Globale Strategie: Die Geopolitik der USA

Von der Western Reserve über den Panama-Kanal zur Gegenküste (Teil 1)

Friedrich W. Korkisch

 

Was ist Geopolitik? Zunächst ein von Rudolf Kjellen (1864-1922) im Jahre 1900 geprägter Begriff, der eine Kombination von Geographie, Staatslehre und Makropolitik beschreibt. Geopolitik ist daher einmal Theorie, dann praktische Anwendung, wobei sich diese Anwendung in der Geostrategie wie auch in den neueren Geo-Bereichen wie Geoökonomie, Geokultur oder Geoökologie niederschlägt. Geopolitik behandelt die Nutzung gegebener Vorteile zur Stärkung machtpolitischer Positionen. Das umfasst auch Außenpolitik und Diplomatie, Wirtschaft, Land-, See- und Luftmacht, die Suche und Nutzung von Verbündeten, im Fall der USA auch die Fixierung des „National Interest“.

In Bezug auf die USA sind die Begriffe American Century, Pax Americana, American Primacy, American Empire, United States Dominance, Hegemonial Politics, Unilateralist Empire oder Global Strategy ohne geopolitische Fundamente nicht denkbar. Bei den USA lassen sich zudem „Geo-Konzepte“ deutlicher nachvollziehen als bei anderen Mächten, weil hier eine vermehrte Transparenz bei den Diskussionen über Ziele und Absichten besteht und die politische und strategische Umsetzung ebenso erkennbar ist wie allfälliges Nichtumsetzen. Am Ende des 20. Jahrhunderts ist zwar die amerikanische Geopolitik in Bewegung geraten, und es ist unklar, wie lange die weltweit eingetretenen Instabilitäten andauern werden, aber die USA erlebten immer wieder Krisen, aus denen sie gestärkt hervorgingen.

Geopolitik ist immer Geographie-bezogene Makropolitik. Damit ist klar, dass kleine Staaten keine Geopolitik haben können. Sie sind vielmehr Teil der Geopolitik großer Mächte, ihre Politik und Strategie hängt zumeist vom Wohlwollen anderer ab. Politikwissenschaftlich betrachtet, sind Geopolitik und ihre Sub-Geo-Bereiche im Rahmen der nach 1945 entstandenen Einteilungskriterien Realismus (Realism, Realist School) und Idealismus (Idealism, Idealist School, Liberalist School) und aller Mischformen dem Realismus-Bereich zuzuordnen, nur die Weltmodelle und Weltregierungs- (One World Government) Ideen sind utopisch, und daher dem Idealismus nahe. John J. Mearsheimer sieht daher einen Gegensatz zwischen Liberalism und Realism, sieht den Beginn dieser Trennung in diese gegensätzlichen Bereiche in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, bezweifelt aber den Sinn solcher strikter Einteilungen.[1]) Andererseits bejaht Michael C. Desch diese Einteilung und zeigt dies an der zwischen diesen Schulen schwankenden Außenpolitik der USA auf.[2])

Man übersieht oft, dass das frühkoloniale Amerika christlich-fundamentalistische Züge hatte, die zu sozialem und politischem Dissens führten. Die intoleranten Puritaner waren zwar gegen die Krone aufsässig, sahen Amerika dennoch als vorgeschobenen Teil Englands - und kaum als „Paradies“. Aber im historischen Rückblick wurde dem ein verklärter „höherer Auftrag“ zugeordnet.

Die Landnahme in der westlichen Hemisphäre war ein Wettlauf zwischen England, Frankreich und Spanien, mit den Niederlanden als erstem Verlierer. Die Expansion nach Westen begann um 1740, die für die englische Krone gewonnen wurde, weil die französische Umzingelung von Quebec über Detroit zum Mississippi (nicht zuletzt wegen der starken Einwanderungsschübe aus England) misslang. Aber aus europäischer Sicht war Amerika unwichtig, und die Spanier hatten versucht, es umgehend auszuplündern. Es gab noch keine Trennung von Kanada und den anderen Kolonien; Spanien verlor ganz Lateinamerika und Frankreich dann auch Mexiko.

Es gab neben den christlichen Fundamenten und Awakening-Traditionen auch solche, die sich auf die absolute Freiheit des Denkens und das Naturrecht beriefen, wie auch später den an beiden Enden andockenden Transzendentalismus. Wesentlich ist auch, dass Amerikas Politik für lange Zeit fast nur unilaterale Binnen- und Westliche-Hemispheren-Politik war. Von den Federalist Papers über George Washingtons Farewell Address (1796) und von Monroe bis McKinley erkennt man außerdem eine antagonistische Politik gegenüber Europa.

Erst mit Theodore Roosevelt, stärker dann mit Woodrow Wilson und besonders mit Franklin D. Roosevelt dominieren andere Vorstellungen: Die „14 Punkte“ von Wilson, Hoovers Hilfsprogramm für Europa, die Stimson-Doktrin (1932), Roosevelts Widerstand gegen den internen Isolationismus, seine „Quarantaine Speech“ (Chicago 1937), die „Four Freedoms“ (1941) und die „Atlantic Charter“ (1941) sind Schritte auf dem Weg zur Weltmacht. Im Hintergrund standen Moral und Sendungsbewusstsein, was Charles Beard und später George Kennan immer wieder kritisierten. Als Geopolitik dieser Jahre kann man auch eine Aussage von Harry Truman aus dem Jahre 1942 einstufen: „If we see that Germany is winning we should help Russia, and if Russia is winning we ought to help Germany…“ [3])

1945 sind die USA unangefochten die erste Supermacht. Nach 1945 gibt es auch keinen Isolationismus wie nach 1918; die von George Kennan vorgeschlagene und von Präsident Truman eingeleitete Containment-Politik, die Truman-Doktrin, der Marshall-Plan oder die von Europa gewollte NATO, waren Teil globaler Strategien und Programme.

Die heutige Geopolitik umfasst auch andere Elemente wie Bevölkerungswachstum, Failing und Failed States, Immigration, Globalisierungseffekte, die Proliferation von Massenvernichtungswaffen, globale Krisen, Umweltfragen, den Terrorismus, Global Governance, soziale Instabilitäten mit Ausbreitungseffekten, Menschenrechte, Weltmodelle, die G2, G7, G20, die Energiepolitik, Institutionen etc.

 

Geopolitik: Die Grundlage für das strategische Denken und Definitionen

Der Begriff Geopolitics wurde auch vom britischen Geographen Halford Mackinder (1861-1947) in seinem 1904 publizierten Aufsatz „The Geopolitical Pivot of History“ geprägt,[4]) aber erst ab 1920 umfassender verwendet. Webster’s New Collegiate Dictionary, Edition 1961, S.347, definierte den Begriff „Geopolitik“ auch unter Bezug auf die deutsche Geopolitik, andere Ausgaben folgten diesem Grundsatz. The New International Webster’s Comprehensive Dictionary of the English Language, Edition 2003, S.529, brachte dann die heute allgemein geltende Definition:

„1. The study of geography, geology, climate, and the natural resources of the earth in relation to the developments of peoples, cultures, and states. 2. A method of studying geography and power politics in terms of national security in international relations, embracing geography, natural resources, industrial development, and political strength. 3. The former German doctrine of living space as the primarily element in, and strongest guaranty of state power and word domination. See LEBENSRAUM.“

Geopolitik ist auch Machtpolitik und Robert Strausz-Hupe (Geopolitics: The Struggle for Space and Power, 1942) erinnerte daran, dass Geopolitik „...is concerned with power-politics, which makes it clear that small states neither have a geopolitical nor a geostrategic setting“, daher auch Oberbegriff für Military Geography, Grand Design und Grand Strategy, ist einmal reine Theorie und Wissenschaft, dann angewandte Lehre über Machtpolitik und „Leitgedanke“ für die Geostrategie.

Die Geostrategie ist ein Unterbegriff der Geopolitik, ist aber oft mit dieser synonym gesetzt. Das American Heritage College Dictionary, S.571, definiert Geostrategy als:

„1. The branch of geopolitics that deals with strategy. 2. The geopolitical and strategic factors that characterize a practical certain strategic area. 3. Governmental strategy based on geopolitics.“

Und in Webster’s Comprehensive Dictionary, Edition 2003, S.529, findet sich bei Geostrategy auch der Bezug zur Militärstrategie: „Military strategy is related to and determined by geopolitical factors.“

Das bezieht sich klarerweise nicht auf Kleinstaaten: Geostrategie ist die Kombination von Geopolitik, Politik und Strategie, die bei einer Großmacht auch mit der Grand Strategy, Grand Design oder mit dem National Interest gleichgesetzt werden kann und von der sich hierarchisch, von der National Security Strategy über die National Defense Strategy letztlich die Military Strategy und Doktrinen (in allen Ausformungen und Teilbereichen) ableiten.

 

 

Im Falle der USA lässt sich diese „Makrostrategie“ nach mehreren Ausrichtungen oder „Schulen“ unterteilen, so in die übergeordnete Policy (derzeit in Form der genannten periodisch publizierten National Security Strategy of the United States of America) als „Generalrichtlinie“. Der Input für diese ist politisch, ideologisch, geleitet vom Staatsinteresse, der alles übergeordneten nationalen Sicherheit, dem Unilateralismus, Multilateralismus, Internationalismus (je nach Bedarf) und aus den strategischen Sichtweisen. Die Nuklearstrategie schuf eigene Termini wie z.B. Massive Retaliation, Flexible Response etc. Daneben gibt es andere Unterteilungen, etwa in Kriegsarten. Strategien können offensiv und defensiv sein, umfassen Coalition-, Attrition-, Retaliation- oder Engagement-Strategien und Doktrinen.

Geostrategisch-historisch kann man die Entwicklung der amerikanischen Strategien in die Phase der Western Hemisphere- und kontinentalen Vorfeldverteidigung, des ozeanischen Raumes im 20. Jahrhundert und in die transozeanischen (bzw. globale) Räume etwa ab 1944/45 einteilen. Letztere sind durch amerikanische Präsenz auf allen Weltmeeren und durch Stützpunkte in aller Welt gekennzeichnet.[5]) Es ist eine De facto-Ausdehnung der Monroe Doctrine auf große Teile der Welt und kennzeichnet den Sieg der Seemacht USA über die eurasischen Landmächte.

Der Begriff Grand Strategy ist über der Militärstrategie angesiedelt, wurde vor dem Zweiten Weltkrieg zuerst von den Briten verwendet und überschneidet sich mit den langfristigen Inhalten der Geopolitik ebenso wie mit den mittelfristigen der Geostrategie, enthält das Element der Rüstungspolitik und überlagert auch die eher kurzfristigen Inhalte der jeweiligen Militärstrategien. So entwickelten die USA mit Großbritannien 1941 eine Grand Strategy gegen das Deutsche Reich und Japan, und diese gab die Richtung für die anderen Strategien vor. (Dem deutschen Begriff Gesamtstrategie oder Frankreichs stratégie totale, fehlte hingegen die globale Dimension.) Zur Grand Strategy hat John M. Collins ein umfassendes und maßgebliches Werk verfasst (1973).[6]) Synonym zur Grand Strategy ist der die Politik hervorhebende Terminus „Grand Design“ zu sehen.

