Luftkrieg neu: Mehr Evolution als Revolution (Teil 2)

Friedrich W. Korkisch

 

Bis 1945 führte man Kriege, seither vermeidet man diesen Begriff und führt „Polizeiaktionen“, „UNO-Missionen“ und „multinationale Interventionen“ durch, die aber ebenfalls Kriegshandlungen sind. Da es keine Mobilmachung mehr gibt, benötigt man für solche Kriege keine Zustimmung oder Überzeugungsarbeit bei der zumeist desinteressierten Bevölkerung. Daher sind (falls vorhanden) interventionsfähige Luftkriegspotenziale besonders populär, denn sie reduzieren die politischen Barrieren für eine Beteiligung, senken die Kriegskosten und die eigenen Verlustzahlen.

Einzelne NATO-Staaten beteiligen sich, wie die jüngeren Erfahrungen zeigen, mit vier, sechs oder acht Flugzeugen an multinationalen Interventionen; Rechtfertigungen für Beteiligungen sind UNO-Resolutionen, Menschenrechte, Regime, Kampf gegen Unrecht, gelebte Solidarität, Bündnispflichten und Eigeninteressen.

Als Besonderheit ist anzuführen, dass der Luftkrieg bis heute nicht völkerrechtlich geregelt ist, daher alle Beschränkungen politischer Natur sind. Auch Atomwaffen sind nicht verboten, und die Bemühungen, den Einsatz von Streubomben und Napalm zu verbieten, sind keineswegs überall umgesetzt worden.

 

Der Operationsbegriff

Im deutschen militärischen Sprachgebrauch gibt es die traditionellen Ebenen Strategie, Operation und Taktik. In den USA hat man eine andere Tradition: Policy, als Ergebnis der Politik, ist die oberste Ebene der Entscheidungshierarchie, damit bestimmt diese auch die Strategie. Die Military Strategy (anordnender wie auch ausführender Teil der Policy) ist die Summe militärischer Maßnahmen zu deren Umsetzung. So zerfällt die Militärstrategie zwar in spezielle Strategien, wie die See-, Luftkriegs-, Nuklear-, Raketenabwehr-, Luftverteidigungs-, Cyber-, Bündnis- oder Weltraumstrategie, die jedoch nur mehr doktrinären Charakter haben, denn die militärischen Handlungen sind durchwegs taktischer Natur. Die militärische Durchführung der Policy (und somit auch der Strategy) erfolgt durch die Campaign. Die Operation wird zur Planung, Vorbereitung des Einsatzes und Befehlsgebung; eine Campaign kann daher mehrere Operationen umfassen.

Die Umsetzung einer Campaign erfolgt entweder durch die strategische Ebene (strategische Einsatzmittel, Theater of War-Ebene, Zerstörung oder Neutralisierung des Strategic Center of Gravity), dann liegt eine Strategic Operation vor. Die taktische Ebene (vom Korps abwärts sowie See- und Luftkriegsaktionen in der taktischen Erfüllung eines Auftrages) führt eine Tactical Operation durch, wobei die Summe solcher auch strategischer Natur sein kann. Der „Raum“ zwischen Strategie und Taktik ist heute beinahe leer. Aber nicht alle Theoretiker folgen dieser Struktur, und dies führt zu Debatten über die „Rest-Existenz“ oder die Sinnhaftigkeit einer „Operational Art“, die eher der taktischen Ebene zugordnet wird.[1])

 

Der Planungsprozess

Typische Planungen sind z.B. die Umsetzung politischer und militärstrategischer Überlegungen, entweder national oder im Rahmen eines Bündnisses. Bei Luftstreitkräften ist anzumerken, dass diese jederzeit einsatzfähig sind: Falls sich die Luftteile nicht an die Entscheidungsprozesse und Einsatzvorbereitungen der Landstreitkräfte anpassen müssen, sind sie in der Lage, binnen 24 oder 48 Stunden zu fliegen.

Von der Politik angeordnete Ad-hoc-Einsätze, ohne jede vorausgehende Planung oder klares Lagebild, können unnötige Verluste zur Folge haben. Das klassische Beispiel dafür ist der Befreiungsversuch des Frachtschiffes Mayaguez vor Kambodscha im Mai 1975, als in Umgehung militärischer Instanzen Präsident Ford und Außenminister Kissinger Einsätze anordneten, die zu chaotischen Zuständen führten.[2]) Politiker müssen in die Lage versetzt werden, die Grundlagen des Luftkrieges zu verstehen; Forschheit und Wille allein sind zu wenig.[3])

Bei der Planung unterscheiden die USA und die NATO zwischen der langfristig angelegten Deliberate Planning (samt dem Aufzeigen von materiellen Lücken, die in Form von „Capability Shortfalls“ erfasst werden), der Richtlinie Future Plans & Future Operations folgend. Die umfangreiche Contingency Planning ist ein Kriegsplan, wird aufgrund eines Planning Order grundsätzlich alle drei Jahre neu bearbeitet und umfasst die Militäreinsätze in einem regionalen Befehlsbereich, unabhängig davon, ob eine Krise vorliegt oder nicht, samt einem möglichen Course of Action. Das Ergebnis ist ein OPLAN, wobei die OPLAN-Nummern für jedes Kommando vorgegeben sind.[4])

Die Contingency Planning macht auf der Ebene der Combatant Commands der J-5 (Plans Directorate), auf der Ebene der unterstellten Component Commands (Army, Navy, Air Force, Marine Corps, Special Forces) die jeweils analoge Stabstelle G-5, N-5, A-5; die aktuelle Einsatzplanung erfolgt durch den J-3 (Operations Directorate) und darunter durch die G-3, N-3, A-3 Stabselemente; in der Praxis arbeiten beide eng zusammen und werden Operation’s oder „Strategy Staff“ bezeichnet. Von Bedeutung ist der Input des J-2 (Intelligence Directorate). In der NATO hatte der G-5/J-5-Stab den nuklearen wie auch den konventionellen Einsatz vorbereitet, denn bei einem Überraschungsangriff der Warschauer-Pakt-Staaten wäre keine Zeit für lange Planungsprozesse geblieben.[5]) Die Logistik plant der J-4 (Logistics Directorate).

Ein OPLAN besteht aus mehreren Teilen, folgt aber in der Regel vier Bearbeitungsstufen: (1) dem Estimate (Lagebeurteilung), (2) dem Base Plan (Streitkräftebedarf aufgrund der Konfliktszenarien), (3) einem Concept Plan (gedachter Operationsverlauf) und (4) dem finalen OPLAN, mit allen Details, Beilagen, der Interagency-Koordination etc.

Bei aktuellen Krisen wird ein abgekürztes Planungsverfahren eingeleitet, die Crisis Action Planning (CAP), wie etwa bei der Libyen-Luftoperation 2011. Im Jahre 2007 wurde die Adaptive Planning (AP) eingeführt, eine von allen höheren Kommanden selbstständig durchzuführende Überarbeitung von Plänen, um diese auf der Campaign-, taktischen und materiellen Ebene an neue Entwicklungen anzupassen.[6])

Bei den Planungen stehen die Erfordernisse an Truppen und Material eines Befehlsbereiches sehr oft in einem Konkurrenzverhältnis zu anderen Erfordernissen. So standen während des Koreakrieges die für eine Ausweitung des Krieges auf China erforderlichen Kräfte in einem Gegensatz zu den Erfordernissen in Europa.[7]) Vietnam wiederum führte zu einer Ausdünnung der Truppen der U.S. Army in der Bundesrepublik Deutschland, samt Warnungen vor einer nicht mehr gegebenen Einsatzbereitschaft der 7th Army und Reduzierung der Einsatzbereitschaft der U.S. Air Forces Europe durch laufende Ersatzteilabzweigungen und Wegversetzungen.

 

Der politisch-strategische Entscheidungsprozess

Geringe Relevanz von Strategiepapieren

In den USA sind die National Defense Strategy und National Military Strategy inhaltlich weitgehend ident, Erstere unterfertigt der Verteidigungsminister, Letztere der Chairman of the Joint Chiefs of Staff. In vielen Fällen sind national verfasste Strategien „Papierstrategien“, die sich in Allgemeinformulierungen ergehen; diese stehen inhaltlich oft jenseits der realisierbaren Möglichkeiten.[8])

Hätte die nationale Sicherheitsstrategie Großbritanniens vom Oktober 2010 Verbindlichkeit gehabt, wären die drastischen Kürzungen beim Militär ab 2011 nicht möglich gewesen; in den USA haben die unerwarteten Budgetkürzungen durch die Sequestration das Militärpotenzial - entgegen allen Planungsgrundlagen - teilweise unterlaufen.

So kann in einem Staat eine aus einem politischen Strategiepapier ableitbare „Go“- Entscheidung aus den verschiedensten Gründen zu einer „No Go“-Entscheidung führen. Daher findet einmal eine Intervention statt (Balkan, Afghanistan, Irak, Libyen), dann wieder nicht (Ruanda, Liberia, Sudan, Syrien).

 

Entscheidungsprozess auf der Policy-Ebene

Der politische Entscheidungsprozess erfasst die politische Lage und das militärstrategische Assessment, die Vorbereitung für einen Einsatz (auch wenn dieser dann nicht zustande kommt), das Verhalten anderer Staaten, die Absprachen mit Alliierten, die Einschaltung von NATO, UNO, OAS, Afrikanische Union, G8, G20, diplomatische Prozesse, erste Vorentscheidungen über die C-2 Struktur.

Der Entscheidungsprozess in den USA erfolgt durch die National Command Authority, die aus dem Präsidenten, dem Verteidigungsminister, Außenminister und dem Chairman of the Joint Chiefs of Staff (CJCS), dem National Security Adviser, Director of National Intelligence, Director of the CIA, Secretary of Homeland Security und dem White House Chief of Staff besteht. Diese Gruppe formuliert die Policy, die sich dann in einer Weisung des Präsidenten (Presidential Directive, Executive Order) niederschlägt. Dieser Prozess ist allerdings nicht formalisiert, es steht dem Präsidenten frei, wen er einbindet und wie er entscheidet.

Die Rolle des CJCS ist seit 1986 im Goldwater-Nichols Act[9]) geregelt, wobei dieser die militärischen Maßnahmen mit dem Verteidigungsminister festlegt und unterschreibt. Eine Reihe von Maßnahmen sind zu veranlassen, wie die Auswahl der einzusetzenden Truppen, die Verfügung von Warning Orders, Alert Orders, Deployment Orders etc.

Jeder Einsatz amerikanischer Streitkräfte außerhalb des Territoriums der USA ist vom Präsidenten anzuordnen, der daher eine Presidential Directive verfügt (wie die meisten Präsidenten, wobei diese Weisung oft als National Security Directive bezeichnet wird, um sie von anderen Weisungen zu unterschieden) oder einen Executive Order verfasst (was z.B. Clinton tat). Damit besteht erste Klarheit darüber, was der militärische Einsatz erreichen soll, somit auch über die voraussichtlich erforderlichen Kräfte.

Nach dem Festlegen der Policy werden alle weiteren Schritte zur Durchführung eines Einsatzes über den Verteidigungsminister an den zuständigen Combatant (Unified) Commander geleitet; die Chiefs of Staff der Teilstreitkräfte unterstützen den Einsatz oder verfügen den Einsatz von Bombern, Cruise Missiles oder Elementen der strategischen Aufklärung.

 

USA: Execute Order, Warning Order, Alert Order, List of Forces, Deployment Orders

Richtlinien wie der Unified Command Plan, der Joint Strategic Capabilities Plan (JSCP), die Global Force Management Implementation Guidance (GFMIG) und die Guidance for Employment of the Force beschleunigen den Truppeneinsatz.

