Power-Projection vs Anti-Access/Area-Denial (A2/AD)

Die operationellen Konzepte von US-Navy (USN) und Peoples Liberation Army Navy (PLAN) im indo-pazifischen Raum

Nikolaus Scholik

 

Nach der Darstellung der strategischen Situation auf dem maritimen „chessboard“ mit Schwergewicht der Situation des indo-pazifischen Raumes (ÖMZ 2/2013) soll nun die operative Umsetzung, wieder primär diesen Großraum und die beiden Hauptdarsteller USA und China betreffend, dargestellt werden. So wie man aus den strategischen Überlegungen und Zielen auf theoretischer Ebene - Mahan1) und Corbett2) und alle moderneren Ansichten - auf die Bedeutung von Seemacht Lehren ziehen kann, stellt nachfolgend die operative Umsetzbarkeit aller strategischen Vorgaben gänzlich andere Forderungen an Politik, Militär, Rüstungsindustrie und technologische Fähigkeiten eines Staates. Die im maritim-strategischen Bereich als notwendig zu beurteilenden (und/oder angestrebten) Ziele eines Staates sind heute mehr denn je den Faktoren politischer Wille, rascher technologischer Fortschritt und wirtschaftliches Potenzial sowie allen daraus resultierenden Parametern unterworfen. Dazu kommt die als erwiesen anerkannte Dominanz der USA mit der U.S. Navy. Diese Dominanz zwingt alle Staaten, die in ihrer (Gesamt-)Strategie auch globale Ambitionen verfolgen, ebenso wie die USA selbst, in einen neuen, umfassenden maritimen Rüstungswettlauf einzusteigen. Umfassend deshalb, weil im Gegensatz zu den früheren Perioden, in denen maritime Rüstung primär die Kampffähigkeit über Wasser, Schiff oder Flotte gegen Schiff oder Flotte betraf, seit der Mitte des letzten Jahrhunderts die Bereiche der maritimen Kampfführung immer mehr erweitert werden: unter, auf und über dem Wasser, im nahen Weltraum, der gesamte Bereich elektronischer Kampf- und Gefechtsführung, Cyberwar3) (Datensicherheit, Kampf um diese) und die diesbezüglich immer tiefer gehenden Ausbildungs- und Führungserfordernisse. Dazu kommt die derzeit weltweit reichende wirtschaftliche Unsicherheit - kein Staat oder Staatensystem, keine lokale oder regionale Wirtschaft, kein politisch-wirtschaftliches System, das nicht betroffen wäre. Die Globalisierung und Verschränkung allen wirtschaftlichen Handelns mit tief in die nationalen Systeme reichenden Folgen führen zu politischen Unruhen, die durch globalen Terror und organisierte Kriminalität zusätzlich erschwert und immer schwieriger friedlich lösbar werden.

 

Strategische Voraussetzungen

Unter derart schwierigen äußeren Bedingungen bleiben die im maritimen Bereich bestehenden Kräfteverhältnisse - natürlich die operativ-umsetzbaren - seit einigen Jahrzehnten relativ unverändert. Die Erkenntnis für alle Seemächte, dass einzig die Marine der USA über globale Projektionsfähigkeit und somit jederzeit über globales militärisches Eingreifpotenzial verfügt, ist noch eine gleichbleibende Konstante. Rekapitulieren wir kurz die amerikanischen maritim-strategischen Zielsetzungen:

- Begrenzung regionaler Konflikte,

- Verhindern großer MachtKriege - deterrence (Abschreckung),

- wenn im Krieg, dann diese(n) gewinnen,

- Fördern internationaler Partnerschaften,

- Vermeiden lokaler Störungen,

- Dominanz durch eine Position absoluter maritimer Stärke,

- weltweite, parallele Projektionsfähigkeit.

Einzig China stellt seit dem Wandel unter Deng Xiaoping4) mit wachsender Intensität maritime Ansprüche, die aus Sicht der USA mittel- bis langfristig die Dominanz der eigenen Position gefährden könnten. Die seit einigen Jahrzehnten bestehende und sich verstärkende wechselseitige Abhängigkeit, v.a. auf wirtschaftlicher Ebene,5) hat zu keiner substanziellen Annäherung im Sicherheitsbereich geführt. Die starke Rolle der USA als sicherheitspolitischer Partner bedeutender Staaten im asiatisch-pazifischen Raum steht gegen Chinas langfristige Zielsetzung einer im Verhältnis zu seiner Wirtschaftsmacht ähnlichen politischen Dominanz - zunächst regional, dann global. Chinas strategische Zielsetzung im maritimen Bereich unterscheidet sich natürlich eingedenk der bekannten Schwächen und mangelnden Potenzials fundamental:

- Zeitgewinn plus deterrence,

- Aufrüstung mit langfristigem Ziel Projektionsfähigkeit, aber zunächst vordringlich:

- littorale Kapazitäten und string of pearls6) vor blue water navy7) (Hochseeflotte im operativen Sinn),

- kurzfristiges Erreichen einer Position regionaler Stärke bis zur 2. Inselkette.

Während die amerikanischen Zielsetzungen klar definiert sind und die dazu notwendige Hardware/Software besteht und ständig weiterentwickelt wird, muss man die chinesischen Anforderungen noch etwas genauer ansehen, um die operative Umsetzung besser beurteilen zu können. Mit Rückblick auf die Abbildung 4/ÖMZ 2/2013 ist das operative Potenzial der PLAN durchaus logisch und in Übereinstimmung mit den strategischen Vorgaben disloziert und Einsatzräumen zugeteilt. Die sensibelsten Räume sind das Ost- und das Südchinesische Meer und die Weiterführung der Hauptroute in den Indischen Ozean durch die Straße von Malakka. Die größten maritim-sicherheitspolitischen Probleme Chinas konzentrieren sich hier - Nordkorea, Taiwan, die territorialen Differenzen mit Japan, Vietnam, Malaysia und den Philippinen und die große Problematik des Schutzes der chinesischen Seewege für Importe (Rohstoffe) und den lebensnotwendigen Export. Eingedenk der erkannten Schwächen - v.a. gegenüber der USN - hat sich die Führung der PLAN intensiv mit Mahan/Corbett und deren strategischen und operativen Lehren auseinandergesetzt. Als weitere Grundlage der maritim-strategischen Planung hat der Aufbau maritimer Stärke im Bereich Projektionsfähigkeit mittelfristige Priorität; jederzeit muss aber das große politische Ziel der Wiedervereinigung mit Taiwan (als Ultima ratio auch militärisch) sichergestellt werden können.

