Suworows „Die Kunst zu Siegen“ im Einsatz

Wie das russische Bajonett durch die Alpen drang

Vasily K. Belozerov


Im Herbst 1799 wurde der Alpenfeldzug der russischen Armee unter dem Kommando von Feldmarschall Alexander Suworow (1730-1800) beendet. Über diesen siebzehntägigen Zug gibt es heutzutage reichhaltige Literatur. Unter den Forschern, die ihre Untersuchungen den Ereignissen 1799 in Italien und in der Schweiz gewidmet haben, steht auch der Name von Clausewitz. Aber trotzdem sind Lücken, Fehler und Irrtümer vorhanden, die die objektive Wahrnehmung des damaligen Geschehens erschweren.

Als Alexander Puschkin am 6. Juni 1799 zur Welt kam, hatte Suworow einen weiteren Sieg am Fluss Trebbia in Italien eingefahren. Hundert Jahre später nannte der russische Publizist Michail Menschikow den großen russischen Feldherrn „Puschkin der Militärkultur“. Schon in seiner Kindheit las Suworow Bücher über Alexander den Großen, Cäsar, Hannibal, Prinz Eugen, Karl XII. von Schweden und Peter den Großen. Sein Bildungsniveau erhöhte Suworow im Unterschied zu den ihm Gleichgestellten im Laufe des ganzen Lebens. Er sprach fließend Französisch und Deutsch. Er hatte auch Grundkenntnisse in der finnischen, türkischen und italienischen Sprache.

Vor dem Italienischen Feldzug las er in seinem Nowgoroder Landgut Kontschanskoe wissenschaftliche Bücher, bezog regelmäßig nicht nur russische Zeitungen und Zeitschriften, sondern auch ausländische. Unter diesen Bedingungen hatte der Feldherr aufmerksam die internationale Entwicklung verfolgt. In Russland ist der Generalissimus noch zu Lebzeiten eine legendäre Persönlichkeit und zum nationalen Erbe geworden. Als Befehlshaber hat er keine seiner sechzig Schlachten verloren. Für die Kriegsgeschichte ist es eine Ausnahmeerscheinung.

Sein geistiges Erbe ist vielfältig und umfasst militärstrategische, politische, militärpädagogische und andere Dimensionen. Nach dem Tod Suworows im Mai 1800 haben seine Schüler und Nachfolger Ideen des Feldherrn aufgenommen und damit die Grundlagen für künftige militärische Erfolge geschaffen. Viele Helden und Feldherr des Krieges 1812 sahen sich als Suworows Schüler.

Zu Sowjetzeiten lag der Schwerpunkt der Publikationen über Suworow v.a. auf der Betonung der Errungenschaften nationaler Kriegskunst. Es ist bemerkenswert, dass am 7. November 1941 der damalige sowjetischer Oberste Befehlshaber Josef Stalin seine Rede bei der Militärparade auf dem Roten Platz mit den Worten schloss: „Möge euch in diesem Krieg das heldenmütige Vorbild eurer großen Vorfahren beseelen - Alexander Newskis, Dmitri Donskojs, Kusma Minins, Dmitri Poscharskis, Alexander Suworows, Michail Kutusows!“ 1942 wurde der Suworow-Orden eingeführt.

Das geistige Erbe Suworows ist auch im heutigen Russland nach wie vor lebendig. Es ist dringend notwendig, Suworows Strategien und Lehransätze für die Weiterentwicklung der Militärstrategie Russlands heranzuziehen, um weiter erfolgreich zu bleiben.