen der Bundeswehr im In- und Ausland bereitzustellen und

- Unterstützungsleistungen aus Deutschland heraus sicherzustellen.

Diesen Auftrag erfüllt die SKB mit einer Mischung aus stationären und mobilen Kräften mit unmittelbarem Einsatzbezug sowie einer Vielzahl von funktionalen Dienststellen im gesamten Aufgabenspektrum der Bundeswehr. Letztere haben oft nur einen mittelbaren Einsatzbezug, stellen aber den absolut unverzichtbaren Ausbildungs- und Funktionssockel der Streitkräfte dar.

 

Grundzüge der SKB-Struktur

Die SKB stützt sich bei der Führung des eigenen Bereiches auf das Streitkräfteunterstützungskommando (SKUKdo) und das Streitkräfteamt (SKA) ab. Das SKUKdo führt vorwiegend die Kräfte und Einrichtungen mit unmittelbarem Einsatzbezug, das SKA zeichnet in erster Linie für den Ausbildungs- und Funktionssockel verantwortlich. Im Bereich der Einsatzkräfte deckt die SKB die Fähigkeiten Logistik, Führungsunterstützung, Elektronische Kampfführung, Operative Information, Feldjägerwesen, Kampfmittelbeseitigung und Feldlagerbau und -betrieb ab. Darüber hinaus werden mit streitkräftegemeinsamen Einrichtungen die nationale Führung aller Kräfte im Einsatz, deren Versorgung, die strategische Mobilität sowie das Militärische Nachrichtenwesen sichergestellt. Mit dieser Kombination von Einrichtungen und Kräften stellt die SKB friktionsarm und unterbrechungsfrei die Einsatzfähigkeit deutscher Einsatzkontingente von der strategischen bis zur taktischen Ebene ganzheitlich und v.a. durchgängig aus einer Hand sicher. Im Ausbildungs- und Funktionssockel sind Schulen, Akademien, Universitäten, Ämter mit Spezialaufgaben, wie z.B. die Verifikation von Abrüstungsmaßnahmen, die Militärattachéstäbe und die Auslandsdienststellen der Bundeswehr abgebildet. Mit einem Personalansatz von nur ca. 11.000 militärischen Dienstposten wird diese streitkräftegemeinsame Unterstützung für die gesamte Bundeswehr geleistet.

Die SKB als Force Enabler, Force Provider und Force Multiplier

Der umfassende Charakter des Beitrages der SKB zu den Einsätzen kann an den Rollen als Force Enabler und Force Provider festgemacht werden. Als strategischer Force Enabler ermöglicht die SKB Einsätze der Bundeswehr in den Fähigkeitskategorien Führungsfähigkeit, Unterstützung und Durchhaltefähigkeit sowie Überlebensfähigkeit und Schutz. So gehört z.B. das Sicherstellen der strategischen Mobilität der Bundeswehr durch die zentrale Disposition aller Verkehrs- und Verbringungsarten zum täglichen Kerngeschäft der SKB. Dieses ist insbesondere bei schnellen Anfangsoperationen eine Herausforderung. Eine Herausforderung, die die SKB mehrfach wie etwa 2002 bei ISAF oder 2006 bei EUFOR RD CONGO erfolgreich bewältigt hat. Darüber hinaus versorgt die SKB seit ihrer Gründung erfolgreich jeden Tag weltweit die Einsatzkontingente der Bundeswehr mit allem, was benötigt wird.

Als Force Provider stellt die SKB ebenso wie Heer, Luftwaffe, Marine und Zentraler Sanitätsdienst ausgebildete Einsatzkräfte für die streitkräftegemeinsamen Einsatzkontingente zur Verfügung. Die Bündelung von teilstreitkräfteübergreifenden Kräften hat dabei zu einer Konzentration insbesondere von handwerklich und technologisch hochgradig spezialisierten Fähigkeiten in der SKB geführt. Eine Vielzahl dieser Fähigkeiten, z.B. auf dem Gebiet der Kampfmittelbeseitigung oder der Operativen Information, wird in den Einsätzen als so genannte Force Multiplier bewertet, d.h. als Kräfte und Mittel, die trotz zahlenmäßig geringen Umfangs die Wirksamkeit anderer Einheiten um ein Vielfaches erhöhen.

 

Zentren - die Antwort auf gestiegene Komplexität

Die bloße Zusammenfassung der Kräfte in der SKB ist jedoch nur ein Teil der Modernisierung und damit nur eine Facette des Erfolges. Weitere zukunftsorientierte Strukturmerkmale, die die SKB als neu aufzustellender Bereich, ohne von Traditionen behindert zu sein, umsetzen konnte, tragen hierzu bei. Dazu zählen die Verwirklichung und die konsequente Umsetzung des Zentrumsgedankens.

