Amerikanische Seemacht im heutigen Sicherheitsumfeld

Donald Abenheim/James A. Russell/Jim J. Wirtz/Thomas-Durell Young

 

Diese Untersuchung baut auf eine umfangreiche Literatur zu Seemacht, Strategie und Marineoperationen auf, um neueste Faktoren und geostrategische Dynamiken einzuschätzen, die wahrscheinlich die US-Seestrategie tangieren werden, während gleichzeitig die weiterbestehenden Prinzipien, die unbeschadet sich wandelnder nationaler wie internationaler Politik im Blickwinkel behalten werden. Sie stellt die Anwendung von Seemacht in einen historischen und strategischen Kontext, um die Politikoptionen aufzuzeigen, vor denen die Regierung steht, wenn es um die Ausübung nationaler Macht geht, um die USA zu schützen und US-Interessen weltweit zu fördern. Die Trump-Administration überlegt eine signifikante Vergrößerung der U.S. Navy. Es ist wichtig, dass strategische Überlegungen die Entwicklung der Kräftestruktur der U.S. Navy antreiben, um die Prinzipien der Seestrategie widerzuspiegeln - Prinzipien, die im letzten Jahrhundert eine Konstante in Amerikas nationaler Sicherheitsstrategie gewesen sind.

Vier Wahrheiten der Seemacht sind hier erkennbar. Erstens muss die US-Marine ihre Fähigkeit zur Anwendung amerikanischer Macht in küstennahen Gewässern der führenden Schauplätze geopolitischer Konflikte bewahren, um Gegner während Krisen abzuschrecken und, falls notwendig, als Bestandteil der gemeinsamen Streitmacht in einem Krieg zu besiegen. Zweitens muss die U.S. Navy sich um sinnvolle strategische Konzepte bemühen, die als Ergänzung der gemeinsamen Streitkräfte dienen, für die Sicherheit der Nation, ihre Interessen und ihre Verbündeten sorgen, die mit den Bedürfnissen und Zielen der Politik als Ganzem in ihren inländischen und externen Aspekten übereinstimmen. Mangels strategischer Grundsätze könnte die Marine Zielkonflikten und organisatorischem Abstieg zum Opfer fallen, wie häufig in der Vergangenheit geschehen. Das darf aber nicht jetzt an der Schwelle zu einer dringend notwendigen Regeneration der Seemacht USA vorkommen. Die Marine muss innerhalb der amerikanischen Regierung und vor Amerikas Bürgern alles Erdenkliche tun, diesen Umstand klarzumachen, der von zu vielen, die Gefahr missachtend, ignoriert oder einfach als selbstverständlich hingenommen wird, bis es zu spät ist. Drittens sind vor dem Hintergrund der sich verändernden internationalen Sicherheitsumgebung Seestreitkräfte wichtiger geworden, um die gesamte gemeinsame Streitmacht zu ermöglichen. Ein größeres Bewusstsein in der Verteidigungsgemeinschaft über die wachsende Bedeutung der modernen maritimen Fähigkeiten zur Unterstützung von Heer- und Luftwaffe-geführten Kampagnen ist erforderlich. Schließlich muss die Marine sich in ihre Kampflinie und die untergeordneten Strukturen zur Unterstützung dieses strategischen Konzepts selbst organisieren.

Diese drei Wahrheiten der Seemacht bilden die Grundlage für eine solide Strategie auf hoher See und müssen ständig an der Spitze der heutigen Debatte über die Größe, Form und Zusammensetzung der Kräftestruktur der Marine gehalten werden. Die Herausforderung für Strategen heute, wie in früheren Epochen, ist zu ermitteln, wie man die sich verändernde globale strategische Landschaft antizipieren kann, sodass die amerikanische Seestrategie und die nur langsamer veränderbare Streitkräftestruktur der U.S. Navy mit neu auftretenden Bedrohungen und der nationalen Strategie akkordiert werden können.