Was ist Krieg? Gedanken von Carl von Clausewitz

Matthias Kuster


Krieg ist trotz allen internationalen Bemühungen, Völkerrechtsverträgen, Friedensbewegungen, Antikriegsfilmen und Friedensnobelpreisen nicht von der Erde verschwunden. Die nachstehenden Ausführungen basieren auf den Erkenntnissen des bedeutenden Kriegstheoretikers Carl von Clausewitz (1780-1831).

In Europa prallen derzeit drei ideologische Konzepte aufeinander, die untereinander nicht vereinbar sind und damit hohes Konfliktpotenzial aufweisen: Islamismus, Nationalismus und Liberalismus. Während der Liberalismus als Folge der Aufklärung das Individuum ins Zentrum stellt und Freiheitsrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit propagiert, zielt der Islamismus auf eine homogene Gemeinschaft der (islamischen) Gläubigen unter den Regeln der Scharia ab, während der Nationalismus die Einheit der Ethnie unter einem autokratischen Regime zu realisieren sucht. Da Nationalismus und Islamismus ihre Ideologie auf Hass gegen andere basieren und bereit sind, sie mit Gewalt durchzusetzen, droht der Liberalismus als Folge seines Respekts gegenüber dem Individuum und seiner Achtung der Freiheitsrechte, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Gewaltlosigkeit ins Hintertreffen zu geraten. Gelingt es dem Liberalismus längerfristig nicht, sich gegenüber Nationalismus und Islamismus zu behaupten, sind Krieg und Konflikt verbunden mit dem möglichen Untergang liberaler Werteordnungen auch in Europa möglich. Krieg in Europa ist aus diesen Gründen leider auch heute keine bloße Illusion. Wer glaubt, dass wirtschaftliche Verflechtung der beste Schutz gegen Krieg ist, irrt gewaltig. Bereits Norman Angell (1874-1967), der 1933 den Friedensnobelpreis erhielt, erlag diesem Irrtum. 1910 legte er in seinem legendär gewordenen Buch mit dem Titel „The Great Illusion“ detailliert dar, warum wegen der starken wirtschaftlichen Verflechtung zwischen Deutschland und England sowie den internationalen Verbindungen der Telekommunikation und der Finanzwelt ein Krieg sinnlos und damit sehr unwahrscheinlich geworden sei. 1914 brach der Erste Weltkrieg, die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ aus. 2013 warnte Jean-Claude Juncker im Zusammenhang mit der Debatte um die Zukunft der Währungsunion davor, dass sich die Konflikte in Europa gefährlich zuspitzen könnten: „Wer glaubt, dass sich die ewige Frage von Krieg und Frieden in Europa nie mehr stellt, könnte sich gewaltig irren. Die Dämonen sind nicht weg, sie schlafen nur.“