 

Operatives Konzept PLAN

Nicht ohne Grund kann man nochmals kurz zu Mahan zurückkehren und seine operativen Lehren anführen - gerade die PLAN hat sich intensiv damit auseinandergesetzt. Mahan hat sich in seinem Hauptwerk mit genau diesem Problem einer schwächeren Marine angesichts eines potenziell stärkeren Gegners beschäftigt und in diesem Zusammenhang den Begriff der „fortress fleet“ geprägt. Man versteht darunter Marinekräfte (Flotte im damaligen Sprachgebrauch), die fast ausschließlich unter dem Feuerschutz von Küstenbatterien operieren. Nun haben sich natürlich seit Mahans Überlegungen gewaltige technische Änderungen ergeben und damit völlig neue Voraussetzungen geschaffen - die Grundkonzeption ist allerdings, wie wir sehen werden, nach wie vor gültig. Der zweite (konzeptionelle) Begriff den man hier erwähnen muss, ist die „fleet in being“: Darunter werden Marinekräfte verstanden, die (fast) nie die sicheren Häfen verlassen, aber durch ihre Existenz den Gegner zum Bereithalten eigener Kräfte zwingen. Es ist natürlich klar, dass eine „fleet in being“ Teil einer Doktrin der Zugangsbehinderung, keinesfalls ein Instrument von Projektion oder Kontrolle/Sicherung von Seewegen sein kann …

Bevor das operative PLAN-Konzept gegen die Stärken der USN erläutert werden kann, müssen noch weitere Begriffe klar und definiert sein. Zunächst der Begriff von power projection, dem strategischen Hauptziel der USN. Man versteht darunter den Einsatz einiger oder aller Elemente nationaler Macht, um rasch und effektiv Kräfte in und von verschiedenen Orten zu verlegen, um derart auf Krisen zu antworten, abzuschrecken (deterrence) und Stabilität zu unterstützen. Die schon im Titel verwendete Antwort auf power projection, nämlich die Abkürzung A2/AD, wird folgendermaßen definiert: A2 oder anti-access bedeutet, dass man Aktionen und Fähigkeiten einsetzen kann - auch über große Distanzen -, um gegnerische Kräfte vom Zugang in einen Operationsraum abzuhalten (deterrence …!). AD oder area-denial definiert Aktionen und Fähigkeiten - über eher geringere Distanzen -, die zwar den Zugang des Gegners zu einem Operationsraum nicht verwehren, aber dort seinen Handlungsspielraum einengen sollen.

Es ist nun keineswegs erstaunlich, dass die PLAN-Strategen bezüglich der operativen Umsetzung ihres Konzeptes gegen power projection exakt auf A2/AD abstellen: Angesichts der operativen Stärke der USN und der eigenen Schwäche in diesem Bereich verspricht A2/AD am ehesten Erfolg bei den eigenen Vorhaben, die, wie schon gesagt, derzeit und zumindest noch mittelfristig viel mehr „defensiv“ als „offensiv“ gesehen werden müssen. Einzig Taiwan oder ein Konflikt, aus dem sich die USN (politisch begründet) heraushalten will oder muss, könnte hier eine wichtige Ausnahme sein… Und für jeden dieser Fälle scheint die PLAN, wieder angesichts des potenziellen Gegners oder der Art des Konflikts, in der Lage zu sein, bestehen zu können.

 

A2/AD

Das anti-access/area-denial Konzept versteht sich als integrierter Teil der Verteidigung Chinas. In diesem Sinne kann von einer joint8)-Konzeption, wie sie nun auch in den USA forciert wird, gesprochen werden. Aber so wie in den USA, wo das „Teilstreitkräftedenken“ nach wie vor vorhanden ist, bleibt abzuwarten, was der Generalstab der PLA unter joint versteht und wie eine operative Umsetzung gelingt. Im Grundkonzept sieht A2/AD jedenfalls den Einsatz aller drei Teilstreitkräfte vor - je küstennäher, umso mehr PLAAF (Peoples Liberation Army Air-Force) und PLAG (Peoples Liberation Army Ground-Forces);9) AD ist in Teilbereichen (unter/auf dem Wasser) eher eine PLAN-Aufgabe. Doch zunächst zum Konzeptionellen: Das theatre (Einsatzraum größerer Ordnung)10) reicht vom eigenen zum gegnerischen Territorium (in unserem Analysefall dem der USA, also bis zur pazifischen Gegenküste), eine gewaltige Fläche.11) Da die chinesische Verteidigung grundsätzlich alle Mittel einschließt, also auch strategische Kernwaffen, ist die Anwendung der A2/AD-Doktrin im Bereich bis zur zweiten Inselkette zu sehen - die Linie Mitte der japanischen Hauptinsel Honshu über die nördlichen Marianen, Guam, Mikronesien, Palau und von dort vertikal Richtung Süden (ca. 1.300 Seemeilen parallel zur chinesischen Pazifikküste). Darüber hinaus können - im Sinne der „fortress fleet“ - nur mehr strategische U-Boote oder Fernbomber und selbstverständlich diverse (ballistische) Raketentypen wirken. Elektronische Aufklärung und Cyber-Kampfmittel wirken selbstverständlich außerhalb dieser Räume de facto universell, sofern man über die entsprechende Technologie verfügt.