- Der Einsatz der Streitkräfte erfolgt durch den Execute Order (EXORD), der vom Verteidigungsminister und dem CJCS endgefertigt wird. Dem EXORD beigefügt ist eine Liste der voraussichtlich zum Einsatz kommenden Kräfte. Der EXORD geht an den Combatant Commander (CCDR), diverse Air Force-Kommanden, an das Transportation Command/Air Mobility Command (Airlift, Sealift), an STRATCOM/Global Strike (für Bomber, Tanker), an Flotten, das Marinekorps, Special Forces und andere Kräfte. Ein konkretes Datum für den Einsatz kann noch fehlen (C-Day) oder bereits genannt sein (D-Day).

- Ein Warning Order ist eine Weisung an ein Combatant Command zur sofortigen Einleitung der Stabsarbeit zwecks Erarbeitung des Commander’s Estimate und des ersten Course of Action (Plan der Durchführung). Ein Combatant Command (immer ein Supported Command) übermittelt den Kräftebedarf, Intelligence, Transport- und Logistikbedarf. Warning Orders sind v.a. bei der Crisis Action Planning von Bedeutung und sind ein erstes Konzept für den Campaign Plan. Jedes unterstellte Kommando bis zur Ebene Geschwader, Fleet Task Force, Brigade Combat Team (BCT) bekommt vom jeweils vorgesetzten Kommando ebenfalls einen Warning Order mit einem konkreten Auftrag.[10])

- Der Alert Order wird vom Director, Staff of the Joint Chiefs of Staff vorbereitet, nachdem ein Course of Action genehmigt wurde; dieser Plan ist Grundlage für die Verlegung von Streitkräften und für den CCDR zur Bearbeitung des ersten Commander’s Intent und für weitere Deployment Orders.

- Die List of Forces zeigt auf, welche Kräfte sich derzeit wo befinden und wie ausgebildet und ausgerüstet für einen Einsatz in Frage kommen,[11]) welche Kräfte dem zuständigen Combatant Command (CCMD) zugeführt werden können oder durch die Reserve oder National Guard zu ergänzen sind. Der Stab des Air Force Chief of Staff hat eine Liste über jene Kräfte, die unmittelbar einsetzbar sind und darüber, welche Lücken durch Komponenten der Air Force Reserve oder Air National Guard aufgefüllt werden müssen.

- Deployment Orders: Das Verlegen von Kräften erfolgt durch Weisung des Verteidigungsministers nach Rücksprache mit den Joint Staffs und den betroffenen Kommanden in Form von Conference Boards. „Building Blocks“ für jede Verbandsebene und jeden Verbandstyp erleichtern die Planung und enthalten die Anteile von Logistik, Fliegerabwehr, Bau- und Pionierkräften, Kommunikationsmitteln, Energieversorgung, San-Versorgung etc. mit Angaben über Personalstärken, Tonnagen, erforderlichen Transportraum, Nutzung von Flugplätzen, Schiffen, Verlegerouten, Ausladehäfen, Garnisonen und Embedding, Host Nation Support und SOFA, letzte Lageberichte und Civil Affairs-Angelegenheiten, zumeist bereits einen fixen Terminplan. Für den Luftbereich ergehen Angaben wie Flugrouten, Überfluggenehmigungen und Bodendienste.

- Für die Logistik ergehen nach den Global Combat Support Systems-Richtlinien besondere Befehle. In jedem mit einem Einsatz konfrontierten Combatant Command befinden sich ein Logistikstab und ein (Expeditionary) Theater Sustainment Command. In der NATO gibt es eigene Durchführungsbestimmungen, so etwa das Allied Deployment and Movement System (ADAMS).

 

Politische Ebenen als taktische Force-Manager?

Der Präsident und der Verteidigungsminister bestimmen den strategischen Course of Action, wobei der CCDR verschiedene Optionen vorschlagen kann. Komplex wird es bei multinationalen Operationen, denn die Versuchung, bei Lufteinsätzen nationale Sensibilitäten einzubringen, ist groß.[12]) Kleine Kontingente, Scheu vor Verlusten und Mikromanagement, aber auch Kommunikationsmittel fördern diese Einmischungen. Die Politik will sich unter dem Titel „Primat der Politik“ um jedes Detail kümmern, egal wie sinnvoll dies ist.

Im Zweiten Weltkrieg hatten weder Eisenhower, MacArthur, King, Nimitz noch Vandenberg oder Spaatz gefragt, welche Operationen sie durchführen würden, wann und wie. Die Politik mischte sich in die militärische Planung nicht ein. Die Spitzenmilitärs legten dem Secretary of War und dem Secretary of the Navy einmal im Jahr einen zusammenfassenden Bericht vor.

1991 wurde Präsident Bush über den Verlauf von Desert Storm informiert, als aber Verteidigungsminister Cheney versuchte, sich in militärische Fragen einzumischen, wurde er von General Colin Powell und General Norman Schwarzkopf abgeblockt. Dass General Colin Powell 1991 wiederum während der Luftoffensive von Desert Storm die Festlegung der Luftziele selber vornehmen wollte, passt in das Bild einer von „oben“ geforderten Mitsprache.[13]) 2002 hingegen wurde CENTCOM-Commander General Tommy R. Franks hinsichtlich der Campaign-Planungen für Iraqi Freedom völlig von Rumsfeld dominiert.[14])

Störend fallen die Caveats und C2-Führungsvorbehalte einiger europäischer Regierungen auf, die laufend in die Führungsabläufe von NATO-Kommanden eingreifen.[15]) Zeitraubende Abläufe entstehen, wenn sich übergeordnete Kommanden, weit weg vom Einsatzraum, vorbehalten, auch klein-taktische Abläufe (nun „Operation“ bezeichnet) zu genehmigen, dann bei unerwarteten Vorgängen überreagieren und die Schuld dem taktischen Kommandanten (samt medialer Vorverurteilung, siehe Kundus 2009) zuweisen. Bei den NATO-Einsätzen am Balkan 1995 und 1999 durften bereits im Air Tasking Order genehmigte Ziele nicht angegriffen werden, weil nationale Rücksichtnahmen die militärische Logik aushebelten.

 

Das Combatant Command

Die Stellung des Kommandos als militärstrategische („Theater of War“-) Ebene

Das CCMD ist ein geographisch festgelegtes, regional-strategisches Theater of War und besitzt Component Commands für Land-, Luft-, amphibische und Seestreitkräfte sowie für Special Forces.[16]) Der Combatant Commander hatte gemäß USC Titel 10, Section 164-165 und Section 153 umfangreiche Vollmachten:

- Combatant Commanders are responsible for ongoing employment of forces, tasks, designating objectives, direction of military operations, training, logistics, have full authority to organize and employ commands and forces as the Commander in Chief considers necessary to accomplish assigned missions

- …have Tactical Control (TACON) „for… direction and control of movements and maneuvers necessary to accomplish missions or tasks assigned.“

Der Joint Operations Planning Process (JOPP) ist die Ausarbeitung der Campaign durch Zusammenfügung der Planungen aller Component Command-Stäbe. Als unterste (und de facto einzige) militärstrategische Ebene verfügt der CCDR über eine Reihe von „Tools“, um seinen Auftrag zu erfüllen: Er erhält den EXORD mit dem strategischen Course of Action, folgt bei multinationalen Operationen der Strategic Guidance for Multinational Operations und verfügt über die letzten Ergebnisse der Intelligence-Ebene. Das Adaptive Planning and Execution (APEX)-System fördert die zielorientierte Diskussion für die Streitkräftekoordination auf Ebene des CCMD und unterstellter Kommanden.

 

Der militärstrategische Entscheidungsprozess

Eine Campaign ist die Gesamtheit militärischer Handlungen in der Umsetzung eines strategischen oder taktischen Auftrags und entspricht der (kontinentaleuropäischen) Ebene der Operation. Der Link zwischen den strategischen und taktischen Operationen erfolgt über das „cross over“ von Aufgaben und von Kräften, die mehrfach genutzt werden: Luftverteidigung ist einmal Teil der Defense Strategy, dann auch Teil der Military Strategy und wesentlicher Teil des Luftkriegstaktik; Flugzeugträger sind politische, strategische und taktische Elemente gleichzeitig; Airlift kann strategisch oder taktisch sein.

Die Terminologien der USA und der NATO sind nicht ident: In den USA regeln den Luftkrieg (neben der Air Force Basic Doctrine) die Joint Publication 5-0 Joint Operation Planning (letzte Ausgabe August 2011), die Joint Publication 3-56 Command and Control For Joint Air Operations und das Air Force Doctrine Document 2 Operations and Organization. Innerhalb der NATO legt wiederum die Allied Joint Publication AJP-01 (D) Allied Joint Doctrine fest, dass die strategische Ebene für die Policy, Strategy und Major Campaigns, die operative Ebene für Campaigns und Major Operations und die taktische Ebene für Operations, Battles und Actions zuständig ist. Die Übergänge sind jedoch fließend und die Einteilungen sind in den verschiedenen NATO-Staaten nicht immer einheitlich.

Einem Einsatz gehen mehrere Phasen voraus, wobei die Politik und der CCDR entscheiden können, welche Phasen wann und wie eingeleitet oder übersprungen werden: Phase 0: Diplomatie, politische Warnungen, Lagebeurteilungen; Phase I: Vorbereitung und Aufmarsch von Streitkräften (Deployment); Phase II: Androhung von Gewalt, Übergang zu Kriegshandlungen (Employment); Phase III: Kampfhandlungen; Phase IV: Ende der Kampfhandlungen, Herstellung von Ruhe und Ordnung; Phase V: Übergang zur Zivilverwaltung. Diese Phasen überlagern sich, laufen oft parallel ab. So können sich Vorgänge der Phase III bis zur Phase V hinziehen (etwa die Bekämpfung von Banden).

Der NATO-Planungsprozess besteht gemäß der AJP-3 (B) Allied Joint Doctrine for the Conduct of Operations aus sechs Abschnitten: Phase 1: Warning; Phase 2: Assessment; Phase 3: Development of the Plan; Phase 4: Approval of the Plan; Phase 5: Execution; Phase 6: Termination. Diese Phasen laufen vielfach parallel ab, und die „Termination“ ist insofern ein Problem, als es keine Friedensverträge mehr gibt, nur Waffenstillstandszusagen, oft nicht einmal solche.

Der CCDR weiß, welche Kräfte er zugewiesen bekommt, aber ob das reicht, muss ein erstes Assessment der Blue Force und deren Fähigkeiten im Vergleich mit der Bedrohung ergeben.

Die Lagebeurteilung ist ein informeller Prozess; der Stab des Air Component Commander erarbeitet über mehrere Planungsstufen einen Air Campaign Plan, der sich am Joint Operation Plan des CCDR orientiert oder zu einem Teil dieses Planes wird. Der Campaign Plan wird den CJCS oder dem Verteidigungsminister zur Genehmigung vorgelegt.[17]) In der Regel stehen die Kommandanten der Truppen und Geschwader in ständiger Verbindung, und es kommt zu einer laufenden Anpassung der Planungsarbeit.

 

Das Air Component Command

Dem Luftbereich steht der Commander Air Force Component Command (COMAFCC) den zugeteilten Luftelementen vor. In manchen Fällen besteht zunächst nur ein kleiner Stab ohne fix zugeteilte Verbände, wie bei SOUTHCOM, AFRICOM und bei CENTCOM vor August 1990. Der COMAFCC ist aber nicht nur Kommandant der fliegenden Teile, er ist auch für den gesamten Luftraum des CCMD verantwortlich (Air Operating Area bzw. Joint Operation Area), falls es nicht zu einer operativ-taktischen Trennung dessen von anderen Luftkräften kommt (wie über Nordvietnam) oder der Army Aviation ein Teil des Luftraumes zugewiesen wird. Der COMAFCC ist für die Planung und Durchführung der Luftoperation verantwortlich.

Im Luftbereich ergibt sich auf der C2-Ebene (siehe Teil 1), dass der COMAFCC, wenn Navy- und Marinekorps-Elemente Teil des Luftpotenzials sind, dieser zumeist auch der Kommandant des Joint Forces Air Component Command (JFACC) sein wird. Er ist bei einem dauernd eingerichteten gemischten Luftstab wie bei der NATO, in Südkorea oder bei multinationalen Operationen auch Commander des Joint Air Operations Center (JAOC) bzw. Combined Air Operations Center (CAOC). Obwohl diese Fragen und Titel wie Formalitäten erscheinen, waren sie bei der Libyen-Operation 2011 Gegenstand heftiger (und höchst unverständlicher und überflüssiger) Debatten innerhalb der NATO.

