Version: 2
restore

August Neidhardt von Gneisenau

Militärreformer, Feldherr und politisch denkender Soldat (27. Oktober 1760 - 23. August 1831)

Ulrich C. Kleyser

 

Vorbemerkung: Vor dieser Leserschaft glaubt der Verfasser auf eine ausführliche Lebensbeschreibung und detaillierte Schlachtendarstellungen verzichten zu können. Dafür konzentriert er sich im Sinne Plutarchs exemplarisch auf eine Charakterstudie und unternimmt den Versuch darzustellen, inwieweit sich die von Clausewitz in seinem Werk „Vom Kriege“ formulierten Vorstellungen über einen Feldherrn auf Gneisenau „ad hominem“ 1) beziehen können.2)

 

„Nicht die Gewalt der Arme, noch die Tüchtigkeit der Waffen, sondern die Kraft des Gemüthes ist es, welche Siege erkämpft“, so Johann Gottlieb Fichte im Jahre 1813.

Wenn in einer Ableitung aus der “wunderlichen Dreifaltigkeit“ von Clausewitz3) zu einem großen Feldherrn die Verbindung aus politischer Zweckrationalität, emotionaler Empfindsamkeit und freier schöpferischer Seelentätigkeit gehört, dann schrumpft bei kritischer Betrachtung die Zahl bedeutender Heerführer und Soldaten der deutschen Geschichte auf eine kleine Gruppe. Aus der Sicht des Verfassers zählen hierzu Wallenstein, Prinz Eugen, in gewisser Hinsicht Scharnhorst, Gneisenau, der ältere Moltke mit Einschränkung, Ludwig Beck und Klaus Naumann. Insbesondere bei Gneisenau wird das ständige innere Ringen um die Vorherrschaft eines der drei angesprochenen Pole deutlich und manifestiert sich in dem schwierigen, aber letztlich erfolgreichen Austarieren (In-der-Schwebe-Halten) dieser Geistes-, Selen- und Charaktergaben.

Sucht man nach der „Seelenachse“4) deutscher militärischer, strategisch bis operativ-taktischer, führungsmäßiger, struktureller oder, um einen modernen Begriff zu gebrauchen, sicherheitspolitischer historischer Entwicklungen, führt kein Weg an den preußisch-deutschen Reformern von 1806 - und teilweise auch schon davor - bis 1815 vorbei. Geographisch verortet stehen militärisch gesehen hierbei Burg mit Clausewitz (1780-1831), Bordenau mit Scharnhorst (1755-1813) und Sommerschenburg mit Gneisenau im Mittelpunkt.

Deutsch, weil diese wie Stein (1757-1831), Hardenberg (1770-1822), Cölln (1766-1820) oder andere keine geborenen Preußen waren und damit über Preußen hinausdenken konnten; Preußisch, weil sie sich selbst einbanden in Pflichtgefühl und Verantwortung sowie sich in den Dienst eines Staates um seiner selbst willen und ohne Eigennutz stellten, wenn auch zuweilen mit brennendem und meist ungestilltem Ehrgeiz.

Unter den angesprochenen Reformern mit Stein, wohl auch Hardenberg, dazu insbesondere Humboldt (1767-1835), Fichte (1762-1814) und dem Rheinländer Görres (1776-1848), dessen 1814 gegründeter „Rheinischer Merkur“ von Napoleon als die „fünfte feindliche Großmacht“ bezeichnet wurde, sowie militärisch Boyen (1771-1848), Grolman (1777-1843) oder Graf Götzen (1767-1820) ragt ein Gneisenau nicht nur durch seine äußere Erscheinung hervor. Wie Stein erkannte v.a. Gneisenau in einer gleichsam „prästabilierten Harmonie“,5) dass sich die Grundsätze militärischer, auch innerer Führung, die Struktur und Organisation sowie die Ausbildung der Armee nur dann verändern ließen, wenn die Heeresverfassung selbst und diese nur im Zusammenhang mit politischen und gesellschaftspolitischen Erneuerungen reformiert würde. Diese zwar an einem Ziel orientierte, aber ohne verbindliche Weisungen in zwei getrennten Reorganisationskommissionen erfolgte Zusammenarbeit nach 1807 muss als eine der großen Leistungen der Reformer herausgestellt werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn diese Reformen dem französischen Besatzer gegenüber verschleiert werden mussten und sich in der Ausgestaltung zusätzlich in der Zwickmühle eines zögerlichen Königs und einer altpreußischen, rückwärtsgerichteten Adelsopposition bewegten.

Mehr als andere besaß Gneisenau ein umfassendes Verständnis für Militär, Gesellschaft und Kultur und damit auch für Politik allgemein. Die Grundlagen hierfür stammen aus dem bürgerlichen Umfeld seines Großvaters Michael Anton Müller in Würzburg - im Übrigen einer der Nachfolger Balthasar Neumanns (1687-1753) -, dem freien Studentenleben in Erfurt oder den kläglichen soldatischen Erfahrungen im Dienst der Reichstruppen. Weitere Impulse erhielt er aus der Beobachtung (1782/83) des unkonventionell geführten Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, die ihn zu einer vom Markgrafen von Ansbach als neuerungssüchtig bezeichneten Denkschrift6) über Tirailleurtaktik7) veranlasst. Die folgenden 20 Jahre verbringt er mit einem disziplinierten Selbststudium in der Langeweile des eintönigen Gamaschendienstes und der intellektuellen Mittelmäßigkeit einer abgelegenen schlesischen Provinzgarnison wie Jauer.8) Die an Vignys „Glanz und Elend des Militärs“9) erinnernde und bis 1806 entsagungsvolle und nicht auf Karriere zu hoffende Kapitänsstelle des „Hauptmanns von Kapernaum“, wie Kameraden ihn spöttisch nannten, gibt diesem Studium eine besondere Note. Menschlichen Halt gab ihm in diesen Jahren v.a. seine Familie.10) Insgesamt gelingt es Gneisenau, sich ein „universales Wissen“11) anzueignen, welches er gelegentlich auch in eigene Poesie12) umsetzt, um sich v.a. seine menschliche Wärme zu erhalten.13) Diese persönliche, zumeist autodidaktische Bildungsbeflissenheit kennzeichnet darüber hinaus alle militärischen Reformer, gilt analog aber auch für die gegnerische Seite wie bei Carnot (1753-1823) oder Napoleon (1769-1821). Dies widerlegt die häufige Zuweisung eines bildungsfernen Offizierskorps und ist besonders herauszustellen unter der Tatsache, „dass um 1800 kaum zweieinhalb bis fünf Prozent der Gesamtbevölkerung dem Bildungsbürgertum zuzurechnen waren“.14)

Schon früh, angeregt durch Gedanken der Französischen Revolution aber auch durch die freiheitliche Selbstständigkeit der amerikanischen Soldaten, beschäftigte sich Gneisenau mit pädagogischen Fragen. Eine Denkschrift von 1803,15) noch anonym verfasst, die mit kritischem Blick auf das preußische Bildungssystem die Methoden des Schweizers Pestalozzi (1746-1827) empfahl, kann als erste politische Aussage gelten. Wenn auch noch weitgehend utilitaristisch zur Steigerung der Leistungsfähigkeit des Einzelnen innerhalb der bestehenden Gesellschaftsverfassung gesehen, lassen sich jedoch hier schon spätere Überlegungen zur „Nationalerziehung“ im Sinne einer „Veredelung des Menschengeschlechts“ in ihrer emanzipatorischen Funktion ablesen. Gneisenau überwindet hier beginnend den humanistischen Ansatz der Aufklärung und gelangt zu einem ausgeprägten Individualismus als Folge der Emanzipation in den Auswirkungen der Französischen Revolution. Dieser Entwicklung entspricht ein Aufsatz aus dem August 1807, in dem er schreibt: „Die Revolution hat alle Kräfte geweckt, und jeder Kraft einen ihr angemessenen Wirkungskreis gegeben. Dadurch kamen an die Spitzen der Armee Helden, an die ersten Stellen der Verwaltung Staatsmänner, und endlich an die Spitze eines großen Volkes der größte Mensch aus seiner Mitte“, eine Aussage, die fast Clausewitz` Idee der oben angesprochenen „wunderlichen Dreifaltigkeit“ vorwegnimmt, um dann weiter zu folgern: „Die neue Zeit braucht mehr als alte Namen, Titel und Pergamente, sie braucht frische Tat und Kraft“.16) Dies ist in der Tat nicht nur ein neuer, sondern auch ein eminent politischer und fast revolutionärer Ansatz.