Die Geostrategie bzw. Grand Strategy ist auf eine Bedrohung durch einen potential opponent hin ausgerichtet. Robert Art definierte Grand Strategy daher so: „Grand Strategy is a broad subject: A grand strategy tells a nation’s leaders what goals they should aim for and how best they can use their country’s military power to attain these goals. Grand Strategy, like foreign policy, deals with the momentous choices that a nation makes in foreign affairs, but differs from foreign policy. … Some employ a restrictive definition of grand strategy that specifies only the threats to a state and the military means to deal with them. Others use a broader definition that specifies the threats to a nation’s security and then details the military, political and economic means to meet them.“ [7])

Die Geoökonomie (Geoeconomics) wiederum findet sich erstmals im American Heritage College Dictionary, Edition 1997, S.569:

„1. Study of the relationship between politics and economics, esp. internationally. 2. A governmental policy employing geoeconomics. 3. The international economic and political factors relating to or influencing a nation or region.“

Geoökonomie wurde v.a. unter der Regierung Clinton (neben der „Globalisierung“) ein ständig verwendeter Begriff; einige Autoren (siehe Edward N. Luttwak: The Endangered American Dream, 1993) meinten, er würde den Begriff „Geopolitik“ ablösen. Geoökonomie findet sich auch im Zusammenhang mit der Energiepolitik und Energiesicherheit der USA.

Geokultur oder Strategic Culture (verwendet von Autoren wie Benedict Anderson, Benjamin Barber, Thomas Berger, Heinz Brill, Colin Dueck, David Hesmondhalgh, Samuel Huntington, Takashi Inoguchi, Robert J. Lieber, Immanuel Wallerstein) ist ein Begriff, der sich einmal im Zusammenhang mit der amerikanischen Propaganda gegen das Deutsche Reich und Japan (siehe die Zeitschrift The Public Opinion Quarterly, besonders in den Jahren 1939 bis 1946), dann im Zuge der „Kultur-Offensive“ am Ende des Zweiten Weltkrieges und der Reeducation (Deutsches Reich, Japan, Italien) entwickelte, dann während des Kalten Krieges im Kampf gegen das kommunistische Lager, zuletzt im Rahmen der Untersuchung von Gegensätzen der Kulturregionen (Huntington), der Religions- und Islamkritik (Benjamin Barber, Sam Holliday); dominierende Begriffe sind Propaganda, Cultural War, Zivilisationskonflikte, „The New New World Order“, westliche Werte (Freedom, Liberty, Individualismus, die Förderung von Demokratisierung). Strategic Culture war ab Mitte der 1960er-Jahre ein Instrument der Public Diplomacy.[8]) Als Definition kann gelten: „Geoculture is a sphere of peoples and nations with a rather homogeneous identity and character, or a dominant political, social and cultural pattern, which also dominates traditional thinking and acting, which is different from such identities in other areas or cultures, and therefore has a distinct geopolitical setting.“ [9])

Die Geoökologie wiederum ist das Ergebnis der Umweltideologie der 1960er-Jahre und des Club of Rome, der „Grün-Bewegungen“ und des Aktionismus im Zusammenhang mit Umwelt, Feminismus und zuletzt betreffend den Klimawandel. Eine umfassende Definition wäre: „Geoecology is a universal or regional approach to protect the environment, mankind and nature to prevent and contain man-made natural disasters, and to prevent the extinction of natural treasuries and varieties.“ [10])

 

Ideologische Einschübe: American Exceptionalism, Manifest Destiny, New Order, Mission, Crusade und American Creed[11])

Der American Exceptionalism geht bis 1630 zurück: Die Idee eines göttlichen Auftrages findet sich im 18. und 19. Jahrhundert in England, Frankreich, Russland oder Deutschland gleichermaßen und war in all diesen Staaten das beherrschende Motiv für den kolonialistischen Expansionismus, dabei stets einem „höheren Auftrag“ folgend. Der Exceptionalism findet sich bei John Winthrop, bei George Washington, in der Monroe Doctrine (1823), wurde umfassend bei Alexis de Tocqueville in seinem Buch „De la democratie en Amerique“ (2 Bände, 1835 und 1840) erörtert, in der Rede „The March of the Flag“ von Albert Beveridge (1898), in den „Open Door Notes“ (1899, 1900), in Theodore Roosevelts „Corollary Speech“ (1904), bei Woodrow Wilson, Franklin D. Roosevelt, Jimmy Carter und bei Ronald Reagan. Nach der Niederlage der Franzosen 1745 bei Louisbourg (Cape Breton Island) war es auch ein Sieg der „Christen“ gegen die Franzosen, und Thomas Prince sah den Willen Gottes für ein Amerika von „Canada to the ends of America“.[12])

Hiezu gehören Symbole: Die America und Columbia, die Flagge, Liberty Bell, bauliche Zeitzeugen und Dokumente, Monumentalbauten und andere Symbole verkörpern die besondere Stellung Amerikas. Der American Exceptionalism sieht Amerika als den diesseitigen Garten von Eden, obgleich Amerika in der Bibel gar nicht vorkam. Hiezu finden sich Begriffe wie City Upon a Hill, The New Canaan, The Promised Land, The New Jerusalem, The Holy Experiment, The New Heaven, Earth’s Paradise, Beacon of Liberty, Divine Providence oder Esperanza, womit sich die mit der Präsidentschaft von Andrew Jackson verstärkende Selbst-Perzeption und der danach einsetzende Nationalismus verklärten und nun auch die Politik sich dieser höheren Ordnung unterwarf.

 

 

Umgekehrt ist das amerikanische Modell ein humanistisches Experiment, ist „rein“, gerecht, für die ganze Welt beispielhaft. In den Augen europäischer Monarchen und Staatsmänner war Amerika damals allerdings eher „unzivilisiert“, wild, und Palmerston warf die USA abfällig in einen Topf mit China oder Portugal. Doch die amerikanische Gesellschaft geriet immer in den Sog dieser transzendenten Termini und suchte stets die Perfektionierung ihrer „imperfect society“ wie auch im American Dream (geprägt 1931 von James Truslow Adams in „The Epic of America“) eine individuelle Erfüllung.

Damit wird Mission nach innen wie auch nach außen zur idealisierten Pflicht. Selbst die Geographie Amerikas ist göttliche Vorsehung, die Politik wird zu ihrem Instrument. Dies erklärt die Überhöhung der Landnahme im Westen, die Idee der Frontier, Wilsons Idee eines World Government (1918/19, unter amerikanischer Führung, im Sinne von One World- und New World Order-Konzepten, die zum Völkerbund und zur UNO führten). Das voranschreitende Amerika findet sich im New Deal, in der Pax Americana und im American Century, in der Truman-Doktrin, in Kennedys New Frontier, in den Reden von Ronald Reagan. Nur die Wortwahl passte sich der jeweiligen Zeit und den tagespolitischen Erfordernissen an.

Es ist aber ebenso erstaunlich, dass die Schöpfer der Verfassung überwiegend Atheisten und Rationalisten waren. Während auf Darstellungen Engel George Washington (God’s Man of Providence) in den Himmel entführten, verbat Thomas Jefferson an der University of Virginia die das freie Denken behindernde Religionslehre. Bis heute stehen die oft stark fundamentalistisch geprägten protestantischen Kirchen einem aufgeklärten, bildungsbetonten, religionsfeindlichen Intellektualismus gegenüber.[13])

Dass Amerika anders ist als Europa, ergab sich schon aus den liberalen „Federalist Papers“, und dies stellten neben de Tocqueville auch Friedrich Engels, Antonio Gramsci, Harriet Martineau, Werner Sombart oder Max Weber fest: Amerika wurde mächtig, weil es keinen König hatte und keine großen Armeen finanzieren musste; die Verfassung machte die Menschen frei, der Kapitalismus begünstigte Initiativen (oft auf Kosten demokratischer Ideale), der Liberalismus einen starken Individualismus, was letztlich eine andere Gesellschaft hervorbrachte.[14])

Auch die Manifest Destiny-Erklärung von John L. O’Sullivan von 1845 wie auch spätere Ideen betonten missionarische, ökonomische, antieuropäische wie auch sozialdarwinistische Überlegenheitsansprüche samt der Überzeugung, einer überlegenen amerikanischen Rasse anzugehören, was durchaus britischen Vorbildern entsprach. Auch der Forderung von „scientific borders for the USA“, was immer man daraus ableiten konnte, lag die Feststellung zugrunde, dass es eben, Gottes Wunsch gehorchend, keine endgültigen Grenzen geben konnte.[15])

Amerika hatte aber auch eine politische Mission zu erfüllen, so John Quincy Adams, Henry Adams oder Edward Everett, wobei besonders Letzterer eine angelsächsische Amerikanisierung von ganz Amerika prophezeite. Amerika war eben „exceptional“. Es gab die Pflicht, die Welt von dieser Überlegenheit zu überzeugen.[16]) In der inneren politischen Betrachtung wurden daraus dann der typische Political Mind und das American Political System. Diese für Amerika so typische Political Religion forderte die Errichtung einer New Order. Deren Errichtung, auch im Sinne der göttlichen Vorsehung, erforderte eben Mission und Crusade. McKinley erklärte, warum er die Philippinen zur Kolonie machte: Weil dies eben dem Willen Gottes entspreche, und damit ersparte er sich lange politische Debatten mit dem Kongress, denn es ging ihm rein um strategische und wirtschaftliche Überlegungen: „I walked the floor of the White House night after night and midnight, and I am not ashamed to tell you, gentlemen, that I went down on my knees and prayed to the Almighty God for light and guidance more then one night. And one night late it came to me this way: First, that we could not give them back to Spain - that would be cowardly and dishonorable; secondly, that we would not turn them over to France or Germany - our commercial rivals in the Orient - that would be bad business and discreditable; thirdly, that we could not leave them to themselves - they were unfit for self-government; fourth, that there was nothing left for us to do but to take them all, and to educate the Filipinos, and uplift and Christianize them, and do the very best we could by them as our fellow men.“ [17])

Druck kam von den Männern mit Visionen für ein Greater America von der Arktis bis zur Antarktis. Da stellte sich nur die Frage, wie weit und wann man die USA ausdehnen sollte. War man innenpolitisch mit anderen Problemen befasst, würden Händler und Kirchen die amerikanische Idee und Fahne vorantragen. Daher okkupierte die U.S. Navy Midway und zahlreiche Atolle im Pazifik und nicht der Kongress.