In diesen Stäben sind für die detaillierte Luftkriegsplanung eine Reihe von Planungselementen tätig, wie Strategic Plans, Combat Plans/Combat Operations, Intelligence (ISR), Air Mobility, Special Support und Logistics. Die weitere Trennung erfolgt oft nach Aufgaben, wie für Air Defense, Tactical Support, Tactical Airlift, ISTAR etc.[18]) Es bestehen daher bei multinationalen Beteiligungen die Optionen, die alliierten Kräfte in diese aufgabenorientierten Strukturen einzugliedern, oder aber, sie bleiben unter eigenen Kommanden, was, bei einer Vielzahl solcher, die Koordination erschwert. Der COMAFCC kann für die bessere Kooperation mit den anderen Teilstreitkräften Air Component Coordination Elements (ACCE) als Verbindungsstäbe einrichten; gleichermaßen können Kommanden Verbindungselemente in das AOC entsenden.

Die U.S. Air Force hat die Policy, bei Joint- oder Combined-Stabsstrukturen bei Bedarf zusätzlich ein eigenes Air Force Forces (AFFOR)-Command zu bilden, das aus einem Chief of Staff, A-1, A-2, A-3 plus A-5, A-4, A-6, A-7 und weiteren Stabszellen besteht. Damit kann die Air Force interne Fragen zur Operationsplanung, Technik, Ausbildung, E-Teile, Logistik etc. mit den eigenen Air Force-Dienststellen und -Kommanden abklären.

 

Die strategisch-operative Grundlage für die Air Campaign

Der CCDR erteilt seinem COMAFCC entweder konkrete Aufträge oder lässt diesem größte Freiheit, oft abhängig davon, ob eine lange (Irak 1991) oder kurze (Irak 2003) Luftoperation einer Landoperation vorausgeht. Das (Net-)Assessment ist die laufende Beobachtung der Entwicklung der Gesamtlage und muss die laufende Abschätzung der Risiken für den Planungsprozess aufzeigen.

Die Strategische Operation und Taktische Operation werden oft getrennt geplant, obwohl manchmal nur ein strategischer Angriff erfolgt, wie Desert Strike im September 1996 oder Desert Fox im Dezember 1998 gegen den Irak. Die strategische Ebene setzt strategische Plattformen mit Marschflugkörpern und Abstandswaffen oft aus großen Entfernungen gegen wichtige Ziele ein; für kurze Einsätze gibt es daher auch keine Air Tasking Cycles, für Bomber (Bewaffnung Cruise Missiles, PGM, A-Waffen, Bomben) allenfalls einen Master (Air) Attack Plan.

 

Die einzelnen Planungsschritte für die Air Campaign

Von der Lagebeurteilung zum Course of Action

Vom ersten Warning Order über das erste Air Estimate und die taktische Mission Analysis bis zum ersten Master Attack Plan (MAP) können, je nach Luftlage, Feindpotenzial, Zahl der Ziele, Zahl der eigenen Plattformen und der Zeit für deren Verlegung in einen Einsatzraum, ob man von einem Planungsvorlauf von Null oder von einem fertigen Contingency Plan wegarbeiten kann, mehrere Monate (Desert Storm) oder wenige Tage (Odyssey Dawn) vergehen.

Es geht beim Luftkrieg darum, den Information Decisionmaking Action (IDA) Cycle zu verkürzen. Durch laufendes Updating des Master Attack Plan (MAP) für die jeweils nächsten 72 Stunden können Air Tasking Cycle (ATC) und Air Tasking Order (ATO) über Computer-Formate erstellt und angepasst werden.

Der Air Staff des COMAFCC vergleicht den Auftrag, die eigenen und feindlichen Potenziale und erarbeitet auf Basis der Mission Analysis einen oder mehrere Courses of Action (CoA) aus (zwei, selten drei), die aufzeigen, wie das Ziel erreicht werden kann und welche Vor- und Nachteile jeder einzelne CoA hätte. Am Ende dieses Prozesses entscheidet sich der COMAFCC für eine Lösung. Allerdings kann sich dabei ergeben, dass die vorhandenen Kräfte nicht ausreichen, um den bestmöglichen CoA umzusetzen, und ein Operation Adjustment sinnvoll erscheint. Zu diesem Zeitpunkt sollte auch das Center of Gravity feststehen und erste Antworten auf die Fragen „Wer macht was? Wie? Wann? und Wo?“ möglich sein. Aus dem gewählten CoA wird der Commander’s Intent; dieser ist ein fertiger Luftkriegsplan, mit konkreten Hinweisen, was die Geschwader und Staffeln zu tun haben, um das strategische oder taktische Ziel der Campaign zu erreichen. Die Commander’s Guidance sind zumeist narrative Richtlinien für den Stab.

Dieser Prozess ist ein stabsinterner Kreislauf, unterliegt einem laufenden Anpassungsprozess, etwa, wenn weitere Kräfte zugeführt werden, wenn es zu Lageänderungen kommt oder Prioritäten verändert werden. Die gesamte Planung ist außerdem ein Prozess zwischen (a) dem Stab des COMAFCC und den weiteren Inputs des CCDR und (b) zwischen COMAFCC und den unterstellten Luftelementen mit deren Inputs.

 

Targeting

Von Bedeutung wird nun die Zielliste (Targeting), womit man die Zahl der Einsätze für die Zerstörung von Zielen, die Zahl der Waffen und die geschätzte Dauer der Campaign ermitteln kann. Geht man davon aus, dass man in 24 Stunden einen (bei Nacht) oder zwei Einsätze pro Flugzeug (je nach Flugstrecke, Anzahl der Piloten) fliegen kann, wird sich die Zahl der Ziele begrenzen oder die Luftoperation verlängern.

Die Planungsstellen (J-5, A-5) werden eine Joint Integrated Prioritized Target List erstellen. Viele Zielvorgaben kommen von übergeordneten Kommanden und können aus politischen Gründen oft nicht in die Zielliste aufgenommen werden, sind „No Go Targets“.

Die meisten taktischen Ziele werden erst nach Eröffnung der Kampfhandlungen erkannt, oder Angriffe gegen diese werden über FACs angefordert. Bei Beginn der Kampfhandlungen ist die Zahl der Ziele zumeist überschaubar, nimmt dann stark zu und übersteigt in der Regel die vorhandenen Luftangriffspotenziale, was die Luftangriffshandlungen in die Länge zieht.

Die Zahl der Ziele bestimmt die Zahl der zu fliegenden Einsätze, die Zahl der Flugzeuge und auch die Dauer einer Luftoperation. Die Target List ist die Grundlage für den Master (Air) Attack Plan.

 

Master Attack Plan

Mit der Genehmigung des Campaign-Plans durch den CCDR kommt es zur Erarbeitung des Master (Air) Attack Plan (MAP). Nun geht es darum, in allerletzten Koordinationsschritten plötzliche Lageveränderungen zu berücksichtigen und der Logistik die erforderliche Zeit zu geben, laufend für rund fünf Tage vorausschauend zu planen.

Der MAP formuliert, was durch die Luftangriffshandlungen erreicht werden soll, verbindet somit das zu erreichende operativ-taktische Ziel mit den Befehlen an die fliegenden Kräfte bzw. mit dem voraussichtlichen Apportionment für mehrere Angriffstage.

 

Das Apportionment

Durch die Trennung der Ziele in weiche, harte, Flächenziele, armierte Bunker, Sensoren etc. und Luft-Boden-Munitionstypen (Sprengkraft, Durchschlagsleistung), diverse Lenkverfahren (Laser, IR, Radar, Trägheitssteuerung etc.), Nachteinsatz, Wetter etc. ergeben sich Kombinationen für die Zielzerstörung, dazu kommen Flugstrecken, Jagdschutz, Jammer und CSAR. Das Apportionment, das schriftlich (oder kurzfristig auch mündlich) erteilt wird, legt fest, wie viele Teile des vorhandenen Luft-Boden-Potenzials gegen welche Ziele (Prioritätenreihung) geflogen werden sollen.

Grundsätzlich ist das Apportionment dem Kommandanten des Combatant Command vorbehalten, aber normalerweise haben sich die Luftplaner mit der Army und Navy und Marines und mit den Planern für den Artillerie- und Kampfhubschraubereinsatz abgesprochen und wissen, welche Ziele durch strategische Plattformen (Bomber), durch U-Boote und andere Kriegsschiffe mit Marschflugkörpern und weitreichende Waffen angegriffen werden oder bereits angegriffen wurden.

Diese Festlegungen werden entweder im Master (Air) Attack Plan fixiert, oft von den Geschwadern vorgeschlagen und können im ATC und ATO mit bestmöglicher Nutzung des Potenzials befohlen werden.

 

Air Tasking Cycle 

Der ATC ist ein jeweils für die nächsten 24 Stunden gültiger Luftkriegsplan, somit ein den ATO steuernder Ausschnitt des Master Air Attack Plan, ergänzt mit der aktuellen Lage am Boden und in der Luft und der Anordnung, was in den nächsten 24 Stunden erreicht werden soll. Ein Damage Assessment gibt Auskünfte über die erreichten Zerstörungen.

Er übermittelt das Apportionment, Tankereinsätze, Time over Target-Angaben, Radiofrequenzen und das Airspace Management. Die Koordination mit der terrestrischen Fliegerabwehr, spezielle Aufträge, Maßnahmen der Luftverteidigung, Zeitblöcke, die Flugrouten zu und aus den Kill Boxes (ein geographischer Raum 30 mal 30 Meilen), das Luftraummanagement und nun auch Fragen über „Cultural Issues“, die Erfordernisse zur Umsetzung einer Effects-Based Operation etc.[19])

 

Air Tasking Order

„In the Air Force, our mission is to fly, fight and win. The Air Tasking Order is how we do it.“ [20]) Für die „strategischen“ bzw. statischen Ziele (Regierungseinrichtungen, IT-Strukturen, Flugplätze, Kasernen, Brücken, Bahnhöfe, Häfen, Depots, Stromversorgung) kann man die Zahl der erforderlichen Flugzeuge und Luft-Boden Waffen für deren Zerstörung errechnen. Die Masse der taktischen Ziele - Deep Targets (am weitesten von der FLT-Linie entfernt), Battlefield-Interdiction-Targets und die CAS-Ziele - ergibt sich erst durch den feindlichen Aufmarsch und im Zuge der Kampfhandlungen. Etwa 24 bis 30 Stunden vor dem Start der Flugzeuge sollte der ATO bei den Staffeln aufliegen. Das sind Richtwerte, die allerdings sehr oft über- oder unterschritten werden. Tanker und Tankerrouten müssen im ATO genau aufscheinen, damit die Kampfflugzeuge gemäß Plan ihre zugeordneten Tanker finden bzw. das Anfliegen eines falschen Tankers eher die Ausnahme darstellt. Manche ATOs bei Desert Storm umfassten bis zu 900 Seiten.

Für den ATO ist im Air Staff das ATO Production Team zuständig. Im Bereich PACAF werden ATOs (betreffend Nordkorea mit einer Vielzahl fixer Ziele) immer für fünf Tage vom A-5 geplant, in Europa und bei der NATO für drei. Es gibt zwei Modelle: (1) Das ATO Production Team erarbeitet den Master Air Attack Plan; die Strategic Planning Division ist Teil dieses Teams. Das ATO-Team inkludiert die letzten Commander’s Objectives, das Target Development, das Weapons Assessment, die Force Application, die Execution Planning und das letzte Combat Assessment. (2) Die Combat Plans Division verfasst, abgeleitet vom Master Air Attack Plan, den ATO, wobei das Updating durch die Combat Operations Division erfolgt.

