Die Wissensentwicklung im MilGeo-Wesen des Österreichischen Bundesheeres
- Teil 2 - 

Hermann Häusler/Gerald Gnaser/Friedrich Teichmann

Während im ersten Teil dieses Beitrags der Begriff MilGeo-Wesen in seinen zahlreichen Facetten dargestellt sowie das IMG - das Institut für Militärisches Geowesen - in seiner Entwicklung und Gegenwart beschrieben wurde, erfolgen nunmehr im zweiten Teil die Einführung des Begriffs Wissenspyramide, eine Detaillierung des Konzepts der Wissenspyramide sowie die entsprechenden Ableitungen für den MilGeo-Expertenstab. Zentrales Thema deutschsprachiger Veröffentlichungen über ein nachhaltiges Wissensmanagement im Unternehmenskontext ist die Erläuterung des Bildes der „Wissenstreppe“, das die Zusammenhänge der Begriffe von Daten über Informationen, Wissen, Können, Handeln und Kompetenz bis hin zur Wettbewerbsfähigkeit verdeutlicht. Klaus North und Ronald Maier betrachten die „Digitale Gesellschaft“ des 21. Jahrhunderts als „Wissensgesellschaft 4.0“. Ihr Modell der „Wissenstreppe 4.0“ symbolisiert die wissensbasierte Wertschöpfung von Unternehmen, die zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit führt. Wie schon von der Wissenspyramide her bekannt, beruhen die digitalen Technologien für eine wissensbasierte Wertschöpfung auf IT-Ansätzen der Daten- und Informationsverarbeitung, deren Vernetzung zu Wissen führt. Wird unter Kompetenz nach Klaus North die Umsetzung des Wissens in zweckorientierte, situationsadäquate Handlungen verstanden, so wird in der Wissenstreppe 4.0 die digitale Wissensdienstleistung zur Erhöhung der unternehmerischen Wettbewerbsfähigkeit erreicht. Etwas abgeändert lässt sich dieses Kompetenzkonzept einer stufenweisen Wissensgenerierung auch für militärgeowissenschaftliche Untersuchungen anwenden.

Ab dem Jahr 2000 wurde unter Brigadier Mag. Dr. Reinhard Mang und Oberst dhmtD Mag. Gerald Gnaser systematisch der Miliz-Expertenstab des IMG aufgebaut. Damit wurde auch organisatorisch im Stab des Institutes für Militärisches Geowesen die Methoden- und Fachkompetenz für das „Kommando Führungsunterstützung und Cyber Defence“ von der traditionellen „Militärgeographie“ zu den militärischen Geowissenschaften erweitert. Seit rund 20 Jahren haben sich Aufbau und Funktionsweise des Expertenstabes am IMG voll bewährt. Generell im Zweijahresrhythmus zu einer Sonderwaffenübung bzw. beorderten einwöchigen Waffenübung einberufen, wurden vom Expertenstab neben der militärischen Fortbildung teamweise aktuelle MilGeo-Spezialaufgaben bewältigt. Forschung und Entwicklung wird am Institut für Militärisches Geowesen aktuell durch das Referat „Geo-Grundlagen“ gesteuert. Grundlage der MilGeo-Milizfortbildung bildet ein internes MilGeo-Curriculum, etwa für anlassbezogene Planungen im Ausland oder für spezielle Studien der MilGeo-Faktorenanalyse. Verfolgt man die rasante globale Entwicklung sensorgestützter Erkundungs- und Fortbewegungsmittel, die europaweite Nutzung elektronisch verfügbarer Umweltinformationen sowie die Entwicklung von Applikationen für den zivilen und militärischen Nutzer, so stellt sich die Frage nach Entwicklung und künftigem Einsatz von Expertensystemen im Institut für Militärisches Geowesen. Definiert man ein Expertensystem als Computerprogramm, das Menschen bei der Lösung komplexer Probleme wie ein Experte unterstützen kann, wie dies bei automationsgestützten Waffensystemen etwa der Fliegerabwehr oder der U-Boot-Aufklärung seit langem der Fall ist, so könnte mit einem solchen Programm auch die eingangs erwähnte Analyse und Operationalisierung funktionaler MilGeo-Beziehungen im Rahmen von Führungsinformationssystemen entwickelt werden. Letztlich erfordern insbesondere veränderte Formen der Interaktion zwischen Mensch und intelligentem System eine Neudefinition von Expertise. Der Expertenstab des IMG verfügt jedenfalls schon heute über Kapazitäten eines entsprechenden Wissensmanagements zur professionellen Wissensorganisation und wissensorientierten Unternehmensführung des Institutes für Militärisches Geowesen.

Es ist somit zu hoffen, dass auch durch die weitere Ausstattung des Institutes für Militärisches Geowesen - unabhängig vom Ergebnis weiterer Reorganisationen - der MilGeo-Expertenstab für künftige Herausforderungen im Rahmen des Staatlichen Krisen- und Katastrophenmanagements (SKKM), im Rahmen einer künftigen gesamtstaatlichen Umfassenden Landesverteidigung, als auch im Rahmen der Europäischen Sicherheitspolitik voll zur Geltung kommen kann.