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Von Versailles über Paris nach Moskau Strategische Optionen und Perspektiven des Deutschen Reiches im Spiegel nationaler Machtpolitik (Teil 2)


Eberhard Birk/Gerhard P. Groß


Das „Dritte Reich“ war wie das deutsche Kaiserreich ein Kriegsreich: Die Zeit vom 30. Januar 1933 bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges war von der Kriegsvorbereitung geprägt.[1]) Hierbei spielten insbesondere zwei ideologische „Grundgesetze“ eine wesentliche Rolle: Es ging erstens um das Ziehen von - vermeintlichen - Lehren aus der „Dolchstoßlegende“.[2]) Zweitens sollte alles - über die Errichtung eines totalitär-autoritären Staates auf der Basis der NS-Weltanschauung und die Wiedererlangung einer Großmachtposition für das Deutsche Reich durch den Bruch des Versailler Vertrages und die Aufrüstung der Streitkräfte - der Vorbereitung eines Krieges „zur Eroberung neuen Lebensraumes im Osten und dessen rücksichtslose[r] Germanisierung“ dienen, wie es Hitler in seiner ersten Rede als Reichskanzler bereits am 3. Februar 1933 den versammelten Spitzen der Reichswehrführung schonungslos ehrlich ausführte.[3]) Damit verfügten Hitler und die deutsche Generalität über eine „Teilidentität der Ziele“.[4]) Sie waren die Ausgangsbasis für eine aggressive, den Krieg vorbereitende Außen- und Militärpolitik des „Dritten Reiches“.

 

1. Die ideologische Dimension

Die Vorstellung, „die Revolution“ am Ende des Ersten Weltkrieges sei dem siegreich im Felde stehenden Heer in den Rücken gefallen, hatte zur Folge, dass es aus Sicht der Nationalsozialisten galt, innenpolitisch die propagandistisch aufgeladene „Volksgemeinschaft“[5]) zu erzeugen, die selbst bei einem ungünstigen Kriegsverlauf weiterhin „in Treue fest“ hinter „Führer“ und Wehrmacht stehen würde - die innere Kriegsvorbereitung. Als Bindeglied zur äußeren Kriegsvorbereitung - Außenpolitik und militärstrategisches Vorgehen in den folgenden Jahren bis 1939 - fungierte das Autarkiebestreben. Um von den Rohstofflieferungen aus Übersee nicht mehr abhängig zu sein, was im Ersten Weltkrieg durch die Fernblockade der britischen Marine zu gigantischen Versorgungsproblemen aller Art im Deutschen Reich geführt hatte, sollte ein „Ost-Imperium“,[6]) das durch den Vorstoß in das kollabierende ehemalige Russische Reich 1918 für kurze Zeit, mental aber als potenzielle Zukunftschance, wirkungsmächtig wurde, zur wirtschaftlichen und strategischen Autarkie des Deutschen Reiches beitragen.

Die Ausbeutung und Bewirtschaftung des angestrebten östlichen nationalsozialistischen Kolonialreiches hingegen konnte nur durch ein gewaltiges Sklavenheer „slawischer Untermenschen“, das von der industriell organisierten Vernichtungsmaschinerie verschont bleiben würde, gewährleistet werden.[7]) Um diesen Raum zu erringen, war es für die außenpolitische und militärstrategische Vorgehensweise aus nationalsozialistischer Perspektive zunächst unumgänglich, dafür Sorge zu tragen, dass die Heimatbasis gesichert und der strategische Rücken hinreichend unangreifbar war. Mittels des „Sammelns von Deutschen“ und des Aufrollens von den strategischen Flanken sollten die das Deutsche Reich und die Sowjetunion trennenden Staaten Mittel- respektive Osteuropas dem nationalsozialistischen Herrschaftsbereich einverleibt werden. Erst die sukzessive Schaffung einer gemeinsamen deutsch-sowjetischen Militärgrenze ermöglichte den völkerrechtswidrigen und grundsätzlich verbrecherischen rassenideologischen Angriffs- und Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion.

 

2. Die militärpolitische Dimension

Bereits die Bekanntgabe und die Einführung von allgemeiner Wehrpflicht und Luftwaffe im März 1935 waren offensichtliche Verstöße gegen die Bestimmungen des Versailler Vertrages. Ihr Ziel war die Vergrößerung des Heeresumfangs,[8]) die Vervollständigung des Streitkräftedispositivs[9]) und die Ankurbelung der Rüstungsindustrie bei gleichzeitigem Abbau der Arbeitslosigkeit. Die Schaffung einer „NS-Volksgemeinschaft“ mit sozialem und modernem Impetus förderte gleichzeitig als Nebenfolge auch den weiteren Ausbau und die zunehmende Homogenität respektive Festigung der innenpolitischen „Zustimmungsdiktatur“.[10])

Der rasante Aufwuchs der „Wehrmacht“ seit März 1935 verschlang vor dem Hintergrund des im Sommer 1936 verfügten „Vierjahresplanes“ - ein wehr- und rüstungspolitischer Katalysator - immense Ressourcen und förderte dabei auch die Rivalität der deutschen Wehrmachtteile. Insbesondere die neu aufzustellende Luftwaffe unter Führung Hermann Görings erhielt zum Missfallen von Heer und Marine einen überproportional großen Anteil. Im Rahmen einer am 5. November 1937 in der Reichskanzlei herbeigeführten Klärung drängte Hitler auf eine forcierte Rüstung und bezeichnete das zu klärende „Raumproblem“ als dringend und nicht gefahrlos. Spätestens 1943-45 werde es Krieg geben, gegebenenfalls unter günstigen Rahmenbedingungen bereits im Jahre 1938.[11]) Das Revirement an der Spitze der Wehrmacht im Zuge der Blomberg-Fritsch-Krise im Februar 1938 brachte mit der Schaffung des OKW unter Generaloberst Wilhelm Keitel und Hitlers Übernahme des Oberbefehls über die Wehrmacht die definitive Ausschaltung einer nominell tatsächlich nicht mehr vorhandenen eigenständigen Rolle der Wehrmacht als zweiter Säule des NS-Staates.[12])

 

3. Außenpolitische Stationen der Kriegsvorbereitung

Der Protest der Signatarmächte des Versailler Vertrages nach dem ersten gravierenden Verstoß des „Dritten Reiches“ durch die Maßnahmen vom März 1935 - die diplomatische „Front von Stresa“ - war verhalten: Italien zielte auf eine Wiederherstellung alter römischer Größe und auf die koloniale Landnahme an der Gegenküste in Nordafrika ab. Zusammen mit dem Krieg in Abessinien forderte Mussolini die britische Position im Mittelmeer heraus. Auch als im März 1936 die Wehrmacht ins entmilitarisierte Rheinland einmarschiert war, blickte Großbritannien noch auf Italien - und eine für Frankreich ernste konfrontative Situation eskalieren zu lassen, nur weil deutsche Soldaten in deutschen Uniformen in deutsches Gebiet einrückten, schien Großbritannien nicht verantwortbar. Indes beförderte die für den Diktator als zögerlich und weich eingestufte Reaktion der westlichen Demokratien den Willen, für die Vorbereitung seiner Ziele an Fahrt aufzunehmen.

Hitlers außenpolitische „Leistungsbilanz“ war zu diesem Zeitpunkt bereits beträchtlich: Mit dem am 20. Juli 1933 unterzeichneten Konkordat zwischen dem „Dritten Reich“ und dem Vatikan erhielt Hitler einen völkerrechtlichen „Ritterschlag“ und damit einen Zuwachs an Legitimität. Mit Polen wurde am 26. Januar 1934 ein auf zehn Jahre angelegter Nichtangriffspakt geschlossen, der den potenziellen Druck auf die Ostgrenze des Reiches nahm. Am 13. Januar 1935 stimmten 91% der Bevölkerung in einer Volksabstimmung dem Beitritt des Saarlandes zum Reich zu.