Die Auswertung der Einsätze hat gezeigt, dass es oft an der ganzheitlichen Zusammenführung und verknüpfenden Auswertung von Einsatzerfahrung, Ausbildung, Ausrüstung, Personalplanung sowie der harmonisierten Weiterentwicklung von Einsatzgrundsätzen fehlt. Die zerfaserte Verantwortungslandschaft verhinderte eine entsprechende Durchgängigkeit. Alle Versuche, die komplexer werdenden Einsatzbedingungen mit immer feiner verästelten Strukturen zu bewältigen, waren wenig erfolgreich. Das Ergebnis war häufig eine Zerfaserung der Verantwortungslandschaft sowie die Beeinträchtigung der notwendigen Durchgängigkeit und Anpassungsgeschwindigkeit. Die SKB ist dabei, diesen Knoten zu durchschlagen, und verfolgt, wo immer möglich, den Weg, alle Aufgaben eines Fähigkeitsbereiches in eine einzige Hand zu geben und so der Komplexität der Einsatzwelt zumindest mit klaren Verantwortlichkeiten zu begegnen. Ausbildung, Einsatz, Weiterentwicklung, die Bereitstellung einsatzbereiter Kräfte sowie die truppendienstliche Führung einer speziellen Fähigkeit, all das erfolgt nach dem Zentrumsprinzip aus einer Hand. Das Zentrum für Kampfmittelbeseitigung der Bundeswehr, das Zentrum für Operative Information, das CIMIC-Zentrum, das Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr, aber auch das Kommando Strategische Aufklärung sind Beispiele für den Erfolg versprechenden Zentrumsgedanken, der, wo sinnvoll, weiter verfolgt wird.

 

Ziel- und prozessorientiertes Denken und Handeln

Die überwiegende Zahl der Leistungserbringungsprozesse der SKB ist komplex, horizontal und vertikal vernetzt sowie in der Regel mit langen Planungshorizonten belegt. In vielen Bereichen sind Parallelen zu Leistungserbringungsprozessen der Wirtschaft gegeben. Wie in der Wirtschaft auch hat sich in der SKB zunehmend die Erkenntnis durchgesetzt, dass die klassischen Problemlösungsverfahren zur Bewältigung komplexer Aufgabenstellungen bei knapper Ressourcenlage oft nicht ausreichen. Unabdingbare Voraussetzungen für erfolgreiches Planen, Entscheiden und Handeln in der heutigen Welt sind u.a. eine explizite Zielorientierung, die Entwicklung und Verfügbarkeit operationalisierter Zielsysteme, die Transparenz von Prozessen sowie eine grundsätzliche Prozessorientierung und die damit verbundene Bereitschaft, nicht nur kurzfristig zu denken. Nur ein Führer, der in all diesen Feldern sicher agieren kann, ist in der modernen Welt angekommen. Die Welt des Militärs ist grundsätzlich auf schnelles Entscheiden und entschlossenes situatives Handeln ausgerichtet. Erfahrung und Intuition spielen eine wichtige Rolle. Bisweilen begegnet man daher der Fehlinterpretation, dass wirtschaftliches Handeln und vernetzte Planung dem militärischen Denken zuwiderlaufen. Daher erfordert die Umsetzung des ziel- und prozessorientierten Denkens und Handelns Beharrlichkeit und Durchsetzungsvermögen. Die SKB stellt sich dieser Aufgabe und hat - basierend auf den Grundsätzen des deutschen Führungsdenkens und des klassischen Führungsprozesses - die Ziel- und Prozessorientierung als übergreifendes Führungsprinzip eingeführt. Herzstück der Ziel- und Prozessorientierung ist die Prozessanalyse. Durch diese werden die Prozessstrukturen, die Zusammenhänge zwischen einzelnen Prozessschritten und die dadurch bestehenden Wirkmechanismen transparent. Die systematische, am Prozess orientierte Analyse ermöglicht es, Schwachstellen und damit Verbesserungsmöglichkeiten in der Auftragserfüllung zu identifizieren, die mit der üblichen funktionalen Betrachtungsweise nicht erkannt werden können. Kern der Prozessanalyse ist die Identifizierung von Störgrößen in der Leistungserbringung, die mit dem Ziel der Prozessoptimierung verändert werden müssen. Zentraler Ausrichtungspunkt und zugleich Ausgangspunkt der Analyse ist das zu erstellende Produkt, das oft gleichbedeutend mit dem zu erfüllenden Auftrag ist. Folgende Vorteile werden durch die Anwendung der Ziel- und Prozessanalyse angestrebt:

- Transparenz der Prozesse für alle Prozessbeteiligten;

- Klärung von Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten;

- Schwachstellenanalyse, Identifizierung von Störgrößen und permanente Optimierung;

- Prozessoptimierung durch Vereinfachung komplexer Abläufe;

- Entwicklung von Standardprozessen;

- dienststellenübergreifende Harmonisierung;

- Hilfsmittel für Lagefeststellung und Dienstaufsicht;

- Umsetzung des Prinzips „Best Practice“.