Der Ausgangspunkt zu dieser Revision seiner gesellschaftspolitischen Vorstellungen, die dann eng mit dem militärischen Bereich verbunden werden, lässt sich an der Erfahrung aus der erfolgreichen Verteidigung Kolbergs im Sommer 1807 festmachen.17) Eine „aktive“ Verteidigung, der im Übrigen ein intensives Studium französischer Grundsätze über Fortifikation und des Festungskriegs zugrunde lag18) und zusätzlich die Unterstützung des damals „regelwidrigen“ Kleinkrieges des Schill’schen Freikorps19) kann dies belegen. Letzterer, Schills Kleinkrieg, ermöglichte Erkenntnisse über die Durchführung eines Volkskrieges, die sich in einer politischen Denkschrift als „Plan zur Vorbereitung eines Volksaufstandes“ vom 8. August 1811 niederschlagen - die vom König als „Poesie“ abgetan wird, worauf Gneisenau würdevoll und staatsmännisch antwortet: „Religion, Gebet, Liebe zum Regenten, zum Vaterland, zur Tugend sind nichts anderes als Poesie, keine Herzenserhebung ohne sie. Wer nur nach kalter Berechnung seine Handlungen regelt, wird ein starrer Egoist. Auf Poesie ist die Sicherheit der Throne gegründet. Wie so mancher von uns, der mit Bekümmernis auf den wankenden Thron blickt, würde eine ruhige, glückliche Lage in stiller Abgeschiedenheit finden können, wenn er statt zu fühlen nur berechnen wollte. Jeder Herrscher ist ihm dann gleichgültig. Aber die Bande der Geburt, der Zuneigung oder der Dankbarkeit fesseln ihn an seinen alten Herrn;…mit ihm will er leben und fallen; für ihn entsagt er den Familienfreuden; für ihn gibt er Leben und Gut einer ungewissen Zukunft preis. Dies ist Poesie, und zwar von der edelsten Art; an ihr will ich mich aufrichten mein Leben lang.“20)

Die tägliche enge und von gegenseitigem Vertrauen getragene Zusammenarbeit zwischen dem für ihre Stadt Kolberg verantwortungsbereiten und damit in der Verteidigung auch aktiven Bürgertum und dem sozial fremden Militär - wenn auch nicht immer reibungsfrei - legte die praktische Grundlage für weitere zukunftsweisende Überlegungen, die sich mit Scharnhorsts Vorstellungen decken sollten. Gleichzeitig machte diese Verteidigung Gneisenau nicht nur volkstümlich bekannt und berühmt, sondern begründete seine Berufung in die Militär-Reorganisationskommission21) und 1808 in die „Immediat-Kommission zur Untersuchung der Kapitulationen und sonstiger Ereignisse des letzten Krieges“.

Für den Soldaten und politischen Kopf Gneisenau können sechs Wegmarken besonders herausgehoben werden, die diese Symbiose von Staatsmann und Feldherrn sinnbildlich untermauern. Neben Kolberg ist dies sein Aufsatz über „die Freiheit der Rücken“, der strategische Operationsplan für die später Völkerschlacht genannte Schlacht von Leipzig, der stete Drang in der Zusammenfassung der Kräfte zur Eroberung der Hauptstadt des Feindes, Paris, die Entscheidung, nach der verlorenen Schlacht von Ligny zurückzuschwenken, um sich mit Wellington zu vereinigen, und schließlich die in der Tat eines nach vorn denkenden Feldherrn würdige persönliche und rastlose Verfolgung Napoleons und der Reste seiner geschlagenen Armee bis zu deren vollständiger Auflösung und seiner eigenen Erschöpfung. Gneisenau verkörpert geradezu in diesen Wegmarken den Staatsmann und Feldherrn, der den Krieg „richtig erkennt“ und durch seinen „großartigsten, entschiedensten Akt des Urteils“ diesen in dem von Clausewitz dargestellten „allgemeinen Prinzip des Sieges“ sogar zweimal beendet.22)

Kolberg lehrte ihn, neben der Möglichkeit der Ausführung eines selbstständigen und eigenverantwortlichen Kommandos die Fähigkeiten eines freien Bürgers in Eigeninitiative und Pflichtgefühl für die Gemeinschaft zu nutzen und weiter zu entwickeln. Die Aufhebung oder zumindest der Abbau des herkömmlichen starren Anciennitätsprinzips oder allein von Leistung abhängige Kommandobesetzungen haben hier ihren Ursprung. In dieser nicht mehr arbeitsteiligen Zusammenarbeit von Zivil und Militär entwickeln sich eine Neubewertung des soldatischen Dienstes überhaupt und Grundlagen für die spätere Heeresreform, die Adel, Bürgertum und Volk in einer allgemeinen Volksbewaffnung in Verbindung mit vorbereitender Schulausbildung vereinen soll.

Ein erster Ausdruck dieser Neubewertung ist Gneisenaus Aufsatz über die „Freiheit der Rücken“,23) „die warlich einer aufgeklärten Nation nicht unwürdig ist“ und abschließt mit der Voraussetzung für die „Verallgemeinerung der Waffenpflichtigkeit“: „Jede Nation muß sich selbst ehren und keine Einrichtungen dulden, die sie in den Augen anderer Völker herabsetzt“. In anderen Verbesserungsvorschlägen fordert er vom Offizier ehrenhaftes Betragen - auch außerhalb des Dienstes -, Sittlichkeit und Freiheit im allgemeinen Umgang, ehrenvolle, wenn auch strenge Behandlung aller im Sinne von gleichen Pflichten und gleichen Rechten der gesamten Volksklassen. Mit dem Ziel, den Menschen „frei, edel und selbständig zu machen, als den, der sich fühlt, auch ein Teil des Ganzen zu sein und für sich selbst eine Würde zu haben“, schreibt er an anderer Stelle.24) Auch hier eine grundsätzliche politische Aussage. Das Herz der „Inneren Führung“, die Achtung und der Respekt vor der Würde des Untergebenen, waren geboren. Aber aus dem Zeitverständnis heraus ist es auch nachvollziehbar, dass diese für den Spätabsolutismus revolutionierende Forderung des Wechsels vom Untertan zum Staatsbürger Gneisenau bei der konservativen Opposition in die Nähe zum „Jakobinertum“ rücken musste. Auch in diesen Zusammenhang ist die von Scharnhorst begründete und von Clausewitz und Gneisenau vervollständigte sowie von Stein unterstützte und oben schon angesprochene Idee eines Volkskrieges einzuordnen. Eines Volkskrieges, der allerdings so nicht stattfand, obgleich Landwehr und insbesondere der Landsturm dieser Idee folgten. V.a. Gneisenau prägte, auch in Auswertung der Volksaufstände in Spanien und Tirol, diese für damalige Verhältnisse revolutionären wie gleichermaßen radikalen Vorstellungen, doch keine dieser Formationen gelangte zu der Bedeutung, die Gneisenau ihnen zugemessen hatte. Schwächen in Ausrüstung wie Ausbildung, Mängel in der Disziplin sowie logistische Probleme hatten ihren Anteil daran.25) Dennoch kommt es nicht von ungefähr, dass Liebknecht und Bebel in den parlamentarischen Diskussionen um die Heeresreform Ende der 1860er-Jahre gerade die Ideen von Gneisenau über Volksbewaffnung und Landwehr zur Sicherung der inneren politischen Freiheit -„ein bewaffnetes Volk ist ein freies Volk“ - wieder beleben wollen.26)