Frankreichs schwaches Bündnissystem der Nachkriegszeit war damit komplett gescheitert. Der kurz darauf geschlossene französisch-sowjetische Beistandspakt (2. Mai 1935) schien zwar neue Handlungsmöglichkeiten Frankreichs zu schaffen, zumal der am 16. Mai 1935 geschlossene Beistandspakt zwischen der Sowjetunion und der Tschechoslowakei das Reich zumindest im Südosten vor das Problem einer möglichen Diversion stellte. Dieser vermeintliche strategische Mehrwert für Frankreich wurde indes durch das deutsch-britische Flottenabkommen vom 18. Juni 1935 geradezu konterkariert - am 120. Jahrestag der Schlacht bei Waterloo. Wieder zeigte sich für Frankreich schmerzlich, dass es Hitler gelang, sukzessive seine eigenen Ziele erfolgreich zu realisieren. Gleichzeitig zeigte dies aber auch Hitler, dass Großbritanniens strategische Politik zur Stabilisierung seines Empire in Fernost für ihn die Chance eröffnete, kontinentale Konzessionen zu erreichen. Die als Schwäche interpretierbare Haltung Großbritanniens verleitete Hitler zu weiteren Schritten.

Bei einer „strategischen“ Betrachtung der den Krieg vorbereitenden Außenpolitik des „Dritten Reiches“ ist der Einsatz der „Legion Condor“ zur Unterstützung des putschenden Generals Franco im Spanischen Bürgerkrieg 1936-39[13]) weniger unter der Perspektive eines Tests der neuen deutschen Luftstreitkräfte zu sehen. Für ein beabsichtigtes strategisches Ausgreifen in den Osten des Kontinents musste es Hitler vielmehr darauf ankommen, seinen strategischen Rücken im Westen sicher zu wissen. Ein sozialistisches Spanien und ein potenziell von einer „Volksfront“ regiertes Frankreich stellten eine ständige latente Bedrohung dar. Bei einem Sieg Francos konnte Hitler mehrere Pluspunkte erreichen: Ein faschistisches Spanien konnte zu „Dank“ verpflichtet sein, eventuell Truppen in Hitlers späterem Krieg stellen und „strategische“ Bodenschätze für die deutsche Rüstungsindustrie liefern. Zumindest aber, wenn all dies nicht eintreten sollte, würde es Frankreich zum Dislozieren von Truppenkontingenten an den Pyrenäen zwingen, die dann an der deutschen Westfront fehlen würden - bei einem Krieg gegen Frankreich genauso wie bei einem Krieg im Osten zur Unterstützung von Frankreichs Bündnispartner Polen.

Der nächste, nun auf Expansion gerichtete Schritt der NS-Außenpolitik vollzog sich vor dem Hintergrund der Zuspitzung des deutsch-österreichischen Verhältnisses aufgrund einer vom österreichischen Kanzler Schuschnigg beabsichtigten Volksbefragung hinsichtlich einer weiteren Eigenstaatlichkeit Österreichs. Dies bot Hitler auch zur Ablenkung von der Blomberg-Fritsch-Krise im Februar 1938 die Gelegenheit, seine strategische Position zu verbessern. Mit dem Einmarsch der Wehrmacht in Österreich im März 1938 erhielt Hitler zusätzliche „Deutsche“, neue Divisionen des ersten Österreichischen Bundesheeres und einen enormen Devisenzuwachs.[14]) Der wiederholte Verstoß gegen das System der Pariser Vorortverträge führte zwar zu einem erneuten Protest Frankreichs, das jedoch aufgrund des Spanischen Bürgerkrieges, einer angespannten innenpolitischen Situation und der Verweigerungshaltung Großbritanniens, weil alleinstehend, zu einem aktiven Eingreifen nicht imstande war.

Für Großbritannien, das weiterhin in Fernost gebunden war, wo Japan seinen aggressiven Eroberungskurs einschlug, und das weiterhin das Italien Mussolinis argwöhnisch beobachtete, war ein Eingreifen auch aus ideellen Gründen nicht zielführend, konnte doch Hitler wie schon zuvor beim Einmarsch ins entmilitarisierte Rheinland darauf verweisen, dass die Zustimmung zu seiner Außenpolitik geradezu überwältigend war.[15]) Der verhaltene britische Protest war letztlich auch ein Spiegel unverhohlener „Realpolitik“ - der Zugewinn Österreichs für das NS-Reich hatte nämlich keinerlei Auswirkungen auf Gibraltar, Malta und den Suez-Kanal, d.h. die neuralgischen Punkte der britisch-maritimen strategischen Achse im Mittelmeer. Seit der Besetzung Österreichs war eine generell systematische Glacisbildung zu erkennen, die darauf abzielte, perspektivisch jedem zwischen dem „Dritten Reich“ und der Sowjetunion liegenden Staat durch politischen Druck und Repressionen respektive  Erpressungen die strategische Flanke abzugewinnen.

Die Tschechoslowakei wurde seit dem März 1938 von Norden, Westen und Süden durch das neue „Großdeutsche Reich“ bedroht. Als nächstes Teilziel sollte die Instrumentalisierung der Sudetendeutschen dazu beitragen, das staatliche Fundament der Tschechoslowakei zu unterminieren. Die im September 1938 mit der Münchner Konferenz gefundene diplomatische Lösung war indes nur ein Waffenstillstand vor dem Krieg.[16])

Der Zuschlag des Sudetenlandes war für Hitler nicht unbedeutend: Die beiden Westmächte konnten die territoriale Integrität der einzig verbliebenen Demokratie in Mittelosteuropa nicht schützen; der nach dem Einmarsch ins Rheinland und in Österreich dritte „Blumenfeldzug“ für die Wehrmacht brachte die tschechoslowakischen Grenzbefestigungen[17]) genauso wie wichtige Rohstofflagerstätten in die Hand des „Großdeutschen Reiches“ und ließ die „Rest-Tschechei“ schutzlos - Hitler konnte das Tempo seines Vorgehens selbst wählen. Großbritanniens „Appeasement-Politik“ schien Hitler die Gewissheit zu geben, er habe im Osten „freie Hand“. Die Sowjetunion war sogar aufgrund ihrer Missachtung als Großmacht durch Großbritannien und Frankreich für Hitler ein potenzieller temporärer Partner geworden, wenn es in ihrem Vorfeld um territoriale Veränderungen der Zukunft ging. Aber auch propagandistisch konnte sich Hitler auf der sicheren Seite wähnen - alles schien mit dem „Selbstbestimmungsrecht“ kompatibel, wenn auch die Sudetendeutschen „heim ins Reich“ geführt wurden.

Die Tschechoslowakei wurde dadurch in eine gefährliche militärstrategische Defensivposition manövriert. Ihre „Zerschlagung“, an der im März 1939 auch Polen und Ungarn mitwirkten, führte zum „Reichsprotektorat Böhmen und Mähren“; die abgespaltene Slowakei wurde unter den „Schutz“ des „Großdeutschen Reiches“ gestellt - mit dem „Recht“, deutsche Stützpunkte zu errichten. Es war evident, dass das nächste Opfer Polen werden würde, was Großbritannien dazu bewog, Ende März 1939 eine Garantieerklärung für die Unversehrtheit der polnischen Westgrenze abzugeben. Ein gewaltsames Vorgehen gegen Polen würde somit zwangsläufig zum Zweifrontenkrieg führen.

