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Boko Haram bzw. Islamischer Staat in Westafrika

Michail Logvinov

 

Während die militärischen Geländegewinne des Schreckenskalifats Islamischer Staat (IS) im Irak und Syrien breite mediale Aufmerksamkeit finden, erregte ein im Spätsommer 2014 ausgerufenes Kalifat der nigerianischen Boko Haram (steht in Hausa je nach Übersetzung für „Westliche Bildung/Erziehung/Zivilisation1) ist Sünde/verboten“), die sich Ende April 2015 in „Islamischer Staat in Westafrika“ bzw. Westafrikanische Provinz („Wilayat Gharb Ifriqiyah“) umbenannt haben soll, weit weniger Aufmerksamkeit. Nur kurze Zeit stand die dschihadistische Miliz mit einer weiteren Selbstbezeichnung (ab September 2010) „Jamā’at Ahl al-Sunnah li Da’wah wa-l-Jihād“ (zu Deutsch: „Gemeinschaft der Sunniten für den Ruf zum Islam und den Dschihad“) in den internationalen Schlagzeilen. Ihre Kämpfer hatten im April 2014 276 christliche Schülerinnen aus einer staatlichen Mädchenschule in der Stadt Chibok entführt. Doch der von der Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel orchestrierte Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ im Januar 2015 zeigte erneut, dass einer der brutalsten und erfolgreichsten dschihadistischen Organisationen nach wie vor zu wenig Aufmerksamkeit zukommt. Während sich die internationale Gemeinschaft und führende westliche Politiker mit den Opfern der Anschläge in Paris solidarisierten, berichteten anfangs nur wenige Blätter von einem beinahe zeitgleichen Angriff der nigerianischen Dschihadisten auf die Städte Baga und Doron Baga im Staat Borno, bei dem etwa 2.000 Menschen ums Leben gekommen sein sollen. Die detaillierten Satellitenaufnahmen zeigten eine Verwüstung katastrophalen Ausmaßes.2) Der Terrorismusexperte aus Stanford, Max Abrahms, twitterte dazu: „It’s shameful how the 2K people killed in Boko Haram’s biggest massacre gets almost no media coverage.“

Eines der schlimmsten, aber nicht seltenen Massaker3) im Nordosten Nigerias, bei dem Menschen ungehindert niedergemetzelt und 3.700 Gebäude beschädigt oder vollständig zerstört worden sein sollen, macht zwei Problemdimensionen deutlich, auf die der Aufsatz eingeht. Dazu zählen das Erstarken der Dschihadmiliz und das Handeln der staatlichen Akteure in Nigeria. Das Erstarken des Netzwerkes um Boko Haram, das Ende Januar 2015 die Stadt Monguno einnahm, die als Puffer zwischen dem „Kalifat“ und der Millionenstadt Maiduguri diente, ist nicht mehr zu leugnen oder kleinzureden. Einige Tage später lieferten sich Dschihadisten mehrmals stundenlange Gefechte mit den Sicherheitskräften in der Hauptstadt Maiduguri. Aus Maiduguri wurde berichtet, dass die Dschihadisten Ende 2014 nachts die Stadt kontrollierten.4) Zwischen 2000 und 2013 verübte die Organisation etwa 750 Selbstmordanschläge - deutlich mehr als Al Qaida im Irak bzw. IS(IS), auch die Zahl der Toten in Nigeria übersteigt jene in Syrien und im Irak.5) Die Verschiebung der Präsidentenwahlen um einen Monat sowie erfolgreiche Angriffe auf militärische Ziele im In- wie Ausland (Militärbasis in Baga, Achigachie-Militärbasis in Kamerun) waren dafür weitere Indizien. Zwar zeigten die militärischen Maßnahmen von Tschad, Niger und Nigeria, die Anfang März 2015 einsetzten, ihre Wirkung. Dennoch bleibt die Dschihadmiliz eine nicht zu unterschätzende Gefahr.

Es stellt sich darüber hinaus die Frage nach den Reaktionen der staatlichen Behörden und Sicherheitsapparate, nach ihrer Effizienz und jenen Faktoren, die den Aufstieg der „Sekte“ ermöglicht haben. Auf diese Weise lassen sich das dynamische Gewaltgeschehen und die Konflikteskalation als Interaktion zwischen einer islamistischen Bewegung, der Boko Haram entstammt(e), und dem Staat am besten beschreiben. Unter besonderer Berücksichtigung der Push- (soziale Unzufriedenheit/Empörung, ethnisch-religiöse Benachteiligung, (Neo-)Kolonialismus) und Pull-Faktoren (angestrebte Ziele und Nutzenkalküle) sowie der politischen, ökonomischen und geographischen Ermöglichungsfaktoren6) entsteht dergestalt ein differenziertes Bild eines sozialen Gewaltphänomens, dem die Bezeichnung „Sekte“ nicht gerecht wird. Boko Haram wird gemeinhin als frauenfeindlich, anti-christlich, bildungsfeindlich und terroristisch beschrieben. Nigerianische Politiker weisen auf ihre ideologische Verbindung zu Al Qaida hin und betonen die ablehnende Haltung gegenüber einer friedlichen Koexistenz mit Christen. In der Tat ist die Ideologie der Terrororganisation dschihadistisch und takfiristisch geprägt. Zugleich lohnt ein Blick auf den argumentativen Rahmen ihrer Ideologen und jene sozialen wie wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die sich in die radikalen Narrative von Boko Haram fügen. Denn die „religiöse“ Motivation des Dschihad darf beispielsweise nicht darüber hinwegtäuschen, dass zwischen 1980 und 2000 etwa 30 religiös motivierte Konflikte zwischen Muslimen und Christen Nigerias ausgetragen wurden, wobei auch die Christen im Land an der Konfrontationsspirale dreh(t)en.

 

Radikalisierung von Boko Haram

Der Aufstieg der dschihadistischen Miliz, der seit ihrer Dschihaderklärung im Spätsommer 2009 unterschiedlichen Angaben zufolge zwischen 7.000 und 15.000 Menschen zum Opfer fielen, lässt sich ohne gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den nigerianischen Sicherheitsbehörden und den Anhängern von Mohammad Yusuf im Jahr 2009 nicht nachvollziehen. Die in Gang gesetzte Eskalationsspirale bestätigte erneut den Befund der sozialen Bewegungsforschung, dem zufolge überreaktive Maßnahmen des Staates auf radikale Protestbewegungen weitere Radikalisierungen ihrer Mitglieder zur Folge haben. Auch innere Gruppendynamiken spielen dabei eine wichtige Rolle. War Boko Haram bis zu diesem Zeitpunkt eine der zahlreichen nigerianischen islamistischen bzw. politisch-salafistischen Organisationen, die sich antiwestlich gab, die politische Elite herausforderte, indem sie das Versagen der Regierung bzw. den Einfluss der Politik auf die Lebensumstände der muslimischen Bevölkerung zum Thema machte und daraus resultierend die Einführung eines Scharia-basierten Regierungssystems forderte, so änderte sich die Lage schlagartig, nachdem die nigerianischen Sicherheitskräfte zwischen 800 und 1.000 Personen, darunter Hunderte7) Boko-Haram-Anhänger und -Sympathisanten, in den Staaten Borno, Yobe, Kano und Bauchi im Juli und August 2009 töteten, den Anführer der Gruppe Yusuf in Gewahrsam nahmen und hinrichteten und die Moschee der Gemeinschaft zerstörten. Videoaufnahmen deuten darauf hin, dass viele vermutliche Anhänger wie der Anführer der Organisation nicht in Gefechten ums Leben kamen, sondern gezielten Tötungen zum Opfer fielen.8) Was zur Konflikteskalation führte - ein Überfall auf eine Polizeistation oder ein eher unbedeutender Zwischenfall bei einer Polizeikontrolle infolge der Verordnung zur Helmtragepflicht für Motorradfahrer - bleibt umstritten.9)