Nicht alle ATO-Einsätze werden geflogen, die Geschwader werden den ATO fallweise abändern, da Ziele nicht mehr vorhanden sind oder neue Aufklärungsdaten andere Ziele mit Dringlichkeit aufweisen. Das U.S. Marine Corps meldet seine vorgesehenen CAS-Einsätze summarisch für den Master Attack Plan ein, aber in der Regel nicht in den ATO; die U.S. Navy wird einen Teil ihrer Einsätze immer autonom durchführen und ATO-Einsätze neben eigenen Einsätzen wie Carrier Air Patrol (CAP)-Flüge abwickeln. Das gilt auch für strategische Plattformen und Lufttransportbewegungen außerhalb des Einsatzraumes, die mit Flugplanabgabe und der Flugsicherung zu koordinieren sind.

 

Air Support Operation Centers

Zusätzliche Einsätze für die Bodentruppen werden auf Korps- oder Divisionsebene an die Air Support Operation Centers (ASOCs) weitergeleitet, und, falls es sich um stationäre Ziele handelt, für den nächsten ATO vorgemerkt oder als Soforteinsätze an im Luftraum befindliche Kampfflugzeuge weitergegeben. Das ASOC steuert den Tactical Air Support für die Bodentruppen, und mit Priorität, wenn sich diese einem Feind gegenübersehen, der durch Kampfhubschrauber und Artillerie nicht niedergekämpft werden kann.

 

Das Tactical Air Control Center

Der Luftraum wird vom Tactical Air Control Center (TACC) überwacht. Dieses benötigt daher den kompletten ATO und alle anderen Flüge in einem definierten Raum, sodass es zu keinen Kollisionen im Luftraum kommt.

Für „Desert Storm“ wurden 1991 im Luftraum 78 Angriffskorridore horizontal und vertikal gestaffelt. Die Bomber (v.a. beim Einsatz von Marschflugkörpern) erhielten eigene Lufträume; der über den Irak laufende Zivilluftverkehr wurde umgeleitet. Um diese bis zu 3.000 Flugbewegungen pro Tag zu überwachen, benützte man zwei Control Reporting Centers (CRC, mit Großraumradars und Radarleitoffizieren), vier bis sechs in der Luft befindliche AWACS und einige E-2C der Navy. Das erforderte den Einsatz von 360 Air Controllern, dazu Waffenspezialisten, Meteorologen, Radar- und Fernmeldepersonal sowie Hunderte Techniker, um die Systeme funktionsfähig zu halten.

 

Luftverteidigung

Die Sonderstellung der Luftverteidigung (Jäger, Ground Based Air Defense, elektronische Luftraumüberwachung mit eigenen Einsatzzentralen) wurde bereits angemerkt. In der NATO wurden Luftverteidigungseinsätze und Luftangriffseinsätze grundsätzlich getrennt und von verschiedenen Einsatzzentralen gesteuert. Air Defense Escort-Einsätze fanden sich im ATO, Abfangeinsätze gegen angreifende oder im Luftraum auftauchende Feindziele logischerweise nicht.

 

Fallstudie: Desert Shield, Desert Storm

Die Ausgangslage

Das für den Mittleren Osten und Südwestasien zuständige 1983 geschaffene Combatant Command CENTCOM - gebildet aus Teilen von EUCOM und PACOM - war im August 1990 ohne zugeordnete Kräfte. Die 9th Air Force des TAC war Air Force Command CENTCOM und ab 1991 Air Force Component Command/CENTCOM, befehligt von LtGen Charles Horner. Dessen Stab befand sich in MacDill AFB, Florida, mit einer Stärke von rund 400 Offizieren und Soldaten.[21]) CENTCOM hatte keine Weisungen erhalten, welche Operationspläne auszuarbeiten wären. Man hatte zwar den alten OPLAN 1002 an der Hand (Maßnahmen gegen einen sowjetischen Angriff auf die Türkei, den Irak, Iran und Saudi-Arabien), der aber für die Irak-Operation unbrauchbar war.

Als der irakische Aufmarsch gegen Kuwait anlief, schlug der CINCCENT, General Norman Schwarzkopf, umgehend eine Reihe von Maßnahmen vor, die jedoch (trotz Warnungen der CIA und J2 CENTCOM) vom CJCS General Colin Powell ignoriert wurden. Der Angriff des Iraks auf Kuwait traf die politischen Entscheidungsträger in Washington überraschend, da die Experten und die Botschaft in Bagdad laufend beschwichtigten, der Irak sei nach dem Irankrieg „kriegsmüde“.[22])

Nachdem Saddam Hussein am 2. August 1990 in Kuwait einmarschiert war, ging ein Warning Order zu CENTCOM und Alert Orders zum TAC, Military Airlift Command (MAC) und Strategic Air Command (SAC). Nun befürchtete man einen Angriff auch auf Saudi-Arabien. Nach Absprachen mit dem Königshaus Fahd in Riad begannen die ersten Truppenverlegungen, beginnend mit der Division Ready Brigade der 82nd Airborne Division und dem 1st Tactical Fighter Wing, Langley AFB.

Am 6. August verfügte Präsident Bush eine Presidential Directive und weitere Entscheidungen und Weisungen. Kern der Überlegungen war eine gesicherte Abwicklung der Ölversorgung des Westens und die Wiederherstellung Kuwaits. Es ergingen, neben diversen Deployment Orders auch Einsatzbefehle für die 6. und 7. Flotte.[23]) Zugleich musste aus der 9th Air Force das JFACC Forward in Riad aufgestellt werden, das Anfang September arbeitsfähig war und bis Februar 1991 auf rund 2.000 Personen anwuchs. In MacDill verblieb CENTCOM-Rear.

 

Militärstrategische Überlegungen; Aufgaben

Die Intervention gegen den Irak bestand aus drei Teilen: Aufmarsch, dem Schutz Saudi-Arabiens unter dem Titel Desert Shield und den Luft- und Landangriffen unter dem Titel Desert Storm.

Die „Theater Strategy“ war Sache von General Schwarzkopf; CENTCOM ging davon aus, dass der Irak, mobilgemacht, mit 3.000 Panzern, 1.800 SPZ, rund 2.000 Geschützen und 550.000 Mann erheblichen Widerstand leisten und wie im Krieg gegen den Iran auf eigene Verluste keine Rücksicht nehmen würde. Dies führte zu einem umfangreichen Aufmarsch von Bodentruppen. Als man am 30. Oktober beschloss, auch eine Offensive gegen den Irak durchzuführen, benötigte man ein panzerstarkes Korps, was zum Heranführen des kompletten VII. Korps aus der Bundesrepublik Deutschland führte.[24])

Im Luftbereich gab es auf strategischer Ebene mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erfüllen:

- die Verlegung von Truppen und Gerät nach Saudi-Arabien,

- der Aufbau des Schutzes für Saudi-Arabien (Boden, Luft),

- die Planung des Luftkrieges gegen die irakischen Streitkräfte in Kuwait und

- die Planung des Luftkrieges gegen den Irak selbst, dazu

- die Planung und Implementierung des Luft-Logistikaufmarsches und

- das Aufnehmen der einfliegenden Truppen.

Zusätzlich waren in Saudi-Arabien die umfangreichen Fernmeldeverbindungen einzurichten.

 

Intelligence

Der um Saddam Hussein und um Bagdad herum politisch organisierte irakische Staat besaß zwar keine Schwerindustrie, hatte aber zahlreiche Infrastrukturen und potente Forschungseinrichtungen (auch für C- und Nuklearwaffen), dazu moderne Telekommunikationsanlagen.

Strategische und taktische Unterlagen über den Irak kamen von der DIA, die RAdm Mike McConnell unterstand (zugleich J-2/ Joint Staff) im Pentagon. Angaben über Ziele ergaben sich durch Satellitenaufnahmen der KH-Reihen 9, 11 und 13 der CIA sowie durch die TR-1/U-2-Aufklärer.

Der Irak hatte 18 Jet-taugliche Flugplätze und 30 Ausweichpisten verfügbar, auf denen sich 594 betonierte Shelter befanden. Bei Beginn der Bodenoffensive am 24. Februar 1991 gab es hinsichtlich des Widerstandes der irakischen Streitkräfte Lagebeurteilungen, die von „schwerem Widerstand“ (3rd Army), „Einsatz von C-Waffen“ (J-2 CENTCOM) bis „eher geringer Widerstand“ (G-2/USMC) reichten.

Der J-2 CENTCOM hatte ein Joint Reconnaissance Center eingerichtet, ebenso ein Combat Assessment Center, das die Wirkung der Waffen auf die angegriffenen Ziele prüfte. (Diese wichtige Stabsstelle konnte Ziele, die nicht getroffen waren, umgehend auf den ATO setzen.) Wichtig waren die RC-135-Erfassungen von Radarfrequenzen, was das Jamming erleichterte.

J-STARS-Informationen für die taktische Ebene waren hilfreich, ebenso die Videobilder der eingesetzten Drohnen. Luftlageinformationen kamen von den AWACS, den CRCs und von den AEGIS-Schiffsradars im Arabischen Golf. Das Abhören des irakischen C-2 Netzes erforderte Arabisch-sprechende Experten, die kaum vorhanden waren.

Das alliierte Intelligence-System war über den Irak gut informiert, was aber bis Kriegsende fehlte, waren Angaben über die mobilen Scud-Rampen, von denen 36 vorhanden waren,[25]) man konnte diese und die Raketentransporter aus der Luft nicht von den zahllosen Tank-LKWs unterscheiden. Die CIA und DIA ging von rund 250 Scud-Raketen aus, die der Irak haben könnte, was angesichts der 225 abschussfähigen Waffen eine präzise Annahme war. Gegen die abgefeuerten 92 Scud wurden andererseits 158 Patriot PAC-1 Abwehrlenkwaffen verschossen, die, bedingt durch einen Fehler zwischen Zielerfassung und Zielansteuerung im Mikrosekundenbereich, nur 10% Treffer erzielten.

Der Irak besaß rund 520 Kampfflugzeuge und 120 Kampfhubschrauber (mit Masse Bo-105, SA-316, SA-321 und Mi-24), 1.200 FlA-Lenkwaffen diverser Typen, 1.600 MANPADS und 3.200 Fliegerabwehr-Rohrwaffen aller Kaliber, von denen sich rund 1.700 um Bagdad befanden, wobei das Luftverteidigungssystem von einer französischen Firma integriert worden war, die zum Ärger von Horner ihre Unterlagen erst kurz vor der Luftoffensive zur Verfügung stellte.[26]) Die optisch gesteuerten Rohrwaffen verloren ihre Wirkung durch die Nachteinsätze.[27])

 

Desert Shield: Der Aufmarsch

Der Aufmarsch und das Base Building in Saudi-Arabien hatten bis Ende Februar (unfallfrei!) 15.000 Airlift-Flüge und den Transport von rund 520.000 Tonnen Fracht und 225.000 Soldaten zur Folge. Dazu kamen die rund 650.000 Tonnen jeder auf dem Seeweg verlegten US-Division.

Es kam zur Verlegung von 1.000 alliierten Kampfflugzeugen und 122 Tankern, der Einbindung der Civil Reserve Air Fleet, zum Aufmarsch von sechs Flugzeugträger-Task Forces (mit rund 450 Flugzeugen), weiteren Flugzeugen für die Seeraumüberwachung, Combat Search and Rescue (CSAR) etc., die teilweise in der Türkei und in Ägypten (Tanker) stationiert wurden. Die 8th Air Force in Barksdale AFB, Louisiana, war für die Tanker im EUCOM/CENTCOM-Bereich zuständig, die 15th Air Force in March AFB, CA, für den Bereich PACOM, unterstützte die 8th aber mit weiteren KC-135. (Eine F-4 benötigte von den USA nach Saudi-Arabien 15 Betankungen, eine F-15 sieben.)