Diese Gefahr wollte Hitler durch die propagandistisch-ideologische Kehrtwende in Form eines Arrangements mit Stalin abwenden. Hitler konnte Stalin, in der Absicht, diese der Sowjetunion beim angestrebten Krieg ohnehin wieder zu entreißen, große Teile Ostmitteleuropas „anbieten“. Sein Vorteil lag dabei darin, den diplomatischen Handlungsradius der Westmächte einzuengen, indem er ihnen den Machtfaktor Sowjetunion entriss und durch den drohenden Einmarsch der Roten Armee im Osten Polens dieses zur strategischen Diversion zwang, was den Druck auf die im Westen Polens dann vorrückende Wehrmacht verringerte.

Auch für die Sowjetunion hatte der „Hitler-Stalin-Pakt“ Sinn:[18]) Er schuf Stalin ein gigantisches Sicherheitsglacis vor seiner sowjet-russischen Westgrenze, das selbst bei einem drohenden Angriff Hitlers Raum und Zeit für eine strategische Auszehrung bot. Zu diesem militärstrategischen Gewinn Stalins stellt sich ein gesamtstrategischer Zugewinn in Form einer ideologischen „Bestätigung“: Ein siegreicher Feldzug Hitlers gegen Polen war für die Westmächte Großbritannien und Frankreich nicht hinnehmbar. Ein direkt daraus folgender Krieg des „Dritten Reiches“ zumindest gegen Frankreich würde den Druck von Stalins „Westfront“ erheblich reduzieren. Stalin konnte auf Zeit spielen und sich eine spätere Schiedsrichterrolle erhoffen, die seinen relativen Machtstatus bei einer gegenseitigen Schwächung der „kapitalistischen“ Westmächte perspektivisch zu einem „garantierten“ strategischen Mehrwert machen würde. Allein der schnelle Erfolg der Wehrmacht in Frankreich und der unbändige Wille Hitlers, bei laufendem Krieg gegen Großbritannien - „Luftschlacht um England“[19]) - dennoch die Sowjetunion anzugreifen, machte dieser „Goldrand-Lösung“ einen Strich durch die Rechnung: Stalin hatte sowohl Willen als auch Fähigkeiten Großbritanniens und Frankreichs über-, und jene des „Dritten Reiches“ unterschätzt.

 

4. Militärstrategische Perspektiven 1939-1941

Mit der schnellen Niederschlagung Polens im September 1939 ist der Wehrmacht im Grunde ein umgekehrter Schlieffen-Plan gelungen:[20]) Einer von zwei möglichen Kontrahenten wurde in kurzer Zeit erfolgreich niedergeworfen. Mit dem Wenden gegen den Uhrzeigersinn wurde durch das Unternehmen „Weserübung“[21]) über das Ausgreifen nach Norden über Dänemark nach Norwegen aus (militär-)strategischer Perspektive ein dreifacher Erfolg erzielt: Gegen Großbritannien wurde eine verlängerte See- und Luftfront geschaffen, die Kontrolle der Ostseezugänge unterband eine potenzielle Verbindung Großbritanniens zur Sowjetunion bei gleichzeitig gesicherter Zufuhr wichtiger Erze aus Schweden zur Stärkung der rüstungswirtschaftlichen Basis.

Der Krieg gegen das als stärkste Militärmacht Europas geltende Frankreich schien aus Sicht der Wehrmachtsgeneralität erneut ein potenziell „langer Krieg“ zu werden. Die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg war auch in Frankreich präsent. Durch den Bau der Maginot-Linie schuf Frankreich eine in Beton gegossene Perpetuierung des statischen, aus der Wahrnehmung eines vierjährigen Stellungs- respektive Grabenkrieges gewonnenen Kriegsbildes.

Das Deutsche Reich entschied sich für eine andere Variante: Bei der vom Heereswesen geprägten Reichswehr wurde, nicht zuletzt aufgrund des Verbotes einer Luftwaffe durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages von 1919,[22]) der Gedanke einer operativ beweglich geführten gepanzerten Angriffswaffe entwickelt. Während Frankreich der Panzerwaffe eine gewisse Nachrangigkeit gegenüber der Infanterie zuwies (mit Auswirkung auf Doktrin und Geschwindigkeit), „exerzierte“ die Wehrmacht auf operativ-taktischem Terrain mit dem Ansatz von „Feuer und Bewegung“ unter Einbindung von Luftnahunterstützung und Gefechtsfeldabriegelung jene „Blitzkrieg“-Konzeption vor, die trotz Friktionen im Mai 1940 schnell auf den „Weg nach Dünkirchen“ führte, wo unterschiedlichste politische Erwägungen den „Haltebefehl“ generierten.[23])

Die sich anschließende Besetzung großer Teile Frankreichs führte zu dem für die Militärs erstaunlichen Ergebnis, dass damit in kurzer Zeit das Erreichen der „Kriegszielpolitik“ des Ersten Weltkrieges bei Weitem übertroffen wurde: Mit dem Zugriff auf die französische Atlantikküste eröffnete sich eine strategische Seeposition für das nationalsozialistische „Dritte Reich“, die für die kaiserliche Seekriegsleitung unerreichbar geblieben war - indes waren der Erfolg in Frankreich und die sich eröffnenden maritimen Positionen gegen Großbritannien und in der Zukunft bei einem intendierten „Weltkrieg“ gegen die USA nicht „Hitlers Krieg“.

Was im Westen unerwartet gelang, wurde zur planerischen Absicht für das „Unternehmen Barbarossa“[24]) im Osten. Aus politischer und militärischer Sicht wurde ein schneller Sieg erwartet. Der Erfolg gegen Frankreich, Stalins kurz zuvor durchgeführte (überbewertete) Säuberungswelle im Offizierkorps der Roten Armee, die Schwierigkeiten der Roten Armee im Winterkrieg gegen Finnland 1939/40, aber auch die Erinnerung an das durch den „Eisenbahnvormarsch“ deutscher Truppen im Jahr 1918 geschaffene „Ost-Imperium“, gepaart mit dem rassenideologischen Überlegenheitswahn, schufen eine gesamtpolitische und militärische Lagebeurteilung,[25]) die mit den „lessons learned“ aus dem Frankreich-Feldzug auf militärischer Organisationsebene das doktrinale Erfolgskonzept abbildete: Je eine Panzergruppe wurde den Heeresgruppen Nord und Süd zugewiesen, zwei Panzergruppen der die Hauptlast des Angriffs tragenden Heeresgruppe Mitte, die nördlich und südlich der gigantischen Pripjet-Sümpfe mit der in der Weisung Nr. 21 festgeschriebenen Zielsetzung - „Endziel der Operation ist die Abschirmung gegen das asiatische Russland aus der allgemeinen Linie Wolga - Archangelsk“ [26]) - am 22. Juni 1941 den Angriff auf die Sowjetunion starteten, der die Wehrmacht im Dezember 1941 bis ins Vorfeld des Kremls führte. Spätestens seit Dezember 1941 („Wende vor Moskau“,[27]) Kriegserklärung an die USA[28])) war der finale „Endsieg“ des „Großdeutschen Reiches“ unwahrscheinlich geworden.

Dass für den Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 ein gegen Frankreich 1940 erfolgreiches operatives Konzept zur militärischen Grundlage eines Weltanschauungskrieges erhoben wurde, das später perspektivisch nur noch auf der taktischen Ebene „erfolgreich“ war, hinterlässt den durch Quellen nicht zu belegenden und beklemmenden Eindruck einer bereits zu Beginn inszenierten „Götterdämmerung“.[29])

 

5. Operatives Denken des deutschen Heeres im Frieden und Krieg 1933-1945

 

5.1. Operatives Denken in der Wehrmacht bis Kriegsbeginn

Der Erste Weltkrieg hatte die Schwächen des deutschen operativen Denkens[30]) schonungslos offen gelegt. Trotzdem war die überwiegende Mehrzahl der deutschen Offiziere davon überzeugt, überlegene gegnerische Potenziale könnten nur durch schnelle Operationsführung unterlaufen werden.

