Baron Ferdinand Julius Wedel-Jarlsberg, 
ein norwegischer Seeoffizier in österreichischen Diensten

Wilhelm M. Donko


Es ist bekannt, dass Skandinavier einen großen Anteil am Aufbau einer eigenständigen österreichischen Marine in der Mitte des 19. Jahrhunderts hatten. Verbunden ist diese Tatsache in erster Linie mit dem dänischen Marineoffizier Hans Birch Dahlerup (1790-1872), den der erst 18-jährige Kaiser Franz Joseph 1849 in Olmütz zum Vizeadmiral und Kommandanten seiner Marine ernannte. Dahlerup holte nicht nur einige seiner dänischen Landsleute, sondern auch andere Skandinavier an die Adria. Aber nur zwei von ihnen machte er zu Kommandanten österreichischer Kriegsschiffe, den Schweden Erik af Klint und den Norweger Ferdinand Julius Wedel-Jarlsberg. Dieser diente nur eineinhalb Jahre in Österreichs Marine (1850-51), hinterließ aber deutliche Spuren als Herausgeber eines Werkes über Seemannskunde, als Ausbildner von neuen Kadettenanwärtern (viele wurden später bekannte Marineoffiziere) und u.a. als Vorgesetzter des jungen Fähnrichs Tegetthoff. Zu Dahlerup entwickelte er eine enge Nahebeziehung, die aber im bitteren Streit zerbrach und zu seinem frühen Abschied führte.

Dahlerup war stets bedacht gewesen, die von ihm in die Marine geholten Skandinavier zwar bestmöglich zu fördern, wollte selbst aber unbedingt den Eindruck einer Günstlingswirtschaft vermeiden, die er in Österreich an allen Orten zu erkennen glaubte. Wedel-Jarlsberg erhielt das Kommando über ein Schiff nur deshalb, weil er ihn als jungen, aber durchaus erfahrenen Seeoffizier als den richtigen Mann für diese Aufgabe hielt. Trotz offensichtlicher persönlicher Sympathien war er aber nicht bereit, ihn nochmals außerhalb der Reihe zu befördern. Der ehrgeizige Norweger konnte sich damit nicht abfinden, erkannte auch, dass Dahlerup ihm langfristig nicht mehr hilfreich sein konnte. So dauerte sein durchaus erfolgreicher Dienst in Österreichs Marine nur sehr kurz, von Januar 1850 bis zum Juni 1851, und war am Ende nicht einmal mit einer Dekoration verbunden.

Insgesamt war der skandinavische Einfluss auf die Entwicklung der österreichischen Kriegsmarine zwar kurz, aber nachhaltig und sollte in seiner Gesamtbedeutung nicht unterschätzt werden. Natürlich ist dabei Hans Birch Dahlerup die alles überstrahlende Persönlichkeit, aber auch andere Marineoffiziere, wie Ferdinand Wedel-Jarlsberg, haben ihren Beitrag geleistet - gerade in den frühen, prägenden Jahren direkt nach 1848. Damals lag die alte venezianische Marine in Trümmern und eine nicht italienisch geprägte war erst im Aufbau begriffen. Es waren viele Skandinavier, die hier wichtige Impulse setzten, wie die Herausgabe geeigneter Lehrbehelfe und die Übernahme von Schulungsaufgaben für den Offiziersnachwuchs. Schon 1864 hatte Wilhelm von Tegetthoff, der selbst unter Wedel-Jarlsberg gedient hatte, beim Seegefecht von Helgoland erstmals Gelegenheit zu zeigen, wie weit fortgeschritten Österreichs Marine gegenüber dem Schicksalsjahr 1848 nunmehr war, ausgerechnet gegen Dänemark. Und nicht zuletzt dank skandinavischer Experten wie Ferdinand Wedel-Jarlsberg.