Der Crusade-Begriff entstand nach 1860, als der Krieg Lincolns gegen den Süden als Crusade for Liberty verstanden wurde. Crusade war als politisches Expansionsprogramm zu verstehen und entsprang der klassischen amerikanischen Diesseitssicht. Crusade wurde auch von einem Teil der damaligen Presse eingefordert bzw. als Instrument für eine andere Völker befreiende nationale Pflicht gesehen, was insofern nicht unlogisch war, als die meisten Völker unter undemokratischen Herrschaftssystemen lebten. Damit wurde Politik immer moralisch begründbar: Amerika hatte einen höheren Auftrag im Kampf zwischen „good and evil“ oder im Kampf gegen Unterdrückung, gegen die „dark powers“, „evil empires“ oder die „axis of evil“. Man soll nicht vergessen, dass diese Rhetorik im 19. Jahrhundert auch in Europa üblich war, sie hat sich nur in den USA länger erhalten. Der Begriff findet sich in The Great Crusade gegen das Deutsche Reich 1917/18, erneut ab 1940/41 (Eisenhower schrieb seine Kriegserinnerung unter dem Titel Crusade in Europe), im Crusade Against Communism, Crusade Against Segregation, Morale Crusade und im Kreuzzug gegen den islamistischen Terror. Am 16. Dezember 2001 sagte Präsident Bush dazu: „This is a new kind of evil, and the American people are beginning to understand that this crusade, on terrorism, is going to take a while.“ [18])

Die Feinde des Christentums sind seit jeher auch die Feinde Amerikas, und diese manichäische Sicht führte zur Dämonisierung der Indianer, der Engländer, des kaiserlichen Deutschlands, Japans, Hitler-Deutschlands, der Sowjetunion und des Kommunismus, von Saddam Hussein oder auch des Irans. Damit wird auch das American Creed verständlich, denn es idealisiert jene Kultur und Zivilisation, die zum Fundament der America’s Political Culture wurde.

 

Globale Programme: American Century, American Empire, Pax Americana

Der Begriff American Century tauchte zum ersten Mal 1876 im Zuge der 100-Jahr-Feiern der Union auf, und wurde am 17. Februar 1941 von Henry R. Luce im Magazin „Life“ im Zuge der Lend Lease-Debatte als politisches Programm gegen die Achsenmächte verwendet. Luce schrieb, obwohl die USA sich nicht im Krieg befanden: „We are in the war … We are not in a war to defend American territory: We are in a war to defend and even promote, encourage and incite so-called democratic principles throughout the world…“

Im gleichen Artikel verwendete Luce auch (vermutlich zum ersten Mal) den Begriff Pax Americana. Diese folge, so Luce, der Pax Britannica und verhindere eine Pax Germania oder Pax Sovietica.

Lange zuvor sah etwa Brooks Adams die USA als logischen Nachfolger des British Empire und prägte in seinem Buch The New Empire (1902) den Begriff American Empire. Nach 1990 erschienen rund 50 Bücher und zahllose Artikel betreffend das amerikanische Empire, Century und Unilateralismus.

Wenngleich einige Autoren darauf verweisen, dass das 21. Jahrhundert auch ein Asian Century sein könnte,[19]) muss doch daran erinnert werden, dass Asien ein völlig inhomogener Kontinent mit mehr Gegensätzen als Gemeinsamkeiten ist und China, Indien, Pakistan oder der Iran sich eher feindlich gegenüberstehen, was eine Supermachtstellung in der Welt verhindert.

 

World Island

Eine rein geopolitische Betrachtung sieht Nordamerika als einen Kontinent, der von zwei schützenden Ozeanen umgeben ist; die USA haben schwache und überwiegend freundliche Nachbarn im Norden und Süden. Dies verschaffte den USA Sicherheit und Handlungsfreiheit, auch gegenüber potenziellen Antagonisten.

Amerika ist eine Insel, wie auch die USA eine Insel innerhalb der westlichen Hemisphäre sind. Dieser Umstand ist seit jeher Gegenstand eigener geopolitischer Überlegungen. Die von Christopher Layne, Ted Galen Carpenter und John J. Mearsheimer vertretenen „Insel“-Konzepte gehen von den heutigen technischen Möglichkeiten aus: Die USA könnten sich aus allen Konflikten der Welt heraushalten und bei Bedarf Verbündete suchen. Die Flottenverbände können auf den Weltmeeren operieren und verhindern, dass eine eurasische Macht den Schritt auf die Weltmeere setzt. Damit würde der nordamerikanische Kontinent geschützt und Eurasien sich selbst überlassen. Denn die USA sind nur, wenn sie und wo sie wollen, „Global Cop“. Eigentlich bräuchten sie weder an der Verbreitung von Demokratie oder Marktwirtschaft interessiert sein, da sie wirtschaftlich weitgehend autonom sind, noch wären sie von den Erschütterungen und Kriegen in anderen Teilen der Welt berührt. Nukleare Abschreckung würde verhindern, dass jemand die USA mit Massenvernichtungswaffen angreift. Doch entspricht ein solcher Isolationismus weder der Selbstperzeption Amerikas noch der gesuchten Rolle in der Welt.

Durch die Insellage bot sich für die USA eine geopolitische Position, die für europäische Mächte völlig atypisch war, denn Europa ist Ort zahlloser Aggressionen, Unterwerfungen und ständiger Grenzverschiebungen. Es gab auch in den USA bis etwa 1880 kaum strategische (bzw. geostrategische) Überlegungen: Es gab nach 1812 keinen Feind, sieht man vom sich im Inneren zutragenden Bürgerkrieg ab 1860 ab. Dies änderte sich etwa um 1880 bzw. nach 1898.

 

Früher Expansionismus

Wann begann in den USA ein Denken in makrogeographischen und ausholenden politischen Kategorien?[20]) Vermutlich liegen die Anfänge bereits in der Phase der Unabhängigkeitserklärung, als sich die 13 Gründerstaaten Territorien jenseits der Appalachen bis zum Mississippi sichern wollten, Gebiete, die man als „Western Reserve“ betrachtete. Damit kam es zum ersten Gebietsanspruch von Land außerhalb der eigentlichen Grenzen der Union bzw. Konföderation. 1803 wurde Louisiana erworben, ein Gebiet, das westlich der Western Reserve lag und die gesamte Region des Mississippi-Missouri-Systems umfasste. Thomas Jefferson äußerte sich bezüglich zukünftiger Grenzen der USA mehrfach, auch an die Adresse der europäischen Mächte in der westlichen Hemisphäre, wie etwa 1803: „Our geographical peculiarities may call for a different code of natural law to govern relations with other nations from that which the conditions of Europe have given rise to.“ [21])

Charles Brockden Brown (1771-1810) meinte: „The Eagle of the United States - may she extend her wings from the Atlantic to the Pacific, and fixing their talons on the Isthmus of Darien, stretch her beak to the Northern Pole.“ [22])

1818 wurde von Großbritannien ein Gebiet erworben, das später Teil von Nord-Dakota wurde. 1819 kam Florida dazu. Mitte der 1830er-Jahre kam es dann zu den wachsenden United States of America. 1842 folgte ein Teil des späteren Staates Maine, ein Gebiet, das von Kanada abgetreten wurde. 1845 folgte die Eingliederung von Texas und Gebieten der späteren Staaten New Mexico, Colorado sowie von Teilen Arizonas. 1846 kam es zum Erwerb des Oregon Territory, das später die Bundesstaaten Washington, Oregon und Idaho bildete. 1848 wurden Kalifornien, Nevada, Utah und Arizona erworben und 1853 die Südgrenze dieses Gebietes (zulasten von Mexiko) weiter nach Süden vorgeschoben. 1850 wurde Kalifornien zu einem Staat der USA, obwohl der gesamte Westen mit Ausnahme von Texas noch nicht in Bundesstaaten organisiert war. Damit wurde Russland, Spanien und England der Zugriff auf den Westen der USA entzogen.

Kanada war im Krieg von 1812 und beim Frieden von Gent 1814 in den USA ein Dauerthema. Madison und Monroe hofften, dass die kanadischen Provinzen von England abfallen und den USA beitreten würden. Ein Aufstand in Kanada im Jahre 1837 schien ein günstiger Moment, aber er wurde dilettantisch ausgeführt, und die Angelegenheit wurde 1841 zwischen den USA und England beigelegt. Die (anti-britischen) irischen Fenians überquerten zwischen 1866 und 1870 dennoch mehrmals die Grenzen zu Kanada, wurden aber angesichts ihrer chaotischen Vorgangsweise immer ohne Schwierigkeiten zurückgeschlagen.

1809 wollte Jefferson Kuba erwerben und 1812 meinte er, auch Kanada sollte zu den USA gehören. John Quincy Adams wollte 1819 alles Gebiet bis Yucatan - „North America and the United States are identical“ - den USA zuschlagen. Ähnliche Ideen vertrat auch John C. Calhoun. 1848 wollte Präsident Polk Kuba für 100 Mio. und 1854 Präsident Pierce für 130 Mio. USD kaufen, aber Spanien lehnte ab, und man erwog daher eine militärische Besetzung, doch waren innenpolitische Probleme und der amerikanische Bürgerkrieg politische Hindernisse. 1869/70 wollte man erneut Kuba und Puerto Rico von Spanien kaufen, was dieses wiederum ablehnte. Als Grant Präsident wurde, gab es in Kuba bereits Aufstände, und Tausende Flüchtlinge kamen nach Florida. 1873 wäre es bereits zu einem Krieg mit Spanien gekommen, als ein spanisches Kriegschiff ein amerikanisches Schiff kaperte, wobei 52 Besatzungsmitglieder und Passagiere erschossen wurden. Spanien entschuldigte sich zwar, doch es war die plötzliche Börsen-Panik, die das Interesse auf weitaus brennendere Probleme lenkte.[23])

1867 wurde Alaska erworben, der Kauf von Außenminister William H. Seward mit dem russischen Repräsentanten persönlich ausgehandelt, die Ratifikation war aus innenpolitischen Gründen nicht ohne Probleme, da man gegen Präsident Johnson zuvor ein Impeachment-Verfahren eingeleitet hatte.[24]) Seward hatte für die USA ganz Kanada, Grönland, Island, Mexiko, Hawaii, alle Inseln in der Karibik und Guyana gefordert. Präsident Grant wollte Santo Domingo und einen Teil von Nikaragua, um dort einen Kanal zu bauen. Unterstützt wurde diese Idee von Hamilton Fish und Charles Sumner.

Das Interesse der USA an Lateinamerika umfasste Venezuela, aber auch Brasilien. William Walker, Anhänger eines die gesamte Hemisphäre umfassenden, von den USA geführten Amerika, glaubte in Nikaragua das „California of the South“ gefunden zu haben. Mit Billigung von Präsident Buchanan rief er Nikaragua zu einem Staat der Union aus, nachdem er mit nur 58 Mann seiner American Phalanx of the Immortals auch Honduras und San Salvador annektieren wollte, wobei Walker am 12. September 1860 erschossen wurde.[25]) Ohne den herannahenden Bürgerkrieg hätten die USA vermutlich die britischen Aktivitäten in Zentralamerika, die sich gegen die Interessen der USA richteten, besser parieren können.

Der Amazonas erfüllte die Wünsche nach der sich nach Süden erstreckenden „Neuen Welt“ ebenso wie jene, die dorthin die überschüssigen Negersklaven deportieren wollten. Matthew F. Maury meinte, der Amazonas wäre „the logical continuation of the Mississippi“, und Louis E. Agassiz (Professor an der Harvard University) meinte, Brasilien, „the Garden of the Hesperides“, wäre für die USA ein logischer Raum für Besiedlung und Rohstoffe.

