Globale Strategie: Die Geopolitik der USA

Von der Western Reserve über den Panama-Kanal zur Gegenküste, NATO, Combatant Commands und Energiepolitik (Teil 1)

Friedrich W. Korkisch

 

Geopolitik behandelt die Nutzung gegebener geographischer Vorteile zur Stärkung machtpolitischer Positionen. Das umfasst auch Außenpolitik und Diplomatie, Wirtschaft, Land-, See- und Luftmacht, die Suche und Nutzung von Verbündeten, im Fall der USA auch die Fixierung des National Interest. In Bezug zu den USA sind die Begriffe American Century, Pax Americana, American Primacy, American Empire, United States Dominance, Hegemonial Politics, Unilateralist Empire oder Global Strategy, ohne den „blessings of geography“ bzw. ohne geopolitische Fundamente nicht denkbar. Bei den USA lassen sich zudem „Geo-Konzepte“ deutlicher nachvollziehen als bei anderen Mächten, weil hier eine vermehrte Transparenz bei den Diskussionen über Ziele und Absichten besteht und die politische und strategische Umsetzung ebenso erkennbar ist, wie allfälliges Nichtumsetzen. Am Ende des 20. Jahrhunderts ist zwar die amerikanische Geopolitik in Bewegung geraten und es ist unklar wie lange die weltweit eingetretenen Instabilitäten andauern werden, aber die USA erlebten immer wieder Krisen, aus denen sie verstärkt hervorgingen. Geopolitik ist immer Geographie-bezogene Makropolitik. Damit ist klar, dass kleine Staaten keine Geopolitik haben können. Sie sind vielmehr Teil der Geopolitik großer Mächte, ihre Politik und Strategie hängt zumeist vom Wohlwollen anderer ab. Politikwissenschaftlich und International Relations-typisch betrachtet, sind Geopolitik und ihre Sub-Geo-Bereiche im Rahmen der nach 1945 entstandenen Einteilungskriterien Realist Politics (Realism, Realist School) und Idealist Politics (Idealism, Idealist School, Liberalist School) und allen Mischformen, dem Realist-Bereich zuzuordnen, nur die Weltmodelle und Weltregierungs- (One World Government)-Ideen sind utopisch, und daher der Idealist School nahe. John J. Mearsheimer sieht daher einen Gegensatz zwischen Liberalism und Realism, sieht den Beginn dieser Trennung in diese gegensätzlichen Bereiche in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, bezweifelt aber den Sinn solcher strikter Einteilungen. Andererseits bejaht Michael C. Desch diese Einteilung und zeigt dies an der zwischen diesen Schulen schwankenden Außenpolitik der USA auf. Man übersieht oft, dass das prä-koloniale Amerika christlich-fundamentalistische Züge hatte, die zu sozialem und politischem Dissens führten. Die intoleranten Puritaner waren zwar gegen die Krone aufsässig, sahen Amerika dennoch als vorgeschobenen Teil Englands - und kaum als „Paradies“. Aber im historischen Rückblick wurde dem ein verklärter „höheren Auftrag“ zugeordnet. Geostrategisch-historisch, kann man die Entwicklung der amerikanischen Strategien in die Phase der Western Hemisphere- und kontinentalen Vorfeldverteidigung, der Ozeanischen Ära im 20. Jahrhundert, und in die Transozeanische (bzw. globalen) Ära etwa ab 1944/45 einteilen; letztere ist durch amerikanische Präsenz auf allen Weltmeeren und durch Stützpunkte in aller Welt gekennzeichnet. Es ist eine De-facto-Ausdehnung der Monroe Doctrine auf große Teile der Welt und kennzeichnet den Sieg der Seemacht USA über die eurasischen Landmächte.