Der konzentrische Angriff gegen die Armee Napoleons vor und bei Leipzig („Völkerschlacht“ vom 16.-19.10.1813) war weitgehend Gneisenaus in Trachenberg skizzierter Plan,27) und dies ist umso bemerkenswerter, da er sich sowohl gegen den unzuverlässigen schwedischen Kronprinzen Bernadotte28) als Führer der Nordarmee, wie auch gegen den zögerlichen Fürsten Schwarzenberg,29) den Führer der Hauptarmee und nominellen Oberbefehlshaber, durchsetzen musste. Voraussetzung für die Umsetzung war die volle operative Freiheit, die er sich für die Schlesische Armee herausnahm und indirekt auf die abgestellten beiden preußischen Korps übertrug. Hierbei, wie vorher und auch später, zeigte sich das rückhaltlose Vertrauen Blüchers in seinen Generalstabschef, seinen Kopf, wie eine Anekdote dieses Verhältnis bezeichnend schildert.30) Dies gilt insbesondere für die Billigung der beiden erfolgreichen, jedoch auch äußerst verlustreichen Schlachten an der Katzbach (25.8.) und am Elbübergang bei Wartenburg (3.-5.10.), die Napoleon auf Leipzig zurückwarfen und gleichzeitig den Anmarsch der verbündeten Armeen erzwangen. Zusätzlich ist der Einfluss der schon erwähnten Generalstabsoffiziere Boyen und Grolman bei den jeweils abgestellten Korps Bülow (1755-1816) zur Nordarmee und Kleist (1762-1823) zur Hauptarmee nicht zu unterschätzen, beweist dieser darüber hinaus auch das für den Kriegserfolg so wesentliche einheitliche Verständnis - auch ohne ständige Kommunikation und Abstimmung - von politischem Zweck und militärischem Ziel und des daraus abgeleiteten Auftrags. Und sich selbst ordnet er die undankbare Aufgabe zu, den schwierigen Yorck mit dessen Chef Rauch im eigenen Kommando zu behalten. Die Scharnhorst’schen Generalstabsvorstellungen zeigten somit die ersten Erfolge. Mit den von Clausewitz für 1813 dargestellten „Wechselwirkungen“31) aus Angriff, Ausweichen und Defensive gelang es Gneisenau, Napoleon seinen ursprünglichen Vorteil des Kampfes aus der „inneren Linie“ an der Elbe zu entwinden. Leipzig hätte damit schon das Ende Napoleons bedeuten können und müssen und wäre damit auch eine politische Entscheidung geworden, wenn nicht Schwarzenberg eine dann auch von Napoleon konsequent genutzte Fluchtmöglichkeit nach Westen offen gelassen hätte32) und auch Yorck die befohlene Verfolgung - wieder einmal - nicht verfehlt hätte.33) Die kritischen Bemerkungen Clausewitz’ über die unterschiedlichen politischen Interessen in Koalitionskriegen - man denke an die heutigen „caveats“ innerhalb der NATO - mögen hier ihren Ursprung haben.34)

In der Folge ersuchen um den Jahreswechsel 1813/14 Blücher und Gneisenau in Denkschriften und Briefen vergeblich um die Entscheidung, die alliierten Kräfte zusammenzuhalten, die geschlagene französische Armee in einer offensiven Verfolgung zu vernichten, um die politischen Früchte der Siege nicht zu verlieren und zügig nach Frankreich hinein vorzustoßen35) und Paris einzunehmen, dessen späte Realität Gneisenau bissig als „Völkerwanderung nach Paris“ bezeichnet.36) „Besser ist, den Frieden zu gebieten, als darum zu verhandeln“ und wiederum ausgesprochen politisch: „Strategie ist die Wissenschaft des Gebrauchs von Raum und Zeit…Raum mögen wir wiedergewinnen; verlorene Zeit nie wieder. Daher zur Schlacht, ehe sich der Feind besinnt. Sie wird weder blutig noch gefährlich sein“.37) Clausewitz schreibt später hierzu: „Die Gegengewichte, durch welche die Elementarkraft des Krieges und also der Angriff insbesondere geschwächt werden, liegen dem größeren Teile nach in den politischen Verhältnissen und den Absichten des Staates“.38)

Gneisenau erweist sich auch hier als nicht nur gelehriger, sondern auch seinen Lehrer Napoleon überflügelnden Schüler, wie er es selbst 1830 in einem Brief ausgedrückt hat: „Napoleon war mein großer Lehrer - in Krieg und Politik“.39)

1815 wird Gneisenau vom Generalstabschef endgültig zum Feldherrn. Nach der Rückkehr Napoleons von der Insel Elba am 1. März 1815 und seinem grandiosen Zustimmungszug durch Frankreich stehen vorerst nur verstärkte britische und schwache preußische Truppen grenznah zur Verfügung. Wieder sind Blücher und Gneisenau die Seelen der Offensive und glauben, auf die Verstärkungen durch Russland und Habsburg verzichten zu können. Doch Gneisenau, nicht Blücher, erhält mit dem Brief Hardenbergs vom 29. März 1815 die politische Weisung mit großem Freiraum: „Er [Wellington] bringt Ihnen einen kleinen Brief von mir und eine Ordre vom König mit, womöge welcher Sie angewiesen werden, sich mit ihm zu konnektieren und den Umständen nach zu handeln“.40) Bei Ligny werden die Preußen am 16. Juni schwer geschlagen und Blücher fällt aus. Noch auf dem Schlachtfeld übernimmt Gneisenau das Kommando und entscheidet - „auf moralischer Größe beruhend“41) - gegen den Rat seiner Truppenkommandeure, nicht nach Osten auszuweichen, sondern unter Belassung eines Deckungskorps (Thielmann) nach Norden Richtung Wavre umzuschwenken, offene Verbindungslinien dabei in Kauf nehmend, um das vorgesehene Zusammenwirken mit Wellington sicherzustellen.42) Eine in der Tat nicht nur risikoreiche strategische, sondern auch geniale Entscheidung eines „retour-offensif“ aus der Niederlage heraus im Vertrauen auch auf die moralische Stärke der eigenen Truppe. Mit der Analyse einer grundlegend veränderten Lage wird durch den „Takt des Urteils“ und die daraus folgende Entscheidung tatsächliche Führung. Durch sein Handeln, nach Wellingtons Aussage „der entscheidende Augenblick des Jahrhunderts“,43) verändert er entscheidend ein Gleichgewicht der Kräfte und verhindert einen nochmals möglichen Sieg Napoleons. Und nur durch diesen den Krieg entscheidenden Entschluss konnte er das Wellington gegebene Unterstützungsversprechen halten und diesen zur Annahme der durch Napoleon aufgezwungenen Schlacht von Waterloo bewegen. Das tatsächlich noch rechtzeitige Eingreifen der preußischen Truppen in die tiefe Flanke der Franzosen wendete die Schlacht zum entscheidenden Sieg. Auch hier bewährte sich Gneisenau als Truppenführer, wenn er einerseits eine Unterstützung des von Grouchy (1766-1847) angegriffenen und bedrängten Korps Thielmann, mit Clausewitz als dessen Chef des Stabes, mit den Worten ablehnt: „Die Entscheidung liegt vor uns, nicht hinter uns“, andererseits persönlich die preußischen Truppen auf die Gehöftegruppe Belle-Alliance ansetzt. „Selten ist solch ein vollkommener Sieg erfochten worden, und beispiellos gewiß ist es, daß eine Armee den zweiten Tag nach einer verlorenen Schlacht einen solchen Kampf unternommen und so glänzend bestanden hat. Ehre dem Heere, in welchem solche Standhaftigkeit und so frommer Mut sich dartun“.44)