 

Kooperationen mit der Wirtschaft

Kooperationen mit der Wirtschaft ergänzen in Bereichen, in denen die Wirtschaft Leistungen effizienter und kostengünstiger erbringen kann als die Streitkräfte selbst, deren Leistungsfähigkeit. Die SKB sucht die Kooperation mit der Wirtschaft wo immer möglich. Dabei werden alle Aufgaben betrachtet, die nicht unmittelbar den Einsatzzwecken dienen, sondern als „Nicht-militärische Kernaufgaben“ klassifiziert werden können. Grundsätzlich gilt es, die richtige Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und der Wirksamkeit im Einsatz, d.h. der militärischen Auftragserfüllung zu finden. Auch der Know-how-Transfer zur Verbesserung der militärischen Leistungserbringung ist dabei eine Synergie produzierende Vorgehensweise. Die SKB versucht stets das Beste aus den zwei Welten Militär und Wirtschaft zu einer neuen Qualität zu verbinden. Erfolgreiche Kooperationen mit der Wirtschaft gibt es im Bereich des Bekleidungsmanagements mit der LH Dienstbekleidungs- GmbH oder dem Flottenmanagement des Bundeswehrfuhrparkservice. Ein anderes Beispiel ist die Beteiligung am multinationalen „Strategic Airlift Interim Solution- (SALIS)-Projekt“, mit der bis zur Einführung des A-400M die Mobilität im strategischen Lufttransport durch Nutzung ziviler gewerblicher Kapazitäten sichergestellt wird. Ein rein deutsches Erfolgsprojekt ist der „Gesicherte Gewerbliche Strategische Seetransport (GGSS)“. Zur Sicherstellung der strategischen Mobilität auf dem Seeweg wurde mit einem dänischen Reeder eine Vereinbarung getroffen, die Deutschland die Verfügbarkeit von drei RoRo-/LoLo-Schiffen (bis zu 8.000 Lanemeters) in abgestuften Bereitstellungszeiten (15, 30 und 60 Tagen) garantiert. Dies entspricht etwa dem Seetransportbedarf der für die Bundeswehr wahrscheinlichen Einsätze. Außerhalb von Nutzung und konkreten angeforderten Vorhaltezeiträumen können die Schiffe durch den Reeder an „Dritte“ weiterverchartert werden. Das dabei erwirtschaftete Geld wird von den Mietkosten für die drei Schiffe abgezogen; eine Lösung, mit der im Jahr durchschnittlich 5 Mio. EUR eingespart werden können.

Der Aufgabenbereich Logistik bietet sich für Kooperationen mit der Wirtschaft ganz besonders an. Mit der 2004 initiierten „Projektskizze Logistik“ wird dieser Aufgabenbereich konsequent auf mögliche Kooperationen durchleuchtet. Die Projektskizze hat sich zum Ziel gesetzt, in einem ganzheitlichen Ansatz so genannte „Optimierte Eigenmodelle“ (OEM) sowie mögliche weitere Kooperationen mit der Wirtschaft als „Öffentlich-Private Partnerschaften“ (ÖPP) zu untersuchen. Die Untersuchungsfelder umfassen Bereiche wie die Katalogisierung von Munition, Betriebsstoff, Materialerhaltung, das Kalibrierwesen, das Transportwesen sowie die Lagerhaltung und Distribution. Nicht immer ist ein ÖPP wirtschaftlicher als ein OEM. Aber allein der durch die Überprüfung entstehende Wettbewerbsdruck kann zur Effizienzsteigerung der militärischen Abläufe führen.