Ein weites Vordringen gab es im Pazifik, dem „American Ocean“: Besetzt wurden dort diverse kleine Inseln wie Baker, Canton, Christmas Islands, Enderbury, Howland, Jarvis, Johnston, Palmyra, Peale, Swains, Kingman, Wilkes. Ab 1852 hatten die USA (wie auch Großbritannien und Russland) Hawaii im Auge, das schrittweise an die USA gebunden wurde, ab 1887 gab es dort eine Reparaturwerft und Kohlebunker, ehe man es 1898 annektierte. Samoa wurde 1877 von den USA besetzt, weil dies der König von Samoa so wollte, und den USA wurde zudem eine Basis in Pago Pago angeboten. Das deutsche Verhalten gegenüber Washington ab 1860, besonders 1889 in der Samoa-Frage und dann betreffend Venezuela, schürte eine anti-deutsche Stimmung in den USA, was sich 1914 auswirken sollte.

Im Atlantik, der „American Sea“, suchte man Flottenbasen in Haiti und Santo Domingo; Kolumbien sollte fest an die USA gebunden werden. 1917 wurden den Dänen die Virgin Islands abgekauft, und Dänemark war sogar bereit, auch Grönland und Island an die USA zu verkaufen, doch der Kongress zeigte kein Interesse. Auch Navassa kam zu den USA. Das kubanische „window of opportunity“ sollte sich erst 1898 wieder öffnen, als die USS Maine im Hafen von Havanna vermutlich durch eine Kohlenstaub-Explosion zerstört wurde, ein Vorfall, der von einigen Medien als Anschlag erklärt wurde und zur Kriegserklärung der USA führte.[26]) Präsident McKinley, von der Presse gedrängt, beschloss den Krieg, der aber nie nach Spanien getragen wurde. Im Zuge des Spanisch-Amerikanischen Krieges 1898 wurde nun Kuba besetzt (diese Besetzung dauerte bis 1902, es erfolgten mehrere Besetzungen zwischen 1906 und 1922); die Insel blieb bis 1934 ein Protektorat, ebenso Puerto Rico, das aus strategischen Gründen Teil der USA wurde. An die USA fielen 1898 auch Guam, Wake und die Philippinen.

Um 1880 entstand der Pan-Americanism, und 1881 sollte die erste Pan-American Conference stattfinden, die dann 1888 unter Präsident Cleveland nachgeholt und von James G. Blaine (Nationalist, antibritisch und antieuropäisch) organisiert wurde. 1910 wurde die Pan-American Union geschaffen, während Andrew Carnegie den eindrucksvollen Bürobau in Washington aus seiner Tasche finanzierte. Dennoch kam es durch den Expansionismus zu Spannungen mit Chile (1891/92), Brasilien (1895), Nikaragua und immer wieder mit Großbritannien, da sich jeder bilaterale Konflikt immer auf Kanada auszudehnen drohte. Bezüglich Kanada schaltete man in London letztlich auf freundschaftliche Beziehungen mit den USA, und der Burenkrieg („The British Empire against 30.000 Farmers“) erforderte 460.000 Mann und zeigte London die Schwierigkeit einer Kriegführung weit abseits vom Mutterland.

London verzichtete mit den beiden Hay-Pauncefote-Verträgen auf seine Interessen am Kanalprojekt in Kolumbien (später Panama). 1903 kam es aus innenpolitischen Gründen zur Abspaltung Panamas von Kolumbien, das, von den USA umgehend anerkannt, bis 1939 ein Protektorat der USA blieb, ehe sich die amerikanische Besetzung auf die Kanal-Zone reduzierte. 1912 wurde Honduras besetzt (die Besetzung dauerte bis 1919, eine weitere von 1924 bis 1925), ebenso Nikaragua (Besetzung bis 1925, erneut 1926 bis 1933). 1914 kam es zur vorübergehenden Besetzung von Vera Cruz, Mexiko. Von 1915 bis 1934 wurde Haiti besetzt (Protektorat bis 1936), 1905 bzw. 1916 die Dominikanische Republik stabilisiert (Protektorat bis 1941),[27]) und zusätzlich kam es zu militärischen Interventionen in Guatemala, San Salvador und in der Dominikanischen Republik (Santo Domingo).

Bedeutende Schritte in Richtung einer ökonomischen Expansion erfolgten durch Grover Cleveland;[28]) er forcierte die „Yankee Trader“-Politik in Richtung Japan, China und Lateinamerika und machte aus der Monroe Declaration die Monroe-Doktrin, wobei er ganz offen Großbritannien herausforderte. 1898/99 gab es die offene Interessenbekundung bezüglich einer Open Door-Policy in China. Cleveland meinte: „It will be in my opinion the duty of the United States to resist by every means in its power … the appropriation by Great Britain of any lands or the exercise of any governmental jurisdiction over any territory…“ [29])

Das war nicht die erste Kampfansage an London, nun auch eine an China. Die USA entsandten Truppen zur Niederschlagung des Boxer-Aufstandes 1901 und verblieben de facto bis 1948 in der einen oder anderen Form in China, wobei die USA die Flottenbasis Schanghai erst Anfang 1949 räumten.

Die amerikanische Expansion dieser Jahre wird oft auch als „Defensive Realism“ bezeichnet.[30]) Man besetzt ein Gebiet, um zusätzliche Sicherheit zu schaffen und um anderen Mächten den Zugang zu einem Territorium zu verwehren. In Zentralamerika war es aber fast immer das innenpolitische Chaos, das amerikanische Interessen gefährdete. Im Gegensatz zu den europäischen Kolonialmächten erfolgten die Interventionen der USA mit einem Minimum an militärischer Gewaltanwendung, sieht man von 1898 ab. Die amerikanische Expansion wie auch die diversen Interventionen in der westlichen Hemisphäre erfolgten nie aus kolonisatorischen Gründen; man unterhielt auch kaum umfangreiche militärische Garnisonen. Einige Interventionen dienten der Beendigung von Bürgerkriegen (Guatemala, Honduras, San Salvador), außerdem befanden sich in den Staaten Lateinamerikas ohnedies kaum nennenswerte Streitkräfte.

Nur die Philippinen wurden nach 1898 beinahe eine „echte Kolonie“, die man aber so rasch wie möglich wieder loswerden wollte. Man hatte Spanien im Zuge der Friedensverhandlungen sogar 20 Mio. USD gezahlt, somit die Inseln im Nachhinein de facto gekauft. Die Inselgruppe war arm, rückständig, kostete Unsummen (wie auch die europäischen Kolonien in Afrika); es gab laufend militärische Auseinandersetzungen (die auch von Japan angezettelt wurden), und die „Amerikanisierung“ einer spanisch-katholischen Gesellschaft erwies sich als schwierig. Ab 1920 gab es im Kongress mehrere Vorstöße in Richtung Unabhängigkeit, obwohl man wusste, dass Japan sich die Inseln einverleiben könnte, aber die Isolationisten ignorierten diese Gefahr. Der Tydings-McDuffy Act vom 2. März 1934 (im Senat mit 68 zu 2 Stimmen angenommen) gab den Philippinen die Unabhängigkeit im Jahre 1944, allerdings unter Beibehaltung mehrerer amerikanischer Stützpunkte. Durch den Krieg bedingt erlangten die Philippinen die Unabhängigkeit erst mit 4. Juli 1946.[31]) Auch Kuba war zu katholisch und zu „spanisch“ und hatte daher keine Chance auf eine gemeinsame Zukunft mit den USA.

 

Die USA als neue Seemacht: The Great White Fleet

Auch der Aufbau einer nennenswerten Flotte, um all die neuen Besitzungen zu sichern, stieß zunächst auf Widerstand im Kongress, aber es gab ab 1885 Überlegungen für Basen in Korea, Südamerika, Liberia und Eritrea. Erst Marineminister Benjamin Tracy konnte - angesichts der anlaufenden Planungen für den Panamakanal - mit Unterstützung von Alfred Thayer Mahan und der Presse ab 1889 den Bau einer Hochseemarine durchsetzen, somit den Bau von Schlachtschiffen. Immerhin waren die USA ab 1890 die größte Industrie- und Exportmacht der Welt geworden. Aber die Navy musste erst geeignete Werften bauen und das Know-how erwerben.

Diese „Great White Fleet“ war jedenfalls 1905 fertig und wurde von Theodore Roosevelt vom Dezember 1907 bis Ende Februar 1909 auf eine Reise um die Welt geschickt. Die Flotte bestand aus 16 neuen, modernen, weiß gestrichenen Schlachtschiffen (auf einigen Strecken von Zerstörern begleitet) und demonstrierte erstmals Amerikas Fähigkeit im Bereich der Seerüstung wie auch als neue Seemacht. 14.000 Mann Besatzung schafften eine 70.000 km umfassende Fahrt ohne Zwischenfälle und halfen beim schweren Erdbeben in Messina, Sizilien - zugleich der erste (ungeplante) humanitäre Auslandseinsatz.

Im Hintergrund erkannten die USA zwei neue Gefahren: den Flottenbau Japans und jenen des Deutschen Reiches. Großbritannien arrangierte sich mit Japan, das Russland am Vordringen in Richtung Schanghai und Singapur hinderte, und zog seine Flotte aus den asiatischen Gewässern weitgehend ab und konzentrierte sich auf das Mittelmeer und die gegen das Deutsche Reich gerichtete Home Fleet. Für die USA bedeutete dies jedoch ein ungehindertes Agieren Japans, das die USA ab sofort als potenziellen Feind betrachten mussten.

 

Die Verteidigung des Panamakanals

Der 1914 fertig gestellte, 82 km lange Panamakanal war für die USA die strategisch wichtigste Verbindung zwischen dem Atlantik und dem Pazifik und erlaubte die von Mahan vorgeschlagene „Swing-Strategy“ zur Verlagerung des maritimen Schwerpunktes zwischen beiden Ozeanen, erforderte aber auch, alle Schiffe auf die Größe der Schleusen hin zu planen, was heute viele Schiffe von der Nutzung des Kanals ausschließt.[32]) Die USA errichteten daher in der Region zahlreiche Seestützpunkte und Flugplätze und stationierten in der Kanalregion auch Armeekräfte.

1940 warnte Isaiah Bowman Vizepräsident Henry Wallace vor der Gefahr, dass sich nach Kriegsende eine feindliche Macht in Lateinamerika festsetzen und die USA bedrohen könnte. Amerikas Lateinamerikapolitik hatte daher oft nur die Wahl zwischen befreundeten Übeln oder antagonistischen Führungen, die bereit waren, sich mit Nationalsozialisten und Kommunisten zu verbinden oder selber national-faschistische Systeme errichten wollten.