Ohne sich vom eigenen Erfolg blenden zu lassen, eingedenk der Erfahrungen des letzten Krieges von 1813, in dem Befehle zur Verfolgung wie bei Katzbach oder Leipzig allein nicht auszureichen schienen, rafft Gneisenau aus eigenem Entschluss Kavallerie- und Infanterieteile sowie einige Geschütze zusammen und setzt sich mit einem Tambour zu Pferde45) an die Spitze dieser eher zufallsgemischten und ebenfalls erschöpften Kampfgruppe.46) Niemals wieder wurde der Clausewitz’sche Gedanke der Verfolgung als „zweiter Akt des Sieges“ so beharrlich, so konsequent und so unerbittlich umgesetzt.47) Sieben Mal scheucht Gneisenau in der Nacht den flüchtenden Feind aus Biwaks auf - „bis zum letzten Hauch von Roß und Mann“.48) Nach der Erbeutung der Kalesche Napoleons und über 30 km nach Westen vorgestoßen muss auch diese Truppe im Morgengrauen des 19. Juni der Erschöpfung nachgeben. Aber die Reste der besiegten Armee sind in regelloser Flucht, wodurch der weitgehend gefechtsfreie Marsch auf Paris (elf Märsche von durchschnittlich 25 km) bis zum 29. Juni überhaupt erst möglich wurde. Obwohl Napoleon inzwischen am 22. Juni abgedankt hat, scheint Paris sich im Osten verteidigen zu wollen.49) Auf Vorschlag Gneisenaus, wiederum gegen Warnungen der Truppenkommandeure, unternimmt die preußische Armee eine nördliche Flankenbewegung um Paris herum in Richtung Versailles50) und legt sich zwischen die noch intakte französische Loire-Armee und Paris. Mit dieser Umgehung und der Blockierung der Hauptstadt von Westen her nimmt Gneisenau den späteren Schlieffenplan vorweg, um „sein“ Cannae zu verwirklichen. Gneisenau erkennt damit nicht nur den Kulminationspunkt der Schlacht bei Waterloo, sondern bestimmt selbst für die französische Armee deren strategischen Scheitelpunkt für die endgültige Niederlage.

Am 3. Juli kapituliert Paris, und jetzt - endlich - marschieren preußische Truppen unter dem von Gneisenau mit politischem Instinkt formulierten Tagesbefehl „Sämtliche Franzosen sind mit Ernst und Kälte zu behandeln, aber jede mutwillige Beleidigung von unserer Seite soll streng bestraft werden. Ich erwarte, daß die Armee sich nicht durch Übermut entehre, sondern sich auch als Sieger menschlich und bescheiden betragen werde“51) in der Hauptstadt ein.

Der von Gneisenau vorgelebte, oftmals gepriesene, der französischen Revolutionsarmee abgesehene und mit den Ideen von Volksaufstand und Volkskrieg immer wieder verbundene „herrliche, ja heilige Enthousiasmus“,52) verwoben mit selbstständigem Patriotismus,53) hatte augenscheinlich gesiegt. Gneisenau selbst, der große Gegenspieler, hatte Napoleon auf dessen eigenem Feld, dem Landkrieg, bezwungen. Sein ebenfalls bedeutender späterer Nachfolger Moltke (1800-1891) attestierte ihm eine größere Leistung als die eigene, da er ein „Heer aus der Niederlage zum Sieg geführt“ habe, und Schlieffen (1833-1913) nannte ihn kurz den eigentlichen „Überwinder Napoleons“.54) Doch Gneisenaus politische Forderung, aus diesem militärischen Sieg in einer Schlacht, „schön wie keine, entscheidend wie keine, der Feind vernichtet wie nie ein Feind“,55) auch politisches Kapital in den folgenden Friedensverhandlungen zu schlagen, wurde von Friedrich Wilhelm II. und Hardenberg nicht erfüllt.

Dennoch, trotz einiger äußerlichen Ehrungen,56) blieb eine besondere Hervorhebung, insbesondere ein eigenes Kommando, aus. Zwar wurde Gneisenau noch 1815 der erste Kommandierende des neuen „Rheinischen Generalkommandos“ für die Rheinprovinzen in Koblenz, doch die Aufgabe war nur von kurzer Dauer. Die Vorboten der Restauration sprengten schon 1816 den liberalen Zirkel um Gneisenau mit Clausewitz, Görres oder Schenckendorf (1783-1817), in Berlin als „Wallensteins Lager am Rhein“57) verschrien. Der grollenden Bitte um Ablösung aus gesundheitlichen Gründen folgten eine vorzeitige Abberufung und die gar nicht erbetene Zur-Ruhesetzung. Denunziation, Überwachung, Zensur, ja Brieföffnung und gehässige Gerüchte einer Verbindung zum Tugendbund zermürbten ihn in einem „als gesetzlich gemachten Argwohn“.58) Gneisenau war „tief verdrossen durch die Umtriebe derer, die bei der Heeresreform der ‚freien Entwicklung der Talente und Kräfte´ im Wege waren“, resümiert Graf Schlieffen 190659) mit dieser Bemerkung, die auch von Clausewitz hätte stammen können. Diese Resignation wurde zusätzlich durch die Ablehnung seiner territorialen Friedensvorstellungen und seiner Forderung nach einer eigenen Verfassung für die preußischen Rheinlande - vom König im März 1814 zwangsweise als Folge der Rückkehr Napoleons gegebene Versprechen einer landständischen Verfassung für die Rheinlande und Preußen, aber dann nicht eingehalten - gestützt. Gneisenau erkannte hellsichtig diese politischen Fehler, Fehler, die schließlich über die preußische Restauration zu 1848 führten oder sich 1871 für Elsass-Lothringen mit tragischen Folgen für das Reich wiederholen sollten. Es ist symptomatisch für die Situation der Reformer, dass fast gleichzeitig auch Hardenberg, Humboldt, Boyen oder Grolmann ihre Ämter aufgaben oder deren verlustig gingen.

Nach Jahren weitgehender Muße wird Gneisenau infolge des polnischen Aufstandes von 1830 nochmals geholt - als Kommandierender General übernimmt er am 6. März 1831 die preußische „Observationsarmee“ mit vier Armeekorps, eine eher politische als militärische Aufgabe. Wieder wird Clausewitz sein Chef des Stabes. Ohne nennenswerte Ereignisse außer der von Berlin nur ungern gesehenen Bildung eines „Cordon sanitaire“ gegen die im russischen Lager ausgebrochene Cholera stirbt Gneisenau am 23. August 1831 in Posen an dieser Epidemie. Clausewitz wird ihm, nach dem kurzen Kommando unter dem ungeliebten, aber immerhin korrekten General von dem Knesebeck, nun wieder als Artillerie-Inspekteur in Breslau am 16. November folgen.60)

