Pershing und Amerikas kontroversielle Rolle im Ersten Weltkrieg

Raymond E. Bell Jr.


Würden amerikanische Soldaten kämpfen? Die Deutschen sagten, „Nein!“ Würde der erst vor Kurzem zum Generalmajor beförderte John J. Pershing (1860-1948) in der Lage sein, eine wirksame Streitmacht ins Feld zu führen? Die Verbündeten Amerikas, Briten und Franzosen, sagten, „Wir bezweifeln das.“ Würden die Amerikaner in Anbetracht ihres späten Erscheinens auf dem Schlachtfeld in Frankreich - könnten oder würden sie tatsächlich kämpfen - in der Lage sein, einen signifikanten Beitrag zum Kriegsgewinn zu leisten? Könnte eine amerikanische Expeditionsstreitmacht (AEF) unter Pershing überhaupt nach Europa gelangen - angesichts der Verlegungsdistanz von mehr als 3.000 Meilen zur See, die von einer großen und wirksamen deutschen U-Boot-Flotte geradezu dominiert wurde? Vor Ort gab es viele Kombattanten, die seit August 1914 im Kampf standen und zweifelten, dass eine sinnvolle amerikanische Streitmacht überhaupt rechtzeitig eintreffen könnte, um etwas zu bewirken. Würde nach Eintreffen der Amerikaner Pershings Vorliebe für offensive Kampfführung im Stellungskrieg der Alliierten einen Platz finden? Waren schlussendlich die amerikanischen Wehrpflicht-Soldaten in der Lage, es mit den brutalen Anstrengungen aufzunehmen, denen sich ihre Verbündeten in den Jahren vor dem US-Kriegseintritt unterzogen? Sowohl Verbündete als auch der Feind sollten die Antworten auf diese Fragen und Zweifel erhalten, allerdings nicht 1917 und vielleicht auch nicht 1918. Zu diesem späteren Zeitpunkt hätte es sehr leicht für eine brauchbare AEF zu spät gewesen sein können. Die Franzosen hatten die deutsche Belagerung Verduns 1916 überlebt und meuterten nach dem Fehlschlag der Nivelle-Offensive. 1917 steckten sie in ihren Stellungsgräben fest.

Die Schlussprüfung für die amerikanischen Wehrpflicht-Soldaten, die mit extremer Gewalt nicht vertraut waren, war die Operation von September bis 11. November 1918. So schwer auch die früheren Kämpfe und großen Verluste waren, so lieferte die Foch-Offensive den Beweis, dass der amerikanische Soldat selbst im härtesten Test keinen Mangel aufwies. Er zeigte dem deutschen Feind, dass er vorzüglich kämpfen konnte und wollte. Er zeigte seinen französischen und britischen Verbündeten, dass er würdig war, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen.

Was Pershing betraf (ein strenger und kompromissloser Kommandant, der sich gegen Antagonisten, auch auf seiner Seite des Krieges, behauptete), so war seine Rolle als Kommandant der AEF die Krönung seiner Laufbahn. Sein größter Ehrgeiz war, seinen Auftrag zu erfüllen und einen signifikanten, wenn nicht gar den ungeteilten, Beitrag zum Kriegsgewinn gegen die Mittelmächte zu leisten. Es bestehen kaum Zweifel, dass er durch alle seine Versuche und Strapazen erfolgreich war.