Die großen Manöver 2017 und 2018 - Reihe

„Eine Betrachtung“ (2)

Horst Pleiner

Im ersten Teil dieser Betrachtung wurde die Manövertätigkeit der NATO und Russlands im europäischen Nordraum und im Gebiet der Ostsee im Jahre 2017 und bis in den Oktober 2018 dargestellt. Die größten Ereignisse waren, wenn auch mit unterschiedlicher Teilnehmerzahl, das NATO-Manöver „Trident Juncture 2018“ und das russische Manöver „Zapad 2017“, aber auch die erhebliche Anzahl von Manövern kleinerer Dimension ließ in diesem Zusammenhang die hier seit 2014 eingetretene Veränderung der militärstrategischen Gesamtsituation in diesem aus Sicht der Akteure überaus bedeutenden Raum deutlich werden. V.a. für die west- und nordeuropäischen NATO-Mitgliedstaaten sowie die skandinavischen Neutralen ergab sich zunehmendes Interesse an Demonstrationen der Fähigkeiten zur Bewältigung allfälliger Krisenlagen. Das zeigte sich auch im Manöververhalten Russlands, wobei die schon im Kalten Krieg vorliegenden Narrative von gegenseitiger Wahrnehmung der Aggression durch die „andere“ Partei und von „Gegenmaßnahmen“ auf diese subjektiv wahrgenommene Bedrohung auf beiden Seiten sich an die Vorbilder aus der Zeit des Kalten Krieges anzunähern schien. In diesem Teil der Betrachtungen werden daher die Ereignisse im Nordraum bis Ende 2018 sowie die Aktivitäten im zentralen und südostwärtigen Bereich Europas einschließlich des Schwarzmeer-Raumes und des Mittelmeeres dargestellt.

Im Zusammenhang sowohl in zeitlicher Hinsicht vom 26. Oktober bis 8. November 2018 als auch strategisch-operativ durch die Lageannahme mit dem Manöver „Trident Juncture 18“ stand auch in der östlichen Ostsee das seit 2007 jährlich von der NATO als Einladungsmanöver abgewickelte Manöver „Northern Coasts“, das allerdings eine eigenständige nicht in „Trident Juncture 18“ eingebundene Übung bildete. Dabei ging es um das Freihalten der Kommunikationslinien zur See in der Ostsee, die nach dem Bottnischen und Finnischen Meerbusen führen und eine Alternative für Transporte und Verlegungen nach Nordnorwegen bieten würden. Die erst kürzlich aufgestellte „Very High Readiness Joint Task Force“ der NATO hatte 2017 im Rahmen des Manövers „Noble Jump 2017“ ihre rasche Verfügbarkeit und kurzfristige Verlegbarkeit im Rahmen des NATO „Readiness Action Plan“ unter Beweis zu stellen. Das Kernelement der insgesamt fast 3.000 Soldaten umfassenden VHJTF bildete zu dem Termin die 20th (UK) Armoured Brigade zusammen mit Teilen der 11th (UK) Infantry Brigade. Dazu kamen Einheiten aus den USA, Deutschland, den Niederlanden, Norwegen, Polen und Spanien. Die Übung wurde geleitet vom Kommando der NATO Multi-National Division Südost mit Hauptquartier in Bukarest. Dieses Kommando führte im März und April 2017 Vorbereitungsseminare für die unterstützende Logistik aus Griechenland, Bulgarien und Rumänien sowie Personal aus Albanien und Lettland durch und im Mai erfolgte dann eine Alarmierung der beteiligten Kräfte der VHJTF, die dabei in ihren jeweiligen Standorten überprüft und qualifiziert wurden.

Das Großmanöver „Saber Guardian 17“ fand zwischen dem 5. und 23. Juli in verschiedenen Gebieten Ungarns, Rumäniens und Bulgariens mit rund 25.000 Teilnehmern aus 22 NATO-Staaten und acht Partnerländern ) statt und bildete das größte der insgesamt 18 im Jahre 2017 in der Region Balkan-Schwarzes Meer durchgeführten Manövern im direkten oder indirekten Rahmen der NATO. Als Lead Nations fungierten die USA, die auch 14.000 Soldaten stellten, und Bulgarien.

Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr fand auch 2018 eine Großübung der Reihe „Dynamic Front“ zwischen dem 23. Februar und 10. März statt. In dieser von der U.S. Army Europe geleiteten Übung waren über 3.500 Teilnehmer aus 26 Nationen einbezogen, wobei Artilleriebatterien und Kampfflugzeuge für die Luftnahunterstützung durch die amerikanischen, britischen, deutschen, französischen, polnischen und tschechischen Streitkräfte eingebracht wurden.

Die im April 2018 beginnende Truppenrotation im Rahmen der US-Operation „Atlantic Resolve 2018“ bezog sich vorrangig auf die drei baltischen Staaten, Polen und Deutschland.

Der Beitrag bietet zudem einen Überblick über die 2018 abgehaltenen Großmanöver im Schwarzen Meer und im Mittelmeer.