Die materielle Aufrüstung der Bundeswehr in ihrer Aufbauphase 1953-1958

Staatsräson, sicherheitspolitische Notwendigkeiten und Außenhandelsausgleich

Dieter H. Kollmer

 

In der modernen deutschen Militärgeschichtsschreibung werden vorwiegend politische, strategisch-operative und personelle Entwicklungen erörtert. Leider wird dabei häufig übersehen, dass Soldaten ohne eine angemessene Ausrüstung in keinem Abschnitt der Weltgeschichte in der Lage gewesen wären, die militärischen Pläne der verantwortlichen Politiker und Generalstäbe in die Tat umzusetzen. Zudem hat der technische Fortschritt von militärischem Gerät und dessen Beschaffung sehr oft Einfluss auf die Entwicklung der Militärtaktik und Operationsführung genommen (z.B. die Entwicklung der Stahlproduktion während der industriellen Revolution für die Materialschlachten des Ersten Weltkrieges) oder die Entwicklung des Automobils und des Panzers in den 1930er-Jahren (hohe Mobilität während des Zweiten Weltkrieges). Da es sich bei der Ausstattung von Streitkräften aber um eine volatile Variable mit starken externen Einflüssen handelt, ist es zwingend notwendig, bei der Beurteilung militärhistorischer Zusammenhänge auch die Entwicklung der Rüstungswirtschaft in der jeweiligen historischen Periode genauer zu untersuchen.

Als im Frühjahr 1955 die Entscheidung getroffen worden war, der Bundesrepublik Deutschland die Aufstellung eigener Streitkräfte im Rahmen der Verteidigung der NATO zu genehmigen, wurde sehr schnell deutlich, dass nun eines der schwerwiegendsten Probleme für die Regierung in Bonn die schnellstmögliche, effiziente Beschaffung der Ausrüstung der Soldaten und des für die Verteidigung entlang der innerdeutschen Grenze benötigten Großgerätes - wie z.B. Panzer, Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe - sein würde.[1])

Für diese prekäre Situation gab es unterschiedliche Gründe. Einerseits handelte es sich um generelle Probleme (z.B. des Staatshaushaltes und der Volkswirtschaft), wie sie jedes Land der Welt bei der Aufstellung von rund 500.000 Soldaten innerhalb kürzestmöglicher Zeit gehabt hätte. Anderseits gab es spezifisch westdeutsche Schwierigkeiten, die der besonderen Situation des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg geschuldet waren (z.B. fehlendes Know-how und die geringe Bereitschaft der Industrie, Waffen zu produzieren). Die Bundesregierung war zweifelsohne bereit, im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Aufrüstung ihrer Streitkräfte voranzutreiben, aber nicht zu jedem Preis. Die Ursachen hierfür werden im Folgenden näher ausgeführt. Sie verdeutlichen die Komplexität der Rüstungsgüterbeschaffung in der Aufbauphase der Bundeswehr. Aus dem Nichts musste eine konventionelle Armee von einer halben Million Mann aufgestellt werden, die in der Lage sein sollte, einen substanziellen Beitrag zur Verteidigung von Demokratie und Freiheit in der Mitte Europas an der Grenze zwischen Ost und West zu leisten. Eine Herausforderung, die zu vielen Besonderheiten führte und ein aufwendiges Beschaffungssystem entstehen ließ, das in Deutschland bis heute die Entstehung eines militärisch-industriellen Komplexes - wie z.B. in den USA - verhindert hat.[2])

Grundsätzlich dient die Beschaffung von Rüstungsgütern jedem Staat zunächst als Mittel zur Selbstbehauptung gegen gewaltsame Einflussnahme von außen, sei es durch Kriegverhütung mittels Abschreckung oder eigene Kriegführung. Trotzdem haben oft andere Einflussgrößen eine größere Bedeutung. Dies liegt insbesondere daran, dass wirtschaftliche Prosperität und militärisches Potenzial Instrumente wie Ziele des modernen Industriestaates sind. Beide stehen aber in einem intensiven Spannungsverhältnis zueinander: Langfristig ist v.a. wirtschaftliche Leistungsfähigkeit die Voraussetzung für militärische Stärke. Staatsnachfrage hingegen ist ein politisches Lenkungsinstrument. Die Ausgaben für Streitkräfte orientieren sich daher nicht so sehr an einem „rüstungsspezifischen Optimierungsprozess“[3]) als vielmehr an Fragen der Außen-, Sicherheits-, Finanz-, Wirtschafts- und Außenhandelspolitik. Gleichwohl sind die sekundären Funktionen der Rüstung legitime Staatszwecke, die aber in nachhaltiger Konkurrenz zu ihren eigentlichen Zielen stehen.[4])

 

Die Rahmenbedingungen

Außenpolitische Verankerung = Staatsräson

Die entscheidenden, wenn auch zumeist sehr allgemeinen Vorgaben für den Erwerb von militärischem Material für Streitkräfte erfolgen durch die außen- und sicherheitspolitische Verankerung eines Staates. In diesem von gegenseitigen Verpflichtungen, Abhängigkeiten und Rücksichtnahmen geprägten internationalen Umfeld werden die grundsätzlichen Rahmenbedingungen geschaffen, welche die Voraussetzungen für die nationalen Prozesse bestimmen.[5]) Das herausragende Beispiel für den außerordentlichen Einfluss dieses Politikbereiches auf den Aufbau der Bundeswehr sind zweifelsfrei die Zusagen Adenauers gegenüber den Alliierten bezüglich der Geschwindigkeit der Aufstellung des westdeutschen Verteidigungsbeitrages. Ziel des ambitionierten Versprechens, in nur drei Jahren eine 500.000 Mann-Armee zu schaffen,[6]) war es, nicht schnellstmöglich schlagkräftige Streitkräfte aufzustellen, sondern vielmehr die staatliche Souveränität für die Bundesrepublik Deutschland unmittelbar zu erreichen. Diese aus außenpolitischer Sicht nachvollziehbare Staatsräson verdeutlicht, dass der Aufbau der Bundeswehr nicht primär unter sicherheitspolitischen und militärischen Gesichtspunkten realisiert wurde.[7])

 

Sicherheitspolitische Notwendigkeiten

Sicherheitspolitisch ist die Bundesrepublik durch die Pariser Verträge 1954/55 unwiderruflich in die Sicherheitsstrukturen der NATO eingebunden worden. Ziel der Aufrüstungsanstrengungen in den ersten Jahren der Bundeswehr war es, so schnell wie möglich eine effiziente Streitmacht entstehen zu lassen, die ihrer primären Aufgabe, im Rahmen des nordatlantischen Bündnisses die konventionelle Verteidigung des eigenen Territoriums und seiner Flanke in der Ostsee sicherzustellen, jederzeit gerecht werden konnte.[8]) In den Jahren danach wurde dieses Konzept den technischen Neuerungen und den jeweiligen Strategien der NATO immer wieder angepasst.[9]) Dies ging so weit, dass die verantwortlichen westdeutschen Politiker Ende der 1950er-Jahre im Zusammenhang mit der NATO MC 14/2 „Schwert-Schild-Strategie“ atomare Waffensysteme für die Bundeswehr forderten, damit man nicht Gefahr lief, aus den entscheidenden politischen Prozessen innerhalb der NATO abgekoppelt zu werden.[10])

 

Finanzpolitische Vorgaben

Die sicherheitspolitischen Möglichkeiten eines Staates stehen immer in direkter Beziehung zu seinen fiskalischen Einnahmen. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war der größte Teil der Staatsausgaben Militärausgaben. Trotzdem ist die adäquate Finanzierung ihrer Streitkräfte seit Jahrhunderten eines der größten Probleme der jeweiligen Machthaber. Dessen sind sich auch die dafür verantwortlichen Bonner Politiker von Anfang an bewusst gewesen.[11]) Die verschiedenen Bundesregierungen waren stets darum bemüht, die innere Stabilität der Bundesrepublik auf gar keinen Fall durch zu hohe Kosten der Landesverteidigung zu gefährden. Der soziale Konsens sollte nicht auf dem Altar der Verteidigungsfähigkeit geopfert werden. Folglich mussten die umfangreichen und kapitalintensiven Rüstungsbeschaffungsprogramme jeweils so finanziert werden, dass sie keine spürbaren Einschnitte in die wirtschaftliche Entwicklung und die sozialen Leistungen verursachten, mithin die fiskalische Äquivalenz gehalten werden konnte.[12]) Diese einzig aus deutscher Sicht nachvollziehbare Vorgehensweise war aber nur deshalb erfolgreich, weil es einen auf 9 Mrd. konstant festgeschriebenen Verteidigungsetat gab, der von vornherein die Möglichkeiten sowie die Grenzen der Aufrüstung aufzeigte und einen Bundesfinanzminister Fritz Schäffer,[13]) der darüber hinausgehende Begehrlichkeiten beharrlich abwies. Die Folge waren immer wieder finanzielle Engpässe bei der Realisierung von Großprojekten und die Auswahl von günstigem, aber militärisch weniger effizientem Wehrmaterial. Entscheidend war letzten Endes für die Bonner Politik, dass die Aufstellung der Bundeswehr ohne staatliche Neuverschuldung und fiskalische Belastung anderer Ressorts realisiert werden konnte.[14])