Die Bedeutung, die der Chef der Heeresleitung, Generaloberst Hans von Seeckt, der operativen Ausbildung im Reichsheer zumaß, belegt die Erarbeitung von „Leitlinien für die obere Führung im Kriege“.[31]) Diese sollten, da die Vorschrift „Führung und Gefecht der verbundenen Waffen“ (F.u.G.) nur auf die taktische Führung einging, die höhere Führung behandeln. Die von Oberst Konstantin Hierl im Auftrag des Truppenamtes vorgelegte Ausarbeitung ist ein einzigartiges Zeugnis für das operative Denken in der Reichswehr Anfang der 1920er-Jahre, die sich bis in einzelne Formulierungen ganz auf der Linie des klassischen operativen Denkens bewegt. Wie zu Zeiten Schlieffens war das Ziel aller Operationen die Vernichtung der feindlichen Streitkräfte. Der Politik wurde weiterhin der Einfluss auf die Führung der Operationen abgesprochen. Für das Problem der personellen Unterlegenheit galt weiterhin die Maxime, bessere Qualität von Führung und Truppe in Kombination mit einer schnellen Operationsführung gleiche die feindliche Überlegenheit in gewissen Grenzen aus. Die besondere Bedeutung seelischer Faktoren und des unbedingten Willens zum Sieg wird immer wieder im Zusammenhang mit personeller oder materieller Unterlegenheit herausgestellt. Unter dem Kapitel Heeresbewegungen geht Hierl auf die Bedeutung und die Grenzen der Motorisierung für die operative Führung ein. So erachtet er den Einsatz von Panzern aufgrund ihrer technischen Anfälligkeit noch als sehr schwierig. Die von Hierl vorgelegten Leitlinien spiegeln in ihren innovativen und restaurativen Elementen den Zwiespalt wider, in dem sich die Reichswehrführung in den 1920er-Jahren befand. Materiell und personell allen potenziellen Gegnern weit unterlegen, entwickelte das Reichsheer eine moderne, innovative, auf Bewegung und das Gefecht der verbundenen Waffen konzentrierte Taktik, während es im operativen Denken, gefangen zwischen restaurativen und innovativen Überlegungen bzw. utopischen Entwürfen einer groß angelegten operativen Kriegführung nachhing. Diese ruhten fest auf dem Fundament Schlieffen’scher Ideen und wurden nur selektiv durch Kriegserfahrungen, z.B. Akzeptanz des Durchbruchs, modernisiert. Im Zentrum der Leitlinien stand wie zu Zeiten Schlieffens der Angriff mit dem Ziel der Umfassung. Hier zeigt sich besonders das restaurative Moment der Hierl’schen Vorlage, hatte der Weltkrieg doch das Ende der Alleingültigkeit der Umfassung gebracht.[32])

Mit der Entwicklung moderner Panzer und Flugzeuge sowie den Fortschritten in der Kommunikationstechnik schienen Ende der 1920er-Jahre die Kampfmittel für eine schnelle bewegliche operative Kriegführung vorhanden. Erste Überlegungen dazu waren in der Reichswehr im Rahmen einer exzessiven Rezeption der französischen Vorstellungen, die den Tank als Hilfsmittel der Infanterie ansahen und daher schwere, aber unbewegliche Tanks bevorzugten, sowie der britischen, die leichte und mittlere Tanks für den Einsatz selbstständiger Verbände befürworteten, kontrovers in den militärischen Fachjournalen diskutiert worden.[33]) So hatte schon wenige Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges Friedrich von Bernhardi die Bedeutung der Tanks für die bewegliche Kriegführung in einem zukünftigen Krieg thematisiert.[34])

Andere Offiziere wie der spätere Generaloberst Heinz Guderian waren der Überzeugung, das Potenzial von Kampfwagen und Flugzeug sei für einen modernen Bewegungskrieg bei Weitem noch nicht ausgeschöpft und müsse zukünftig in die operativen Überlegungen und die Ausbildung einbezogen werden.[35]) Diesen Standpunkt führte er 1927 in seinem Beitrag „Bewegliche Truppenkörper“,[36]) der sich auf britische Vorstellungen bezog, erstmalig aus und belegte, Infanterie und Kavallerie, so habe der Weltkrieg gezeigt, hätten angesichts der Feuerwirkung moderner Abwehrwaffen nicht ausreichend Stoßkraft, um eine schnelle Waffenentscheidung zu erzwingen. Über diese verfüge jedoch der Kampfwagen in Verbindung mit dem Flugzeug. Daher sprach er sich für die Bildung eines Kampfwagenverbandes aus, der in Verbindung mit der Luftwaffe zu selbstständiger Wahrnehmung von Gefechtsaufgaben befähigt, im Rahmen der beweglichen Kriegführung eingesetzt werden solle. Alle diese Überlegungen fanden zu einem Zeitpunkt statt, als Deutschland aufgrund des Vertrages von Versailles weder über Panzer noch über Flugzeuge verfügte und die Armee auf 100.000 Mann begrenzt war.

Dies änderte sich mit der „Machtergreifung“ Hitlers im Januar 1933. Am 16. März 1935 verkündete Hitler mit dem „Gesetz für den Aufbau der Wehrmacht“ die Wehrhoheit und führte die allgemeine Wehrpflicht wieder ein. Damit setzte zugleich der Übergang von der zwischenzeitlich schon begonnenen defensiven hin zu einer offensiven Aufrüstung ein. Ziel war es, ein Massen- und Angriffsheer zu schaffen, das in einem kontinentaleuropäischen Zwei- oder Mehrfrontenkrieg in Unterlegenheit eine schnelle Kriegsentscheidung erzwingen konnte. Ob dies in der Realität wirklich möglich sein würde, war jedoch umstritten. Wirtschaftliche, finanzielle oder materielle Gesichtspunkte traten gegenüber dem traditionell im deutschen Generalstab geltenden Primat des operativen Denkens zurück.

Welche operativen Grundlagen sollten dem neu aufzustellenden Heer zugrunde liegen? Die Frage, ob der Panzer das Kriegsmittel der beweglichen Kriegführung zur Umsetzung der immer noch als richtig angesehenen operativen Doktrin sein sollte, wurde von fast allen Offizieren bejaht. Heftig stritten sie jedoch über die entscheidende Frage, ob der Panzer als Hilfsmittel der Infanterie oder als operativ selbstständiger Panzerverband eingesetzt werden solle.

Der Chef des Allgemeinen Heeresamtes, Generaloberst Friedrich Fromm, sprach sich für die Stärkung der klassischen Infanteriekomponente aus. Nach seiner Überzeugung diente der Panzer der Infanterie am besten, indem er ihr den Einbruch in das feindliche Stellungssystem ermöglichte. Panzerverbände waren für ihn ebenso wie die Artillerie Unterstützungstruppen der Infanterie und sollten zur Infanterieunterstützung im Rahmen begrenzter Gegenstöße eingesetzt werden.[37])

