Die Verteidigungsminister der Zweiten Republik - Serie

Manfried Rauchensteiner


Ferdinand Graf



Die Reihe der 17 Verteidigungsminister der Zweiten Republik beginnt mit Ferdinand Graf:

* 15. Juni 1907, Klagenfurt, † 8. September 1969, Wien, röm. kath. Höhere Bundeslehranstalt für Elektrotechnik (ohne Abschluss); 1928-1933 Sekretär des Kärntner Bauernbundes, 1933-1938 Direktor des Kärntner Bauernbundes, 1938-1940 Gestapohaft, KZ Dachau und Flossenbürg, 1941-1943 Soldat der Deutschen Wehrmacht, 1943-1945 Lohnverrechner einer Baufirma, 1945-1969 Direktor des Österreichischen Bauernbundes, 19.12.1945-5.11.1949 Mitglied des Bundesrates, 8.11.1949-14.12.1962 Abgeordneter zum Nationalrat, Wahlkreis 24 (Kärnten), 20.12.1945-29.6.1956 Staatssekretär im Bundesministerium für Inneres, 29.6.1956-15.7.1956 Bundesminister für Angelegenheiten der Landesverteidigung im Bundeskanzleramt, 15.7.1956-11.4.1961 Bundesminister für Landesverteidigung; 1961-1969 Präsident des Aufsichtsrats Creditanstalt-Bankverein.

Der 1907 geborene Graf brachte Vieles mit, das ihn zumindest in die engste Wahl hatte kommen lassen. Er war Christlichsozialer, Bauernbündler, Heimwehrangehöriger und Funktionär der Vaterländischen Front gewesen, wurde 1938 verhaftet und blieb bis Ende 1940 in Konzentrationslagern. Wenige Monate später wurde er zur Wehrmacht eingezogen und blieb bis 1943 an der Ostfront. Bei Kriegsende aber war er zur rechten Zeit am rechten Ort, nämlich in Wien, konnte eine KZ-Bekanntschaft mit Leopold Figl nützen und galt in Kürze als kommender Mann. Als im Bundesparteivorstand der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) nach den Nationalratswahlen im Mai 1956 die Frage nach der personellen Besetzung eines Verteidigungsministeriums aufs Tapet kam und es galt, den ersten Verteidigungsminister der Zweiten Republik zu benennen, soll der noch amtierende und gleichzeitig designierte Bundeskanzler Julius Raab gemeint haben: Na, wer soll’s schon werden? Der Graf natürlich. Der schläft ja schon in Uniform. Tatsächlich hatte sich Ferdinand Graf, schon durch Jahre mit Fragen der Aufstellung des Bundesheers beschäftigt, war aber als Staatssekretär im Innenministerium meist im Schatten seines Ressortchefs Oskar Helmer gestanden. 1956 sah er sich am Ziel. Graf galt als „Mann fürs Grobe“ und war „Verteidigungsminister aus Leidenschaft“.

Umso schmerzlicher traf es Graf, als 1961 der neue Bundeskanzler Alfons Gorbach Nachfolger von Julius Raab wurde, der sich aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen musste, nicht ihn (Graf), sondern Karl Schleinzer als neuen Verteidigungsminister nominierte. Graf war tief gekränkt.

Er blieb jedoch im Bundesparteivorstand der ÖVP und schwieg sich dort meist ebenso aus wie im Parlament. Erstaunlich eigentlich für den einstmals so wortgewaltigen Antikommunisten. Graf war auch weiterhin Bundesfinanzreferent der ÖVP und konnte sich zudem über eine mehr als solide materielle Absicherung freuen, da er Präsident des Aufsichtsrats der größten verstaatlichten Bank Österreichs, der Creditanstalt-Bankverein, und von 1967 an Mitglied des Aufsichtsrats der Österreichischen Industrieverwaltungs AG (ÖIAG) wurde. Seine Partei ließ ihn also keineswegs fallen.

1968 erlitt Graf einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte. Ein Jahr später starb er.