 

Faktor Volkswirtschaft

Das vornehmliche Ziel jedes Staates ist die Maximierung der gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrt seiner Gemeinschaft. Erreicht werden kann dies aber nur durch die bestmögliche Allokation der verfügbaren Ressourcen. Die Verteilung der Produktionsfaktoren ist immer von der politischen Struktur und den mittelfristigen Zielen der Gesellschaft abhängig. In einem demokratischen Rechtsstaat ist die Ausstattung der Streitkräfte mit finanziellen Mitteln dem parlamentarischen Willensbildungsprozess untergeordnet. Folglich können nur die im Verteidigungshaushalt dafür zur Verfügung gestellten Mittel tatsächlich für die Beschaffung von Wehrmaterial verwendet werden. Darüber hinaus ist die mittelfristige volkswirtschaftliche Entwicklung entscheidend dafür, welche finanziellen Mittel der Verteidigungshaushalt zur Verfügung gestellt bekommen kann.

Bedingt durch die Folgen des Zweiten Weltkrieges machte Westdeutschland zunächst eine volkswirtschaftliche Sonderentwicklung durch. Dies führte dazu, dass in den 1950er-Jahren die meisten deutschen Industrieunternehmen volle Auftragsbücher hatten und infolgedessen nur ein geringes Interesse daran, Rüstungssparten im eigenen Unternehmen aufzubauen.[15]) Verstärkt wurde diese Einstellung durch die Verbote, die Deutschland in Bezug auf den Export von Rüstungsgütern nach dem Krieg auferlegt worden waren, und die Behandlung einiger deutscher Industrieller, die Hitlers Aufrüstung unterstützt hatten, durch die Alliierten.[16]) Einzig kleinere Firmen, die entweder nur Waffen bzw. Bauteile zu selbigen produzierten, oder in Spezialbranchen bzw. regional agierende Unternehmen, die ihre zivilen Produkte für den Aufbau der Bundeswehr anbieten konnten (z.B. Hersteller von Kantinenausstattungen und Bauunternehmer für Kasernenbauten), zeigten direkt Interesse an der Übernahme von Aufträgen des Verteidigungsressorts. So musste das Bundesministerium für Verteidigung[17]) (BMVg) im ersten Jahrzehnt der Bundeswehr rund 60% des militärischen Großgerätes im Ausland beschaffen. Analog zum Nachlassen der Hochkonjunktur wuchs dann aber das Interesse der westdeutschen Unternehmen an den Aufträgen der Bundeswehr. Die Herstellung von Wehrmaterial wird seitdem in der Bundesrepublik Deutschland als Mittel der Steuerung der Staatsnachfrage begriffen. Insbesondere in Phasen der Rezession zeigen große Unternehmen ein gesteigertes Interesse, auf diese Weise ihre Produktionsstätten auszulasten.[18])

 

Mittel der Außenhandelspolitik

Die Beschaffung von Rüstungsgütern wurde in der Aufbauphase der Bundeswehr auch als Mittel der Außenhandelspolitik eingesetzt. Im Rahmen des Wirtschaftswunders zu Anfang der 1950er-Jahre war es zu erheblichen Ungleichgewichten der Außenhandelssalden mit verschiedenen europäischen Staaten gekommen. Diese sollten durch gezielte Beschaffungsmaßnahmen in den entsprechenden Ländern ausgeglichen werden, bevor sie einen größeren volkswirtschaftlichen Schaden verursachen würden. Großbritannien, Frankreich, Belgien, Italien und die Türkei importierten in diesen Jahren deutlich mehr Waren aus Deutschland, als sie nach Deutschland exportierten. Zudem hatten die Volkswirtschaften dieser Staaten erhebliche Probleme, die Herausforderungen der Nachkriegszeit zu bewältigen. Insbesondere die Schwerindustrie und der Fahrzeugbau dieser Länder kämpften mit tiefgreifenden Absatzschwierigkeiten. Daher kam es sehr gelegen, dass die Waffenschmieden dieser Länder Wehrmaterial produzierten, das die Bundeswehr so dringend benötigte. So half die Bundesrepublik in den 1950er-Jahren mit entsprechenden Aufträgen Verbündeten, in volkswirtschaftlich schwierigen Situationen ihre Zahlungsbilanz auszugleichen.[19]) Diese außenpolitisch-pragmatische Vorgehensweise hatte aber wiederholt qualitative Mängel der Bundeswehrausrüstung zur Folge. Eines der bekanntesten Beispiele hierfür ist die Beschaffung des Schützenpanzers Hispano Suiza HS 30. Dieses Fahrzeug wurde von einem Schweizer Unternehmen entwickelt und von einem britischen Hersteller gefertigt, der nie zuvor einen Panzer hergestellt hatte. In seiner Zeit als Hauptwaffensystem der Panzergrenadiere des Heeres war es berüchtigt für seine Unzuverlässigkeit und untaugliche Konfiguration.[20]) Es lässt sich zweifelsohne konstatieren, dass es in diesen Jahren nicht das Ziel war, das bestmögliche System zu beschaffen, sondern an den Rahmenbedingungen der deutschen Rüstungsgüterbeschaffung ausgerichtet, das schnellstmöglich in großer Anzahl verfügbare Gerät möglichst günstig zu erwerben. Folglich diente die Rüstungsgüterbeschaffung auch einer ausgewogenen Außenhandels- und Industriepolitik im Rahmen der europäischen Integration.[21])

 

Rüstungsstrategien

Seit der Gründung der Bundeswehr wurden sehr unterschiedliche Strategien in der Beschaffung von Wehrmaterial verfolgt. In den 1950er-Jahren war die Aufstellungsgeschwindigkeit von entscheidender Bedeutung. Dadurch bedingt hat das BMVg zunächst das Material erworben, das es im Rahmen des rechtlich dafür vorgesehenen Beschaffungsvorgangs schnellstmöglich bekommen konnte. Die Hersteller waren aber nicht immer in der Lage, die gewünschte Menge des Materials in dem dafür vorgesehenen Zeitraum zu liefern, weshalb für ein Rüstungsgut häufig mehrere Anbieter in Anspruch genommen werden mussten. Hinzu kam die kostengünstige Übernahme von Material der neuen Verbündeten. In der Folge entstand eine große Vielfalt an militärischer Ausstattung. Dieser Systemmix wird „Breitenrüstung“ genannt. Erst im Laufe der 1960er-Jahre konnten dann Rüstungsprojekte verwirklicht werden, die darauf abzielten, die Beschaffung von Rüstungsgütern für die Bundeswehr zu konsolidieren und langfristige, aufeinander aufbauende Projekte zu realisieren.[22]) Für jede konkrete militärische Aufgabe sollte es von diesem Zeitpunkt an in der Bundeswehr so wenige Modelle wie möglich geben. Diese Vorgehensweise wird „Tiefenrüstung“ genannt. Vorteil der „Tiefenrüstung“ ist eine geringe Lagerhaltung, ein geringerer Bedarf an Instandsetzungspersonal und die Möglichkeit, das Bedienungspersonal auf verschiedenen Fahrzeugen/Flugzeugen einsetzen zu können.[23])

 

Das Beschaffungswesen und der Beschaffungsvorgang[24])

Um die notwendigen Maßnahmen für den Aufbau der neuen deutschen Streitkräfte optimal koordinieren zu können, war seit der Planungs- und Aufbauphase der „Gesamtstreitkräftegedanke“ das leitende Prinzip.[25]) Hierdurch sollte u.a. der Gefahr des „Teilstreitkräfteegoismus“ begegnet werden - ein Phänomen, das während des Dritten Reiches speziell die Rüstungsgüterproduktion erheblich beeinträchtigt hatte. Die Verwaltung, das Wehrrecht, die Rüstung, die Personalführung und das Haushaltswesen wurden in der Folge nach diesem noch heute geltenden Grundsatz konzipiert. Nach anfänglichen Schwierigkeiten führte dies dazu, dass die Eigenwilligkeiten der Teilstreitkräfte durchwegs dem gemeinsamen Ziel untergeordnet wurden, so schnell wie möglich einen substanziellen Beitrag zur Verteidigung Westeuropas leisten zu können. Die Teilstreitkräfte legten für sich fest, welches Material sie benötigten, um ihrem Auftrag gerecht werden zu können. In Zusammenarbeit mit den Beschaffungsabteilungen wurden anschließend die dafür notwendigen Ausrüstungsgegenstände erworben. Hierzu wurden entsprechende Verfahrensabläufe festgelegt, die rechtlich verbindlich waren: Der so genannte „Beschaffungsvorgang“ steht im Zeichen des Grundsatzes eines marktkonformen Verhaltens der jeweiligen Behörde. Eines der Hauptprobleme in den ersten Jahren des Beschaffungswesens der Bundeswehr war es, dieses durchzusetzen. Nach deutschem Verständnis kann sich ein öffentlicher Auftraggeber am Markt nicht so wie ein privates Unternehmen verhalten. Einmal abgesehen davon, dass jede Behörde an bestimmte, sehr ins Einzelne gehende Vorschriften des Haushalts- und Wirtschaftsrechts gebunden ist, über deren Einhaltung der Bundesrechnungshof wacht, muss das Verteidigungsministerium seine Ausgaben langfristig über den Bundeshaushalt-Einzelplan 14 vom Parlament genehmigen lassen.