 

Die Organisation der Campaign

Horner teilte seine Luftkräfte in vier (provisional) Kommanden ein, nämlich die 14th Air Division (P) mit den Jägern und Jagdbombern, die 15th AD (P) für die AWACS, Electronic Warfare-Plattformen und C4ISR-Elemente, die 16th AD (P) für die C-130 plus den C-141, die 17th AD (P) für die SAC-Elemente (wenn im Bereich CENTCOM im Einsatz, wie B-52, KC-135, KC-10 und U-2/TR-1). In dieser Struktur befanden sich keine Luftfahrzeuge der Army, Navy und des USMC, doch waren VAdm Henry Manz, Commander 7th Fleet, Yokosuka, und LtGen Walter E. Boomer, USMC, bereit, Horner umfassend zu unterstützen.

Horner beauftragte seinen J-3/A-3, BrigGen John A. Corder, mit der Angriffsplanung. Corder begann mit der Master Attack-Planung und teilte seinen Stab in zwei Teile, nämlich in die Campaign Planning Section unter BrigGen Buster Glosson und die Campaign Operation Section unter Jim Grigger. Glosson hatte seine Section wiederum in vier Teams unterteilt: in das (a) Guidance, Apportionment and Targeting Team (GAT), das die täglich einsatzbereit gemeldeten Flugzeuge in die Air Tasking Cycles (ATC) einbaute und für den ATO vormerkte, in das (b) ATO-Team, das die ATOs verfasste und die erforderlichen Zusätze und Ergänzungen einsammelte, (c) in das Airborne Command Element (ACE), das die Verbindung zu den vier AWACS aufrechterhielt, und (d) in das Component Liaison Team, das als Verbindungskommando zu den Stäben der anderen Teilstreitkräfte fungierte.

Horner organisierte seinen Luftkrieg in vier Phasen mit fallender Priorität:

- Phase I: Verteidigung von Saudi-Arabien; Angriffe gegen strategische Ziele wie das politische Zentrum im Sinne der Ausschaltung des Center of Gravity, gleichzeitig weitgehende Ausschaltung der feindlichen Luftverteidigung und von erkannten B- und C-Waffen, der feindlichen Führungssysteme (C-2), der Scud-Raketen und der Führung der Republikanischen Garden.

- Phase II: Angriffe gegen die irakischen Truppen in Kuwait.

- Phase III: Die Truppen der Republikanischen Garde des Iraks.

- Phase IV: Unterstützung der alliierten Bodenoffensive.

 

Die Campaign-Planung

Für Desert Storm lagen zwei unterschiedliche Angriffsoptionen vor, nämlich der Plan von Col. John A. Warden gegen das politische System und dessen Infrastrukturen (das Center of Gravity) und jener von Horner mit einem traditionellen Angriffsverlauf. Horner lehnte zwar Wardens Vorschlag schroff ab, doch seine Planer BrigGen Buster C. Glosson (er war zugleich Kommandant des 14th AD (P)) und LtCol David A. Deptula[28]) (er war einer der Mitarbeiter von Warden), implementierten viele Ideen von Warden in die Planungen.[29])

Es gab zuerst 84, dann im Oktober 171 und im Dezember 1990 bereits 283 „strategische“ Ziele, gegen die am ersten Tag 1.200 und an den weiteren sechs Tagen je 800 Einsätze geplant waren (aber letztlich 18.280 Einsätze erforderten). Zu den strategischen Zielen gehörte die Bekämpfung der Stromversorgung, und die 16 E-Werke wurden bei Angriffsbeginn durch Cruise Missiles zerstört. Wardens Idee, durch Luftangriffe einen „Regime Change“ zu erreichen, wurde zwar verfolgt, aber nicht konsequent umgesetzt. Immer wieder gab es andere Prioritäten und Schlechtwetter beeinträchtigte die Sicht für Laser-gesteuerte PGMs. Die irakische Führung hatte den laufenden Ortswechsel konsequent durchgezogen und war daher kaum fassbar.

Die Angriffe gegen das Center of Gravity (Bagdads Regierungsviertel) wurden wegen der starken Fliegerabwehr auf die F-117 übertragen, die jedoch durch ihre geringe Nutzlast (zwei 1.000 kg Gleitbomben GBU-10 oder GBU-27 im Rumpf) und durch Schlechtwetter über Bagdad behindert wurden. Die F-111F trugen GBU-12 und GBU-24, B-52 griffen mit AGM-86C ALCM an, deren Bestand 1991 aber noch sehr gering war. Sea Launched Cruise Missiles (SLCM) der U.S. Navy flogen über den Iran auf Bagdad, was die Regierung in Teheran tolerierte. A-6 der Navy schossen Drohnen des Typs BQM-74 ab, die von den irakischen Radars als Flugzeuge identifiziert wurden und die umgehende Bekämpfung der Feuerleitradars und Lenkwaffenstellungen durch F/A-18 und A-6 mit HARM und PGMs ermöglichten.

 

Powell, Schwarzkopf, Horner

Gemäß seinen Kompetenzen konnte General Schwarzkopf den Schwerpunkt der Luftoperation und die Reihenfolge der Angriffe entscheiden, was auch das Apportionment umfasste; er verfolgte jedoch eine „decentralized execution“, was den Korpskommandanten und Horner viel Freiheit gab.

Schwarzkopf, ohne Kenntnisse der Luft-Einsatzgrundsätze, kritisierte Horners Methodik, wollte dann die Phasen II und IV vorziehen, was Horner aber verwarf. In einem weiteren Schritt wurde dann die Taktik des Feindes im (Joint) Air Estimate im Detail erarbeitet und mit Schwarzkopf abgestimmt. Da die Angriffsphasen von Verteidigungsminister Cheney, Colin Powell und Schwarzkopf bei einer Besprechung in Riad genehmigt wurden, lag damit das Mission Statement und der Concept of Operations (Course of Action) vor.

Für abgeschossene Piloten wurden drei CSAR-Teams bereitgestellt, doch meinte General McPeak, man solle dabei kein überflüssiges Risiko eingehen: „I don’t want to trade three for one… We have enough pilots“ [30])

In einem Gespräch, 24 Stunden (!) vor Beginn der Luftoffensive, wurde Schwarzkopf gegenüber Horner überraschend ausfällig, weil dieser an seinen Phasen festhielt. Horner blieb jedoch bei seiner Planung. Zudem gab Horner allen unterstellten Verbänden ebenfalls ein Maximum an Freiheit bei der Durchführung („full delegation of execution authority“). Die Luftoperation begann am 17. Jänner 1901 um 3 Uhr morgens mit dem Kommando „Horner’s Buster“.

Die Offensive Desert Storm, die am 17. Jänner 1991 mit einer massiven Luftoperation begann, die 42 Tage andauerte, sah den Einsatz von sechs Flugzeugträgern, die in dieser Zeit zusammen 201 Einsatztage (von 252 möglichen) leisteten. Nachdem der Aufmarsch der Bodenkräfte von einer Befreiung Kuwaits zu einer Offensive gegen den Süd-Irak ausgeweitet wurde und der Aufmarsch (nun als 3rd Army) mehr Zeit erforderte, sollte die Luftangriffsphase die irakischen Streitkräfte so schwächen, dass eine Landkriegsoperation ohne größere Verluste abgewickelt werden konnte.

 

Targeting

Angaben über Ziele kamen sowohl vom Air Force Chief of Staff (Satelliten, U-2-Bilder), vom J2/Joint Staff (DIA), vom J2/CENTCOM, von der CIA, vom Stellvertreter Schwarzkopfs LtGen Calvin Waller, vom USMC/MARCENT und von der U.S. Navy. Die Abgleichung dieser Ziele und Wünsche war zeitraubend und überstieg die Zahl an Flugzeugen. Horner teilte die Einsätze grob in „strategische“ und „taktische“ ein, die dann von Deptula im ersten Master Attack Plan auf die ersten zehn Angriffstage verteilt wurden.

Die Ziele in der Phase I waren Radars, Flugplätze, Flugzeugshelter (von denen in den ersten zwei Wochen 375 zerstört wurden). Anzumerken ist, dass die Hälfte aller Abschüsse über dem Irak Beyond Visual Range durch F-15 und F-14 erfolgten, was durch AWACS ermöglicht wurde. In jeder AWACS flog ein Oberst des JFACC-Stabes mit, der bei Bedarf auch Tanker-Treffpunkte neu festlegen konnte, was in der Nacht eine große Hilfe darstellte.

Im Gegensatz zu Vietnam bereiteten SEAD-Einsätze im Jahr 1991 weder technische noch taktische Probleme. Auch hier waren Flugzeuge „on station“, um bei erkannten FlA-Lenkwaffenaktivitäten umgehend einzugreifen. Es gab gegen die 60 SA-2- und SA-3-Batterien mit 240 Raketenrampen, 1.500 SEAD-Einsätze durch EF-111 und EA-6B bzw. F-4G, A-6 oder F/A-18, die insgesamt 1.961 AGM-88 HARM-Waffen gegen Ground Based Air Defense-Systeme einsetzten. Insgesamt wurden 85.000 Tonnen Bomben abgeworfen, aber der Irak bot rund 20.000 kleine Einzelziele (Gebäude, Panzer, SPZ, Geschütze, Fahrzeuge), deren Zerstörung viel zu aufwendig gewesen wäre. CAS forderten auch jene Alliierte an, die kaum Artillerie mitgebracht hatten und ihren Einsatz vermutlich als „Übung“ betrachteten. Ein Drei-Tage-ATO konnte aber unterlaufen werden: Nachdem die Iraker feststellten, dass es drei Tage dauerte, ehe ein Angriff erfolgte, verschoben sie am zweiten Tag ihre Kräfte, was zu Target not found-Meldungen führte. Daher wurden vermehrt fliegende FACs eingesetzt.

Allerdings meinten einige Autoren, es sei unklar gewesen, welches strategische Ziel die Luftoperation letztlich verfolgt hatte, denn weder konnte man Saddam Hussein und seine Führung treffen oder stürzen, die Republikanischen Garden nicht umfassend schwächen, das irakische Atomwaffenprogramm nicht eliminieren, noch gelang es, die Scud-Raketen auszuschalten.

 

Air Tasking Cycle und Air Tasking Order

Horner, Glosson und Grigger führten mit den Kommandanten der Air Divisions, Geschwader und den Alliierten laufend persönliche Gespräche, die ATOs waren daher kein unerwarteter „Befehl von oben“. Generell wurden alle Kampfeinsätze gegen den Irak bei Nacht geflogen, die A-10 flogen „auf Sicht“ bei Tag. Da die Einsatzhöhe der F-117 rund 25.000 Fuß betrug, war auch mit PGMs die Treffgenauigkeit reduziert und lag bei rund 65%. Das Problem des „Friendly Fire“ war allgegenwärtig, wurde aber weniger durch Luftangriffe verursacht, als durch Boden-Boden-Feuer aufgrund schlechter Sichtverhältnisse.

Bei Desert Storm waren immer ein Mission Type Order (MTO, ident mit dem späteren Air Tasking Cycle) in Umsetzung, einer in Endbearbeitung und ein weiterer in Erstellung, er war damit dem ATO 24 bis 48 Stunden vorgestaffelt. Der MTO war auch eine Orientierung für die Logistik bzw. Waffenzufuhr (es lag für fünf Tage Munition bei den Staffeln) und für die Flugzeugtechnik.

Für die ersten drei ATOs wurden drei Monate Planungszeit aufgewandt, für die weiteren dann rund 60 bis 70 Stunden. Ein fertiger ATO wurde zwischen 8 Uhr morgens und 15 Uhr das letzte Mal überarbeitet und mit den letzten gültigen Rufzeichen und SIF/IFF-Codes um Mitternacht den Verbänden über das Computer Force Management System-Net verteilt, an jene, die nicht an dieses angeschlossen waren, mittels Computer Disks oder ausgedruckt versandt. Zu den fünf bis sechs Flugzeugträgern erfolgte die Übermittlung laufend in Form ausgedruckter Listen durch COD-Flugzeug. Oft wurden letzte Abänderungen telefonisch durchgegeben. Die Geschwader durchforsteten den ATO für ihre Aufträge, da die damaligen ATOs nicht immer nach der Verbandsorganisation strukturiert waren (dieses Manko wurde später behoben). Einige Geschwader erstellten für sich eigene ATOs, die sie dann bei Jim Grigger zur Genehmigung einreichten. Die in der Türkei versammelten Kräfte des 7440th Combat Wing (P)[31]) verfassten sogar einen eigenen MTO, der 48 Stunden vor dem Einsatz den Staffeln vorlag.