Die Grafik 2 zeigt nun die dem Konzept zugrunde liegenden Systeme und deren Einsatzkonzeptionen - sowohl im Hinblick auf die Staffelung als auch die Einsatzweiten und die Versorgungsintervalle, die den jeweiligen Systemen zuzuordnen sind. Die Ausrichtung soll allgemein den Zugang gegnerischer maritimer Kräfte (CSG/NTG: carrier strike group/naval task group)12) erschweren und im näheren Küstenbereich deren Handlungsspielraum einengen. Im günstigsten Fall verhindern somit starke A2/AD-Kapazitäten den Zugang dieser Kräfte bis zu einer Distanz, wo deren bewegliche Systeme (CVW: carrier vessel wing)13) noch nicht voll wirksam eingesetzt werden können. Derzeit kann eine CVW der USN einen Aktionsradius von ca. 260 Seemeilen abdecken; mit der sukzessiven Ablösung der Nimitz- durch die Ford-Klasse (ab CVN 78: carrier vessel nuclear14)/U.S.S. Gerald Ford/Dienstaufnahme 2015) und die geplante Ablöse des derzeitigen Hauptkampfflugzeugs der USN, der F-18 Super Hornet, durch das neue Mehrzweck-Kampfflugzeug JSF F 35-C (joint strike fighter), wird sich der Radius auf 575 Seemeilen erhöhen. Dies bedeutet, dass alle A2/AD-Maßnahmen seitens der PLAN darauf abzielen, die Träger der USN zunächst von den Räumen ab der zweiten Inselkette fernzuhalten bzw. ihr Wirken einzuschränken - je küstennäher, umso mehr.

Projiziert man nun gedanklich die CSG in dieses theatre, so ist die zu erwartende gegnerische Wirkung zu berücksichtigen. Es mag eine Anekdote sein, aber auf die Frage, vor welcher gegnerischen Bedrohung er die meiste Angst habe, soll ein amerikanischer Träger-Kommandant geantwortet haben: „Vor U-Booten“

Ein operativ vollständig ausgerüstetes, im Zusammenwirken der Kräfte erprobtes A2/AD-Modell (joint) unter einem entsprechend vernetzten, vollelektronisch geführten Kommando (3C+I: command-communication-control + intelligence/Nachrichtenwesen) wäre in der Tat eine neue Gegebenheit mit entsprechendem Abschreckungspotenzial, das von der amerikanischen Politik (Allianzen im Raum, Taiwan, Südkorea, Japan, Philippinen und Australien) und der USN hinsichtlich der power projection entsprechend beachtet werden muss. Dies geschieht natürlich auch, und alle amerikanischen Think-tanks, die USN, ihre Lehrstätten und auch die JCS (Joint Chiefs of Staff) haben sich mit der Problematik tiefgreifend und entsprechend seriös auseinandergesetzt, allerdings wohl wissend, nicht zuletzt aus eigener Erfahrung, dass die Ankündigung eines strategischen oder operativen Konzepts oder eines neuen Rüstungsgutes noch lange nicht dessen perfekte Einsatzfähigkeit bedeutet. Man muss auch das äußerst geschickte chinesische Vorgehen bezüglich der Ankündigung neuer Waffensysteme und Ausrüstung entsprechend bewerten. Als Beispiel sei die im November 2012 um die Welt gegangene Präsentation des ersten chinesischen Flugzeugträgers etwas genauer analysiert: In Wahrheit handelt es sich bei der „Liaoning“ um den sowjetischen Träger „Varyag“ der Kusnezow-Klasse,22) 1988 in der Ukraine auf Werft gelegt, nicht fertig gestellt. Die Schiffshülle wurde 1998 an China verkauft, in der chinesischen Dalian-Werft „fertig gebaut“ und im September 2012 als Schul- und Übungsschiff kommissioniert. Von einem einsetzbaren Träger kann keine Rede sein - es mangelt schlicht an allen notwendigen Elementen (im Verband, bei 3C, kein funktionales AEGIS23)-Kampfführungssystem) und ihrem erprobten und geübten Zusammenspiel, um über eine einsatzfähige CSG zu verfügen. Und ein Träger ist in Bezug auf die Einsatzfähigkeit (wenn durch die politische und/oder militärische Lage notwendig) kein Träger, sondern zwei Träger sind ein Träger und so weiter. Ähnlich wurden in den letzten beiden Jahren die ASBM D-21A Dongfeng und der chinesische Tarnkappenbomber Chengdu J-2024) präsentiert.

Aus amerikanischer Sicht werden die chinesischen Anstrengungen im maritimen Bereich durchaus ernst genommen - und nicht zuletzt bei der Darstellung der eigenen Bedürfnisse im Kongress als Hebel für weitere Mittel verwendet. An der vollkommenen Überlegenheit der USN - nicht mit Unverletzbarkeit zu verwechseln - ändert sich sehr wahrscheinlich im nächsten Jahrzehnt noch nicht viel. Dennoch nimmt die USN das chinesische A2/AD-Konzept sehr ernst und hat Gegenmaßnahmen ergriffen, die im Kapitel Air-Sea Battle dargestellt werden. Abschließend ist natürlich immer zu bedenken, dass der offene Angriff auf einen amerikanischen Träger in internationalen Gewässern - also bis 12 Seemeilen Küstennähe - von amerikanischer Seite höchstwahrscheinlich als Casus belli interpretiert und entsprechend beantwortet würde. Hier liegt ein offener, alter Streitpunkt zwischen China und den USA: China verwehrt Kriegsschiffen anderer Länder prinzipiell (allerdings ohne diese Forderung militärisch durchzusetzen) die Einfahrt in die 200-Seemeilen-EEC (Exclusive Economy Zone).25) Dies könnte in Zeiten großer Spannungen durchaus zu einer Konfrontation mit ungewissem Ausgang führen.26)

Beide Seiten verfügen über das entsprechende nuklear-strategische Abschreckungspotenzial, wobei den USA in fast allen Bereichen ein derzeit noch sehr hoher quantitativer, qualitativer und konzeptioneller Vorsprung eingeräumt werden muss. Daher sind A2/AD und das amerikanische Gegenkonzept im Prinzip durchaus mit der Patt-Stellung der USA mit der Sowjetunion in den Zeiten des Kalten Krieges vergleichbar, natürlich mit dem Unterschied der völlig anderen politisch-militärischen Ausgangslage im Verhältnis China-USA 2014 gegenüber den damaligen Gegebenheiten. Aber letztlich wäre jede kriegerische Auseinandersetzung - und der Angriff auf einen Träger (an Pearl Harbor 1940 darf erinnert werden) würde zu einer solchen führen - bezüglich der dann möglichen Eskalation auf der Stufenleiter der Waffensysteme ein Risiko, das derzeit beide Partner/Gegner sicher nicht eingehen wollen. Damit bleibt das alte Konzept der Abschreckung auch in dieser Situation bestimmend.