Die Aufträge der öffentlichen Hand werden auf der Grundlage der „Verdingungsordnung für Leistungen“ (VOL) vergeben. Vor jeder Auftragserteilung muss geprüft werden, welche Art der Vergabe von drei möglichen „Ausschreibungsarten“ die zweckmäßigste ist. Die „öffentliche Ausschreibung“ soll dabei die Regel bilden. An einer „öffentlichen Ausschreibung“ kann sich jeder, der sich berufen fühlt, beteiligen. Gemäß VOL muss dabei das Angebot den Zuschlag erhalten, das unter Berücksichtigung aller Umstände das wirtschaftlichste ist. Eine „beschränkte Ausschreibung“ wird erteilt, wenn laut VOL „Art und Umfang der Leistung besondere Zuverlässigkeit, Leistungsfähigkeit oder Fachkunde des Bewerbers erfordern und eine ausreichende Zahl leistungsfähiger Unternehmer vorhanden ist.“ Die „freihändige Vergabe“ ist für absolute Ausnahmefälle vorgesehen, bei denen „es aktenkundig zu machen ist, weshalb von der öffentlichen oder beschränkten Ausschreibung Abstand genommen worden ist“.[26]) Damit das BMVg ausschließen konnte, dass die Großunternehmen mit Dumpingpreisen mittelständische Unternehmen vom Wettbewerb um Aufträge ausschlossen, wurde ab dem Frühjahr 1956 eine Regelung getroffen, die eine angemessene Beteiligung des Mittelstandes am Aufbau der Bundeswehr sicherte.[27]) Das Ausschreibungsverfahren bietet sämtlichen Behörden der Bundesrepublik bis zum heutigen Tag die Möglichkeit, die Schwierigkeiten eines Nachfragemonopolisten so weit wie möglich einzuschränken und dabei die Kräfte des Marktes zu nutzen. Verwässert wird dieses System, wenn andere Politikfelder den Beschaffungsprozess beeinflussen.

Aufgrund des Zeitdrucks mussten 1955 zunächst die für die Beschaffung von Wehrmaterial aufgestellten grundsätzlichen Regeln inoffiziell außer Kraft gesetzt werden.[28]) Im Rahmen einer gesetzeskonformen Durchführung des öffentlichen Ausschreibungsverfahrens hätte der Beschaffungsablauf inklusive der Entwicklung und Erprobung jedes einzelnen Gerätes jeweils mehr als die zugestandenen drei Jahre Aufstellungsdauer in Anspruch genommen. Zudem sah diese Form der Auftragsvergabe vor, stets zu prüfen, ob unter den Anbietern nicht ein aus sozialen oder politischen Gründen zu bevorzugendes Unternehmen gewesen wäre.[29]) Aber das BMVg hatte eben nur drei Jahre Zeit, um die Streitkräfte komplett aufzustellen und auszustatten. Die „öffentliche Auftragsvergabe“ nahm aber wesentlich mehr Zeit in Anspruch, als dafür vorgesehen war. Folglich wurde in den ersten Jahren die Mehrzahl der Aufträge in beschränkter Ausschreibung oder sogar in freihändiger Vergabe erteilt. Dies führte wiederum häufig zur Auftragserteilung an sich als „unzuverlässig erweisende Firmen, die mehrfach nicht zeitgerecht und schlecht lieferten“.[30]) Der chronische Personalmangel der Beschaffungsabteilungen verschärfte diese Situation, da die Beschaffungsmaßnahmen, die für die Erstausstattung benötigt wurden, nicht schnell genug „abgearbeitet“ werden konnten. Die nur knapp 200 Mitarbeiter, die die Auftragsvergabe lenken sollten, waren mit den über 200.000 Angeboten überfordert. Bereits im Laufe des Jahres 1956 hatten die Beschaffungsabteilungen eine Kartei mit über 9.000 Hauptartikeln und ca. 3,5 Mio. Einzelartikeln aufgebaut, die für die Ausstattung der Bundeswehr von Bedeutung sein sollten. Um aber die ersten Soldaten rechtzeitig ausstatten zu können, mussten - neben den von den Alliierten bereitgestellten Rüstungsgütern - sehr viele Ausrüstungsgegenstände erworben werden, die bereits am Markt angeboten wurden. Für Neuentwicklungen reichte zumeist die Zeit nicht aus.

 

Die Umsetzung

Internationaler Waffenmix 1953-1958

Die erste Phase des Aufbaus der Bundeswehr begann bereits einige Zeit vor dem eigentlichen Aufstellungsbeginn. Aufgrund der besonderen Situation der Bundesrepublik war das so genannte „Amt Blank“[31]) und im Folgenden das Bundesministerium für Verteidigung gezwungen, das Material zu erwerben, das es für die neuen Streitkräfte bekommen konnte. Volkswirtschaftlich waren durch die Bemühungen für den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft alle Kräfte gebunden. Die Industrie hatte in diesen Jahren grundsätzlich nur in Einzelfällen Interesse an Aufträgen des Verteidigungsministeriums. Folglich musste insbesondere das schwere Gerät für die Bundeswehr zunächst im Ausland beschafft werden.

Um diesen Prozess zu beschleunigen, erklärten sich einige der neuen Verbündeten bereit, Westdeutschland durch die Überlassung von gebrauchtem Wehrmaterial zu unterstützen. Die erste Ausrüstungshilfe erhielt die Bundesregierung von den USA. Die noch für das deutsche Kontingent der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) gedachte Unterstützung wurde am 7. April 1953 durch den stellvertretenden US-Verteidigungsminister Frank C. Nash Bonn zugesagt.[32]) Das deshalb „Nash-Commitment“ genannte Hilfspaket sah schweres Gerät im Wert von rund 3,8 Mrd. DM vor. Hiermit hätten die Deutschen ihre ersten sechs Heeresdivisionen und 24 Flugstaffeln der Luftwaffe mit Großgerät ausstatten können. Diese Erstausstattung sollten die Deutschen hauptsächlich von den in der Bundesrepublik stationierten US-amerikanischen Truppen erhalten.[33]) Der Bundesregierung allerdings erschien dies nicht ausreichend. In den folgenden Monaten fühlte sie mehrfach auf diplomatischem Wege bei der US-Regierung vor, ob die Zuweisungen nicht noch erhöht werden könnten. Über das deutsche Verhalten verärgert, begrenzte Washington seine Lieferungen im Frühjahr 1956 auf Lieferungen hauptsächlich für das zukünftige Heer der Bundeswehr. Das Bonner Verteidigungsministerium war über die später so genannte „Nash-Liste“[34]) enttäuscht und sah sich in der Folgezeit gezwungen, insbesondere die noch dringend für den Aufbau des Heeres benötigten Waffensysteme für viel Geld vornehmlich von europäischen Verbündeten zu importieren.

Aber auch hier kamen der Bundesregierung die besonderen Umstände der Nachkriegszeit zur Hilfe. Die hohen Außenhandelsüberschüsse, die die Bundesrepublik seit Ende der 1940er-Jahre erwirtschaftet hatte, konnten darüber ausgeglichen werden, dass Bonn bei den Schuldnerländern Wehrmaterial erwarb, welches das deutsche Heer dringend benötigte. In den darauf folgenden Jahren wurden die Heeresflieger mit dem Hubschrauber Alouette (Frankreich), die Panzeraufklärer mit dem Schützenpanzer Hotchkiss (Frankreich) die Panzergrenadiere mit dem Schützenpanzer HS 30 (Schweiz/England), die gesamte Bundeswehr mit den Gewehren G1, G3 sowie der Maschinenpistole MP 2A1 (=„Uzi“) aus belgischer Fertigung ausgestattet. Die Luftwaffe erhielt zudem Flugzeuge aus Italien und Großbritannien und die Marine Schiffe aus Großbritannien sowie Frankreich.