Die ATOs wurden von der Army als „inflexibles Korsett“, von der Navy als „centralized execution“ und von den Marines als taktisch nur bedingt brauchbar kritisiert, was sich beim irakischen Angriff gegen Kafdschi zeigte. Viele CAS-Einsätze wurden von den FACs angefordert oder kamen von den JSTARS-Flugzeugen. Man hielt eine „Reserve“ von Kampfflugzeugen „stand-by“ in der Luft, die auf Ad-hoc-Zielzuweisungen warteten.

Von 117.000 geplanten Einsätzen wurden 112.000 geflogen, davon waren etwa die Hälfte ATO-Einsätze; die anderen Flüge waren solche des Military Airlift Command, der U.S. Navy, CAS-Flüge der U.S. Marines. Nicht eingerechnet in diesen Zahlen waren die Einsätze der Hubschrauber. Im ATO enthalten waren die Einsätze aller am Luftkrieg teilnehmenden Alliierten; diese flogen rund 10% aller Einsätze, einige allerdings mit nationalen Vorbehalten.

 

Logistik

Der Logistikaufmarsch war vom Management, den Mengen und technischen Aufwand her beachtlich, er war der Schlüssel für den Erfolg von Desert Storm. Logistisch transportierte das Military Sealift Command 8,7 Mio. Tonnen Fracht zu CENTCOM, also das Zwanzigfache des MAC, v.a. Panzer, SPz, Geschütze, Fahrzeuge, Pioniergerät, Treibstoff und Munition und auch wieder retour.

Güter liefen von den USA wie von EUCOM und PACOM zu. Die Air Force und Navy hatten fertige Verlegepakete vorbereitet: Die U.S. Army Europe (7th Army) hatte ihre Versorgungszentren im Raum Kaiserslautern und Saarbrücken, das Marinekorps erhielt Gerät aus Okinawa und Twentynine Palms, CA, aber auch von den Depots an der Ostküste. Vieles musste improvisiert werden, anfangs fehlten LANTIRN-Zielsucheinrichtungen. Auf der Basis Taif gab es kein Kerosin, viele Tank-KFZ hatten keine passenden Tankstutzen, der für einen Krieg in Europa ausgerichtete Fuhrpark des VII. Corps hatte keine wüstengängige Bereifung.

Die Fahrzeuge und Panzer (M-60A1) auf den Maritime Prepositioning Ships (MPS) in Diego Garcia (Gerät für eine Marinekorps-Division) waren ohne Motoröl, Treibstoff und Batterien. Für die F-117 gab es zu wenige Ersatzteile, sodass der Klarstand oft auf unter 50% absank. Für die F-15 fehlten Ersatz-Fahrwerkreifen. Die Verlegung des nachgezogenen VII. Corps aus der Bundesrepublik Deutschland gestaltete sich wegen der großen Eile chaotisch, was dazu führte, dass die Verbände nach dem Entladen ihre Waffen und Fahrzeuge zeitraubend einsammeln mussten.

Der taktische Lufttransport stützte sich auf C-130 und auf die C-141; die C-141 hatten zwar eine Nutzlast von 40 Tonnen, aufgrund der hohen Temperaturen und wegen der Schonung der Flügel durften sie nur mit 20 Tonnen beladen werden. Als die Munition für die AV-8B auf dem vorgesehenen Flugplatz in Saudi-Arabien eintraf, befanden sich diese auf den Trägern; es zeigte sich dabei der Vorteil der Flugzeugträger, wo Personal, Flugzeuge, Treibstoff, E-Teile und Munition an einem Ort gebündelt vorhanden sind.

Während des gesamten Konfliktes konnte der Klarstand bei den Staffeln auf dem sehr hohen Niveau von etwa 85% gehalten werden, geringer war er nur bei den F-111 und EF-111 (Hydraulikprobleme) und bei den C-5 Galaxy (Triebwerkprobleme) mit etwa 55%.

 

Führung und Auffassungsunterschiede

Luftkrieg ist nie isoliert zu sehen, und es gab naturgemäß unter den Waffengattungen wie auch innerhalb derselben Auffassungsunterschiede: So kritisierte Schwarzkopf Horner, Colin Powell Horner und Schwarzkopf, dieser auch LtGen Franks wegen zeitraubender Stabsarbeit. Schwarzkopf ersuchte Powell um Planungsexperten (!) für den Luftkrieg. Warden schlug daraufhin seinen „Instant Thunder“-Plan im Pentagon und in Riad vor. Das TAC kritisierte „Instant Thunder“ als „nicht im Interesse der Army“ und meinte, die Luftangriffe sollten sich nur gegen die irakische Armee richten. Schwarzkopf drohte einen Tag vor Beginn der Luftoffensive, Horner seiner Funktion zu entheben, weil dieser den ATO-Schwerpunkt nicht auf die Divisionen der Republikanischen Garde gelegt hatte.[32])

Es mangelte bei CENTCOM oft an ausreichender C2, an rascher Befehlsgebung, es mangelte Washington an einem klaren strategischen Ziel über den „endstate of war“, den weder Bush, Cheney oder Powell vorgaben. Viel im Nachhinein verteiltes Lob über eine militärisch mustergültig und erfolgreich abgewickelte, aber viel zu früh abgebrochene Operation deckte Fehler und Schwächen zu.

 

Fallstudie „Air Only“ gegen Libyen: Odyssey Dawn, Unified Protector

Politische Determinanten

Mitte Februar 2011 kam es infolge des „Arabischen Frühlings“ auch in Libyen zu Demonstrationen gegen Ghadafi, die rigoros durch die Republikanische Garde, Polizei und durch das Militär niedergeschlagen wurden, was in wenigen Tagen etwa 700 Tote zur Folge hatte.[33])

Am 26. Februar 2011 kam es mit der UNO-SC Res. 1970 zur Verhängung eines Waffenembargos und zur Feststellung eines „grave concern over the situation in Libya.“ Am 8. März begannen, auf Weisung der U.S. Air Force Europe und auf Anordnung des SACEUR/NATO, zugleich Kommandant EUCOM, AWACS-Flugzeuge mit der Überwachung der Syrte und der Luftbewegungen über Nordafrika. Nach Verschärfung der Lage beschloss der UNO-Sicherheitsrat am 17. März 2011 (mit Zustimmung des neuen Botschafters Libyens), die UNO-SC Res. 1973 (durch Stimmenthaltung von China und Russland ermöglicht), in der Libyen angeklagt wurde, es sei für gross and severe violations of humanitarian rights,detentions, enforced disappearances, torture, and executions“ verantwortlich. Die Resolution forderte ein Ende der Kampfhandlungen, die Errichtung einer No Fly-Zone (weit ins Mittelmeer hinausragend), den Schutz der Zivilbevölkerung vor Übergriffen der Streitkräfte Libyens with all necessary means“, aber keinen Einsatz und auch keine Besetzung Libyens durch (fremde) Bodentruppen.

Im Zuge der seit dem St. Malo-Abkommen vereinbarten Zusammenarbeit von Frankreich und Großbritannien war 2005 auch ein bilaterales JFACC (abseits der NATO und der EU-Staff-Strukturen) vorgeschlagen worden. Frankreich wollte dieses Kommando aktivieren, aber Großbritannien lehnte einen Alleingang ab, fürchtete eine unabsehbare Konfliktdauer, politische Risiken und hohe Kriegskosten. London verlangte eine Operation mit den USA und mit der NATO. Frankreich schlug dann eine Bodenoperation durch die NATO Response Force vor, was aber in der NATO (und EU) auf Ablehnung stieß. Am 28. Februar erklärte der französische Präsident Nicolas Sarkozy gegenüber den Medien: „Ghadafi muss weg“ und verlangte die Einschaltung des UNO-Kriegsverbrechertribunals und eine Unterstützung des National Transitional Council (NTC).

In der Zwischenzeit hatte in den USA der Senat ebenfalls eine „No Fly Zone“ empfohlen.[34]) Gespräche mit den Regierungen in London und Paris hatten zu einer „Air Alone“-Operation als am wenigsten problematische Vorgangsweise geführt.

 

Die Planungen für den Einsatz

In Washington beschloss der Nationale Sicherheitsrat (NSC) eine Presidential Directive und eine Crisis Action-Planung; es ergingen Warning- und Alert- Orders an STRATCOM, das Air Combat Command, an das AMC für den Lufttransport, an EUCOM und AFRICOM; die laufende strategische Aufklärung wurde mit Satelliten, zwei U-2, einer EC-135 Rivet Joint und mehreren AWACS durchgeführt.

Der bei EUCOM ausgearbeitete Libyen betreffende Contingency Plan war acht Jahre alt. Das 2007 eingerichtete Combatant Command AFRICOM hatte noch keine Operationsplanungen eingeleitet, und EUCOM war für Afrika nicht mehr zuständig. Die NATO hatte zwar Planungen für den Mittelmeerraum vorrätig, aber keine für eine „Air Alone“-Operation gegen Libyen.

Da man das libysche Potenzial kaum beurteilen konnte, wurden die USA ersucht, dieses Problem zu lösen. Die DIA schätzte die Quantität der Mittel als umfassend ein - gleich etwa jenem von Großbritannien oder Frankreich -, beurteilte das Können der Kommandanten aber als äußerst gering; die Einsatzbereitschaft aller Luftverbände war mit 35% veranschlagt worden, rund 60% der Flugzeuge waren mangels Piloten, Treibstoff, Ersatzteilen und Technikern abgestellt, die Trennung der Streitkräfte in unterschiedliche politische Strukturen und unklare Führungsloyalitäten behinderten ein koordiniertes Handeln.

Als Operationsbasen boten sich bezüglich der Entfernungen Basen in Italien, Griechenland und auf Korsika an, und der Einsatz eines Flugzeugträgers oder eines LPH mit Harrier und MV-22 Osprey. Frankreich bereitete den Einsatz des Flugzeugträgers Charles de Gaulle vor, dieser hatte aber nur rund 30 Maschinen des Typs Super Etendard und Rafale an Bord, die, voll betankt, durch die Leistungsgrenzen der Katapulte nur zwei Zusatztanks, zwei Luft-Luft-Lenkwaffen und vier 250 kg-Bomben tragen konnten.[35])

Washington plante einen Erstschlag durch Cruise Missiles und Bomber (die B-1, B-2 und B-52 flogen von den USA nonstop in den Einsatzraum). Dazu kam die Verlegung von Staffeln aus den USA, so A-10, Tanker, Transporter, eine E-8 J-STARS, eine RQ-4 Global Hawk, einige MQ-1 Predator und eine aus Kuwait verlegte Jamming-Staffel mit sechs EF-18G. Zwei F/A-18-Staffeln der U.S. Navy, eine F-15E-Staffel aus Großbritannien und zwei aus der Bundesrepublik Deutschland gingen nach Aviano, Sigonella, Souda Bay und Brindisi.

 

Bündnistreue und Führungsfragen - ein nun aufbrechendes Thema in der NATO 

Die NATO hatte sich, nach der letzten Organisationsreform im Jahr 2003, auf jene C2-Struktur festgelegt, die im Winter 2011 gültig war. So wie sich die EU mit der NATO darauf geeinigt hatte, dass die NATO das obere Spektrum der Petersberg-Aufgaben übernimmt, war man innerhalb der NATO der Meinung, dass die USA bei militärischen Einsätzen den „strategic attack“-Teil abdecken würden.

