Luftstreitkräfte in asymmetrischen Einsätzen (Teil 2)

„Reflexionen zu Air Power“

Dirk Heinzmann


Der erste Artikel zum Thema „Luftstreitkräfte in asymmetrischen Einsätzen“ skizziert unter dem Aspekt „Entwicklung von Air Power“ die Dimension der geschichtlichen Entwicklung der Luftmacht. Ausgehend von den ersten militärischen Missionen vor mehr als einhundert Jahren wird darauf aufbauend ihre Relevanz und das mögliche Einsatzpotenzial von Luftstreitkräften in asymmetrischen Konflikten bis in die Gegenwart hinein analysiert. Hierbei wird die Luftmacht als eine der maßgeblichen militärischen Komponenten im Portfolio der Instruments of Power erläutert und der Anpassungsprozess dargelegt, welchen die Luftstreitkräfte besonders in den beiden letzten Dekaden diesbezüglich durchlaufen haben. Dies verdeutlicht somit ihre adaptierte Rolle im Konglomerat aus Militär, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Die vorliegende zweite Folge „Reflexionen zu Air Power“ diskutiert nunmehr das Verhältnis der militärisch genutzten Luftmacht zu ausgesuchten kritischen Interaktionsfeldern und beschreibt ihre Bedeutung im Zusammenspiel mit weiteren vitalen Faktoren. Dabei wird sowohl die Relevanz der Luftstreitkräfte für die Politik und ihre mannigfaltigen Verknüpfungen innerhalb des militärischen Gefüges beleuchtet als auch signifikante Alleinstellungsmerkmale hervorgehoben. Daraus lassen sich umfangreiche Kenntnisse ableiten, die einerseits das grundsätzliche Verständnis für das Wesen der Luftmacht weiterentwickeln, andererseits die Interaktion zu den anderen staatlichen Machtfaktoren generieren. Im Kontext der militärischen Machtausübung wird die Rolle der Luftstreitkräfte allgemein anerkannt und als ein wesentliches Element der Politik angesehen, auch innerhalb der westlichen Wertegemeinschaften. Besonders für den als zentral geltenden Informations- und Kommunikationsbereich für eine politische Situationsanalyse ist die Beherrschung und Kontrolle des Luftraums und darüber hinaus jene des Weltraums entscheidend. Zudem wird das militärische Potenzial der Luftwaffen bei Einsätzen in asymmetrischen Konflikten bereits seit vielen Jahrzehnten größtenteils in bewährter Weise eingesetzt.

Die sich stetig weiter entwickelnden Prozesse und Veränderungen in den politischen, diplomatischen und gesellschaftlichen Bereichen führen sukzessiv auch zu Anpassungen in militärischen Interaktionen, deren Strategien und Doktrinen. Der Prozess wird wie bereits auch in der Vergangenheit zwangsläufig durch technologische Veränderungen und Weiterentwicklungen teilweise sprunghaft vorangetrieben, insbesondere in den Luftstreitkräften. Dabei dürfen in dieser eigenen volatilen Dynamik die beteiligten Menschen nicht vernachlässigt werden - weder Soldaten oder Diplomaten noch einfache Bürger. Andernfalls entstünde möglicherweise die Gefahr, wonach der notwendige Gleichschritt zwischen der technischen Dimension von Luftwaffen und der sie begleitenden Qualifizierung, Schulung und Bildung der Akteure verloren ginge. Tatsächlich betrifft dies nicht nur die Weltluftmacht USA mit ihrer übergroßen und systemprägenden Affinität zur Technik oder ihrem patriotischen Selbstverständnis, sondern auch kleinere Staaten. Zumal in unseren demokratischen Gesellschaften der hoch qualifizierte, diskussionsfähige und interkulturell versierte Mensch in seinem Handeln als Vorgesetzter, Mittler und Denker das größte Kapital darstellt.