Fakt ist, dass das Handeln nigerianischer Sicherheitsbehörden der Auslöser für die Gewalteskalation war. Zu den radikalisierenden Maßnahmen zählten u.a. Diskriminierung, Stigmatisierung und offene Provokation der Yusufiyya-Anhängerschaft durch unbegründete Verhaftungen, Einschränkungen für die Nutzung von Motorrädern in der Nacht und selektive Durchsetzung der Helmpflicht für Motorradfahrer. Der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war der Waffeneinsatz der Sicherheitskräfte bei einer Beerdigung, im Zuge dessen 17 Organisationsmitglieder verletzt wurden. Obendrein durften die Verletzten im Krankenhaus nicht besucht werden, was Yusuf und seiner Gefolgschaft einer Kriegserklärung gleichkam.10) „Ungefähr zeitgleich veröffentlichte Mohammed Yusuf einen ‚Offenen Brief an die Föderalregierung‘. Darin forderte er die Regierung auf, innerhalb von 40 Tagen auf ihn zuzugehen, um den Konflikt beizulegen. Sollte sie dieser Forderung nicht nachkommen, werde er zum Dschihad gegen sie aufrufen.“11)

Die darauf folgenden brutalen Gefechte, einhergehend mit dem Aufruf, einen islamischen Staat zu gründen, endeten in einer blutigen Sonderoperation des Militärs, bei dem auch Zivilisten ums Leben kamen. Zwar gelang es dem Staat, Boko Haram mit militärischer Gewalt in den Untergrund zu zwingen. So flohen ihre Kämpfer ins Ausland oder verschwanden im Inland vom Radar der Sicherheitsbehörden. Mittelfristig erwies sich das harte Vorgehen als Pyrrhussieg. Denn am 9. August 2009 erklärte die Gruppe Nigeria den Dschihad und begann 2010 nach einer vergleichsweise kurzen Umstrukturierungsphase im Untergrund, den Tod ihres Anführers mit systematischen Anschlägen gegen Polizei, Militär, Beamte und Politiker zu rächen. Aber auch kritische Muslime und Christen sind seitdem Opfer der Angriffe. Neben militärischen Operationen zur Befreiung der inhaftierten Mitglieder wurden auch „politische“ Forderungen artikuliert: Freilassung der verhafteten Mitstreiter, Bestrafung der Mörder von Yusuf, Entschädigung für getötete Mitglieder und Wiederaufbau der zerstörten Moschee. Der Staat zeigte sich jedoch siegessicher und lehnte die Forderungen ab.

Im Mai 2013 sah sich Präsident Goodluck Jonathan allerdings gezwungen, den Ausnahmezustand über die Bundesstaaten Borno, Yobe und Adamawa zu verhängen und zusätzliche Truppen zu schicken, die es in Kooperation mit den hiesigen Milizen vermochten, Boko Haram aus vielen besetzten Städten und Dörfern zu verdrängen. Diesmal suchte die Zentralregierung vergebens Dschihadisten für Verhandlungen zu gewinnen. Ein Jahr später konnten die militanten Islamisten allerdings erneut Geländegewinne feiern und riefen ein Kalifat aus. Alle militärischen Erfolgsmeldungen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zahl der zivilen Opfer seit dem Ausnahmezustand signifikant gestiegen ist.12) Die wahllosen Tötungen von Zivilpersonen, darunter auch von Kindern, bringen zugleich immer mehr Menschen gegen die gefürchtete Joint Task Force auf. Grenzüberschreitende Aktivitäten der Dschihadisten haben ebenfalls massiv zugenommen, sodass die Anrainerstaaten Boko Haram den „Krieg“ erklären mussten.13)

Es lassen sich drei chronologische Entwicklungsphasen des Netzwerkes unterscheiden:

1. eine militante einer Kanama-Abspaltung (2003-2004/5).

2. eine dawa-aktivistische der „Yusufiyya“ (bis Juli 2009) und

3. eine dschihadistische von Boko Haram (ab Ende 2009/10).14)

 

Von „nigerianischen Taliban“ zu Boko Haram

Die 2002 entstandene fundamentalistische Gruppe muslimischer Jugendlicher um den charismatischen Prediger Mohammed Yusuf, die sich in einer nach dem salafistischen Gelehrten Ahmad Ibn Taimiya benannten Moschee in Maiduguri versammelte und aus der die heutige Boko Haram hervorging, ließ eine Gewaltexplosion solchen Ausmaßes nicht selbstverständlich vermuten. Als populärer Prediger vertrat Yusuf zwar einen unter Islamisten weit verbreiteten Standpunkt, demzufolge jene Aspekte der - auch während der Kolonialzeiten oktroyierten - westlichen Bildung und Zivilisation, die im Widerspruch zum Koran stünden, zu verbieten seien (daher auch der Name).15) Die Scharia als Gegensatz zum demokratischen System Nigerias sollte in Nordnigeria komplett umgesetzt werden, so sein Ziel. Doch in dieser Zeit bezog sich die fundamentale Kritik der „Yusufiyya“ v.a. auf die soziopolitischen Zustände (eher Missstände) im Norden des Landes. Die „nigerianischen Taliban“, wie Boko Haram Anfang der 2000er-Jahre pauschal genannt wurde, lehnten die staatliche Autorität ab und erhofften sich von der strikten Befolgung des „reinen“ Islam und der prophetischen Tradition u.a. die Besserung sozialer Umstände.16) Die ablehnende Haltung gegenüber dem Staat war jedoch noch nicht kompromisslos. So war Yusuf Mitglied eines staatlichen Komitees zur Umsetzung der Scharia-Normen in Borno, während die zwölf nördlichen Bundesstaaten Ende der 1990er-/Anfang der 2000er-Jahre Bestandteile des islamischen Rechts - in Straf- und Zivilangelegenheiten - einführten. Die Einführung der Scharia wird von Beobachtern als Reaktion auf den Machtverlust im Jahr 1999 gedeutet, „nachdem Nordnigeria die Präsidentschaft an einen Südnigerianer und Christen verloren hatte“.17) Zugleich reagierten die muslimisch geprägten Gliedstaaten auf die Inkraftsetzung der nigerianischen Verfassung nach US-Vorbild am 29. Mai 1999. Die Unfähigkeit der Regierungen, die Lebensumstände der Bevölkerung zu verbessern und das islamische Recht ob des Vorrangs der demokratischen Verfassung zu sprechen, führte zur Ablehnung des nach dem ersten Gliedstaat mit halbherzig implementierter Scharia genannten Zamfara-Modells.

V.a. drei Entwicklungen trugen zur Radikalisierung der Anhängerschaft und des Gründers der Organisation bei. Erstens war die Einflussnahme von und die finanzielle Unterstützung durch Al Qaida bereits Anfang der 2000er-Jahre sichtbar. Osama bin Laden hatte islamistische Gruppen in Westafrika mit Beträgen in Millionenhöhe gefördert. Der einsetzende Kampf gegen die „Kreuzritter“ in Afghanistan und Aufrufe zum weltweiten Dschihad fingen überdies an, ihre mobilisierende Wirkung zu entfalten, die heutzutage nicht mehr zu ignorieren ist.

Yusuf fühlte sich zweitens von der Politik hinters Licht geführt. Anfang der 2000er-Jahre entstand eine Allianz zwischen ihm und dem Gouverneurskandidaten für den Gliedstaat Borno, Ali Modu Sheriff, einem Politiker und Geschäftsmann, der sich vom populären Prediger Unterstützung in den Armenvierteln und von seiner Anhängerschaft Hilfeleistungen bei der Einschüchterung der Opposition versprach. Im Gegenzug erhielt Yusuf Land, auf dem er eine Moschee und Koranschule errichtete, und Geld von der Regierung, das er im Sinne des social engineering als Kredite an Geschäftsleute vergab, die einen Teil ihrer Gewinne wiederum an die Organisation spendeten. Ein Vertrauter von Yusuf, Buji Foi, wurde zwecks Finanzierung der Organisation in die Regierungskommission für Religionsfragen berufen. Foi kam 2009 unter ungeklärten Umständen in Polizeigewahrsam ums Leben, nachdem er der Terrorismusfinanzierung bezichtigt wurde. Das Verhältnis zwischen Yusuf und Sheriff kühlte jedoch ab, so einige Berichte der Boko-Haram-Anhänger, als Sheriff sein Versprechen nicht einhalten wollte, die Scharia komplett umzusetzen. Infolgedessen brandmarkte der Islamist seinen früheren Förderer als Ungläubigen, womit er den Zorn des Politikers auf sich zog.18) Weiterhin trugen Konflikte zwischen der nigerianischen Izala Society und Yusuf, bei denen die Sicherheitsbehörden für die lokalen Ulama Partei ergriffen, zur Radikalisierung bei. So griff er Anfang 2009 die Religionsgelehrten wegen ihrer Nähe zur korrupten und kleptokratischen Regierung Sheriffs an und bezeichnete Letzteren mehrmals als „Taghut“. Die takfiristische Ausrichtung seiner Argumentation machte es den Izala-Vertretern leicht, Boko Haram als Sektierer (Kharijite) und Ungläubige darzustellen. Mit dem Kharijite-Stigma ging die religiös verankerte Legitimation zur gewalttätigen Lösung des Problems einher. Neben anderen Islamgelehrten rief v.a. der Anführer der salafistischen Izala, Mallam Bashir Mustafa, die staatlichen Behörden offen auf, Boko-Haram-Anhänger zu eliminieren.19)

