Großmachtpolitik im Wandel der Zeit

Friedrich W. Schembor

 

Im vorliegenden Beitrag soll die Vorgangsweise gegen Falschmeldungen („Fake News“) der Bekämpfung der falschen Nachrichten aus Napoleons Herrschaftsbereich in Österreich gegenübergestellt werden. Letztlich geht es um die sowohl in der Napoleonischen Zeit als auch heute aktuelle grundsätzliche Frage, wie die Verbreitung wahrheitsgetreuer Informationen, die für den Bestand des betroffenen Staates notwendig sind, zeitnahe sichergestellt werden kann.

Napoleon versuchte durch Falschmeldungen in Druckwerken und durch Gerüchte den österreichischen Staat zu zerstören und v.a. die Herrschaft des österreichischen Kaisers zu beseitigen. Wie gezeigt werden konnte, bestanden die österreichischen Gegenmaßnahmen in der Verhinderung der Einfuhr von Büchern, Zeitschriften und Zeitungen aus Frankreich und dem französisch beeinflussten Ausland sowie der Zensur der Manuskripte für inländische Druckwerke mit politisch problematischen Inhalten. Der ungeheure Aufwand, der sich insbesondere bei der Zensurierung der Periodika ergeben hätte, weil die Leser in diesem Falle annehmen mussten, dass alles Gedruckte von der Regierung gutgeheißen oder als richtig angesehen wurde, führte dazu, dass lediglich die „Wiener Zeitung“ der Zensur unterlag und die übrigen Tageszeitungen verpflichtet wurden, nur jene politischen Inhalte zu bringen, die in der „Wiener Zeitung“ wiedergegeben wurden. Bei entsprechenden Anlässen beauftragte der Kaiser geeignete Persönlichkeiten, Bücher, Zeitschriften, Pamphlete und Aufrufe zu verfassen, die sowohl das einfache Volk als auch die gebildeten Bürger über den entsprechenden Sachverhalt aufklärten und sie im Sinne des Staates positiv beeinflussten.

Die Bevölkerung stand im Allgemeinen dem französischen Kaiser, der das Volk mit Einquartierungen, Requisitionen und Kontributionszahlungen drangsalierte, ablehnend gegenüber. Die vielfach mangelnde Information über die tatsächliche Lage und eine gewisse Sensationsgier ließ jedoch Gerüchte sprießen.

Polizeibeamte in Zivil und Polizeivertraute versuchten, auf Marktplätzen und Kaffeehäusern in Gesprächen auf das Volk beruhigend einzuwirken und damit Unruhen und Tumulte zu vermeiden.

Größtes Hindernis war v.a. in Kriegszeiten die unbefriedigende Geschwindigkeit, mit der Nachrichten übermittelt werden konnten. Es gab nicht genug Zeit, um, wie es der Kaiser verlangte, eingetroffene Siegesmeldungen auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen, so dass sie oft unterblieben, was zur weiteren Verunsicherung der Bevölkerung beitrug.

Alles in allem war es Napoleon nicht möglich, in der österreichischen Bevölkerung einen Umsturz herbeizuführen.

Man muss sich aber mit der schrecklichen Erkenntnis abfinden, dass es die heutige Informationstechnologie möglich macht, durch Computernetzwerke, die sich an jedem beliebigen Ort befinden können, die lebensnotwendigen Funktionen eines Staates ohne Waffengewalt und ohne physisches Eindringen ins Staatsgebiet lahmzulegen und damit die Sicherheit im Staat auf das Höchste zu gefährden, wobei das unberechtigte Eindringen oft erst durch die bereits erfolgte Störung erkannt wird.