Operative Führung

Aktueller Ansatz und Konsequenzen für die Ausbildung

Bruno-Günter Hofbauer

 

Die operative Führungsebene und die mit ihr verbundenen Aufgaben und Begriffe sind in den letzten Jahren massiven Veränderungen in der Wahrnehmung innerhalb der militärischen Welt unterworfen, die sich nicht nur aus den geänderten Einsatzszenarien moderner Streitkräfte ableiten lassen. So hat sich beispielsweise der Operationsbegriff im Verlauf des ausgehenden 20. Jahrhundert nicht nur in Österreich massiv verändert. Die Auseinandersetzung mit dem Verständnis von Operation und operativer Führung ist heute aber besonders wichtig, kommt es doch gerade derzeit zu einem zunehmenden Engagement Österreichs und seiner Offiziere auf eben dieser Führungsebene. Durch die 2009 erschienene Dienstvorschrift für das Bundesheer (zur Erprobung) Operative Führung konnte ein wesentlicher Meilenstein in der Entwicklung der operativen Führung für das Bundesheer erreicht werden, da damit die fundamentalen theoretischen Grundlagen für den Umgang mit operativer Führung weiter ausgebaut und aktualisiert werden konnten. In Zusammenhang mit der operativen Führung wird wiederholt die Frage nach der Kernkompetenz des Generalstabsoffiziers gestellt. Die Entwicklungen der letzten 20 Jahre haben nicht nur die Streitkräfte, sondern mit diesen auch die Anforderungen an den Generalstabsoffizier verändert. War früher die wesentliche Aufgabe auf taktischer und operativer Ebene zu leisten lag und nur ein geringerer Anteil auf militärstrategischer Ebene, so hat sich das Anspruchsniveau an die Generalstabsoffiziere auf die oberen Ebenen verschoben. Nur noch ein sehr geringer Anteil des Generalstabskorps ist auf taktischer Ebene tätig, dafür sind die Aufgaben auf militärstrategischer Ebene exponential gestiegen, was sich auch aus den zunehmenden internationalen Verpflichtungen und Verbindungen ergibt. Das grundsätzliche Wissen um die Planungsverfahren und Abläufe auf internationaler operativer Ebene ist Voraussetzung für ein Verständnis für Vorgänge auf nationaler militärstrategischer Ebene, und das umfasst sowohl die Bereiche der Einsatzvorbereitung und Planung wie auch die Streitkräfteplanung und -entwicklung, aber auch den militärpolitischen Bereich. Insgesamt kann eine Verschiebung der Kernkompetenz der Generalstabsoffiziere in den Bereich der Militärstrategie beobachtet werden. Die Ausbildung in operativer Führung wird sich weiterhin v.a. an den internationalen Erfordernissen zu orientieren haben und dabei moderne Szenarien im multinationalen, Teilstreitkräfte übergreifenden Umfeld als Basis nutzen. Die Dienstvorschrift für das Bundesheer (zur Erprobung) Operative Führung wird nach Verfügbarkeit der endgültigen Version der Comprehensive Operational Planning Directive zu überarbeiten sein, um für die Offiziere des Bundesheeres den aktuellen Informationsstand zu gewährleisten.