2003 spaltete sich drittens eine radikalere Gruppe von der Yusufiyya-Bewegung ab. Der harte Kern unter der Führung von Abubakar Shekau und Aminu Tashen-Ilimi, für die der Kurs von Yusuf zu weich war, zog weg, um fern der Zivilisation in Kanama zu leben. Zugleich bereiteten sich mehrheitlich junge Leute auf einen bewaffneten Kampf vor und errichteten ein Ausbildungslager. Nachdem es an neuen Orten zu Konflikten mit Alteingesessenen und Übergriffen auf die indigene Bevölkerung kam und die Polizei intervenierte, kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen, Übergriffen auf Polizeireviere wie -konvois, Geiselnahmen von Polizeiangehörigen, weswegen die Gruppe 2004 durch das Militär zerschlagen und verbliebene Anhänger in den Untergrund oder ins Ausland gedrängt wurden. Auch Yusuf musste für einige Monate nach Saudi-Arabien fliehen, obwohl er mit der militanten Sub-Gruppe kaum etwas zu tun hatte. Bei Übergriffen sollen die „Taliban“ Flugblätter mit der Ankündigung, sie wollten die Region aus „Nigeria herausschneiden“ und ein Kalifat errichten, verteilt haben.20) Auch später gerierten sich die radikaleren Anhänger von Yusuf als Vigilanten und riefen zum islamischen Verhalten in seiner salafistischen Ausprägung auf, was zu erneuten Konflikten mit Sicherheitsbehörden führte. Angesichts der Entwicklung der Kanama-Gruppe ist es symptomatisch, dass sich Shekau, der heutige Anführer von Boko Haram, nach dem harten Durchgreifen des Staates 2009 und der voranschreitenden Radikalisierung der Anhängerschaft von Yusuf an die Spitze der Organisation setzte.

 

Organisationsstrukturen

Zunehmende Brutalisierung gegen Zivilisten führte zur Bildung einer neuen Gruppe im Umfeld der Boko Haram, die unter dem Namen Ansaru (Ansar al-Muslimin fi Bila das-Sudan, zu Deutsch: Die Helfer der Muslime in Schwarzafrika) bekannt wurde. In einer Anfang 2012 veröffentlichten Erklärung positionierte sich ihre Führung gegen Tötungen von „unschuldigen“ Muslimen und Sicherheitskräften. Gewalt sei demnach nur zur Selbstverteidigung zulässig. Als vorrangiges Ziel nannte ein Sprecher die Verteidigung der Interessen von Muslimen in ganz Afrika, wobei die nigerianische Regierung zugleich Angriffe auf den Islam bezichtigt wurde. Darüber hinaus hieß es im auf Arabisch erschienenen Video, Ansaru würde Bürger und Interessen der „fremden Feinde“ angreifen.21) Die Kritik an Boko Haram richtete sich somit primär gegen die takfiristische Ausrichtung ihrer Ideologie. Im Februar 2015 wiederholte Ansaru ihre Kritik erneut. Die Gruppe besteht aus den nach Somalia und Mali geflüchteten und von al-Shabaab sowie Al Qaida im islamischen Maghreb (AQIM) trainierten Mitgliedern.22) Ihr Anführer, Khalid al-Barnawi, soll in Mali mit Mokhtar Belmokhtar kooperiert haben. Bereits 2010 bot der Anführer von AQIM, Abdelmalek Droukdel, „Kämpfer, Waffen und Munition“ zur Verteidigung der muslimischen Bevölkerung Nigerias gegen die „christliche Minderheit“ an.23)

Ansaru richtete ihre Gewalt primär gegen hohe Repräsentanten des Staates und westliche Zielpersonen. So wurden beispielsweise im Mai 2011 ein britischer und ein italienischer Ingenieur sowie der deutsche Bauingenieur Edgar Fritz Rapauch im Januar 2012 in Nordnigeria entführt und zum Versuch einer Freipressung eingesetzt. Dabei ging es um die inhaftierte Frau eines Mitglieds der „Sauerlandzelle“.24) Da der Anführer von AQIM als Sprecher im Videostreifen erschien, liegt es nahe, dass Ansaru als nigerianischer Ableger dieser Gruppe fungierte. Trotz Konflikten lassen sich Schnittmengen identifizieren, die auf eine netzwerkartige Kooperation zwischen Ansaru und Boko Haram schließen lassen. Khalid Barnawi, ein von AQIM in Algerien ausgebildeter Mitstreiter von Yusuf sowie Organisator von Geiselnahmen, ging eine Allianz mit Shekau ein und agierte als Bindeglied zwischen AQIM und den „nigerianischen Taliban“. Es gab darüber hinaus „flankierende“ Operationen wie einen Angriff auf ein Raubdezernat in Abuja im November 2012 und eine Befreiungsaktion der Kommandeure von Boko Haram, die von Shekau ausdrücklich begrüßt wurde. Auch auf der Leitungsebene lagen Überschneidungen vor: Der engste Mitstreiter Barnawis, Habibu Yusuf alias Babagana Assalafi (getötet im März 2013), stieg zum Stellvertreter Shekaus auf.25)

Das Verhältnis zwischen den beiden Gruppen verdeutlicht, dass sich die Organisationsstruktur von Boko Haram als Netzwerk mit flachen Hierarchien am treffendsten beschreiben lässt, zumal die Miliz in etwa fünf weitere Sub-Netzwerke bzw. Subgruppen mit belastbaren Verbindungen zu überregionalen Akteuren - v.a. AQIM und al-Shabaab - zersplittert sein soll.26) Formell stehen ein Emir mit einem beratenden Rat (Schura) und Feldkommandeure an ihrer Spitze. In Ortschaften mit Boko-Haram-Präsenz, die - je nach Größe - in Sektoren aufgeteilt sind, besitzen hiesige Emire und ihre Stellvertreter Entscheidungsbefugnisse. Flache Organisations- und Kommandostrukturen ermöglichen es den Dschihadisten, Entscheidungen flexibel zu treffen und schnell auf die sich verändernden Rahmenbedingungen zu reagieren. Militärische Bekämpfungsmaßnahmen führten darüber hinaus zur Erweiterung des Schura-Rates auf 37 Mitglieder (2013), was zu Abstimmungsschwierigkeiten und weiterer Dezentralisierung, aber auch zur Radikalisierung führte. Als Folge sanken erneut die Chancen der Regierung, Gesprächspartner für Verhandlungen auszumachen.27)

Das Netzwerk soll laut Terrorismusexperten um drei Kerngruppen strukturiert sein: Die Kämpfer um Shekau führen einen dschihadistischen Aufstandskrieg im Nordosten des Landes. Khalid Barnawi setzt auf die von AQIM ausgebildeten Dschihadisten und baut seit 2013 Al Qaida-Zellen im Nordwesten auf, um aufwendigere Anschläge zu verüben, und geht überdies seinen kriminellen Aktivitäten (Entführungen etc.) nach. Mamman Nur, der über paramilitärische Expertise verfügt, Kontakte zu AQIM sowie al-Shabaab pflegt und von externen Experten für Planung, Logistik sowie Finanzen unterstützt wird, soll professionelle Zellen für Boko Haram aufbauen.28)

 