Andere Offiziere wie der spätere General der Panzertruppe, Walther Nehring, forderten den operativen Panzereinsatz. Gestützt auf auswärtige Erfahrungen, Kriegserfahrungen und eigene Vorstellungen entwickelten sie ein taktisch-operatives Konzept für den operativen Panzereinsatz.[38]) Dieses stützte sich nicht zuletzt auf das von deutscher Seite im Ersten Weltkrieg entwickelte und erfolgreich eingesetzte Stoßtrupp- oder Kampfgruppenverfahren.[39]) Nicht zersplittert, sondern beweglich sollte der Panzer massiert dort eingesetzt werden, wo der taktische Angriff zur operativen Entscheidung führen konnte. Grundsätzlich unterstützt von Luftwaffe, Pionieren, motorisierter Infanterie und Artillerie sollte die Panzerwaffe dank ihrer Stoßkraft im Gefecht der verbundenen Waffen, losgelöst von dem langsamen Angriffstempo der Infanterie, den Durchbruch forcieren. Voraussetzungen für den Erfolg waren: Schwerpunktbildung, geeignetes Gelände, Überraschung sowie der massierte Einsatz in genügender Breite und Tiefe. Ziele des Panzerangriffs waren in erster Linie die Panzerabwehr, die Artillerie, die Reserven und die Befehlszentren in der Tiefe des Verteidigungsraums. Nach erfolgreichem Durchbruch sollten in einem Panzerverband zusammengefasste Panzerdivisionen beweglich gegen Flanke und Rücken des Gegners vorgehen und Umfassungsoperationen mit dem Ziel der Schlachtentscheidung durchführen.[40]) Die Entwicklung eines operativen Panzereinsatzes war jedoch nicht, wie dank geschickter Eigendarstellung und Medienarbeit bis vor wenigen Jahren (Jahrzehnten) in der einschlägigen Literatur zur Geschichte der deutschen Panzertruppe zu lesen war,[41]) nicht allein das Werk Guderians, sondern das einer größeren Gruppe von Offizieren.[42]) Hier ist besonders der österreichische General Ludwig Ritter von Eimannsberger zu nennen. Er propagierte mit seinem Buch als einer der Ersten die operative Verwendung von Panzerverbänden und brachte den zukünftigen Panzereinsatz mit folgenden Worten auf den Punkt: „Meine Theorie tritt für die operative Ausnützung des Panzers als Hauptwaffe ein. Sie schafft dafür die Panzerdivision, eine neue operative Einheit, aus allen Waffen bestehend, aber mit dem Panzerwagen als Hauptwaffe, zum operativen Durchbruch; und die Kraftwagendivision, eine schnelle Division, zur Zusammenarbeit mit der Panzerdivision einerseits, zu rascher Verschiebung in der Panzerabwehr anderseits. Das Buch vertritt die enge Zusammenarbeit von Panzerwagen und Flieger.“ [43]) Eimannsbergers Manuskript hat Guderians Vorstellungen über den operativen Panzereinsatz wesentlich beeinflusst.[44])

Auch die immer wieder von Guderian selbst verbreitete Behauptung, er habe den operativen Panzereinsatz gegen eine traditionalistische Gruppe um den Chef des Generalstabes, Generaloberst Ludwig Beck, im Generalstab durchsetzen müssen,[45]) hält neueren Studien nicht stand. Beck hat sehr wohl die Bedeutung operativer Panzerverbände erkannt; er war auch nicht grundsätzlich gegen den Aufbau einer Panzertruppe - der Dissens zwischen Beck und Guderian ist vielmehr auf ressortmäßige Unstimmigkeiten und eine tiefe persönliche Antipathie beider Offiziere zurückzuführen.[46])

Im Streit über die Frage, ob der Panzer zur Unterstützung der Infanterie oder operativ selbstständig in Panzerdivisionen eingesetzt werden sollte, neigte sich 1937/38 die Waage eindeutig zugunsten der letzteren Option, wobei die operative Innovation sich wie schon im 19. Jahrhundert langsam und gegen Widerstände aus einer taktischen Innovation, nämlich aus dem auf deutscher Seite entwickelten Stoßtrupp- oder Kampfgruppenverfahren entwickelte. Der taktisch-operative Innovationsprozess, der schon im Ersten Weltkrieg begonnen hatte und sich u.a. in den neuen Vorschriften „Führung und Gefecht der verbundenen Waffen“ und der „Truppenführung“, aber auch in der Entwicklung der Panzerdoktrin widerspiegelt, lief trotz aller Probleme nicht so schwerfällig ab, wie es militärischen Lernprozessen gerne unterstellt wird. Im Vergleich zum europäischen Ausland verlief er sogar geradezu schnell und zielstrebig.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der neue Heeresaufbau eine um militärtechnische und organisatorische Veränderungen angereicherte Restauration des kaiserlichen Heeres war. Dies traf auch auf das operative Denken zu. Während es dem neu gegründeten Generalstab doch weitgehend gelang, seine operativen Gedanken umzusetzen, scheiterte er mit dem Versuch, die einzigartige Führungsstellung in operativen Fragen zu erhalten und so die tradierte Machtstellung innerhalb des militärischen Gefüges zu sichern. Immer noch im wilhelminischen Denken einer eindimensionalen Vorstellung von Macht als militärischer Macht verfangen, verlief parallel zum Aufbau des Massen- und Angriffsheeres und des Kampfes um die Machtposition des Heeres sowie des Generalstabes im militärischen Gesamtgefüge die grundsätzliche Diskussion zwischen Generalstab und OKW, ob operative Erwägungen sich politischen Erwartungen unterzuordnen hätten oder ob der Kriegseinsatz von operativ-strategischen Prämissen abhing. Der Rücktritt Becks im September 1938 als Folge der Blomberg-Fritsch-Krise und der deutschen Kriegsplanungen gegen die Tschechoslowakei sowie die Übernahme des Oberbefehls über die Wehrmacht durch Hitler entschied diese Frage zuungunsten der Heeresleitung und des Generalstabs. In den folgenden Jahren griff die politische Führung in der Person Hitlers immer stärker in den ureigensten Bereich der operativen Planungen des Generalstabs ein. „Die Gleichschaltung der Wehrmacht auf dem Gebiet der operativen Planungen“, so Deist, vollzog sich nach dem Ausscheiden Becks rasch und ohne Friktionen.[47]) Eine zentrale militärische Planungs- und Führungsinstanz, die schon im Ersten Weltkrieg gefehlt hatte, wurde jedoch erneut nicht geschaffen - eine Lücke, die Hitler geschickt ausnutzen sollte.

 

5.2. Operatives Denken und Handeln seit Kriegsbeginn

Ein Vierteljahrhundert nach Beginn des Ersten Weltkrieges begann das Deutsche Reich am 1. September 1939 mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg. Deutschland trat im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg ohne einen vorbereiteten Kriegsplan in den Krieg ein. Ein strategisches Blitzkriegskonzept existierte weder in der politischen noch in der militärischen Führung des Reiches.[48]) Im Gegenteil: Die Operationspläne für den Angriff auf Polen wurden gerade einmal wenige Monate vor Angriffsbeginn und jene gegen Frankreich sogar erst nach dem Sieg über Polen ausgearbeitet.[49]) Der Generalstab agierte jedoch nicht im luftleeren Raum, denn seine Operationsplanungen ruhten auf dem deutschen operativen Denken. Auch unter dem Diktator Adolf Hitler galt es daher im Generalstab als ausgemachte Maxime, durch eine möglichst rasche, auf dem Schlachtfeld zu erzielende Entscheidung das überlegene feindliche Potenzial zu unterlaufen und den Krieg binnen kürzester Frist zu beenden.