 

Das Task Force-Prinzip - „Train as you fight”

Jeder Einsatz ist anders. Insbesondere Landstreitkräfte stehen bei jedem Einsatz vor der Herausforderung, dass der Einsatz von ihnen Verbände, Einheiten und Teileinheiten fordert, die in den vorhandenen Grundstrukturen nicht abgebildet sind. Es gab eine Vielzahl von Versuchen, diese grundsätzliche Herausforderung für moderne Streitkräfte mit Strukturreformen zu bereinigen. Sie sind allesamt weitgehend gescheitert. Die zur Verfügung stehenden Mechanismen waren zu unflexibel und zu langsam. Als Folge sind die Strukturen der Realität stets hinterhergelaufen. Die Strukturreformen folgten immer schneller aufeinander, bis schließlich die Einnahme der neuesten Struktur noch vor dem Abschluss der vorletzten Maßnahme begann. Auch in diesem Bereich galt es also, einen Gordischen Knoten zu durchschlagen. Die Transformation der Bundeswehr betont daher folgerichtig den fähigkeitsorientierten Ansatz. Nach diesem Ansatz werden abhängig vom jeweils aktuellen Auftrag und der Aufgabe streitkräftegemeinsame Fähigkeitspakete für den Einsatz zusammengestellt. In konsequenter Umsetzung dieses Ansatzes wendet die SKB seit ihrer Aufstellung das Prinzip „Train as you fight“ an und hat sich vom vormals dominierenden Prinzip „Organize as you fight“ verabschiedet. „Train as you fight“ bedeutet, aus einer möglichst homogenen und effizienten Friedensstruktur heraus jeweils die Verbände, Einheiten und Teileinheiten nach Umfang, Ausstattung und Fähigkeiten zusammenzustellen, die für einen konkreten Einsatz und ein spezifisches Einsatzland tatsächlich gebraucht werden. Kohäsion und Einsatzreife werden durch die einsatzvorbereitende Ausbildung erreicht. Dieses Prinzip quasi „atmender Strukturen“ hat sich bewährt.

 

Reachback und Reachforward

Ein weiteres Prinzip moderner Einsatzführung, das in der SKB verwirklicht wurde, beruht darauf, nur die Einsatzkräfte in das Einsatzland zu bringen, die dort taktisch-operativ auch tatsächlich erforderlich sind. Enge Mandatsobergrenzen erfordern die Nutzung jeder Möglichkeit, den „footprint“ der unterstützenden Truppenteile in einem Kontingent so klein wie möglich zu halten. Moderne Kommunikationsmittel erlauben die Übermittlung von Massendaten und machen es daher möglich, viele Produkte, die im Einsatz benötigt werden, aus Deutschland heraus zur Verfügung zu stellen. Die SKB nutzt dieses kräftesparende Mittel insbesondere in den Bereichen Geoinformationswesen, Nachrichtengewinnung und Aufklärung sowie Operative Information. So werden z.B. die notwendigen Informationen für die Umsetzung in Zeitschriften, auf Flugblättern und Plakaten zunächst im Einsatzland recherchiert, vor Ort geschrieben und in Auftrag gegeben, dann aber in Deutschland gedruckt, um die Produkte anschließend wieder im Einsatzland zu verteilen.

 

Streitkräftegemeinsames und vernetztes Denken und Handeln

Dass Operationen gleich welcher Art und Intensität nicht durch die Anwendung militärischer Mittel allein zu entscheiden sind, ist eine grundlegende Erkenntnis, die auf Erfahrungen der laufenden, aber auch abgeschlossenen Einsätze basiert. Nur der harmonisierte und koordinierte Ansatz aller Akteure hat Aussicht auf Erfolg und ist Voraussetzung für eine langfristige und selbsttragende Stabilität in einem Krisengebiet. Dieser Ansatz wird international als „Comprehensive Approach“ und in Deutschland als „Vernetzte Sicherheit“ bezeichnet. Die SKB bietet strukturell eine Vielzahl von Fähigkeiten, Plattformen und Kopplungs- und Kooperationsmöglichkeiten für nicht-militärische Akteure wie die Vertreter anderer deutscher Ministerien, der IOs, NGOs und GOs sowie der lokalen Behörden im Einsatzgebiet an. Dies gilt insbesondere für die Phasen einer Operation, in denen die zivilen Strukturen noch nicht hinreichend stabil und handlungsfähig sind. So arbeiten die Bereiche CIMIC und Operative Information auf das Engste mit der örtlichen Bevölkerung, der Wirtschaft sowie den ebenfalls in diesem Bereich aktiven zivilen Hilfsorganisationen zusammen. Die in diesen Bereichen entstehenden kulturellen Zielgruppenanalysen und Bewertungen der „Zivilen Lage“ sind von unschätzbarem Wert für eine ganzheitlich angelegte Operationsführung. Die Logistik, deren Sicherstellung der Folgeversorgung stets auch auf die Säule Host Nation Support baut, kann einen veritablen Anschub zur Stabilisierung und wirtschaftlichen Entwicklung einer Krisenregion leisten. Kampfmittelbeseitigungskräfte können im Rahmen freier Kapazitäten durch „humanitäre Kampfmittelbeseitigung“ Beiträge zum Sicherheitsgefühl der Bevölkerung leisten und die Voraussetzungen für den Einsatz ziviler Organisationen schaffen. Die durch die SKB eingerichtete und betriebene Informationszelle C-IED, die alle Ministerien schnell und gezielt mit Informationen über IEDs im jeweiligen Einsatzgebiet versorgt, ist ebenfalls ein Zeichen dieses Strukturmerkmals der SKB. Im Bereich Nachrichtengewinnung und Aufklärung ist die SKB bewusst die ablauf- und aufbauorganisatorische Symbiose mit dem Bundesnachrichtendienst eingegangen. Nirgendwo ist die Zusammenführung und Korrelation unterschiedlich aufgebrachter Informationen so wichtig wie in diesem Bereich. Dass die Ergebnisse anschließend wiederum ebenengerecht allen im Einsatzgebiet aktiven Ministerien bereitgestellt werden, ist eine Selbstverständlichkeit. Ein weiteres Beispiel für diese nicht auf Vollständigkeit angelegte Aufzählung ist die ressortübergreifende Bereitstellung von Geoinformationen in Form von Wettervorhersagen, Kartenmaterial und landeskundlichen Beschreibungen und Analysen für das Einsatzgebiet. Der militärische Beitrag zum „Vernetzten Ansatz“ wird natürlich und ausschließlich durch die Gesamtheit eines streitkräftegemeinsamen Einsatzkontingentes erreicht. Doch die SKB ermöglicht mit den in ihr abgebildeten Fähigkeiten diesem Denken eine konsolidierte Plattform. Die SKB bietet diese Leistungen aus einer Hand an und steht damit den vielfältigen Nutzern als Single Point of Contact zur Verfügung.