Es liegt eine gewisse Tragik darin, dass auch Gneisenau erkennen musste, das das vermeintliche kriegerische deutsche Urerlebnis - neben dem Dreißigjährigen Krieg - und damit der Volkskrieg letztlich ein Mythos - wenn auch ein dann durch das 19. und 20. Jahrhundert gepflegter war. Gneisenau gehörte zu einer eben doch kleinen bildungselitären Gruppe mit auch nur zeitweiliger und nicht einmal unbegrenzter Macht. Seine zugegeben romantisch wie revolutionär geprägte Staatsicht von Preußen als einem „Muster eines Staates… dreifach glänzend durch das, wodurch allein Völker sich hervortun können, nämlich Kriegsruhm, Verfassung und Gesetze, verbunden mit der Pflege von Kunst und Wissenschaften“,61) geht weit über Vorstellungen auch von Clausewitz hinaus. Die wenigen Jahre zwischen 1807 und 1813 bis 1815 haben jedoch nicht ausgereicht, diese visionäre Volks- und v.a. Bürgerbeteiligung62) zu erreichen, geschweige denn zu festigen. Nur so ist neben einem tiefen Loyalitätsverständnis als Relikt des vorhergegangenen Jahrhunderts die weitgehend ohne Opposition verlaufende Restauration erklärlich.63) Neben dem diese beherrschenden Metternich, seinem publizistischen Sprachrohr Gentz, den Ereignissen der Wartburg und der Ermordung Kotzebues gelten hierfür in Preußen insbesondere die Namen Ancillon und Wittgenstein, Bernstorff und Lottum, v.a. aber unter den Soldaten Rüchel, Müffling, Hake oder Knesebeck, ja selbst ein Yorck.64) Die Restauration, welch Widerspruch zu Gneisenau mit der neuen Anrede in der 3. Person,65) wurde von diesem intuitiv als deutsche Tragödie erkannt, gegen die nur eine - und sicher vergebliche - Revolution möglich war. Gneisenau war die vollendete Gestalt eines „gebildeten Soldaten“, als charismatischer und politisch denkender Feldherr - hier ganz im Verständnis von Max Webers „charismatischer Herrschaft“66) - und genialer Generalstabsoffizier die ideale Verbindung von Scharnhorst, Clausewitz und Boyen -, damit über Scharnhorst oder Blücher hinausragend - seiner Zeit voraus und doch wie auch Stein - obwohl auch dieser Nichtpreuße - seinem erwählten Königshaus letztlich loyal verhaftet und damit doch kein Revolutionär.

Die romantisch geprägte, deutschtümelnd daherkommende hegelianisch unterbaute Restauration schlug sich auch in der Verneinung oder zumindest in dem Verschweigen eines Widerstandsrechts im preußischen Staatsrecht nieder.67) Bei aller Problematik von historischen Analogien ist es jedoch nicht unerheblich festzustellen, dass vier Urenkel Gneisenaus am 20. Juli 1944 maßgeblich beteiligt waren.68)

Zum Abschluss noch einige Gedanken zu Gneisenau und Clausewitz. Unabhängig von einem durchgängigen, in einer emotional wie geistigen Nachfolge zu Scharnhorst, Vater-Sohn-ähnlichem Verhältnis zwischen beiden kann man bei der Betrachtung von Gneisenaus Charakter und Leben zu dem Schluss kommen, dass vieles in Clausewitz’ Werk „Vom Kriege“ auf diesen zugeschnitten ist. Merkwürdig hierbei bleibt, dass im Gegensatz zu einer Würdigung über Scharnhorst und Blücher und über die persönlichen Briefe hinaus kein weiteres schriftliches Zeugnis von Clausewitz in einer Würdigung Gneisenaus vorliegt und dieser in dem Werk „Vom Kriege“ kein einziges Mal erwähnt wird. Dennoch folgt Gneisenau fast idealtypisch der von Clausewitz wiederholt aufgestellten These, dass wahres Können sich erst aus dem Zusammenhang von historischer Empirie, der eigenen Beobachtung, analytischer Untersuchung des Gegenstandes, persönlicher Erfahrung sowie dem angeeigneten Wissen mit der abschließenden Reflexion darüber zu einem eigenen Standpunkt entwickelt und dann erst ermöglicht, das „Wesen der kriegerischen Erscheinungen“ zu erkennen.69)

Folgende weitere Beispiele sollen genügen: Eskalation und Mäßigung als opponierende Kriterien, die Bedeutung des „coup d’oeil“, verbunden mit dem „Takt des Urteils“ und der Berücksichtigung des „Spiels von Möglichkeiten, Wahrscheinlichkeiten, Glück und Unglück“ und damit dem gerade wieder hochaktuellen Mut zur „Entscheidung in das Ungewisse“. Weiter das Grundmodell des Krieges als „Zweikampf“ (Napoleon gegen Gneisenau), der „kriegerische Genius“ des Feldherrn mit dessen „Stärke der Willenskraft“, der „Festigkeit“ aus der „Kraft des Verstandes und des Charakters“, die sich als „freie Seelentätigkeit“ - im Rahmen der „wunderlichen Dreifaltigkeit“ oben angesprochen - manifestiert und als „Mut des Verstandes [courage d’esprit]“ zur Überwindung der Friktionen beiträgt. Oder ganz allgemein die Zuordnung und die Bedeutung der „moralischen Größen“ oder schließlich die politische Sicht des Krieges in seinem „ganzen Zusammenhang“ über die militärische Verbindung von „Zeit, Raum und Kräften“ hinaus. Und damit wird durch „die Einsicht in höhere Staatsverhältnisse ….aus dem Feldherrn zugleich ein Staatsmann“. Auch in diesem Gesamtverständnis lässt sich Max Webers oben angesprochene Vorstellung der „charismatischen Herrschaft“ auf Gneisenau anwenden. Fasst man die Aussagen von Clausewitz über den Idealtypus eines Feldherrn zusammen, ergänzt mit seinen häufigen Bemerkungen über das Genie des Feldherrn, das Wechselwirkungen, Ungewissheit oder Gefahr durch die geistige Kraft außerhalb der Regel bestehen lässt,70) so ließe sich ein inneres wie äußeres „Phantombild“ erstellen, das der Realität des Menschen und der Persönlichkeit Gneisenaus verblüffend nahe käme.

Gneisenau lebte in einer Epoche der Verwerfungen; seine persönlichen Erfahrungen umfassten den Zeitraum von Friedrich dem Großen über die erste koloniale Unabhängigkeit, die Jahre der Französischen Revolution und deren Überwindung durch Napoleon, der preußischen Reformen bis hin zur Restauration. Gneisenau war in dieser Epoche Geschichte schreibender, politisch denkender Soldat, aber weder ein politisierender noch ein politischer General, als welchen ihn seine Gegner oft hinstellten - wie auch erwiesenermaßen kein Diplomat71) wie beispielweise Wellington - jedoch im Sinne von Clausewitz politisch mitdenkend und sich auch der politischen Tragweite seiner Denkschriften und militärischen Handlungen stets bewusst. Hierzu zählt auch, wie bei Clausewitz, die Überwindung des emotionalen Franzosenhasses oder die Redigierung dessen „Bekenntnisschrift“ von 1812, die Clausewitz nicht Scharnhorst, sondern vertrauensvoll Gneisenau übersandte und deren damalige Veröffentlichung dieser weise verhinderte.72) Somit verkörpert er das Ideal von Clausewitz in der Übereinstimmung von Charakter und Geist sowie von Feldherr und Staatsmann - in diesem Fall in einer Person. Wie bei kaum einem anderen verbinden sich mit ihm aber auch die zutiefst menschlichen Gegensätze von:

- Tatkraft und Abwarten-Müssen,

- Reformeifer und Beharrungszwängen,

- Anerkennung und Missachtung, bis hin zur Undankbarkeit,73)

- Charisma und Neid,

- unbändiges Wollen und erzwungene Untätigkeit, aber auch

- Ehrgeiz, Verzicht und Resignation.