 

 

Für Roosevelt war das Deutsche Reich ab 1938 ein potenzieller Feindstaat. Japan hatte mit der Okkupation der Mandschurei seine anti-britische und anti-westliche Politik verdeutlicht. Im „Look“-Magazin erschien am 25. August 1942 von Anton Pettenkofer (Geopolitiker) ein Artikel unter dem Titel „Hitler’s Plan To Attack America“. Deutsche Kräfte würden demnach von Dakar aus nach Brasilien übersetzen und sogar in Mexiko landen. Die USA fürchteten, die deutsche Luftwaffe könnte Basen in Westafrika für Operationen gegen den Panamakanal und die USA nützen. Man beobachtete mit Argwohn das Verhalten der zahlreichen Deutschen in Brasilien und Argentinien (wo Peron mit dem Deutschen Reich sympathisierte), und man musste auch in Brasilien für eine USA-freundliche Politik sorgen. Die USA dehnten die Monroe-Doktrin daher auf den Südatlantik und auf Westafrika aus.

Ab Frühjahr 1942 wurde, im Vorfeld der Verteidigungszone Panamas, die Luftbrücke nach Nordafrika aufgebaut, zuerst zur Unterstützung der Briten im Mittelmeerraum, dann für die Verlegung von Bombern und Jägern nach Libyen und Ägypten für Luftoperationen gegen den Balkan und Italien. Diese Basen umfassten in Florida Homestead und Morrison Field, dazu kamen Basen in Puerto Rico, Trinidad, Flugplätze in Antigua, Santa Lucia und Jamaika. Des Weiteren gab es Stützpunkte in Britisch-Guyana (Atkinson Field), Brasilien (die Basen in Belem, Natal, Recife, Sao Luis, Amapa und Fortaleza) und in Nordafrika (Dakar, Accra, in Sierra Leone Hastings Field, in Liberia Roberts Field). Große Bedeutung für die U-Boot-Bekämpfung erlangte Ascension. Auf diesen Flugplätzen lagen U-Jagdflugzeuge und Seeraumüberwacher (darunter Langstrecken-U-Jäger auf Basis der B-24), Jäger und Transportflugzeuge, in den Marinestützpunkten befanden sich Zerstörer und U-Jagdschiffe, gesichert durch Kräfte der U.S. Army.

Gefahren drohten immer wieder durch eine Reihe sich als „Anti-Yankee“ präsentierender Politiker wie Peron, Castro, Allende, Noriega (heute sind es Ortega, Kirchner oder Chavez), aber auch vom revolutionären Potenzial in den unüberschaubaren Favelas, von Drogenkartellen, den rund 100.000 bewaffneten Mitgliedern diverser Banden in Zentralamerika, den militärisch organisierten Banden in Brasilien und ihren Verbindungen zur Immigrantenszene in den USA. 40% der Bevölkerung Lateinamerikas sind arm, 150 Mio. leben in Slums. Die USA gelten einmal als Feind, einmal als letzte Hoffnung. Neu hingegen sind Achsen diverser Staaten zu China, Nordkorea und zum Iran.

 

 

Das Gegenküsten-Konzept

Die Idee der Nutzung Europas für die Verteidigung Amerikas geht auf die Zwischenkriegszeit zurück, als man meinte, Amerika werde durch Frankreich am Rhein und vor den europäischen Flotten durch die Royal Navy im Nordatlantik verteidigt. Nicholas Spykman empfahl 1942/43 ähnlich wie später zahlreiche Militärs, Stützpunkte an den vorgelagerten Gegenküsten[33]) bzw. Rimlands einzurichten. Diese Beherrschung ergebe sich durch die Möglichkeit (a) der Seestreitkräfte, (b) durch weitreichende Flugzeuge (Bomber), (c) durch Besetzung von Island und Grönland (erfolgte 1942) und (d) durch eine Blockade der Ausgänge zu den Rimlands, so durch Sperren der Seewege und Meerengen wie des Kattegats/Skaggeraks zwischen Grönland, Island und Großbritannien, durch die Kontrolle der Ebenen in Polen und der norddeutschen Ebene, Sperrung des Donautales, Sperren der Engen von Gibraltar und der Dardanellen, der Zugänge zum Indischen Ozean (Rotes Meer, Golf von Aden), der Kurilen, der Formosastraße, der Timorsee, von Singapur und der Beringstraße. (Dieses Konzept wurde von den USA im Kalten Krieg wieder aufgegriffen und war der Grund für die „600 Ship Navy“ unter Ronald Reagan und Marineminister John Lehman.)

Die Gegenküsten-Konzeption wurde einmal vor dem asiatischen Kontinent gezogen (Acheson-Line, 1950, mit Japan, den Philippinen und Australien, aber ohne Korea), dann schloss sie Teile des asiatischen Kontinents ein (Dulles-Line, 1954, nun mit Korea). Nur die Beherrschung der Gegenküsten - mit ausreichend strategisch-operativer Tiefe - ermöglichte die Verteidigung Europas und des europäischen Pfeilers der NATO wie in Asien die Mitgliedstaaten des SEATO-Paktes. Sie erleichterte die von George Kennan 1946 vorgeschlagene Containment-Politik bzw. war sie eine Voraussetzung für das Offenhalten der Verbindungslinien. Letztlich ist das Gegenküstenkonzept nichts anderes als die Verteidigung Amerikas am Boden bzw. an den Küsten anderer Kontinente.

Alle diese Konzepte führten zum Bau einer großen Two Ocean Fleet, zur Entwicklung von Langstreckenbombern und zu einem umfangreichen Stützpunktkonzept, dessen Grundzüge bereits 1944 fixiert wurden, später ergänzt durch eine umfassende Luftverteidigung Nordamerikas, durch Nuklearwaffen, die Gründung der NATO und SEATO, bilaterale Pakte und die Fähigkeit zu militärischen Interventionen jeder Größe gegen jeden Feind.

 

Atlantic Tilt, Pacific Tilt, Middle East Tilt und Zentralasien: Die Verlagerung des strategischen Center of Gravity - und nun Afrika

Die USA haben ihren außenpolitischen Schwerpunkt immer wieder nach Europa oder Asien bzw. in Richtung Pazifik oder Atlantik verlagert, damit auch ihre geostrategischen Interessen. So waren die USA nach 1865 Pazifik-orientiert, unter Woodrow Wilson Europa-orientiert, nach 1920 wieder Asien-orientiert, mit der Gründung der NATO Europa-orientiert, nach 1965 durch Vietnam wieder Asien-orientiert. Die Asien-Orientierung war unter Johnson und Nixon derart dominant, dass Henry Kissinger das Jahr 1973 zum „Year of Europe“ erklärte.

Energieimporte und Energiesicherung führten zur Schaffung des Readiness Command und Strike Command, der Rapid Deployment Force und zur Gründung des CENTCOM-Kommandos für den Mittleren Osten. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und nach „9/11“ kam es durch die („neokonservative“) Beurteilung von Gefahren und Energieerfordernissen zu einem Middle East Tilt, in dem eingebettet auch ein „Israel Tilt“ erkennbar wurde, damit verschob sich das Strategic Center of Gravity von Europa weg in den Nahen Osten.[34]) Mit dem Aufstieg Chinas wird sich die Geostrategie der USA in den kommenden Jahrzehnten stark auf China konzentrieren und hat sich außerdem bereits Indien zugewandt, das auch starke Bindungen an die Sowjetunion hatte und sich wegen China nun Russland und vermehrt den USA zuwendet.

Zbigniew Brzezinski verwies schon vor Jahrzehnten auf die Bedeutung des Mittleren Ostens und auch von Zentralasien (dem „Balkan Asiens“) für die USA. Mit der Schaffung eines militärischen Bereichskommandos für Afrika (AFRICOM) haben die USA der schon von Präsident Kennedy und von Henry Kissinger erkannten Wichtigkeit dieses Kontinents Rechnung getragen. Ein Partnership for Africa-Programm (in Anlehnung an die NATO Partnership for Peace) sollte die Zukunftsperspektiven dieses Kontinents besser ordnen.

 

„Battleship America“

Die „Battleship America“-Idee entsprang dem Verständnis einer maritimen Strategie und der Möglichkeit, amerikanische Interessen durch Präsenz im Vorfeld (ohne Stützpunkte in Europa) durchzusetzen. Diese wurde in den 1930er-Jahren oft als America Number-One-Strategie (oder Large Policy) bezeichnet, kam den Ideen der Internationalisten und England-freundlichen Kreise ab 1938 entgegen und entsprach auch dem „blue water fleet“-Denkmuster der Admiralität, während die Armee und die Apologeten des neuen Army Air Corps eher eine kontinentale Verteidigung direkt vor oder an den Küsten anstrebten und meinten, Amerika durch weitreichende Bomber besser schützen zu können.

Diese Überlegungen wurden ab September 1939 besonders vom Committee to Defend America by Aiding the Allies gefördert und mit den deutschen militärischen Erfolgen in Europa immer lauter. Am 4. September 1940 erklärte das einen Kriegseintritt der USA ablehnende America First Committee, „… the United States must build an impregnable defense for America … so that no foreign power, nor group of powers, can successfully attack a prepared America.“ [35])

Stützpunkte wären daher in Neufundland, Kanada, in Alaska und Zentral- und Südamerika zu errichten, und „10.000“ dort zu stationierende Flugzeuge sollten es einem Feind unmöglich machen, die USA anzugreifen.

Nachfolgemodelle sind die Offshore Balancing-[36]) und Selective Engagement- und Commitment-Strategiemodelle (siehe z.B. die Nixon-Doktrin).[37]) Auch die Rückverlegung amerikanischer Truppen aus Übersee und das neue (verdünnte) überseeische Stützpunktsystem passen in das Bild der nunmehr überlegten Verlagerung der strategischen Optionen überwiegend von den Stützpunkten der USA. „Vorne“ operieren v.a. Seestreitkräfte, mobile Kräfte, die sich auf prepositioned depots und Schiffe abstützen, und Langstreckenbomber, die über befreundeten oder freigekämpften Regionen betankt werden sollen.

 

„Fortress America“

Das Konzept einer strikten Nichteinmischung in ausländische Politik wurde, wenngleich ohne den Begriff „Fortress America“ zu verwenden, zuerst von der pazifistischen „Save America First“-Bewegung (1914/15) getragen, die dabei Unterstützung von Bewegungen erhielt, die sich schon vorher (etwa ab 1900) formiert hatten. Es folgte nach dem Ersten Weltkrieg eine neue Pazifismuswelle, wieder mit einer betont anti-europäischen Grundhaltung. Sie erhielt Zulauf von linken Pazifisten; gleichzeitig wurden wegen der Wirtschaftslage Rüstungsausgaben stark eingeschränkt und auf die Flotte konzentriert. Am Navy Day, dem 27. Oktober 1931, sagte Präsident Hoover: „The first necessity of our government is the maintenance of a navy, so efficient and strong that, in conjunction with our army, no enemy may ever invade our country. Ours is a force of defense, not offense.“ [38])

Dennoch, die USA sollten unangreifbar werden und sich daher gegen Übergriffe von See her durch (a) eine starke Schlachtflotte sichern, (b) durch die Befestigung von Küsten und Häfen und (c) durch Langsteckenbomber verteidigen, die feindliche Schiffe rund 1.000 Meilen vor der Küste abfangen sollten, was zu einer Off-Shore-Rolle des Bombers B-17 führte. Eine andere Forderung war eine Verteidigung ab der Küste, wobei diese einmal an der Jeffersonian Line (also an den Grenzen der USA) oder an einem Vorfeld analog zur Roosevelt Line im Atlantik und Pazifik (18. Nov. 1938) liegen sollte.

