Die großen Manöver 2017 und 2018 - Reihe

„Eine Betrachtung“ (3)

Horst Pleiner

Im westpazifisch-fernöstlichen Raum treffen die Interessensphären der USA, der VR China und Russlands in einem Raum aufeinander, in dem sich zwar langsam entwickelnde, aber doch immer wieder beunruhigende Faktoren eine erhebliche Rolle spielen. So etwa die atomaren Aspekte Nordkoreas, die permanente Spannung um den Status von Taiwan, der Zugriff der VR China auf Inselgruppen im Südchinesischen Meer, die Differenzen zwischen Japan und der VR China um die Senkaku-Inseln sowie zwischen Japan und Russland um eine Kurilen-Insel. Aber auch die mit dem Projekt einer neuen Seidenstraße mit einem transkontinentalen „Schienenstrang“ und dem Bemühen um Einfluss in Häfen am Golf von Bengalen und dem Arabischen Meer verbundenen subtilen Entwicklungen wecken nicht nur Begeisterung und die Auswirkungen eines sich abschwächenden Wachstums der Wirtschaft der VR China sowie der zunehmenden Totalkontrolle der Bevölkerung verbunden mit einer schwierigen sozialen Situation eines nach wie vor „wandernden“ Anteils der Bevölkerung sind noch nicht abzuschätzen. Während sich das mit seiner Bevölkerung rasch wachsende Indien zu bemühen scheint eine stärkere Position in seinem maritimen Umfeld zu untermauern, sind die USA offenbar dabei den Stützpunkten zwischen Djibouti und Okinawa und dahinter in einer zweiten Linie in dem genannten Raum größte Bedeutung zuzumessen. Dazu das fernöstliche Gebiet eines Russlands, das sich zumindest subjektiv wieder durch die USA bedrängt, wenn nicht sogar „eingekreist“ zu verstehen scheint. Sichtliche Aufrüstung ist in dem gesamten Raum erkennbar, zumindest Modernisierung der als wesentlich erachteten Teilstreitkräfte und Entwicklung neuartiger Raketensysteme zur Bekämpfung mobiler Schiffsziele über die nahe Inselkette hinaus, haben dazu beigetragen die Intensität der militärischen Manöver schon im Jahr 2017 zu erhöhen und diesen in den meisten Fällen einen strategischen Hintergrund zu verleihen.

Der Autor beschreibt eine Reihe von großen Manövern im fernöstlich-südostasiatischen Raum 2017/2018. Dazu zählt etwa die jeweils im Juli 2017 und 2018 abgehaltenen trilateralen Übungsreihen „Malabar“ mit der Versammlung der teilnehmenden Einheiten der indischen, japanischen und amerikanischen Marine unter anderem an der Ostküste Südindiens.

Schon seit dem Jahr 1971 Jahren findet alle zwei Jahre unter der Gesamtverantwortung des US-Kommandos der Pazifikflotte das Manöver „RIMPAC“ statt. Daran nahmen von Ende Juni bis Anfang August 2018 im erweiterten Seegebiet um die Hawaii-Inseln traditionell Komponenten der U.S. Navy, der Anrainerstaaten des Pazifiks, des U.S. Marine Corps, der U.S. Coast Guard, der U.S. National Guard sowie der Royal Navy teil. Anfangs wurde eine potenzielle Invasion Taiwans durch Streitkräfte der VR China als Hintergrund dieser Manöver in manchen Medien vermutet, aber es wurde von offizieller Seite nichts dieser Art geäußert.

Von Anfang Juli bis zum 18. September 2018 fand mit einem Kernbereich zwischen dem 11. und 18. September unter Leitung von Verteidigungsminister Sergej Schoigu und des russischen Generalstabes Moskau mit dem Stab des „Nationalen Verteidigungszentrums“ ein den gesamten Kriegsschauplatz Fernost einbeziehendes Großmanöver unter der Bezeichnung „Wostok 2018“ statt.