Die schnellen Erfolge in den ungeplanten „Blitzkriegen“ gegen Polen und Frankreich verdeckten jedoch die Tatsache, dass das Problem der Beweglichkeit nur vordergründig gelöst worden war, waren von den 157 zu Angriffsbeginn im Westen 1940 zur Verfügung stehenden Divisionen doch lediglich 16 Divisionen voll motorisiert und somit uneingeschränkt für eine operativ bewegliche Kriegführung geeignet.[50]) 90% der Heeresdivisionen unterschieden sich in ihrer Beweglichkeit nicht von den Divisionen des Ersten Weltkrieges. Ihre Geschwindigkeit wurde wie im Ersten Weltkrieg durch den Marschtritt der Infanteristen und das Dahintrotten der bespannten Artillerie bestimmt. Nicht nur in der Beweglichkeit, auch in der Bewaffnung war das deutsche Heer ein Zweiklassenheer. Viele der älteren Soldaten kämpften 1940 noch mit Waffen, die sie schon im Ersten Weltkrieg genutzt hatten. Die weitverbreitete Vorstellung einer „vollmotorisierten deutschen Blitzkriegsarmee“ ist das Ergebnis einer geschickten, noch bis heute nachwirkenden NS-Propagandakampagne, die verdeckte, dass die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg mehr Pferde einsetzte als die kaiserliche Armee im Ersten Weltkrieg.[51])

Der unterschiedliche Motorisierungsgrad des Heeres zwang die Operateure im Generalstab, den Faktor Zeit neu zu bewerten. Es galt die Frage zu beantworten, wie eine bewegliche Operationsführung mit einer Armee „der zwei Geschwindigkeiten und unterschiedlichen Qualitäten“ geführt werden sollte. Die Antwort fanden die Generalstabsoffiziere im klassischen deutschen operativen Denken. Ganz im Sinne Schlieffens setzten sie im Polen- und im Westfeldzug auf eine konsequente, hohe Risiken in Kauf nehmende Schwerpunktbildung der motorisierten, durch taktischen Lufteinsatz unterstützten Eliteverbände. Diese erzwangen die Durchbrüche und erkämpften die Schlachtentscheidung. Gekoppelt mit dem für die deutsche Operationsführung ebenfalls zentralen Element der Überraschung gerieten die Siege über Polen und Frankreich zu einem Triumph des deutschen operativen Denkens. Dabei erweiterten die Enkel Schlieffens dessen Umfassungsdoktrin notwendigerweise um den von Schlieffen vernachlässigten taktisch-operativen Durchbruch.

Die unerwarteten Erfolge in den ersten Kriegsjahren können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Kernprobleme des deutschen operativen Denkens auch zu Beginn des Zweiten Weltkrieges nicht gelöst waren. So kam es während der Planungen zum Angriff auf die Sowjetunion zu keiner klaren operativ-strategischen Entscheidung. Hitler stellte die vom Generalstab angestrebte klassische Schlachtentscheidung als Operationsziel zugunsten wirtschaftlicher und ideologischer Raumziele zurück. Der darüber entbrannte Konflikt zwischen Hitler und Halder um den Operationsplan gegen die Sowjetunion[52]) rührte an den Grundfesten des operativen Denkens des Generalstabes, stellte Hitler doch das Dogma der Vernichtung der feindlichen Streitmacht, also die Schlachtentscheidung, in Frage. Letztlich setzte sich der Diktator mit seinen Ideen durch.

Der Verlauf des Krieges gegen die Sowjetunion deckte dessen Schwächen schonungslos auf. Der schlechte Motorisierungsgrad hatte zur Folge, dass die schnellen Verbände ihren Vormarsch häufig den langsamen, nur teil- oder gar nicht motorisierten Infanteriedivisionen anpassen mussten. Die vom Generalstab angestrebten kriegsentscheidenden Vernichtungsschlachten blieben daher aus. Auch die als Ausgleich für die personelle Unterlegenheit traditionell angewandte Schwerpunktbildung stieß wie im Ersten Weltkrieg an ihre Grenzen, als die Armee über den grenznahen Raum um Mitteleuropa hinaus in der Tiefe des russischen Raumes Krieg führen musste. Der Russlandfeldzug offenbart zugleich eine operative Hybris, die sich aus dem Superioritätsgefühl des Sieges über Frankreich sowie den Erfahrungen mit den russischen Streitkräften im Ersten Weltkrieg speiste, die nach Wahrnehmung vieler Offiziere quasi mit der „linken Hand“ besiegt worden waren. Diese sich sehr schnell als Fehlperzeption erweisenden Überzeugungen ignorierten dabei nicht zuletzt im Gefühl der im NS-Regime weit verbreiteten rassischen Überlegenheit der germanischen über die slawische „Rasse“ sowohl die Warnungen Moltkes d. Ä. und Schlieffens vor der Tiefe des russischen Raumes als auch die Erfahrungen mit der Tapferkeit der russischen Soldaten in der Verteidigung des letzten Weltkrieges.[53])

Die einseitige Konzentration auf das operative Element der Kriegführung verstärkte die traditionelle Vernachlässigung der Logistik im deutschen operativen Denken. Das auf eine grenznahe Kriegführung im mitteleuropäischen Raum ausgelegte traditionelle logistische Konzept des Heeres, das im Westen mit Abstrichen funktioniert hatte, stieß schon während der Planungsphase für den Überfall auf die Sowjetunion an seine Grenzen.[54])

Das „Unternehmen Barbarossa“ offenbarte zudem das im deutschen operativen Denken strukturell angelegte strategische Defizit. Die Überbetonung des operativen Denkens hatte seit Schlieffen zu einer Vernachlässigung der strategischen Ebene geführt. Dieses Versäumnis führte zu einem eindimensionalen militärischen Denken im Generalstab und eröffnete Hitler die Möglichkeit, ihn zuerst auf der operativ-strategischen, später auch auf der operativ-taktischen Ebene weitgehend zu entmachten und die operative, teilweise sogar die taktische Führung des Heeres selbst zu übernehmen. Während die Führung des Heeres weiterhin das schnelle Unterlaufen des feindlichen Ressourcenaufbaus als einzige Lösung des strategischen deutschen Dilemmas zur Verhinderung eines langen Abnutzungs- und Volkskrieges präferierte, schloss das OKW aus den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges einen langwierigen Abnutzungs-, Wirtschafts- und Volkskrieg nicht aus. Diese strategische Denkweise des OKW, die sich eher mit den strategischen und wirtschaftlichen „Raumeroberungs- und Beherrschungsvorstellungen“ Hitlers deckte, war den Operateuren im Generalstab des Heeres eher fremd. Sie integrierten nur diejenigen Faktoren einer modernen technisierten Kriegführung in ihre Operationsführung, die in ihr tradiertes operatives Konzept passten. Für die Umsetzung seines operativen Konzeptes war der Generalstab letztlich sogar bereit, strukturelle Defizite der deutschen operativen Doktrin wie die Vernachlässigung der Logistik oder die große personelle Unterlegenheit durch eine verbrecherische Kriegführung auszugleichen. Dies hatte zur Folge, dass der Krieg gegen die Sowjetunion im Gegensatz zu den Feldzügen im Westen zu einem Vernichtungskrieg ausartete, in dessen Verlauf nicht im klassischen Sinne des deutschen Vernichtungsgedankens die feindliche Streitmacht lediglich kampfunfähig gemacht, sondern der Hungertod der sowjetischen Gefangenen sowie großer Teile der Bevölkerung billigend in Kauf genommen wurde.

Diese Aspekte der deutschen Kriegführung wurden im Generalstab und von den Operateuren wie Generalfeldmarschall Erich von Manstein ebenso wie die strategischen Aspekte der Kriegführung weitgehend verdrängt.[55]) Verhaftet in ihrem klassischen operativen, auf die Schlachtentscheidung ausgelegten Denken sahen sie sich durch Hitlers starre Haltebefehle in der Defensive und seine falsche operativ-strategische Ausrichtung in der Offensive um den Erfolg gebracht. Hitler und nicht etwa das eindimensionale operativ-strategische Denken, so suggerierte Manstein nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg, hatte die operativen Erfolge des Heeres und damit des Generalstabes zu „verlorenen Siegen“ abgewertet. Wie schon nach dem Ersten Weltkrieg bot die Personalisierung der Schuld die Möglichkeit, von den auch im Zweiten Weltkrieg aufgetretenen strukturellen Defiziten des deutschen operativen Denkens abzulenken. Die völlige Unterschätzung des Gegners, einhergehend mit einer Überschätzung der eigenen Möglichkeiten, zeigt, dass die Wehrmachtführung dem gleichen Realitätsverlust anheim fiel wie zuvor die OHL im Ersten Weltkrieg.