1939/40 formierte sich die England-feindliche America First Bewegung mit teilweise pro-deutschen Sektionen v.a. im Mittelwesten.[39]) Roosevelt und andere erkannten die Unmöglichkeit eines Abseitsstehens der USA von der „restlichen“ Weltpolitik (nicht zuletzt bedingt durch die Aktivitäten Japans im Pazifik und in Ostasien) und befürworteten, als Alternative zur Battleship America-Strategie, zunächst einen bewaffneten Isolationismus mit nach vorne geschobenen Sicherheitslinien.

 

 

1939 war die Pan-American Security Zone rund 500 bis 800 Seemeilen vor den Küsten der westlichen Hemisphäre festgelegt worden, die als „line of interest“ bzw. „demarcation line“ bzw. als Neutrality Zone, North American Continental Zone, Western Hemisphere Defense Zone oder Zone of Interest bezeichnet wurde; ihre östlichen Grenzen liefen entlang des 30. Meridians, dann am 26. Meridian, also rund 1.500 bis 2.000 Seemeilen vor der amerikanischen Küste (die Bermudas und Bahamas einschließend), im Pazifik westlich von Hawaii. Damit deckte man die gesamte Western Hemisphere Area bis zum Panama-Kanal und Nord-Brasilien ab.[40])

Damit überlagerten sich in der politischen Praxis „Fortress America“- und „Battlefield America“-Konzepte. Ein weiteres Vorschieben dieser Linien im Pazifik bis zu den Marianen und Marshall-Inseln, im Atlantik nach Grönland, Island (mit 7. Juli 1941) und in die Karibik war sinnvoll, stellte jedoch einen einseitigen Akt gegen die Achsenmächte dar. Die Linien wurden jeweils von Präsident Roosevelt nach Rücksprache mit der U.S. Navy (so gem. Operations Plan 3-41) festgelegt. Zu diesen Linien meinte Admiral Ernest King: „Any entrance into the Western Hemisphere by naval ships or aircraft of belligerents other than those powers having sovereignty in the Western Hemisphere is to be viewed as possibly actuated by unfriendly interest.“ [41])

Die „Fortess America“- Idee endete mit dem Angriff auf Pearl Harbor und war zugleich das Ende der „geopolitical innocence“ und einer „provinziellen“ Politik,[42]) dennoch wurden solche Überlegungen auch nach 1945 immer wieder vorgebracht. In seiner zweiten Inauguration Address sagte zwar Eisenhower am 21. Jänner 1957, dass der Isolationismus tot sei, es daher keine Fortress America gebe, dennoch kann man vielleicht die Nuklearrüstung, NORAD, SDI bzw. die Ballistic Missile Defense als Teile eines modernen Fortress America-Konzeptes betrachten. Das Fortress America-Konzept findet sich nach 2001 auch als Maßnahme gegen den Terrorismus, so auch durch die Schaffung des Kommandobereiches NORTHCOM und durch das Department of Homeland Defense, das es, wenngleich in einer anderen Form, auch vor und im Zweiten Weltkrieg gab.

 

Strategic Balancing

Die USA setzen ihre militärischen Mittel auch zum Balancing ein. Balancing ist in der Regel ein geostrategischer Zug im Rahmen gegebener geopolitischer oder bündnistypischer Strukturen, etwa um einen Staat davor zu bewahren, angegriffen zu werden, weil dies in weiterer Folge einen befreundeten Staat oder Bündnispartner schwächen oder gefährden würde. Im Mittleren Osten oder in Ostasien verleihen die USA jener Seite die politische und strategische Überlegenheit, der sie in einem drohenden Konflikt demonstrativ zur Seite stehen. Dies kann bereits durch politische Erklärungen, ein oder zwei Flugzeugträger oder durch die Verlegung von einigen Flugzeugstaffeln oder einen Marine Corps-Verband erfolgen. Balancing vermeidet zunächst Kriegshandlungen. Hiezu gehört auch das Off-Shore Balancing.

 

The „Great Transformation“

Das Umdenken der amerikanischen Öffentlichkeit von einer traditionellen Nichteinmischung in internationale Angelegenheiten in einem globalen Engagement erforderte eine Zurückdrängung des Isolationismus - egal in welcher Ausprägung -, und dies war ein Prozess, der etwa um 1940 einsetzte, aber erst nach 1945 zu innenpolitischen Konfrontationen führte.

Daher war die Überzeugungsarbeit Trumans gegenüber den traditionellen Isolationisten am rechten und linken Flügel beider Parteien besonders bemerkenswert, und Arthur Vandenberg kommt das Verdienst zu, im Kongress die Grundlagen für die Truman-Doktrin, den Marshall-Plan und die NATO gelegt zu haben.

 

The English Speaking Union, Anglosphere, Atlantizismus und die NATO

Die Ideen der gemeinsamen Verteidigung Großbritanniens und der USA gegen die antagonistischen kontinentalen Mächte (Europas), waren schon vor 1900 entstanden und finden sich auch bei Homer Lea und William Thomas Stead. Eine Vereinigung der am Nordatlantik liegenden Anrainerstaaten Westeuropas, der USA und Kanadas entstand um 1900,[43]) erneut während des Ersten Weltkrieges in den USA (George Louis Beer, Herbert Croly, Lewis Einstein, Walter Lippmann, Roland G. Usher), vereinzelt auch in Großbritannien. Lippmann, ein früher Anhänger der Political Geography, wie man die Geopolitik in den USA zunächst nannte, sprach bereits 1917 von einer „Atlantic World“, dann von der Western Community; andere von einer „Atlantic Union“.

Dies schloss auch Australien und Neuseeland ein, die man kulturpolitisch als eine zusammengehörige Anglosphere bezeichnete, die auf die 1918 von Sir E. Wrench gegründete English Speaking Union (ESP) zurückgeht, die zunächst alle Staaten (Dominions) des späteren Commonwealth umfasste; 1920 wurde dann die English Speaking Union of the United Staates gegründet. Zu den prominenten Mitgliedern der ESP zählten etwa Winston Churchill und Franklin D. Roosevelt.[44]) Sympathien für England waren ja nie erloschen, weder beim Unabhängigkeitskrieg noch bei den Eliten in Neu-England. Beim 60-jährigen Regierungsjubiläum von Queen Victoria am 22. Juni 1897 schrieb die New York Times: „We are part, a great part, of the Greater Britain which seem so plausibly destined to dominate this Planet.“ [45])

Politisches und militärisches Kooperieren (so Henry Cabot Lodge, Charles Evan Hughes, Elihu Root, Philander Knox, Will Hays etc.) sollte eine Antwort auf eine befürchtetes deutsche Wiedererstarken und einen möglichen weiteren Krieg in Europa sein und wurde gegen Ende der 1930er-Jahre als Gegengewicht zum Aufstieg des Faschismus und Nationalsozialismus in England und in den USA diskutiert. Isolationisten wollten aber keine Verpflichtungen der USA in Richtung Europa (so William Borah, Robert LaFollette, Hiram Johnson etc.). Dennoch wurden zur gleichen Zeit Konzepte entwickelt, die auf eine Eindämmung der Mächte auf der eurasischen Landmasse hinausliefen. Mackinder erkannte 1940, dass die Sowjetunion, bei einem weiteren Anwachsen der wirtschaftlichen und militärischen Stärke, zwangsläufig zum größten Gegner für die westlichen Demokratien werden musste, und schlug ein Bündnis im Namen der „atlantischen Gemeinschaft“ vor, bestehend aus den USA, Großbritannien und Frankreich.[46]) Dies war auch die Ansicht von Nicholas Spykman und zahlreichen Militärs in den USA. Deutlichen Ausdruck erlangte diese Idee in der Atlantic Charter.

Viele Begriffe wie Atlantic Era, Atlantic Idea, (erneut) Atlantic Union, Atlantic Century, Atlantic Community entstanden. Ein „Atlanticist“ war nach 1940 ein Verfechter der transatlantischen Idee. Der nach 1945 entstandene „Atlantizismus“ begründete sich daher einmal auf die Anglosphere, war somit eine auf Demokratien beschränkte geopolitische Weltsicht, dessen Fundament Amerikas Engagement im Ersten und Zweiten Weltkrieg war, andererseits auf eine gemeinsame Antwort des Westens auf die kommunistische Bedrohung, was dann zur Gründung der NATO führte, deren ideologische Fundamente zwar wesentlich älter sind, aber dennoch immer breiter waren als die NATO selbst. Mit der NATO wurde der Sowjetunion die Grenze ihres eurasischen Herrschaftsanspruches geopolitisch und geostrategisch verdeutlicht: West und Ost hatten nichts mehr gemeinsam, weder kulturell noch wirtschaftlich. Auch die NATO-Osterweiterung wie auch die Partnership for Peace war klassische amerikanische Geopolitik vis a vis der eurasischen Macht Russland - die Fortsetzung der Geopolitik nach 1945, im Sinne von Sypkman, Kennan, Truman, Kissinger, Brzezinski, Reagan etc.[47])

Die USA unterstützten ja nicht nur Großbritannien in beiden Weltkriegen, sondern auch im Falklandkrieg und umgekehrt Großbritannien die USA in Korea, in allen Golfkriegen, im Irak und in Afghanistan, egal welche Regierung in London gesessen ist bzw. sitzt. Die USA waren auch bereit, im Zweiten Weltkrieg Australien und Neuseeland zu schützen. Andererseits ergaben im Zweiten Weltkrieg mehrere Umfragen in den USA, dass ein Teil der Bevölkerung die Hilfe für Großbritannien als „saving Britain her Commonwealth“ kritisierte.

Manche Autoren meinten in Unkenntnis der Entstehung der atlantischen Idee nach dem Ersten Weltkrieg, dass der politische Atlantizismus ein Produkt des Kalten Krieges gewesen sei. Mit dem Untergang der Sowjetunion sei der Zusammenhalt des Westens auch ideologisch zu einem Ende gekommen. Gefahren, die für den Westen von Russland ausgehen, seien so gering, dass man diese ignorieren könne. Zugunsten einer Verschränkung europäischer und russischer Interessen ist man in einigen Kreisen Europas sogar bereit, den Verteidigungspakt mit Amerika aufzukündigen. Besonders EU-Europa manövrierte sich immer mehr in einen Isolationismus, der mit den Zielen der NATO (mit Out of Area-Einsätzen) nicht in Übereinstimmung zu bringen ist. Daher finden sich heute wieder genug Gründe, den Atlantizismus als ideales politisch-strategisches Modell im Rahmen der amerikanisch-britischen Zusammenarbeit unter Einschluss von Norwegen, Dänemark, den Niederlanden und Portugal weiter zu entwickeln.[48])

Mit dem plötzlichen Austritt Frankreichs aus den militärischen Strukturen der NATO im Jahre 1967 war in Frankreich bei einem Teil der politischen Eliten der Atlantizismus nicht mehr en vogue. Diese Haltung verstärkte sich besonders nach 1989 im Zusammenhang mit der Schaffung einer eigenständigen europäischen Verteidigung. Nunmehr baute Paris unilateral auf Europa und zog Bonn auf diese Linie. Versuche Großbritanniens, eine Brücke zwischen beiden Positionen zu schaffen, scheiterten an der Unnachgiebigkeit Frankreichs, das im Übergewicht Amerikas plötzlich eine angebliche Bedrohung für Europas Eigenständigkeit, v.a. aber für seine eigenen Ziele im Rahmen einer Vormachtstellung in der EU, erblickte.