 

Die SKB im Einsatz

Ein Einsatz der Bundeswehr ohne Beteiligung und Unterstützung der SKB ist nicht möglich. Durchschnittlich 20-25% der Einsatzkontingente werden durch Truppenteile der SKB gestellt. Allein diese vergleichsweise niedrige Zahl steht bereits für den Erfolg der SKB. Denn in diesen 20-25% sind auch Kräfte enthalten, die Wirksamkeit im Einsatz erzielen, wie Feldjäger, Kräfte der Elektronischen Kampfführung oder der Operativen Information. Der Anteil der eigentlichen Force Enabler wie Logistik und Führungsunterstützung liegt damit deutlich unter dem üblichen „Tooth to tail ratio“, der je nach Intensität einer Operation zwischen 1:4 und 1:7 betragen kann. Dies ist ein Ergebnis der konsequenten Umsetzung der oben aufgeführten Strukturprinzipien der SKB und schafft innerhalb der engen Mandatsobergrenzen den Raum für die oft dringend benötigten Manöverelemente.

Führung

Der Aufgabenbereich Führung stellt durch eine klar gegliederte und nach einheitlichen Verfahren arbeitende Führungsorganisation die Auf- und Bereitstellung von Einsatzkontingenten sowie deren nationale Führung im Einsatz aus einer Hand sicher. Säulen dieses Aufgabenbereiches sind das Einsatzführungskommando der Bundeswehr (EinsFüKdoBw) mit dem Kommando Führung Operationen von Spezialkräften (KdoFOSK) und das Kommando Operative Führung Eingreifkräfte (KdoOpFüEingrKr). Das EinsFüKdoBw führt dabei auf operativer Ebene alle Einsätze der Bundeswehr im Ausland. Das KdoFOSK führt integriert in das EinsFüKdoBw auf operativer Ebene jeden Einsatz deutscher Spezialkräfte. Darüber hinaus bildet das KdoFOSK den Kernstab für ein Combined Joint Forces Special Operations Component Command (CJFSOCC), sollte Deutschland die Rolle der Lead Nation für den Einsatz multinationaler Spezialkräfte (Special Forces) übernehmen. Das KdoOpFüEingrKr bildet den nationalen Kern eines verlegbaren Einsatzstabes auf operativer Ebene zur Führung von Operationen der Eingreifkräfte. Darüber hinaus stellt es bereits im Frieden die multinationalen Anteile eines verlegefähigen Force Headquarter (FHQ) und eines nicht verlegefähigen Operations Headquarter (OHQ) zur Führung von militärischen Operationen auf operativer bzw. militärstrategischer Ebene der EU.