 

Die Antwort der USN: Air-Sea Battle

Da A2/AD eine ernst zu nehmende Behinderung für maritime joint operations darstellen könnte, hat das amerikanische Verteidigungsministerium sowohl USN als auch die USAF (U.S. Air-Force) beauftragt, als Antwort ein Air-Sea Battle-Konzept zu entwickeln. Entscheidend im Auftrag ist die Erkenntnis, dass die Stärke der USN auf den Eckpfeilern globale Präsenz und ungehinderte Projektionsfähigkeit beruht. Die Projektionsfähigkeit wiederum basiert auf dem Einsatzkonzept der CSG als autonomer kampfkräftiger Verband, der in der NTG-Form auch begrenzte Operationen nahe und im gegnerischen Küstenbereich durchführen kann. Auf dieser Fähigkeit - deterrence - basieren die Sicherheitszusagen bei den Allianzen, v.a. im Raum der chinesischen Gegenküste im Ost- und Südchinesischen Meer: Taiwan, Südkorea und Japan, ergänzt durch die Notwendigkeit, auf die permanente nordkoreanische Bedrohung rasch reagieren zu können. Die seit Beginn der 1990er-Jahre bekannte A2/AD-Option von Staaten mit schwachen maritimen Kapazitäten hat besonders auf dem Rüstungssektor die Spirale wieder in Bewegung gebracht. Mit welchen primär nicht-maritimen Komponenten (die U-Boot-Waffe ausgenommen) kann ein maritim starker, potenzieller Gegner vom erweiterten eigenen Küstenbereich abgehalten werden? Raketen - ballistische und Marschflugkörper - und Flugzeuge bieten sich naturgemäß als primäre A2/AD-Systeme an. V.a. die Raketen-Komponente, ASBM und ASCM, wird seit diesem Zeitpunkt im Rahmen der chinesischen Rüstungsprogramme forciert. Und mit der D-21-Familie scheint China über ein wirksames Waffensystem zu verfügen; vorausgesetzt, die angepriesenen technisch-elektronischen-navigatorischen Systeme sind real erprobt und „sicher“. Aus der Fülle der diesbezüglichen Fachartikel und Studien - fast ausschließlich amerikanischer Provenienz - sei auf Loren Thompsons Artikel in „Forbes“27) verwiesen, in dem die Grundfrage von A2/AD-Kapazität untersucht wird, nämlich die Fähigkeit, einen amerikanischen Träger zum Sinken zu bringen: „If military commanders avoid taking unnecessary risks, U.S. aircraft carriers should retain their relevance to the balance of power in the Western Pacific through mid-century.“ Der Schlussfolgerung von Thompson ist aus allen hier getroffenen Aussagen und Beurteilungen zuzustimmen. Und wie wäre wohl ein radikaler Wechsel der amerikanischen strategisch-operativen Ausrichtung überhaupt möglich, bleiben die Hauptelemente der gesamtstrategischen Ziele Seemacht (seapower) und die operative Umsetzung power projection bestehen?

Aus diesen Gründen haben die JCS durch ihren Chairman (General Martin E. Dempsey) im Jänner 2012 das Joint Operational Access Concept (JOAC) präsentiert, die Grundlage für die zu treffenden Maßnahmen, um als Antwort auf verstärkte A2/AD-Kapazitäten (v.a. Chinas) das Air-Sea Battle-Konzept umzusetzen. Ziel ist die Fähigkeit zu forcible entry operations, also die Aufrechterhaltung der vollen power projection-Kapazität bis hin zum assured acces zu jedwedem Operationsgebiet. Unter assured access wird der ungehinderte nationale Gebrauch der globalen commons28) und ausgewählter fremder Territorien, Gewässer und des Luftraums sowie des Cyberspace, erreicht durch die Projektion aller Elemente nationaler Stärke, verstanden. Entscheidend ist, und das ist nun die Antwort auf die im letzten Absatz gestellte Frage nach einer möglichen strategischen Änderung im JAOC festgehalten, dass sich die Glaubwürdigkeit der USA (v.a. in Hinblick auf sicherheitspolitische Allianzen) über die power projection als sine qua non für den Schutz ihrer globalen Interessen definiert. Hier sei allerdings auf zwei wichtige, historische und militärisch-versorgungsmäßige Grundwahrheiten verwiesen. Zunächst ist die Äußerung von General Douglas MacArthur „… to avoid land wars in Asia“29) auch heute noch absolut gültig: Er hatte die richtigen Schlüsse aus dem Koreakrieg gezogen und wollte zum Ausdruck bringen, dass weder technische noch rüstungsmäßige Überlegenheit personelle und im Bereich der taktischen intelligence bestehende Unterlegenheit aufwiegen kann. Und in einem Blog-Kommentar zum JOAC (James Holmes) bemerkt dieser sehr zutreffend, dass „JOAC acknowledges the new, yet ancient reality that external powers can encounter resistance from local powers that boast sizeable advantages when fighting in their backyard“.