Die Regierungen der Türkei und Israels benötigten wirtschaftliche Unterstützung, um außen- und innenpolitische Konflikte bewältigen zu können. Auch aus diesem Grund prüfte die Bundesregierung alle Möglichkeiten, den wirtschaftlichen Austausch mit diesen Ländern zu erhöhen. Dabei wurde auch der Import von Rüstungsgütern erwogen. Letztendlich wurden Mörser in Israel und Munition in der Türkei bestellt. Die israelischen Mörser erwiesen sich als sehr zuverlässig und leistungsfähig, die türkische Munition hingegen hatte deutliche Qualitätsmängel. Gerade am Beispiel der so genannten „Türkenmunition“ wird deutlich, dass es dem Verteidigungsministerium bei der Beschaffung von Wehrmaterial nicht immer um die militärische Effizienz gehen konnte, sondern wiederholt übergeordnete Interessen zu Beschaffungsentscheidungen führten.[35])

Die Ziele, die mit dieser Beschaffungspolitik verfolgt wurden, waren der Ausgleich des Außenhandelsüberschusses, die Förderung der bilateralen Beziehungen, die Mitfinanzierung der in Deutschland stationierten Streitkräfte sowie die generelle wirtschaftliche Unterstützung befreundeter und verbündeter Staaten. Dabei stand Ende der 1950er-Jahre im Rahmen des sich immer weiter verschärfenden Kalten Krieges die Stärkung der westlichen Bündnisse im Mittelpunkt des außenpolitischen Agierens der Bonner Regierung.[36])

 

Von der schnellen Aufrüstung zur „Qualitätsarmee“

In der konkreten Umsetzung der Aufrüstung der Bundeswehr gab es dann aber anfänglich größere Probleme als erwartet. Zu wenig Personal für die Beschaffungsabteilungen, ein auf 9 Mrd. DM begrenzter Haushalt,[37]) die Jährlichkeit des Budgets und die weiter oben beschriebenen Probleme führten zu einer wesentlich langsameren Aufrüstung, als sie Bundeskanzler Adenauer der NATO zugesagt hatte. Der erste Verteidigungsminister Theodor Blank[38]) hatte diese unlösbare Aufgabe von Adenauer übertragen bekommen - und scheiterte zwangsläufig an ihr. Wiederholt wurde in der Eile minderwertiges Wehrmaterial zu überhöhten Preisen beschafft. Blanks Nachfolger Franz Josef Strauß[39]) rang dem Bundeskanzler eine Verlangsamung der Aufrüstung ab. Unter dem Deckmantel, den Aufbau der Bundeswehr an die neue NATO-Strategie MC 14/2 und die damit verbundenen Herausforderungen für die konventionellen Streitkräfte anzupassen, erreichte die Bundesregierung die notwendigen Zugeständnisse bei den verantwortlichen Stellen in Washington, Paris und der NATO.[40]) Unter dem Schlagwort „Qualitätsarmee“ bemühte sich Strauß anschließend darum, die Irritationen bei den Verbündeten, die durch die Fehler der ersten Monate der Aufrüstung entstanden waren, so weit wie möglich auszuräumen. Sein Ziel war es, eine „atomkriegsfähige“ Bundeswehr aufzustellen. Hierzu sollten neue Waffensysteme entwickelt und beschafft sowie alte Projekte gestoppt werden.[41])

Auch wenn im ersten Jahrzehnt der Bundeswehr ein großer Teil des schweren Gerätes im Ausland beschafft wurde, sind fast 50% der investiven Ausgaben des Verteidigungshaushaltes in Deutschland verblieben. Dies lag hauptsächlich daran, dass in der Aufbauphase der Bundeswehr ein großer Teil der Rüstungsausgaben für den Aufbau einer angemessenen Infrastruktur und der grundsätzlichen Ausstattung benötigt wurde: vom Bau neuer und der Renovierung alter Kasernenanlagen über die Einrichtung der Unterkünfte bis hin zur Panzerwaschanlage.[42]) Neben der Verteilung dieser Aufträge ging es der Bundesregierung hauptsächlich darum, die freien Produktionskapazitäten deutscher Unternehmen auszulasten und mittelfristig eine deutsche Rüstungsindustrie sowie Rüstungskompetenz aufzubauen.[43]) Dabei kamen gerade für die Vielzahl kleinerer und Kleinstaufträge zumeist mittelständische Unternehmen in Frage, die bis heute das Rückgrat und den Motor der deutschen Wirtschaft bilden.

Die neue Strategie der NATO sollte es ab Ende der 1950er-Jahre Washington ermöglichen, die eigene konventionelle Präsenz auf dem europäischen Kontinent zu verringern. Dies führte dazu, dass gleichzeitig mehrere der in der Bundesrepublik stationierten westlichen Schutzmächte ebenfalls eine Ablösung ihrer Truppen durch die Deutschen forderten. Im Verteidigungsministerium erkannte man sofort die Chance, die diese Situation bot, und forderte weitgehende Konsequenzen aufgrund dieser neuen sicherheitspolitischen Lage. Von alliierter Seite wurden daraufhin aus dem WEU-Vertrag stammende Einschränkungen für die Bundesrepublik, gewisse Waffensysteme nicht produzieren zu dürfen, sukzessive aufgehoben.[44]) Gleichzeitig forderte Verteidigungsminister Strauß die Ausstattung der Bundeswehr mit Atomwaffen. Zunächst wollte er komplette Atomwaffenträgersysteme, nach heftigen Protesten der Öffentlichkeit und einiger Verbündeter forderte er nur noch atomare Artilleriegeschosse. Letztlich musste sich Strauß mit der Ausstattung der deutschen Korpsartillerie mit Atomwaffenträgersystemen - über deren Sprengköpfe die US-amerikanische Regierung verfügte - zufrieden geben. Infolgedessen konzentrierten sich die verantwortlichen Abteilungen im Verteidigungsministerium auf die Entwicklung und Produktion einer neuen Generation konventioneller Waffensysteme; ganz im Sinne der als „Qualitätsarmee“ propagierten Aufrüstungskampagne des damals amtierenden Verteidigungsministers.

 

Die Teilstreitkräfte

„Flottgemacht!“ - warum die Marine zunächst ein Sammelsurium erhielt

Aufgrund der Anfang der 1950er-Jahre noch nicht als sehr stark eingeschätzten Bedrohung durch die Seestreitkräfte des Warschauer Paktes und vor dem Hintergrund der maritimen Überlegenheit der Bündnispartner wurden die Aufgaben der Bundesmarine für den Verteidigungsfall von der NATO anfangs sehr küstennah festgelegt. So sollte sie an der Abwehr eines möglichen Durchbruchs feindlicher Seestreitkräfte in die Nordsee durch die Ostseezugänge und den Nord-Ostseekanal mitwirken, die Seeverbindungen der sowjetischen Marine in der Ostsee unterbrechen und sich bei der gemeinsamen Verteidigung der deutschen Ostseeküste sowie der dänischen Inseln beteiligen. Außerdem wurde sie damit beauftragt, die Bewegung der alliierten Seestreitkräfte in den deutschen Küstengewässern und den angrenzenden Seegebieten zu gewährleisten.[45]) Wenig später wurde das Aufgabenspektrum der deutschen Marine durch die NATO erweitert: Sie sollte den NATO-Hauptkräften dabei behilflich sein, feindlichen Marinekräften das Eindringen in die Nordsee durch die Ostseeausgänge bzw. den Nordostseekanal zu verwehren.[46])