Mit der Erweiterung der NATO kam wiederum bei den „Atlantic Purists“ Kritik auf, weil diese meinten, die neuen NATO-Mitglieder seien weder ideologisch „atlantisch“, noch würden sie geographisch an den Atlantik angrenzen. Die NATO verstand sich ja als Wertegemeinschaft, und die „atlantischen Werte“ waren Freiheit, Demokratie, Streben nach Glück, Wohlstand für alle, Fortschritt, Rechtsstaatlichkeit, Gleichheit, Religionsfreiheit, Marktwirtschaft und Freihandel, Pressefreiheit, Privateigentum und Freizügigkeit; wer hier keine Tradition vorweisen könne, sei unfähig, der NATO beizutreten, was zuerst Griechenland und die Türkei erfuhren. Gänzlich anders der amerikanische Verteidigungsminister William Perry: Er meinte 1994 gegenüber Völker Rühe, und in völliger Unkenntnis europäischer Geschichte und Erfahrungen, man müsse sich überlegen, ob man nicht auch Russland in die NATO aufnehme. Dies führte zu einer scharfen Ablehnung seitens Rühes; ähnliche negative Stimmen kamen aus Polen und Ungarn.[49])

Die NATO-Erweiterung wie auch die Partnership for Peace sind für die USA das Vorschieben geopolitischer (politische Zurückdrängung Russlands und dessen Expansionismus nach Westen) und geostrategischer Positionen (Zurückdrängung und Reduzierung militärstrategischer russischer Optionen) auf die Rimlands[50]) und für Europa die Verbesserung der sicherheitspolitischen Position, was für die militärisch eher schwache EU wichtig ist. Die NATO wurde nach 1991 auch ein Instrument, um die westliche Grenze auf dem eurasischen Kontinent nach Osten zu verschieben.[51])

Die Haltung Frankreichs unter Chirac betraf aber nicht nur die Einheit der westlichen Verteidigung, sondern beeinträchtigte die gesamten Beziehungen zwischen Europa und den USA. Bedenklich war, dass sich Frankreich und die Bundesrepublik Deutschland im Vorfeld des Irakkrieges mit Russland gemeinsam gegen die USA stellten, damit Russland in ein NATO-internes bzw. „inneratlantisches“ Problem als mitentscheidende Partei einbezogen und eine „anti-amerikanische Front“ gebildet wurde, obwohl die USA der wichtigste Sicherheitspartner Europas sind. Nun, mit dem Vollbeitritt Frankreichs zur NATO 2008, ist dieses Thema vom Tisch. Parallel zum schwächeren Zusammenhalt der beiden Lager in der NATO - einmal betont US-orientierte Staaten und Atlantikanrainer und einmal eher EU-orientierte Staaten - entwickelte sich in den letzten Jahren aber auch die Idee der Anglosphere weiter.

 

Isolationismus und Geopolitik schließen einander aus

Ein Rückzug der USA auf Nordamerika würde auch geopolitische Überlegungen beenden. Geopolitik bedarf eines strategischen Raumes, in dem andere Mächte auch Wirkung entfalten wollen; sie bedarf des politischen und strategischen Wechselspiels. Damit enden aber auch Geostrategie und Geokultur. Es bleiben nur die Wirtschaft und Ökologie, eine den 1920er-Jahren nicht unähnliche Lage. Autoren, die einen Rückzug der USA vorschlagen, übersehen, dass die Rimlands erneut in das Mächtespiel Russlands, Chinas, Indiens und anderer Mächte geraten, die hegemoniale Vorstellungen umsetzen wollen oder im Kampf der Kulturen oder um Ressourcen antagonistische Positionen beziehen wollen. Hinzu kommt der Aufstieg neuer Mächte, die das von den USA zurückgelassene Vakuum füllen würden (wie Japan und das Deutsche Reich nach 1920 oder die Sowjetunion nach 1945). Erschwerend käme die nukleare Bedrohung hinzu, die Europa oder die derzeit mit dem Westen verbündeten Staaten wie auch Israel treffen würde. Im Unterschied zu den Jahren vor 1989 können die USA aber heute nicht auf starke europäische Verbündete rechnen, denn die europäischen NATO-Mitglieder sind weitgehend defensiv ausgerichtet und daher strategisch nur begrenzt handlungsfähig.

 

Die Domino-Theorie

Die „Domino-Theorie“ entstand 1931, als Japan in der Mandschurei einmarschierte und man in London befürchtete, die aggressive japanische Expansion, mit stark rassistischen Überlegenheitsansprüchen und Unterdrückungsmechanismen im Rahmen der geplanten Großen Asiatischen Wohlstandsphäre für ganz Ostasien, samt den Philippinen und Holländisch-Indien, würde britische Interessen gefährden. Eine weitere Verwendung dieses Begriffes erfolgte im Zuge der Niederlagen der Kuomintang gegen die Truppen von Mao Zedong 1945/46. Französische Geopolitiker wiederum fürchteten 1954 im Zuge der Niederlagen in Indochina den Fall ganz Ostasiens zugunsten Chinas und der Sowjetunion.

In den USA kam es zu ähnlichen Aussagen bei Beginn des Engagements in Südostasien.[52]) Erneut sah man Burma und Thailand gefährdet, und dies war der eigentliche Grund des Engagements der USA in Vietnam, Kambodscha und Laos. Dazu Eisenhower: „… Strategically, South Vietnam’s capture by the communists would bring their power several hundred miles into a hitherto free region … You know a row of a domino-set up: You knock over the first one, and all what will happen is the certainty that all will go over very quickly.“ [53])

Und Kennedy 1961: „The ‚Domino Theory’? - I believe, I believe it. I think that the struggle is close enough … If South Vietnam went, it would give them (China) an improved geographical position for the guerrilla assault on Malaya but would also give the impression that the wave of the future in Southeast Asia was China and the Communists. So I believe it.“ [54])

 

Rollback

Die Antwort gegen die fallenden Dominosteine sei eine Rollback-Strategie. James Burnham forderte als Erster eine effektive antikommunistische politische Strategie, um weltweit den Kommunismus zurückzudrängen. Diese Idee wurde Rollback genannt und ging über das „sanfte“ Containment weit hinaus.[55]) In weiterer Folge wurde von John Lewis Gaddis (Strategies of Containment, 1982)[56]) und Colin S. Gray (The Geopolitics of Superpower, 1988)[57]) auch das Containment an die Rollback-Konzeption angepasst.

 

 

Ähnliche Ideen vertraten Air Force-Generäle, die ein Rollback durch Luftangriffe erzwingen wollten. Luftwaffenminister Stuart Symington und Marineminister Frances Matthews sahen in Atomwaffen eine solche Option; General MacArthur erwog mittels A-Waffen und Landkrieg ein strategisches Rollback Chinas.

 

Unilateralismus und Multilateralismus

Die USA handelten unilateral, wenn es für sie notwendig, und multilateral, wenn es vorteilhaft war. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die USA von keinem anderen Staat. Eine Großmacht muss unilateral handeln und kann ihre Politik nicht vom Wunsch kleiner Staaten oder deren Interessen abhängig machen. Alle amerikanischen Präsidenten hatten daher ihre Entscheidungen immer nach dem National Interest ausgerichtet, auch wenn sie verbal Kooperationsbereitschaft signalisierten. Auch eine Supermacht wird aber auf die Wünsche von Partnern eingehen, wenn sich damit verschiedene Ziele besser erreichen lassen.

 

Verschiedene Verteidigungslinien

Die Sicherheit und Verteidigung Amerikas erfolgt von der Gegenküste bis zum amerikanischen Kontinent in Form mehrerer Verteidigungslinien, wobei man als „vorderste“ Verteidigungslinie die Außenpolitik und Diplomatie betrachtet, sie kann bei Bedarf auch auf militärische Mittel zurückgreifen, zumeist in Form von vorne stationierten Truppen (forward deployed forces) oder mobilen Kräften, die man rasch verlegen kann (expeditionary forces, rapid deployment forces).

Werden die USA angegriffen, gibt es mehrere Verteidigungsparameter: Die erste und vorderste Linie ist der Kampf am eurasischen Kontinent mit Angriffen gegen das jeweilige Strategic Center of Gravity der Feindstaaten. Die zweite Linie ist die Verteidigung der Gegenküste und der ozeanischen Vorfelder. Die dritte Line ist der Kampf um die Ozeane. Die vierte Line ist die Abwehr von Invasionskräften weit vor den Küsten Amerikas. Die fünfte Linie ist der Kampf an den Küsten. Zuletzt wird der Kampf am amerikanischen Kontinent geführt, auch in der Arktis und in Lateinamerika. Hiezu gibt es mehrere organisatorische Maßnahmen wie die ausgearbeiteten Pläne, Ressourcen, die Combatant Commands, die NATO oder andere Maßnahmen.

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ANMERKUNGEN:

[1]) John J. Mearsheimer: The Tragedy of Great Power Politics. W.W. Norton & Co., New York, 2001. Siehe v.a. S.4-22.

[2]) Michael C. Desch: America’s Liberal Illiberalism. The Ideological Origins of Overreaction in U.S. Foreign Policy, International Security, Winter 2007/08, S.7-43.

[3]) Zitat in: Neil Smith: American Empire. Roosevelt’s Geographer and the Prelude to Globalization. Univ. of California Press, Berkeley, Los Angeles, 2003. S.422.

[4]) Halford J. Mackinder: The Geopolitical Pivot in History, Geographical Journal, Vol. 23, 1904, S.421-444.

[5]) Siehe hiezu u.a. Marvyn P. Leffler: The American Conception of National Security and the Beginning of the Cold War, 1945-1948. American Historical Review, Vol. 1983, S.346-400, mit zahlreichen Hinweisen auf Dokumente; ebenso: Michael S. Sherry: Preparing for the Next War. American Plans for Postwar Defense, 1941-45. Yale Univ. Press, New Haven, MS, 1977.

[6]) John M. Collins: Grand Strategy. Principles and Practices. Naval Institute Press, Annapolis, MD, 1973.

[7]) Robert J. Art: A Defensible Defense. America’s Grand Strategy After the Cold War, International Security, Spring 1991, S.5-53.