Auch die finanziellen Aspekte der Implementierung des Air-Sea Battle-Konzepts dürfen nicht außer Acht gelassen werden. In JOAC selbst wird ausgedrückt, dass das Konzept „… is in it’s fullest form very resource intensive“. Die erfolgreiche Umsetzung ist eng an Kapazitäten für Schläge aus großer Entfernung gebunden: Langstreckenbomber der jüngsten Generation (Stealth-Fähigkeit, elektronische Ausstattung) und seebasierte Optionen wie z.B. Drohnen (UCLASS).30)

Vom Konzept her soll die Integration von Luft-, Land-, Marine-, Raum- und Cyberspace-Kräften verbessert werden, um den combattant commanders (CC) die notwendigen Mittel zu geben, um einen Gegner, der über ausgeprägte A2/AD-Möglichkeiten verfügt, abschrecken oder schlagen zu können. Dennoch bleibt Air-Sea Battle ein begrenztes, operatives Konzept, das die Bildung integrierter Luft- und Seestreitkräfte (joint) angesichts starker A2/AD-Bedrohungen zum Ziel hat.

 

Die vorstehende Grafik zeigt nun die sich aus dem joint-Konzept ergebende Führungsstruktur von der obersten strategischen Führung bis hinunter zu den gefechtsverantwortlichen combat commanders und die Änderung von der CSG zur NTG, die schon erwähnt wurde. Schlüssel ist eine neue Zusammenarbeit von USN und USAF, die wiederum auf drei tragenden Säulen beruht: der institutionellen Entwicklung von Organisationsmodellen zur formellen Zusammenarbeit, um langfristig den Herausforderungen von A2/AD zu begegnen, einer konzeptionellen Abstimmung, um sicher zu stellen, dass Fähigkeiten der Teilstreitkräfte vernünftig integriert werden, und schlussendlich gemeinsam die bestmögliche Verschränkung von Doktrin, Organisation, Training, Material, Ausbildung, Führung und Personal zu entwickeln, um ihre Komplementarität, Redundanz, Interoperabilität und Effizienz dort sicherzustellen, wo sie benötigt wird. In der folgenden Grafik wird nun in einem angenommenen Fall dargestellt, wie Anforderungen nach einem Kräfteeinsatz im Führungssystem behandelt und erfüllt werden. Beide Grafiken zeigen - gemeinsam gesehen und auf die Anwendung projiziert - den hohen Grad der amerikanischen Vorbereitung und Planung in diesen Bereichen (RFF,31) JOE2010.32) Alle weiteren Abkürzungen zu Grafik 4 finden Sie auf Grafik 3/Glossar).

Zu den auf diesen Ebenen liegenden konzeptionellen Maßnahmen gegen A2/AD müssen nun auch die waffen- und systemspezifischen Antworten der USN kurz vorgestellt werden. Zwei Komponenten von A2/AD, U-Boote und ASBM/ASCM, stellen aus Sicht der USN die größte Bedrohung für eine CSG/NTG, speziell den Träger betreffend, dar. Besonders die mögliche Wirkung gegen den an sich relativ schwerfälligen Träger, der noch dazu ein großes Ziel bietet, wird in den USA kontroversiell und teilweise erbittert diskutiert. Die Proponenten einer Navy-Zukunft ohne ebendiesen „leicht verwundbaren Träger“ führen viele Argumente gegen die Weiterführung des USN-Konzeptes der power projection an - v.a. wirtschaftliche, technologische, gesteigerte Fähigkeiten im A2/AD-Bereich und die kontinuierliche technologische Weiterentwicklung und somit immer höhere Bedrohung des Trägers durch ASBM/ASCM. Als Beispiel darf ein interessanter Beitrag eines aktiven Kapitäns der U.S. Coast Guard (USCG, R.B. Watts)33) erwähnt werden. Seine Hauptargumente (gegen die Träger-Konzeption bei power projection und diese an sich) sind die geänderte Weltlage - richtig -, die enormen Kosten großer Verbände - richtig -, die Ablöse des im Kalten Krieg genützten ‚UdSSR-Navy-Syndrom’ durch das ‚China-PLAN-Syndrom’ - partiell richtig - und die uralte Frage nach der korrekten Beurteilung der Natur und Art der Bedrohung. Anerkennend, dass seapower vital für die USA bleibt, verlangt er eine strategisch-operative Neuorientierung, dem klassischen Muster nach: Analyse von Bedrohung, Festlegung der Mittel, neue Ansätze, im Speziellen den absoluten Vorrang für den Kampf gegen den Terror (nur äußerst bedingt eine Aufgabe der Navy) und den richtigen Einsatz der Mittel. Konkrete Ansätze, wie dies im Lichte der noch immer gültigen (globalen, auf Grund der Interessenslage) strategischen Ziele der USA erreicht werden könnte, bleibt Watts allerdings schuldig. Der Hinweis, dass nach dem Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 die bis dahin gültige battleship-theory nicht mehr ausgereicht hat, ist argumentativ wohl etwas zu kurz gegriffen.“ 34)

Die bereits erwähnte Rolle von U-Booten - sowohl seitens des Einsatzes im Rahmen von A2/AD als auch als integriertes Element der Air-Sea Battle - muss ebenfalls erläutert werden. Beide Marinestreitkräfte verfügen über eine strategische und eine operative U-Boot-Komponente. Die strategische sei hier der Vollständigkeit halber nur kurz erwähnt: Als Ultima ratio im Konzept der Abschreckung enthalten, basieren heute die fünf ständigen Mitglieder im UNO-Sicherheitsrat - offizielle Atommächte - ihre deterrence primär auf strategische Atom-U-Boote (SSBN).35) Diese sind schwer zu orten, eine bestimmte Anzahl permanent auf Patrouille, also jederzeit einsetzbar, und sichern jenes Rückschlagpotenzial (auch nach einem atomaren Erstschlag, so zumindest ist das Konzept ausgelegt), also jedenfalls einen ebenso mächtigen Rückschlag, sodass auch der Angreifer vernichtet würde. Dieses Konzept ist operativ nur mit SSBN umsetzbar: Nur der Nuklearantrieb gestattet die großen Distanzen und Geschwindigkeiten (v.a. unter Wasser) und extrem langen Einsatzzyklen, auf denen dieses Konzept beruht. Dazu kommt, dass alle Komponenten dieses Konzeptes national verfügbar sein müssen: das Boot, der Antrieb, die gesamte Kommunikations- und Kampfelektronik und v.a. die komplexen Interkontinentalraketen (ICBM)36) - Antrieb, Start unter Wasser, MRV- und MIRV-Technologie.37) Eine technologische Abhängigkeit bei einer Schlüsselkomponente vermindert selbstverständlich die politisch uneingeschränkte deterrence-Fähigkeit.38)