Es gab seit Jahren eine gedachte „Liste verlässlicher Atlantiker“ wie Großbritannien, Norwegen, Dänemark, die Niederlande und Portugal, auch Spanien, vormals auch die Bundesrepublik Deutschland, neuerdings Polen und Frankreich. Verlässliche „NATO-Freunde“ waren außerdem Schweden und Finnland. Die Türkei erklärte völlig überraschend, sie würde sich an einer NATO-Operation gegen einen islamischen Staat nicht beteiligen, verlangte aber für den Fall einer möglichen Beteiligung ein Vetorecht bei der Zielauswahl und lehnte außerdem ein französisches Kommando strikt ab.

Eine Air Alone-Operation gab es zuletzt 1999 gegen Serbien („Kosovo Air Campaign“), denn diese war politisch weniger kontroversiell. Nach wie vor hatte die NATO eine Reihe von Schwachstellen, und die Potenziale waren seit den Luftoperationen über dem Balkan stark abgesunken. Die EU und die NATO-Staaten hatten auch eine unklare Sicherheits- und Verteidigungspolitik, wachsende nationale Vorbehalte gegen die EU wie auch gegen die NATO, gefolgt von einer Renationalisierung der Verteidigungspolitik.

Eine koordinierte Luftoperation erfordert nicht nur eine „Alliance of the Willing“, sondern eine „Alliance of the Able“, aber 2011 sahen sich mehrere NATO-Staaten unter diversen Vorwänden nicht in der Lage, sich an der Libyen-Operation zu beteiligen; es gab in der EU sogar positive Aussagen zur Person Ghadafi und dominierende bilaterale Interessen. In der NATO gab es Widerstand gegen eine von Frankreich und Großbritannien geleitete Operation, so seitens der Türkei und Polens. Konsultationen innerhalb der NATO führten erstmals auch zu heftigen Debatten über die bestehenden Führungsstrukturen.

Aufgrund bisheriger Erfahrungen wollten die USA in der ersten Phase nicht auf die NATO bzw. auf NATO-Staaten mit ihren zahlreichen nationalen politischen Vorbehalten zurückgreifen.

 

Zwei Luftangriffsphasen: Operation Odyssey Dawn, Operation Unified Protector

Washington und die NATO einigten sich, nach teilweise heftigen Debatten in den NATO-Gremien, auf eine „two-step operation“, wobei den USA die Ausschaltung der gesamten Luftverteidigung und aller anderen potenziellen Waffensysteme in Libyen zufallen sollte. Die USA erklärten sich bereit, diese Aufgabe in einer vorausgehenden Operation zu übernehmen. Dies ergab somit zwei getrennte Operationen, die beide jeweils aus mehreren Phasen bestanden, die, von den beteiligten Staaten oft mit eigenen Bezeichnungen versehen, zeitlich und taktisch unterteilt wurden:

Odyssey Dawn: Diese Operation, durchgeführt von den USA (und anderen Alliierten), geplante Dauer eine Woche, lief vom 19. bis 31. März 2011, umfasste (a) die Ausschaltung des libyschen Luftpotenzials, (b) die Errichtung der No Fly-Zone, (c) Counter-Land-Angriffe und (d) Counter-Sea-Maßnahmen.

Unified Protector: Durchgeführt von der NATO zur Bekämpfung der Pro-Ghadafi-Kräfte, de facto von einer Koalition von NATO- und Nicht-NATO-Staaten, aber mit Unterstützung der USA; geplante Dauer vier Wochen, de facto vom 31. März bis 31. Oktober 2011.

 

Überlagerungen amerikanischer und NATO-Führungsebenen

Das Defense Department hatte das territorial zuständige AFRICOM unter Gen Carter F. Ham, Kenney Barracks, Stuttgart, mit der Durchführung der Libyen-Operation betraut, unterstellte diesem Luftkräfte vom Combatant Command EUCOM, womit die „strategische Kompetenz“ einmal auf den SACEUR/NATO/Allied Command Operations überging, zugleich Kommandant von EUCOM, damals Admiral James G. Stavridis, in Mons, dann auf die U.S. Air Force Europe (USAFE), damals unter General Mark A. Welsh, Ramstein AB.[36]) Diese Kräfte wurden für Odyssey Dawn umfassend verstärkt.

Die NATO-Luftkräfte im Mittelmeerraum unterstanden LtGen Ralph Jodice III, USAF, Commander Allied Air Component Command, Izmir, als Teil des Allied Joint Force Command, Neapel. Zugleich war Jodice auch Kommandant des Air Force Forces Command Southern Europe, für alle im Mittelmeerraum operierenden Kräfte der U.S. Air Force samt der in der Türkei auf Rotationsbasis liegenden F-16-Gruppe für den A-Waffeneinsatz.

Welsh übertrug dann die taktischen Planungen für die eigentliche Luftoperation der 17th Air Force, deren Kommandant damals MajGen Margaret Woodward, Ramstein AB, war, die damit zum Air Component Command AFRICOM wurde. Die Frage war nun, ob Jodice in Izmir als NATO-Befehlshaber Luft/Europa Süd, auch die Odyssey Dawn-Luftoperation leiten sollte. Strategisch überlagerten sich nun drei Befehlsbereiche, nämlich (a) EUCOM, (b) AFRICOM (c) NATO Süd, dazu kam (d) die unabhängig operierende U.S. Navy/6th Fleet. Diese Fragen wurden dahingehend gelöst, dass die 17th Air Force für Odyssey Dawn zuständig blieb, alle anderen Luftaktivitäten der USA und der NATO bei Jodice verblieben.

 

Odyssey Dawn

Für die amerikanischen Planungsstäbe ergab sich eine Reihe von Missions bzw. taktische Operationen gleichzeitig: Am ersten Tag (19. März) kam es zu einem Angriff von 112 ALCMs, die das C2-System von Libyen weitgehend ausschalteten und die meisten Scud- und Frog-Waffen zerstörten. Am zweiten Tag griffen drei B-2A-Bomber an und zerstörten 45 betonierte Flugzeug-Shelter und andere Einrichtungen samt „Inhalt“. Es kam dann zu weiteren Angriffen durch F-15E und F-16C/D, begleitet durch EA-18G. In der Nacht vom 21. auf den 22. März griffen AV-8 Harrier von der U.S.S. Kearsarge Radarstellungen an der Küste an, und F-15E, F-16 und A-10 zerstörten alle noch vorhandenen SA-2-, SA-3- und SA-5-Batterien.

Es gab nur vereinzelt unwirksames Abwehrfeuer von Lenkwaffen (einige SA-3-Starts) und Fliegerabwehrfeuer aus Rohrwaffen. Am fünften Tag griffen A-10 und B-1B-Bomber weitere Ziele an, und U.S. Navy P-3 (von Sigonella kommend) griffen libysche Schiffe mit AGM-65 an. Damit endete die Phase von Odyssey Dawn mit durchschlagendem Erfolg.

 

Unified Protector

Diese Phase war im Kern eine der europäischen NATO-Staaten. Aber es zeigten sich Probleme in mehrfacher Hinsicht: In einigen NATO-Staaten gibt es nur mehr eine eingeschränkte Einsatzbereitschaft; es gab Probleme beim Einsatz von PGMs, dazu kamen bereits nach zwei Wochen erste logistische Probleme (Mangel an Ersatzteilen) und überraschende Ausbildungsmängel wie etwa bei Luft-Boden-Waffeneinsätzen in der Nacht. Die USA mussten PGMs und Ersatzteile im Umfang von 220 Mio. USD zur Verfügung stellen, um die Operation ab Mai am Laufen zu halten. Libyen war für Europa eine „home affair“, dennoch gab es Mängel bei der Verfügbarkeit von Jägern, Tankern, fehlende Jamming-Kapazitäten etc.

Das NATO-Kommando in Izmir sollte nach Odyssey Dawn wieder volle Führungsgewalt für alle Lufteinsätze im Mittelmeer haben. Dass dies plötzlich nicht gelten sollte, war ein Präzedenzfall, wobei man den Streit nach außen hin mittels Schadensbegrenzung eindämmte und NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen die Libyen-Operation später als „ein gemeinsames und sehr erfolgreiches Vorhaben der NATO“ präsentierte.

Auf Vorschlag der USA wurde als Kompromisslösung LtGen Charles Bouchard, RCAF, vorgeschlagen, Vice Commander NORAD in Colorado Springs. Außerdem wurde, statt den Stab des CFACC in Izmir zu nützen, ein neuer Air Staff aufgestellt, wobei zunächst Gioa del Colle, Italien, vorgesehen war, man einigte sich dann aber auf Poggio Renatico, wo sich ein CAOC-Luftstab befand, der allerdings zu schwach besetzt war und daher Personal und Computer aus Izmir zugeschoben erhielt und nun die Operation Unified Protector leitete, womit sich substanziell und militärisch wenig, bündnispolitisch aber vieles verändert hatte.

 

Rückblick: Was hatte funktioniert?

Das Kommando AFRICOM hat den gestellten Auftrag mit Hilfe von EUCOM bewältigt. Der Stabs- bzw. Planungsprozess, Verlegungen, Embedding und Logistik waren effizient. Für Missions, Tasks, Staffeln, Besatzungen, Flugzeugtypen und Einsätze waren aufgrund technischer Datenpakete und früherer Erfahrungswerte die logistischen Grundlagen vorliegend und Data Link und IFF/SIF sind NATO-weit standardisiert.

14 NATO-Mitgliedstaaten, Schweden, Jordanien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate beteiligten sich an der Operation Unified Protector.

380 Flugzeuge kamen zum Einsatz. Es wurden 26.500 Einsätze geflogen, davon waren 11.500 Strike-Sorties und 2.000 Aufklärungseinsätze; es wurden 5.900 Ziele angegriffen und 7.600 PGMs gegen Bodenziele eingesetzt, darunter ein Dutzend PGMs gegen libysche Schiffe; die Trefferquote lag bei 85%.

Die Aufklärung mit U-2, Global Hawk, Gripen und Tornado (mit Pods) konnte ein komplettes Lagebild vorlegen; die AWACS und J-STARS waren wichtige Plattformen für die aktuellen Lageentwicklungen im Luftraum und am Boden. Die Jamming-Einsätze wurden von der U.S. Navy und dem USMC abgedeckt. Airlift erlaubte rasche Verlegungen und logistische Aufträge. Hubschrauber und CSAR-Elemente befanden sich in Kreta, Sizilien und auf den LHD-Schiffen der U.S. Navy.

 

Rückblick: Was hat nicht funktioniert?

Libyen war eine verhältnismäßig kleine Operation, dennoch benötigte die NATO, trotz fehlender Gegenwehr, volle sieben Monate, um gegen einen viertklassigen, führungslosen Staat ihre Ziele zu erreichen.

Einige besonders negative Beobachtungen: das gestörte politische Zusammenspiel in der NATO, wo die EU-Differenzen voll durchschlagen; die fallenden Quantitäten bei Flugzeugen und Luft-Boden-Munition; dass die NATO-Staaten ab Mitte April für die durchgehend zu überwachende No Fly-Zone nicht mehr genug Flugzeuge und Piloten aufbieten konnten, was sich nur deswegen nicht negativ auswirkte, weil Libyen keine Flugzeuge mehr in die Luft bringen konnte. In den europäischen Staaten leben Politik und Militär in verschiedenen Welten.

Erneut gab es Probleme bei der militärischen Lagebeurteilung. Die Intelligence Community muss in Zukunft alle Staaten laufend beobachten und darf nicht bestimmte Regionen und Staaten vernachlässigen. Eine Feindaufklärung erst bei einsetzender Krise einzuleiten kann zu bösen Überraschungen und unnötigen Verzögerungen führen.

In einigen NATO-Staaten hatte die Verlegung weniger Flugzeuge sechs Wochen beansprucht. Verzögerungen waren aber auch die Folge unklarer politischer Vorgaben. Der Einsatz des Flugzeugträgers Charles de Gaulle war überflüssig und muss als Rechtfertigung für dessen Kosten gesehen werden, außerdem als Werbeaktion für den Jäger Rafale.