Die deutsche operative Doktrin war der militärische Lösungsversuch, das strategische Dilemma, eine kontinentale Hegemonie ohne ausreichende wirtschaftliche, militärische und politische Machtbasis erringen zu wollen. Diesem lag die Realitätsverweigerung des realen Machtpotenzials Deutschlands durch die militärischen und politischen Eliten zugrunde. Das deutsche operative Denken barg immer hohe, die Existenz des Reiches in Frage stellende Risiken und war beileibe kein Siegesrezept, sondern letztlich nur eine Notlösung - die Doktrin für „den Krieg des armen Mannes“, der gleichwohl einen „Platz an der Sonne“ anstrebte.

 

ANMERKUNGEN:



[1]) Zur Außenpolitik vgl. Marie-Luise Recker: Die Außenpolitik des Dritten Reiches 1933-1945, München 1990 (= Enzyklopädie Deutscher Geschichte, 8).

[2]) Vgl. Boris Barth: Dolchstoßlegenden und politische Desintegration. Das Trauma der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg 1914-1933, Düsseldorf 2003 und Rainer Sammet: „Dolchstoß“. Deutschland und die Auseinandersetzung mit der Niederlage im Ersten Weltkrieg (1918-1933), Berlin 2003.

[3]) Vgl. statt vieler Andreas Wirsching: „Man kann nur Boden germanisieren“. Eine neue Quelle zu Hitlers Rede vor den Spitzen der Reichswehr am 3. Februar 1933. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 49 (2001) Heft 3, S.131-150.

[4]) Zum Begriff vgl. Manfred Messerschmidt: Die Wehrmacht im NS-Staat. Zeit der Indoktrination, Hamburg 1969, S.1.

[5]) Vgl. Ian Kershaw: „Volksgemeinschaft“. Potenzial und Grenzen eines neuen Forschungskonzeptes. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 59 (20011) Heft 1, S.1-17.

[6]) Vgl. Hildebrandt: Das vergangene Reich, S.363-372 und Winfried Baumgart: Deutsche Ostpolitik 1918. Von Brest-Litowsk bis zum Ende des Ersten Weltkrieges, Wien u.a. 1966.

[7]) Vgl. Mark Mazower: Hitlers Imperium. Europa unter der Herrschaft der Nationalsozialisten, München 2011 und Mechthild Rößler/Sabine Schleiermacher (Hrsg.): Der „Generalplan Ost“. Hauptlinien der nationalsozialistischen Planungs- und Vernichtungspolitik, Berlin 1993.

[8]) Vgl. Jürgen Förster: Die Wehrmacht im NS-Staat. Eine strukturgeschichtliche Analyse, München 2007 (= Militärgeschichte kompakt Bd. 2).

[9]) Vgl. Karl-Heinz Völker: Die deutsche Luftwaffe 1933-1939. Aufbau, Führung und Rüstung der Luftwaffe sowie die Entwicklung der deutschen Luftkriegtheorie, 2. Aufl. Stuttgart 1967 (= Beiträge zur Militär- und Kriegsgeschichte, 8).

[10]) Zum Begriff vgl. Frank Bajohr: Die Zustimmungsdiktatur. Grundzüge nationalsozialistischer Herrschaft in Hamburg. In: Hamburg im „Dritten Reich“, hrsg. v. der Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg, Göttingen 2005, S.69-121.

[11]) Vgl. Bernd-Jürgen Wendt: Großdeutschland. Außenpolitik und Kriegsvorbereitung des Hitler-Regime, München 1987, S.192-202.

[12]) Vgl. hierzu generell Klaus-Jürgen Müller: Das Heer und Hitler. Armee und nationalsozialistisches Regime 1933-1940, Stuttgart 1969 (= Beiträge zur Militär- und Kriegsgeschichte Bd.10) sowie Hans-Ulrich Thamer: Die Erosion einer Säule. Wehrmacht und NSDAP. In: Rolf-Dieter Müller/Hans-Erich Volkmann (Hrsg.): Die Wehrmacht. Mythos und Realität, München 1999, S.420-435.

[13]) Vgl. Walter L. Bernecker: Krieg in Spanien 1936-1939, 2. Aufl. Darmstadt 2005.

[14]) Vgl. Paul Kennedy: Aufstieg und Fall der großen Mächte. Ökonomischer Wandel und kriegerische Konflikte von 1500 bis 2000, Frankfurt/M. 1987, S.464.

[15]) Vgl. Mazower: Hitlers Imperium, S.59.

[16]) Vgl. Hildebrand: Das vergangene Reich, S.651-666.

[17]) Vgl. die Abbildung bei Bernecker: Europa zwischen den Weltkriegen, S.97.

[18]) Vgl. zudem Heinrich Schwendemann: Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion von 1939 bis 1941. Alternative zu Hitlers Ostprogramm, Berlin 1993 (= Quellen und Studien zur Geschichte Osteuropas, 31).

[19]) Vgl. Klaus A. Maier: Die Luftschlacht um England. In: MGFA (Hrsg.), Die Errichtung der Hegemonie auf dem europäischen Kontinent, Stuttgart 1979 (= Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, 2), S.375-408.

[20]) Vgl. Groß: Raum als operationsgeschichtliche Kategorie, S.134.

[21]) Vgl. Hans-Martin Ottmer: „Weserübung“. Der deutsche Angriff auf Dänemark und Norwegen im April 1940, München 1995 (= Operationen des Zweiten Weltkrieges, 1).

[22]) Vgl. Artikel 198: „Deutschland darf Luftstreitkräfte weder zu Lande noch zu Wasser als Teil seines Heerwesens unterhalten.“ Reichsgesetzblatt 1919, S.1333-1349.

[23]) Vgl. Karl-Heinz Frieser: Blitzkrieg-Legende. Der Westfeldzug 1940, München 1995 (= Operationen des Zweiten Weltkrieges, 1).

[24]) Vgl. Roland G. Foerster (Hrsg.): „Unternehmen Barbarossa“. Zum historischen Ort der deutsch-sowjetischen Beziehungen von 1933 bis Herbst 1941, München 1993 (= Beiträge zur Militärgeschichte, 40) sowie Rolf-Dieter Müller/Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): Hitlers Krieg im Osten 1941-1945. Ein Forschungsbericht. Darmstadt 2000.

[25]) Vgl. Hans-Erich Volkmann (Hrsg.): Das Russlandbild im Dritten Reich, Böhlau, Köln u.a. 1994.

[26]) Walther Hubatsch (Hrsg.): Hitlers Weisungen für die Kriegführung 1939-1945. Dokumente des Oberkommandos der Wehrmacht, München 1965, S.97.

[27]) Vgl. Klaus Reinhardt: Die Wende vor Moskau. Das Scheitern der Strategie Hitlers im Winter 1941/42, München 1972 (= Beiträge zur Militär- und Kriegsgeschichte, 13).

[28]) Vgl. Recker: Außenpolitik des Dritten Reiches, S.37f.

[29]) Vgl. Bernd Wegner: Hitler, der Zweite Weltkrieg und die Choreographie des Untergangs. In: Geschichte und Gesellschaft 26 (2000), S.493-518.

[30]) Dazu grundsätzlich neuerdings Gerhard P. Groß: Mythos und Wirklichkeit. Geschichte des operativen Denkens im deutschen Heer von Moltke d.Ä. bis Heusinger, Paderborn u.a. 2012 (= Zeitalter der Weltkrieg, 9).

[31]) Leitlinien für die obere Führung im Kriege von Oberst Hierl 1923, BArch, RH 2/2901. Hierl schied am 30. November 1923 aus dem aktiven Dienst aus.