Ideologie und Ziele

Ungeachtet der beschriebenen strategischen Divergenzen teilen Boko-Haram-Anhänger ein gemeinsames Ziel und eine Ideologie, deren Definitionsbereich sich mit dem Begriff der (religiösen) Sekte nur ungenügend erfassen lässt. Denn über die sektentypische Selbstreferenzialität hinaus lässt sich bei ihrer ideologischen Grundhaltung ein klarer sozialer und politischer Bezug erkennen. Der Sektenbegriff („Kharijiten“) wurde von den Eliten Nigerias als politischer Kampfbegriff und stigmatisierende Bezeichnung verwendet. Im argumentativen Rahmen islamistischer und dschihadistischer Narrative werden Muslime in Nigeria als Opfer einer von korrupten christlichen Eliten geführten „korrumpierten Gesellschaft“ und der sozialen Marginalisierung dargestellt - eine Sichtweise, die auch in der Bevölkerung im Norden Anklang findet.29) Denn es liegen einige Situationsmerkmale vor, die diese Deutung begünstigen. Die Verbreitung der westlichen Bildung und des Christentums infolge der Kolonialisierung Nigerias durch Großbritannien und Frankreich spielt in der Argumentation ebenso eine Rolle wie die Tatsache, dass das verhältnismäßig reiche Land mit einer bitterarmen Bevölkerung im Norden zwischen 2010 und 2015 von einem Christen aus dem Süden regiert wurde.

In historischer Hinsicht argumentierte etwa Yusuf, der von saudischen Gelehrten inspiriert war und die Verwestlichung der islamischen Kultur, die Christianisierung sowie den Zuzug der Christen nach Norden und die Demokratisierung Nigerias anprangerte.30) Die vorkoloniale Geschichte des 1804 errichteten Kalifats von Sokoto und v.a. die des aus Landstrichen Nigerias, Nigers, Kameruns und des Tschad bestanden habenden Emirats von Bornu gilt für die nigerianischen Dschihadisten als Vorbild und Blaupause. Viele Boko-Haram-Anhänger wie auch Yusuf und Shekau gehör(t)en dem Volk der Kanuri an und sahen bzw. sehen sich als Nachfahren des Bornu-Reiches.

Die gegenwärtige Situation ist geprägt von einer Vertrauenskrise im Norden, deren Ursache sich als empfundene christliche Dominanz des Politikbetriebs beschreiben lässt. Bereits 2011 sorgte die Wahl von Goodluck Jonathan zum Präsidenten für Unmut, weil damit gegen das ungeschriebene Rotationsgesetz zwischen Repräsentanten aus dem Süden und Norden (so genanntes „Zoning“) verstoßen wurde.31) Noch schwerer wiegt, dass er das Versprechen an die Wähler Nordnigerias brach, nur für eine Amtszeit zu kandidieren. Somit bestätigt seine Präsidentschaft durchaus die politische Marginalisierung der Bewohner des Nordens.32) Der Wahlsieg von Muhammadu Buhari scheint ein klares Votum in dieser Hinsicht zu sein.

Das Misstrauen herrscht jedoch auf beiden Seiten. Die nigerianischen Christen sehen den Dschihad als Maßnahme zur Islamisierung des ganzen Landes und zur Entfesselung eines Religionskrieges. Dabei trug die Christian Association of Nigeria (CAN) nicht zwingend zur rhetorischen Abrüstung bei, was den Austritt der katholischen Kirche aus der CAN nach sich zog. Es verwundert daher wenig, dass radikale Christen Angriffe auf Kirchen und Christen in konfliktbelasteten Regionen in Boko-Haram-Manier organisier(t)en, um religiöse Konflikte zu befeuern.33)

Nicht minder relevant ist für das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen, dass viele im Norden stationierte Militäreinheiten aus anderen, zumeist südlichen Staaten stammen und christlichen Glaubens sein sollen. Willkürliche Beschlagnahmungen, Verhaftungen, Polizeikontrollen, außergerichtliche Hinrichtungen, auch von Kindern und Jugendlichen, sowie kollektive Bestrafungen müssen unter dieser Prämisse als unmittelbar gelebter „Krieg der Religionen“ wirken.

Die angestrebten Ziele und Forderungen hat die Organisation bereits Anfang August 2009 in einem Statement mit dem Titel „We Speak as Boko Haram“34) formuliert:

„1. That we have started a Jihad in Nigeria which no force on earth can stop. The aim is to islamize Nigeria and ensure the rule of the majority Muslims in the country. We will teach Nigeria a lesson, a very bitter one.

2. That from the Month of August, we shall carry out series of bombing in Southern and Northern Nigerian cities, beginning with Lagos, Ibadan, Enugu and Port Harcourt. The bombing will not stop until Sharia (is enforced) and Western Civilization is wiped off from Nigeria. We will not stop until these evil cities are turned into ashes.

3. That we shall make the country ungovernable, kill and eliminate irresponsible political leaders of all leanings, hunt and gun down those who oppose the rule of Sharia in Nigeria and ensure that the infidel does not go unpunished.

4. We promise the West and Southern Nigeria, a horrible pastime. We shall focus on these areas which is the devil empire and has been the one encouraging and sponsoring Western Civilization into the shores of Nigeria.

5. We call on all Northerners in the Islamic States to quit the followership of the wicked political parties leading the country, the corrupt, irresponsible, criminal, murderous political leadership, and join the struggle for Islamic Society that will be corruption free, Sodom free, where security will be guaranteed and there will be peace under Islam.

6. That very soon, we shall stir Lagos, the evil city and Nigeria’s South West and South East, in a way no one has ever done before. Al Hakubarah.35) It’s either you are for us or against us“ (Rechtschreibung im Original).

Im gleichen Atemzug erklärte die Gruppe in deutlichen Worten, welche ideologischen Vorbilder der Gegenwart für ihre Anhänger von Relevanz sind: „[…] the Boko Haram is an Islamic Revolution which impact is not limited to Northern Nigeria […] and Boko Haram is just a version of the Al Qaeda which we align with and respect. We support Osama bin Laden, we shall carry out his command in Nigeria until the country is totally Islamized which is according to the wish of Allah.“ Im November 2012 bestätigte Shekau seine Loyalität und Solidarität mit Al Qaida und der islamistischen Internationale in Mali, Somalia, Libyen, Afghanistan, Irak Pakistan, Jemen und Palästina.36)

Im Gegensatz zur klar formulierten und umgesetzten dschihadistischen Agenda enthielt der Dawa-Narrativ von Yusuf v.a. vier Bestandteile:

1. Konzept des Taghut einschließlich Säkularismus und Demokratie.

2. Einfluss der westlichen Zivilisation.

3. Arbeit für eine nicht-muslimische Regierung und

4. Auseinandersetzung mit dem ihm vorgehaltenen Sektierertum.37)

 

Strategien und Gewaltaktivismus

Obwohl sich Boko Haram als „islamische Revolution“ bezeichnet, deren Einfluss sich nicht auf den Norden Nigerias beschränkt, ist der muslimische Nordosten ihr Kerngebiet. Dies spiegelt sich auch auf der strategischen Ebene wider: Dort findet primär die Strategie des Kalifats- und des Autoritätsaufbaus Anwendung, während im Nordwesten und im Süden die Destabilisierung des politischen Systems bzw. Racheaktionen oder provokative Maßnahmen zur Verschlechterung der Lage der Muslime im Vordergrund stehen.38) Bereits Yusuf wies darauf hin, dass die Existenz eines islamischen Staates im Norden die Verhandlungsposition der Muslime gegenüber der „ungläubigen“ nigerianischen Regierung stärken würde. Die gegenwärtige Führung der Miliz scheint diese Ermahnung mehr als ernst zu nehmen. Seit 2014 kontrolliert Boko Haram in den Staaten Borno, Adamawa und Yobe zwei Dutzend Städte, wo die Miliz die administrative und religiöse Autorität für sich beansprucht, Jungen und Mädchen rekrutiert bzw. als künftiges „Staatsvolk“ entführt (seit 2014 sollen es über 2.000 Mädchen und Frauen gewesen sein) und Dschihad- bzw. Sakat-Verweigerer mit dem Tod bedroht oder umbringt.39) Ortschaften, deren Bevölkerung sich gegen die Dschihadisten auflehnt, v.a. aber die christlichen Enklaven im Norden, haben mit Racheaktionen zu rechnen.