[8]) Der Begriff lässt sich bis 1856 zurückverfolgen. Im Bereich der außenpolitischen Aktivitäten der USA gegen andere Staaten wurde er von Edmund Gullion, Tufts University, 1965 eingeführt und auch definiert. 2005 wurde der Begriff Strategic Communication eingeführt, verschwand aber wieder.

[9]) Definition des Autors; Diskussion NESA/National Defense University, Washington, DC, April/Mai 2009.

[10]) Ebenda.

[11]) Knud Krakau: Missionsbewusstsein und Völkerrechtsdoktrin in den Vereinigten Staaten von Amerika. Alfred Metzner Verlag, Frankfurt am Main-Berlin, 1967; Seymour Martin Lipset: American Exeptionalism. W.W. Norton, New York, 1996; Peter Singer: The President of Good and Evil. Penguin Group, New York, 2004; Peter H. Schuck, James O. Wilson (Edit.): Understanding America. The Anatomy of an Exceptional Nation. Public Affairs/Perseus Books, New York, 2008; J. C. D. Clark: Liberty and Religion: The End of U.S. Exeptionalism? Orbis, Winter 2005, S.21-35; Michael Lind: The American Creed, Foreign Affairs, March/April 1996, S.135-139.

[12]) Robert Kagan: Dangerous Nation. America’s Foreign Policy From its Earliest Day to the Dawn of the Twentieth Century. Vintage Book-Random House, New York, 2006, S.22.

[13]) Zahlreiche Quellen, siehe u.a.: Richard Hofstadter: Anti-Intellectualism in American Life. Vintage Books-Random House, New York, 1962.

[14]) Lipset, a.a.O., Kapitel 1.

[15]) Ernest R. May: Imperial Democracy. S.244.

[16]) John W. Burgess, Professor an der Columbia University, meinte 1896: Nur die arischen Staaten hätten eine hohe Organisationsstufe, die zum besten politischen System geführt habe und diese teutonic states hätten daher in der Welt die Führung übernommen und daher auch die Pflicht die Welt zu zivilisieren. Siehe Krakau, a.a.O., S.136-138.

[17]) Ernest R. May: Imperial Democracy. S.252-252, Zitat leicht gekürzt.

[18]) George W. Bush: War on Terrorism. Rede vom 16. Dez. 2001. Der Hinweis auf einen Crusade wurden in den arabischen Medien kritisiert.

[19]) Siehe u.a.: Kishore Mahbubani: The Case Against the West. America and Europe in the Asian Century, Foreign Affairs, Mai-Juni 2008, S.111-124.

[20]) Robert Kagan:. Dangerous Nation.

[21]) Daniel J. Boorstin: The Americans. The National Experience. Vintage Books-Random House, New York, 1965, S.262.

[22]) Ebenda, S.271.

[23]) Die Virginius war möglicherweise in illegalen Aktivitäten zugunsten der kubanischen Rebellen unterwegs, eine Klärung ist nie erfolgt. Fareed Zakaria. From Wealth to Power. Princeton Univ. Press, Princeton, NJ, 1998, S.73-74.

[24]) Zum Kauf von Alaska siehe auch: Robert H. Ferrell: American Diplomacy. W.W. Norton & Co, New York, 1975, S.279-285.

[25]) William Walker wurde 1824 in Nashville, Tenn. geboren und war eigentlich Arzt. Später wurde er Anwalt und Journalist uns setzte sich stark für eine „Amerikanisierung“ Lateinamerikas ein. Er wurde 1855 Präsident von Nikaragua und wurde von Präsident Pierce „anerkannt“.

[26]) Die USS Maine absolvierte in Havanna einen Freundschaftsbesuch um das bereits angespannte Klima zwischen beiden Staaten abzukühlen.

[27]) Siehe u.a.: John A. Krout. United States Since 1965. Barnes & Noble, New York, 1969; Ernest R. May: Imperial Democracy; Fareed Zakaria. From Wealth to Power, etc.

[28]) Siehe hiezu v.a.: Paul H. Jeffers: An Honest President. William Morrow-Harper Collins, New York, 2000. An zahlreichen Stellen. Ebenso; Ernest R. May. American Democracy. An zahlreichen Stellen.

[29]) Ernest R. May: Imperial Democracy. S.42 und S.43-55.

[30]) Fareed Zakaria. From Wealth to Power. S.21-29.

[31]) Richard W. Leopold: The Growth of American Foreign Policy. Alfred A. Knopf, New York, 1962, S.498-509; ergänzend siehe auch Ernest R. May: Imperial Democracy.

[32]) Die USA haben mit Panama (Torrijos-Carter Vertrag, 1977) bei der Rückgabe des Kanals ein Interventionsrecht vereinbart, das 1989 gegen Noriega auch genutzt wurde. SOUTHCOM ist für den Kanal verantwortlich und hat dafür Stützpunkte in der Karibik.

[33]) Zum Gegenküsten-Konzept siehe: Stefan Fröhlich: Amerikanische Geopolitik. Günther Olzog Verlag, Landsberg am Lech 1998, S.89-108. Siehe auch Friedrich W. Korkisch: Geofaktoren in Theorie und Anwendung aus der Sicht der USA; S.95-237, bes. S.128, 217-218, 226-227, 229-230. In: Andrea K. Riemer, Heinz Nissel, Friedrich Korkisch: Geopolitik. Zwischen Wissenschaft und Kunstlehre, Landesverteidigungsakademie Wien, Band 3/2005.

[34]) Der von Mahan geschaffene Begriff Middle East umfasst im Gegensatz zum britischen Near East, den gesamten Raum von Nordafrika bis zum Irak. Das State Department trennte aber diesen Raum sehr wohl in den Near East (Nordafrika, Mittelmeer, Türkei), und benennt den restlichen Raum Middle East.

[35]) John A. Thompson: Another Look at the Downfall of „Fortress America“, Journal of American Studies 26 (1992) S.393-408, Zitat S.399.

[36]) Christopher Layne: From Preponderance to Offshore Balancing. America’s Future Grand Strategy, International Security, Sommer 1997, S.86-124.

[37]) Robert Art: Geopolitics Updated. The Strategy of Selective Engagement, International Security, Winter 1998/99, S.79-113. Art sieht für die amerikanische Geostrategie folgende Kriterien: Basic Goals, Selective Action, Realism und Liberal Goals, Utility of Force, Early Action, Forward Defense, American Leadership, Vital Interests, Desirable Interests, Democratic Spread.

[38]) Michael T. Isenberg: Shield of the Republic. The United States Navy in an Era of Cold War and Violent Peace, 1945-1962, St. Martin’s Press, New York, 1993, S.25.

[39]) Fröhlich, a.a.O., Kapitel II, Zwischen neuen weltpolitischen Anläufen, „Save America First“ und Interventionismus - Amerikanische Außenpolitik von Wilson bis Roosevelt.

[40]) Colin S. Gray: The Geopolitics of Superpower. S.155-156; William Greider: Fortress America. Public Affairs-Perseus Books, New York 1998, besonders S.157-184.

[41]) Eric Larrabee: Commander in Chief. Touchstone Books/Simon & Schuster, New York 1987, S.158-159. Diese Zone wurde unter dem „Plan Dog“ als mögliche Kampfzone eingeschätzt. Siehe auch Dirk Bavendamm: Roosevelts Krieg 1937-1945, Herbig Verlag, München-Berlin 1993, S.207. Bei der Declaration of Panama am 2. Oktober 1939 waren zunächst 300 Seemeilen als Schutzzone beschlossen worden. Im Pazifik kam es zu einer Linie, die rund 2.800 Seemeilen vor der amerikanischen Küste lag.

[42]) Thompson,a.a.O., S.393-408.

[43]) So forderte Halford Mackinder bereits 1905 einen Pakt Großbritanniens mit den USA. Gray, Geopolitics, a.a.O., S.11. Hätte dieser Pakt bestanden, so zahlreiche Autoren, hätte Hitler nie gewagt seine aggressive Politik ab 1938 fortzusetzen.

[44]) Siehe u.a.: Andrew Roberts: A History of The English-Speaking Peoples Since 1900. HarperCollins New York, 2006.

[45]) Zitat in Zakaria, a.a.O., S.18-43, siehe S.20.

[46]) James E. Dougherty, Robert L. Pfaltzgraff: Contending Theories of International Relations. J. B. Lippincott-Longman, London, New York, 2001, S.162-163.

[47]) Siehe als aktuelle Bestandsaufnahme dieser Überlegungen: Heinz Brill: Die NATO Osterweiterung und der Streit um Einflusssphären in Europa, ÖMZ 6/2009, S.715-727. Siehe hiezu auch weiter unten.

[48]) Ronald D. Asmus: Rebuilding the Atlantic Alliance, Foreign Affairs; Sept: Okt. 2003; Kurt M. Campbell: The End of Alliances? Not So Fast, The Washington Quarterly, Frühjahr 2004, S.151-163; Dalia Kassa Kaye: Bound to Cooperate? Transatlantic Policy in the Middle East, The Washington Quarterly, Winter 2003/04, S.179-195; Ralph Peters: The Atlantic Century, Parameters, Herbst 2003, S.4-16. Eine ältere Betrachtung: James Baker: A New Europe, A New Atlanticism: Architecture for a New Era, United States Department of State, Bureau of Public Affairs, Current Policy, No. 1233, Washington, DC, 12. Dez. 1989.

[49]) Karl-Heinz Kamp: NATO Entrapped: Debating the Next Enlargement Round, Survival 3/98, S.173. Wie weit hier geopolitisches Wunschdenken die politische Logik überforderte, sei dahingestellt. Der Vorschlag von Perry zeigt jedenfalls ein typisches Problem amerikanischer Politik auf, die ein Konzept ohne Rücksicht auf historische Erfahrungen und Sensibilitäten vorschlägt.

[50]) Ted Galen Carpenter: NATO Enters the 21st Century. Frank Cass, London, Portland, OR, 2001.

[51]) Ariel Cohen: NATO’s Frontier: Eurasia, the Mediterranean, and The Greater Middle East. The Heritage Foundation, Heritage Lecture 919, Washington, DC, Jan. 9, 2006.

[52]) Siehe etwa den Dokumentenband über die amerikanische Politik in Südostasien ab 1945: The Pentagon Papers. Zusammengestellt von Neil Sheehan, The New York Times, 1971, mit zahlreichen Hinweisen zur Domino-Theorie.

[53]) Lyndon B. Johnson: The Vantage Point. Rinehart and Winston, New York, 1971, S.51.

[54]) Zitat wiedergegeben in: Lyndon B. Johnson: The Vantage Point S.61.

[55]) Rede von John F. Dulles am 27. August 1952 vor der American Political Science Association: Die USA werden mit der Sowjetunion keine Abkommen schließen, die die Herrschaft Moskaus über andere Völker festigt, die Voice of America wird andere Völker moralisch gegen Moskau unterstützen; Widerstandsbewegungen werden von den USA unterstützt werden. The New York Times, 10. Mai 1952, S.1.

[56]) Siehe z.B.: John Lewis Gaddis: Strategies of Containment. A Critical Appraisal of Postwar American National Security Policy.

[57]) Colin S. Gray: The Geopolitics of Superpower.