 

Führungsunterstützung

Im Zentralen Betriebszentrum IT-System Bundeswehr in Rheinbach wird der weltweite Betrieb des Führungsinformationssystems Streitkräfte (FüInfoSysSK) sowie aller anderen eingesetzten Führungsmittel für die Einsatzkontingente der Bundeswehr geplant, gesteuert und überwacht. Auftrag der SKB in diesem Bereich ist es, die Informationsversorgung zwischen allen Einsatzgebieten und Deutschland und damit die nationale Führungsfähigkeit unterbrechungsfrei sicherzustellen. Wesentliche Leistung ist die Verknüpfung der von den mobilen Führungsunterstützungskräften der SKB im Einsatzgebiet betriebenen Kernnetze mit dem IT-SysBw in Deutschland. Durch die so geschaffene Möglichkeit zur Übermittlung von Daten jeder Art werden die Voraussetzungen für die weltweite Erreichbarkeit und Führung der Einsatzkontingente, zur vernetzten Operationsführung (NetOpFü), zur Durchführung von Computer-Netzwerk-Operationen (CNO) sowie für die Versorgbarkeit der Einsatzkontingente geschaffen. Führungsunterstützungskräfte sind Vorreiter in der Anwendung des Task Force-Prinzips. Mobile Einsatzmodule, so genannte Deployable Communication Modules (DCM), bieten im Einsatzgebiet als Paket alle erforderlichen modernen Kommunikationsmittel als Service aus einer Hand an. Drei Führungsunterstützungsregimenter mit insgesamt elf Führungsunterstützungsbataillonen stehen in der SKB für diese Aufgaben zur Verfügung.

 

Logistik

Diese gesamte Transportkette sowie alle anderen Maßnahmen im Rahmen des Herstellens der Einsatzreife werden im Logistikzentrum der Bundeswehr in Wilhelmshaven durch einen „Supply Chain Manager“ nach den operativen Vorgaben des SKUKdo koordiniert, gesteuert und überwacht.

Die SKB ist, wie oben erwähnt, für die Versorgung aller deutschen Einsatzkontingente verantwortlich. Neben strategischen Transporten von Personal und Material steht v.a. die Versorgung mit Ersatzteilen und Mengenverbrauchsgütern wie Verpflegung, Wasser, Betriebstoff und Munition auf der Prioritätenliste. Aber auch die Versorgung mit Feldpost, Bekleidung und Marketenderwaren gehört zu den Aufgaben der SKB. Über diese Leistungen hinaus stellt die SKB als Force Provider Kräfte und Mittel für alle querschnittlichen, streitkräftegemeinsam durchzuführenden logistischen Aufgaben im Einsatz. Eine Logistikbrigade mit drei Logistikregimentern und insgesamt dreizehn unterstellten Logistikbataillonen sowie ortsfeste logistische Einrichtungen stellen die Versorgung der Einsatzkontingente sicher.

 

Feldlagerbetrieb

Feldlager werden zur Unterbringung von Stäben, Einsatzkräften sowie für die Vielzahl der notwendigen Versorgungs- und Führungseinrichtungen im Einsatzgebiet eingerichtet und von den Feldlagerkräften der Spezialpioniere der SKB betrieben. Der Planung und dem Betrieb eines Feldlagers kommt in den Stabilisierungsoperationen eine entscheidende Bedeutung zu. Bei der Planung sind u.a. taktisch-operative, geologische, infrastrukturelle, medizinische, hygienische und politische Faktoren zu berücksichtigen. Eigene Spezialisten aus den Bereichen Infrastruktur und Umweltschutz planen und bauen zusammen mit Spezialisten aus den Bereichen Wehrverwaltung und Zentraler Sanitätsdienst die Feldlager in einem „integrativen Ansatz“. Zwei Spezialpionierbataillone stehen in der SKB für diese Aufgaben zur Verfügung.

 

Zivil-Militärische Zusammenarbeit Ausland (CIMIC)

Basis für den Erfolg in einer Stabilisierungsoperation ist die sichtbare und nachhaltige Verbesserung der Gesamtsituation der Bevölkerung. CIMIC verfolgt das Ziel, in allen Phasen eines Einsatzes die Ausführung des Auftrages der militärischen Kräfte zu unterstützen. Dies erfolgt u.a. durch Projektarbeit in Form von Wiederaufbauprojekten. CIMIC ist jedoch keine Form „bewaffneter Entwicklungshilfe“ in Konkurrenz zur Tätigkeit ziviler Hilfsorganisationen. CIMIC ist vielmehr ein Mittel des militärischen Kommandeurs zur Feststellung der zivilen Lage, als Verbindungselement zum zivilen lokalen Umfeld sowie zu den zivilen Akteuren der Operation und zur Unterstützung bei der Durchführung von Operationen. CIMIC leistet einen veritablen Beitrag zum Schutz der eigenen Einsatzkräfte. CIMIC-Projekte werden mit unterschiedlicher zeitlicher Reichweite durchgeführt. So unterstützt CIMIC sowohl mit schnell wirksamen so genannten Quick Impact Projects wie auch mit langfristig angelegten Projekten. Die SKB stellt hierzu Kommandostrukturen, Kräfte und Einrichtungen für die Planung, Führung und Unterstützung sowie vorbereitende Ausbildung bereit. Ein CIMIC-Center und ein CIMIC-Bataillon sind zur Erbringung dieser streitkräftegemeinsamen Leistungen in der SKB vorhanden.