Die Erinnerung an Gneisenau - insbesondere im Gedenkjahr von Waterloo - gilt nicht nur einem großen und bedeutenden Soldaten und politischen Kopf - als „homo politicus“ - in historischer Reminiszenz, sondern besitzt mit dem „Erfinder“ der Denkschrift als Ausdruck eines freien und unabhängigen wie kritischen Denkens und daraus abgeleiteten selbstständigen Handelns in Verantwortung gegenüber Staat und Armee eine Epochen-übergreifende Bedeutung. Gerade auch in Bezug zur erneuten Umstrukturierung der Bundeswehr mit der bisher ausgelassenen, aber politisch wie militärisch vordringlichen und grundlegenden Frage nach dem, wie Clausewitz forderte, Standpunkt der Bundesrepublik Deutschland, also ihrer eigenen welt- wie europapolitischen und nationalen Positionierung,74) gilt diese Feststellung. Erst aus der Beantwortung dieser Frage im „Takt des Urteils“ und „im Denken vom Ende her“, zudem in einem notwendigen gesellschaftspolitischen Konsens zur umfassenden Legitimation, kann die Definition des politischen Zwecks von Streitkräften erfolgen und wiederum nur aus deren Beantwortung die folgende Zweck-Ziel-Mittel-Relation bestimmt werden. Somit erhält diese Erinnerung eine besondere, mahnende Aktualität.

 


ANMERKUNGEN:

[1]) Carl von Clausewitz: Vom Kriege. Hinterlassenes Werk mit erweiterter historisch-kritischer Würdigung von Prof. Dr. Werner Hahlweg, Bonn 18 1973, S.1185 (Anmerkung 20).

[2]) Dies gilt unabhängig von den für Scharnhorst heranzuziehenden und geltenden Würdigungen durch Clausewitz, insbesondere die Schrift von 1817 „Über das Leben von Scharnhorst“ (Carl von Clausewitz: Verstreute kleine Schriften, hrsg. Von Werner Hahlweg, Osnabrück 1979, S.205ff.) oder den Brief vom 28. Juni 1813 (Auszug bei Wilhelm von Schramm, Clausewitz. Leben und Werk, Esslingen 1976, S.434f.).

[3]) Clausewitz:Vom Kriege, a.a.O., S.213.

[4]) Emil Obermann: Soldaten - Bürger - Militaristen. Militär und Demokratie in Deutschland, Stuttgart 1958, S.147.

[5]) Werner Gembruch: Bürgerliche Publizistik und Heeresreform in Preußen (1805-1808): In: MGM 2/74, S.7. Im Verständnis der von Leibniz zuerst im April 1696 im „Journal des savants“ vorgestellten Idee einer vorherbestimmten Einheit oder zusammenklingender Ordnung von Leib und Seele, die auch den Weg zu persönlicher, geistiger Freiheit - wie eben auch bei Gneisenau - eröffnet.

[6]) „Denkschriften“ wurden von Gneisenau später eingeführt, um v.a. den jungen Generalstabsoffizier anzuregen, sich freimütig-kritisch zu aktuellen militärpolitischen oder -strategischen Fragen zu äußern. Dabei stehen Sammlung und Ordnung der Gedanken, die in Sprachzucht zu formulieren sind, ebenso im Vordergrund wie die geistige Schulung zur Entwicklung von eigenen Vorstellungen und deren intellektueller Verteidigung. In der Bundeswehr wurden unter dem Inspekteur des Heeres (1984-87), General von Sandrart, wieder Generalstabsoffiziere angeregt, sich durch „Denkschriften“ im Verständnis einer „defense community“ an Diskussionen operativ-strategischer und allgemein sicherheitspolitischer Fragen zu beteiligen - allerdings mit mäßigem Erfolg und daher nur kurzzeitig.

[7]) Gerhard Thiele: Gneisenau, Potsdam 1999, S.7.

[8]) Hierbei soll auf die historische, künstlerische wie religiöse Bedeutung der 1645 errichteten großartigen protestantischen Friedenskirche [einer von dreien neben Schweidnitz und Glogau (nicht erhalten)] hingewiesen werden.

[9]) Alfred de Vigny (1797-1863), durch die französische Restauration Ludwig XVIII. „beschädigter“ Offizier, schrieb 1835 „Servitude et Grandeur Militaires“ mit der Figur des ewigen Hauptmanns in der Spannung zwischen Entsagung, Gewissen und soldatischer Pflicht.

[10]) Hochzeit am 17. Oktober 1796 mit Juliane Karoline von Kottwitz, deren landwirtschaftliches Erbe zumindest auch einen geringen finanziellen Freiraum bot. 1800 wird die Tochter Agnes (gest. 1820) geboren, die 1818 den ältesten Sohn Scharnhorsts, Wilhelm (1786-1854), heiratet.

[11]) Emil Obermann, a.a.O., S.209.

[12]) Vgl. u.a. „Ludwig des XVI. Absetzung 1792 (Pertz I S.648ff.).

[13]) Ein diesem Verständnis folgende Charakterschilderung gibt Ernst Moritz Arndt (1769-1860) im Band III. der Schriften für und an meine lieben Deutschen, Leipzig 1854, abgedruckt u.a.: In: R. Friedrich, Gneisenau, Erzieher des Preußischen Heeres, 6. Band, hrsg. von GL z.D. v. Pelet-Narbonne, Berlin 1906, S.121-125.

[14]) Ute Planert: Der Mythos vom Befreiungskrieg, Paderborn u.a. 2007, S.26. Einen guten Überblick über Gneisenaus Bildungsstandard gibt Delbrück in seiner Biographie, aber auch Weniger, der Delbrück u.a. zitiert mit: „war er [Gneisenau] als General später vielleicht zeitweise der einzige von allen preußischen Generalen, der grammatisch und orthographisch richtig sprach und schrieb“. Darüber hinaus ist Gneisenau der einzige der Generale, dem Goethe ein Gedicht (11. Juli 1819) widmet. Erich Weniger: Goethe und die Generale der Freiheitskriege, Stuttgart 1959, S.192, S.204/205.

[15]) Heinz Stübig: Erziehung und Gesellschaft im Denken Gneisenaus bis zum Beginn der preußischen Reformen. In: MGM 2/74, S.111. Vgl. Erich Weniger, a.a.O., S.147ff.

[16]) Pertz, a.a.O. S.301.

[17]) Stübig, a.a.O., S.120.

[18]) R. Friedrich, Gneisenau, a.a.O. 36ff.

[19]) Thomas Lindner: August Wilhelm Anton Graf Neidhardt von Gneisenau. In: Gneisenau, Schriftenreihe Innere Führung, Beiheft 2/87, hrsg. von BMVg., FüS I 3, Bonn 1987, 11. Ferdinand von Schill (1776-1809).

[20]) Zitiert nach Hans Speidel: August Graf von Gneisenau. In: Die Großen Deutschen, Band II., hrsg. von Theodor Heuß u.a., Berlin, S.437. Im Zusammenhang mit dieser Denkschrift und der folgenden Landsturmordnung von 1813 bezeichnete Engels (1820-1895) Gneisenau als „einen Mann von Genie“ und als „einen großen philosophischen Franktireur“. Johannes Renatus Renner, August Neithardt von Gneisenau. In: Preußische Portraits, hrsg. von Wolfgang Venohr, Hamburg 1969, S.191.

[21]) Gründung der Kommission durch Kabinettsorder vom 27. Juli 1807.

[22]) Zuerst mit dem Einmarsch in Paris am 31. Mai 1814 und sodann nach Waterloo am 18. Juni 1815. Vgl. hierzu Carl von Clausewitz, a.a.O., S.45, S.212, S.388.

[23]) Zeitungsartikel in Königsberg vom 9. Juli 1808, nach Pertz, a.a.O., S.385-387.

[24]) Zitiert nach Stübig, a.a.O, S.121.