Nach der Übernahme der Stadt Gwoza mit etwa 50.000 Einwohnern Ende August 2014 rief Boko Haram dort ein Kalifat aus. Shekau erklärte: „Allah befiehlt uns, Gwoza mit Scharia zu regieren. Er befiehlt uns sogar, die ganze Welt, nicht nur Nigeria, mit Scharia zu regieren, und nun fangen wir an.“ Die Flagge des Dschihad wurde bereits in Damboa, Gwoza, Buni Yadi, Baga, Gamboru, Madagali und weiteren Städten gehisst. Nunmehr kontrolliert die Miliz den Norden Nigerias an der Grenze zu Kamerun, Niger sowie Tschad und ist ihrem Ziel, ein grenzüberschreitendes Kalifat zu errichten, einen Schritt näher gekommen. In einer Erklärung von Shekau hieß es übereinstimmend: „Wir sind ein islamisches Kalifat. Mit Nigeria haben wir nichts zu tun“.40) Aus einem anderen Anlass äußerte er seine Sicht auf die Grenzen des Kalifats wie folgt: „Wir kennen weder Kamerun noch Tschad. Ich habe kein Heimatland - Islamiyya ist das, was ich habe.“41)

So war es nur konsequent, dass Boko Haram den Stil des IS und seines Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi in Nigeria kopierte und mit der Errichtung eines weltweiten Kalifats liebäugelte, wobei der nigerianische „Islamische Staat in Westafrika“ als Bestandteil eines dschihadistischen Archipels gelten soll. Im November 2014 erschien zum ersten Mal ein Video mit dem schwarzen Banner des Propheten als Logo von Boko Haram. Das Video wurde von einer neuen Medienagentur produziert, die sich anscheinend an einem syrischen Vorbild orientierte. Auch Akteure mit Verbindungen zu IS-Kämpfern unterstützen die mediale Kampagne von Boko Haram. Am Ende brachte der Streifen Zitate von Yusuf, in denen er ein islamisches Kalifat als Hauptziel der Organisation benannte. In einem weiteren Propagandavideo erschien Shekau in einer Moschee, trug die Tracht eines Imams und rief ein Kalifat in (Nord-)Nigeria aus. Es wurden u.a. Szenen aus Mossul eingeblendet, wo al-Baghdadi die Gründung des Islamischen Staates ankündigte. Das Video zeigte auch Szenen aus dem Leben unter der Scharia, wie es auch beim IS üblich ist. IS soll Boko Haram laut Kennern finanziell unterstützen.42) Anfang 2015 beriet der Schura-Rat der Organisation über die Frage der Treuebekundung gegenüber dem „Kalifen der Muslime Abu Bakr al-Baghdadi“.43) Anfang März hat Shekau dem „Islamischen Staat“ seine Treue geschworen. „Wir verkünden unsere Treue zum Kalifen der Muslime. Wir werden ihm folgen und gehorchen - in schwierigen wie in guten Zeiten“, hieß es in einer über das Twitter-Konto der Organisation verbreiteten Audio-Botschaft. Am 13. März 2015 verkündete der IS seine „Ausdehnung nach Westafrika“: „Das Kalifat hat den Treueschwur unserer Brüder [...] im Heiligen Krieg akzeptiert und gratuliert ihnen“, erklärte der IS-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani. Zugleich hat er dem Westen mit Anschlägen gedroht. Man werde u.a. das Weiße Haus in Washington, den Big Ben in London und den Eiffelturm in Paris angreifen.

 

Regionale und internationale Kooperation

Obwohl über die finanzielle Förderung der nigerianischen Dschihadmiliz durch den IS noch wenig Belastbares bekannt ist, sind Hilfeleistungen anderer Akteure und Netzwerke gut dokumentiert. Bereits Anfang der 2000er-Jahre rief Osama bin Laden, der sich zwischen 1992 und 1996 im Sudan aufhielt und Kontakte zu islamistischen Akteuren in Nigeria pflegte, zum Dschihad und Aufbau eines Kalifats in der Sahelzone auf. Einer der nigerianischen Emissäre, Mohammed Ali, sollte in seinem Auftrag militante Zellen gründen, weshalb er 2002 aus Afghanistan nach Nigeria zurückkehrte und politisch-salafistische Gruppen finanzierte.44)

Die meisten Kontakte zur (afrikanischen) Dschihadisten-Internationale entstanden jedoch nach Razzien 2009. Denn die zerschlagenen „nigerianischen Taliban“ flohen u.a. nach Mali, Tschad, Niger, Somalia, Algerien und Afghanistan. So schloss sich z.B. der Organisator des Bombenanschlags auf die Vereinten Nationen in Abuja am 26. August 2011, Mohammed Nur, den somalischen al-Shabaab an und schloss Kontakte zur AQIM. Einige Kämpfergruppen wurden von Muammar Ghadafi trainiert und bewaffnet.45) Seine Waffen fielen nach dem Regimesturz in die Hände der gut vernetzten islamistischen Kämpfer und gelangten u.a. nach Nigeria.

Die strategischen Hilfeleistungen von AQIM, MUJWA (Movement for Unity and Jihad in West Africa alias Jamā’at at-tawḥīd wal-jihād fī’gharb afrīqqīyā) und al-Shabaab sind nicht hoch genug einzuschätzen. Die Al Qaida-Ableger griffen den nigerianischen „Brüdern“ mit Geld, Waffen und Know-how effizient unter die Arme - mit einem sichtbaren Effekt. Fiel Boko Haram vorher v.a. durch Angriffe mit Schusswaffen auf, kamen ab Dezember 2010 unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen zum Einsatz. Ab 2011 vermochte es die Gruppe, Autobomben und später Sprengstoffwesten aus zugänglichen Materialien herzustellen.

Grenzüberschreitende Aktivitäten von Boko Haram und ideologisch verbündeten Kämpfern zielen auf zweierlei ab. Zum einen sollen Landstriche der Anrainerstaaten als Teile des früheren Kalifats unter ihre Kontrolle gebracht werden. Zum anderen bekommen sie durch gezielte destabilisierende Übergriffe Zugang zu Regionen mit reichlich vorhandenen Waffen und Söldnern wie den Norden Malis und die sudanesische Darfurregion. Um die Schmuggelrouten für Waffen und andere Güter über Kamerun, Niger und Tschad effizient nutzen zu können, gehen die Dschihadisten Kooperationen mit Kriminellen verschiedener Couleur ein. Landstriche Kameruns werden darüber hinaus als Rückzugsgebiet und Basis für Angriffe genutzt. Die Entführung von etwa 100 Jungen, Mädchen und Frauen in der Nähe des Tschadsees im August und die Verschleppung der Familienmitglieder aus dem Haus des kamerunischen Vizepremierministers im Juli 2014 sprechen Bände.

 

Ermöglichungsfaktoren des Dschihadismus in Nigeria

Wie konnte die Organisation trotz harter militärischer Bekämpfungsmaßnahmen und eines Ausnahmezustandes in ihrem Kerngebiet nicht nur bestehen bleiben, sondern auch netzwerkartige Strukturen mit so einer Schlagkraft ausbauen und nach verschiedenen Angaben für 8.000 bis 20.000 oder sogar 50.000 Kämpfer46) attraktiv erscheinen? Bei genauerem Hinsehen erweist sich die politisch nur schwach flankierte, vordergründig operativ-militärische Terrorismusbekämpfung im Norden Nigerias als Teil des Problems und mitnichten als seine Lösung. Es lassen sich zahlreiche Defizite auf der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Ebene feststellen.

