Die Wissensentwicklung im MilGeo-Wesen des Österreichischen Bundesheeres
- Teil 1 -

Hermann Häusler/Gerald Gnaser/Friedrich Teichmann


Bisher wurde der Begriff des MilGeo-Wesens in der Fachliteratur kaum reflektiert, noch dazu wo der Begriff der Militärgeographie seit Jahrzehnten als Anwendung der Geographie für militärische Zwecke geläufig war. Bekanntlich geht der Begriff der Militärgeographie auf die 1839 erfolgte Zusammenlegung des Militärgeographischen Instituts in Mailand mit der Topographisch-lithographischen Anstalt des Generalquartiermeisters in Wien zum k.k. Militärgeographischen Institut (MGI) zurück. Im Jahr 1844 wurde dann das Landesbeschreibungsbüro im k.k. Generalstab u.a. zur Wahrnehmung der Militärgeographischen Landesbeschreibung gegründet. Nach der Aufstellung des Österreichischen Bundesheeres im Jahr 1955 erarbeitete Major (später Oberst der VIII. Dienstklasse) Ing. August Zewedin bereits im Jahr 1957 ein MilGeo-Konzept. Im Jahr 1984 wurde der Militärische Geodienst als Abteilung V/9a „MilGeo-Wesen“ im Bundesministerium für Landesverteidigung etabliert, mit entsprechenden Stellen im I. Korps (in Graz) und im II. Korps (in Salzburg), in der Panzergrenadierdivision (in Baden), in der Fliegerdivision (in Langenlebarn) und in den Militärkommanden der österreichischen Landeshauptstädte. Die Aufgaben der Militärgeographie im Rahmen der Militärischen Landesbeschreibung bestanden in der Erfassung, Bewertung und Aufbereitung des Wirkungsgefüges zwischen bestimmten Raum- und Geländefaktoren und militärischen Faktoren. Damals wurde die Bezeichnung ,,Militärischer Geo-Dienst" für den „Fachdienst“ des österreichischen Bundesheeres zur Wahrnehmung der Aufgaben des „Militärischen Geo-Wesens“ verwendet. Gemäß der damaligen Dienstvorschrift „Führungsbegriffe“ sollten unter „Militärisches Geowesen“ die „Organisation, die Maßnahmen und Einrichtungen sowie alle Fach- und Sachgebiete verstanden werden, die sich mit der Militärischen Landesaufnahme (…), der Militärischen Landesbeschreibung (…) und der Militärischen Raumordnung (…) befassen…“. Im Zuge des Raumverteidigungskonzeptes des Österreichischen Bundesheeres, nach Horst Pleiner in der Zeit von 1972 bis 1990, gewann die Militärische Raumplanung zunehmend an Bedeutung. Mit der Änderung der Wehrdoktrin nach dem Ende des Kalten Krieges, der Auflösung der MilGeo-Referate bei den Korpskommanden und deren Umgliederung bei den Militärkommanden, änderte sich auch das Aufgabenspektrum des Militärgeographischen Dienstes, wobei Teilaspekte der Militärischen Raumplanung durch den „Umfassenden Umweltschutz“ wahrgenommen wurden.

War der klassische Militärische Geo-Dienst des ÖBH früher stark auf die Erstellung der Österreichischen Militärkarten (in unterschiedlichen Maßstäben) ausgerichtet, so erfolgt heute vermehrt die zeitnahe Bearbeitung digitaler Gelände- und Satellitenbilddaten sowie die digitale Bereitstellung von MilGeo-Kartenprodukten für bestimmte Einsatzräume im Ausland („Operational Mapmaking“).

Der Beitrag über die Entwicklung des Militärischen Geowesens (MilGeo) des Österreichischen Bundesheeres würdigt speziell die Mitwirkung von Milizexperten an der Spitze der MilGeo-Wissenspyramide.