Auf der operativen Ebene hingegen werden weltweit mehrheitlich dieselelektrisch angetriebene Jagd-U-Boote (SSK)39) eingesetzt; nur die USA setzen derzeit ausschließlich nuklear angetriebene Jagd-U-Boote (SSN)40) ein. In Hinblick auf das power projection-Konzept der USN müssen die CSG/NTG - und somit auch die schützenden Jagd-U-Boote - große Distanzen rasch zurücklegen können. Diesel-Boote sind ideale A2/AD-Komponenten mit Vorteilen gegenüber den nuklear angetriebenen:

- leiser Antrieb, schwerer zu orten als relativ lautstarke, nuklear angetrieben Boote;

- kompakte Bauweise, wesentlich günstiger in der Anschaffung (1.500-3.500 t gegen bis zu 20.000 t für nuklear angetriebene Boote);

- neuartige, moderne Antriebstechniken (AIP,41) Stirling-Motor).

Während die U-Boot-Komponente in einem A2/AD-Konzept als primären Auftrag das Aufspüren und Zerstören feindlicher Überwasserziele (unter Beachtung des Selbstschutzes) hat, besteht der primäre Auftrag der U-Boot-Komponente einer USN-CSG/NGT im Schutz ebendieser:

- Geleit der eigenen CSG/NTG,

- Aufspüren feindlicher CSG,

- Aufspüren feindlicher U-Boote (SS/SSK/SSN/SSBN).

Es herrscht allgemeine Übereinstimmung vor, dass das beste Mittel zum Aufspüren und Vernichten eines U-Boots ein anderes U-Boot ist. So wie das Jagd-U-Boot ein essenzieller Teil des A2/AD-Konzeptes ist, kann power projection nicht ohne starke (nukleare, aus US-Sicht) U-Boot-Kräfte durchgeführt werden.

Die Kernkomponente des Air-Sea Battle-Konzepts ist der nukleare Flugzeugträger. Er wird durch den Verband und die im Verbund vom AEGIS-Kampfsystem42) gesteuerten Einsatzmittel für das Gefecht auf, unter und über dem Wasser bestmöglich geschützt. Die Idee, dass eine ASBM oder auch ein U-Boot (SSK) im Ernstfall „ungehindert“ den Träger außer Gefecht setzen könnte, ist gelinde gesagt eine eher romantische als sachlich analysierte und begründete Ansicht.43) Selbstverständlich stellen ASCM/ASCM und natürlich auch U-Boote eine ernsthafte Bedrohung des Verbandes und des CVN im Besonderen dar. Wie auf der Grafik 2 zu sehen, ist neben dem Verband der Oberbegriff CEC - Cooperative Engagement Capability (AEGIS und ESSM, ECM und ECCM44) gezeigt. Dies sind die Hauptmittel eines modernen Trägerverbandes im Kampf gegen die A2/AD-Bedrohungen; CEC ist das joint-Konzept des Verbandes und wird als Netzwerk von militärischen Sensor- und Waffensteuerungssystemen definiert. CEC steuert die im Verband bestehenden Systeme

- ACS (AEGIS Combat System),

- Ship Self Defense System,

- Advanced Combat Direction System,

- Naval tactical Data System.

Ebenso erbittert werden konträre Meinungen bezüglich der Rolle des Trägers vertreten: In einer Studie des Rand Institutes,45) eines der führenden militärwissenschaftlichen Think-tanks in den USA, wird ausgeführt: „Ein modern ausgerüsteter und taktisch ausgebildeter CVW kann als punktuelle Eingreifkraft in einem den eingesetzten Kampfflugzeugen entsprechenden Radius jederzeit (außergewöhnliche Wetterbedingungen abgesehen) mit hoher Effizienz und graduell dem (politischen, militärischen) Problem angepasster Reaktion eingesetzt werden. Dies ist mit einfacheren, billigeren waffentechnischen Mitteln (z.B. Drohnen) und anderen unbemannten Kampfmitteln nicht im gleichen Maße möglich. Der Luftschirm könnte eines Tages durch unbemannte Drohnen größerer Reichweite oder aus dem All kommen … aber Projektion aus strategischen Notwendigkeiten bedingt zwingend die Fähigkeiten, Verbände vor Ort zu entsenden, die Interventionsfähigkeit glaubhaft darzustellen (im Sinne von deterrence), und dies an mehreren Brennpunkten oder Krisenherden des Globus gleichzeitig; No current or projected manned or unmanned, sea- or landbased platform provides the capabilities needed in the most severe crises examined.“ 46) Dieser Aussage ist nichts hinzuzufügen.

 

Beurteilung/Schlussfolgerungen

A2/AD stellt aus chinesischer Sicht ein absolut notwendiges operativ-defensives Konzept gegen die Offensivmacht der USN dar. Es behebt allerdings keinesfalls und nicht einmal ansatzweise die derzeitige Unterlegenheit der PLAN bezüglich der eigenen power projection. Das bezieht sich auf die derzeitigen Fähigkeiten der PLAN hinsichtlich der Sicherung der Seewege und einer Projektionskapazität, die im Sinne der angestrebten Rolle auf der globalen Bühne unerlässlich ist.

Zudem muss man sich immer vergegenwärtigen, dass Hardware alleine noch keinen kampfkräftigen, belastbaren Verband ergibt. Der derzeitige Rückstand der PLAN ist derart, dass ein rasches Aufholen oder gar das Herstellen von Augenhöhe mit der USN mittelfristig als höchst unwahrscheinlich beurteilt werden muss. Betrachtet man die Grafik 5, so kann die PLAN derzeit - außer bei den Versorgungsschiffen - in keinem Teilbereich auf die notwendigen Elemente verweisen, die eine Gesamtfunktionalität möglich machen würde.