Die Organisation und ihre Anliegen wurden von der Politik bis zur Entfesselung des blutigen Dschihad als heimisches und harmloses Phänomen ignoriert oder kleingeredet, sodass politische Handlungskonzepte kaum entwickelt werden konnten. Die Verhängung des Ausnahmezustandes als erster Versuch zur Gewährleistung staatlicher Ordnung bezeugte den Primat des Militärischen über das Politische. Darüber hinaus sorgt(e) die Liaison zwischen Eliten und Gewaltakteuren, die zwecks Einschüchterung politischer Gegner und Opposition oder gar für Auftragsmorde angeheuert werden, für das Erstarken der Miliz.47) So sagte der Boko-Haram-Sprecher Ali Sanda Umar Konduga alias Usman al-Zawahiri beim Verhör aus, er sei vom damaligen PDP-Senator des Borno-Staates, Ali Ndume, zur Einschüchterung politischer Gegner engagiert worden. Und ein Top-Kommandeur der Organisation soll im Haus seines Onkels, eines PDP-Senators, verhaftet worden sein.48)

Manipulation und Instrumentalisierbarkeit ethnischer sowie religiöser Gegensätze und Konflikte spiel(t)en bei der Destabilisierung der Lage eine gewichtige Rolle. Im Norden schürt(e) die politische Elite Ressentiments gegen den Präsidenten aus dem christlichen Süden, sodass die dschihadistischen Narrative von Boko Haram bei Jugendlichen auf fruchtbaren Boden fallen. Die Ankündigung der Bewegung für die Befreiung des Nigerdeltas (MEND), Moscheen und Hassprediger anzugreifen, um Christen vor Boko Haram-Übergriffen zu schützen, ist ein Zeichen dafür, dass Terrorismus vigilantistische Gewaltmaßnahmen nach sich ziehen kann und auch zieht. Der Staat ist dabei schlecht beraten, sein Gewaltmonopol an Bürgerwehren - wie 2013 erfolgt - zu delegieren.

Zudem werden terroristische Aktivitäten von Boko Haram nach wie vor verschleiert oder verharmlost. Das tagelange Schweigen über die Entführung der christlichen Mädchen in Chibok ist dafür ein starkes Indiz. Die Information über den Übergriff auf die Stadt Baga erfolgte ebenfalls erst Tage später, nachdem internationale Organisationen Alarm schlugen. Als Reaktion auf das Kalifat in Gwoza twitterte das Militär in typischer Manier: Die Souveränität und territoriale Integrität Nigerias seien noch intakt. Während 500 Soldaten nach heftigen Gefechten mit Boko Haram Ende August 2014 nach Kamerun flohen, redeten die Entscheidungsträger von einem taktischen Manöver. Das Verbot der „Bring Back Our Girls“-Kampagne, die die Zentralregierung zu einer Such- und Befreiungsaktion bewegen sollte, offenbarte erneut die Kluft zwischen dem die Gefahren herunterspielenden Staat und seinen sicherheitsbedürftigen Bürgern.49) Im Wahlkampf des Jahres 2015 spielten Dschihadismus und Terrorismus kennzeichnenderweise keine nennenswerte Rolle.

Obwohl das Land der größte Erdölexporteur und die größte Volkswirtschaft des Kontinents mit stabilen Wachstumsraten ist, ist der Großteil seiner Bevölkerung nach wie vor arm - sogar noch ärmer als nach dem Ende der Kolonialzeit. Gewinne kommen zwar dem Süden zugute, doch ihr Großteil bleibt in den Händen der korrupten Eliten, die vom paternalistischen System profitieren. Das Operationsgebiet von Boko Haram partizipiert kaum am wirtschaftlichen Aufschwung und ist das Armenhaus des Landes. Das Nord-Süd-Gefälle wirkt sich insofern verstärkt negativ aus, als der Anteil der Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung im Nordosten etwa die Hälfte ausmacht. Im Zusammenhang mit dem Umstand, dass viele Familien ihre Kinder aus Kostengründen an Koranschulen schicken (müssen), wo sie nur wenig über die Koranrezitation hinaus lernen und zwecks Finanzierung ihrer „Bildung“ für Almosen betteln müssen, wirkt sich das Versagen demokratischer Regierungen umso gravierender aus. Dschihadisten sind demgegenüber imstande, ihren jugendlichen Rekruten und Gangmitgliedern finanzielle Anreize zu bieten. Es ist zugleich Wasser auf die Mühlen der islamistischen Propaganda, dass die Armut nichts anderes als Folge der schlechten Regierungsführung ist. Die demokratische Verfassung Nigerias hat es nicht vermocht, die missliche Lage der Bevölkerung im muslimischen Norden zu verändern.50)

Ein weiterer begünstigender Faktor hängt mit den unmittelbaren Akteuren der operativen Terrorismusbekämpfung - Polizei und Militär - zusammen. Die nigerianische Armee ist den Boko-Haram-Kämpfern unterlegen, weil sie nur über wenig Erfahrung in Aufstandsbekämpfung verfügt und nicht imstande ist, ihnen geographische Rückzugsräume vorzuenthalten. Inzwischen ist die dschihadistische Miliz dank des Waffenschmuggels aus anderen Konfliktregionen und der Kollaboration des nigerianischen Militärs auch besser ausgerüstet. So wurden Anfang Juni 2014 15 hochdekorierte Armeeoffiziere, darunter zehn Generäle, wegen Verkauf von Informationen an die Dschihadisten und Waffenschieberei verurteilt. Weitere vier Offiziere sprach ein Militärgericht wegen ihrer Illoyalität schuldig.51) Das Militär scheint der eigentliche Profiteur der Unsicherheit im Land zu sein, denn etwa 20% des Haushalts fließen in die operative Terrorismusbekämpfung. Es ist daher wenig verwunderlich, dass es Akteure in den Sicherheitsbehörden gibt, die an der Instabilität interessiert sind. Auch Polizisten profitieren von der angespannten Sicherheitslage. Die unterbezahlten und geschäftstüchtigen Beamten sollen bei Politikern und Geschäftsleuten als private Sicherheitskräfte anheuern.52)

Da die Bodentruppen dem Vormarsch der Dschihadisten wenig entgegenzusetzen haben, agieren sie entweder umso brutaler, um keine Risiken einzugehen, oder kleinmütig. Es kommt darüber hinaus vermehrt die Luftwaffe zum Einsatz, die zum einen des Öfteren nicht zwischen freundlichen und feindlichen Truppen unterscheiden kann und zum anderen ganze Dörfer dem Boden gleichmacht. Die sinkende Moral der Truppen und zahlreiche Opfer unter Nicht-Kombattanten, die als vermeintliche Dschihadisten abgestempelt werden, sind die Folge. Zudem sticht ins Auge, dass das Militär eine gegnerzentrierte Strategie der operativ-militärischen Terrorismusbekämpfung verfolgt. Denn das primäre Ziel der nigerianischen Sicherheitsbehörden ist es offensichtlich nicht, die Zivilbevölkerung zu schützen, sondern den tatsächlichen oder vermeintlichen Feind in die Knie zu zwingen oder zu vernichten. Das Ziel gilt auch dann als erreicht, wenn sich infolge der (unverhältnismäßigen) Gewaltanwendung weitere Bevölkerungssegmente radikalisieren. Rückt das Militär ab, bleibt die in Mitleidenschaft gezogene Zivilbevölkerung allein mit nachrückenden Dschihadisten oder muss erneut ihr Heil in der Flucht suchen.

Grundsätzlich gilt die Dschihadmiilz vielerorts als das kleinere Übel, während die Joint Task Force als brutale Okkupationsarmee angesehen wird. Denn immer wieder geht sie der dschihadistischen Strategie des bewussten Eingehens des Risikos massiver Repressalien gegen die eigene Zielgruppe auf den Leim. So wurden z.B. am 19. April 2013 mindestens 185 Zivilpersonen getötet und über 2.000 Häuser niedergebrannt, nachdem ein Militärkonvoi angegriffen worden war. Am 14. März 2014 tötete das Militär mindestens 640 Männer und Jugendliche, die vorher von Boko Haram aus einem Gefängnis in Maiduguri befreit wurden. Zahlreiche Fälle unverhältnismäßiger wie illegaler Gewaltanwendung sind inzwischen gut dokumentiert.53) Amnesty International zufolge hat sich das nigerianische Militär Kriegsverbrechen schuldig gemacht. Mehr als 1.200 Personen wurden außergerichtlich hingerichtet und mindestens 20.000 Jugendliche und junge Erwachsene willkürlich verhaftet. Allein in der zweiten Juniwoche 2013 verhaftete das Militär 916 „Boko Haram-Verdächtige“. „Hunderte, wenn nicht Tausende“ Männer und Jugendliche sind verschleppt worden.54) Der Kampf um Herzen und Köpfe der Bevölkerung scheint also längst verloren zu sein.

