Die großen Manöver 2017 und 2018 - Reihe

„Eine Betrachtung“ (1)

Horst Pleiner


Der Beitrag beleuchtet die Manöver speziell der Großmächte im Zeitraum 2017 und 2018 v.a. im europäisch-arktischen Nord- und Ostseeraum, in Südosteuropa (Balkan) und im Umfeld des Schwarzen Meeres, im Pazifischen Ozean und im fernöstlich-südostasiatischen Raum.

Manöver weisen schon seit 150 Jahren einen besonderen Stellenwert im Rahmen der Aktivitäten von Streitkräften auf. Der Begriff wird als Übung großer Verbände im Gelände unter realistischen Bedingungen und mit operativem Hintergrund als Teilabschnitt oder Phase im Ablauf eines operativen Geschehens (eines Feldzuges, einer Kampagne, einer Operation) definiert. Entscheidend für die Zuordnung dieses Begriffes ist jedenfalls die in der jeweiligen militärischen Aktivität vorhandene strategische und/oder operative Dimension. Zwecke solcher Manöver sind in großem Rahmen die Verbesserung, Überprüfung und Entwicklung von Einsatzverfahren, von Führungsverfahren und Führungssystemen (auch technisch der Führungsmittel), von logistischen bzw. Versorgungssystemen, des Ausbildungsstandes, der Interoperabilität und des Zusammenwirkens von Teilstreitkräften. Es kann dabei auch das Kennenlernen eines bestimmten Operationsgebietes oder der Rahmenbedingungen in einem solchen in unterschiedlichen Jahreszeiten im Vordergrund stehen. Große Manöver dienen fast immer auch einem politisch-strategischen Zweck, daran ändern anderslautende Beteuerungen wenig.

Offiziell sind Manöver, in welcher Form auch immer abgehalten, gegen „niemanden“ gerichtet, und dies wird in einschlägigen Erklärungen stets hervorgehoben. Aber die Anlage und Durchführung von Manövern lässt meist erkennen, „worum es geht“, und bei manchen Übungsvorhaben der Jahre 2017 und 2018 drängen sich Erinnerungen an die Manövergeschehnisse der letzten 15 Jahre des „Kalten Krieges“ auf, die sich nun, wenn auch in aktualisierter Form, mit modernerer Ausrüstung und geänderten Verfahren zu wiederholen scheinen, die bis 1991 in Europa mehr oder weniger „üblich“ waren. Aber der Lauf der Geschichte zeigt sich in der Tatsache, dass jetzt das Schwergewicht nicht mehr auf dem Gebiet der damaligen Bundesrepublik Deutschland liegt, sondern in Räumen, die bis 1990 Teil des Vorfeldes der UdSSR im Rahmen des Warschauer Paktes gewesen waren oder die sich durch Verlagerung von Art und Intensität der Interessen langsam aber deutlich zu neuen Regionen der potenziellen Konfrontation entwickelt haben. Dazu gehören die Ostsee und die baltischen Staaten sowie die Anlieger am Schwarzen Meer. Am europäischen Nordraum hat sich allerdings nichts geändert und an der Südflanke Europas haben die Entwicklungen im Nahen Osten und in Nordafrika seit 2003 Veränderungen nach sich gezogen. Der neuerliche Aufbau einer starken, rasch verfügbaren Eingreifkomponente wurde in der NATO in Angriff genommen, und die sich daraus ableitenden Verfahren und Szenarien haben sich auch in der Manövergestaltung abgebildet. Verändert hat sich allerdings die Situation im westpazifischen und südostasiatischen Bereich durch das Erstarken der militärischen Komponente der VR China.