Der Militär-Maria Theresien-Orden

M. Christian Ortner


Der österreichische bzw. österreichisch-ungarische Militär-Maria Theresien-Orden (MMTO) stellte nicht nur die höchste militärische Auszeichnung dar, welche die ehemalige Monarchie zu vergeben hatte, sondern galt von der Stiftung bis zu seinem Erlöschen auch international als einer der vornehmsten und geachtetsten militärischen Verdienstorden. Wiewohl die Stiftung selbst erst während des Siebenjährigen Krieges (1756-63) vorgenommen wurde, reichen die ersten Überlegungen bezüglich der Schaffung eines militärischen Verdienstordens bereits in die Jahre 1749/50 zurück. Feldzeugmeister Leopold Joseph Graf von Daun (1705-66) war nach Abschluss des Aachener Friedens (1748) durch Maria Theresia mit der Reorganisation und Neuausrichtung des Heeres beauftragt worden. In diesem Zusammenhang beschäftigte sich Daun auch mit der Stiftung eines „Militärischen Ehren-Ordens“, der neben der Honorierung militärischer Verdienste auch dazu beitragen sollte, „mehreres Verlangen und Begierde zu erwecken, in den Soldathen-Stand einzutretten“. Dass bei diesen Überlegungen der bereits seit 1740 bestehende preußische Orden „Pour le Mérite“ („Für das Verdienst“), dem nunmehr ein habsburgisches Pendant gegenübergestellt werden sollte, eine „stimulierende“ Wirkung ausgeübt hatte, ist zwar nicht direkt nachweisbar, erscheint jedoch verständlich. Dauns Entwürfe sahen im Unterschied zum „Pour le Mérite“ nicht eine, sondern drei Ordensklassen vor, wobei auch finanzielle Zuwendungen an die Träger, sogenannte Ordenspensionen, vorgesehen wurden. Maria Theresia sollte die Würde des Ordensgroßmeisters einnehmen, die Geschäfte des Ordens durch ernannte Ordensbeamte wahrgenommen werden; als Name wurde „Militärischer Theresia-Ehren-Orden“ vorgeschlagen. Die Einschätzung der Monarchin fiel vorerst zurückhaltend aus, zumal sich sowohl hinsichtlich der Großmeisterwürde als auch in Bezug auf die Inkompatibilitätsbestimmung des habsburgischen Ordens vom Goldenen Vlies mögliche Schwierigkeiten ergeben hätten. Für den Gemahl und Mitregenten Maria Theresias, Kaiser Franz I. Stephan (1708-65), schien die Schaffung eines österreichischen Hausordens, dem seine Gemahlin als Großmeister vorstehen würde, natürlich wenig geeignet, sein Ansehen in den österreichischen Erblanden zu heben. Darüber hinaus fungierte Franz I. auch als Souverän des Ordens vom Goldenen Vlies, wodurch eben die oben genannten Unvereinbarkeitsbestimmungen schlagend wurden. Wohl aufgrund dieser dynastischen, politischen und rechtlichen Unklarheiten, verbunden mit den vagen Vorstellungen hinsichtlich des Aussehens und der Namensgebung des Ordens, wurde die grundsätzliche Idee der Schaffung einer militärischen Auszeichnung vorläufig ruhend gestellt. Erst nach Ausbruch des Siebenjährigen Krieges im Jahre 1756 wurde das Vorhaben der Stiftung eines österreichischen Militär-Ordens wieder aufgegriffen.

Als Hersteller der ersten Insignien wird in den Aktenbeständen des MMTO der Wiener „Goldarbeiter“ Paul Kobril genannt, die Ordensbänder wurden vom „Hof-Bandmacher“ Johann Götz angefertigt. Wie lange die Firma Kobril (inkl. Nachfolger) als alleiniger Hersteller fungierte, lässt sich aus der Quellenlage nicht genau eruieren. Im Jahre 1801 wird als Hersteller von zwei Groß- und 111 Ritterkreuzen der „Goldarbeiter“ Ignaz Joseph Schmidt (bzw. dessen Witwe Irma Schmidt) erwähnt, dem zu diesem Zweck 600 „Species“-Golddukaten seitens des k.k. Münzamts zur Verfügung gestellt wurden.