[25]) Dies gilt trotz der Mythisierung durch die „Kolbenschlacht“ von Hagelberg am 27. August 1813 oder der Erstürmung des Grimmaschen Tores in Leipzig durch die ostpreußische Landwehr.

[26]) Siehe Reinhard Höhn: Sozialismus und Heer, Band I, Heer und Krieg im Bild des Sozialismus, Bad Homburg 1961, S.281.

[27]) Im Trachenberg-Plan vom 12. Juli 1813 grob, aber auch widersprüchlich skizziert. Vgl. Hans Delbrück: Das Leben des Feldmarschalls Grafen Neidhardt von Gneisenau, Dritte durchgesehene Auflage, Band I. Berlin 1908, S.331f. Vgl. hierzu auch Napoleons Satz vom Mai 1813: „c’est dans les plaines de la Saxe, que le sort de l’ Allemagne doit se décider“, aber es wurde Napoleons eigenes Schicksal. Zitiert nach Günter Müchler, 1813 - Napoleon, Metternich und das weltgeschichtliche Duell von Dresden, Darmstadt 2012, S.198.

[28]) Bernadotte (1763-1844).

[29]) Schwarzenberg (1771-1820).

[30]) Charles Mathiot, Pour Vaincre. Vie, Opinions et Pensées de Lazare Carnot, Paris 1916, S.325. Anlässlich eines eher zufälligen Zusammentreffens von Carnot und Blücher während eines Gesellschaftsabends in Breslau 1816 stand Blücher auf die Frage, ob jemand seinen eigenen Kopf küssen könne, auf, ging zu Gneisenau und „küsste“ dessen Kopf. Vgl. Auch Hippolyte Carnot, Mémoires sur Carnot, Paris 1907, II. S.583.

[31]) Clausewitz, Vom Kriege, a.a.O., S.1010.

[32]) Ob von Metternich oder sogar vom Kaiser angeordnet, lässt sich historisch nicht belegen. Dennoch, der unzureichende Kräfteansatz und die Übertragung des Kommandos an den - vorsichtig formuliert - schwachen Grafen Gyulai geben der Intention Raum, Napoleon als späteren Verhandlungspartner noch zu schonen. Und in der Tat konnte Napoleon mit fast 80.000 Mann das Schlachtfeld, wenn auch geschlagen aber dann weitgehend unbehelligt, verlassen.

[33]) Vgl. Clausewitz, a.a.O., S.1071, S.1209 (Anm. 159), „8. Endlich ist der vierte Grundsatz: die Erfolge welche wir erringen, mit der größten Energie zu benutzen. Das Verfolgen des geschlagenen Feindes gibt allein die Früchte des Sieges.“ Diesen Vorwurf erhebt auch Clausewitz für Großbeeren oder Dennewitz.

[34]) Grundlage hierfür kann auch schon das Verhalten Preußens im 1. Koalitionskrieg bis zum Frieden von Basel 1795 sein. Clausewitz schreibt treffend über die damalige Situation (Carl von Clausewitz, Vom Kriege, überarbeitet und erweitert von Werner Hahlweg, Bonn18 1973, S.987-989.): „niemals wird man sehen, daß ein Staat, der in der Sache eines anderen auftritt, diese so ernsthaft nimmt wie seine eigene…Man behilft sich also, wie man kann, hofft von der Zukunft günstige Ereignisse, wenn man auch kein Recht dazu hat, und der Krieg schleppt sich unterdessen wie ein siecher Körper kraftlos fort“. In mehreren Briefen macht Gneisenau seinem Unmut über Zögern, Uneinigkeit oder Zwietracht unter den Regenten zu Lasten von Truppe und eigener Bevölkerung Luft.

[35]) Vgl. Clausewitz, a.a.O., S.325, S.1037, S.1225 (Anm. 274), Clausewitz’ Kritik an Schwarzenberg. Erst am 31. März 1814 wird Paris besetzt, wo Gneisenau nach einem Brief vom 9. Jänner 1814 an den Freiherrn von Stein sofort „die Brücken von Austerlitz und Jena nebst dem Siegesmonument“ sprengen lassen wollte. Unstimmigkeiten hinsichtlich der Aufteilung des Errungenen, in der Frage nach dem deutschen und europäischen Gleichgewicht verbunden mit einer Schonung des neuen Bourbonenfrankreichs bestimmten das politisch-diplomatische Vorgehen der Verbündeten.

[36]) Friedrich von Cochenhausen, Gneisenau der Überwinder Napoleons, Hamburg 1943, S.41.

[37]) Brief vom 27. Jänner an den Freiherrn von Stein. Gerhard Förster, Christa Gudzent, (Hrsg.), August Wilhelm Neithardt von Gneisenau. Ausgewählte militärische Schriften, Berlin (Ost) 1984, S.322-324. Diesem politischen Verständnis der Ausschaltung jeder weiteren Gefahr folgen auch spätere schriftliche Vorschläge an Hardenberg zur Ausgestaltung eines langfristig sicheren Friedens mit Frankreich.

[38]) Zitiert nach Friedrich von Cochenhausen, Gneisenau, Berlin 1929, S.128.

[39]) Robert van Roosbroeck, der Einfluß Napoleons und seines Militärsystems auf die preußische Kriegführung und Kriegstheorie. In: Wolfgang von Groote, Klaus-Jürgen Müller, Napoleon I. und das Militärwesen seiner Zeit, Freiburg 1968, S.197, S.218.

[40]) Hardenberg an Gneisenau, 29. März 1815, zitiert nach Hans-Dieter Dyrhoff (Hrsg.): Der Wiener Kongress 1814/15. Die Neuordnung Europas, München1966, S.259.

[41]) Siehe Schramm, a.a.O., S.459. Bezeichnend ist, dass nicht klassisch einer der ranghöheren Korpskommandeure, sondern der Chef des Generalstabes das Kommando über die vier Korps übernimmt.

[42]) Besprechung zwischen Blücher und Wellington am Morgen des 16. Juni an der Windmühle von Bry in der Nähe von Ligny. Der im Gegensatz zu Blücher Englisch wie Französisch beherrschende Gneisenau wird weitgehend die Unterredung auf preußischer Seite bestimmt haben, Vgl. hierzu u.a.: Bernard Cornwall, Waterloo. Eine Schlacht verändert Europa, Reinbek 2015, S.443ff.

[43]) Zitiert nach Albert Pfister, Aus dem Lager der Verbündeten 1814 und 1815, Stuttgart 1897, S.371.

[44]) Darstellung und Zitat, vgl. hierzu den Armeebericht vom 20. Juni 1815. In: Gerhard Förster, Christa Gudzent, (Hrsg.), a.a.O., S.344-351.

[45]) Mit Tambour und Trompete erweckt er gegenüber den Franzosen den Eindruck, mit einem geordneten größeren Truppenkörper nachzurücken.

[46]) Siehe Clausewitz, a.a.O., S.477.

[47]) Ebenda, 480, siehe auch S.785.

[48]) Hans Speidel, a.a.O., S.439. Im Übrigen ein Satz, den man im Zweiten Weltkrieg ähnlich hören wird. Vgl. hierzu auch Anmerkung 32 und nochmals Clausewitz selbst, wenn er die Verfolgung u.a. auch in Bezug auf Belle-Alliance/Waterloo als das strategische Mittel, „als zweiten Akt des Sieges, in vielen Fällen sogar wichtiger als der erste“ beschreibt (Clausewitz, Vom Kriege, a.a.O., S.480f.) Insgesamt hierzu auch S.459 oder S.474ff.

[49]) Immerhin besaß Davout um Paris noch ca. 117.000 Mann regulärer Truppen (davon 42.000 Mann Nationalgarde) und auch der von Westen auf Paris anrückende geschlagene Soult sah sich mit Grouchys Korps wieder auf ca. 55.000 Mann verstärkt. USMA (Hrsg.), A Military History and Atlas of the Napoleonic Wars, New York 1964, S.168.