 

Anmerkungen zum Luftkrieg der Zukunft 

Es gibt eine laufende Debatte über den Luftkrieg: Entweder kann Air Power douhetistisch als entscheidende Waffe massiv eingesetzt werden (auch als Ersatz für einen Landkrieg oder im Rahmen von „Air-Sea“), oder die Politik nützt, je nach Lage, die Air Power-Option selektiv oder im Verbund mit anderen Instrumentarien.[37]) Wichtig ist eine „Coalition of the Willing“: Wenn die Politik zögert, verspielt sie Vorteile, programmiert Probleme, allenfalls eine militärische Niederlage.

In Zukunft werden technisch überlegene, bestens ausgebildete Kräfte den Luftkrieg für sich entscheiden. Zur „Coalition of the Able“ gehört neben Kenntnissen über den modernen Luftkrieg auch mentale Bereitschaft zum Risiko.

Die klassische Militärstrategie ist auf die frühere Operationsebene verlagert worden, die klassische Operation und die mit ihr verbundene Operational Art wurden auf die taktische Ebene verlagert. Luftkriegsdoktrinen müssen beherrscht werden; sie haben die typischen Theorien über Strategien, Operational Art und Taktik ersetzt.

Ein massiver Luftangriff überwindet immer die Luftverteidigung des Gegners. „Parallel Aerial Warfare“ (die Gleichzeitigkeit von Luftverteidigung und Luftangriff) ist heute die Norm; sequenzieller Luftkrieg findet sich zumeist in der ersten Phase des Luftkrieges, wenn es um die Luftüberlegenheit geht. Die Erringung der Luftüberlegenheit ist und bleibt die erste Phase in jedem Luftkriegsszenario, und erst nach dieser verlagert sich für den Rest eines Krieges die Priorität auf Air-to-Ground-Einsätze.

Überraschungsschläge sind der Schlüssel für einen raschen Erfolg. Es gibt mehrere Domains: Air, Land, Sea, Space, Cyber, Strategic Attack und Tactical Attack; neu ist nur die Kombination von solchen Fähigkeiten in Form der „Improved Cross Domains“, was aber einen hohen Grad an Interoperabilität im Rahmen von „Jointness“ und entsprechende Quantitäten und einen hohen Ausbildungsstand der Führung und Durchführung erfordert.

Erkannte Luftziele durch Armed-/In-flight- Reconnaissance und darauffolgende Autonomous Air Attacks, bei denen der Pilot das Ziel selber identifiziert und angreift, oder mittels Data Link die Zieldaten von anderen Luftfahrzeugen (wie UAVs oder Bodenstationen) übertragen bekommt, werden in Zukunft häufiger sein und erfordern eine gute Ausbildung der Piloten für das Erkennen feindlicher Waffensysteme - wie schon im Zweiten Weltkrieg. Die Dinge wiederholen sich…

 


ANMERKUNGEN:

[1]) Proceedings, Prism, Military Operations oder Infinity befassen sich mit diesen Fragen; die Diskussion zur Operation umfasst u.a.: Ist die Operation noch zeitgemäß? Ist die Operation die Scharniere zwischen Strategie und Taktik? Ist Operation nicht eine Wiederholung von strategischen und taktischen Grundsätzen? Wer ist für die Operation verantwortlich? Dient nicht alles taktische Handeln der Erfüllung der Strategie? Demgegenüber wird ausgeführt, dass die Strategie den politischen Willen ausdrückt, die nationalen Ressourcen aufbietet und die Operation nicht nur die entscheidende Planungsebene ist, sondern auch die Erfüllung der Strategie obliegt, während die Taktische Ebene diese Rolle gar nicht wahrnehmen könnte. Das Vorhandensein einer „Operativen Kunst“ wird heute allerdings von den meisten Autoren in den USA in Frage gestellt, nicht jedoch von vielen NATO-Ebenen.

[2]) David R. Mets: Last Flight from Koh Tang - The Mayaguez Incident a Generation Later, JFQ 272007, S.111-115.

[3]) Bruce Bueno de Mesquita: Making Security Studies Relevant to Policy Makers, NSSQ, Herbst 1997, S.13-24. Mesquita führte an, dass u.a. auch er gewarnt hatte, dass Saddam Hussein einen anderen Staat angreifen werde, nur um seine Nachbarn einzuschüchtern, während die Intelligence Community meinte, der Irak sei wirtschaftlich nicht in der Lage, einen neuen Krieg zu gewinnen.

[4]) So sind z.B. für EUCOM die OPLAN-Nummern mit 4000 bis 4999 und für CENTCOM von 1000 bis 1999 festgelegt.

[5]) Es gab detaillierte Kriegspläne, die etwa auf der Ebene AFCENT oder AIRCENT jeweils Tausende Seiten umfassten. Siehe dazu u.a. Manfried Rauchensteiner (Hrsg.): Zwischen den Blöcken. Böhlau Verlag, Wien-Köln-Weimar, 2010, hier besonders: Friedrich Korkisch: Die atomare Komponente. Überlegungen für einen Atomwaffen-Einsatz in Österreich, S.387-450, mit einer Darstellung der Kriegsplanungen des sowjetischen Lagers gegen Europa und der amerikanischen und NATO-Vorbereitungen für den Fall eines derartigen Angriffs.

[6]) Robert M. Klein: Adaptive Planning, JFQ 2/2007, S.84-88.

[7]) So meinte General of the Army Omar Bradley vor dem Kongress zur Ausweitung des Koreakrieges auf China: „This strategy would involve us in the wrong war, at the wrong place, at the wrong time, and with the wrong enemy.“

[8]) Siehe die Anmerkungen in anderen Endnoten, dazu: Bernhard Richter: „Denken in Szenarien“ als Methode innovativer strategischer Planung, ÖMZ 4/2013, S.387-395; M. L. R. Smith, John Stone: Explaining Strategic Theory, Infinity Journal, Issue 4/1, 2012; Christopher Davis. Getting It Right - The Art of Strategy and Operational Warfare, JFQ, 1/2008, S.92-97; R. Michael Worden: Developing Twenty-First-Century Airpower Strategists, Strategic Studies Quarterly, 172008, S.18-32.

[9]) Department of Defense Reorganization Act of 1986, Public Law 99-433.

[10]) Die beide binnen 36 Stunden nach Saudi-Arabien verlegten.

[11]) Die Einsatzbereitschaft (Mission Readiness Rate) wird durch eine eigene Überprüfungsstelle periodisch überprüft und festgelegt. Sie ist einmal verbandsbezogen und wird mit C-1 (uneingeschränkt kampffähig) bis C-4 (nicht einsatzfähig) bzw. C-5 (Verband in Umrüstung, Neuaufstellung) bewerten, die Mission Readiness bei fliegenden Verbänden wird in % angegeben und beträgt 85% oder mehr, im Frieden kann diese auf 65% abgesenkt werden.

[12]) Ausführlich bei: James A. Winnefeld, Preston Niblack, Dana J. Johnson: A League of Airmen; Thomas A. Cardwell: Command Structure for Theater Warfare - The Quest for Unity of Command. Air University Press, Maxwell AFB, Ala., 1984.

[13]) Michael R. Gordon, Bernard E. Trainor: The General’s War. The Inside Story of the Conflict in the Gulf. Little, Brown and Co., Boston, New York, 1995, S.326-327.

[14]) General Tommy Franks, CENTCOM, hatte im Herbst 2002 erhebliche Probleme, Verteidigungsminister Rumsfeld von seinem War Plan Iraqi Freedom zu überzeugen, weil Rumsfeld die vorgesehenen Truppenstärken laufend reduzierte und sich damit, ein Novum, in die militärische Operationsplanung einmischte.

[15]) Hier gab es kritische Kommentare schon beim Balkaneinsatz: Wesley K. Clark.: Winning Modern Wars. Iraq, Terrorism, and the American Empire. Public Affairs/Perseus Books, New York, 2003; Rupert Smith: The Utility of Force. The Art of War in the Modern World. Allen Lane-Penguin, London-New York, 2005.

[16]) Die Aufwertung der Unified und der Combatant Commanders war eine Folge des Goldwater-Nichols Act von 1986.

[17]) Nach dem Goldwater-Nichols Act hatten die Joint Chiefs of Staff keine Mitwirkung bei der Gestaltung von Operationsplanungen. Nach den Problemen 2005/06 im Irak wurden die Spitzen der Teilstreitkräfte wieder in die Planung („Review“) eingebunden, was insofern logisch war, nachdem etwa der Kommandant des Special Forces Operations Command solche Vollmachten besitzt.

[18]) Intelligence, Surveillance, Tactical Reconnaissance; in der Regel sind das die Aufklärungsplattformen wie J-STARS, AWACS, RC-135 Compass Call etc.

[19]) Dieser Begriff ist bereits umstritten, ebenso Net Centric Warfare; ebenso ist das „gläserne Gefechtsfeld“ ein Schlagwort ohne Bezug zur Realität.

[20]) Kimberley Spinner: ATO 101: What every Airman should know about an Air Tasking Order, Inside PACAF, Osan AB, Korea/Hickham AFB, Hawaii, PACAF, 29 Aug. 2011.

[21]) Im Vergleich dazu verfügten PACOM und EUCOM über je rund 3.000 Stabsstellen.

[22]) Michael R. Gordon, Bernard E. Trainor: The General’s War. S.9.

[23]) Es gab im Herbst 1990 noch keine 5th Fleet für den Indischen Ozean, der damals zum Bereich PACOM und 7th Fleet gehörte; es gab den Commander Middle Eastern Force/CENTCOM, jedoch ohne permanent zugeteilte Kräfte.

[24]) 7th Army und VII. Corps wurden von einer möglichen Verlegung in den Golf anfangs November informiert, dann diese Absicht am 2. November wieder rückgängig gemacht. Ende November wurde dann eine umgehende Verlegung beschlossen, und das VII. Korps sollte nun Mitte Jänner in Saudi-Arabien einsatzfähig sein, was eine extrem kurze Zeit für Verlegung und Planung bedeutete.

[25]) Es gab zwölf fixe gegen Israel gerichtete Startrampen, die jedoch nicht zum Abschuss von Raketen verwendet wurden.

[26]) Geschätzte Zahl, denn die Angaben weichen voneinander ab.

[27]) Daher wurden als Untergrenzen für Flüge über dem Irak in der ersten Woche 25.000 Fuß verfügt und über Kuwait (da ohne Lenkwaffenstellungen) 12.000 Fuß.

[28]) Beide erreichten später den Rang Generalleutnant, Deptula trat 2013 in den Ruhestand.

[29]) Michael R. Gordon, Bernard E. Trainor: The General’s War. S.96.

[30]) Ebenda, S.250.

[31]) Das in der Türkei zusammengestellte 7440th Combat Win (P) umfasste 28 F-15C, 24 F-16C, 24 F-111 und F-4E, 32 F-4G, einige EF-111A, zwei AWACS und mehrere Tanker.

[32]) Michael R. Gordon, Bernard E. Trainor: The General’s War. S.199-202.

[33]) Gegner Ghadafis hatten nach Washington gemeldet, es habe in Bengasi „10.000 Tote“ gegeben: Diese unsinnige Mitteilung wurde aber dann von einigen Politikern in Washington wiederholt, so von Dennis Ross, Berater von Obama im Weißen Haus.

[34]) S. Res. 85-2011, March 1, 2011.

[35]) Die De Gaulle ist für den Betrieb einer voll beladenen Rafale oder einer rund 28 Tonnen schweren, beladenen F/A-18 E/F um rund 20 Meter zu kurz.

[36]) Walsh wurde im August 2012 Chief of Staff, US Air Force.

[37]) Stephen Biddle: The Libya Dilemma: The limits of air power, Washington Post, 25. März, 2011; Stephen Biddle: Allies, Airpower, and Modern Warfare: The Afghan Model in Afghanistan and Iraq, International Security, Winter 2005/2006, S.161.176.