Die rein waffentechnisch-operativen Möglichkeiten ergeben nun im Vergleich eine nach wie vor global dominante und nicht herausforderbare Position der USN in den nächsten beiden Jahrzehnten. Operative Fähigkeiten haben aber natürlich immer eine Auswirkung auf politisches Handeln. Wenn man - gelegentliche Drohgebärden gegenüber Nachbarstaaten (Taiwan, Japan ) seitens Chinas außer Acht lassend - die chinesisches Außenpolitik der letzten beiden Jahrzehnte betrachtet, kann man zu dem Schluss kommen, dass sich die politische Führung sehr wohl ihrer Schwächen auf dem maritimen theatre im Klaren ist. Nicht vergessen darf man aber auch, dass die USN - weniger als Army und Air Force - zunehmend unter den globalen wirtschaftlichen Schwierigkeiten leiden wird und Budgetkürzungen, Verzögerungen und das Verschieben von Rüstungsprogrammen, ja sogar den Verzicht auf geplante Erneuerungen hinnehmen muss und in Zukunft noch vermehrt hinnehmen wird müssen. China hingegen rüstet ungeachtet innerer Probleme und ebenfalls beginnender wirtschaftlicher Sorgen bezüglich seines Wachstums und seiner Absatzmärkte besonders im Bereich der PLAN weiter auf. Allein die kürzlich veröffentlichte Steigerung der Militärausgaben im kommenden Fiskaljahr um 12,2% (Volkskongress Februar 2014) zeigt dies deutlich auf.


Diese grafische Rekapitulation der unterschiedlichen operativen Ansätze kann durchaus als executive summary der Ausführungen verstanden werden. Noch ist die klare Trennung zwischen aktiver und passiver Konzeption bei der jeweiligen operativen Umsetzung deutlich. Die dafür verantwortlichen Gründe und Strategien können unterschiedlicher nicht sein - derzeit noch. Die Zukunft wird zeigen, wie rasch China aufholen kann, wie es von defensiver zu offensiver maritimer Stärke zu gelangen gedenkt und wie rasch es diesen Eckpfeiler - globalen Machtanspruchs, die Fähigkeit der power projection - aufbauen kann.


ANMERKUNGEN:

1) Alfred Thayer Mahan, 1840-1914. US-Navy Offizier, Historiker, Marinestratege. Hauptwerk: The Influence of Sea Power upon History, 1890.

2) Sir Julian Stafford Corbett, 1854-1922. Britischer Marinehistoriker und Stratege. Hauptwerk: Some Principles in Naval Strategy, 1911.

3) Cyber aus dem Altgriechischen (κυβέρνησις kybérnesis = Steuerung), bedeutet Begriff angewandt „Datenraum“, und die Auseinandersetzungen in diesem Raum (Datensicherheit, hacken Lahmlegen von gegnerischen Computern/Netzwerken durch das Internet als Cyberwar.

4) Ab 1979.

5) 2013: Exporte China - USA: 16,72% v. Gesamtexportvolumen von 2,21 Bio. USD, Importe China aus den USA: 7,8% von Gesamtvolumen 1,772 Bio. USD. China hält derzeit ca. 1,27 Bio. USD amerikanische Schatzschuldverschreibungen. Die USA sind der wichtigste Exportmarkt für China.

6) Der Terminus „string of pearls“ bezieht sich auf ein Netzwerk chinesischer militärischer und handelsmäßiger Stützpunkte und Beziehungen entlang seiner SLOC (sea lines of communication/Seewege), die sich von den Häfen der chinesischen Pazifikküste bis zum Sudan erstrecken. Die Netzwerklinie durchläuft mehrere choke-points (Straßen von Bab-El-Mandeb, Hormus, Malakka und Lombok) sowie bedeutende Küstenstaaten wie Pakistan, Sri-Lanka, Bangladesch, die Malediven und Somalia. Der Begriff wurde als geopolitisches Konzept erstmals in einem internen Bericht (Energy Futures in Asia) des MoD (s. FN 29) erwähnt. China benützt offiziell diese Bezeichnung nicht. Für eine Grafik siehe http://en.wikipedia.org/wiki/File:Collardeperlaschino.png.

7) Als „blue water navy“ werden maritime Kräfte bezeichnet, die auf den Weltmeeren operieren können; Gegensatz dazu: eine primär im Küstennahbereich operierende Marine.

8) „joint“ bedeutet im militärischen Sinn „gemeinsam“, Zusammenarbeit, Interoperabilität von Teilstreitkräften.

9) PLAAF und PLAG: chinesische Luft- und Landstreitkräfte.

10) Im Englischen (und Französischen) wird ein Raum, besonders ein Einsatz- oder Interessensraum größerer Ordnung, als theater/théâtre bezeichnet.

11) Entfernung Schanghai - Los Angeles: 6480,14 Seemeilen oder 10428,49 km.

12) Eine CSG (carrier strike group) ist ein selbstständig operierender Verband um einen nuklearen Träger samt entsprechender Begleit- und Funktionsschiffe. Eine NTG (naval task group) entspricht in etwa einer CSG, ist aber seit der Einführung der JOE2010-Doktrin (Joint Operating Environment 2010) eine CSG erweitert um Marineinfanteriekräfte des USMC (US Marine Corps). Die NTG entspricht der Neuorientierung der USN in Richtung joint.

13) CVW bedeutet carrier vessel wing (air-); CVW ist ein Geschwader trägergestützter Kampf- und Aufklärungsflugzeuge der USN. Üblicherweise vier Angriffsstaffeln, eine U-Boot-Jagdstaffel, zwei Frühwarnstaffeln und eine Anti-U-Boot-Hubschrauberstaffel. Ein Geschwader entspricht bei Landstreitkräften etwa einem Regiment und wird von einem Oberst kommandiert. Die Staffel - squadron - entspricht der Kompanie.