[32]) Da die operative Ausbildung der Generalstabsoffiziere durch die Führer- und Generalstabsreisen gewährleistet sei, lehnte Seeckt die Herausgabe der Ausarbeitung als Vorschrift ab. Auch eine private Veröffentlichung Hierls wurde aus Geheimhaltungsgründen untersagt. Dies zeigt, dass Hierl zumindest in Ansätzen die deutsche operative Doktrin für einen eventuellen Zukunftskrieg niedergeschrieben hatte.

[33]) Zur Diskussion in den deutschen Militärzeitschriften vgl. Markus Pöhlmann: Von Versailles nach Armageddon: Totalisierungserfahrungen und Kriegserwartung in deutschen Militärzeitschriften. In: An der Schwelle zum Totalen Krieg. Die militärische Debatte über den Krieg der Zukunft, 1919-1939, hrsg. von Stig Förster, Paderborn 2002, S.323-391, hier S.358-366.

[34]) Vgl. Friedrich von Bernhardi: Vom Kriege der Zukunft. Nach den Erfahrungen des Weltkrieges, Berlin 1920, S.224.

[35]) Vgl. Hew Strachan: European Armies and the Conduct of War, London u.a. 1983, Winfried Heinemann: The Development of German Armoured Forces 1918-40. In: Armoured Warfare, hrsg. von J.P. Harris und F.H. Toase, London 1990, S.51-69.

[36]) Heinz Guderian: Bewegliche Truppenkörper (Eine kriegsgeschichtliche Studie, 5 Teile). In: Militär-Wochenblatt 18 (1927), Sp. 649-653, 19 (1927), Sp. 687-694, 20 (1927), Sp. 728-731, 21 (1927), Sp. 772-776 und 22 (1927) Sp. 819-822.

[37]) Vgl. Bernhard R. Kroener: Der starke Mann im Heimatkriegsgebiet. Generaloberst Friedrich Fromm. Eine Biographie, Paderborn u.a. 2005, S.246-248.

[38]) Zur Entwicklung dieses Konzeptes siehe: Heinz Guderian: Achtung-Panzer! Die Entwicklung der Panzerwaffe, ihre Kampftaktik und ihre operativen Möglichkeiten, Stuttgart 1937, Heinz Guderian: Schnelle Truppen einst und jetzt. In: Militärwissenschaftliche Rundschau (1939), S.229-243, Uwe Bitzel: Die Konzeption des Blitzkrieges bei der deutschen Wehrmacht, Frankfurt/Main u.a. 1991 (= Europäische Hochschulschriften, Reihe III, Geschichte und Hilfswissenschaften, 477), S.266-287; Robert M. Citino: The Path to Blitzkrieg. Doctrine and Training in the German Army, 1920-1939, Boulder 1999, S.105-249; Richard L. DiNardo: German Armour Doctrine: Correcting the Myths. In: War in History 3 (1996) 4, S.384-397 und Hubertus Senff: Die Entwicklung der Panzerwaffe im deutschen Heer zwischen den beiden Weltkriegen, Frankfurt/Main 1969.

[39]) Zur Entwicklung des Stoß- oder Kampfgruppenverfahrens siehe Gerhard P. Groß: Das Dogma der Beweglichkeit. Überlegungen zur Genese der deutschen Heerestaktik im Zeitalter der Weltkriege. In: Erster Weltkrieg - Zweiter Weltkrieg. Ein Vergleich. Krieg, Kriegserlebnis, Kriegserfahrung in Deutschland, hrsg. im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes von Bruno Thoß und Hans-Erich Volkmann, Paderborn u.a. 2002, S.150-152.

[40]) Zum taktischen Angriffsverfahren vgl. Guderian: Panzer, S.174-181 und ders., Truppen, S.229-243.

[41]) So Senff, der ausführt, Guderian habe nahezu als erster und einziger Offizier in der Welt den Weg zu operativ verwendbaren Panzerverbänden gewiesen. Vgl. Senff: Die Entwicklung der Panzerwaffe, S.26.

[42]) Siehe hierzu detailliert Corum: The Roots of Blitzkrieg, S.136-143.

[43]) Zit. nach Wolfgang Sagmeister: General der Artillerie Ing. Ludwig Ritter von Eimannsberger. Theoretiker und Visionär der Verwendung von gepanzerten Großverbänden im Kampf der verbundenen Waffen. Phil. Diss. ungedr., Wien 2006, S.277.

[44]) Vgl. Rolf Barthel: Theorie und Praxis der Heeresmotorisierung im faschistischen Deutschland bis 1939, 2 Bde., Diss. Uni Leipzig 1967, Sagemeister, Eimannsberger, S.300-311.

[45]) Vgl. Corum: The Roots of Blitzkrieg, S.140.

[46]) Vgl. Klaus-Jürgen Müller: Generaloberst Ludwig Beck. Eine Biographie, Paderborn u.a. 2008, S.217-219.

[47]) Wilhelm Deist: Die Aufrüstung der Wehrmacht. In: MGFA (Hrsg.), Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 1 Ursachen und Voraussetzungen der deutschen Kriegspolitik, Stuttgart 1979, S.371-532, hier S.520.

[48]) Siehe hierzu Frieser: Blitzkrieg-Legende, S.7-14.

[49]) Zu den verschiedenen Planungsstufen des späteren Sichelschnitts siehe Frieser: Blitzkriegs-Legende, S.78-116.

[50]) Vgl. Frieser: Blitzkrieg-Legende, S.39. Zur deutschen Rüstungsproduktion vgl. den Beitrag von Rolf-Dieter Müller. In: Bernhard R. Kroener, Rolf-Dieter Müller, Hans Umbreit: Organisation und Mobilisierung des deutschen Machtbereichs. Kriegsverwaltung, Wirtschaft und personelle Ressourcen 1939 bis 1941, Stuttgart 1988 (= Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Teilband 5/1), S.406-556.

[51]) Vgl. Richard L. DiNardo: Mechanized Juggernaut or Military Anachronism? Horses and the German Army of World War II, New York 1991 (= Contributions in Military Studies, Nr. 113), S.21-32.

[52]) Vgl. Christian Hartmann: Halder Generalstabschef Hitlers 1938-1942, Paderborn u.a. 1991, S.235-245.

[53]) Der Große Generalstab hatte schon vor Beginn des Ersten Weltkriegs den russischen Soldaten die Fähigkeit zur zähen Verteidigung zuerkannt. Eine Tatsache, die sich während der Kampfhandlungen immer wieder bestätigte. Vgl. hierzu die Beiträge in: Die vergessene Front. Der Osten 1914/1915. Ereignis, Wirkung, Nachwirkung, hrsg. von Gerhard P. Groß, Berlin 2006 (= Zeitalter der Weltkriege, 1) von Rüdiger Bergien: Vorspiel des „Vernichtungskrieges?“ Die Ostfront des Ersten Weltkriegs und das Kontinuitätsproblem (S.393-408), Gerhard P. Groß: Im Schatten des Westens (S.32-61) und Hans-Erich Volkmann: Der Ostkrieg 1914/15 als Erlebnis- und Erfahrungswelt des deutschen Militärs (S.263-293).

[54]) Vgl. Klaus A. Friedrich Schüler: Logistik im Russlandfeldzug. Die Rolle der Eisenbahn bei Planung, Vorbereitung und Durchführung des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion bis zur Krise vor Moskau im Winter 1941/42, Frankfurt a.M, Bern u.a. 1987 (= Europäische Hochschulschriften, Reihe III, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften, 331), S.636-645, Martin van Creveld: Supplying War. Logistics from Wallenstein to Patton, Cambridge 1997, S.143-180.

[55]) Siehe Mungo Melvin: Manstein. Hitler’s Greatest General. London 2010, Oliver von Wrochem: Erich von Manstein: Vernichtungskrieg und Geschichtspolitik, Paderborn u.A. 2006 (= Krieg in der Geschichte, 27).