„CIMIC 2.0“

Zur Nutzung militärischer Expertise im zivilen Bereich

Helmut Pisecky

 

Die klassischen militärischen Tugenden - Pünktlichkeit, Disziplin, Verantwortungsbewusstsein etc. - werden in allen Lebensbereichen nach wie vor hochgeschätzt und sind in der Führung eines Unternehmens praktisch unabdingbar. Darüber hinaus haben konstruktive Ansätze wie etwa der Strategische Führungslehrgang an der Österreichischen Landesverteidigungsakademie in den letzten Jahren entscheidend dazu beigetragen, auf der Ebene der Entscheidungsträger gegenseitiges Vertrauen zu stärken und Berührungsängste abzubauen. Vor dem Hintergrund eines gesamtstaatlichen Interesses sollten derartige Bemühungen zukünftig noch verstärkt werden. Bei allen Überschneidungen sollte dennoch nicht vergessen werden, dass Militär und Wirtschaft grundsätzlich unterschiedliche Sphären sind. Während sich Wirtschaft mit knappen Gütern beschäftigt und demnach Effizienz im Mittelpunkt steht, dienen Streitkräfte zur organisierten Anwendung von Gewalt. Trotz der viel zitierten Ökonomie der Kräfte stehen dabei Führung und Kontrolle im Zentrum, die Knappheit der Ressourcen ist ein mehr oder minder externer Faktor. Darüber hinaus ist die Zweckmäßigkeit militärischer Organisationen zwar messbar, eine reale Kosten- und Leistungsrechnung gestaltet sich aber oft schwierig. Seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise Ende 2008 hat sich im grundsätzlichen Verständnis von wirtschaftlicher Tätigkeit vieles bewegt. Jene Debatte, die mit den Manager-Boni ihren Ausgang nahm, hat sich schließlich auf das gesamte Wirtschaftsverständnis in kapitalistischen Systemen ausgeweitet und das ihre dazu beigetragen, dass Begriffe wie „Nachhaltigkeit“ und „Wirtschaftsethik“ inzwischen zum selbstverständlichen Repertoire jedes Managers gehören. Die klassischen soldatischen Tugenden würden somit auch in der Wirtschaft zunehmend an Bedeutung gewinnen. Menschliche Reife, Bescheidenheit, Hingabe, Wertschätzung, das rechte Maß, all das sind Tugenden, die einem Soldaten und Menschenführer gut anstehen. Gerade eine Organisation wie das Österreichische Bundesheer, das einen überdurchschnittlichen Betrag in die Fortbildung seiner Mitarbeiter investiert, könnte hier profitieren. Die bisherige Ausrichtung auf den zivilen (d.h.: akademischen) Bildungsbereich müsste also verstärkt durch Kontakte mit der Wirtschaft ergänzt werden. in Österreich haben sich bereits Ansätze einer „Sicherheitsindustrie“ etabliert, die als Bindeglied fungiert. Bisher sind jene Unternehmensberater, Bildungseinrichtungen und Sicherheitsdienstleister die wesentlichsten Akteure, die eine Vermittlerposition zwischen den verschiedenen Bereichen einnehmen und in beide Richtungen gut vernetzt sind; diese sind in der Lage, flexibel und rasch zu handeln, Kontakte national und international herzustellen und effizient und unbürokratisch als Vermittler zu agieren. Diese Unternehmen sollten daher auch verstärkt in Prozesse des Staatlichen Krisen- und Katastrophenschutzmanagement (SKKM) bzw. der High Policy eingebaut werden und insgesamt von militärischen als auch zivilen Strukturen stärker genutzt werden. Schließlich wird sich auch das Österreichische Bundesheer daran gewöhnen müssen, dass immer wieder einige seiner hochqualifizierten Angehörigen in die Wirtschaft abwandern werden - es liegt an den militärischen Kommandanten, dies als Bedrohung zu sehen oder als Chance zu nützen.