14) CVN: carrier vessel nuclear, nuklear angetriebener Flugzeugträger.

15) ASCM: anti ship cruise missile/Marschflugkörper - SS-N-27 siehe http://www.dtig.org/docs/Klub-Family.pdf.

16) ASBM: anti ship ballistic missile/Anti-Schiffrakete, ballistisch - DF-15. Siehe http://en.wikipedia.org/wiki/DF-15.

17) Sowjetisch/Russische Zerstörerklasse, vier PLAN-Einheiten. Siehe http://en.wikipedia.org/wiki/Sovremenny-class_destroyer.

18) KILO-Klasse: SS (ship submersible) Diesel-Jagd-U-Boote sowjetischer Provenienz. Siehe http://en.wikipedia.org/wiki/Kilo-class_submarine. SONG-Klasse: SS Chinesische dieselelektrische Jagd-U-Boote. Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Song-Klasse.

19) Chinesischer Lizenznachbau der sowjetischen TU-16, eines ursprünglich mittleren Fernbombers; die HS/Version D dient der Marine-Fernaufklärung und als ECM-Leitsystem (ECM electronic counter measures) siehe http://www.militaryfactory.com/aircraft/detail.asp?aircraft_id=769.

20) Suchoi baute mehr als 70 modifizierte Versionen (-MKK) der SU 30 für die PLAAF. Siehe http://en.wikipedia.org/wiki/Sukhoi_Su-30MKK#Electronic_warfare_systems.

21) ASBM DF-21A: mobile ballistische Anti-Schiffrakete, nuklear oder konventioneller Sprengkopf. Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/CSS-5.

22) Kusnezow-Klasse sowjetische Träger/Dampfturbinenantrieb, ca. 5.5000 t, russischerseits als Flugdeckträger bezeichnet, um durch die Dardanellen fahren zu können, da laut Vertrag von Montreux (20.7.1936) die Durchfahrt für Flugzeugträger von der Türkei verboten werden kann … ein Träger in der russischen Marine „Admiral Kusnezow“, die „Varyag“ wie erwähnt an China verkauft. Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Admiral-Kusnezow-Klasse.

23) ACS: Aegis Combat System - s. FN 46.

25) EEC: Exclusive Economic Zone (laut UNCLOS mit wirtschaftlichen Rechten, allerdings nicht die 12 NM-Zone aufhebend).

26) Nach Avery Goldstein, China’s Real and Present Danger, Foreign Affairs, September/October 2013, P.136-144.

27) Loren Thompson, 2012, Can China Sink A US Aircraft-Carrier? http://www.forbes.com/sites/lorenthompson/2012/01/23-can-china-sink-a-u-a-aircraft-carrier/.

28) Die weltweiten, nicht nationaler Oberhoheit (12 Seemeilen-Begrenzung) unterliegenden Gewässer.

29) Quelle: Never fight a land war in Asia, 1.3.2011, stratfor, noreply@strafor.com.

30) UCLASS: Unmanned Carrier-Launched Airborne Surveillance and Strike aircraft; allgemein „Drohne“.

31) RFF: request for force.

32) JOE2010: Joint Operating Environment 2010 siehe http://www.fas.org/man/eprint/joe2010.pdf.

33) R.B. WATTS, 2009, Memo to Navy Leaders still hanging on the coattails of Alfred Thayer Mahan’s century-old world view; Wake Up! The End of Sea Power, Naval Institute Proceedings.

34) Nikolaus Scholik, 2011: Zur geopolitischen-geostrategischen Bedeutung von Seewegen: Die Straßen von Hormuz, Malakka und die Nordwestpassage, Dissertation, Universität Wien.

35) SSBN: ship submersible ballistic nuclear.

36) ICBM: inter-continental ballistic missile.

37) MRV: multiple reentry vehicle; Mehrfach-Atomsprengkopf auf einer Trägerrakete. MIRV: multiple independently targetable reentry vehicle; unabhängige Ziele ansteuernde Mehrfach-Atomsprengköpfe auf einer Trägerrakete.

38) Von den fünf Staaten (Großbritannien, USA, China, Russland und Frankreich) ist alleine Großbritannien „abhängig“: die Trident-ICBM der britischen SSBN ist amerikanischer Provenienz.

39) SSK: ship submersible conventional.

40) SSN: ship submersible nuclear; atomgetriebenes Jagd-U-Boot.

41) AIP: air independent propulsion, luftunabhängiger Antrieb.

42) Das ACS (Aegis Combat System) ist ein elektronisch gesteuertes Waffensystem für den gleichzeitigen Kampf unter (ASW - Anti-Submarine-Warfare), auf (ASuW - Anti-Surface-Warfare) und über dem Wasser (AAW - Anti-Air-Warfare), plus strike-Kapazität der USN.

43) Bei einer im Jahr 2001 durchgeführten Übung (JTFEX 01.2) gelang es einem deutschen U-Boot (U-24) mit Brennstoffzellen-Antrieb (Wasserstoff und flüssiger Sauerstoff), sich unbemerkt einem US-Träger anzunähern (bis auf Einsatzweite der Torpedos). Siehe: http://www.welt.de/regionales/hamburg/article113454357/.

44) ESSM Code für die RIM-162 Evolved SeaSparrow Missile, eine Boden-Luft-Rakete mittlerer Reichweite zur Bekämpfung von ASM (Anti Ship Missiles) und Flugzeugen. ECM (Electronic Counter Measures) und ECCM (Electronic Counter Counter Measures) sind Teile der elektronischen Kampfführung (ELoKa) und haben das Stören gegnerischer Waffensensoren zum Ziel. Der Einsatzbereich umfasst den Kampf über und unter Wasser (Flugzeuge/U-Boote).

45) RAND, National Defense and Research Institute, 2006, Leveraging Americas Aircraft Carrier Capabilities, Santa Monica, CA., http://www.rand.org/.

46) Scholik, Dissertation 2011, a.a.O.