 

Feldjägerwesen

Das Feldjägerwesen Bundeswehr (FJgWesBw) unterstützt in allen Einsatzgebieten durch die Wahrnehmung militärpolizeilicher Aufgaben im gesamten Einsatzspektrum. Feldjäger tragen mit spezialisierten Fähigkeiten wie Personen-/Begleitschutz, Erhebungen und Ermittlungen, Rauschgift- und Sprengstoffspürhundeteams, Zugriffsdurchsuchungen, Crowd and Riot Control (CRC)-Spezialfähigkeiten und MP-Sicherheitskontrollen in gefährdeten Bereichen zur Erfüllung des Gesamtauftrages der Einsatzkontingente in nachhaltiger Weise bei. Aufgaben bei der Ingewahrsamnahme Piraterie-verdächtiger Personen sowie Ausbildungsunterstützung für zivile Polizisten der Einsatzländer runden das Bild des komplexen Aufgabenspektrums der Feldjägerkräfte in den aktuellen Einsätzen ab. Gerade in Stabilisierungsoperationen leisten die Feldjäger im Übergangsbereich zwischen militärischer und ziviler Operation zwingend erforderliche und unverzichtbare Beiträge. Sieben Feldjägerbataillone sind in der SKB aufgestellt, aus denen heraus diese Fähigkeiten gewonnen und modular zusammengestellt werden.

 

Militärisches Nachrichtenwesen

Über die Gestellung von Einsatzkräften der Elektronischen Kampfführung (EloKa) hinaus leistet das Kommando Strategische Aufklärung (KSA) in Gelsdorf mit signalerfassender und satellitengestützter Aufklärung einen umfassenden Beitrag zur Beurteilung der Lage über die taktische bis hin zur strategischen Führungsebene. Mit diesen Fähigkeiten trägt es zur weltweiten Krisenprävention und Krisenfrüherkennung sowie zum Schutz deutscher Soldaten im Auslandseinsatz bei. Es korreliert die mit unterschiedlichen Sensoren der signalerfassenden Aufklärung (SIGINT) sowie der abbildenden Aufklärung (IMINT) gewonnenen Erkenntnisse mit den Ergebnissen der zentralen Lagebearbeitung des BND sowie des Militärischen Abschirmdienstes (MAD). Durch den Einsatz des weltraumgestützten Aufklärungssatellitensystems SAR Lupe sowie die Fusionierung militärischer Anteile mit dem Bundesnachrichtendienst ist es der SKB gelungen, den Bereich Nachrichtengewinnung und Aufklärung deutlich zu verbessern. Zwei Fernmeldeaufklärungsabschnitte sowie drei Bataillone Elektronische Kampfführung stellen neben dem Kommando Strategische Aufklärung die geforderten Leistungen bereit.

 

Geoinformationswesen

Neben unmittelbaren Beiträgen zu Operationsplanung und -führung ist die Hauptaufgabe des Geoinformationsdienstes der Bundeswehr (GeoInfoDBw) das Gewinnen, Herstellen und Bereitstellen weltweiter, einheitlicher und aktueller Geoinformationen. Geoinformationen werden in achtzehn Wissenschaftsbereichen von Biologie über Geodäsie bis hin zur Ethnologie gewonnen und schaffen wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche und moderne Operationsführung. Zum Einsatz von Waffensystemen im Rahmen der Streitkräftegemeinsamen Taktischen Feuerunterstützung (STF) werden hochgradig präzise Koordinaten benötigt, um das zugewiesene Ziel sicher zu treffen und dadurch u.a. Kollateralschäden zu vermeiden. Die dafür notwendigen geo-referenzierten Karten werden vom GeoInfoDBw erstellt und bereitgestellt. Alle Leistungen werden vom Amt für Geoinformationswesen der Bundeswehr (AGeoBw) generiert.