Auch auf dem Gebiet der multilateralen Kooperation sind deutliche Defizite zu erkennen. Abgesehen davon, dass die durch die Kolonialmächte gezogenen Grenzen in der Tschadseeregion willkürlich sind und es etwa 1.500 nicht kontrollierte Wege zwischen Nigeria, Niger, Tschad und Kamerun gibt, lässt das Monitoring der Grenzen und Schmuggelrouten v.a. in Niger, Kamerun und Nigeria selbst zu wünschen übrig. Denn die Kooperation zwischen den Anrainerstaaten ist nur rudimentär vorhanden, und es fehlt an Material, Technik und qualifiziertem Personal. Zwar wurde im Januar 2015 die Multinational Joint Task Force (MJTF) zwischen Nigeria, Kamerun und Tschad aus dem Jahr 1998 reaktiviert. Jonathan ließ schon früher die Truppen aus Tschad auf dem nigerianischen Territorium gegen Boko Haram vorgehen. Doch die militärischen Bekämpfungsmaßnahmen stehen nach wie vor im Vordergrund. Das militärische Engagement der Anrainerstaaten zeitigt nach Eigenangaben Erfolge: Im Februar und März soll es der MJTF gelungen sein, etwa 36 Städte unter ihre Kontrolle zu bringen. Im März teilte die nigerianische Regierung mit, dass lediglich drei Verwaltungsgebiete unter Kontrolle der Dschihadisten stünden. Es gelang jedoch nicht, die zurückeroberten Gebiete (langfristig) zu halten. Denn die Dschihadisten starteten eine Gegenoffensive und führten zahlreiche Anschläge etwa in Borno durch. Die früheren militärischen Erfolge waren v.a. den südafrikanischen Söldnern zu verdanken, die Goodluck Jonathan engagierte. Seither versagt die Armee erneut und verliert in den Bundesstaaten Borno, Yobe und Adamawa an Terrain - als Konsequenz entließ Präsident Buhari am 14. Juli 2015 die gesamte Führung der Armee und den nationalen Sicherheitsberater.

 

Ausblick

Zusammenfassend sei festgehalten, dass zahlreiche Herausforderungen durch den Dschihadismus in Nigeria u.a. in anfänglicher (militärischer) Überreaktion und inkonsistenten Reaktionen des Staates begründet liegen. Die beschriebenen politischen, ökonomischen, militärischen, geographischen u.a. Ermöglichungsfaktoren wurden von der Regierung entweder nicht oder äußerst defizitär angegangen. V.a. hapert(e) es an ethnischem wie konfessionellem Dialog bzw. der Vertrauensbildung, der Beseitigung lokaler Gewaltökonomien und „Schattenglobalisierung“, der sozioökonomischen Modernisierung, der Ausweitung politischer Partizipation, der Verbesserung der Regierungsführung und dem Umgang mit nicht-militanten Islamisten. Auch operative Bekämpfungsmaßnahmen - Schutz kritischer Infrastrukturen, geheimdienstliche Aufklärung und Frühwarnung vor Tätern, Maßnahmen zur Austrocknung der Finanzquellen und Überwachung des illegalen Waffen- wie Geldtransfers sowie Einsatz militärischer Mittel - erwiesen sich als inkonsistent und ineffizient. Alles in allem liegt der Schluss nahe, dass das Boko-Haram-Netzwerk nach wie vor erfolgreich sein wird.

Der nominierte Präsident Muhammadu Buhari scheint den Ernst der Lage erkannt zu haben und versucht die militärischen Erfolge zu zementieren. Die Verlegung der militärischen Kommandozentrale von Abuja nach Maiduguri, ins „Epizentrum“ des Kampfes war eine seiner ersten Maßnahmen. Er versprach, die MJTF mit 100 Mio. USD zu unterstützen, wobei auch die USA fünf Mio. in Aussicht stellten. Die Kooperation scheint sich also zu verbessern. Der Austausch der ganzen Armeespitze Mitte Juli 2015 zeigt, dass Buhari die Streitkräfte komplett neu organisieren will. Die neuen Befehlshaber sollen zudem die Zusammenarbeit mit den Armeen von Tschad und Niger intensivieren. Allerdings zeigt die Dschihadtruppe enorme Resilienz und ist flexibel hinsichtlich ihrer Taktiken. Auf die Ankündigung der Verlegung der militärischen Kommandozentrale folgten Angriffe auf Militär und Zivilbevölkerung in Maiduguri. Am 15. Juni erfolgten zwei Selbstmordanschläge in der tschadischen Hauptstadt, die die Bevölkerung erschütterten. Erhöhen die Dschihadisten ihren Druck auf die Anrainerstaaten, droht ihnen ein „Zweifrontenkrieg“, dessen Ausgang ungewiss ist. Das Erstarken des IS in Libyen lässt vermuten, dass sich die grenzüberschreitende Kooperation der Dschihadisten noch mehr intensiviert. Daher ist es verfrüht, vom (nachhaltigen) Erfolg im Kampf gegen Boko Haram & Co. zu sprechen.

 


 

ANMERKUNGEN:

1) Boko Haram selbst führte in einer 2009 veröffentlichten Dschihaderklärung (s.u.) aus: „[…] Boko Haram does not in any way mean ‚Western Education is A sin’ as the infidel media continue to portray us. Boko Haram actually means ‚Western Civilisation is forbidden’. The difference is that while the first gives the impression that we are opposed to formal education coming from the West, that is Europe, which is not true, the second affirms our believe in the supremacy of Islamic culture (not Education), for culture is broader, it includes education but not determined by Western Education. In this case we are talking of Western Ways of life which include: constitutional provision as if relates to, for instance the rights and privileges of Women, the idea of homosexualism, lesbianism, sanctions in cases of terrible crimes like drug trafficking, rape of infants, multi-party democracy in an overwhelmingly Islamic country like Nigeria, blue films, prostitution, drinking beer and alcohol and many others that are opposed to Islamic civilisation“ (Rechtschreibung im Original). Vgl. „Boko Haram ressurects, declares total Jihad“, Vanguard, 14.8.2009, http://www.vanguardngr.com/2009/08/boko-haram-ressurects-declares-total-jihad/ [15.1.2015].

3) Vgl. Amnesty International (Hrsg.), „Our job is to shoot, slaughter and kill“. Boko Haram’s reign of terror in NorthEast Nigeria, London 2014, S.29-76.

4) Vgl. Moritz Hütte/Guido Steinberg/Annette Weber: Boko Haram: Gefahr für Nigeria und seine nördlichen Nachbarn. In: Guido Steinberg/Annette Weber (Hrsg.): Jihadismus in Afrika. Lokale Ursachen, regionale Ausbreitung, internationale Verbindungen. SWP-Studie, Berlin 2015, S.91-106, hier 103.

5) Vgl. ebd., S.91; Institute for Economics & Peace (Hrsg.), Global Terrorism Index 2014, New York 2014, S.33, 50.

6) Vgl. dazu: Stefan Malthaner: Terroristische Bewegungen und ihre Bezugsgruppen. In: Peter Waldmann (Hrsg.), Determinanten des Terrorismus, Weilerswist 2004, S.85-138.

7) Die Organisation selbst spricht von 1.000 getöteten Mitgliedern: „Boko Haram lost over 1000 of our Marty members killed by the wicked Nigerian army and police mostly of Southern Nigeria extraction. That the Southern states, especially the infidel Yoruba, Igbon and Ijaw infidels will be our immediate target“. Vgl. „Boko Haram ressurects, declares total Jihad“, Vanguard, 14.08.2009, http://www.vanguardngr.com/2009/08/boko-haram-ressurects-declares-total-jihad/ [15.1.2015].

8) Vgl. „Video shows Nigeria ‚executions’“, Al Jazeera, 9.2.2010, http://www.aljazeera.com/news/africa/2010/02/2010298114949112.html [15.12.2014].

9) Vgl. Marc Engelhard: Heiliger Krieg - heiliger Profit. Afrika als neues Schlachtfeld des internationalen Terrorismus, Bonn 2014, S.138; vgl. Moritz Hütte/Guido Steinberg/Annette Weber: Boko Haram, S.95.