Für die Erfüllung dieses relativ eng gefassten Auftrages benötigte die Bundesmarine vornehmlich kleinere Kampfschiffe, deren größere Einheiten „große Torpedoboote“ sein sollten. Deshalb wurde zunächst der Bau und Erwerb von Schnellbooten, U-Booten, Minensuchern, Landungsbooten und Küstenwachbooten geplant. Darüber hinaus hielt der Führungsstab der Marine Zerstörer für unverzichtbar, da sie als vielseitig verwendbare Seekriegsmittel bei jedem Wetter und mit großer Seeausdauer operieren können. Folglich stellte das BMVg 1955 die Forderung auf, eine Marine aus 18 kleinen, schnellen Zerstörern, zehn Geleitbooten (später Fregatte genannt), 40 Schnellbooten, 54 Minensuchbooten, 36 Landungsbooten, zwölf kleineren Booten und fast 60 Marineflugzeugen bis Anfang der 1960er-Jahre aufzubauen.[47]) Aufgrund dieser recht geringen Anforderungen konnten sehr schnell die ersten schwimmenden Einheiten in Dienst gestellt werden. Bereits im Juni 1956 wurden Schnellboote der deutschen Marine unterstellt, die im Auftrag der britischen Royal Navy mit deutschen Besatzungen in der Ostsee Überwachungsaufgaben durchgeführt hatten. Auch die 24 Minenräumboote, vier Schlepper, ein Tanker und drei Flugsicherungsboote der amerikanischen „Labour Service Unit“,[48]) die mit deutschen Besatzungen hauptsächlich Minen aus dem Zweiten Weltkrieg geräumt hatten, konnten wenig später übernommen werden. Wenige Wochen später trat dann auch der Bundesgrenzschutz (See) seine 26 Boote, einen Tanker, einen Schlepper und den größten Teil der Besatzungen an die Bundeswehr ab. Außerdem gaben die französischen Streitkräfte fünf Hochseeminenboote, die sie während des Krieges von der Kriegsmarine erbeutet hatten, Ende 1956 zurück. Als Ergebnis dieser Bemühungen konnten der NATO Anfang April 1957 zwei Minensuchgeschwader als die ersten einsatzbereiten deutschen Flotteneinheiten unterstellt werden. Ein weiteres Minensuchgeschwader wurde im Juli desselben Jahres der Allianz assigniert. In der Folgezeit nahm die Bundesmarine als erste Teilstreitkraft regelmäßig an NATO-Manövern teil.

Trotz dieser wichtigen Fortschritte plante die Marineabteilung im Ministerium schon zu diesem Zeitpunkt ein noch größeres „Schiffbauprogramm“. Im Laufe des Jahres 1957 wurden acht Zerstörer, sechs Begleitboote, 30 Schnellboote, 54 Minensuchboote und gut 60 weitere Einheiten für den Ausbau der Flotte veranschlagt. Das erste U-Boot, das Aufgaben im Rahmen der Landesverteidigung übernehmen konnte, wurde erst im März 1962, selbstverständlich mit der Bezeichnung U-1, in Dienst gestellt. Anfänglich gab es zudem großzügige Schenkungen speziell seitens der USA und Großbritanniens.

Das eigentliche Aufbauprogramm der Marine galt Anfang der 1960er-Jahre erst einmal als abgeschlossen. Es hatte mit den gleichen grundsätzlichen Problemen zu kämpfen wie die Aufbauprogramme der anderen beiden Teilstreitkräfte: Das zur Verfügung stehende Gerät entsprach den Anforderungen des Auftrages nur bedingt. Trotzdem gelang es der Marineführung aufgrund des vergleichsweise geringeren Bedarfs an Großgerät sehr schnell, die ersten Verbände der NATO zu unterstellen und den Auftrag zumindest partiell aufzunehmen.[49])

 

Aufgezwungene Breitenrüstung - Die Aufrüstung des Heeres

Die operativen Konsequenzen für eine effektive Verteidigung der westeuropäischen Staaten zogen ehemalige Generäle und Generalstabsoffiziere aus ihren Erfahrungen während des Krieges gegen die Sowjetunion (1941-1945). Die wichtigste Lehre aus der Kampfführung gegen die Rote Armee war deren große Anfälligkeit gegen bewegliche Operations- und Gefechtsführung, bedingt durch die starren Strukturen des sowjetischen Militärapparates. Man war der Überzeugung, selbst als numerisch unterlegener Verteidiger einem massiven konventionellen Angriff sowjetischer Streitkräfte widerstehen zu können.[50]) Wichtig erschien hierbei, dass man dem Angreifer nicht die Initiative überlassen durfte, sondern selbst die Verteidigung offensiv angehen musste, um „sein Konzept zu stören“.[51]) Die Schlussfolgerung hieraus war, dass die neu aufzustellenden deutschen Streitkräfte mit einem überproportional großen Anteil an Panzerkräften ausgestattet werden sollten. Damit die infanteristischen Kräfte den Panzerverbänden angemessen folgen konnten, sollten diese hinreichend motorisiert, bewaffnet und möglichst durch Vollpanzerung geschützt sein.[52]) Um darüber hinaus auch eine höchstmögliche Geländegängigkeit erreichen zu können, kamen hierfür nur Vollkettenfahrzeuge in Frage. Weltweit gab es eine große Anzahl erprobter Kampfpanzer, die dem BMVg sogar schon vor Aufstellungsbeginn angeboten wurden. Einen den Anforderungen der bundesdeutschen Militärs entsprechenden Vollketten-Schützenpanzer gab es Anfang der 1950er-Jahre jedoch noch nicht. Entweder hätten die bundesdeutschen Militärs auf dieses neuartige Fahrzeug verzichten müssen, oder eine Neuentwicklung war notwendig. Eine Neuentwicklung hätte aber aller Voraussicht nach mehr Zeit in Anspruch genommen, als der Bundesrepublik zur Aufstellung der eigenen Streitkräfte zu Verfügung stand. Ähnliche Schwierigkeiten gab es zudem mit der Beschaffung eines geeigneten Panzers für die Panzeraufklärer, die Flugabwehr und die Panzerjäger sowie eines Führungspanzers - einer Art Gefechtsstandfahrzeug. Diese Probleme konnten aber durch die Beschaffung des bereits fertigen französischen Schützenpanzers Hotchkiss und der zu schnell beschafften Schweizer Neuentwicklung Hispano Suiza HS 30 überbrückt werden. Bereits erprobte Waffensysteme konnten auch für die Heeresflieger (Alouette II und Sikorsky H-34) erworben werden. Die Masse der Erstausstattung des Heeres wurde aber von den USA im Rahmen des so genannten „Nash-Commitment“ zur Verfügung gestellt.[53])

Nach langwierigen Verhandlungen, einigen Verzögerungen und Missverständnissen mit dem Pentagon wurde für rund 3,8 Mio. USD von US-amerikanischer Seite Material zusammengestellt, das entweder aus Depots in den USA nach Westdeutschland verschifft oder aber von den in der Bundesrepublik stationierten Verbänden direkt an die Bundeswehr übergeben wurde. Gemäß der „Nash-Liste“ vom 24. Februar 1956 und ihrer Ergänzung vom 28. Juni 1956 erhielt die Bundeswehr u.a. folgendes Gerät kostenfrei von den USA zu Verfügung gestellt: 1.110 mittlere Kampfpanzer M-47, 152 leichte Kampfpanzer M-41, 100 Schützenpanzer M-39, 192 Halbkettenfahrzeuge M-16, 186 Panzer Flak 40mm M-42, 300 Bergepanzer M-74, 127 leichte Panzerhaubitzen 105mm M-7-B2, 350 verschiedene Geschütze und Haubitzen, 350 Mörser 81mm M-1 und Mörser 120mm M-30, 34.132 Karabiner M-2, 10.300 Pistolen Auto cal. 45 M-1, 8.188 Maschinenpistolen cal. 45 M-1, 2.450 Maschinengewehre cal. 30 M-1919 sowie verschiedene Zugmaschinen, Lastkraftwagen und umfangreiches Fernmeldegerät.[54])

Die Hilfsleistungen aus den USA waren für das BMVg von großem Nutzen, da das gelieferte Material für das Heer der Bundeswehr zunächst einmal die Grundlage bis Anfang der 1960er-Jahre bildete. Aber auch die US-Amerikaner hatten von diesen Lieferungen große Vorteile. Zum einen konnten sie ihr veraltetes Gerät nutzbringend - zur Verteidigung Westeuropas - abgeben und zum anderen die Voraussetzungen für Folgeaufträge für die eigene Rüstungsgüterindustrie schaffen. So bestellte das deutsche Heer in der Folgezeit für mehrere Milliarden DM Großgerät in den USA (z.B. den Kampfpanzer M-48, verschiedene Artilleriegeschütze und Haubitzen, den Schützenpanzer M-113 sowie den mittleren Transporthubschrauber Bell UH-1 für die Heeresflieger). Im Laufe der 1960er-Jahre wurden die USA der führende Rüstungslieferant für die Bundesrepublik. Die US-amerikanische Anschubinvestition hatte sich ausgezahlt.

Die Vor- und die Nachteile dieser Lösung für die Bundeswehr hielten sich die Waage. Einerseits erhielt man fertig entwickeltes und häufig schon erprobtes Gerät, das man mit dem wichtigsten Verbündeten gemeinsam beüben konnte. Andererseits begab man sich in eine rüstungstechnische Abhängigkeit und vernachlässigte zwangsläufig den Aufbau eigener Rüstungskapazitäten. Die Bereitschaft Washingtons, die Verbündeten bei der Aufrüstung finanziell zu unterstützen, kam der Bundesregierung zunächst trotzdem gelegen, da Mitte der 1950er-Jahre die Verantwortlichen in Bonn kein Interesse daran hatten, den Aufbau einer westdeutschen Rüstungsindustrie zu forcieren.