 

Operative Information

Mit Zeitungen, Radiosendungen oder Fernsehproduktionen wird der Bevölkerung im Einsatzland durch die Operative Information (OpInfo) verständlich gemacht, welchen Beitrag die militärischen Einsatzkräfte im Gesamtgefüge des internationalen Engagements leisten. Das ist eine Überzeugungsarbeit auch im Sinne der Operationsführung. In der jeweiligen Landessprache werden Zeitungen und Zeitschriften publiziert, eigene Radiosender betrieben, Videobeiträge über örtliche Fernsehanstalten gesendet oder mittels eigener Großbildleinwände ausgestrahlt, Internet-Auftritte geschaltet und Informationen mittels weitreichender Lautsprecheranlagen verbreitet. Grundvoraussetzung für diese Arbeit ist die intensive Auseinandersetzung mit der Bevölkerung und ihren Bedürfnissen, Nöten und Ängsten. Die Bevölkerung vor Ort soll den Auftrag der Einsatzkräfte verstehen und - wo immer möglich - unterstützen, denn ohne die Bevölkerung sind eine Stabilisierung und ein Wiederaufbau kaum möglich. Interkulturelle Kompetenz ist daher eine Schlüsselqualifikation für die OpInfo- Truppe. Die taktisch-operativen Beiträge werden von einem Bataillon Operative Information erbracht. Dieses ist dem Zentrum Operative Information (ZOpInfo) unterstellt.

 

Kampfmittelabwehr

Minen, nicht zur Wirkung gelangte Kampfmittel, aber auch improvisierte Sprengmittel (Improvised Explosive Devices - IED) stellen eine der Hauptbedrohungen für eigene Kräfte und die Bevölkerung in den Einsatzgebieten der Bundeswehr dar. Die Kampfmittelbeseitigungskräfte der SKB verfügen über die Fähigkeit, sowohl abstandsfähig als auch unmittelbar am Einsatzort gegen diese Kampfmittelbedrohung vorzugehen. Kampfmittelbeseitigungskräfte leisten mit ihrer Arbeit und ihren Fachkenntnissen einen unverzichtbaren Beitrag zur so genannten Counter IED (C-IED). Die Kampfmittelbeseitigungskräfte der SKB sind im Zentrum für Kampfmittelbeseitigung der Bundeswehr zentralisiert. Die Einsatzteams der Kampfmittelbeseitigung sind direkt dem Zentrum Kampfmittelbeseitigung unterstellt. Ebenfalls in der SKB angesiedelt ist die für alle Bundesministerien arbeitende Infozelle C-IED.

 

Zusammenfassung

Kreativ - Effizient - Modern. Im Einsatz erfolgreich!

Die SKB ist zugleich Produkt und Motor der Transformation der Bundeswehr. Sie schafft die Voraussetzungen dafür, dass Heer, Luftwaffe und Marine ihre Fähigkeiten gezielt und flexibel in den modernen, komplexen und in ihrer konkreten Ausprägung kaum noch antizipierbaren Einsätzen zum Ansatz bringen können. Die SKB ist quasi ein Gemeinschaftsunternehmen von Heer, Luftwaffe und Marine. Die TSK haben Aufgaben an die SKB ausgelagert, die jetzt von der SKB für alle TSK gleichermaßen erbracht werden. Wir gehen damit einen Weg, den auch viele andere zivile Großunternehmen bereits gegangen sind und auch andere Nationen gehen wollen.

Nach wie vor ist aber die SKB ein weltweit einzigartiges Modell ohne Vorgänger und ohne Mitbewerber. Ihre Aufträge und Aufgaben konnte die SKB seit ihrer Aufstellung im Jahre 2000 parallel zum Aufbau des Organisationsbereiches friktionsfrei und mit hoher Qualität erfüllen. Das Potenzial der SKB ist bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Durch den Ansatz, „Das Beste aus zwei Welten“, die des Militärs und die der Wirtschaft, miteinander zu verbinden, kann eine ganz neue Qualität militärischer Fähigkeiten erreicht werden, die Beiträge zu den Einsätzen noch effizienter, noch wirkungsvoller und noch professioneller machen wird. Wir erreichen so mit höherer Professionalität einen wirtschaftlicheren Ansatz der zur Verfügung stehenden Mittel.

Das Motto der SKB „Kreativ Denken - Effizient Handeln - Modern Führen. Im Einsatz erfolgreich!“ ist mehr als eine griffige Formel zu Werbezwecken. Das Motto steht auch für die Verpflichtung, für die Ziele und den Korpsgeist der SKB. Das Modell SKB ist ein zukunftsfähiger Versuch in Zeiten knapper Ressourcen, sinkender Streitkräfteumfänge und gleichzeitig steigender Einsatzbelastung, Aufgaben und Aufträge erfüllbar zu halten, ohne auf eine klassische Kernfähigkeit einer Armee verzichten zu müssen.