[50]) Diese Bewegung, Paris einbeziehend, findet sich im ersten Schlieffenplan wieder, wenn auch mit anderer Ausgangslage.

[51]) Wilhelm Capelle: Gneisenau, Leipzig - Berlin 1911, S.160. Dieser Befehl ähnelt der von Renner besonders hervorgehobenen Proklamation beim Überschreiten der sächsischen Grenze 1813: „Sachsen! Wir Preußen betreten Euer Gebiet, Euch die brüderliche Hand bietend. Wir…kämpfen … für unsere Nationalunabhängigkeit…. Den Freund deutscher Unabhängigkeit werden wir als unseren Bruder betrachten, den irregeleiteten Schwachsinnigen mit Milde auf die rechte Bahn leiten; ...“, zitiert nach Renner, a.a.O., S.114. Der Befehl ist umso bemerkenswerter, wenn man Gneisenaus vorherige zahlreichen Äußerungen und Briefe voller Franzosenhass - hier Clausewitz ähnelnd - berücksichtigt. Vgl. hierzu seinen Wunsch von 1814 persönlich u.a. die „Pont Jena“ zu sprengen. Siehe auch Fußnote 26. Vgl. auch Hans Delbrück: Das Leben des Feldmarschalls Grafen Neidhardt von Gneisenau, a.a.O., II. Buch, S.339f.

[52]) Vgl. Emil Obermann, a.a.O., S.152f., S.231. 1807 sagt Gneisenau: „Der Mensch muß für eine Idee begeistert werden, wenn er etwas Großes leisten soll“.

[53]) Renner, a.a.O., S.113.

[54]) Friedrich von Cochenhausen, Gneisenau, a.a.O., S.80.

[55]) Gneisenau an Marie von Clausewitz und Gräfin Dohna, Genappe am 24. Juni 1815, zitiert nach Hans-Dieter Dyrhoff (Hrsg.), Der Wiener Kongress 1814/15. Die Neuordnung Europas, München 1966, S.263.

[56]) Diese Aussage gilt trotz der Grafenwürde und der Dotation Sommerschenburg - im Übrigen gegen seinen Wunsch für „Johannisberg“ am Rhein, das Metternich erhielt - noch 1814. Zwar erhielt Gneisenau auch den von ihm auf dem Schlachtfeld eroberten „Schwarzen Adlerorden“ Napoleons, wurde zum General der Infanterie befördert und wurde 1817 Staatsrat und 1818 Gouverneur von Berlin, aber in beiden Posten ohne Einfluss. Die Ernennung zum Feldmarschall erfolgte erst 1825 zum Jahrestag. Außer dem dann für ihn tödlichen Kommando der Observationsarmee in Polen 1831 erhielt er keine weitere herausragende Verwendung.

[57]) Vgl. u.a. Hans Otto, Gneisenau, Bonn 1983, S.366.

[58]) Aus einem Brief an Oberst von Thile vom 9. April 1816, zitiert nach Gneisenau, Schriftenreihe Innere Führung, a.a.O., S.203.

[59]) Carl von Clausewitz: Der Feldzug 1812 in Rußland und die Befreiungskriege von 1813-15, mit einer Biographie, enthaltend eine Würdigung durch Generaloberst Graf Schlieffen, Berlin [3. durchgesehene Aufl.] 1906, S.14.

[60]) Neben diesen beiden wird auch der Mitinitiator von Tauroggen, der russische Marschall Diebitsch von der Cholera hingerafft - und gleichzeitig sterben 1831 auch Stein, Hegel.

[61]) Aus den Briefen Gneisenaus im Frühjahr 1814. Zitiert nach Christa Gudzent, Neidhardt von Gneisenau, Berlin (Ost) 1987, S.52f.

[62]) Vgl. hierzu Franz Uhle-Wettler, Höhe- und Wendepunkte Deutscher Militärgeschichte, Mainz 1984, S.109-110.

[63]) Vgl. Gerhardt Ritter: Gneisenau und die deutsche Freiheitsidee, Tübingen 1932, S.34.

[64]) Staatskanzler Fürst Metternich (1773-1859), dessen Berater Friedrich von Gentz (1764-1832); Frédéric Ancillon (1767-1837) Erzieher des Kronprinzen; Fürst Wittgenstein/1770-1851, ab 1812 Polizeiminister; Graf Bernstorff (1769-1835), seit 1818 pr. Außenminister; Graf Lottum (1767-1841), seit 1818 pr. Innenminister und später pers. Kabinettsminister des Königs; Ernst von Rüchel (1754-1823), als pr. General „Kronwächter friderizianischer Überlieferung“; Karl von Müffling (1775-1851), später preußischer Generalfeldmarschall, erbitterter Neider Gneisenaus; Friedrich von dem Knesebeck (1768-1848), schon als Generaladjutant des Königs während der Befreiungskriege Gegner Gneisenaus, Intimfeind von Clausewitz; Albrecht Ernst von Hake (1769-1835), 1810 bis 1813 und 1819 bis 1833 preußischer Kriegsminister, Nachfolger Gneisenaus in Koblenz.

[65]) Erich Weniger: Die Gefährdung der Freiheit durch ihre Verteidiger. In: Schicksalsfragen der Gegenwart, IV. Band, hrsg. von BMVg, Tübingen 1959, S.362.

[66]) Vgl. hierzu auch Eva Horn, Herrmanns >Lektionen<. Strategische Führung in Kleists >Hermannschlacht<. In: Günther Blamberger, Ingo Breuer, Klaus Müller-Salget (Hrsg. i.A. der Kleist-Gesellschaft, Kleist-Jahrbuch 2011, Stuttgart-Weimar 2011, S.67.

[67]) Vgl. Carl Heyland: Das Widerstandsrecht des Volkes, Tübingen 1950. S.70 und Kurt Wolzendorff: Staatsrecht und Naturrecht in der Lehre vom Widerstandsrecht des Volkes gegen rechtswidrige Ausübung der Staatsgewalt. 2. Neudruck der Ausgabe Breslau 1916, Aalen 1968, S.534. Dies steht gegen die deutsche Rechtstradition seit Eike von Repgow, der in seinem „Sachsenspiegel“ die Pflicht zum Widerstand hervorhebt, wenn der Eidnehmer - der Herrscher - seinen Eid vorsätzlich bricht.

[68]) Graf Uexküll, die Brüder Stauffenberg und Caesar von Hofacker.

[69]) U.a. Clausewitz, a.a.O., S.184f. Siehe im Folgenden insbesondere S.1079-1086 und S.1175-1180.

[70]) Clausewitz, a.a.O., S.283ff.

[71]) Dies trotz seines Wirkens im Auftrag Hardenbergs in London, Wien, Petersburg und Stockholm in den Jahren 1809 bis 1813. Gneisenau „predigte ein Evangelium, das niemand begriff“.

[72]) Vgl. Wilhelm von Schramm: Clausewitz. Leben und Werk, Esslingen 1976, S.333ff.

[73]) Vgl. Brief vom 30. Juni 1815 an Hardenberg als eine bittere Klage, Förster, Gerhard, Gudzent, Christa, a.a.O., S.351-353.

[74]) Clausewitz, a.a.O., S.992, „Es ist überhaupt nichts so wichtig im Leben, als genau den Standpunkt auszumitteln, aus welchem die Dinge aufgefaßt und beurteilt werden müssen, und an diesem festzuhalten; denn nur von einem Standpunkte aus können wir die Masse der Erscheinungen mit Einheit auffassen, und nur die Einheit des Standpunktes kann uns vor Widersprüchen sichern“.