 

Die „amerikanisierte“ Teilstreitkraft - Die Aufrüstung der Luftwaffe

Die Luftwaffe ist sehr schnell nach ihrer Gründung zu der „amerikanisierten“ Teilstreitkraft der Bundeswehr schlechthin geworden. Auch wenn die anderen Teilstreitkräfte ebenfalls Gerät aus den USA erhielten, war der Einfluss der U.S. Air Force auf den Aufbau und die Aufrüstung der bundesdeutschen Luftwaffe unvergleichbar hoch. Obwohl auch Großbritannien bemüht gewesen war, die neue deutsche Luftwaffe auszustatten, entschied sich das BMVg frühzeitig für die bereits zugesagte Hilfe im Rahmen des Nash-Commitment. Dies lag vornehmlich daran, dass einerseits die britischen Systeme sehr teuer bezahlt werden sollten und anderseits einzig die U.S. Air Force Ende der 1950er-Jahre die Infrastruktur besaß, eine große neue Luftwaffe auszurüsten und gleichzeitig auch auszubilden.[55]) Da die Zeit und die finanziellen Möglichkeiten den Entscheidungsträgern nur einen sehr begrenzten Spielraum überließen, entschied man sich in Bonn für eine „nordamerikanische“ Lösung, flankiert durch den Erwerb von gut 120 britischen Flugzeugen für die Marineflieger: Über 650 Flugzeuge wurden von den USA und Kanada zunächst ausgeliehen und im Laufe der 1950er-Jahre durch den Zukauf von 300 Maschinen ergänzt. Begleitend wurde ein Ausbildungsabkommen abgeschlossen, sodass die bundesdeutschen Piloten für die geliehenen und erworbenen Flugzeugtypen in den USA und Kanada zu besonders günstigen Konditionen ausgebildet werden konnten. Überdies wurden in der Aufbauphase der Luftwaffe rund 1.200 Transport- und Ausbildungsflugzeuge in Frankreich, Italien und von Dornier erworben. Die Kosten der Anschaffung der Flugzeuge für die Luftwaffe betrug, verteilt auf vier Jahre, 2,166 Mrd. DM. Die Auslieferung der geliehenen Flugzeuge aus dem Hilfsprogramm erfolgte sehr schnell. Bis Ende 1958 hatten die nordamerikanischen Verbündeten 412 Flugzeuge der Typen F-84 F Thunderstreak, RF-84 Thunderflash und F-86 Sabre 5 nach Westdeutschland verschifft. Dies führte zu dem Problem, dass der Luftwaffe mehr einsatzfähige Kampfflugzeuge zur Verfügung standen, als sie ausgebildete Piloten für dieselben hatte.[56])

Bei der Beschaffung der Transport- und Ausbildungsmaschinen kamen zudem außenhandels- und industriepolitische Aspekte zum Tragen. Auch in diesem Zusammenhang sollten die Außenhandelsbilanzen mit westeuropäischen Partnern, wenn möglich, ausgeglichen werden. Daraufhin wurde z.B. das italienische Ausbildungsflugzeug Piaggio P.149D in großer Anzahl erworben, aber nur drei Jahre genutzt. Die französische Noratlas N.2501 D galt zunächst als gewagte Konstruktion und wurde erst im Nachhinein zum zuverlässigen „Lastesel“ der Bundeswehr. Die Beschaffung des Schul- und Verbindungsflugzeugs Dornier Do 27 A hatte hingegen zum Ziel, Know-how und Produktionsstätten im Flugzeugbau in der Bundesrepublik aufzubauen.

Die NATO stellte Mitte der 1950er-Jahre erhebliche Lücken in der bodengestützten Luftverteidigung in Mitteleuropa fest. In der Folge stellte die Bundeswehr ab 1957 zusätzliche Heeres- und Luftwaffenbataillone mit den bereits vorhandenen Luftverteidigungssystemen Panzer Flak 40mm M-42 und dazu gekauften radargesteuerten 75mm-Geschützen von Typ „Skysweeper“ auf. Später wurden diese noch zusätzlich durch die in der NATO standardisierte radargesteuerte Flugabwehrkanone Bofors 40mm L/70 gegen tieffliegende Flugzeuge verstärkt. Allerdings waren die Grenzen der Wirksamkeit dieser Waffen gegen Ziele in mittleren und großen Höhen schon in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges offensichtlich geworden. In der Folge wurde die Beschaffung der US-amerikanischen Raketenluftabwehrsysteme „Nike-Ajax“, „Nike-Hercules“ und „Hawk“ für die Bundeswehr geplant und 1959 beginnend durchgeführt.[57])

Die Planungen für den Aufbau der Luftwaffe fanden in enger Absprache mit der NATO statt, da die geplanten westdeutschen Einheiten dem westlichen Verteidigungsbündnis direkt unterstellt werden sollten.[58]) Diese hatte bereits vor der Gründung der Bundeswehr festgestellt, dass die sowjetischen Jäger den eigenen im Luftkampf deutlich überlegen waren.[59]) Da aber die Mitgliedstaaten finanziell nicht in der Lage waren, innerhalb kürzester Zeit die vorhandenen Maschinen gegen die neuesten amerikanischen Modelle auszutauschen, dauerte es bis Ende der 1950er-Jahre, dass sich die Luftwaffe für den F 104 Starfighter G entschied.[60]) Parallel hierzu wurde ein leichtes Kampfflugzeug für die direkte Unterstützung des Heeres („close air support“) erworben. Das BMVg entschied sich für die Fiat G-91, die aufgrund ihres leichten Gewichts auch auf Behelfsflugplätzen starten konnte.[61]) Einen sicherlich wichtigen Grund für den Erwerb dieses Waffensystems lieferte wieder einmal das Wirtschaftsministerium: Zum Ausgleich der Außenhandelsbilanz mit Italien wurden insgesamt 344 Fiat G-91 R/3 Jäger und 66 G-91 T/3 Trainer (inklusive deutscher Lizenzherstellungen bei Dornier, Messerschmitt und Heinkel) bei dem südeuropäischen NATO-Partner erworben.

Trotz dieser großen Beschaffungsmaßnahme wurde für die Luftwaffe weit über 70% des Großgerätes bis in die 1970er-Jahre hinein in den USA gekauft.[62])

 

Zusammenfassung

Die Aufrüstung der Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland in den 1950er-Jahren war bestimmt von verschiedenen externen Faktoren, die sehr häufig zu suboptimalen Ergebnissen in der Beschaffung führten. Angefangen mit der Staatsräson, so schnell wie möglich der NATO rund 500.000 Bundeswehrsoldaten fertig ausgestattet und ausgebildet für die Verteidigung entlang der innerdeutschen Grenze bereitzustellen, über die sicherheitspolitischen Anforderungen des nordatlantischen Bündnisses, die sich in den grundlegenden Veränderungen der Verteidigungsstrategie (MC 14/1 zu MC 14/2) niederschlugen, bis hin zum Ausgleich der Außenhandelssalden mit europäischen Verbündeten führten diese Einflüsse dazu, dass die Aufrüstung der Bundeswehr mehr Zeit und Finanzmittel in Anspruch nahm, als notwendig gewesen wäre. Dieser Sonderfall verdeutlicht aber auch die Schwierigkeiten einer Demokratie, die eigenen Kräfte optimal auf ein staatspolitisch wichtiges Ziel zu lenken. Der Bundesregierung gelang es in den 1950er-Jahren nicht, die volkswirtschaftlichen Kräfte Westdeutschlands für diese bedeutende Herausforderung zu gewinnen. Das privatwirtschaftliche Gewinnstreben und der Erhalt eines fragilen sozialen Gleichgewichts standen im Vordergrund. Der Aufbau eines Instruments zur Verteidigung dieser Errungenschaften wurde von den Führungskräften der deutschen Wirtschaft und den Vertretern der Arbeitnehmer als nicht sehr dringlich erachtet. Zum Glück funktionierte das „Gleichgewicht des Schreckens“ bereits so gut, dass selbst der Aufstand des 17. Juni 1953 in der DDR, die Suezkrise und der Ungarnaufstand 1956 ohne erkennbare Gefahren für den Bestand der Bundesrepublik Deutschland vorübergingen.

