Globale Strategie: Die Geopolitik der USA

Auswirkungen auf Politik und Strategie - von der Western Reserve über den Panama-Kanal zur Gegenküste und Energiepolitik (Teil 3)

Friedrich W. Korkisch

 

Geopolitik ist heute sowohl Ordnungspolitik als auch Energiepolitik. Der Golfkrieg von 1990/91 war das Containment gegenüber dem irakischen Diktator Saddam Hussein, der ja nicht nur Kuwait besetzt hatte, sondern auch Atomwaffen und B- und C-Waffen entwickeln ließ, weil er Israel auslöschen und die westlichen Provinzen des Irans besetzen wollte. Außerdem hätte er damit fast ein Viertel der gesamten fossilen Weltenergiereserven kontrolliert. Da nach den Anschlägen von 11. September 2001 das Terrornetzwerk Al Kaida nicht an den Küsten von Long Island zurückgeschlagen werden konnte, griffen die USA direkt in Afghanistan ein, nicht zum Zwecke der Umwandlung Afghanistans in eine Sowjetrepublik (was Moskau nach 1979 versucht hatte), sondern um die Taliban zu vernichten, die dem gesamten Westen den Krieg erklärt hatten. Die USA lassen jeden Staat politisch nach eigenen Vorstellungen agieren. Wenn dieses Agieren jedoch zur Bedrohung von Verbündeten oder zur Destabilisierung einer ganzen Region führt, ersetzt Ordnungspolitik mit Interventionsandrohung die Politik des Zusehens und guten Zuredens. Nach Paul Kennedy begeben sich Großmächte immer dann in Gefahr einer „Overextension“, wenn ihre geopolitischen und strategischen Vorstellungen und die vorhandenen Mittel nicht mehr übereinstimmen. Viele Autoren weisen allerdings darauf hin, dass das British Empire nur drei Jahrzehnte wirklich eine globale Macht darstellte; die USA hingegen seit nunmehr 120 Jahren. Seit 1900 ist der Anteil der amerikanischen Wirtschaft am globalen Gesamtprodukt immer um die 25% gelegen, sieht man von den ersten Jahren nach 1945 ab. Die Kriege nach Vietnam hätten die amerikanische Wirtschaft kaum beeinträchtigt, da ja diese Mehrkosten zum erheblichen Teil im eigenen Land ausgegeben wurden, ähnliches trifft auf den Irak und auf Afghanistan zu. Von einer „Overextension“ kann man daher nur im militärischen Zusammenhang sprechen, da, nach dem Übergang zu einer Freiwilligenarmee im Jahre 1970, die Streitkräfte für die zahlreichen Aufgaben eher zu klein dimensioniert sind. Viele Autoren sehen drei große geopolitisch trennbare Blöcke von Staaten: Die stabilen, westlichen bzw. befreundeten, die weniger berechenbaren, oft neutralen oder auch antagonistischen Staaten, und den Block der nicht stabilen (failed, failing) Staaten. Das größte Sicherheitsproblem für alle anderen Staaten sind jene Staaten, die, im Besitz von A-Waffen und Raketen, in die Gruppe der „dysfunctional-failed states“ abrutschen. In dem vorliegenden Beitrag werden unter anderem die Bausteine der amerikanischen Geopolitik - von Mahan bis Colin Gray - beschrieben und in den größeren Wirkungsrahmen amerikanischer Machtprojektionen eingebettet.