10) Vgl. Kyari Mohammed: The message and methods of Boko Haram. In: Marc-Antoine Perouse de Montclos (Hrsg.), Boko Haram: Islamism, politics, security and the state in Nigeria, Leiden 2014, S.9-32, hier 25.

11) Moritz Hütte/Guido Steinberg/Annette Weber: Boko Haram, S.95.

12) Vgl. Will Ross, „Boko Haram crisis: Why it is hard to know the truth in Nigeria“, BBC, 13.1.2015, http://www.bbc.com/news/world-africa-30794829 [13.1.2015].

13) Vgl. „African countries declare war on Boko Haram“, Al Jazeera, 17.5.2014, http://www.aljazeera.com/news/africa/2014/05/nigeria-neighbours-pledge-war-boko-haram-201451716358410917.html [15.12.2014].

14) Vgl. Kyari Mohammed: The message and methods of Boko Haram, S.10.

15) Vgl. ICG (Hrsg.), Curbing Violence in Nigeria (II): The Boko Haram, Brussels 2014, S.7.

16) Vgl. ebd., S.9.

17) Vgl. Emmanuel Franklyne Ogbunwezeh: „Von Amina Lawal zu Boko Haram: Ein Jahrzehnt Scharia in Nord-Nigeria (1999-2009)“, Internationale Gesellschaft für Menschenrechte, http://www.igfm.de/nigeria/ein-jahrzehnt-scharia-in-nord-nigeria/ [11. Dezember 2014].

18) Vgl. Jochen Stahnke: „Jahre des Terrors“, FAZ.NET, 10.5.2014, http://www.faz.net/islamisten-von-boko-haram-jahre-des-terrors-12933466.html [10.1.2015].

19) Vgl. Kyari Mohammed: The message and methods of Boko Haram, S.19.

20) Vgl. ICG (Hrsg.): Curbing Violence in Nigeria (II), S.12.

21) Vgl. „New Islamist group emerges in Nigeria, vows to defend all Muslims in Africa“, Long War Journal, 4.1.2012, http://www.longwarjournal.org/threatmatrix/archives/2012/06/new_islamist_group_emerges_in.php [12.12.2014].

22) Vgl. ICG (Hrsg.): Curbing Violence in Nigeria (II), S.26.

23) Vgl. Jacob Zenn: „Cooperation or Competition“: Boko Haram and Ansaru After the Mali Intervention. In: CTC Sentinel, March 2013, Vol. 6, Issue 3, S.1-8, S.6.

24) Vgl. „Al-Qaeda in Maghreb ‚threatens Germany over hostage’“, BBC, 22.3.2012, http://www.bbc.com/news/world-africa-17479002 [08.1.2015].

25) Vgl. Jacob Zenn: „Cooperation or Competition“, S.5.

26) Vgl. ICG (Hrsg.): Curbing Violence in Nigeria (II), S.18ff.

27) Marc-Antoine Perouse de Montclos: „Nigeria’s Interminable Insurgency? Addressing Boko Haram Crisis“, Chatham House Research Paper, S.11.

28) Vgl. Yossef Bodansky: „The Boko Haram and Nigerian Jihadism“, ISPSW Strategy Series, No. 276, June 2014, S.8.

29) Vgl. Nesrine Jamoud, „Islamismus und islamistischer Terrorismus in Nigeria“. In: ISPK (Hrsg.), Jahrbuch Terrorismus 2011/2012, Kiel 2012, S.271.

30) Vgl. Marc-Antoine Perouse de Montclos: „Nigeria’s Interminable Insergency? Addressing Boko Haram Crisis“, Chatham House Research Paper, S.7.

31) Vgl. Nkwachukwu Orji, „Nigeria’s 2015 Election in Perspective“. In: Africa Spectrum 3/2014: 121-133, S.124.

32) Vgl. Nina Müller: „Boko Haram - Terror ohne Ende?“, HSFK Standpunkte, Nr. 4/2014, S.5; vgl. Moritz Hütte/Guido Steinberg/Annette Weber: Boko Haram, S.93.

33) Vgl. Kyari Mohammed: The message and methods of Boko Haram, S.21.

34) „Boko Haram ressurects, declares total Jihad“, Vanguard, 14.8.2009, http://www.vanguardngr.com/2009/08/boko-haram-ressurects-declares-total-jihad/ [15.1.2015].

35) Ob dieser unverständlichen bzw. fehlerhaften Formulierung wird darüber spekuliert, dass es sich bei dem Schreiben um eine Fälschung handeln könnte.

36) „We are with our mujahideen brothers in the Cause of Allah everywhere, in Afghanistan, Chechnya, Pakistan, Kashmir, Iraq, the Peninsula of Muhammad [Saudi Arabia], Allah’s peace and prayer be upon him, Yemen, Somalia, Algeria, and other places that I didn't mention“, heißt es in einer Übersetzung der SITE Intelligence Group. Vgl. Bill Roggio: „Boko Haram emir praises al Qaeda“, Long War Journal, 30.11.2012, http://www.longwarjournal.org/archives/2012/11/boko_haram_emir_prai.php [30.01.2014].

37) Vgl. Kyari Mohammed: The message and methods of Boko Haram, S.15.

38) Vgl. Jacob Zenn: „Boko Haram, Islamic State and the Archipelago Strategy“. In: Terrorism Monitor, Vol. XII, Issue 24, December 19, 2014, S.20-23, S.20.

39) Vgl. ebd.

40) Vgl. Laura Grossman, Thomas Joscelyn: „Analysis: Boko Haram focuses on seizing territory“, Long War Journal, 28.8.2014, http://www.longwarjournal.org/archives/2014/08/new_emerging_goals_o.php [17.01.2015].

41) Vgl. Yossef Bodansky: „The Boko Haram and Nigerian Jihadism“, S.12.

42) Vgl. Jacob Zenn: „Boko Haram, Islamic State and the Archipelago Strategy“, S.22.

43) Thomas Joscelyn: Jihadist divisions grow in Nigeria, Long War Journal, 23.2.2015, http://www.longwarjournal.org/archives/2015/02/jihadist-divisions-grow-in-nigeria.php [23.02.2015].

44) Vgl. ICG (Hrsg.): Curbing Violence in Nigeria (II), S.23.

45) Vgl. Yossef Bodansky: „The Boko Haram and Nigerian Jihadism“, S.13.

46) Vgl. Jacob Zenn: „Boko Haram: Recruitment, Financing, And Arms Trafficking in the Lake Chad Region“. In: CTC Sentinel, Vol. 7, Issue 10, S.5-10, S.5.

47) Vgl. Marc Engelhardt: Heiliger Krieg - heiliger Profit, S.142.

48) Vgl. ICG (Hrsg.): Curbing Violence in Nigeria (II), S.15-16.

49) Vgl. Nina Müller: „Boko Haram - Terror ohne Ende?“, S.4ff.

50) Vgl. ebd.

51) Vgl. Johannes Dieterich: „Nigeria sabotiert sich selbst“, Frankfurter Rundschau, 25.7.2014, http://www.fr-online.de/politik/boko-haram-nigeria-sabotiert-sich-selbst,1472596,27942494.html [08.01.2015.

52) Vgl. ICG (Hrsg.): Curbing Violence in Nigeria (II), S.5.

53) Amnesty: Folter ist für Nigerias Polizisten und Soldaten Routine, unter: https://www.amnesty.de/presse/2014/9/22/amnesty-folter-ist-fuer-nigerias-polizisten-und-soldaten-routine?destination=node%2F2991 [22. September 2014]; Nigeria: Schockierende Videoaufnahmen belegen Verwicklung des Militärs in Gräueltaten, https://www.amnesty.de/2014/8/5/nigeria-schockierende-videoaufnahmen-belegen-verwicklung-des-militaers-graeueltaten?destination=node%2F2991%3Fpage%3D1 [5. August 2014].

54) Vgl. Stars on Their Shoulders, Blood on Their Hands, unter: https://www.amnesty.org/en/articles/blogs/2015/06/stars-on-their-shoulders-blood-on-their-hands/ (3.6.2015).