Insbesondere durch die Unterstützung der USA und die Einbindung in die NATO-Strukturen gelang es Westdeutschland, bis 1963 die Aufstellung der Bundeswehr grundsätzlich abzuschließen. (Aus den von der NATO geforderten drei Jahren waren am Ende acht Jahre geworden.)


ANMERKUNGEN:

[1]) Grundsätzlich zur Problematik der Finanzierung von Militär in Deutschland siehe: Lutz Köllner: Militär und Finanzen. Zur Finanzgeschichte und Finanzsoziologie von Militärausgaben in Deutschland. München 1982. Zur besonderen Situation der Bundesrepublik in der Aufbauphase der Bundeswehr siehe: Werner Abelshauser: Wirtschaft und Rüstung in den 1950er-Jahren. In: Anfänge westdeutscher Sicherheitspolitik 1945-1956. Bd. 4: Wirtschaft und Rüstung, Souveränität und Sicherheit. Herausgegeben vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt. München, 1997, S.88-127 und Dieter H. Kollmer: Rüstungsgüterbeschaffung in der Aufbauphase der Bundeswehr - der Schützenpanzer HS 30 als Fallbeispiel. Stuttgart 2002, S.30-47.

[2]) Kollmer: Rüstungsgüterbeschaffung, 73. Zum militärisch-industriellen Komplex in den USA: Dwight D. Eisenhower: The White House Years: Waging Peace, 1956-1961. Garden City 1965 und Michael Hennes: Der neue Militärisch-Industrielle Komplex in den USA. In: Aus Politik und Zeitgeschichte (B 46/2003).

[3]) Hiermit sind der militärische Zweck, die technischen Realisierungsmöglichkeiten und die finanziellen Vorgaben gemeint. Hierzu siehe: Hans-Günther Bode: Politische, militärische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen und ihr Einfluss auf die Rüstung der Bundesrepublik Deutschland. In: Theodor Benecke, Günther Schöner (ed.): Wehrtechnik für die Verteidigung. Bundeswehr und Industrie - 25 Jahre Partner für den Frieden. München 1980, S.13-38.

[4]) Zur Problematik der Einflussfaktoren in der Rüstungsgüterbeschaffung siehe grundlegend in der deutschen Fachliteratur: Kollmer, Rüstungsgüterbeschaffung, S.23-77.

[5]) Helga Haftendorn: Deutsche Außenpolitik zwischen Selbstbeschränkung und Selbstbehauptung. 1945-2000. Stuttgart 2001, S.13. Zur Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland in dieser Zeit siehe darüber hinaus: Sven Bernhard Gareis: Deutschlands Außen- und Sicherheitspolitik: Eine Einführung. Opladen 2006. Christian Hacke: Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Berlin 2003. Gregor Schöllgen: Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland: Von den Anfängen bis zur Gegenwart. München 3.Aufl. 2004.

[6]) Mit diesem Versprechen an die NATO hatte Adenauer der Allianz zugesagt, die Bundeswehr schneller aufwachsen zu lassen, als dies Hitler mit der Wehrmacht zwischen 1933 und 1939 möglich gewesen war. Siehe hierzu: Dieter H. Kollmer: Die materielle Aufrüstung der Bundeswehr von den Anfängen bis heute. In: Klaus- Jürgen Bremm, Hans-Hubertus Mack, Martin Rink (Hrsg.), Entschieden für Frieden: 50 Jahre Bundeswehr 1955 bis 2005. Freiburg 2005, S.216.

[7]) Siehe hierzu ausführlich: Gero von Gersdorff: Westeuropäische Verteidigungskooperation und atlantische Bündnispräferenz. Wege westdeutscher Zielsetzungen 1949-1958. In: Franz Knipping/Klaus Jürgen Müller (Hrsg.): Aus der Ohnmacht zur Bündnismacht. Das Machtproblem in der Bundesrepublik Deutschland 1945-1960. Paderborn 1995, S.215ff.

[8]) Zu Fragen der Sicherheitspolitik unter ökonomischen Aspekten siehe: Bruno Thoß: Kollektive Verteidigung und ökonomische Sicherheit. Die Verteidigungsplanung der NATO zwischen militärischen Erfordernissen und finanziellen Begrenzungen 1949-1967. In: Hans-Joachim Harder (Hrsg.): Von Truman bis Harmel. Die Bundesrepublik Deutschland im Spannungsfeld von NATO und europäischer Integration. München 2000, S.19-38.

[9]) Siehe hierzu: Dieter H. Kollmer: „Nun siegt mal schön!“ Aber womit? - Die Aufrüstung des Heeres der Bundeswehr 1953 bis 1972, in: Frank Nägler (Hrsg.), Die Bundeswehr 1955 bis 2005. Rückblenden, Einsichten, Perspektiven, München 2007, S.397-405.

[10]) Zu den Bemühungen Westdeutschlands Ende der 1950er-Jahre, am atomaren Wettrüsten beteiligt zu werden, siehe: Hans-Peter Schwarz, Adenauer und die Kernwaffen, Vierteljahrschrift für Zeitgeschichte 37 (1989), 567-593; Peter Fischer, Das Projekt einer trinationalen Nuklearkooperation, Historisches Jahrbuch 112 (1993), 105-132.

[11]) Haushaltsreden. Die Ära Schäffer 1949-1957. Dokumente - Hintergründe - Erläuterungen. Hrsg. Vom Bundesministerium der Finanzen (= Schriftenreihe zur Finanzgeschichte, Bd. 1). Bonn 1992, S.300.

[12]) Zum grundsätzlichen finanzpolitischen Rahmen der Rüstungsgüterbeschaffung in der Bundesrepublik Deutschland siehe: Köllner, Finanzen.

[13]) Zu Fritz Schäffer siehe: Christoph Henzler: Fritz Schäffer, 1945-1967: Der erste bayerische Nachkriegs-Ministerpräsident und erste Finanzminister der Bundesrepublik Deutschland. München 1994.

[14]) Genaueres zu diesen finanzpolitischen Aspekten der Aufrüstung der Bundeswehr siehe: Kollmer, Rüstungsgüterbeschaffung, 30-47.

[15]) Siehe hierzu: Werner Abelshauser: Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945. München 2004, S.181-186.

[16]) Zu dieser Problematik siehe u.a.: Volker Berghahn: Unternehmer und Politik in der Bundesrepublik. Frankfurt a.M. 1985; und Lothar Gall: Von der Entlassung Alfried Krupp von Bohlen und Halbachs bis zur Errichtung seiner Stiftung 1951 bis 1967/68, in: Lothar Gall (Hrsg.): Krupp im 20. Jahrhundert. Berlin 2002, S.475-511.

[17]) Seit 1961 trägt es die Ressortbezeichnung Bundesministerium der Verteidigung.

[18]) Siehe: Kollmer, Die materielle Aufrüstung, S.217/218.

[19]) Genaueres zum Zahlungsbilanzausgleich durch Rüstungsgüterbeschaffung in Europa siehe: Wolfram F. Hanrieder: Deutschland, Europa, Amerika. Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland 1949-1994, Paderborn 2. Aufl. 1995, S.288-294.

[20]) Ausführlich zur Beschaffung des Schützenpanzers HS 30 für die Bundeswehr siehe: Kollmer, Rüstungsgüterbeschaffung, S.131-270.

[21]) Florian Seiller, „Zusammenarbeit kann man das nicht nennen!“? Die Anfänge der deutsch-französischen Rüstungskooperation im konventionellen Bereich 1955-1966. In: Militärgeschichtliche Zeitschrift 67, 1 (2008), S.56-63.

[22]) Die bekanntesten Beispiele hierfür sind zweifelsohne der Schützenpanzer Marder (Entwicklung seit 1960) und der mittlerweile legendäre Kampfpanzer Leopard (Entwicklung seit 1959). Siehe hierzu: Dieter H. Kollmer, „Klotzen, nicht kleckern!“ Die materielle Aufrüstung des Heeres von den Anfängen bis Ende der 1960er-Jahre, in: Helmut R. Hammerich, Dieter H. Kollmer, Martin Rink, Rudolf J. Schlaffer, Das Heer 1950 bis 1970. Konzeption, Organisation und Aufstellung. München 2006, S.564-575.

[23]) Zur Konzeption der Breiten- und Tiefenrüstung siehe: Georg Thomas: Geschichte der deutschen Wehr- und Rüstungswirtschaft 1918 - 1943/45. Boppard 1966.

[24]) Zum Beschaffungswesen und dem Beschaffungsvorgang in der Aufbauphase der Bundeswehr siehe: Konrad Steinbrink: Wehrtechnik und Beschaffung. Aufgabe und Organisation des Geschäftsbereiches des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung. Hamburg, 1965.

[25]) Zum Gesamtstreitkräftegedanken siehe: Abelshauser, Rüstung S.10.

[26]) Zitiert nach Elmar Caspar: Das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung und sein Geschäftsbereich. Bonn 1969, S.27.

[27]) Siehe hierzu: Kollmer, Rüstungsgüterbeschaffung, S.93-99.

[28]) Zu den besonderen Problemen bei der Auftragsvergabe in der Aufbauphase der Bundeswehr siehe: Kollmer, Klotzen S.511-514.

[29]) Siehe Abelshauser, Rüstung, S.141.

[30]) Zitiert nach Kollmer, Klotzen, S.512.

[31]) Das grundlegende Werk über die Entstehung und Wirkung des Vorläufers des Bundesministeriums für Verteidigung, das so genannte „Amt Blank“, ist: Dieter Krüger: Das Amt Blank. Die schwierige Gründung des Bundesministeriums für Verteidigung. Freiburg 1993.

[32]) Ausführlich zum Nash-Commitment sowie zur Nash-Liste und deren Folgen siehe: Kollmer, Klotzen, S.523-538.

[33]) Die U.S. Army in Europa sollte schon seit Anfang der 1950er-Jahre mit neueren Waffensystemen ausgestattet werden, daher war dies natürlich eine gute Möglichkeit, dem neuen NATO-Mitglied auf sehr kostengünstige Art und Weise eine Starthilfe zu geben. Näheres hierzu Kollmer, Klotzen, S.524. Weiterführend hierzu: Ingo W. Trauschweitzer: The Cold War U.S. Army: Building Deterrence for Limited War. Lawrence 2008.

[34]) „Nash-Liste“ war die Bezeichnung für die Aufstellung der endgültig vom Pentagon zugesagten und schließlich kostenfrei zur Verfügung gestellten Waffensysteme für den Aufbau der Bundeswehr.

[35]) Zur Problematik der Beschaffung der Munition aus der Türkei siehe: Kollmer, Klotzen, S.591-595.

[36]) Zu den Zielen der Außenpolitik der bundesdeutschen Regierung in den 1950er-Jahren siehe: Haftendorn: Außenpolitik, S.17-59.

[37]) Finanzminister Fritz Schäffer hatte in harten Verhandlungen mit den Amerikanern erreicht, dass die Bundesrepublik bis 1960 nicht mehr als 9 Mrd. DM per anno für die Aufrüstung der Bundeswehr ausgeben musste. Dies führte in der Aufbauphase, kombiniert mit der damals geltenden „Jährlichkeit des Budgets“ - das eingestellte Geld muss in dem jeweiligen Jahr verbraucht werden, ansonsten fällt es an die Bundeskasse zurück - dazu, dass es im Rahmen der Beschaffungsmaßnahmen für die Bundeswehr sehr viele Engpässe und volkswirtschaftlich unsinnige Entscheidungen gab. Siehe hierzu ausführlich: Lutz Köllner, Militär und Finanzen. Zur Finanzgeschichte und Finanzsoziologie von Militärausgaben in Deutschland, München 1982.

[38]) Die einzige Biografie, die es bisher zu Theodor Blank gibt, ist die von Arnold Sommer: Blank, Theodor Anton (Theo). In: Hans Bohrmann (Hrsg.): Biographien bedeutender Dortmunder. Menschen in, aus und für Dortmund. Essen 2000.

[39]) Mehr zu Franz Josef Strauß siehe Stefan Finger: Franz Josef Strauß. Ein politisches Leben. München 2005. Die interessante Selbsteinschätzung dieses Vollblutpolitikers ist nachzulesen in: Franz Josef Strauß: Die Erinnerungen. West-Berlin 1989.

[40]) Zur Verlangsamung des Truppenaufwuchses der Bundeswehr siehe: Bruno Thoß: NATO-Strategie und nationale Verteidigungsplanung. Planung und Aufbau der Bundeswehr unter den Bedingungen einer massiven atomaren Vergeltungsstrategie 1952-1960. München 2006, S.173-181.

[41]) Beispiele für die Auslaufmodelle waren der Schützenpanzer HS 30 und der Kampfpanzer M 48. Die neu initiierten Waffensysteme hießen damals Schützenpanzer neu (später: Marder) und Standardpanzer 30t (später: Leopard). Siehe hierzu Kollmer, Klotzen, S.613.

[42]) Zum Aufbau der Infrastruktur für die Bundeswehr siehe: Wolfgang Schmidt: Integration und Wandel. Die Infrastruktur der Streitkräfte als Faktor sozioökonomischer Modernisierung der Bundeswehr in der Bundesrepublik 1955-1975. München 2006.

[43]) Rüstungskompetenz sollte zunächst insbesondere bei der Entwicklung kleinerer, geländegängiger Kraftfahrzeuge, Handwaffen und Spezialgerät aufgebaut werden. Erst gegen Ende der 1950er-Jahre ging es auch darum, Panzer zu produzieren.

[44]) Zum WEU-Vertrag und seinen Folgen für die Aufrüstung der Bundeswehr siehe: Kollmer, Rüstungsgüterbeschaffung, S.51/52.

[45]) Zu den Aufgaben der Bundesmarine in ihrer Aufbauphase siehe Johannes Berthold Sander-Nagashima: Die Bundesmarine 1955-1972. München 2006.

[46]) Zu den Planungen der Bundesmarine und ihrer verschiedenen Schiffs- und Flugzeugtypen siehe: Breyer, Siegfried/Koop, Gerhard: Die Schiffe, Fahrzeuge und Flugzeuge der deutschen Marine von 1956 bis heute. Bonn 1996.

[47]) Zur Aufrüstung der Bundesmarine siehe Sander-Nagashima, Bundesmarine und David R. Snyder, Arming the „Bundesmarine“: The United States and the Build-Up of the German Federal Navy, 1950-1960, The Journal of Military History 66, no. 2 (2002), S.477-500.

[48]) Zu den amerikanischen „Labor Service Units“ in Deutschland siehe: Helmut Hammerich: „Kommiss kommt von Kompromiss“. In: Hammerich/Kollmer/Rink/Schlaffer: Das Heer, S.59-62.

[49]) Siehe Sander-Nagashima, Bundesmarine; Snyder, Arming; und Kollmer, Die materielle Aufrüstung, S.220-222.

[50]) Christian Greiner, Die militärstrategische Lage Westeuropas und Westdeutschlands aus der Sicht westdeutscher Militärs 1945-1949. In: Franz Knipping und Rolf-Jürgen Müller: Ohnmacht, S.161.

[51]) Der erste Generalinspekteur der Bundeswehr Adolf Heusinger zitiert bei Greiner, Militärs, S.162.

[52]) Ferdinand M. von Senger und Etterlin, Gedanken über die Panzerinfanterie, in: Wehrwissenschaftliche Rundschau 3 (1953), 126-133.

[53]) Zur Beschaffung der verschiedenen Waffensysteme für das Heer der Bundeswehr und die Schenkungen der US-Regierung siehe: Kollmer, Klotzen.

[54]) Die Daten stammen aus Kollmer, Klotzen, S.532.

[55]) Zum Aufbau der bundesdeutschen Luftwaffe zwischen 1956 und 1960 siehe: Heinz Rebhan, Aufbau und Organisation der Luftwaffe 1955-1971, in: Bernd Lembke, Dieter Krüger, Heinz Rebhan, Wolfgang Schmidt, Die Luftwaffe 1950-1970, Konzeption, Aufbau, Integration. München 2006, S.565-604.

[56]) Siehe hierzu Rebhan, Aufbau, S.569-571.

[57]) Siehe hierzu Rebhan, Aufbau, S.586-594.

[58]) Zur Ausrichtung der bundesdeutschen Luftwaffe in der Aufbauphase der Bundeswehr siehe Heiner Möllers, 50 Jahre Luftwaffe - Von Himmerod zum Hindukusch, in: Bremm, Mack, Rink, a.a.O., S.155-182.

[59]) Siehe hierzu Bernd Lembke: Konzeption und Aufbau der Luftwaffe. In: Bernd Lembke, Dieter Krüger, Heinz Rebhan, Wolfgang Schmidt, Die Luftwaffe 1950-1970, Konzeption, Aufbau, Integration. München 2006, S.331.

[60]) Zur umstrittenen Beschaffung der F 104 G Starfighter für die bundesdeutsche Luftwaffe siehe Lembke, Konzeption, S.327-379.

[61]) Zur Beschaffung der Fiat G-91 für die bundesdeutsche Luftwaffe siehe Lembke, Konzeption, S.381-400.

[62]) Zur Aufrüstung der bundesdeutschen Luftwaffe in der Aufbauphase der Bundeswehr siehe Lembke, Konzeption, S.321-424; und Rebhan, Aufbau S.557-644.